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Full text of "Feldzüge des Prinzen Eugen von Savoyen. Nach den Feldacten und anderen authentischen Quellen hrsg. von der Abtheilung für Kriegsgeschichte des K.K. Kriegs-Archives"

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1> 



8983J« 



FELDZÜGE 

DES 

PRINZEN EUGEN 

VON SAVOYEN. 

(GESCHICHTE DER KÄMPFE ÖSTERREICHS,) 

Herausgegeben von der 

Abteilung für Kriegsgeschichte des k. k. Kriegs-Archivs. 
I, SERIE. - VII. BAND. 



T SECHS KARTEN BEILAGEN.! 



WIEN 188-1. 

VERLAG DES K. K. GENERALSTABES. 
IN COMMISSION BEI C. GEROLD'S SOHN. 



6 



SPANISCHER 

SUCCESSIONS-KRIEG. 

FELDZUG 1705. 

Nach den Feld-Acten und anderen authentischen Quellen 

bearbeitet in der 

Abtheilimg für Kriegsg' 



JOSEF RECHBERGER RITTER VON RECHKRON 

K. K. OBERSTLIEUTEXANT DES ARMEE-STANDES. 



WIEN 18S1. 

VERLAG DES K. K. GENERALSTABE 
IN C0MMISS10N BEI C. GEROLD'S SOHN, 



WALDHEIM. 



< 



I n h a 1 1. 



Militärisch-politische Lage 1705. 

Oesterreichs innere Lage, und das Verhältnis* gegenüber 
seinen Verbündeten 1. — Die Ilauptobjecte des grossen Streites 
und deren Bedeutung in militä i isclier Hinsicht 2. — Die 
militärischen und politischen Constellationen bezüglich der ver- 
schiedenen Kriegsschauplätze: Ober-Italien 3. — Die 
Haltung Venedigs 4. — Die Haltung der römischen Curie C. 

— Die Haltung der schweizerischen Eidgenossenschaft S. 
Die Kriegsschauplätze an Frankreichs Nordost- 
grenzen 11. — Die Haltung Englands und Hollands 11. — 
Hemmnisse, welche schon vorweg der Hauptaction entgegen 
standen 14. — Einfluss, welchen der Streit, zwischen den 
nordischen Mächten auf die Hauptaction an Frankreichs Nord- 
ostgrenzen auszuüben vermochte, und dessen Paralysirung lli. 

— Die Haltung Russlands 16. — Die Haltung Polens und 
Schwedens 18. — Die Haltung Preussens 19. — Einfluss der 
Besetzung Bayerns durch die kaiserlichen Truppen '20. - 
Massnahmen zur Niederhaltung der aufgeregten Stimmung in 
Bayern 22. — Einfluss der Rebellion in Ungarn 
auf den Gang des Krieges im Allgemeinen 24. — 
Ermuthigung der Rebellen durch Frankreich und England 25. 

— Versöhnungsversuche Joseph I. 28. — Vermittlung durch 
England und Holland 30. — Notwendigkeit der Bekämpfung 
der Rebellen 32. — Umschwung in der Gesinnung der Ver- 
bündeten des Kaisers 33- — Die Haltung der otto- 
manischen Pforte 35. — Militärisch-politische 
Constellationen auf der Iberischen Halbinsel 37. 

— Die persönliche Lage König Karl III. 37. — Die Zer- 
fahrenheit der Verbündeten 38. — Des Landgrafen von Hessen- 
Darmstadt AngrifPspläne 39. — Militärisch - politisch e 
Constellationen für Frankreich 40. — Die Machi- 
nationen Ludwig XIV. 41. — Günstige Chancen, welche für 
Frankreich aus der Zerfahrenheit der Verbündeten erwuchsen 12. 

— Das Vorteilhafte der geographischen Position Frankreichs 13. 



II 



Kriegsplan and Wahl der Feldherren. 

Prinz Eugen und Herzog \ 'on Marlborough 45. Daa 

Kriegstheater in Ober-Italien 47. — Das Kriegstbeater auf der 
Iberischen Halbinsel 49. 

Rüstungen. 
Rüstungen <li-s Kaisers. 

Beschaffung der Geldmittel 51 

Contributionsgelder 54. — Subsidiengelder 55. — Finanz- 
Operationen der Hofkammer Mi. 

Recrutirung, Remontirung . . . 59 

Recrutirung 60. — Remontirung (V2- — Die Reichs- 
truppen 63. 

B e w a f f n u n g, Ausrüstung, Proviantirung 66 

Artillerie und Brückenwesen 66. — Bewaffnung der In- 
fanterie und Reiterei 69. — Kriegsbedarf überhaupt 70. — 
Feld-Sanitäts-Anstalten 71. — Verpflegung mit Naturalien 72. 
Verpflegung in Italien 72. — Der Train in Italien 73. — Ver- 
pflegung in Ungarn 74. — Verpflegung im Römischen Reich 75. 

Landesvertheidigungs-Massregeln. 

In Tyrol 77. — In Triest und Fiume 78. — In Mähren 

und Schlesien TS. 

Die Miethtruppen. 

Die preussischen Miethtruppen 79. — Die Churpfälzer 80. 

— Bestrebungen des Kaisers zur Gewinnung von Mieth- 
truppen 81. — Die dänischen Truppen 82. — Antrüge Kuss- 
lands 83. 

Rüstungen der Alliirten des Kaisers. 

England 83- — Holland s.">. — Portugal und Piemont 86. 

Rüstungen Frankreichs. 

Die Hülfsquellen Ludwig XIV. 86. — Ergänzung des 
Heeres 87. — Anstrengungen, den Verbündeten ebenbürtige 
Armeen entgegenzustellen 88. — Vernachlässigung des Kriegs 
Schauplatzes auf der Iberischen Halbinsel 91. 

Der Krieg in Italien. 
Allgemeine Laue auf dein Kriegsschauplatze in Ober-Italien. 

I>i.' Lage der Kaiserlichen und des Herzogs von Savoyen 
am Schlüsse des Jahres 17(il 92. — Die Position der Streil 
kräfte Ludwig XIV. 9:'.. — Chancen bei der wechselseitigen 
Stellung der Streitkräfte 9.".. Nächste Absichten des fran- 

zösischen Feldherrn 9.'.. 



Ereignisse bis zur Eröffnung des Feldzuges durch dm Prinzen 
Eugen. 

u) In Piemont 97 

Das persönliche Verhältniss zwischen dem Herzoge von 
Savoyen und dem Marschall Guido Graf Starhemberg 97. — 
Stärke der austro-savoyischen Armee 97. — Aufstellung der 
verbündeten Truppen 98. 

Belagerung von Verrua 99 

Stand der Dinge zu Beginn des Jahres 1705 99. 
Aenderung der Angriffsweise von Seite der Franzosen 102. — 
U n t e r 1) r e c li u n g d e r V e r 1) i n d u n g z w i s c h e n V e r r u :i 
und Crescentino 103. — Verlust des Forts auf der Po 
Insel lllj. — Der Fall von Verrua 106. 

Angriff der Franzosen auf die Grafschaft Nizza . . 11(1 
Die Unternehmung des Duc de la Feuilläde 110. — 
Belagerung von Nizza 112. — Das Aufgeben der Belagerung 
und die Blokade der Citadelle 115. 

6) Das Corps Leiningen \ ] r, 

Aufstellung und Stärke bei Beginn des Jahres 1 7o.'> 116 

— Der Zustand dieses Truppen-Corps 117. — Aufstellung und 
Stärke der Franzosen 119. — Leiningen's nächste Absichten 119. 

— Leiningen's Entsatzversuche gegen Piemont und 
Mirandola 120. — Der Zustand Mirandola's 121. — Die 
Bedeutung Mirandola's für Eugen's Operationen 123. — Ver- 
schlimmerung der Position Leiningen's in Folge des Zu- 
wartens 125. — Befehl Eugen's, sich unter jeder Bedingung 
in der Position von Gavardo zu behaupten 127. 

Die Belagerung und der Fall von Mirandola 129 

Die zum Angriffe bestimmten französischen Truppen 129. 

— Stand der kaiserlichen Besatzung 130. — Eröffnung der 
Trancheen 130. — Verlust des Platzes und Capitulation 132. 

Vorbereitungen zur Eröffnung der Campagne durch Prinz 

Eugen. 

Einfluss der üblen Nachrichten aus Piemont auf Eugens 
Entschlüsse 13-1. — Erwägung der Dispositionen für die bevor- 
stehende Campagne von Seite der Franzosen 135. 

Uebernahme des Oberbefehles durch den Prinzen Eugen. 

Eugen's Ver such, den Mincio zu for ciren 137 

Die Versammlung der Streitkräfte 137. — Absicht, den 
Mincio-Uebergang zu forciren 138. — Das Misslingen des Ver 
suches 140. 
Vereinigung der getrennten Theile der Armee Eugen's. 141 
Dispositionen für die Vereinigung 141. — Versuch der 
Franzosen, die Vereinigung zu verhindern 143. 



Seite 

Angriff der Kaiserliel anf Soscto II.', 

Der Marsch der kaiserlichen Reiterei über das Ge- 
birge 146. Angriff s versuch der Franzosen auf die 
Position von Gavardo 148. 

Die Ereignisse in Pieraont vom Falle Verrua's bis Ende Mai. 

Die Stimmung des Herzogs von Savoycm 152. — Streif- 
zug des < » b r i s t e ii Pfefferkorn 153. — Dispositionen 
der Franzosen in Folge der Alarmirung 1 60. 

Beginn der Operationen. 

Stiirke der Armee des Prinzen Eugen 162. — Stärke der 
\rinrr des Grosspriors 165. — Die Position der Franzosen vor 
Gavardo 167. — Kampf um die Casine Moseoline am 
Naviglio 169. — Fernere Dispositionen des Prinzen 
Eugen 17 1. — Ansammlung der kaiserlichen Streitkräfte in 
dem vmi Soscto nach Nave führenden Thale 172. 

Aufbruch Eugen's von Gavardo 174 

Massnahmen der Franzosen, nachdem der Aufbruch der 
Kaiserlichen kund geworden 178. 

Rückblick anf die Ereignisse in Piemont von Endo Mai bis 
Ende Juni. 

Versammlung der französischen Armee zu Saluggia ISO. 

— Werth der Stellung von Chivasso für die austro-savoyische 
Armee ISO- — Vorbereitende Bewegung der Franzosen 182. 

— Versuch des Angriffes am linken Ufer des Po 184. — Die 
Diversion durch de la Feuillade 185. 

Uebergang der kaiserlichen Armee über den Oglio. 

Die Ansichten des Grosspriors über Eugen's Manöver 187. 

— Dispositionen des Prinzen Eugen am 27. Juni 188. — Ueber- 
gang über den Oglio 189. — Eugen zum Stillstande genöthigt 191. 

— Bewegung des Grosspriors 192- — Verfolgung und 
G e f a n g e n n a h m e der von T o r a 1 b a b e f e h I i g t e n 
Infanterie 193. — Marsch des Grosspriors über 
den Serio 194. 

Engen's fernere Operationen. 

Angriff der Kaiserlichen auf Soneino 196. 
Eugen's Versuch, sich den Besitz des unteren Oglio 
zu sichern 199. — Gefecht bei Tredici Ponti 203. 

— Vor g ä n g e a m u n t e r en Oglio 2< >5 • 

Marsch der kaiserlichen Armee an die Adda. 

Die Ansichten Vendome's 209. Anstalten für den Auf- 

bruch der Kaiserliehen 211). — Maisch an die Adda und l'eher- 
gangsversuch 211. 






Die Schlacht bei Cassano d'Adda. 

Entsehlusa zur abermaligen Ausführung eines Gewalt- 
marsches 215. — Das Terrain bei Cassano d'Adda und die 
Stellung der Franzosen 215. — ■ Entschluss Eugens, die Schlacht 
zu suchen und Formirung der Armee zum Kampfe 217. — 
Beginn und Durchführung der Schlacht 219. — Betrachtungen 
über den Verlauf und Erfolg der Schlacht 225. 

Eugen's fernere Operationen bis zum Schlüsse der Campagne 
in Ober-Italien. 

Die Lage der Kaiserlichen nach der Schlacht von Cassano 
d'Adda 227. — Versuch, nach Piemont zu gelangen 228. — 
Gefecht am Serio 233. — Prinz Eugen's Marsch 
nach Crema; Kanonade bei diesem Orte 234. — 
Gefecht am Oglio 244. — Schluss der Operationen 251. 

Ereignisse in Piemont vom Juli bis Ende des Jahres. 

Stand der Belagerungsarbeiten vor Chivasso Anfangs 
Juli 257. — Rückzug der austro-savoyischeu Armee von 
Chivasso 260. — Die Ereignisse in und vor Turin 262. 
Aufhebung der Belagerung von Turin 273. — Berennung 
und Entsatz von Asti 276. — Belagerung von 
Nizza 279. — Schlussbetrachtungen 285. 



Krieg an Frankreichs Ostgrenzen. 
Allgemeine Lage. 

Die Chancen für den Angriffsplan der Verbündeten 288. 

— Einwendungen des Markgrafen von Baden gegen den Angriffs- 
plan 289. — Truppen vert hei Hing vor Eröffnung 
der Campagne 292. — Einleitung der Offensiv- 
Operationen durch die Verbündeten 293- 

Die Haupt-Operationen an der Mosel 297 

Versammlung der von Marlborough befehligten Armee 299- 

— Vormarsch an die Mosel 301- — Scheitern der Haupt- 
Operationen der Verbündeten 304. — Betrachtungen 
über das Missglücken der Haupt-Operation 309. 

Die Kriegsereignisse in den Nieder landen 311 

Die militärische Situation in den Niederlanden 311. — 
Belagerung von Huy 311. — Massnahmen der Holländer in 
Folge des Verlustes von Huy 313. — Marsch der allürten 
Truppen nach den Niederlanden 313- — Angriff auf die 
französischen Linien 315. — Operationen der 
Alliirten gegen die Dyle 320. — Verhinderung des An- 
griffes durch die Deputaten Hollands 323. — Schacbzüge des 
Marschalls Villeroy 325. — Schluss der Campagne 327. 



Operationen am Rhein 329 

Würdigung des Kriegstheaters 329. - Die Truppen 
beider Gegner 330. Verstärkung der französischen Armee 

nach dem Misslingen der Operationen Marlborough's 3132. — 
Stärke der Reichs-Armee zu dieser Zeit 333. — Angriff 
dei Franzosen auf Homburg 336. — Rückzug der 
Franzosen hinter die Moder 339. — Vorwärtsbewegung 
der Reichs-Armee 313. — Stillstand in den Operationen 345. 

Belagerung und Einnahme von Drusenheim und 

IIa gen au 348. — Versuch zur Wiedergewinnung 
von Homburg und Schluss der Campagne 353. 

Der Aufstand in Bayern. 

Lage des Landes zu Beginn des Jahres 365 

Schwierige Stimmung der Bewohner 363. - Ursachen, 
welche die Verstimmung erhöhten 365. — Die Einsetzung der 
Administration 366. 
Die Besitzergreifung der Stadt und des Rentamtes 

München durch kaiserliche Truppen . . 37( 

Vertheiluug der kaiserlichen Truppen uaeh dem Einrücken 
in München 374. 
I) i e Reibungen z w i s c h e n d e r A dministration u n d d e n 

Befehlshabern der kaiserlichen Truppen 371 

Militärische Massnahmen zur Beherrschung 
des Bayernlandes 378. — Wesentlichster Anlass 
zur Steiger u n g d er G ä h r u n g i m bayerische n 
Volke 381. — Der Ausbruch des Aufs tan des 383. 

— Der erste Zusammenstoss mit den kaiserlichen Truppen 385. 

— Verlust von Burghausen 388. — Thätige Unterstützung der 
kaiserlichen Operationen durch die Administration 389. — 
Versuch zu gütlicher Beilegung der Wirren 390. — Die Kämpfe 
bei Alt- und Neu-Oetting 392. — Verlust von Braunau 393- 

— Massnahmen zur Wiedereroberuug von Braunau 395. — 
Einstellung der Feindseligkeiten während der Verhandlungen 
inii den Aufständischen 397. — Der Verlust von Kelheim 399. 

— Die Aufständischen brechen den Waffenstillstand 401- — 
Wechsel im Oberbefehle der kaiserlichen operativen Streit 
macht 403. — Die Bedrohung Münchens durch die Aufstän- 
dischen 405. — Ausnutzung des Sieges durch die Kaiserlichen 
und Vernichtung der Aufständischen bei Sendungen 406. — 
Schlussbetrachtungen 408. 

Rebellion in Ungarn. 
Allgenieiner Ueberblick über <lie militärische Lage. 

Umstände, welche die Rebellen begünstigten 111. - Die 
La ;i dir Kaiserlichen 412. 



Machtverhältnisse zwischen den Kais etlichen und 
Rebellen 4 

In Ungarn die Kaiserlichen 113. — In Ungarn die 
Rebellen 417. — In Siebenbürgen die Kaiserliehen und die 
Rebellen 418. 

Kriegsereignisse vom Beginne des Jahres bis zur Abberuf ang 
Feldmarschall Heister's aus Ungarn. 

Schwierigkeiten, für Heister einen Operationsplan zu ent- 
werfen 419. — Sammlung der Kaiserlichen auf der Schütt- 
lusel 419. — Massnahmen gegen die Rebellen 4:22. — Die 
Lage der Kaiserlichen in Ost-Ungarn 424. — Die Lage der 
Kaiserlichen in Siebenbürgen 425. — Abberufung Heister's aus 
Ungarn 426- 

Massregeln zum Schutze der E r b 1 a n d e u n d z u r 

P r o v i a n t i r u n g v o n T r e n t s c h i n 4! 

Kriegs-Operationen unter Feidma r sehall Co m t e 

d'Herbeville's Ober-Commando 4 

Der Wechsel im Ober-Commando 431. — Expedition 
des FML. von Glöckelsperg gegen Paks an der 
Donau 433. — Unterbrechung der Operationen an 
der Donau in Folge der Ereignisse an der Grenze 
Mährens 435- — Einwirkung des Hof kriegsr athe s 
auf die ferneren Massnahmen H e rb e vi 11 e's 430. — 
Treffen bei Bibersburg 438. 

Bewegung der kaiserlichen Hauptmacht gegen Grosswardein. 

Einleitung der Bewegung 441. — Stärke der Kaiser- 
lichen 442. — Bewegung nach Komorn und Ofen 4 IL — 
Expedition Pälfty's 445- — Aufbruch der Armee von i M'cn 
gegen die Theiss 446. — Der Theiss-Uebergang 450. — Die 
Proviautiruug von Grosswardein 451. 

Angriffsmarsch gegen die Grenze von Siebenbürgen. 

Concentrirung der vor Grosswardein zerstreut aufgestellten 
Armee 452. — Beginn der Vorrückung gegen Siebenbürgen 453. 
— Formirung der Armee in Schlachtordnung 455. 

Schlacht bei Sibo. 

Schlachtordnung der Kaiserlichen 457. - 
Streitkräfte der Rebellen 458- — Der Angriff durch 
die Kaiserliehen 459. — Sieg und Kriegsbeute 400. — Schluss- 
betrachtung über den Sieg der Kaiserlichen bei Sibö 402. 

Einbruch in Siebenbürgen. 

Vereinigung des kaiserlichen Corps mit Feldmarschall 
Kabutin 463. 



5. — 


Be lagerun 


ihe 


Truppen 17 


■ i: t 


1 a g e r u n g 



Kriegsereignisse im Rücken der Hauptarmee. 

Die Bedrohung Mährena 466. Die Bedrohung Steyer- 

mavka 408. 

Der Krieg in Spanien. 

l»:is Kriegstheater and die politisch -militärische Lage zu 
Beginn des Jahres. 

Die Stimmung des spanischen Volkes 473. — Der fran- 
zösische Feldherr 473. — Di« Alliirten 474. 

Operationen zu Land. 

Die Streitkräfte der Verbündeten 475. 
von Gibraltar durch gallospanii 
- Ueberrumplungsversuch 180. — D: 
arbeiten 482. 
Eintreffen eines Theiles der verbündeten Flotte und 
Kampf zur See 

Flucht der französischen Escadre aus dem Hafen von 

Gibraltar 483. — Seetreffen 484. — Aufgeben der Belagerung 

von Gibraltar 184. — Vorbereitungen zur Frühjahrs- 

Campagne und Operationsplan 486. 

Die Operationen der alliirten Armee 

Eröffnung der Campagne 489. — Vorrückung der Ver- 
bündeten gegen Albuquerque 491. — Marschall Tesse verhindert 
die Einschliessung von Badajoz 492. — Schluss der Frühjahrs- 
Campagne 493. — Betrachtungen über die Frühjahrs - Cam- 
pagne 495. 

Expedition der grossen Flotte. 

Die Wahl des Befehlshabers der grossen Flotte 497. — 

Di,- Versammlung der Kriegsschiffe 499. — Kriegsruth über den 

Operationsplan 500. - Die Unternehmung gegen Barcelona 503. 

E i iL u a h m e v o n B u r c e 1 o n u u n d d i e E r f o 1 g e in Cut a- 

1 o n i e n 

Die Herbst-Campagne an der Grenze von Portugal. 

Personal-Veränderungen in der Armee 516. - Ver- 
sammlung der Streitkräfte der Verbündeten 516- — Belagerung 
von Badajoz .">17. Rückzug der Verbündeten von Badajoz 

und Schluss der Campagne 518. Betrachtungen über die 

llcrbst-Cuinpugni. .vJO. 



A 11 h a 11 



1. Schreiben des Grosspriors an den französischen Krbgsministor Cha- 
millart. Feldlager bei Soncino, den 30. Juni 1705 527 

2. A. Ausweis der im Münchner Arsenalu vergraben gewesenen Kriegs- 
materialien. B. Speoificätion der zu Wasserburg und auf dem Schloss 
Schwaben verborgenen Geschütze und anderen Kriegsrequisiten . . 528 

3. Patent des Anführers Johann Hoffmann an die Aufständischen. Im 
Hauptquartier zu Simbach, 23. November 1705 529 

-t. Capitulation von Braunau, am 27. November 1705 530 

4a. Schreiben der zu Burghausen gefangenen kaiserlichen Oftieiere, an 

den Obristen I».- Wendt (ohne Datum) 532 

5. Raköczy an den Bischof von Osnabrück betreff der Friedensverhand- 
lungen. Neuhänsel, den 28. Juni 1705 532 

6. Aufruf des ungarischen Rebellenführers, Kürst Anton Eszterhäzy, an 

die Bewohner Mährens. An den mährischen Grenzen, 21. Juli 1705 533 

7. Schreiben des Grafen Simon Forgäch an den Grafen Georg Bänffy 
in Hermannstadt über die habsburgische Succession. Auf den Medgye- 
scher Gefilden, den 24. Juni 1705 534 

8. Kaiserliche Erklärung in der ungarischen Sache. Wien, den 21. Au- 
gust 17115 535 

9. Graf Sinzendorf an die Bevollmächtigten der Seemächte wegen des 
Ortes der Zusammenkunft der Mediatoren. Wien, den 29. August 1705 536 

10. Autwort der Bevollmächtigten auf das vorhergehende Schreiben. Wien, 

den 30. August 1705 537 

11. Bericht des FZM, Baron Neuem an den Hofkriegsrath in türkischen 

und ungarischen Angelegenheiten. Peterwardein, den 2. September 1705. 538 

12. Relation des Hofkanzlers Graten Sinzendorf an König Karl III. über 

die Verhandlungen mit den Rebellen. Wien, den 13. September 1705 538 

13. Schreiben Paul Okolicsänyi's über die ungarischen Deputirten. Tyrnau, 

den 10. December 1705 541 

14. Schreiben des holländischen Bevollmächtigten Du Hamel Bruyninx 

an den Hofkriegsrath Tiell. Tyrnau, den 15. December 1705 ... 541 
lö. Schreiben des holländischen Bevollmächtigten Du Hamel Bruyninx 

an den Hofkriegsrath Tiell. Tyrnau, den 30. December 1705 ... 542 

16. Johann Bottyän's Aufruf zum bewaffneten Widerstände. Päpa, den 

9. December 1705 543 

17. Bericht des Grafen Wratislaw an König Karl III. von Spanien über 

die Verhältnisse am kaiserlichen Hofe. Wien, den 22. Februar 1705 545 

18. Plan des Landgrafen Georg von Hessen-Darmstadt für die bevor- 
stehende Campagne. Gibraltar, den 27. April 1705 546 

19. Schreiben des Fürsten Anton Liechtenstein an den Graten Wratislaw 
über den Entschluss König Karl III., mit der Flotte nach Catalonien 



zu segeln (ohne Datum) 



548 



20 a. König Karl III. sucht Lord Peterborough zu bestimmen, mit der 

Flotte vor Barcelona zu verweilen. Barcelona, den 3. September 1705 550 



X 

20 b. Kriegsrath, abgehalten auf dem englischen Kriegsschiffe „la Bre- 
tagne", den I. September 1705 651 

21. Fürst Anton Liechtenstein an den Grafen Wratislaw über die Mass- 
nahmen in Catalonien und Lord Peterborough's Charakter, Barcelona, 
den 5. November 1705 652 

Benutzte Quellen 555 



Militärische Correspondenz des Prinzen Eugen 
von Savoyen 1705. 

(Supplement-Heft.) 

1. Bericht an König Karl III. von Spanien. Wien, den 7. Jänner 1705 5 

2. An den G. d. C. Grafen Leiningeu. Wien, den 10. Jänner 1705. . 6 
:). An den GWM. und Obrist-Kriegscommissär Baron Martini. Wien, 

den 10. Jänner 1705 7 

i. An den Feldmarschall Graten Gronsfeld. Wien, den 10. Jänner 1705 8 

5. An den GWM. und Obrist-Kricgsconnnissär Baren Martini. Wien, 

den 11. Jänner 1705 11 

6. Au den Fürsten Anton Liechtenstein. Wien, den 14. Jänner 1705 . 12 

7. An die Commissariats-Substitution in Bayern. Wien, den 14. Jänner 1705 14 

8. An den FZM. Grafen Friese,, Wien, den 14. Jänner 1705 ... 17 

9. An den G. d. C. Grafen Leiningen. Wien, den 18. Janner 1705. . 18 

10. Während des Druckes ausgeschieden worden. 

11. An den Hofkammerrath von Vorster. Wien, den 20. Jänner 1705 . 19 

12. An den G. d. C. Grafen Leiningen. Wien, den 24. Jänner 1705. . 23 

13. An den G. d. ('. Grafen Leiningen. Wien, den 27. Jänner 1705 . . 24 

14. An den Feldmarschall Grafen Gronsfeld. Wien, den 28. Jänner 1705. 25 

15. An den Herzog von Marlborough. Wien, den 28. Jänner 1705 . . 26 

16. Au den Feldmarschall Grafeu Guido Starhemberg. Wieu, den 29. Jän- 
ner 1705 27 

17. An den Herzog von Savoyen. Wien, den 29. Jänner 1705 .... 29 

18. Au den Grafen Auersperg. Wien, den 29. Jänner 1705 29 

19. An die Churfttrstin von Bayern. Wien, den 4. Februar 1705 ... 30 

20. An den Feldmarschall Grafen Gronsfeld. Wien, den 4. Februar 1705 31 

21. An den FML. Baron Bürgly (Bürkhel). Wien, den 4. Februar 1705 37 

22. An den Prinzen Leopold von Anhalt-Dessau. Wien, den 4. Fe- 

bruar 1705 37 

23. An den EZM. Grafen Friesen. Wien, den 11. Februar 1705 ... 38 

24. An den G. d. <'. Grafen Leiningen. Wim, den 11. Februar 1705 . 39 

25. An den Feldmarschall Grafen Gronsfeld. Wien, den 15. Februar 1705 40 

26. Aii den Herzog Victor Amadeus von Savoyen, Wien, am 16. Fe- 
bruar 17H5 41 

27. An den General-Major von Stillen. Wien, den 18. Februar 1705. 43 



28. Au den preussischen Minister Grafen Wartensleben, Wien, den 

18. Februar 1705 44 

29. An die Churfürstin von Bayern. Wien, den 18. Februar 1705 . . 41 

30. An den Feldmarschall Heister. Wien, den 21. Februar 170.') ... 46 

31. An den GWM. und Ubrist-Krio.irscoiniiiisshr Baron Martini. Wien, 

den 21. Februar 1705 46 

32. Au den General-Major von .Stillen. Wien, den 21. Februar 1705 . . 47 

33. Au den G. d. C. Grafen Leiningen. Wien, den 21. Februar 1705 . 49 

34. Au den G. d. C. Grafen Leiningen. Wien, den 25. Februar 1705 . 49 

35. An den Feldmarschall Grafen Gronsfeld. Wien, den 25. Februar 1705 51 

36. An den Feldmarschall Grafen Gronsfeld. Wien, den 28. Februar 1705 52 

37. An den Feldmarschall Heister. Wien, den 4. März 1705 55 

38. An den G. d. C. Grafen Lehmigen. Wien, den 4. März 1705 ... 56 

39. An den Feldmarschall Grafen Gronsfeld. Wien, den 7. März 1705 . 58 

40. An den General-Major von Stillen. Wien, den 7. März 1705 ... 59 

41. An den General-Major von Stillen. Wien, den 10. März 1705 . . . 60 

42. An den General-Major von Stillen. Wim, den 11. März 1705 . . . 61 

43. An den G. d. C. Grafen Leiniugcn. Wien, den 11. März 1705 . . 62 

44. An den Feldmarschall Grafen Gronsfeld. Wien, den 11. März 1705 . 62 

45. An den GWM. und Obrist-Kriegscommissär Baren Martini. Wien, 

den 11. März 1705 64 

46. An den General - Quartiermeister Obrist Baron Kiedt. Wien, den 

11. März 1705 65 

47. An den GWM. Grafen ßoeeavione. Wien, den 11. März 1705 . . 66 

48. An den Feldmarschall Grafen Gronsfeld. Wien, den 14. März 1705 . 67 

49. An den Feldmarschall Grafen Gronsfeld. Wien, den IS. März 1705 . 69 

50. An den G. d. C. Grafen Leiningen. Wien, den 18. März 1705 . . 71 

51. An den Hofkammerrath von Vorstcr. Wien, deu 18. März 1705 . . 72 

52. An deu FZM. Grafen Friesen. Wien, den 21. März 1705 .... 75 
.".3. An den GWM. Grafen Roccavione. Wien, den 21". März 1705. . . 76 

54. An den GWM. und Obrist-Kriegscommissär Baron Martini. Wien, 

den 21. März 1705 77 

55. An den Herzog Victor Amadeus von Savoyen. Wien, den 

23. März 1705 78 

56. An den Feldmarschall Grafen Guido Starhemberg! Wien, den 

23. März 1705 79 

57. An den Grafen Auersperg. Wieu, den 23. März 1705 81 

58. An den Obristen Baron Zum Jimgen. Wien, den 25. März 1705 . 82 

59. An den FZM. Grafen Frieseu. Wien, den 25. März 1705 .... 82 

60. An den G. d. C. Grafen Leiningen. Wien, den 25. März 1705 . . 83 

61. An deu GWM. und Obrist-Kriegscommissär Baron Martini. Wien, 

den 25. März 1705 84 

62. An den GWM. Grafen Roccavione. Wien, deu 25. März 1705 ... 85 

63. An den G. d. ('. Grafen Leiningen. Wien, dm 28. März 1705 . . 86 
6t. An den Feldmarschall Grafen Gronsfeld. Wien, dm 28. Mär/. 1705 87 

65. An den FML. Cusani. Wien, den 28. März 1705 88 

66. An den Feldmarschall Grafen Gronsfeld. Wieu, den 1. April 1705 . 89 

67. An den General-Major von Stillen. Wim, den 1. April 1705 ... 90 



68, An .Li. I ■'/M Grafen Priesen Wien, dun 1. April 1705. . . 'J0 

69 An .I.Mi FZM. Grafen Friesen. Wien, den 8. April 1705 91 

70. A„ .l.i. Feldmarsehall Grafen Gronsfeld. Wien, den 8. April 1705 . 92 

71. An dun Fuldinarscliall Grafen Guido Starhemberg. Wien, den 

9. April 1705 93 

7-.'. An den Feldmarsehall Grafen Gronsfeld. Wien, den 11. April 1705 94 

73. An dun Fürsten Anton Liechtenstein. Wien, dun 15. April 1705. . 97 

7 1. An dun Hofkriegsrath. Neumarkt bei Salzburg, dun 19. April 1705. 97 

75. An dun Hofkriegsrath. Roveredo, dun 26. April 1705 99 

76. Bericht an dun Kaiser. Roveredo, den 26. April 1705 101 

77. Bericht an dun römischen König. Roveredo, den 26. April 1 7<>5 . 104 

78. An den FZM. Baron Bibra. Fornello, den 1. Mai 1705 105 

79. An dun Feldmarschall Grafen Guido Starhemberg. Roveredo, dun 

3. Mai 1705 105 

80. An den Hofkriegsrath. Roverudo, den 3. Mai 1705 107 

81. An den FZM. Baron Bibra. Roveredo, dun 4. Mai 1705 110 

82. An den GWM. Grafen Königsegg. S. Michele, dun 7. Mai 1705. . 111 

83. An den Hofkriegsrath. Hauptquartier S. Michele, den 8. Mai 1705 . 112 

84. An den Herzog Victor Amadeus von Savoyen. S. Michele, dun 

8. Mai 1705 ■ . . . . 111 

85. An dun FZM. Baron Bibra. Hauptquartier Santa Maria, dun 

9. Mai 1705 115 

s6. An den FZM. Baron Bibra. Am Mincio unweit St. Lione (Salionze), 

den 12. Mai 1705 116 

87. An den FZM. Baron Bibra. Lager am Mincio, unweit St. Lione 

(Salionze), den 12. Mai nach Mitternacht 1705 117 

HS. An dun FZM. Baron Bibra. Unweit des Mincio, den 12. Mai 1705 118 

89. Au den FZM. Baron Bibra. Feldlager bei Fornello, dun 14. Mai 1705 119 

90. Bericht an den Kaiser. Salö, den 18. Mai 1705 . 120 

91. Au den Hofkriegsrath. Salö, den 18. Mai 1705 130 

92. An dun Grafen Tarini. Salö, dun 19. Mai 1705 136 

'.13. Au dun Herzog Victor Amadeus von Savoyen. Lager bei Gavardo, 

den 21. Mai 1705 137 

Hl. An den Grafen Tarini. Gavardo, dun 22. Mai 1705 139 

95. Au den Hofkriegsrath. Feldlaser zu Gavardo, dun 22. Mai 1705 . . 139 

96. Au dun GWM. Grafen Lamberg. Feldlager bei Gavardo, dun 

23. Mai 1705 142 

97. An dun Feldmarschall Grafen Gronsfeld. Gavardo, dun 23. Mai 1705 144 

'.IS. Au dun Grafen Lowuustuin. Gavardo, den 23. Mai 1705 146 

99. An den FML. Grafen Guttenstein. Feldlasur Gavardo, den 

23. Mai 1705 118 

100. An den Herzog Victor Aniaduus von Savoyen. Gavardo, dun 

25. Mai 1705 148 

101. Ali dun Hofkriegsrath, Gavardo, den 27. Mai 1705 150 

102. An dun Feldmarsehall Grafen Gronsfeld. Gavardo, dun 29. Mai 1705 153 

103. An dun Grafen Tarini. Gavardo, den 20. Mai 1705 154 

101. An den FZM. Grafen Friese,,. Gavardo, den 29. Mai 1705. . . 155 

105. An den Grafen Gallas. Gavardo, den 29. Mai 17(15 156 



xm 

Seite 

106. Bericht an den Kaiser. Gavardo, den 29. Mai 1705 157 

107. An den Herzog Victor Amadeas von Savoyen Gavardo, den 30. Mai 1 7 o r> 15K 

108. An den Feldmarschall Grafen Guido Starhemberg. Gavardo, den 

31. Mai 1705 160 

109. Bericht nn den Kaiser. Calcio, den 3. Juli 1705 162 

110. Während des Druckes ausgeschieden worden. 

111. An den GWM. Grafen Eoccavione. Gavardo, den 3. Juni 1705. . . 1G5 

112. Bericht an den Kaiser. Hauptquartier Gavardo, den 5. Juni 1705 161'. 

113. Au den Hofkriegsrath. Gavardo, den 5. Juni 1705. . . ... 169 

114. An den Grafen Tarini. Gavardo, den 5. Juni 1705 172 

115. An den GWM. Grafen Lamberg. Gavardo, den 5. Juni 1705 . . . 17:» 
110. An den FZM. Grafen Friesen. Gavardo, den 5. Juni 1705 .... 171 

117. Bericht an den Kaiser. Gavardo, den 7. Juni 1705 175 

118. An den FeldmarschaU Grafen Guido Starhemberg. Feldlager l»-i 
Gavardo, den 7. Juni 1705 17i 

119. An den Grafen Auersperg. Feldlager bei Gavardo, den 8. Juni 17(15 18o 

120. AndenHerzog Victor Amadeus von Savoyen. Gavardo, den 8. Juni 1705 181 

121. Au den Herzog Victor Amadeus von Savoyen. Gavardo, den 

11. Juni 1705 184 

122. An den Feldmarschall Grafen Guido Starhemberg Gavardo, den 

11. Juni 1705 185 

123. Bericht an den Kaiser. Gavardo, den 11. Juni 1705 186 

121. Bericht an den Kaiser. Gavardo, den 12. Juni 1705 187 

125. An den Grafen Tarini. Gavardo, den 12. Juni 1705 188 

126. An die Churfürstin von Bayern. Gavardo, den 12. Juni 1705 . . 189 

127. An den Hofkriegsrath. Gavardo. den 12. Juni 1705 190 

128. An die kaiserliche Administration in Bayern. Gavardo, den M.Juni 1705 194 

129. An den GWM. Grafen Roccavione. Gavardo, den 14. Juni 1705 . . 199 

130. An den Feldmarschall Grafen Gronsfeld. Gavardo, den 14. Juni 1705 199 

131. An den Bischof von Trient. Gavardo, den 16. Juni 1705 .... 201 

132. An den Obristen Baron Gelhorn. Gavardo, den 16. Juni 1705 . . 201 

133. An den FeldmarschaU Grafen Guido Starhembere. Gavardo, den 

17. Juni 1705 202 

134. AndenHerzog Victor Amadeus von Savoyen. Gavardo, den 17. Juni 1705 203 

135. An dm kaiserlichen Gesandten in London, Grafen Gallas. Gavardo, 

den 19. Juni 1705 20r > 

136. Berieht an den Kaiser. Gavardo, den 19. Juni 1705 206 

137. An den Hofkriegsrath. Gavardo, den 19. Juni 1705 208 

138. An den Grafen Tarini. Gavardo, den 19. Juni 1705 220 

139. An den Fürsten Anton Liechtenstein. Wien, den 19. Juni 1705 . 220 
1 in. An den GWM. Grafen Roccavione. Gavardo, den 20. Juni 1705 222 

141. An den Obristen General-Quartiermeister Baron Riedt Gavardo, den 

20. Juni 1705 223 

142. Bericht an den Kaiser. Feldlager zwischen Maclodio und Lograto, 

den 26. Juni 1705 22+ 

143. Bericht, au den Kaiser. Feldlager l»-i (Jrago, den 28. Juni 1705 226 

144. An den FeldmarschaU Grafen Guido Starhemberg. Calcio. den 

29. Juni 1705 23 " 



146. An den Herzog Victor Amadeus von Savoyen. Feldlager bei Calcio, 

den 29. Jnni 1705 231 

146. An den Grafen Tarini. Calcio, den 29. Juni 1705 233 

147. An den Feldmarschall Grafen Guido Starhemberg. Calcio, den 

1. Juli 1705 234 

lis. An den Herzog Victor Amadeus von Savoyen. Feldlager bei Calcio, 

den -'. Juli 1705 237 

[49. \,i ,|,.|, Herzu;? Victor Aniadeus von Savoyen. Calci.., den 2. Juli 1705 238 

150. An den Herzog Victor Amadeas von Savoyen. Calcio, den 3. Juli 1705 239 

151. An den Feldmarschall Graten Guido Starhemberg. Calcio, den 

3. Juli 1705 2.39 

152. An den GWM. Grafen Lamberg. Calcio, den 4. Juli 1705 .... 240 

153. An den Herzog Victor Amadeus von Savoyen. Calci.., den 

8. Juli 1705 243 

154. An den Feldmarschall Grafen Guido Starhemberg. Calcio. den 

8. Juli 1705 244 

155. An den Hofkriegsrath Tiell. Bei Calcio, den 8. Juli 1705 .... 245 

156. Bericht an den Kaiser. Feldlager bei Calci... den 9. Juli 1705 . . 247 

157. An den Hofkriegsrath. Bei Calcio, den 9. Juli 1705 252 

15S. Bericht an den Kaiser. Feldlager bei Calci.., den 9. Juli 1705 . . 201 

159. An den GWM. Baron Winkelhofen. Calcio, den 9. Juli 1705 . . . 263 

160. An den Ol. risten Hanoi Scherzer. Calci.., den 9. Juli 1705 . . . 2G4 

161. An den Feldmarschall Grafen Gronsfeld. Bei Isengo, den 10. Juli 1705 2<H 

162. An den Grafen Tarini. Isengo, den 10. Juli 1705 265 

163. An den Feldmarschall Grafen Guido Starliomliori;-. Isengo, den 

13. Juli 1705 266 

164. An den Herzog Victor Amadeus von Savoyen. Isengo, den 13. Juli 1705 267 

165. An den FZ.M. Grafen Friesen. Romanengo, den 16. Juli 1705 . . 2(18 

166. An den Herzog von Marlborough. Romanengo, den 17. Juli 1705 . 2(59 

167. An den Grafen Tarini. Romanengo, den 17. Juli 1705 270 

108. Aii den Grafen vonCastellan (in Lüttich). Romanengo, den 17. Juli 1705 271 

169. Bericht an den König Karl III. von Spanien. Feldlager bei Roma- 
nengo, den 17. Juli 1705 272 

170. Bericht an den Kaiser. Romanengo, den 17. Juli 1705 273 

171. An den Feldmarschall Grafen Starhemberg. Romanengo, den 

18. Juli 1705 277 

172. An den Herzog Vi.-t..r Amadeus von Savoyen. Komanengo, den 

18. Juli 1705 278 

17.3. An die Tyroler Landstände. Feldlager bei Romanengo, den 19. Juli 1 705 280 

174. An den Feldmarschall Grafen Guido Starliemlicrg. Komanengo, den 

20. Juli 1705 281 

175. An den Herzog Victor Amadeus von Savoyen Lager bei Romanengo, 

den 20. Juli 1705 282 

17(i. An den GWM. Baron Wetzel. Romanengo, den 23. Juli 1705. . . 283 

177. An den Herzog Victor Amadeus von Savoyen. Romanengo, den 

23. Juli 1705 284 

178. An den Feldmarschall Grafen Guido Starhemberg. R anengo, den 



179. Bericht an den Kaiser. Romanengo, den 24. Juli 1705 .... 287 

180. An den Feldmarschall Baron Thüngen. Romanengo, den 24. Juli 1705 290 

181. An den PZM. Grafen Friesen. Romanengo, den 24. Juli 1705 . 291 
ls-2. An die Cdmmissariatamts-Substitution in Bayern. Romanengo, den 

24. Juli 1705 292 

is:i. An den GWM. Baron Wetzel. Romanengo, den 26. Juli 1705 . . 293 

184. Au den Herzog Victor Amadeus von Savoyen. Romanengo, den 

27. Juli 1705 294 

185. An den GWM. Baron Wetzel. Romanengo, den 30. Juli 1705. . . 296 

186. Au den GWM. Barm, Wetzel. Romanengo, eleu 31. Juli 1705. , . 296 
1S7. Au den Herz,,": Victor Amadeus von Savoyen. Romanengo, den 

31. Juli 1705 297 

188. Bericht an den Kaiser. Romanengo, den 31. Juli 1705 297 

1S9. An den Hofkriegsrath Tiell. Romanengo, im Juli 1705 300 

190. An deu GWM. Barou Wetzel. Feldlager bei Romanengo, den 1. Au- 
gust 1705 301 

191. An den GWM. Baron Wetzel. Romanengo, den 1. August 1705 . 302 

192. An die Chnrfürstin von Bayern. Romanengo, den 6. August 1705 303 

193. An den Hofkriegsrath. Romanengo, den G. August 1705 304 

194. Bericht an den Kaiser. Romanengo, den 7. August 1705 310 

195. An den Hofkriegsrath. Romanengo, den 7. August 1705. : . . . 312 

196. An den Hofkriegsrath. Romanengo. den 7. August 1705. . . . 315 

197. Au den Marquis Brie. Romanengo, den 7. August 1705 316 

198. Bericht an den Kaiser. Feldlager bei Brembate di sott.., den 13. Au- 
sist 1705 317 

199. An den Herzog von Marlborough. Brembate di sotto, den 14. Au- 
gust 1705 320 

200. Bericht an den Kaiser. Feldlager bei Treviglio, den 17. August 1705 321 

201. An den König von Spanien. Treviglio, den 17. August 1705 . 325 

202. An den Herzog Victor Amadeus von Savoyen. Treviglio, den 

17. August 1705 320 

203. An den Herzog von Marlborough. Treviglio, den 17. August 1705 . 327 

204. Bericht an deu Kaiser. Treviglio, den 21. August 1705 327 

205. An den Hofkriegsrath. Feldlager bei Treviglio, deu 21. August 1705 331 
2O0. An den Hofkriegsrath Tiell. Treviglio, deu 21. August 1705 . . . 333 

207. An den Baron Castellan (in Lüttich). Treviglio, den 21. Au- 
gust 1705 335 

208. An den Grafen Tarini. Treviglio, den 21. August 1705 335 

209. An den FML. Grafen Dann. Treviglio, den 23. August 1705 . . . 336 

210. An den Herzog Victor Amadeus von Savoyen. Treviglio, deu 23. Au- 
gust 1705 337 

211. An den Bischof von Würzburg. Treviglio, den 23. August 1705 . . 339 

212. Bericht an den Kaiser. Feldlager hei Treviglio, den 25. August 1705 339 

213. An den Feldmarschall Grafen Herbeville. Lager hei Treviglio, den 

27. August 1705 342 

214. Während des Druckes ausgeschieden worden. 

215. Bericht an den Kaiser. Treviglio, den 28. August 1705 343 

216. An den Hofkriegsrath Tiell. Treviglio. den 28. August 1705 . . . 346 



Seite 

217. An den Grafen Gallas in London. Treviglio, den 28. August 170r. . 347 

218. An dm Herzog Victor Amadeus von Savoyen. Treviglio, den 

•29. Augost 1705 348 

219. An den Grafen Tarini. Treviglio, den -2'.'. August 1705 348 

220. An den Feldmarschall Grafen Guido Starhemberg. Feldlagei bei 
Treviglio, .Im 29. August 1705 349 

•221. An den Grafen Tarini. Lager bei Treviglio, den 2. September 17(15 350 

222. Berieht .-in den Kaiser. Treviglio, den 4. September 1705 .... 350 

223. An den Feldmarsehall Grafen Guido Starhemberg. Treviglio, den 

4. September 1705 353 

224. An den Fürsten Anton Liechtenstein. Feldlager bei Treviglio, den 

1. September 1705 354 

•225. An den Baron Castellan. Treviglio, den 4. September 1705 . . 355 

226. Au ilm Grafen Fugger. Bei Treviglio, den 4. September 1705 . . 356 

227. An den Grafen Gallas Treviglio, dm 4. September 1705 .... 357 
•2-28. Au dm Marquis Prie". Treviglio, den 4. September 1705 .... 358 

229. An den Grafen Tarini. Lager bei Treviglin, dm 4. September 1705 358 

230. An die kaiserliche Administration in Bayern. Feldlager l»-i Treviglio, 

den 4. September 1705 359 

231. An den FZM. Grafen Friesen. Feldlager bei Treviglio, den 4. Sep- 

ti mbe: 1705 361 

232. An den Feldmarschall Grafen Guido Starhemberg. Treviglio, den 

7. September 1705 361 

233. An den Prinzen Karl von Baden. Bei Treviglio, den 11. September 1705 363 

234. An den GWM. Grafen Lamberg. Treviglio, den 11. September 1705 363 

235. An den Feldmarseliall Barem Thiingen. Bei Treviglio, den 11. Sep- 
tember 1705 . 364 

236. An den FZM. Grafen Friesen. Treviglio, den 11. September 1705 . 365 

237. An den Hofkriegsrath Tiell. Feldlager bei Treviglio, den 11. Sep- 
tember 1705 366 

238. An den Feldmarschall Grafen Herbeville. Treviglio, den 11. Sep- 
tember 1705 367 

239. An den G. d. C. und Banns von Croatien, Grafen Johann l'.ilii.v. 
Treviglio, de,, LI. September 1705 367 

•210. Au de,, Marquis Prie\ Treviglio, den 11. September 1705 .... 368 

241. An den Herzog Victor Amadeus von Savoyen. Lager bei Treviglio, 

den 12. September 1705 369 

242. An den Hofkamiiier-Präsidenteu Grafen Gundaeker St.-irlieinberg. 
Treviglio, den 12. September 1705 370 

213. Bericht au den Kaiser. Treviglio, den 16. September 1705 .... 371 

214. An den Feldmarseliall Grafen Guide Starben, liero-. Febllaa'er bei 
Treviglio, den 17. September 1705 377 

245. An den FML. Grafen Dann. Treviglio, den 17. September 1705. . 379 

246. An den Herzog Victor Amadeus von Savoyen. Treviglio, den 

17. September 1705 379 

■217. An den Grafen Tarini. Lager Lei Treviglio, den 17. September 1705 381 

248. Bericht an den Kaiser. Treviglio, de,, 18. September 1705. ... 381 

249 \n den Hofkriegsrath Tiell. Treviglio, den 18. September 1705 . . 384 



250. An die kaiserliche Administration in Bayern. Feldlaser bei Treviglio, 

den 18. September 1705 384 

251. An den Feldmarschall Grälen Guido Starhemberg. Treviglio, den 

19. September 1705 385 

252. An den Herzog Vieler Amadeus von Savoyen. Lager bei Treviglio, 

den 23. September 1705 386 

253. An den Feldmarschall Grafen Guido Starheraberg. Treviglio, den 

23. September 1705 388 

254. Bericht an den Kaiser. Treviglio, den 25. September 1705 .... 391 

255. Bericht an den Kaiser. Treviglio, den 25. September 1705 .... 393 

256. An den Herzog von Marlborough. Treviglio, den 25. September 1705 395 

257. An den Grafen Tarini. Lager bei Treviglio, den 25. September 1705 396 

258. An den Fürsten Anton Liechtenstein. Feldlager bei Treviglio, den 

28. September 1 705 397 

259. Bericht an den Kaiser. Treviglio, den 29. September 1705 .... 398 

260. An den Hofkriegsrath. Treviglio, den 29. September 1705 .... 400 

261. Bericht an den König Karl III. von Spanien Trei iglio, den 29. Septem- 
ber 1705 401 

262. Bericht an den Kaiser. Treviglio, den 2. October 1705 404 

263. Au den Hofkriegsrath. Treviglio, den 2. October 1705 410 

264. An den Markgrafen Ludwig von Baden. Treviglio, den 2. October 1705 412 

265. An den Grafen Tarini. Treviglio, den 2. October 1705 413 

266. An den Marquis Prie. Treviglio, den 2. October 1705 414 

267. An den Herzog Victor Amadeus von Savoyen. Treviglio, den 5. Octo- 
ber 1705 414 

268. An den Marquis I'rie. Treviglio, den 8. October 1705 416 

269. Während des Druckes ausgeschieden. 

270. Bericht an den Kaiser. Treviglio, den 9. October 1705 .... 417 

271. An den Hofkriegsrath. Treviglio, den 9. October 1705 419 

272. Au den Hofkriegsrath. Treviglio, den 9. October 1705 429 

273. An den Hofkriegsrath Tiell. Treviglio, den 9. October 1705 ... 430 

274. An den FML. Grafen Dann. Treviglio, den 9. October 1705 . . . 432 

275. An den Grafen Gallas. Treviglio, den 9. October 1705 432 

276. An den Feldmarschall Grafen Guido Starheniberg. Feldlager hei 
Treviglio, den 9. October 1705 433 

277. An den Herzog von Savoyen. Treviglio, den 9. Getober 1705 . . 434 

278. Bericht an den Kaiser. Roncadelle, den 14. October 1705 .... 435 

279. Bericht an den Kaiser. Montodine, den 15. October 1705 .... 437 

280. Bericht an den Kaiser. Fontanella, den 23. October 1705 .... 439 

281. An den Grafen Gallas. Fontanella, den 23. October 1705 .... 41."> 

282. An den Feldmarschall Grafen Guido Starhemberg. Fontaneila, den 

26. October 1705 447 

283. An deu Herzog Victor Amadeus von Savoyen. Fontanella , den 

27. October 1705 448 

284. An den Herzog Victor Amadeus von Savoyen. Addition vom 27. Octo- 
ber 1705 449 

285. Bericht an den Kaiser. Fontanella, den 30. October 1705 .... 451 

286. An den Hofkriegsrath. Feldlager bei Fontanella, den 30. October 1705 457 

b 



287. An den Marquis Prie". Fontaneila, den bO. October 1705 . . . 465 

288. Am den Hofkriegsrath Tiell. Fontaueila, den 30. October 1706 . . 466 
289 \n die kaiserl. Administration in Bayern. Fontanella, den 30. Octo- 
ber 1705 -" ;s 

290. An den Herzog Victor Amadeus von Savoyen. Fontanella, den 

31. October 1705 470 

291. Bericht an den Kaiser, Urago, den 0. November 1705 471 

292. An den Hofkriegsrath. Urago, den «i. November 1705 47H 

293 \n den Feldmarschall Grafen Guido Starhemberg. Urago, den 

6. November 1705 481 

294. An den Hofkriegsrath Tiell. ürago, den 6. November 1705 .... 482 

295. An den Grafen Tarini. Lager bei Urago d'Oglio, .Im <",. Novem- 
ber 1705 4811 

296. An den Feldmarschall Grafen Guido Starhemberg. Urago, den S.Novem- 
ber 1705 484 

297 An den Hterzog Victor Amadeus von Savoyen. Lager bei Urago, den 

8. November 1705 485 

298. An den Grafen Tarini. Lager bei Eoncadelle, den 14. November 1705 487 

299. An den Obristen Baron Hatte. Roncadelle, den in. November 1705. 488 

300. An denGWM. Baron Isselbach. Castenedolo, den 19. November 1705 488 

301. An den Hernes' Vieler Amadeus von Savoyen. Lager bei Castene- 
dolo, den 19. November 1705 489 

302. An den Hofkriegsrath. Montechiaro, den 20. November 1705 . . . 49<> 

303. Bericht an den Kaiser, Montechiaro, den 21. November 1705 . . . 492 

304. Au den Hofkriegsrath. Eoncadelle, den 24. November 1705 . . . 494 

305. An den FML. Grafen Dann. Lonato, den 29. November 1705 . . . 497 

306. An den Herzog Victor Amadeus von Savoyen. Lager l>.-i Lonato, den 

29. November 1705 498 

307. An den Herzog Victor Amadeus von Savoyen. (Ohne Datum) . . . 499 

308. Bericht an dm Kaiser. Lonato, den 5. December 1705 .... 5' 10 

309. An .l.n Hofkriegsrath. Lonato, den 6. December 1705 503 

310. An den Herzog Victor Amadeus von Savoyen. Lager bei Lonato, den 

10. December 1705 . 512 

311. Bericht an den Kaiser. Lonato, den 12. December 1705 513 

312. An den Fürsten Eszterlia/.y. Lonato, den 12. December 1705 . . 517 

313. An den König Karl III. von Spanien. Lonato, den 13. December 1705 517 

314. An den Herzog Victor Amadeus von Savoyen. Lonato, den 13. Decem- 
ber 1705 518 

315. An den Herzog Victor Amadeus von Savoyen. Lager bei Lonato, den 

14. December 1705 51S 

310. An den Grafen Dann. Lonato, den 14. December 1705 520 

317. An dir kaiserl. Administration in Bayern. Lonato, den 18. Decem- 
ber 1705 521 

318. Bericht an den Kai.,,. Lonato, den 19. December 1705 .... 523 

319. An den Hofkriegsrath. Lonato, den 19. December 1705 527 

320. An dm Grafen Tarini Lonato, d.i. 19. December 1705 530 

321. Au den Herzog Victor Amadeus von Savoyen. Lager bei Lonato, den 

22. December 1705 531 



322. An den Herzu- Victor Amadeus von Savoyen. Lonato den 25. Decem- 

ber 1705 532 

323. Berieht au den Kaiser. Lonato, den 26. Deeember 1705 532 

324. An den Grafen Tarini. Lager bei Lonato, den 2(3. Deeember 1705 . 537 

325. An den Herzog Victor Amadeus vmi Savoyen. Lager bei Lonato, <leu 

29. Deeember 1705 538 

326. Au deu Fürsten Anton Liechtenstein. (Ohne Datum) 538 

327. Bericht an den Kaiser. (Ohne Datum) 540 

328. Postscriptum zu einem Berichte an den Kaiser. (Ohne Datum) . . 541 



Graphische Beilagen. 



il I. Die Kriegs-Operationen iu Ober-Italien. — Stellung der Kaiserlichen und 
Franzosen bei Uavardo; Aufbruch der Kaiserlichen aus Gavardo; Belage- 
rangen von Verrua und Nizza. 
II. Der Kriegsschauplatz iu Ober-Italien. — Streifzug des Ohristeu Pfefferkorn 
Belagerungen vou Mirandola und Chivasso; Schlacht l>ei Cassano d'Adda. 

III. Schlacht bei Cassano d'Adda (Reproduetion). 

IV. Die Kriegsoperatioueu au Frankreichs Nordostgrenzen. — Angriff aui 
Omseiihehn; Stellung bei Sierck ; Belagerung von Hageuau. 

V. Die Kämpfe zur Unterdrückung des Aufstandes in Bayern. — Die Bewe- 
gungen der kaiserlichen Truppen: Angriff auf Vilsbiburg ; Hauptgefecht bei 
München; Kämpfe bei Mühldorf und Angriff auf Burghausen. 
VI. Der Kriegsschauplatz in Ungarn und Siebenbürgen. — Die Schlacht bei Siho 



Berichtigungen. 



125, 


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■ ö V. 11. 

10 v. 0. 


141, 


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17 v. o. 


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165, 


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10 V. 0. 


424, 




19 v. 0. 


430, 


„ 


21 v. ... 



statt: „5. März" lies: „5. Mai". 

statt: „100 Mousquetiere" lies: „1000 Mousquetiere" 

statt: „Garde" lies: „Garda". 

statt: „16 u lies: .,17". 

statt: ,7412"' lies: „6412". 

statt: „2. April" lies: „2. Mai-. 

statt: ..sei- lies: „wäre". 



Militärisch-politische Lage 1705. 

Wesentlich seiner Entscheidung nahe gerückt schien der spanische 
Erbfolgekrieg zu Beginn des Jahres 1705. Glänzend und erfolgreich 
war ja der Sieg bei Höchstädt, und Alles berechtigte die mit Kaiser 
Leopold I. verbündeten Mächte zur kräftigen Offensive gegen Frank- 
reich. Diese aber, mit Erfolg durchgeführt, war das einzige Mittel, König 
Ludwig XIV. der Möglichkeit zu berauben, den französischen Präten- 
denten auf den spanischen Thron, den Herzog von A n j o u. durch seine 
Machtmittel noch ferner zu unterstützen. 

Ausser allem Verhältnisse standen die Anforderungen, welche 
der Coalitionskrieg an den Kaiser stellte. Die in ihrem territorialen 
Gebiete so ausgedehnten und an materiellen Hülfsquellen reichen 
Länder der ungarischen Krone, durch die Kebellion in Kriegszustand 
versetzt, boten keine Ressourcen, so dass den übrigen Erblanden 
Lasten auferlegt werden mussten, unter deren Bürde sie schier zu 
erliegen schienen. Der Erbfolgekrieg in den vorhergegangenen Jahren 
hatte nicht nur deren Bevölkeruni;' stark in Anspruch genommen, 
sondern dieselbe auch in ihrem Wohlstande derart geschädigt, dass 
vor dem erneuerten blutigen Ringen es kaiun möglich schien, jenen 
Verpflichtungen gerecht werden zu können, die Leopold I. gegen- 
über seinen Verbündeten: England, Holland, Portugal und dem Herzoge 
von Savoyen eingegangen. Und dennoch äusserte das durch den Ent- 
gang der Hülfsquellen aus Ungarn in seinen materiellen Mitteln stark 
reducirte Oestorreich eine bewunderungswürdige, Kraft, welche ihm das 
Ueberdauern jener gewaltigen Krisen ermöglichte, die das Jahr 1705 
in sich barg. 

Auch das am 5. März 1705 erfolgte Hinscheiden Kaiser Leopold I. 
wirkte selbst momentan nicht lähmend auf die Functionen des Staats- 
lebens, so dass Joseph I. das Steuer nur in der nämlichen Haupt- 

Feldzüge des Prinzen Eugen v Savoyen. VII Band. 1 



richtung zu erhalten hatte, in welcher es .sein erlauchter Vorfahre 
durch die grossen politischen Stürme bis zu seinem Tode mit Sicher 
heit geführt. Wohl gab es gefährliche Klippen, welche aus der Lage 
des eigenen Reiches und aus der Natur des CoaHtions- Verhältnisses 
hervorgingen. Aber der Geist des jungen Kaisers begriff die Grösse 
der Mission, die ihm geworden. Willig den weisen Rathschlägcn 
Eugen's Gehör schenkend, zeigte er gleich beim Antritte der 
Regierung Klugheit und Festigkeit, und den unerschütterlichen Willen 
zur energischen Fortführung des Krieges. Dieser aber gibt ein unver- 
gleichliches Beispiel dessen, was ein Heer, das hoho, edle Ziel seines 
Monarchen erkennend, zu leisten vermag. 

England, Holland und Portugal zeigten sich nur insoferne geneigt, 
dem Kaiserhause die vollberechtigten Ansprüche auf das spanische 
Erbe zu wahren und dafür einzutreten, als ihr eigenes materielles Inter- 
esse dadurch gefördert wurde. Und daraus erklären sich mannigfache 
scheinbare Widersprüche, die in der Handlungsweise dieser Mächte zu 
Tage traten. Nicht blos dem Wiener Hofe gegenüber, auch unterein- 
ander mussten Misstrauen und das Verfolgen der speciellen Vortheile 
Wirkungen äussern, die das gemeinsame Ziel auf so viele Jahre in 
die Ferne rückten. So kam es, dass selbst gewaltige Kräfte, wie sie 
die Coalition 1705 aufwendete, nicht ausreichten, das isolirte Frank- 
reich zu bewältigen. 

Höchst verwickelt gestalteten sieh die politischen Constellationen 
dadurch, dass sieh nahezu ganz Europa im Kriegszustande befand. 
Nicht nur im Westen waren England, Holland, Portugal und der 
Herzog von Savoyen nebst den meisten deutschen Reichsfürsten 
mit dem Kaiser im Kriege gegen Frankreich; auch im Nordosten 
lagen Schweden, Dänemark, Polen und Russland untereinander im 
Streite.. Letzterem einen Einfluss auf den spanischen Erbfolgekrieg 
möglichst zu benehmen, war den beiden Seemächten England und 
Holland wohl gelungen, obschon eine mittelbare Rückwirkung unver- 
meidlich blieb. 

Bei der Ausdehnung des an der Krone Spaniens haftenden 
Besitzes von Neapel und Sicilien und in den Niederlanden, waren es, 
ganz abgesehen von den beiden Indien, auch vornehmlich Spanien und 
das Hcrzogthum Mailand, um deren territorialen Besitz gestritten 
werden musste. Aber alle von den Verbündeten in Ober-Italien, in den 
Niederlanden und auf der Iberischen Halbinsel in Thätigkeit gebrachten 
Heeresmassen konnten immer nur mittelbar auf die Entscheidung des 
spanischen Erbfolgekrieges zurückwirken, weil dieselbe lediglich von 
der völligen Lähmung Frankreichs abhing. Wurde der Schwerpunct 



der Macht Ludwig XIV. getroffen, so mussten die genannten ein- 
zelnen Objecto früher oder später als reife Frucht dem Sieger zufallen. 

Prinz Eugen war es, der schon 1704, in TJebereinstimmung mit 
dem englischen Oberbefehlshaber, Herzog von Marlborough, nicht 
blos als Feldherr, sondern auch als weitblickender Staatsmann sein Auge 
auf das Gesammtinteresse der Verbündeten richtete, und ihnen den 
Weg zeigte, der rasch zum Ziele führen musste. Die Nordostgrenze 
Frankreichs war der wunde Fleck, denn von dort aus konnten die 
Verbündeten auf kürzestem Wege gegen die Hauptstadt Paris vor- 
dringen und dort Ludwig XIV. das Gesetz dictiren. 

Bezüglich der Tragweite war Eugens Gedanke wohl so über- 
zeugend, dass die Verbündeten ihm, wenigstens dem Scheine nach, 
ausnahmslos beipflichteten. Und gewiss hatte der Anlauf zur gross- 
artigen That seine vollste Berechtigung. An Stelle des durch Jahre 
sich fortschleppenden erfolglosen Krieges sollte ein einziger gewaltiger 
Sehlag zum Ziele führen. 

Aus wohlverstandenem eigenen Interesse hatte das Cabinet von 
St. James der Wesenheit nach diese Angelegenheit in seine Hand ge- 
nommen; denn war Frankreichs Macht auf dem Continente zertrüm- 
mert, so schwand auch seine Herrschaft zur See und der Handel mit 
den beiden Indien, ja dieses selbst bildete den reichen Lohn dafür, 
dass England für die habsburgische Thronfolge in Spanien eintrat. 



Vollauf war Leopold I, Macht auf dem seeundären Kriegs- 
theater in Ober-Italien in Anspruch genommen. 

Naturgemäss musste Ludwig XIV. auf den Besitz des Herzog- 
thumes Mailand grosses Gewicht legen und waren überdies die Vorgänge 
in Ober-Italien bezüglich Neapels und Sieiliens von grosser Tragweite 
für den Verlauf des Krieges auf der Iberischen Halbinsel. 

Schon 1704 hatte der mit dem Kaiser verbündete Herzog von 
Savoyen, Victor Amadeus, bewiesen, dass er mitwirken wolle, das 
französische Uebergowicht in Italien zu brechen. Sammt den im ver- 
flossenen Jahre ihm zu Hülfe gekommenen kaiserlichen Truppen durch 
die Armee des Herzogs von Vendome hart bedrängt, war es 1705 
die Hülfe des Kaisers allein, welche ihn aus seiner misslichen Lage 
befreien und ihm sein Reich erhalten konnte. 

Gegen diese Absicht Leopold I. aber thürmten sieh gleich v.u 
Anfang 1705 sowohl in politischer als materieller Hinsieht fast un- 
besiegbare Hemmnisse auf. Die Dämpfung der Rebellion in Ungarn ; 
die Notwendigkeit, das zum Aufruhr geneigte Bayervolk im Zaume 



zu halten; endlich die Beistellung der [mmediat- Truppen zur Reichs 
Armer, abaorbirten so viele der ohnehin schwer aufzubringenden Streit- 
kräfte, dass für den Kriegsschauplatz in Ober-Italien nur eine numerisch 
schwache Armee verfügbar wurde. Um jedoch dieses Missverhältniss 
zur Stiirke des Gregners auszugleichen, beschloss der Kaiser, seinen 
besten Feldherrn, den Feldmarschall Prinzen Eugen von Savoyen 
mit dem Oberbefehle zu betrauen. 

Die Haltung der verschiedenen Fürston der italischen Halbinsel, 
und jene der dieselbe im Nordwesten begrenzenden schweizerischen 
Eidgenossenschaft übten aber grossen Einfluss auf die militärische 
Action in Ober-Italien. 

Verlockend waren ja die Verheissungen Frankreichs. Gewann 
dieses die Oberhand, so hatten jene italienischen Fürsten, welche im 
Verhältnisse des Reichslehens standen, Aussicht, von der lästigen Bei- 
tragsleistung für das römische Reich entbunden zu werden. So lange 
aber die Entscheidung in der Schwebe blieb, wagte Niemand den 
offenen Bruch mit dem Kaiser, als der Herzog von Mantua. Nur dieser 
hatte 1701 dadurch entschieden Partei für Frankreich ergriffen, dass 
er französische Besatzung in Mantua aufnahm und dem Gegner der 
Verbündeten einen wichtigen Stützpunct auslieferte. 

Ein geheimer Allianzvertrag zwischen dem Papste und dem Gross- 
herzoge vonToscana war schon zu Beginn des Jahres beabsichtigt, 
kr.il'i dessen die Republik Venedig ermächtigt wurde, 4000 Schweizer 
und 6000 Italiener für den bevorstehenden Feldzug anzuwerben. Vene- 
tianische Truppen sollten zwischen Etsch und Po ein Lager beziehen, 
um den Kampf zwischen Frankreich und dem Kaiser auf italienischem 
Boden durch Parteiergreifung für den stärkeren Theil rasch zu Ende 
zu führen '). 

Die von Venedig in Sold zu nehmenden 4000 Schweizer waren 
für die festen Plätze und Garnisonen der Republik bestimmt, um die 
regulären Truppen aus solchen ziehen zu können. Ausserdem sollten 
die 6000 bewaffneten Landleute durch 6 alte Regimenter ersetzt 
werden, welche Venedig aus der Levante einzuberufen und so lange 
in Corfu zu belassen beabsichtigte, bis das ganze Werk gediehen sei. 
Thatsächlich war schon im Monate Februar ein venetianischer 
( »brist in der Schweiz eingetroffen, welcher bezüglich der 4000 Mann 
unterhandelte. Derselbe hatte seinen Weg über Mailand genommen, 
und bei dessen Ankunft in der Schweiz war der nach Auslieferung 
des Forts Bard eidbrüchig gewordene Schweizer Obrist Reding 



') Haus-, Hof- und Staate-Archiv, 1t 



mittelst Extrapost nach Paris und von dort wieder nach Bern gereist, 
nämlich in jenen Canton, welcher allein eine ausgiebige Werbung 
versprach '). 

Ungeachtet der steten Versicherung des venetianischen Gesandten 
am Wiener Hofe, der Sache des Kaisers sich zuneigen zu wollen, be- 
wiesen aber solche Vorgänge das Gegentheil. Ja, die Rüstungen in Bezug 
auf Artillerie und einen zahlreichen Train, welche im Venetianischen 
schon Anfangs Jänner stattfanden, waren Anzeichen, die Neutralitäts- 
Erklärung Lügen zu strafen. Gegen wen diese Rüstungen gerichtet seien, 
stand gleich vom Anbeginne ausser Zweifel; denn schon zu jener 
Zeit verweigerte die Republik, unter dem Vorwande „des eigenen 
Bedarfes" , den kaiserlichen Truppen die Erwerbung der unum- 
gänglich nöthigen Subsistenzmittel, während gegen die von den Fran- 
zosen verübten argen Ausschreitungen nicht einmal Protest erhoben 
wurde 5 ). 

Kaiser Leopold I. konnte in Bezug auf das Doppelspiel der Vene- 
tianer nur in London Abhülfe suchen. England hatte zwar schon zu 
Beginn des Jahres seinem Gesandten in Savoyen Befehl und Instructionen 
ertheilt, sich nach Venedig zu begeben und zu trachten, die Republik 
in die Allianz zu ziehen. Bei dem Stande der Dinge, d. h. bei der 
bedrängten Lage, in welcher sich der Herzog von Savoy en und das 
kaiserliche Corps unter Leiningen's Commando an den Grenzen 
Tvrols befanden, war indessen wenig Hoffnung dazu vorhanden. Ein 
Anschluss Hess sich nur dann erwarten, wenn die Alliirten in Italien 
entschieden die Oberhand gewönnen. 

In Folge der Schwierigkeiten, welche Venedig den Kaiserlichen 
unausgesetzt bereitete, bemühte sich Graf G alias, Botschafter des 
Wiener Hofes in London, den englischen Grossschatzmeister zum 
Eingreifen zu vermögen, denn es stand ausser Zweifel, dass zwischen 
den Botschaftern der Republik, dem Cardinal Janson und den fran- 
zösischen Ministern vielfältige Unterhandlungen stattgefunden. 

Zunächst erklärte der englische Staatsmann : G a 1 1 a s werde 
wohl wissen, „dass der Kaiser keinen Meerhafen im Adriatico hätte, 
folgbar England ihnen, Venetianern, nicht wohl zukommen und mit 
der Flotte drohen könnte, welche in dem Mediterraneo nicht allen den 
Effect zu prästiren vermöchte, so man sich wohl anders einbilden 
thäte. Auch könnte er nicht wohl glauben, dass die Republik von ihrer 
bisher geführten Maxime, so da gewesen wäre, allerzeit den Stärkeren 



') Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 27; 1705. 
2 ) Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 16; 170.J. 



zu consideriren und demselben nichts Widriges in den Weg zu Legen, 
abgehen würde ')". 

Obschon der kaiserliche Botschafter alle Mittel der Beredsamkeit 
aufwendete, zu positivem Resultate zu gelangen, musste er sich doch 
mit dem nichtssagenden Bescheide begnügen: „Die Königin von 
England habe allbereits genügsame Proben von sich gegeben, ihre 
Hülfe und Macht auch dahin ausbreiten und anwenden zu können, 
wo man sich solcher niemals sollte versehen haben." Der Kaiser 
„möge versichert sein, man werde von England aus nicht unterlassen, 
auf die Venetianer ein wachsames Auge zu haben und all' Behoriges 
in tempore vorzukehren". 

Nur zu wohl wusste man am Wiener Hofe, wie sehr der Papst 
mit der Republik Venedig und den übrigen italienischen Fürsten für 
Frankreich arbeitete, und dass erstere blos ihre Namen für die Unter- 
handlungen geborgt hatten 2 ). Die Venetianer suchten wenigstens den 
Schein zu wahren, während die römische Curie ihre feindselige Stim- 
mung offen zu Tage treten Hess. 

Abgesehen davon, dass dem kaiserlichen Gesandten in Rom 
wiederholt Insulten zugefügt worden waren, ohne dass die geforderte 
Genugthuung erfolgte, wiesen die Massnahmen der Curie klar darauf 
hin, dass sie für Frankreich Partei zu ergreifen Willens sei 3 ). Denn 
schon im März hatte der Papst seinem Legaten im Forraresischen 
befohlen, „mit den päpstlichen Truppen Widerstand zu leisten, falls 
eine kleine Zahl Kaiserlicher den Kirchenstaat betreten sollte, bei deren 
Ueberlegenheit aber die Absicht durch Inanspruchnahme französischer 
Hülfe zu vereiteln". Ja, am 24. April erhielt der päpstliche Legat 
mittelst Estaft'ette sogar die Weisung, „den Franzosen auf dem Po alle 
Schiffe und Mühlen frei zur Verfügung zu stellen" *). 

War die Stimmung Roms gegen den Wiener Hof schon während 
des ganzen Erbfolgestreites aus naheliegenden Gründen keine freund- 
liche, so musste dieselbe sich naturgemäss in jenem Zeitpuncte ver- 
schlimmern, in welchem Kaiser Joseph I., um einen Ausweg in der 
grossen Finanznoth zu linden, die Durchführung einer allgemeinen 



') Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Anglica; 1705. 

2 ) Kriegs-Archiv, Italica, 27; 1705. 

3 ) Die päpstlichen Sbirren waren im Februar ungeachtet* des Protestes in .las 
Gcsandtschaltshotol eingedrungen und hatten einen Mann verhaftet, welchem der 
kaiserliche Botschafter Sehnt./, gewahren wollte. Anlässlich dieses Falles berichtete 
Graf Lamberg an den Kaiser: „Der Bof von Rom denkt eher an Alles, als die 
Beleidigungen zu sühnen, welche Dero kaiserl. Majestät Repräsentanten zugefügt 
worden." (Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Koniana; Februar 1705). 

*) Haus-, Hof- and Staats-Archiv, Romana; 1705. 



Vermögenssteuer in's Auge iassto, von welcher auch alle Liegenschaften 
der Kirche im Umfange des ganzen Reiches betroffen werden sollten. 
In diesem Umstände ist der Schlüssel zu jenen Vorgängen zu suchen, 
die sich im Verlaufe des Jahres 1705 zwischen dem kaiserlichen Hofe 
und der römischen Curie abspielten. 

An Stelle der ursprünglichen Spannung trat gegen die vom 
Kaiser angeordneten Massregeln gereizter Einspruch und dieser be- 
reitete den förmlichen Bruch vor, welcher durch die römische Curie 
hervorgerufen worden war. Noch im August richtete Joseph I. an seinen 
Gesandten in Rom folgende Worte : „Es ist nicht Unsere Absicht, die 
Beziehungen mit dem papstlichen Stuhle abzubrechen, für welchen 
man alle Verehrung hat. Aber die Correspondenzen , welche der 
Heilige Stuhl mit dem Feinde Meines Reiches und Meines Hauses 
führt, müssen erwähnt werden. Der Hof will eben im Papste nichts 
Anderes sehen, als die reine Indifferenz, welche dem allgemeinen 
Kirchenoberhaupte eigen sein soll ')." 

Ehe der Kaiser es zum Aeussersten kommen lassen wollte, unter- 
zog er das päpstliche Schreiben vom 20. August, welches gewisser- 
massen eine Entschuldigung des zweideutigen Benehmens enthielt, 
einer eingehenden Prüfung. In einer Conferenz sollte die Art der 
Antwort berathen werden. 

Die bezügliche „Relatio conferentiae" beweist, dass die Räthe 
der Krone die Abberufung des kaiserliehen Gesandten aus Rom als 
eine wahrscheinliche Eventualität in's Auge fassten. Nur sollte dem 
Papste „zur Verschaffung billigmässiger Reparation Zeit und Raum" 
bleiben. Derselbe ward verständigt, „Jemand mit genügsamer Voll- 
macht, doch nicht den Spada, anher zu senden, mit welchem mau 
über die Satisfaction verhandeln könnte". Am Schlüsse des Actenstückes 
ist bemerkt, „dass man hier die Gravamina zusammentragen und was 
auf jedes für Satisfaction begehrt werden solle, zu berathschlagen 
und dem päpstlichen Hofe beizubringen sei". Diesen Anträgen hatte 
Joseph I. eigenhändig die Worte beigefügt: „Ich approbire dieses 
Gutachten in Allem 2 )." 

Wie vorhergesehen, erfolgte der förmliche Bruch, und die Um- 
stände, unter welchen, und die Art und Weise, in welcher der kaiser- 
liche Gesandte von Rom abberufen wurde, warfen ein grelles Streif 
licht auf die Stimmung, welche am Wiener Hofe geherrscht haben 
musste. Der kaiserliche Legations-Secretär Peter DalBerg berichte! 
diesbezüglich an seinen Vater: „Des Herrn Botschafters Gentiluomo ist 

') Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Romana; August 1705. 
*) Haus-, Hof- und Staats-Achiv, Italic» ; .August 1705. 



von Willi in aller Stille expedirt and nach Rom mit dem kaiserlichen 
Befehle geschickt worden, dass Ehre Excellenz mit seiner völligen 
Familie in höchster Secretita von Rom nach Lucca sich begeben solle, 
damit dieselbe an den päpstlichen Grenzen nicht möchte angehalten 
werden, woraus wohl abzunehmen war, dass man dem Nuntio einen 
Affront zu thun gedenke. Die kaiserlichen Ordres waren sehr pressant, 
niiisste daher des Herrn Botschafters Person vor allem Andern in 
Sicherheit gebracht werden, zu welchem End kein besseres Mittel vor- 
handen war, als denen Pfaffen die Zeit abzugewinnen, damit sie zu 
Rom oder von Wien aus keine Luft von der Sach bekommen mochten." 
.... „Es ist Alles so geheim und wohl von Statten gangen, dass 
Se. Excellenz, nachdem der Courier hier angelangt und ich sammt vier 
Bedienten unter anderem Vorwand noch selbige Nacht aus Rom ge- 
zogen und in aller möglichsten Eilfertigkeit in das Florentinische 

gelangt sind" „wir stunden unserer Reise wegen in so grösseren 

Sorgen, als der Papst vor einiger Zeit sich hat verlauten lassen, er 
könnte, im Fall der Botschafter zurückgerufen würde, denselben nicht 
aus dem Lande lassen, es sei denn zuvor der Nuntius Dania in 
Finibus Italiae angelangt. Basta, der kaiserliche Befehl ist glücklich 
vollzogen worden, aber mit solcher Eilfertigkeit, dass wir in Rom Alles 
haben liegen und stehen müssen lassen ')." 

Ungeachtet des Einlenkens von Seite der päpstlichen Curie 
während des ganzen übrigen Verlaufes des Jahres 1705, hatte dieser 
Zustand des offenen Bruches keine wesentlicbe Aenderung erfahren. 
Vermittlungsversuche scheiterten an der Festigkeit Joseph L, welche, 
wenn sie auch keine Aenderung in der Gesinnung des Papstes herbei- 
führte, doch eine Pression auf dessen fernere Handlungsweise ausübte. 



Das Verhältniss der italienischen Fürsten zu den verbündeten 
Seemächten überhaupt, und zum Wiener Hofe insbesondere, wird erst 
völlig klar, wenn man die Ziele und die Verbindungen der Schwei- 
zer i s c h e n E i d g e n o s s e n s c h a f t einer näheren Prüfung unterzieht. 

Nicht blos das politische, sondern auch das materielle Interesse 
war bei der Mehrzahl der schweizerischen Cantone ein mächtiger 
Hebel, sieh auf Frankreichs Seite zu neigen. Und eben dadurch liefen 
die Bestrebungen der Schweiz mit jenen Venedigs und der römischen 
Curie nur zu häufig parallel. 

Vor Allem fällt schwer in's Gewicht, dass die katholischen Orte 
der Schweiz durch Anerkennung des Herzogs von Anjou als 

') Haus-, Hof- und Staats-Archiv, ttalica: Juli 1705. 



König von Spanien und durch Annahme des mailändischen Capitulates 
sich als offene Feinde Kaiser Leopold I. erklärt hatten. Durch 
letzteres, welches erst 1705 ablief, wurden dem Erzhause Oesterreich 
seine Gerechtsame gleichsam abgesprochen. Nach der mit der Krone 
Frankreichs und dem Duc d'Anjou abgeschlossenen Allianz war die 
Eidgenossenschaft verpflichtet, ersterer mit 16.000 Mann, letzterem 
aber mit 13.000 Mann wegen des Herzogthums Mailand, „auf erforder- 
lichen Nothfall zuzuziehen". Der mit dem „Hause Oesterreich 
habende Erbverein 1 ' dagegen vermochte keinerlei Wirkung zu üben; 
denn die Cantone wollten denselben „nimmermehr auf eine thätige 
Hülfe ausdehnen, noch verstatten, dass die Ergänzung der wenigen 
im kaiserlichen Solde stehenden Schweizertruppen stattfinde' 1 . 

Der Erbverein bestand dalier nur dem Namen nach. Selbst 
Werbungen für die 2000 Mann, welche zu Beginn 1705 noch in 
kaiserlichen Diensten stehen sollten , wurden „nicht anders, als mit 
jener Express-Condition bewilligt, dass dies aus keiner erbverbindlichen 
Schuldigkeit geschehen und zukünftig zu keiner Consequenz gezogen 
werden solle". Bei den Bemühungen des Wiener Hofes, die Eid- 
genossenschaft für sein Interesse zu stimmen, zeigten sich unüber- 
windliche Schwierigkeiten, deren Quelle Graf Trautmannsdorf 
folgendermassen kennzeichnet: „Ob die Leute das von Frankreich 
übergross beziehende Interesse bei Seite setzen, oder auch ein Schweizer 
wegen des angeborenen Geldgeizes den französischen Louisdoren 
resistiren werde, macht sich der Schluss von selber." 

Schon im Jänner trafen Gesandtschaftsberichte ein, welche jede 
Hoffnung auf die Besserung des Verhältnisses zur Schweiz völlig 
vernichteten, denn Graf Trautmanns dorf meldet: .... „was die 
impartiale Neutralität im jetzigen Kriege anbelangt, haben die Eid- 
genossen nichts Mehreres gewöhnt, als eine heilige und vollständige 
Unparteilichkeit von Mund aus zu führen, ob sie schon dieselbige in 
der That so oft gebrochen, als es ihren Privatinteressen convenirt zu 
sein angeschienen" '). Auch wenn der Eidgenossenschaft eine notorische 
Untreue hätte nachgewiesen werden können, blieb es dem Kaiser doch 
unmöglich, die ausserhalb der Grenzen der Erbländer wohnenden 
Republikaner zur Verantwortung zu ziehen. Ja, es wäre der Fall leicht 
möglich gewesen, dass der mächtigste Canton der schwächeren sich 
angenommen und den Wiener Hof in Conflicte verwickelt haben würde, 
die bei der ohnehin äusserst ungünstigen allgemeinen politischen Con- 
stellation nicht sorgsam genug fernegehalten werden konnten. 



') Haus-, Hof- 



10 

Der eclatanteste Neutralitätsbrach zeigte sieh beim Postwesen. 
Frankreich liess den Postämtern „so grosse Bestallungen zukommen, 
wie solche niemals in Deutschland jemals gegeben- wurden. 1 >;i sich 
die Schaffhausen'schen und Basel'schen Postamts - Districte einerseits 
bis Ulm, andererseits bis Villingen im Kinzig-Thale und bis Strassburg 
erstreckten, so konnte die Eidgenossenschaft in Bezug auf die Ver- 
letzung des Briefgeheimnisses eine genügende Pression auch auf die 
kleineren Posthalter in einem grossen Theile in Schwaben ausüben. 
Der Liebesdienst, welchen die Schweiz der Krone Frankreich in 
solcher Weise leistete, darf gerade für die damalige Zeit nicht gering 
angeschlagen werden. Einerseits kamen Ludw.ig XIV. und dessen 
Generale zur Kenntniss von Dingen, die ihnen verborgen bleiben 
sollten; andererseits konnten die Franzosen stets auf einen grossen Zeit- 
vorsprung bezüglich der Nachrichten aus Italien für die an der Ost- 
grenze Frankreichs verwendeten Armeen und so umgekehrt zählen, 
da sich die schweizerischen Posthalter die Beförderung solcher sehr 
angelegen sein Hessen, oder selbe verzögerten, wenn sie die Verbündeten 
betrafen. Abhülfe konnte der Wiener Hof auch in dieser Beziehung 
nicht erwarten, da bei jeder Remonstration des kaiserliehen Gesandten 
die Schweiz stets „die Neutralität" vorschützte, welche de jure be- 
stehen sollte, de facto aber keineswegs beachtet wurde '). 

Bei der zu Beginn des Jahres 1705 gegen Frankreich gerichteten 
Machtentfaltung der Verbündeten ist es erklärlich, dass Ludwig XIV. 
momentan an eine Mediation dachte. Die Schweiz sollte eine Ver- 
mittlung versuchen. Thatsächlieh wurde in der im April beendeten 
allgemeinen Tagsatzung das von den katholischen Cantonen „projeetirte 
Mediationswesen sehr eifrig" discutirt. Luzern, Zug und Solothurn 
sprachen am wärmsten dafür. Mit Zuthun der übrigen Cantone 
katholischer Confession fasste die dadurch entstandene Majorität den 
Besehluss, dass Zürich den fünf Orten Zürich, Bern, Luzern, Freiburg 
und Solothurn einen Congresstag ansagen und dann in einem Schreiben 
an die Parteien um Frieden gebeten werden seile 2 ). Diesbezüglich 
berichtet T raut mann sd ort', dieses Streben habe „vom päpst- 
lichen Stuhle und von Frankreich die erste Geburt und das 
bisherige Waehsthum gezogen". 

Ludwig XIV. wollte durch diese Agitationen auch verhüten, 
dass eventuelle Friedensverhandlungen in Holland, sondern es sollten 
dieselben auf neutralem Hoden und vornehmlich in der Schweiz geführt 
werden. Der Hauptgrund lau' darin, der [ntrigue einen grossen Spielraum 

') Haus-. II. .1- im.! Staats-Archiv, Helvetica; 17er,. 
*1 Haus-, Hof- und Staats-Archiv. Helvetica: 1705. 



zulassen. Frankreich hatte nämlich bei Abschlags des Rvswiker Friedens 
sehr unliebsame Erfahrungen gemacht. Sein Botschafter wurde damals 
bei Tag und Nacht dergestalt im Auge gehalten und das Beginnen 
seiner Emissäre in einer Weise paralysirt, dass jede List fruchtlos 
blieb. In der Schweiz konnten die Gegner Ludwig XIV. nicht in 
gleicher Weise vorgehen, und darum suchte derselbe die Verhandlungen 
auf einem Boden zu führen, welcher nur zu geeignet war, seine Pläne 
zu fördern. 

Eine Handhabe zur Gegenwirkung boten die protestantischen 
Cantone der Schweiz. Diese neigten schon der Religion wegen zu 
England hin und zeigten sich mittelbar auch geneigt, den Interessen des 
Wiener Hofes Rechnung zu tragen. Der kaiserliche Resident Pesme 
de St. Saphorin schrieb darum aus Baden am 25. Februar: .... ,,je 
travaille de plus ä conduire les cantons reformes ä une explication 
avantageuse ä Sa M. Imperiale des alliauces hereditaires avec la tres- 
auguste maison d'Autriche, et cela me parait assez bien achemine." ')• 

Erwägt man nach Obigem noch die Haltung und Gesinnung der 
einzelnen Fürsten in Ober-Italien, so wird klar, dass eine auf diesem 
Kriegstheater in Thätigkeit gesetzte kaiserliche Armee, ausser den 
Schwierigkeiten des Bodens und den feindlichen Streitkräften, noch 
einen mächtigen unfassbaren Gegner zu bekämpfen hatte. Für den 
Feldherru mussten dadurch unzählige, unmöglich vorherzusehende 
Hemmnisse auftauchen — und wo er diesen geschickt auswich, trat 
Verrath an ihre Stelle. 



Noch verwickelter, als mit den ränkesüchtigen Regierungen der 
italienischen Staaten, gestalteten sich die politischen Verhältnisse 
bezüglich Englands und Hollands. Ersteres, um vorweg dem 
Misstrauen der mit ihm verbündeten Generalstaaten zu begegnen, 
hatte diesen die Action gegen die in den spanischen Niederlanden 
in Verwendung kommenden französischen Streitkräfte überlassen, und 
blos für den Fall, als Holland es begehrte, die Unterstützung durch 
englische Truppen zugesagt. 

Dieses Versprechen, vermuthlich in der Voraussetzung gegeben, 
dass dessen Erfüllung nicht nothwendig werde, wirft ein Streiflicht 
auf die von England im Jahre 1705 gehegte Siegeshoffnung. Der 
Theorie nach waren freilich alle Combinationen derart, dass vor 
Eröffnung der Campagne der Gedanke an das Fehlschlagen nicht 

') Kriegs-Arcliiv, Italien, 1705; Fase. II. 27. 



12 

Raum gewann. Wie klug und praktisch auch die Engländer stets 
sich erwiesen, so hatten sie sieh (Lieh in diesem Einen Falle Völlig ZU 
Fehlschlüssen verleiten lassen. 

Zwei Nationen, deren Lebensbedingungen im Seehandel wurzeln, 
können, sobald es sich bei beiden um das nämliche Ziel handelt, un- 
geachtet aller Freundschaftsversicherungen vor der Oeffentlichkeit, in 
ihrem Inneren niemals übereinstimmen. Es muss Puncto geben, wo 
die wechselseitigen Interessen sich kreuzen. 

Dass von diesen in den Verhandlungen der Diplomatie jener Zeit 
nirgends die Rede ist, kann wohl nicht befremden, nachdem damals, 
ebenso wie heute noch, die Cabinete das Wort gebrauchten, um die 
Gedanken zu verbergen. Dies musste zwischen Staaten, wie es England 
und Holland während des spanischen Erbfolgekrieges waren, nicht 
nur gegenüber den anderen Verbündeten, .sondern auch hauptsächlich 
unter ihnen selbst der Fall sein. 

Ein Kriterien über die politische Situation lässt sich darum aus 
den diplomatischen Actenstiicken allein kaum gewinnen. Erst wenn 
man ihnen die Thatäusserungen, d. h. den Verlauf der Begebenheiten 
gegenüber hält, lüftet sich der Schleier. 

Die Frage über den zukünftigen Besitz der spanischen Nieder- 
lande berührte wohl das Interesse der Generalstaaten am empfind- 
lichsten. Wenngleich auch der Handel mit den beiden Indien des 
Verlockenden genug hatte, so blieben doch erstere stets im Vorder- 
gründe. Ungeachtet des engen Bundes mit England bestand darum 
durch die Rivalität eine weite Kluft, welche nimmer das einmüthige 
Handeln gestattete. Wie sehr auch die englischen Staatsmänner sich 
bemühten, dieselbe zu verdecken, so gelang ihnen dies doch keines- 
wegs. Und in diesem, der Aussenwelt verborgenen Zwiespalte ist auch 
der Grund zu dem militärischen Misserfolge zu suchen. 

Freilieh massen die englischen Diplomaten, ja selbst der englische 
Feldherr, Herzog von M a r 1 b o r o u g h, die Schuld der schlechten 
politischen und militärischen Organisation Hollands bei; doch konnten 
und durften sie eben aus politischen Gründen nicht anders handeln, 
sollten die eigenen Absichten nicht klar zu Tage treten. Es unterliegt 
keinem Zweifel, dass Graf GoSss, als er zu Begiun des Jahres 1705 
über die Zustände in den Generalstaaten an den Wiener Hof be- 
richtete, Thatsachen richtig beleuchtete: „....weil die Holländer 
reine Republikaner sind, jede Provinz desto mehr auf ihrer Souverainetät 
steht. Fast alle Sachen, so vorhin von der Generalität dependiret, muss 
über Alles zu den Provinzen geschickt, dort examinirt und resolvirt 
werden, welcher Modus nichts Anderes als Langsamkeit nach sich 



ziehet. Am meisten zu beklagen, weil jede Provinz gleichsam auf 
eigenen Füssen stehen und diejenigen Zwangsmittel, so von der einen 
gebraucht werden, nicht annehmen will ') " 

Solche Zustände waren vor Beginn eines grossen Krieges wohl 
keineswegs ermuthigend. Sie hätten sich aber bei gutem Willen der 
Geueralstaaten, die Hauptfrage zu erledigen, beseitigen lassen. Dass 
aber derselbe völlig mangelte, beweist Mar 1 bor ough's Schreiben aus 
dem Haag vom 22. April an Lord Godolphin: „Ich kann nur sagen, 
dass alle Geschäfte hier mit grossem Unverstände betrieben werden. 
Die holländischen Generale hegen den sinnlosen Wunsch, 50 Bataillons 
und 90 Schwadronen an der Maas beisammen zu halten . . . ganz 
gewiss -werde ich nie ihrem Verlangen nachgeben, aber auf welche 
Weise ich es dahin bringen kann, Truppen ausser ihr Gebiet zu ziehen, 
darin eben steckt die Schwierigkeit." 

In dem „Unverstände" der Generalstaaten ist Methode gewiss 
nicht zu verkennen. War auch der Plan zur völligen Niederwerfung 
Frankreichs grossartig angelegt, so hing doch das Gelingen von zu 
vielen äusseren Umständen ab, als dass die vorsichtigen und berech- 
nenden Holländer die sanguinischen Hoffnungen Englands hätten theilen 
sollen. Und selbst in der Erreichung des Hauptzieles konnten die 
Generalstaaten noch lange keine Gewähr für die Gewinnung der spani- 
schen Niederlande finden, woselbst der Einfluss Englands aus nahe- 
liegenden Gründen stets befürchtet werden musste. Eine spätere Zeit hat 
dieses Misstrauen Hollands wohl hinreichend gerechtfertigt 2 ). Freilich 
bildete diese Anklammerung an ein Nebenobjeet ein grosses Gegen- 
gewicht, welches auf die Hauptaction lähmend einwirken musste. Den 
Beweis dafür geben die Kriegsereignisse an der Maas und Scheide 1705, 
welche sich als ein greller Gegensatz zu den von den Verbündeten der 
Welt bekannt gegebenen Plänen und das gemeinsame Ziel darstellen. 

Aber selbst in England konnten die internen politischen 
Gährungsprocesse nicht ohne Rückwirkung auf die Vorbereitungen 
für den Krieg und auf die während desselben zu befolgende äussere 
Politik bleiben. Das leidenschaftliche Auftreten der Tories nöthigte 
die beiden hervorragendsten Staatsmänner, Marlborough und den 
Lord-Schatzkanzler Godolphin, sich entweder zu den Ansichten der 
ersteren zu bekehren, oder selbe zu bekämpfen. 

Marlborough schmeichelte sich, dass die Whigs, ungeachtet 
der ihnen zugemutheten Zurücksetzung, dennoch den Massnahmen 



') Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Hollandica; April 1705. 
2 ) Es musste sich Holland am Ende des Krieges mit dem Abschlüsse des 
reVertrages (Besatzungsrecht in sechs Festungen) begnügen. 



14 

der Regierung beipflichten und wie im Vorjahre mit gleicher Wärme 
für die Fortführung des Krieges sprechen würden. In dieser Beziehung 
irrte aber der englische Feldherr insofern, als von der erwarteten 
.Selbstlosigkeit nicht die Rode war. Im Gegentheile beanspruchte 
gerade das Unterhaus jene Achtung und jenen Einfluss, zu welchen 
die Whigs in Folge früherer Dienste sich für berechtigt hielten. Sie 
benützten den Zwiespalt unter den Tories und die Notwendigkeit, 
worin sich das Ministerium befand, ihren Beistand im Parlamente 
suchen zu müssen. Der Sieg bei Höchstädt 1704 kam ihnen dabei 
sehr zu Statten, weil gerade sie für die energische Kriegführung 
gestimmt hatten. 

Ein für ihre Bestrebungen gleichfalls günstiger Umstand war 
die Veränderung, welche Königin Anna in Schottland beabsichtigte, 
woselbst die Gährung in bedenklichen Symptomen sich äusserte. Der 
englische Lord- Schatzkanzler hielt die Verschmelzung beider König- 
reiche und ihrer Parlamente für das einzige Mittel zum Heil. Und 
dagegen sträubten sieh naturgemäss sowohl die Tories, als auch dir 
heimlichen Anhänger des verwiesenen Herrscherstammes. Es mussten 
diese Kämpfe der Factionen mittelbar und unmittelbar ihre Wirkungen 
auf die Kriegführung äussern. Nicht nur die Geldbewilligungen, sondern 
auch Personalfragen tief einschneidender Natur traten zu einer Zeit 
hervor, während welcher gerade alles dies schon längst in richtigem 
Geleise hätte sein sollen. Zwar erfolgte schon in der ersten Zeit der 
Parlaments-Sitzungen die Bewilligung der von der Regierung geforderten 
Summen für die Fortsetzung und Nahrung des Krieges, doch reiften 
die Vorbereitungen für denselben nur allmälig. 

Königin Anna von England setzte mit vollem Rechte ihr Ver 
trauen auf den Herzog von Marlborough, der in politischer 
Denkungsweise mit ihr übereinstimmte und sich in seiner Treue er- 
probt hatte '). Der gute Wille der Regentin und einiger weniger ihr 
ganz ergebenen Männer reichte aber gerade in einem Staate wie 
Grossbritannien nicht aus, die Hebel mit jener Energie in Thätigkeit zu 
setzen, welche der Coalitionskrieg 1705 so dringend erheischte. 

Der Hauptaction, eventuell jener, welche zur Entscheidung des 
spanischen Erbfolgekrieges führen sollte, und die erwähntermassen 

') Einen Beweis dafür gibt Marlborough's Schreiben an seine Gattin: „Du 
nennst gewöhnlich die Tories nicht anders als meine Freunde. Indem ich nie- zu 
irgend einer Partei oder Verbrüderung mich schlagen werde, so bitte ich Dich, mir 
Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, nur Jene für meine Freunde zu halten, die es 
mit der Königin und ihrer Regierung wohl meinen." (Coxe, „Marlborough's Leben", 
2. Hand, ]>ag. 149.) 



15 

England mit seiner Landmacht unter Hülfe der Reichstruppen sich 
vorbehalten hatte, stand aber nicht blos die Eifersucht der General 
Staaten, sondern auch die Zerfahrenheit der deutschen Reich s- 
fürsten entgegen. Vor einer entscheidenden That mit solcher Trag- 
weite, wie es die völlige Niederwerfung der Macht Ludwig XIV. 
gewesen wäre, mussten für die Kriegführung alle Factoren wohl 
erwogen werden, d. h. ein richtiger Calcul bezüglich der Zahl der 
Streitkräfte und ihres Werthes war die erste Bedingung. 

Der glänzende. Erfolg der Schlacht von Höchstiidt hatte den 
zum Oberbefehlshaber auserkorenen englischen Feldherrn, Herzog von 
Marlborough, mit sanguinischen Hoffnungen erfüllt. Dies verleitete 
ihn. den Werth jener Streitkräfte zu überschätzen, die ihm neue Lorbeern 
pflücken sollten. Hätten mehr die Erfahrungen der verflossenen vier 
Kriegsjahre, als der Sieg im Vorjahre seinen Geist beherrscht, so müsstc 
die Ausführung des an und für sich richtigen und grossartigen Planes 
auf einer mehr sicheren Basis aufgebaut worden sein, als dies that- 
sächlich der Fall war. 

Mit zu grosser Zuversicht wurde darauf gezählt, dass die Reichs- 
fürsten in Folge der Befreiung deutscheu Bodens von französischem 
Drucke mit frischem Eifer daran gehen würden, das grosse Werk durch 
eine letzte Anstrengung mit völligem Erfolge zu krönen. Aber Marl- 
borough sowohl, als das englische Cabinet, so wie sie sich bezüglich 
Hollands täuschten, unterschätzten auch die Kreuzung der Ansichten 
und Zwecke der verschiedenen deutschen Reichsfürsten. Die Schwäche 
und Energielosigkeit einzelner derselben einerseits, und der Factor 
Missgunst andererseits, fielen mit ihrer ganzen Tragweite in s Gewicht. 
Abgesehen von der wachsenden Eifersucht gegen die Machterweiterung 
des Kaisers, war ein einmüthiges Streben schon aus dem Grunde nicht 
zu erwarten, weil dort, wo Viele sich an ein und demselben Werke be- 
theiligen sollen, gleiche Anstrengung nimmer erfolgt, wenn gleichmässiger 
Gewinn sich nicht erzielen lässt. Was hatten die deutschen Fürsten 
bei dem Ende des Krieges zu hoffen ? Sie erschienen in Europa in dem 
Masse kleiner, als Habsburgs Regentenhaus an territorialem Besitze 
gewann. Das Staatengebilde des heiligen römischen Reiches hatte sein 
nächstes Ziel durch die im vorhergegangenen Jahre erfolgte Zurück- 
werfung der Franzosen vom deutsehen Boden erreicht. Ihm lag zunächst 
nur daran, die ausgesogenen Länder wieder zu Kraft kommen zu lassen. 
Die Bundespflicht wurde der Form nach erfüllt, weil man nicht anders 
konnte, aber keineswegs dem Wesen nach. Unzählige Urgenzen bezüglich 
der Rüstungen und Stellung der Contingente, die in den Acten vorliegen, 
geben ein trauriges Bild von Schlaffheit und Zerfahrenheit. Selbst- 



L6 

verständlich massen England und Holland alle Schuld dem Kaiser 
bei, welchem wohl keine anderen Pressionsmittel als „höfliche Ersuch- 
schreiben" zu Gebote standen. \\'ic sehr man den Wiener Hof für die 

Unterlassungssünden der Koichsfürsten verantwortlich machte, beweist 
unter vielem Anderen Marlboro ugh's Schreiben vom 22. Mai an 
Godolphin „. . . ich bin unangenehm überrascht, wie wenig Truppen 

von hier (Rastatt) an die Mosel geschickt werden können" 

„dies stört alle meine Entwürfe, dass ich auf das dringendste an den 
Kaiser schrieb." 

Die englischen Staatsmänner hatten wohl dahin gestrebt, durch 
klug eingeleitete Verträge (namentlich jenen mit Preussen 1704) und 
auch durch moralische Pression die Fürsten zur Förderung der so- 
genannten „gemeinsamen Sache" anzuspornen, unliebsamen Zwischen- 
fällen aber nach Möglichkeit vorzubeugen. Die eingeschlagenen Wege 
erwiesen sich aber nachmals nicht als insgesammt richtig. Sie konnten 
es auch nicht sein, weil, so sehr auch England seinen Bemühungen den 
Stempel aufzudrücken suchte, dass Alles in der Absicht geschehe, in 
Europa das Gleichgewicht herzustellen, doch bei diesem, sowie bei den 
anderen Verbündeten die Selbstsucht durchblickte. Zu solchen] Stand 
punete des Urtheiles berechtigen die nachfolgenden actenmässigen Dar- 
stellungen, und durch diese zerfliesst eine Reihe traditioneller Anschul- 
digungen gegen Kaiser Leopold I. und seinen erlauchten Nach 
folger Joseph I. in Nichts. 



Da auf die Hauptaction gegen Frankreich (Krieg an den Nord- 
ostgrenzen) die Vorgänge unter den nordischen Mächten störenden 
Einfluss üben konnten, so bemühte sich vorwiegend England, möglichen 
Eventualitäten in solchen Beziehungen bei Zeiten vorzubeugen. Die 
Herrscher der vier grossen Staaten im Nordosten Europa's waren 
ja gleichmässig bestrebt, ihren Ruhm zu vergrössern, und jeder von 
ihnen verfolgte seine eigenen Ziele. 

Zar Peter 1.. welcher in dem Streite ursprünglich nur als 
Alliirter der polnischen Republik und des Königs August 11. beige- 
treten war, hatte 1704 bereits seine wahren Absichten errathen lassen'). 
Dies mochte für Frankreich die Anregung gewesen sein, sieh zu 
Beginn des Jahres 1705 mit verlockenden Anträgen an Russland zu 
wenden. Ludwig XIV. hatte an den Zar einen eigenen Gesandten 
delcgirt, welcher „sehr im Geheimen die Angelegenheiten seines Hofes" 
betrieb. Durch Handelsaussichten in Ost -Indien sollte der Zar ge- 



') Dorpat und Nt 



17 

ködert werden, und man schlug ihm „eine Heirat zwischen einer 
französischen Prinzessin mit 2 Millionen Thaler Mitgift für den jungen 
Zar" vor. Ausserdem erbot sieh Frankreich, 300 Officiere anzuwerben, 

zu equipiren und auf seine Kosten Russland zur Verfügimg zu stellen, 
im Falle eines vorteilhaften Friedens aber, ewige Allianz „mit dem 
Zar" zu schliessen. Auch „Hoffnungen auf Constantinopel und auf den 
Besitz des Sehwarzen Meeres" Hess der französische Unterhändler 
durchblicken. Der Herrscher aller Reussen schenkte all' dem keine 
Aufmerksamkeit, oder Hess eine solche nicht sichtbar werden. Der 
Zar gab vor, auf die Verwicklungen Kaiser Leopold I. „sowohl in 
Italien, als am Rhein, billig zu reflectiren" und daher „nicht einmal zu 
begehren oder zu rathen, dass Ihre kaiserl. Majestät etwas directe und 
offensive gegen Schweden anjetzo anfangen sollen". Er begehrte nur, 
dass der Kaiser unter der Hand das Seinige beitrage, tun Danemark 
und Brandenburg zu einer „Ruptur wider Schweden zu disponiren 
und dita Puissances Dero Soutiens bei dem Frieden und sonsten zu 
versiehern". Dabei unterlief die Bemerkung, dass Leopold I. „die 
Freundschaft von Schweden der Zeit und Gelegenheit nach bei- 
zubehalten geflissen" sein könne, „ohne dass es weder Ihre zarische 
Majestät, noch Dero Alliirten einige Jalousie sollte verursachen-'. Da 
der Kaiser „ex eapite foederis'' verpflichtet war, dem Könige von 
Pulen, welcher in augenscheinlicher Gefahr stand, die Krone zu 
verlieren, Hülfstruppen zu senden, so erklärte der Zar, dies auf sieh 
nehmen und „diesfalls sieh mit Sr. königl. Majestät von Polen ver- 
gleichen zu wollen". 

Russland machte noch weitere Anträge; am 12. März erfolgte 

der Gesandtschaftsbericht: Wann E. k. M. Dero Dessein wider 

Schweden erreichet, dürften Ihro zarische Majestät nicht Bedenken 
tragen, sich in Fensio-Allianz mit E. k. M. engagiren und Dero- 
sellisten mit 40 — 50.000 Mann contra quemeunque zu assistiren. 
auf solche Conditiones, die Se. k. M. vielleicht von keinem Ihrer 
Alliirten jemals genossen haben werden". . . . „Ihre zarische Majestät 
würde auch nicht ermangeln, Dero Alliirte in E. k. M. Interesse 
zu engagiren, um insonderheit mit Se. königl. M. von Dänemark und 
Polen darüber einen solchen Tractatus zu maehen ; woraus E k. M. einen 
grossen Nutzen ziehen würden, dass Sie sieh promittiren könnten, 
Kern gerechtsame Succcssion wegen der spanischen Monarchie- zu 
behaupten." 

Als erste Bedingung forderte der Zar. dass der Kaiser „das 
Interesse des Königs von Dänemark mit mehr Chaleur, als Ins daher 
geschehen, embrassire", denn Russland sei „mit diesem Alliirten so 

Feldziige des Prinzen Eugen v Savoyen VII Band - 



18 

nahe verbunden", dass es dessen Nutzen und Schaden gleich dem 
seinigen betrachte ' |. 

So schwerwiegend bei der bedrängten Lage des Kaisers die 
angebotene Unterstützung mit Geld und Truppen auch war, erfolgten 
von Seite des Wiener Hofes dennoch zum Theil gar keine, zum 
Theil nur ausweichende Antworten. 

Die Stellung, welche Lcop old I. indem schwebenden Conflictc 
einnahm, ist durch den Erlass vom 30. Jänner an den Grafen Grallas 
gekennzeichnet. In seinem Interesse war es gelegen, dass „zwischen 
den beiden Königen von Schweden und Polen ein erträglicher Friede 
aufs baldigste gestiftet werden möge". Es stand ja zu besorgen, dass 
bei den Feindseligkeiten zwischen diesen Potentaten das Herzogthum 
Schlesien in Mitleidenschaft gezogen, d. h. als Kriegstheater dienen 
würde. Der eine Theil, um nach Polen zu kommen, konnte nicht an 
Schlesien vorüberziehen; der andere Theil aber würde sich berechtigt 
geglaubt haben, den Gegner nicht blos abzuwehren, sondern bis in 
seine eigenen Erblande verfolgen zu können. Gallas ward darum 
beauftragt, sich am englischen Hofe „zu erkundigen, welchergestalt 
die Königin Ihre Officia anzuwenden und den vorgesetzten Friedens- 
zweck zu erreichen gedenke". 

Uebrigens zweifelte der Kaiser, dass dieser Friede so bald zu 
erreichen sein werde, und darum sollte Gallas „dahin antragen, dass 
die Königin und die Generalstaaten nicht nur den König von Schweden 
dehortiren", die kaiserlichen Lande nicht „wie es schon mit einigen 
Parteien im gedachten Ilerzogthume, unter'm Vorwande, gewissePersonen 
zu suchen, in der That, und auch den König in Polen in seiner Rück- 
reise ans Sachsen zu passen" geschehen, „zu betreten und im geringsten 
zu beunruhigen". Die verbündeten Seemächte sollten auch „bei dem 
Schwedenfürsten die Declaration conjunetio offieiis herauszubringen 
suchen, dass im Falle der König in Polen sein ehursächsisches Contingent 
dem Reiche prästiren würde, keineswegs von den schwedischen Truppen 
molestirt werden sollte". 

( (bgleich der Kaiser wünschte, dass der englische Gesandte in 
Schweden sich diesfalls mit dem Grafen S inzc n d o r f ins Einvernehmen 
setzen sollte, welch' Letzterem besondere Instructionen zugekommen 
waren'), so blieben doch, wie in der Folge erwiesen, alle Bemühungen 
fruchtlos, und zwar aus dem Grunde, weil England und Holland es 
stets entschieden ablehnten, dem König August II. den Besitz meiner 



i) Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Russica; Februar und März 1705. 
*) Haus-, Hof- und Staats-Archiv, A.ngUca; Jänner 1705. 



19 

Lande zu gärantirenj England zweifelte übrigens daran, „dass die 
Krone Schweden ihre Pläne so bald zur Ausführung bringen werde". 

König- August II. von Polen, welcher unter den vier nordischen 
Potentaten zuerst die Wandelbarkeit des Glückes kennen gelernt 
hatte, verweilte hei seiner Gemahn, d. h. in seinen Erbländern länger, 
als es die Würdenträger der polnischen Krone wünschen und hoffen 
mochten '). 

Preussen, obschon in den Streit nicht offen verwickelt, hatte 
doch die Neigung dazu an den Tag gelegt. Um diesem entgegenzu- 
wirken, war England schon im November 1704 darauf bedacht gewesen, 
den Berliner Hof durch Abschliessung eines Vertrages von der Thcil- 
nahme am Kriege der nordischen Mächte abzuhalten. Marlborough 
hatte dem Könige, der sich verpflichtet, für den Krieg gegen Frank- 
reich llülfstruppen zu stellen, die Möglichkeit benommen, sich gegen 
Polen zu wenden 2 ). Es war wohl von Seite Brandenburgs nichts 
versäumt worden, bei Karl XII. sich um Gegenleistungen für den Fall 
des Eintrittes in die Action zu erkundigen. Für 1705 aber liess sich 
Preussen durch den mit Marlborough abgeschlossenen Tract.it vor- 
läufig weder als Bundesgenosse ausnützen, noch als Feind fürchten. Die 
Bestrebungen der Unterhändler Friedrich I. blieben darum völlig 
resultatlos. Freilieh hatte Preussen durch einen geheimen Articel sich 
von England und Holland deren Schutz zusichern lassen, wenn es in den 
Krieg zwischen Schweden, Polen und dem Zar verwickelt, oder gar im 
eigenen Lande angegriffen werden sollte. Im letzteren Falle durfte 
der Zurückberufung aller zur Verfügung gestellten Hülfstruppen nichts 
in den Weg gelegt, und mussten die Kosten der Beförderung von 
den Seemächten getragen werden D ). 

Naturgemäss konnte diese Vereinbarung nicht ohne Einfluss auf 
Preussens Haltung gegenüber den verbündeten Seemächten bleiben. 
Es fand sich ja leicht ein Vorwand, die brandenburgischen Hülfstruppen 
zurückzurufen, wie auch nachweislich wiederholt der Anlauf dazu ge- 
nommen wurde. Aus diesen Thatsachen liess sich auch das Benehmen 
nicht nur des preussischen Hofes, sondern auch seiner Generale erklären, 
welch' letztere, namentlich zu Beginn derCampagne 1705, Schwierigkeiten 
machten, wenn es sich um schleunige Befolgung von Befehlen handelte. 
Unerwartet kam dies übrigens keineswegs; denn Resident Helms 
berichtete schon im Jänner, es werde „noch grosse Mühe kosten, es 
dahin zu bringen, dass die Anzahl der in Bayern stehenden, für 



') Kriegs-Archiv, Italien, 1705; Fase. XIII. 
*) Lainberty, Memoires; Band III, Seite 457 
*] Hofkammer-Archiv ; Fase. Jauuer 1705. 



20 

[talien bestimmten preussischen Truppen durch andere ersetzt 
werde" ' . 

Gleichwie am Hofe des Zaren, hatte Frankreich auch auf 
Friedrich! einzuwirken gesucht, und der französische Gesandte in 
Berlin, Marquis de Bennacy, scheute nicht, offen zu erklären, dass 
die neue Conföderation in Russland durch die französischen Factionen 
angesponnen sei und dass selbe „zum grossen Präjudiz der hohen 
Alliirten die polnischen Unruhen durch Stanislaus (den Gegen- 
könig) zu fomentiren trachte". 

Friedric h I. zeigte sich zur Anerkennung Stanislaus 
Leszczynski's bereit, nachdem er auf der Haager Gesandten-Uonferenz 
Anträge rückgängig gemacht hatte, die einerseits auf die Deckung 
Danzigs, andererseits auf die Neutralisirung Chursachsens abzielten. 
Letzteres blieb ebeu der wunde Fleck, welcher auf die Actions- 
fähigkeit Leopold I. und Joseph I. zurückwirkte, indem das nicht 
zu unterschätzende chursächsische Truppen-Contingent, einer Fata 
Morgana gleich, wiederholt in Aussicht stand und sich gerade in jenen 
Momenten als ein Trugbild erwies, in welchen die Hülfe am nöthigsten war. 

Uebrigens hatte das Haus Brandenburg für seine Hülfeleistung 
sich wohl eine Entschädigung gesichert. Nach dem Puncte 11 des 
mit Marlborougk abgeschlossenen Tractates mussten sich England, 
Holland und der Herzog von Savoyen verpflichten, auf den Vor- 
theil iles Königs von Preussen hezüglich der Grafschaft Neufchätel und 
Valengin Rücksicht zu nehmen; sei es dadurch, dass man Friedrich I. 
so bald als möglich in deren Besitz zu setzen trachte; sei es, dass 
man mit Frankreich weder Frieden, noch einen Waffenstillstand ab- 
schliesse, ohne dass dem Hause Brandenburg bezüglich der Kosten 
und Forderungen vollkommen Rechnung getragen würde •'). 



Das vom deutschen Reichstage Kaiser Leopold I. zuer- 
kannte Recht, das in Folge der Schlacht von Höchstädt herrenlos 
gewordene Bayerland politisch und militärisch zu verwalten, barg 
in sieh einen nur scheinbaren materiellen Vortheil, denn es war die 
Quelle von Verlegenheiten, welche die für das Kaiserhaus genugsam 
ungünstigen politischen Constellationen noch um ein Wesentliches 
steigerte. 

Churfürst Max Emanuel von Bayern, welcher bei seinem 
Versuche, im Bündnisse mit Frankreich. Habsburgs Macht zu schädigen, 



') Haus-, Hof- nnil Staats-Archiv, Borussica; 1705. 
2 ) Hofkammer-Archiv; Fase. Jänner 1705. 



21 

1704 sein Reich eingebüsst, hatte bei seiner Flucht nach den Nieder- 
landen die Regierungsgewalt seiner Gremalin übertragen. Diese jedoch 
ward genöthigt. im December 1704 zu Ilbeshehn einen Vertrag zu 
unterzeichnen, der ihre Rechte nicht Mos ausserordentlich schmälerte, 
sondern überhaupt die Regentschaft in Fräse stellte' '). Kaiser 
Leopold I. ward nämlich vom deutschen Reichstage das Rechl 
der Regierung in den drei Rentämtern Landshut, Straubing und Burg- 
hausen eingeräumt, wahrend die Macht der Churfürstin auf Stadt und 
Rentamt München beschränkt blieb. Auch sollte sie dem vom Kaiser 
bevollmächtigten General die Festungen Ingolstadt und Kufstein, 
wie auch das Schloss Neuburg am Inn vollständig übergeben und 
Alles, was im Juni 1703 von Tyrol fortgenommen worden war, zurück- 
erstatten. Da aber die churfürstlichen Garnisonen aus den genannten 
Plätzen nicht abzogen und Widerstand leisteten, die Churfürstin ihr 
Land zu verlassen und sich zu ihrer Mutter nach Rom zu begeben 
beabsichtigte, endlich Max Emanuel in der Schweiz ein Manifest 
verbreiten Hess, welches in ..sehr insolenten und schmähsüchtigen 
Terminis wider das Erzhaus Oesterreich und dessen Alliirte abgefasst" 
war 3 ), so erachtete sich auch Kaiser Leopold der im Ilbesheimer 
Vertrage eingegangenen Verpflichtungen für ledig. Die Schlussklausel 
des berührten Vertrages lautete ja: „sowohl gegenwärtig, als zukünftig" 
. . . „wider Ihre kaiserl. Majestät und das heilige römische Reich nichts 
Nachtheiliges oder Schädliches zu hegen und vornehmen zu lassen" 3 ). 

Weit entfernt, eine Dictatur zu beabsichtigen, hatte Kaiser 
Leopold wiederholt von seinen hervorragendsten Staatsmännern 
berathen lassen, wie die politische und militärische Verwaltung Bayerns 
am besten zu organisiren sei. 

Die erste und wichtigste Frage bestand in der richtigen Wahl 
des Statthalters. Der diesfalls einberufene Rath stimmte für den 
Grafen Wratislaw. Es geschah dies in patriotischer Absieht. 
alle materiellen Vortheile dem eigenen Reiche zuzuwenden. Aber 
dieser in Wien allgemein herrschenden Stimmung entgegen legte 
Leopold I. „die Administration von Bayern" in die Hände des 
Grafen von Löwenstein. Der Kaiser that dies nmthmasslich darum, 
weil er von einem speeifisch österreichischen Statthalter in Folge 
ungenügender Kenntniss der Landesverhältnisse Missgriffe befürchtet 
halien mochte. Schon die Abstammung Löwenstein's aus der Pfalz 
und dessen Aufenthalt im oberrheinischen Kreise als Abgesandter 

') Siehe VI. Band, Seite 634 di.-s.-s Werkes. 

2 J Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Helvetica; Jänner 1705. 

•i Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1704 ; Fase. XI. 5 und Supplement-Heft Nr. 39. 



22 

seil dem Jahre 1699, Hessen Leopold hoffen, dass die aufgeregten 
Gemüther des Bayervolkes beschwichtigt und die Grenzen der Billig- 
keil bei der Verwaltung nicht überschritten wurden. 

Selbstverständlich rief diese Wahl in den Erblanden MisBstim 
mung hervor, die in dem Schreiben Wratislaw's an König Karl 111. 
sich abspiegelt: „Ungeachtet des fleissigen Sollicitirens (der Räthe 
hat sich der Kaiser wider ihre Meinung resolvirt, die Administration 
dem Grafen von Löwenstein zu übergeben. Euer königl. Majestäl 
können nicht glauben, wie dieser Streich den Prinzen (Eugen) 
chagrinirt", und zwar hauptsächlich aus dem Grunde, weil er erkannte, 
„wie der einzige Fundus, durch welchen einestheils dem Kaiser und 
andererseits Euer königl. Majestät aus der grossen Misere, in welcher 
Sie sieh jetzt befinden, zu setzen verhoffet, in fremde Hände gespielet 
und dadurch Anlass gegeben worden, dass ein Jeder von diesen Ein- 
künften profitiren, folglich dem Erzhause einen schlechten Nutzen 
schaffen werde ')." 

Diese Thatsachen dürften darlegen, dass das vom römischen 
Reiche überkommene Mandat dem Kaiser weit mehr eine Bürde, als 
eine Hülfe sein musste. Er war sich schon von vornherein der Schwierig 
keiten bewusst, die ihm daraus erwachsen würden. Abgesehen davon, 
dass Leopold I. kurz nach der Besitzergreifung Bayerns es aus 
sprach, die gehörigen Mittel anwenden zu wollen, um die allerorts sich 
kundgebende «.Jährung nicht zum Ausbruche kommen zu lassen, hatte 
Feldmarschall Graf Gronsfeld, der kaiserliche Oberbefehlshaber, 
schon am 4. Jänner den Stand der Dinge gekennzeichnet. Unter Anderem 
lautet sein Berieht: „dass die Landshuter Regierung und Landstände 
mehrentheils von der Münichischen Regierung Befehle clandestine 
einholen", von welcher nichts Gutes zu erwarten sei 2 ). Schroff und 
feindselig trat die Bevölkerung gleich vom Anbeginne den kaiserlichen 
Truppen gegenüber und es kamen bedenkliche Symptome vor"), 
welche den kaiserliehen Befehlshaber nöthigten, allerorts die Ent- 
waffnung anzuordnen. 

Die von der Regierung in München getroffenen Verfügungen 
waren gleichfalls dicht Vertrauen erweckend, und ihr Einfluss auf 
die im Besitze der Kaiserliehen befindlichen Rentämter machte sich 



') Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Hispanica; Februar 1705. 

-| Kric^s-Aivlih , Ki'iinisclii's Reich, lTO.'i; Faso.. I. 1. 

■I Grons fe Ul erhielt Berichte, dass im Rentamte Burghausen „in verschiedenen 
Orten allerhand ärgerliche Thaten, ja sogar Mord und Todtschlag an der einquartierten 
kaiserlichen Miliz von den Bauern verübt wurden". (Kriegs-Archiv, 1705; Fase. II. 
12 b, 17 a.) 



23 

in Allein und Jedem fühlbar. Es konnte aber wohl nicht anders sein, 
und auch Prinz Eugen bemerkte darüber: „dass E. E. (Gronsfeld) 
melden, dass die darobige Regierung und Landstande ihre Consilia 
von der Regierung zu München einholen, glaube gar gerne und ist 
natürlich, dass der Landmann seinen eigenen Herrn, unter dem er von 
mehr als 100 Jahr gestanden, niemalen völlig abhold sein, sondern 
allezeit eine innerliche Affection haben wird ')". 

Waren die Verhältnisse in Bayern überhaupt äusserst schwierig, 
so mussten sich die Besorgnisse durch Berichte des kaiserlichen Bot- 
schafters in Rom noch mehr steigern. Aus denselben ging die Absicht 
Frankreichs hervor „die Restitution des Churfürsten von Bayern durch 
den Papst negotiireu, oder im Weigerungsfälle, die geistlichen Fürsten 
und die Stände durch seine Officia und Exempel zu vermögen, den 
Kaiser nicht anzuerkennen *)". 

Es bedarf wohl keines besonderen Beweises, dass Stadt und Rent- 
amt München einen gefährlichen Herd für alle von Frankreich und 
von dem verbannten Churfürsten gegen das Kaiserhaus angesponnenen 
Intriguen bildeten. Mächtige und zahlreiche Bande knüpften M a x 
Emanuel an Bayern, und in der zu München zurückgebliebenen 
Familie lag ein starker Hebel, auf das Gemüth des seinem Churfürsten 
warm anhänglichen Bayervolkes auch aus der Verbannung einwirken zu 
können. Keinesfalls durfte der Kaiser im Rücken der am Rhein stehenden 
Reichs-Armee eine politische Fraction dulden, von welcher aus — und zu 
der die Fäden von Frankreich und Rom liefen. Die Besitzergreifung 
der Stadt und des Rentamtes München war ein Gebot politischer Not- 
wendigkeit, welche unbedingt die Gefühlsregungen ausschliesst. 'Freiheb 
trug dieser am 15. Mai ohne Blutvergiessen vollzogene Act nicht dazu 
bei, die aufgeregten Gemüther zu beschwichtigen. 

Wohl Hess sich vorhersehen, dass die Churfürstin gegen derartiges 
Vorgehen Protest erheben werde; PrinzEugensah sich darum veranlasst. 
gegen die Gemaliu Max Emanuel's zu bemerken, wie sowohl der 
verstorbene Kaiser Leopold, als auch der nunmehr regierende Joseph I. 
„kein geringes Fundament gehabt haben werden, wodurch selbige zu 
der verwichenen Resolution wider das Rentamt und Stadt München 
seien berechtigt worden, da dann ein solches noch in Sonderheit aus 
deine desto mehreres verificiret und bekräftigt wird, dass man auch seither 
ein und andere Personen in Verhaft habe ziehen lassen". 

Die Autlösung der churbayerischen Truppen, deren grösster Theil 
sich im ganzen Bayerlande zerstreute, trug am wesentlichsten dazu bei, 

') Supplement-Heft Nr. 4. 

') Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Bavarica; Februar 1705. 



die schon ursprünglich aufgeregte Stimmung des Volkes bis zum 
Aeussersten zu steigern. Durch die ihrem Landesherrn anhänglichen 
Soldaten wurde der Zunder nahezu in jede Wohnstätte getragen and 
es bereitete sieh, ohne einheitliche Leitung, gewissermassen auf natür- 
lichem Wege, der Aufstand vor; denn es befanden sich im Lande so 
viele Emissäre, als churbayerische Soldaten bei dem Volke Zuflucht and 
Schutz gefunden hatten. 

Um das allerorts glimmende Feuer zu lichter Lohe anzufachen, 
bedurfte es nur eines Anlasses. Diesen aber führte die bedrängte Lage 
*]>■+ Kaisers herbei. 

Joseph I., von seinen Verbündeten zu einer Machtentfaltung 
genöthigt, die weit die Kräfte seines Reiches überstieg, befand sich in 
der Zwangslage, auch in dem Bayerlande materielle Hülfsquellen zu 
suchen. Der Entschluss dazu erfolgte aber erst in jener Zeit, in welcher 
alle anderweitigen Mittel versiegt und keinerlei Aussichten mehr vor- 
handen waren, von den Verbündeten Hülfe oder Unterstützung erlangen 
zu können. Die Absicht, aus Bayern Recruten und Geld zu ziehen, fand 
eine entschiedene Ablehnung von Seite der Bevölkerung, und als den 
Forderungen durch Executiv-Massregeln mehr Nachdruck verliehen 
werden sollte, brach im October der Aufstand aus, jene Verlegenheiten 
vermehrend, welche die Rebellion in Ungarn schon jahrelang dem 
liabsburgischen Regoitenhause bereitet hatte. 

Abgesehen davon, dass die Festhaltung Bayerns ein im Ver- 
hältnisse zur gesammten kaiserlichen Streitmacht immerhin ansehn- 
liches Truppenquantum absorhirte, war an ein Ausbeuten der Hülfs- 
quellen dieses Landes für das Jahr 1705 nicht mehr zu denken. 



Die Rebellion in Ungarn hatte bereits seit zwei Jahren die 
politische und materielle Lage Oesterreichs ausserordentlich geschädigt. 

Suchten R&koczy und die anderen Häupter der ungarischen 
Bewegung ursprünglich die wahren Absichten sorgfältig zu ver- 
bergen, indem sie sich nicht als Feinde des Hauses Habsburg. 
sondern als Rächer von Rechtsverletzungen erklärten, so Hessen sie, 
durch den Erfolg kühn gemacht, im Jahre 1705 mehr und mehr die 
Maske fallen. 

Den Versöhnungsversuchen Kaiser Leopold I. gegenüber hatte 
Räkoczy mit seinen Genossen, die keineswegs an Versöhnung dachten, 
leichtes Spiel. Bei der Thronbesteigung Joseph I. aber, welcher die 
confessionellen, wirthschaftlichen und administrativen Beschwerden der 
Länder der Stephanskrone anerkannte und, um Abhülfe treffen zu 



25 

können, Unterwerfung und Achtung der Landesverfassung forderte, 
mussten die wahren Absichten mehr und mehr klar zu Tage 
treten. 

Rakoczy sah sieh sowohl durch die moralische und ausgiebige 
materielle Unterstützung, welche Frankreich den ungarischen liebeilen 
gewährte, als auch namentlich zu Beginn des Jahres 1705 durch 
die Haltung Englands und Hollands in seinen Bestrebungen ermuthigt. 
Die Stellung, welche die beiden Seemächte gegenüber der internen 
ungarischen Angelegenheit nahmen, war in zwei Ursachen begründet. 
Einerseits hegte man Sympathien für die, der herrschenden Meinung 
nach, lediglich des Protestantismus wegen hart verfolgten Ungarn. In 
dieser Beziehung erwiesen sich die von den kaiserlichen Botschaftern 
erhobenen Einwände fruchtlos. Beharrlich wurde sowohl in London, 
als auch im Haag, die Ursache der Fortdauer der Rebellion dem 
kaiserlichen Regimente beigemessen. Obschon Graf Wratislaw beim 
grossbritannischen Cabinete hervorhob, dass „die Häupter der Rebellion 
sämmtlich katholisch, überhaupt in Ungarns Bevölkerung unter hundert 
Seelen nicht fünf Protestanten zu zählen seien", fand er doch kein 
gläubiges Gehör. 

Der zweite, viel wesentlichere Punct gipfelte darin, dass England 
und auch Holland den Kaiser nöthigen wollten, um jeden Preis mit 
seinem ungarischen Reiche Frieden zu schliessen, damit die ganze dann 
noch übrige Kraft Oesterreichs für den Krieg gegen Frankreich 
verfügbar würde. Das englische Cabinet stellte darum an Leo pul dl. 
die Zumuthung: „es würde von Vortheil sein, wenn er das Fürsten- 
tluim Siebenbürgen an Räköezv cedire" '). Dagegen protestirten die 
Botschafter mit Entschiedenheit: „wie der Kaiser niemals angestanden. 
noch anstehen werde, denen Rebellen diejenigen Conditiones zu verstatten, 
die ein Unterthan mit einigem Fug von seinem Landesfürsten begehren 
könne-. . . . „was sich aber tractire, ein erblich Königreich electivum 
zu machen, und solche importante Provinz einem Rebellen zum Lohne 
vor -eine Treulosigkeit zur Souveränität abzustehen - ', wolle man die 
englische Nation fragen, „ob sie Ihro Majestät der Königin, wann 
Dieselbe von einer gleichmässigen Rebellion, wovor der Allerhöchste 
Sie beschützen möge, beunruhigt würde, einrathen oder zumuthen 
könnte, ihren Rebellen solche Conditiones zu gestatten". Graf 
Wratislaw führte als Beispiel an, dass sieh die Königin von 
England wohl kaum herbeilassen würde, „die Provinz Middlesex sammt 
der Stadt London, so davon dependirt, welche Cession der Krone von 

') Hans-, Hof- und Staats-Archiv, Anglica; Februar 1705. 



England ebensoviel, als selbige von Tränsilvanien der Krone Ungarn 
importiret, einem Rebellen zur Souverainität abzutreten 1 )". 

Aber wie klar und eindringlich auch alle Vorstellungen waren, 
blieben sie doch in der ersten Hälfte des Jahres völlig fruchtlos. Eben 
um den Kaiser zur schnellen Pacificirung Ungarns zu nöthigen, wollte 
man nicht zugeben, dass Räköczy's Bestrebungen keineswegs aus 
dem einmüthigen Willen des ganzen Volkes hervorgegangen waren. 
Der ungarische Bauernstand jener Zeit hatte sich geistig noch nicht 
so weit emporgearbeitet, um einem anderen, als dem vom Adel gege- 
benen Impulse zu folgen, von welchem er in moralischer und wohl auch 
thatsächlicher Leibeigenschaft gehalten wurde. Die nichtungarischen, 
zusammenhanglos in dem grossen Gebiete verbreiteten Volkselemente 
dagegen waren, ungeachtet ihrer bedeutenden Mehrzahl, nicht im Stande. 
den feindseligen Massregeln des regierenden, wenn auch kleinen magya- 
rischen Stammes mit irgend einem durchgreifenden Erfolge entgegen- 
zutreten. Nicht die Förderung des Landeswohles durch Lösung grosser 
cultureller Aufgaben, sondern lediglich nur die Selbstherrschaft über 
die Gerechtsame der bürgerliehen und adeligen Landesverwaltung 
hatten die Häupter im Auge. 

Nur zu gut von den zwischen den Seemächten und dem Kaiser 
stattfindenden Verhandlungen unterrichtet, entwickelten die Rebellen 
gleich bei Beginn des Jahres grosse Energie, um das Vortheilhafte 
der Situation auf das beste auszunützen. Die Massregeln, welche in 
Folge dessen nothgedrungen von Seite Leopold I. ergriffen werden 
sollten, keineswegs aber in dem Mass..' in's Werk gesetzt wurden, 
als es der Ernst der Lage erfordert hätte, gaben den Seemächten 
Veranlassung, den Wiener Hof mit Vorwürfen zu überhäufen, indem 
sie die Säumniss bei Eröffnung der Operationen in Italien und in 
Deutschland der österreichischen Hauspolitik beimassen. Diesbezüglich 
berichtete Resident Hoffmann am 11. März: dass „der holländische 
Abgesandte auf Befehl seines Principalen auch ein sehr bewegliches 

und zugleich scharfes Memoriale der Königin präsentirt" also 

hat man nicht zu zweifeln, dass nicht die Königin Euer kaiserl. Majestät 
eine sehr starke Repräsentation darüber thun lassen wird ; und solches 
um so viel mehr, da alle diese Widerwärtigkeiten Euer kaiserl. 
Majestät Hof allein attribuirt werden, und die allgemeine Opinion 
dahin geht, dass Euer kaiserl. Majestät Dero ganze Macht gegen 
Ungarn zu wenden, mithin den Krieg mit Frankreich denen See- 
l'otenzien völlig aufzubürden gedenken" -). Die Schlussfolgerung lässl 

') Haus-, Hof- und Staats- Archiv, Anglica; Februar 1705. 
*i Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Anglica; März 1705. 



27 

sich wohl ohne Schwierigkeit ziehen: weil die Niederwerfung der 
Rebellion in Ungarn den Kaiser hinderte, genügende Streitkräfte in 
Deutschland und in Italien zu entfalten, sollte das Haus Habsburg 
sein Recht den sieh empörenden Unterthanen zum Opfer bringen. 

England und Holland wollten dem Kampfe gegen Frankreich keine 
Kräfte entgehen lassen. Um diese Stimmung zu einer allgemein herr- 
schenden zu machen, erschienen in London täglich vom Hofe autorisirte 
Libelle. ..welche darauf hinarbeiteten, die Sympathien des englischen 
Volkes für die Gerechtsame des Kaisers völlig zu untergraben und zu ver- 
nichten". Als Gegenwirkung versuchte es die kaiserliche Botschaft, 
„dergleichen widrige Gedanken zu benehmen, die anhaltende unga- 
rische Rebellion der Leichtsinnigkeit, Hartnäckigkeit und Bosheit der 
Nation, und die schlechte Kriegsverfassung im Reich dem unersätt- 
lichen Geize der Fürsten und Stände und deren unbilligen Prätensionen, 
die sie in Hergebung derer Mannschaft vom Kaiser extorquiren wollen, 
beizumessen". 

Derlei Worte, so wahr und gerecht sie auch waren, verhallten 
ungehört und die Stimmung wurde von Tag zu Tag ungünstiger '). 
Wie weit die Sache gediehen war, geht daraus hervor, dass die 
kaiserliche Regierung nicht unmittelbar mit den Rebellenhäuptern, 
sondern vornehmlich durch Vermittlung des englischen Gesandten am 
Wiener Hofe verkehrte. Im Vertrauen auf Englands und Hollands 
zur Schau getragene Sympathien waren Räköczy und seine Genossen 
dem Kaiser gegenüber immer dreister aufgetreten*). Sie mussten sich 
wohl dazu berechtigt wähnen; die Seemächte hatten ja die Rebellion 
in Ungarn nicht als eine österreichische Staatsangelegenheit behandelt, 
sondern zu einer internationalen Frage hinaufgeschraubt. Unermesslicher 
Schaden war dem österreichischen Herrscherhause durch diese un- 
berufene Einmischung zugefügt worden. Ja. England und Heiland 
glaubten die Thronbesteigung Joseph 1. als günstigen Moment benützen 
zu müssen, um den Wiener Hof zu einem Vergleiche mit den Rebellen 
zu drängen. Raköczy's Partei aber war nichts weniger als zu einemsol- 
chen geneigt. Sie verlangt«' die vierfache Garantie von England. Holland, 
Schweden und Brandenburg. Doch auch in solchem Falle blieb der 
Erfolg zweifelhaft: denn zu Beginn des Jahres 1705 hatte Räköczy 
an den König von Frankreich geschrieben, dass er versichere: ,. keinen 
Vergleich mit dem kaiserlichen Hofe eingehen zu wollen, sondern 
des Kaisers Erbländer derart zu verwüsten, dass es diesem nicht 



<\ Hans-, Huf- und Staats-Archiv, Anglica; März 1705. 
») Anhang, Beilage Nr. 5. 



28 

möglich werde, die Geldmittel zu dem bevorstehenden Kriege daraus 
zu ziehen" ' . 

Joseph 1. hatte den Seemächten seinen Entschluss eröffnet, 
den Rebellen Versöhnung anzutragen und die Beschwerden Ungarns 
und Siebenbürgens einer genauen Prüfung zu unterziehen. Es wurde 
dem Palatinus gestattet, dies den Comitaten mit der Vorstellung zu noti- 
lieiren. ,,dass Se. Majestät hoffe, sie werden mutato rerum et regiminis 
statu auch saniora consilia ergreifen und sieh so viel eher zu einem 
billigen und denen legibus regni angemessenen Vergleich bequemen, 
als S. M. sich his anhero in die Regierung nie gemischt, einfolglich 
auch Niemanden zu einiger Beschwerde Ursach gegeben hätten, doch 
aher ihnen alle legale Satisfaction auf einer nächst auszuschreiben 
vorhabenden Diaeta gnädigst angedeihen lassen wollten" 8 ). 

Ebensowenig als der Wiener Eof setzte Prinz Eugen eine 
Eoffnung auf das Einlenken K ä k6czy's '), denn er bemerkte gegen den 
Eofkriegsrath Tiell: ... „es wäre zu wünschen, dass die Rebellen 
hei nun geändeter Regierung saniora consilia ergreifen, ftdglich zu dem 
angebotenen Vergleiche sich bequemen möchten. Allein ich besorge, 
sie dürften sowohl mit Frankreich als für Bayern sieh etwa schon zu 
weit impegnirt haben, mithin noch ferners von ihren Stimulationen 
gar zu stark verblendet werden". 

So war es auch; denn Räkoczy Hess unannehmbare Anträge 
stellen, um für die militärische Action Zeit zu gewinnen. Ungeachtet 
dessen ordnete Joseph I. am 8. Juni eine Conferenz an, in welcher 
beschlossen wurde, die Verhandlungen mit den Rebellen nicht abzu- 
brechen, sondern zur Befriedigung der Alliirten fortzusetzen*). Diese 
hatten nämlich auf die Nachricht, dass die dänischen Hülfstruppen 
nach Ungarn beordert worden seien, den Argwohn gefasst, der Kaiser 
wolle die Rebellion mit Gewalt niederwerfen, um die Tractate über- 
flüssig zu machen, und Graf (ioöss wurde im Haag ersucht, auf 
Joseph [. durch Vorstellungen zu wirken 6 ). 

Obgleich der Kaiser sieh verpflichte! hatte, die Länder der 
Stephanskrone im Einklänge mit dem Krönungseide und unter Mit- 
wirkung der ungarischen Reichstage zu regieren, und dieser schon 
im Manifeste vom 14. Mai 170.". ausgesprochene Wille unleugbar 
und unantastbar \orhanden war, so fand Räköezy dennoch eine 



') Innsbrucker ständisches Archiv (aufgefange: 

-i Kriegs-Archiv, I ngarn, 1705; Pasc. V. S. 

») Siehe Band VI, Seite 17. 

•) Kriegs-Archiv, Ungarn, 1T0.">; Fase. VI. t. 

5 ) Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Hollandica: 



29 

Handhabe, selbst die Vorbereitungen zu einem Vergleiche zu 
vereiteln. 

Kaiser Joseph L, fest entschlossen, sieh von den Ki87 durch die 
Reichstags-Beschlüsse erfolgten Stipulationen bezüglich der habsburgisch- 
ungarischen Monarchie, weder durch die Anmassung der Verbündeten, 
noch durch den Uebennuth R ä k 6 c z y's und seiner Genossen ') abwendig 
machen zu lassen, musste eben nur in seinem Reiche die Mittel suchen, 
der Bewegung Meister zu werden. Anfangs August hatte Baron 
Szirmay ein „Instrumentum aeeeptatis mediationis Anglicae et 
Hollandicae" an die von den Seemächten Delegaten zurückgebracht. 
Dasselbe enthielt aber die Klausel, dass England und Holland nebst 
der Mediation auch den erfolgenden Tractat garantiren sollten. 

Da diese Punctationen blos an die Mediatoren gerichtet waren, 
so fand der kaiserliehe Hof sich nicht veranlasst, davon Notiz zu 
nehmen. Baron Szirmay dagegen erhielt auf seine Vorschläge die 
Erwiderung: „dass, wenn die Rebellen: von keiner externa gafantia useme 
ad et post traetatum" sprächen; 2. das Jus successionis nicht in 
Zweifel zieheten; endlich 3. von der Wiederrufung der Andräischen 
Ediete gänzlich abstünden: so wolle der kaiserliehe Hof in einen 
achttägigen Waffenstillstand willigen, um sieh über Ort, Form und Zeit 
ilcs Congresses zu einigen" 2 ). 

Währenddem aber waren die von Raköczy abgesendeten Depu 
tirten V i s a d e M a t h a und k o lies a n y i mit nichtssagenden 
Vorschlägen in Wien eingetroffen, auf Grund deren ein fünf- bis sechs- 
wöchentlicher Waffenstillstand abgeschlossen werden sollte — zweifellos 
zu dem Zwecke, Grosswardein und Siebenbürgen mittlerweile zu Fall 
zu bringen, für Raköczy die Fürstenkrone zu siehern und auch 
bezüglich Ungarns die Forderungen möglichst hoch spannen zu können. 
In dieser Absicht hatte das Haupt der Rebellion „ad exemplum 
Bethlen Gabor" für Ende September einen allgemeinen Landtag zu 
Erlau ausgeschrieben :1 ). 

Die Anträge durchschauend, versammelte Joseph 1. die am 
Hofe anwesenden Magnaten und in Treue ergebenen Ungarn, um ihnen 
in einer Üonfcrcnz die bisherigen Friedensverhandlungen vorzutragen und 
ihren Rath, in welcher Weise die Rebellion unterdrückt werden könne, 
einzuholen. Aber auch zu dieser Zeit noch suchten England und Holland 
den Kaiser zu bewegen, auf Kosten seines Reiches Raköczy nach 
zugeben, denn der Gesandtschaftsbericht vom 21. Juli ans London 



1 ) Anhang, Beilage Nr. 8. 

-i Anhang, Beilagen Nr. 0, 10, 12. 

'i Kriegs-Archiv, Ungarn, 1705; Fase. XIII. 



30 

enthält folgende Stelle was der bungarisch Rebellen Proceduren 

anbelangt, ist dieser fast schon vor etliche Posten informirt gewesen, 
dass diese Bösewichter das Krönungs-Diploma ärgerlich interpretiren. 
Dessenungeachtet scheint dieses Ministerium noch alle Zeit auf dem 
Gedanken zu verharren, dass die Accommodirung dasiger Unruhe noch 
immer an Euer kaiserl. Majestät hafte. Man lasst sieh zwar mit solchen 
Sentimenten gegen die kaiserliche Gesandtschaft nicht so rotunda heraus, 
andererseits aber scheut man nicht zu sagen, dass Euer kaiserl. Majestäl 
Allerhöchsten Orts, durch die Verwerfung der von den Ungarn verlan- 
genden Garantie, die Beilegung der Sachen von Selbsten obstruire. Man 
erkennt zwar, dass dergleichen fremde Garantie zwischen einem 
Monarchen und seinen Unterthanen nicht gefällig sein kann : allein, man 
gibt vor, dass, wo es sich nicht allein um die Recuperirung des König- 
reiches Ungarn, sondern von der ganzen Monarchie von Spanien trae- 
tiret '), man die Saeh ohne Disreputation eingehen könne, die man zu 
anderen mehr bequemen Zeiten mit Indignation zu verwerfen habe 2 )". 
Die Rolle, welche England und Holland beider sogenannten Ver- 
mittlung zwischen dem Kaiser und seinen ungarischen Völkern gespielt, 
sucht in der Geschichte ihres Gleichen. Was kümmerte es diese Staaten. 
wenn Habsburgs Regenten den grösseren Theil ihres Erbes einbüssten, ja 
sie forderten sogar ein solches Opfer, um ihr einziges Ziel, Ludwig XIV. 
den Bändel mit Amerika zu entreissen, erreichen zu können. Mission 
war die englisch-holländische Zudringlichkeit ; selbst im September 
noch erkühnte sieh der englische Lord -Schatzmeister dem Grafen 
Gallas gegenüber „das ungarische Unwesen" zu rügen, „vermeldend", 
der Kaiser hätte „die allgemeine Wohlfahrt nicht genug zu Herzen und 
gedenke allzuviel auf Dero Privat-Convenienzen". Der Kaiser solle diese 
Angelegenheit „quovis modo ausmachen, dann dieses allemal nach Belieben 
zu redressiren sei, sei man aber nicht von der andern Seite hoffen 
könnte". Ungeachtet diese Zumuthung ebenso ungerecht als selbstsüchtig 
war, entgegnete (Jraf Gallas mit bewunderungswürdiger Mässigung, 
dass er nicht begreife, wie man den Kaiser „auf diese Weise beschul 
digen könnte, sintemalen derselbe (Joseph I.) von dem erstenAugen- 
blicke des Regierungsantrittes gleichsam nicht eine einzige ruhige 



•) Dieser Hinweis auf die iu Spanien zu hoffenden Vortheile erhält durch die 
Darstellung der KrcigiiNse auf der Iberischen Halbinsel einen seltsamen Commentar. 
Ks ist nachgewiesen, wie nahe England daran war, das Haus Habsburg bezüglich des 
Erbes der spanischen Krone völlig im Stiebe zu lassen, nachdem der Handel mit den 
len Indien der englischen Nation nicht schnell genug als reife Fracht in den 

Sei SS fallen wellte. 

•') Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Anglica; Juli 1705. 



31 

Stunde gehabt, um sich so viel nur immer möglieh auf das Schleunigste 
in bessere Positur zu setzen. Um einen Vergleich zu treffen, werde 
der Wille beider Theile erfordert"'. Der Kaiser wäre „stündlich hiezu 
bereit gewesen, dahingegen die Rebellen den Tag zur Benennung der 
Commissarien auf den 1. September hinausgezogen hätten, so da blos 
zu dem Ende geschehen, um Zeit Zugewinnen" 1 ). Dem war unzweifel- 
haft so; denn Gross wardein und Siebenbürgen wurden zu dieser Zeit 
'von den Rebellen so hart bedrängt, dass sie hoffen durften, bald ihr 
Ziel zu erreichen. 

Von den nach London gesendeten Vorschlägen Raköczy's, 
welche in 29 Articeln bestanden, hatte der englische Huf, mit Aus- 
nahme von zweien, alle für annehmbar erklärt. Obschon der letztere, 
nämlich: a) dass „das Königreich electivum" werde, und b) dass der 
„Kaiser alle Festungen ausliefern solle", als „exorbitant und verwerflich" 
anerkannte, war England doch gewillt, durch seine beiden Plenipoten- 
tiarien „heftig darauf zu dringen", dass man in Wien auf die übrigen 
Puncte eingehe. 

Graf Sunderland, mit dieser Mission betraut, war übrigens 
bezüglich der Räumung aller festen Plätze der Ansicht, dass dies „zur 
Beilegung der Sachen kein Obstaculum formiren sollte, sonderlich 
solches bei der Krönung der hungarischen Nation versprochen worden seie" . 

Gb diese Aeusserung des englischen Staatsmannes blos der 
Ausdruck seiner persönlichen Anschauung oder auch jener des Londoner 
Hofes war, ist schwer zu entscheiden. Ausser Zweifel aber steht es, 
dass Sunderland in seinem Thun und Lassen sowohl in, als ausser 
dem Parlamente sich populär zu machen suchte und, seinen Aus- 
lassungen nach, mehr für die Republik als für die Monarchie stimmte. 

Unter solchen Umständen aber war zu besorgen, dass das 
Mediationswerk nicht zum Wohle des Kaisers ausschlagen werde. Die 
Klugheit gebot darum, mit dem schon vor Sunderland in Wien 
eingetroffenen zweiten englischen Deputirten Stepney, welcher des 
Erster'en Ansichten keineswegs theilte, einen Plan zu den Verhand- 
lungen vorzubereiten, um dem zweiten Mediations - Bevollmächtigten 
mit einem fertigen Instrumente entgegenzutreten, dessen völlige 
Aenderung nicht leicht mehr möglich war. 

Leider trugen die Verhandlungen auch in der Folge lediglich 
den Charakter der vorhergegangenen, und es wurden Mos Mahnungen 
beigefügt, von deu unerfüllbaren Forderungen abzustehen. Man hoffte 
in Wien einen Ausgleich, weil man ihn wünschen musste, obschon 



Hof- und Staats-Archiv Angli 



32 

sich hinlänglich klar gezeigt hatte, dass England und Holland 
Etaköczy's Bestrebungen eher zu fördern, als zuriiekzustauen 
geneigl seien. 

Fruchtlos verrann die Zeit, der Rebellen Zuversicht steigerte 
Midi und wirkte derart lähmend auf die Action in Italien, dass Prinz 
Eugen darauf drang, durch Waffengewalt diesem Zustande ein Ende 
zu machen. Da seine Rathschläge nicht volle Würdigung fanden, so 
schrieb der Prinz in seinem Unmuthe an den Hofkriegsrath Tiell: ... 
„wenn man bei Hof zur Rettung Siebenbürgens und Ober-Ungarns, 
ja des ganzen Königreiches selbsten nicht endlich die Augen aufmachen 
will, so kann ich es auch meines Theils nicht verhindern. Ich wünsche 
nur, dass die so langen Fricdensconcepten dermaleins zum Zwecke 
kommen, allein ohne Macht und Zwang der Waffen zweifle ich daran". 
Gleicher Ansieht war Graf Gallas, welcher gegen Wratislaw 
erklärte: „es wäre zu wünschen, dass die schon so oft hin und wieder 
gezogenen Deputirten einmal eine verlässliche, zum Frieden neigende 
Autwort zurückbringen möchten, welches wohl nicht gehofft werden 
kann, insolange unsere Armee nicht im .Stande ist. ihnen einen Respect 
zu inspiriren" ' ). 

Als endlieh die Langmuth des Kaisers erschöpft und nach Eugen's 
Käthe der Entschluss gefasst worden war. energisch gegen die Rebellen 
vorzugehen, erfloss iu diesem Sinne von Wien aus der gemessene Befehl 
an die Generale. Abermals versuchte Räkoczy eine Verzögerung 
herbeizuführen. Er bezeichnete die Anfangs September begonnene 
VoiTückung der kaiserlichen Armee als ein „manque de sinedrite" 
und erklärte, keinen Ort bezeichnen zu können, wo eine Verhandlung 
möglich sei, weil „wegen der zu Ofen über die Donau passiren wollenden 
Macht Joseph I. das ganze Land und Nation, ohne deren Einwilligung 
etwas zu thun er nicht die Gewalt habe, die Waffen ergreife, um 
ihre Häuser und Güter zu vertheidigen" ; es gebe kein anderes Mittel 
zum Tractate zu schreiten, als einen Waffenstillstand abzuschliessen, 
kraft dessen die Truppen diesseits der Donau bleiben sollten; die blökirten 
Plätze wolle man von Seite der Ungarn für die „Dauer des Armistitiums 
zur Nothdurft verproviantiren". Die Präliminarpuncte wollte Räkoczy 
„ebenmässig, wie die garantiam ad traetatis ipsos remittirt haben - '. 
damit Ungarn „als eine Republica libera ohne Haupt mit Ihrer kaiser 
liehen Majestät da pari tractiren" könne"). 

Feldmarschall < 1 raf H e rb e v i 1 1 e, mit der Bekämpfung der Haupt- 
macht der Rebellen beauftragt, ganz Ungarn mit den kaiserliehen 

') Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Hollandica; Juli 1705. 
2 ) Kriegs-Archiv, Ungarn, 1705; Fase. IX. 12. 



33 

Truppen von West nach Ost durchziehend, war in Siebenbürgen ein 
gedrungen. Aber selbst die völlige Niederwerfung Raköczy's Massen 
aufgebotes am 11. November bei Sibo an der Grenze Siebenbürgens, 
vermochte nicht die Häupter der Rebellion zur Umkehr zu bewegen. 
Sie ivussten ja, dass ihre partielle Niederlage bei der allgemeinen 
Bedrängniss des Kaisers nicht mit der Unterdrückung der Rebellion 
gleichbedeutend sei. So lange England und Holland in ihrer Pression 
auf den Kaiser verharrten und Ludwig XIV. materiell die Häupter 
des Aufruhres unterstützte, konnten noch schwerere Niederlagen über- 
dauert werden, ehe jede Hoffnung schwand auf den endlichen Erfolg. 

Seihst im November konnten die Tractats- Verhandlungen noch 
nicht beginnen, obsehon Joseph I. den Empörern die Bedingungen 
zu einem Waffenstillstände mittheilen Hess. Die Gesandten in London 
und im Haag waren angewiesen, bekannt zu geben, „der Kaiser habe 
dem Erzbisehof von Kalocsa wegen ehebaldigster Eröffnung der 
Tractate geschrieben und sein zum Frieden geneigtes Gemüth satt- 
sam dargethan, wie er auch hiezu alle dienliche media gern ergreife 
und Nichts erwinden lassen werde, was zum Frieden führen könne" '). 

Merkwürdiger Weise trat gegen Ende des Jahres 1705 ein 
Umschwung der Meinung sowohl in England, als in den General - 
Staaten zu Tage. In dieser Beziehung berichtete Gallas ....„in 
den ungarischen Sachen ist hiesiger Orten endlich so weit gebrachl 
worden, dass man Euer kaiserl. Majestät aller Schuld losgesprochen 
und das Unrecht erkennt, so man Deroselben zugelegt hat, in zu 
glauben, als wann es nur bei Euer kaiserl. Majestät gestanden wäre, 
den Ruhestand allda eilender befördern und einrichten zu können" 2 ). 

Aelmliche Berichte trafen wiederholt nicht nur aus London, 
sondern auch aus dem Haag ein. 

Ein solcher Gesinnungswechsel bei den Verbündeten des Kaisers 
Hesse sich aus den Vorgängen in Ungarn, die constant dieselben blieben, 
nicht leicht erklären. Räköczy war ja seiner Taktik nicht untreu 
geworden und hatte, ungeachtet seine Hauptmacht in Siebenbürgen 
vernichtet war, mit Geschick im Rücken der kaiserlichen Armee 
ganz Ungarn in Brand gesetzt und sogar die Grenzen der Erblande 
bedroht. Die Fäden dürfen aber nicht im Lager der Rebellen, sondern 
müssen auf der Iberischen Halbinsel gesucht werden, wo des Kaisers 
Bruder, König Karl III. von Spanien, einen derarl günstigen 
Erfolg in Catalonien errungen hatte, dass England und Holland sieb 



'I Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Angliea und Hollandica; No 
md Anhang, Beilagen Nr. 13, 14. 

"-) Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Angliea und Hollandica; No 
Feldlüge des Prinzen Eugen v Savoyen VII Band 



34 

der Hoffnung bingebeD durften, das Ziel ihrer nächsten Bestrebungen: 
Ludwig XIV. den Handel mit den beiden Indien zu entwinden, 
bald zu erreichen. 

Nunmehr zeigte sich das englische Parlament begeistert für die 
gerechte Sache Kaiser Joseph L, und war geneigt, ihn materiell auf 
jede mögliche Weise zu unterstützen. Die Rebellen in Ungarn aber 
waren durchaus nicht gewillt, von der veränderten Gesinnung in 
England und Holland Notiz zu nehmen, denn sie verweigerten 
sowohl die Friedensverhandlung, als den Waffenstillstand. Nur zum 
Scheine verhandelten sie, um abermals die Resultatlosigkeit des 
Mediationswerkes dem kaiserlichen Hofe aufbürden zu können. Da 
Räköczy wusste, dass die kaiserliehe Hauptmacht ungeachtet ihres 
glänzenden Sieges nicht so bald aus Siebenbürgen werde zurück- 
kehren können, dass in Ungarn zur Bewältigung des allerorts ange- 
zettelten Aufstandes es an Truppen gebreche, dass alle festen Plätze, 
die noch in den Händen der Kaiserlichen waren, kaum zur Noth 
besetzt und verproviantirt seien, endlich dass aus den Erblanden in 
Folge der Kriege in Italien und am Rhein und der sich von Stunde 
zu Stunde drohender gestaltenden Verwicklungen in Bayern keine 
nennenswerthe Kraft aufgeboten werden könne: so hatten auch die 
Rebellen mit dem Friedensschlüsse keine Eile. Im Gegentheile Hess 
sieh kaum eine günstigere Gelegenheit finden, um ganz Ungarns Herr 
zu werden, Mähren, Nieder-Oesterreich und Steyermark zu verwüsten 
und zu plündern, mit einem Worte dem Kaiser den nachtheiligsten 
Friedensschluss aufzunöthigen. 

Welchen Nutzen hatte es, dass am Schlüsse eines mit Strömen 
von Blut der eigenen Unterthanen besiegelten Jahres die Verbündeten 
das Habsburgische Regentenhaus von jeglicher Schuld an dem Bürger- 
kriege in Ungarn lossprachen? Gerade sie hatten das Meiste beigetragen, 
den Bruch zu einer Kluft zu erweitern, welche, wie es nunmehr sieh 
zeigte, kaum mehr überbrückbar schien. Es lag fortan ausser der 
Macht Englands und Hollands, den Geist plötzlich zu bannen, den sie, 
wenn auch nicht absichtlich, für Oesterreich heraufbeschworen. 

Die Rebellen versehmähten eine friedliche Beilegung des Zerwürf- 
nisses. Und dass dies der Fall war, beweisen die damaligen Bemühungen 
der ungarischen Parteihäupter, welche auf den Absehluss eines Offensiv- 
und Defensiv-Bündnisses mit Frankreich und dem Churfürsten von 
Bayern abzielten '). Aber nicht allein darin lag die Grösse der 
Gefahr für Oesterreich; auch der Streit der nordischen Mächte konnte 
auf Ungarn seine Rückwirkung äussern. 

') Anhang, Beilagen Nr. 15, 16. 



Räköczy nahm in Ungarn und Siebenbürgen eine ähnliche 
Stellung ein, wie der polnische Gegenkönig Stanislaus Leszczynski, 
und die Pärteihäupter in den Ländern der Stepbanskrone hofften zwischen 
sich und der schwedischen Partei in Polen engere Bande zu knüpfen. 

Noch im Jahre 1705 trugen sich die österreichischen Staats- 
männer mit der Hoffnung, das Knegsglück werde dem König August II. 
von Polen günstig sein, und dies könne mittelbar die Verständigung 
der kaiserliehen Regierung mit den Rebollen Ungarns erleichtern. 
Die Thatsaehen kurz nach Beginn des Jahres 1706, nämlich der für 
König August nachtheilig entschiedene Kampf hei Freistadt, lehrte 
aber, dass ein Bündniss zwischen dem siegreichen Stanislaus und 
den Parteihäuptern in Ungarn denn doch im Bereiche der Möglich- 
keit gelegen war. Auch darin ist der Grund zu der andauernden Hals- 
starrigkeit Raki'iczy's und seiner Complicen zu suchen. 



Ein günstiger Umstand für den Kaiser war es in jener verhäng- 
nissvollen Zeit, dass die Beziehungen zum osmanischen Reiche 
sich friedlich angelassen hatten. Die Pforte sah Räköczy's Auftreten 
als Heerführer der Rebellen in Ungarn mit Misstrauen, und war weit 
entfernt, davon Nutzen zu ziehen. Gerade der Bürgerkrieg in den 
Ländern der Stephanskrone und das Bündniss mit den Seemäcbten, 
welches das kaiserliche Heer völlig in Anspruch nahm, beruhigten den 
Grossherrn. Von dieser Seite keine Gefahr besorgend, konnte die 
Pforte ihre volle Aufmerksamkeit Russland zuwenden. Sie musste dies 
thun, denn Zar Peter I. hatte ja schon im Vorjahre seine Flotte im 
Sehwarzen Meere ansehnlich vergrössert ') . Die Vorgänge in der 
Krim, welche Russlands Einflussnahme nur zu sehr befürchten Hessen, 
die Nachrichten aus Syrien, endlich die „Unruhen der arabischen 
Stämme um Bassora, welche abermals den Pasehen Statthaltern den 
Gehorsam aufgesagt", gaben dem türkischen Machthaber genug zu 
thun, als dass sieh die schwierige Lage Oesterreichs hätte ausnützen 
lassen, um altem Grolle Rechnung zu tragen. Diesen anzufachen, 
mangelte es aber keineswegs an Versuchen. 

Nicht gering waren Ludwig XIV. Anstrengungen bei der Pforte. 
Die französische Faction zu Constantinopcl betrieb den Friedensbruch 
derart , dass zu Beginn des Jahres 1705 die Besorgnisse bezüglich 
Siebenbürgens sich ansehnlich steigern mussten. Selbe wurden durch 
Bewegungen grossherrlieher Truppen an der Grenze hervorgerufen 2 ). 



') Ha in in er, „Geschichte des osmanischen Reiches", I- Band. 
2 ) Haus-, Huf- und Staats-Archiv, Turcica ; T a 1 1 m a n u, Bericht \ 



36 

Obscl lie Erklärung erfolgte, dass dies nichl in offensiver Absieht 

geschehe, so berichtete doch der kaiserliche Resident Tallmann, dass 
ml falle des Verlustes von Siebenbürgen oder Grosswardein „die 
Pfordten sich unfehlbar in das hungarische Wesen mit einmischen 
werde, allermassen die Franzosen ihre Factiön an selbigem Hefe mit 
Geld und Präsenten vermehrt und zu dem Ende 300.000 Pezzi da 
otto edei- sevigliane erst jüngst in einem Schiff aus Frankreich" nach 
Crin tantinopel gebracht hätten. Ein Theil dieser Summe war nehst 
einigen „in Stambul eingetroffenen französischen Officieren für Raköczy 
und Hungarn bestimmt" '). 

Als Gegenwirkung kennte der Wiener Hof nicht die gleichen 
Mittel, wie Frankreich, bei der Pforte anwenden. Kaiser Joseph I. 
erliess darum am 24. Mai an den Residenten folgende Information: . . . 
„und ist Dir bekannt, dass die Beschaffenheit Unseres dermalen mit 
so vielfältigen Kriegsausgaben überhäuften Aerarii nicht leidet, die 
französische Machinationes bei der Pfordten mit grossem Geld zu 
eontrecaininiren, sondern musst Du gerlissen sein, durch vertraute 
Confidenten, die mit etwas Wenigem oder Mittelmässigem vorlieb 
nehmen, gleichwohl Alles was vorgeht zu erfahren, und zuvörderist 
invigiliren, dass Nichts wider den Frieden unternommen werden 
möge" ; ). 

Hegte der Wiener Hof auch keine unmittelbaren Besorgnisse, 
so war die Pforte in Bezug auf die Rebellion in Ungarn doch immer 
ein äusserst gewichtiger Factor, der keinesfalls unterschätzt oder über- 
sehen werden durfte. Beruhigend wirkte wohl der Bericht Traut- 
mannsdorfs vom 24. März 1705. Was auch Frankreich versuchen 
mochte „um die Pfordte gegen den Kaiser aufzuhetzen", hatte „diesem 
besorglichen Uobel der Allerhöchste in Zeiten gesteuert". Der gegen 
Endo 1704 zum Grossvezier erhobene Calaglicos Achmed 
Bassa wurde nun, nämlich März 1705, auf Lemnos relegirt und an 
dessen Stelle der „gewesene KapudanBassa Mohemed erhöhen-. 
Dieser gab dem kaiserlichen Residenten die Versicherung, ..seine 
Regierung werde an dem mit der römisch kaiserlichen Majestät 
geschlossenen Frieden jederzeit festhalten' 1 3 ). Thatsächlich war dies 
1705 der Fall, und es liegen keinerlei Anzeichen vor, dass die 
Pforte direet oder indirect die Rebellen in Ungarn unterstützt oder 
ermuthigt hätte':. 

') Haus-, Hut- und Staats-Archiv, Turcica; März 1705. 

2 ) Haus-, Hof- ini.l Staats-Avcliiv, Turcica; Mai 1705 

'I Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Turcica; März 1705. 
») Anhang, Beilage Nr. 11. 



Dem Kaiser, welcher zu Beginn des Jahres 1705 weil üher die 
Kräfte der Erblande reichende Anstrengungen machen musste, um den 
Verpflichtungen gegenüber den Seemächten in < (ber-Italien und an 
Frankreichs Ostgrenzen gerecht zu werden, nebsthei aber auch das 
störrische Bayerland im Zaume zu halten und die Rebellion in Ungarn 
zu dampfen, konnte wohl nicht zugemuthet werden, durch Macht der 
Waffen auch den Thron in Spanien für den habsburgischen Sprossen 
König Karl III. zu stützen 1 ). Wenngleich ein solches Werk grosse 
materielle Opfer und harte Kämpfe erheischte, so hatten doch England 
und Holland dasselbe auf sich genommen. Der Lohn war ja des Mühens 
werth, vornehmlich aber blieben die Hoffnungen des Kaiserhauses von 
englischer Hülfe abhängig. 

Auch dem französischen Prätendenten auf die Krone Spaniens, 
dem Herzoge vonAnjou, sollte nicht nur der Besitz auf der Apenni- 
nischen Halbinsel und in den Niederlanden, sondern auch das Haupt- 
object Spanien durch englisch-holländische und die gesammten portu- 
giesischen Streitkräfte endlich entrissen werden. Diesfalls war die 
Entfaltung ansehnlicher maritimer Kriegsmittel in Aussicht genommen, 
um zu wuchtigem Schlage auszuholen. 

Schon zu Beginn des Jahres 1705 wusste Kaiser Leopold I. 
zweitgebörner Sohn Karl HI., dass er vom väterlichen Hause nicht 
die geringste Hülfe zu gewärtigen habe *). Von der Königin A n n a 
von England dagegen erhielt der zu Belem bei Lissabon weilende 
König von Spanien durch Lord Gallway die Zusage, dass für sein 
Recht abermals mit einer mächtigen Flotte und mit einem ansehnlichen 
Landheere gestritten werden würde 3 ). 

Wenig anmuthend war die Situation zu jener Zeit, während 
welcher König Karl III. die Gastfreundschaft am portugiesischen Ilnte 
genoss. Jeder seiner Schritte und Handlungen wurde argwöhnisch 
überwacht, wodurch sich die Stellung eher zu der eines Gefangenen, 
als zu jener eines willkommenen Gastes gestaltete. Solche Behandlung 
lag wohl nicht in der Absicht des Königs Peter (Dom Pedro) von 
Portugal; sie war vielmehr das Werk der portugiesischen Granden. 
welche die Regierungsgewalt in ihren Händen hatten und wesent- 
lichen Einfluss auf ihres Regenten Politik auszuüben wussten. In dieser 
Beziehung äusserte sich Lord Peter borough, dass er am portu- 
giesischen Hofe „nur Eine Person gefunden, die wohl intentioniret 



'j Supplement-Heft Nr. 1, fi. 

*) Supplement-Heft Nr. 1, 2, 3, und Anhang, Bei 

'i Baus-, Bof- and Staatg-Arcniv, Bispanica; Jäi 



38 

dass solche aber leider keinen Credit habe, und dass solche Person 
der König seie" '). 

Die politischen und militärischen Verhältnisse auf der Iberischen 
Halbinsel berechtigten zur Hoffnung, dass es den durch Portugal unter- 
stützten Seemächten gelingen werde, König Karl III. in den Besitz 
von Madrid und des ganzen Reiches zu bringen. Wohl hatten die 
englischen Streitkräfte 1704 vorerst nur in Gibraltar festen Fuss 
gefasst, aber es stand ausser Zweifel, dass ein grosser Theil des 
spanischen Volkes den Bestrebungen Karl III. willig entgegen- 
kommen werde. Die vier östlichen Provinzen der Iberischen Halbinsel, 
Catalonien, Arragonien, Valencia und Murcia, neigten sich entschieden 
der Sache des jugendlichen Königs zu, wenngleich der Grund vor- 
wiegend in tierwurzelnder Eifersucht gegen Castüieh und gegen den 
französischen Einfluss, welcher dort herrschte, gesucht werden muss. 

Alt- und Neu-Castilien, sowie Andalusien, waren auf Seite des 
französischen Prätendenten. Dieser aber hatte eben nicht viel bei- 
getragen, um sich den Besitz dieser Länder zu sichern; denn 
Marschall Tesse schreibt in seinen Memoiren: „Philipp hat 
begonnen, das Kriegswesen zu vernichten und dasselbe völlig der 
Weibergunst hintanzusetzen" . . . „wenn die Angelegenheiten keine 
andere Wendung nehmen, wird die Unterstützung Spaniens, welche 
Frankreich sieh aufgebürdet, dieses in den Abgrund ziehen. Für Madrid 
gilt es gleich, ob Philipp oder Karl III. König ist, wenn man dort 
nur Jemanden hat, der ihrem Willen folgt. Bei einer allgemeinen Um- 
wälzung wird höchstens ein halbes Dutzend Personen dem Könige 
(Herzog von Anjou) folgen, und ich kenne in Madrid Niemanden, 
der dem Erzherzoge (Karl III.) nicht die Hand küssen wird ').'' 

Die Zerfahrenheit in den Plänen der Verbündeten kam auch 
auf der Iberischen Halbinsel in vollem Masse zur Geltung, und es 
rächte sich das nach allen Richtungen hin geübte Intriguenspiel. 
England, Holland und Portugal hatten selbstverständlich ihre Vortheile 
vor jenen Karl III. im Auge. Nur verkannten sie dabei, dass ihre 
Errungenschaften insolange geringfügig und ungewiss bleiben mussten, 
als nicht die Macht des Hauses Bqurbon in Spanien völlig zertrümmert 
und Ludwig XIV. derart geschwächt war, dass er nicht mehr daran 
denken konnte, dem französischen Prätendenten irgend welche Hülfe 
zu leisten. Da die Seemächte lediglich durch ihre eigene Schuld die 
im Jahre 1705 so günstige Gelegenheit versäumten, dem Könige von 
Frankreich in Paris den Frieden zu dictiren, so konnten die Erfolge 



') Haus-, Hof- und Staats-Archiv, 
2 j Moni. a. Mansch. Tess<5 (1705). 



39 

in Spanien, hätten sie sich noch günstiger gestaltet, als sie es that- 
sächlich waren, keinesfalls die spanische Erbfolge entscheiden. 

Aber abgesehen davon, Hess sich ein nachhaltiger Erfolg in Spa- 
nien auch im Jahre 1705 keinesfalls gewärtigen, da ein Zusammenwirken 
der Landarmee und der aufzubietenden grossen Flotte schon vorweg 
in Frage stand. Erstere sollte ihre Operationen schon zu einer Zeit 
beginnen, zu welcher über die maritime Kraftäusserung noch nicht ein- 
mal ein Plan gefasst war, und man zwischen einer Landung bei Nizza 
zu Gunsten des Herzogs von Savoyen, der Belagerung von Cadix und 
der Unterjochung des zum Aufstande geneigten Volkes in Catalonien 
schwankte. Ja, das Project mit der Flotten-Expedition war nahe daran, 
in Brüche zu gehen, denn die Erledigung der Frage bezüglich des 
Oberbefehles bot ausserordentliche Schwierigkeiten '). Obschon die- 
selben geschlichtet wurden, trat die Flotte doch erst zu einer Zeit 
in Thätigkeit, in welcher die Campagne der verbündeten portugiesisch 
holländisch-englischen Armee bereits beendet und mithin an ein plan- 
massiges Zusammenwirken nicht zu denken war. 

Zur Unentschlossenheit bezüglich der Verwendung der maritimen 
Streitmittel hatten verschiedene Umstände Anlass gegeben. So wie 
im Jahre 1704 verbreitete sich das Gerücht, Ludwig XIV. werde 
Fahrzeuge mit Waffen und Munition in Schottland landen lassen, um 
daselbst die Unruhen erneuert anzufachen. Zunächst war es also die 
Besorgniss der Engländer für ihr eigenes Reich. Als diese schwand, 
kamen die dringenden Hülferufe des von den Franzosen hart bedräng- 
ten Herzogs von Savoyen, dem aus allgemeinen politischen Gründen 
ein Succurs, sei es durch eine Demonstration gegen das französische 
Nachbar-Territorium, sei es durch directe Verstärkung, gel nacht 
werden sollte. 

Da es aber der Kaiser auf sich genommen hatte, in Italien die 
Angelegenheiten zu dem gewünschten Ziele zu führen, und überdies 
das Interesse der Seemächte viel zu wenig an den spanischen Besitz 
der Apenninischen Halbinsel geknüpft war, so fanden sie leicht die 
Beruhigung ihres Gewissens. Sie fassten das Mutterland Spanien in s 
Auge, weil durch einen günstigen Erfolg daselbst die goldenen 
Früchte, welche jenseits des Atlantischen Oceans ihrer harrten, leichter 
eingeheimst werden konnten. 

Am meisten Chancen für einen günstigen Erfolg versprach das 
Unternehmen in Catalonien, woselbst der Landgraf Georg von Hessen- 
Darmstadt mit der Bevölkerung Verbindungen angeknüpft und eine 

') Hans-, Hof- un.l Staats-Archiv, Anglica; April 1705. 



40 

Erhel g im [nteresse König Karl III. vorbereitet hatte. Darum 

segelte die verbündete Flotte vor Barcelona lind errang mit ihren 
Landungstruppen Vortbeile in Catalonien, welche zu den schönsten 
Hoffnungen berechtigten. Dieser Erfolg hatte, wie sehen erwähnt, 
gleich einem Zauberschlage nicht Uns am englischen Hofe, sondern auch 
beim britischen Volke die. Stimmung gegen Habsbnrgs Regentenhaus 
verändert. So sehr die Verbündeten wahrend des bisherigen Verlaufes 
des Jahres L705 mit der Hülfeleistung für den Kaiser gekargt — und 
wie arge Verlegenheiten sie auch demselben bereitet hatten: in dem 
nämlichen Masse schienen England und Holland zu rascher und aus- 
giebiger Unterstützung bereit. 

Namentlich Königin Anna hielt eine warme Ansprache an das 
englische Unterhaus, und die von diesem am 17. November an die 
Herrscherin von Grossbritannien gerichtete Adresse enthält folgende 
Stelle: ...„sie seien gänzlich überzeugt, dass das Gleichgewicht von 
Europa nimmermehr hergestellt werden könne, bis sich die spanische 
Monarchie wieder im Besitze des Hauses Oesterreich befände"' 1 ). 

Obgleich noch zu Ende des Jahres 1705 thatsächlich Vorbereitun- 
gen für das nächstkommende Jahr getroffen wurden, und die Seemächte 
erwähntermassen auch bezüglich der Rebellion in Ungarn eine veränderte 
Stimmung kund gaben, so setzte man doch, und zwar mit vollem 
Rechte, von Seite des Wiener Hofes keine grossen Hoffnungen auf 
die baldige Entscheidung des Völkerkampfes, welcher nun sehen 
wahrend fünf Jahren den Westen Europa's in Athem erhielt. Graf 
Gallas verlieh diesen Anschauungen Ausdruck, indem er in London 
den Zweifel aussprach, dass die im ersten Anlaufe getroffenen Ver- 
fügungen ..sobald ins Werk gesetzt werden können" "). 



Abermals ein volles Jahr hatte in Italien, am Rhein, in den 
Niederlanden und in Spanien der Kampf nahezu erfolglos gewüthet. 
denn die Portschritte in Catalonien verbürgten noch lange nicht die 
günstige Entscheidung des grossen Streites. 

Unwillkürlich drängt sieh die Frage auf, ob denn Ludwig XIV. 
s.> mächtig war, dass er dem gleichzeitigen Anpralle Englands, Hollands, 
Deutschlands, der kaiserlichen Erblande und Portugals erfolgreich 
widerstehen konnte. 

Nach so schwerer Niederlage, wie sie Ludwig XIV. im vor- 
hergegangenen Jahre erlitten, hätte sieh selbst ein Volk von Helden 

') Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Anglica; November 1705. 
•i Haus-, Hof und Staats-Archiv, Anglica; December 1705. 



41 

niehl sn schnell aufraffen können, um den Ansturm so vieler verbün- 
deter bedeutender Staaten erfolgreich abzuwehren. 

Nur durch die äussersten Anstrengungen wurde es Frankreich 
möglich, die gelichteten Reihen seiner Armeen zur Noth auszufüllen. 
Nach den Berichten der Anfangs 1705 an der Rheingrenze gestandenen 
kaiserlichen Generale') konnte Ludwig XIV. zur Deckung des Elsass, 
mit Ausnahme weniger geschulter Compagnien, nur Soldaten verwenden, 
die selbst dem Knabenalter noch nicht entwachsen schienen. Geringe 
Streitkräfte hätten damals ausgereicht, einen solchen Feind von der 
Grenze hinwegzufegen. Bei den anderen Theilen des gallospanischen 
Heeres mochte es nicht viel anders gewesen sein. 

Auch Glück und Zufall spielten keine Rolle. Ludwig XIV. 
Kraft wurzelte einzig und allein in zwei Momenten: in den mit grosser 
Geschicklichkeit eingeleiteten politischen Machinationen und in der 
günstigen geographischen Position Frankreichs. 

Der Hof von Versailles, die berühmte und berüchtigte Hochschule 
der Intrigue, hatte auch im Jahre 1705 die alte Meisterschaft bewährt. 
Wenngleich die gegen die nordischen Staaten und gegen die Pforte 
ausgeworfenen Netze nicht in dem gewünschten Masse verfangen wollten, 
so waren jene Fäden um so stärker, welche Frankreichs König um 
seine unmittelbaren Gegner zu ziehen wusste. 

Zunächst bildete die Anschürung der Rebellion in Ungarn einen 
folgenschweren Schachzug gegen Leopold L, und grosse Befrie- 
digung musste es Ludwig XIV. gewähren, dass sein gefährlichster 
Gegner und Rivale England, aus falsch angewendetem Egoismus, die 
Verlegenheiten < »esterreichs steigerte, anstatt sie abzuschwächen oder 
zu beseitigen. Aber auch durch das Bündniss mit dem Churfürsten 
von Bayern war die Möglichkeit geboten, kaiserliche Streitkräfte 
zur Niederwerfung des aufrührerischen Bayervolkes zu binden, und 
seihst in dieser Beziehung, wenngleich nicht in erwünschtem Masse, 
erfüllten sieh Frankreichs Absichten. 

Das gleiche Uebel, welches im vorhergegangenen Jahre Frank- 
reich bedrohte, nämlich die Unruhen in den Cevennen 8 ), wurde recht- 
zeitig unterdrückt. Vor Allem Hess Ludwig XIV. im Winter von 
1704 auf 1705 die Verbindung der englischen Kriegsfahrzeuge mit 
den Küsten des Mittelländischen Meeres abschneiden, was den Ver 
sjich, die Aufständischen materiell zu unterstützen, vereitelte. Die 
bewaffneten Bauern blieben ihrem Schicksale überlassen und wurden 



Vi Vornehm 
*) Bnppleme 



42 

fcheils durch List, theils durch Gewalt zerstreut. Die Führer sahen 
sich genöthigt, entweder Ludwig XIV. Verzeihung anzuflehen oder 
mit' fremdem Gebiete ihr Heil zu suchen 1 ). 

Auch bei England fand sich eine wunde Stelle. Die kirchlichen 
Differenzen mit Schottland boten die Handhabe, das stolze Inselvolk, 
wenn nicht durch die That zu bedrohen, doch mindestens in Besorg- 
niss zu setzen und darin zu erhalten. Wiederholt tauchten Gerüchte 
auf, dass französische Fahrzeuge mit Kriegsbedarf an der schottischen 
Küste landen würden, um das Losschlagen der Katholiken zu ermög^ 
liehen. Naturgemäss musste dies die Spannung des durch den grossen 
Krieg ohnehin aufgeregten englischen Volkes noch um ein Bedeutendes 
erhöhen und gleichzeitig die Aufmerksamkeit der Staatsmänner 
theilen. 

Charakter und Stimmung der Holländer konnten dem schlauen 
Könige von Frankreich kein Geheimniss sein, und zweifellos hatte 
er es nicht verabsäumt, auf indirectem Wege das nur zu wohl 
begründete Misstrauen der Generalstaaten gegen England in jeder 
möglichen Weise anzufachen. Den Beweis hiefür liefert die im Ver- 
laufe des Jahres 1705 wiederholt zu Tage getretene Absicht Hollands, 
mit Frankreich einen Separat-Frieden zu schliessen. Der zweite grosse 
Schachzug Ludwig XIV. bestand daher darin, jene beiden Gegner, 
die in Folge ihrer grossen materiellen Ressourcen und der Macht 
zur See am meisten zu fürchten waren, völlig von einander zu 
trennen. 

Der Herzog von Savoyen, das heilige römische Reich und 
Portugal waren weder in politischer noch in militärischer Beziehung 
Gegner, welche wesentliche Besorgnisse einflössen konnten. Ersterer 
stand zu Anfang des Jahres nahe daran sein Reich zu verlieren und 
er blieb von der Hülfe des Kaisers abhängig. Die Zustände im 
heiligen römischen Reiche waren Ludwig XIV. nur zu wohl bekannt. 
Dieses Conglomerat kleiner und naturgemäss auf einander eifersüch- 
tiger Fürstenthümer hatte bei allen vorhergegangenen Kriegen 
bewiesen, wie sehr es ihm an Einigkeit gebrach, und ein aus so 
vielen Theilen zusammengewürfeltes Heer konnte schon darum nicht 
gefahrlich erscheinen. 

') Die Aufständischen hatten zwar noch 1705 an den Wiener Hof eine 
Deputation gesendet und sieb zu neuem Losschlagen bereit erklärt. Die Fruchtlosig- 
keit eines solchen Beginnens scheint der Kaiser nur zu wohl erkannt zu haben, denn 
ausser dem Antrage findet sieb kein Aetenstiiek, woraus sieb auf die mündliche 
Abweisung schliessen lässt (Haus-. Hof- und Staats-Archiv, Lothringische Acten 
von 1705). 



43 

Nunmehr kam blos Portugal noch in Betracht. So ansehnlich 
auch die Ziffern jener Streiter waren, welche dieses Reich im Ver- 
bände mit englischen und holländischen Truppen gegen Spanien in 
Thätigkeit setzen sollte, so wusste der französische König zu gut, was 
solche Zahlen zu bedeuten hatten. Abgesehen davon, dass die von 
den beiden Seemächten zu operativen Zwecken auf die Iberische 
Halbinsel gesendeten Landtruppen stets nur ein Minimum betragen 
konnten, bedurfte es gewiss keines besonderen Scharfsinnes, um vorher- 
zusehen, dass die wechselseitig auf einander eifersüchtigen Engländer 
und Holländer durch das Hinzutreten einer dem Namen nach zahl- 
reichen dritten Armee nicht geeinigt werden würden. Es war vielmehr 
als gewiss anzunehmen, dass bei den Zuständen in Portugal dir Eifer- 
sucht und Missgunst in dem Momente zur höchsten Potenz sich 
steigern würde, in welchem ein Gewinn in Aussieht stand. Portugal 
musste ja naturgemäss ähnlichen Zielen nachstreben, wie die beiden 
mit ihm in den Bund getretenen Seemächte. Der Werth der portu- 
giesischen Landmacht aber war so gering anzuschlagen, dass Lud- 
wig NIV. es gar nicht für nöthig hielt, auf der Iberischen Halbinsel 
eine Armee im vollen Sinne des Wortes in Thätigkeit zu setzen. 

Aus dem Gesagten ergibt sich zunächst, dass für Ludwig XIV. 
die politisch -militärischen Combinationen keineswegs schwierig und 
verwickelt waren. Dieselben wurden ihm überdies schon zu einer 
Zeit möglich, während welcher die Verbündeten sich noch lange nicht 
über die Art der Action klar waren. Die Stärke der französischen 
Politik jener Zeit bestand darin, an allen Höfen ein Heer von schlauen, 
tüchtig geschulten Unterhändlern und Spionen zu unterhalten. Was 
nicht durch die venetianischen, päpstlichen und anderen Gesandten 
unmittelbar bei den Höfen der Verbündeten sich in Erfahrung bringen 
liess, darüber konnte beim Zar, in Stockholm u. s. w. in der einen 
oder der andern Weise Nachricht eingeholt werden. Wie wäre es 
auch sonst möglich, dass nach französischen officiellen Quellen ') der 
König schon zu Beginn des Jahres im Grossen und Ganzen über 
die Absichten der Verbündeten genaue Aufschlüsse gehabt hätte. 

Aus alldem ist zu erkennen, dass es hauptsächlich die Gunst 
der Verhältnisse war, welcher Ludwig XIV. seine Erfolge ver- 
dankte. Begründet waren dieselben zunächst in der Massirung des gallo- 
spanischen Reiches im südwestlichen Theile des continentalen Europa. 
In unmittelbarem oder doch sehr nahem Zusammenhange standen die 
spanischen Niederlande, Neapel und Sicilien, endlich das Herzogthum 



44 

Mailand. Gegenüber den Verbündeten nahm das gallospanische Beer im 
Grossen und Ganzen stets eine Centralstellung ein, während erstere, 
völlig durch neutrale Staaten oder das Meer getrennt, ihre Armeen gegen 
die ungeheuer ausgedehnte. Peripherie zu den verschiedenen Streit- 
objeeten führen mussten. Ludwig XIV. war klug genug, die spanischen 
Truppen aus dem Mutterlande zu ziehen und sie in kleineren und 
grösseren Massen in dem französischen Gesammtheere zu vertheilen. 
Dadurch sicherte er sieh die Wirksamkeit des einheitlichen franzö- 
sischen Oberbefehles, und dieser Factor allein schon fiel den Alliirten 
gegenüber schwer in die Wagsehale. Waren dieselben untereinander 
nicht einig, so mussten bei den verschiedenen Befehlshabern Gegen- 
satze noch schärfer zu Tage treten, und ein, auf einen allgemeinen 
einheitlichen Plan basirtes, einmüthiges Handeln war vorweg unbe- 
dingt ausgeschlossen. 

Auch in der Zahl hervorragender Feldherren war Frankreich 
den Verbündeten nicht überlegen. Ludwig XIV. hatte nur den 
Vortheil, die wenigen, die er besass, gleichsam verdoppeln zu können, 
und zwar dadurch, dass dieselben ihren mittelbaren oder unmittelbaren 
Einfluss bei zwei und drei Armeen gleichzeitig geltend zu machen ver- 
mochten. Frankreichs Defensionsplan war ein einheitlicher und konnte 
in Folge der geographischen Position ein solcher bleiben, und dadurch 
war es den begabteren Führern leicht, die Missgriffe eines weniger 
fähigen bei einer oder der anderen Armee noch immer zur rechten 
Zeit in das richtige Geleise, zu bringen. 

Frankreich konnte nach dem Willen seines Herrschers unbedingt 
jenen Impulsen folgen, die sein Interesse zu fördern am geeignetsten 
schienen; dagegen mussten bei der Coalition naturgemäss zahl- 
reiche Einflüsse Macht gewinnen, welche zum Nachtheile einzelner der 
Verbündeten ausschlugen. Dies war nicht nur auf dem Gebiete der 
Politik, sondern auch bei der rein militärischen Action der Fall. 
Darum zeigen die Ereignisse des Jahres 1705, von welcher Seite man 
sie auch betrachten mag: Bei Frankreich die Einheit in Verfolgung 
des politischen Zieles, die Einheit in der Aufbringung und Ausnutzung 
des Heeres, die Einheit im Oberbefehle, endlich die Einheit in der 
Leitung der militärischen Action — und die Summe all' dessen war die 
Stärke und das Gegengewicht gegen die verhältnissmässig grosse Zahl 
der Verbündeten, denen es an Machtmitteln gewiss nicht gebrach. 
Dass diese sich keine Geltung zu verschaffen vermochten, hatte haupt- 
sächlich in der Zersplitterung der Kräfte seinen Grund, und gerade 
darum sind die Ereignisse des Jahres l7o. r > sowohl in politischer, als 
militärischer Beziehung überaus lehrreich. 



45 

Die Coalition selbst war es, welche Ludwig XTVt seine Wider 
standskraft verlieh. Der Blick der Staatsmänner Englands, Hollands, 
Portugals war insoferne getrübt, als sie über specielle, verhältniss- 
mässig geringe Vortheile den grossen allgemeinen Gewinn übersahen. 
Was in solchen Beziehungen durch die Politik gefehlt wurde, konnten 
selbst Feldherren mit genialer Begabung, wie Prinz Eugen und Herzog 
von Marlborough, durch ihren hohen Geist, gepaart mit edelster 
Selbstlosigkeit, nicht paralysiren; sie theilten eben das Loos so vieler 
grossen Menschen: Dor Mitwelt weit vorangeeilt und von dieser 
nicht verstanden zu sein! 



Kriegsplan und Wahl der Feldherren. 

Prinz Eugen von Savoyen und Herzog von Marlborough, 
weit entfernt, in jenen Lorbeeren Befriedigung zu finden, welche die 
Schlacht hei Höehstädt ihnen eingetragen, suchten ihren Ehrgeiz nur 
darin, dem ersten grossen Siege einen zweiten, grösseren anzureihen, 
um das westliche Europa zum Frieden zu führen. 

Dor Kanonendonner bei Blindheim war nämlich kaum verhallt. 
als beide Feldherren, dem allgemeinen Siegesjubel ausweichend, ihr 
Bestes daran setzten, einen Kriegsplan zu entwerfen, dessen Gelingen 
die endliche Schlichtung des grossen Streites herbeiführen kennte. 
Naturgemäss musste in diesem Falle, wo der Blick des weisen Staats 
mannes mit dem Genius des Feldherrn gepaart erscheint, die Conception 
von grosser Tragweite sein. Die lange Reihe von Kämpfen hatte bis auf 
jenen bei Höehstädt die Coalition nicht dem Ziele näher gebracht und die 
vereinzelt errungenen Erfolge Hessen eine endgültige Entscheidung 
des spanischen Erbfolgestreites unverbürgt. Diese aber war, wie schon 
erwähnt, weder auf der Iberischen Halbinsel, noch in Ober-Italien, 
sondern in Frankreich zu suchen. Die nordöstlichen, weit ausgedehnten 
Grenzen, wenngleich durch feste Plätze gedeckt, nöthigten Ludwig XIV. 
den ansehnlichsten Theil seiner Streitkräfte dort in Verwendung zu 
bringen, falls die Coalition den Schwerpunct ihrer Stacht an der 
richtigen Stelle wirken Hess. Eben darin, dass die französischen 
Armeen auf dem langgestreckten Räume überall des Angriffes gewärtig 
sein mussten, lag für die Verbündeten der Vortheil, die Uebermacht 
unversehens dort zur vollen Geltung bringen zu können, wo die Ent- 
scheidung fallen musste. Diese Grundidee hatte so viel Ueberzeugendes, 
dass der Kaiser. England und Holland derselben schon zu einer Zeit 
beipflichteten, die von jener, in welcher der Plan ausgeführt werden 



46 

sollte, noch weit entfernt war. Offenbar erfolgte diu Gutheissung des 
von Eugen und Marlborough entworfenen Haupt-Kriegsplanes 

noch unter dem vollen Eindrucke des jüngsten grossen Sieges über 
die französischen Waffen. Der Winter von 1704 auf 1705, d. i. die 
mehrmonatliche Pause bis zur Wiedereröffnung der Feindseligkeiten, 
wirkte aber auf die Generalstaaten insoferne ernüchternd, als sie in 
der völligen Besiegung Ludwig XIV. keine Garantie für die Wahrung 
ihrer Interessen finden konnten. Die grossen Opfer, welche die Durch- 
führung des Haupt-Kriegsplanes von Holland fordern konnte, schienen 
diesem in keinem Verhältnisse zu dem im günstigsten Falle zu erzielenden 
Gewinne. Ein offener Widerspruch aber war unter den damaligen 
allgemeinen politischen Verhältnissen nicht am Platze, und darum 
sicherten sich die Generalstaaten schon vorweg das freie Verfügungs- 
recht über ihre Streitkräfte. Freilieh konnten diese Tendenzen in dem 
Strome jener Zeit, wo die Ereignisse drängten und überstürzten, weder 
von Eugen, noch von Marlborough in der vollen Tragweite 
durchschaut, ja kaum erkannt werden. 

Der Realisirung dieses Haupt-Kriegsplanes der Coalition trat 
zunächst die Entscheidung der Frage über die Wahl des Feldherrn 
hemmend entgegen. Dem Namen nach war wohl Herzog von Marl 
borough auf dem Kriegstheater an Frankreichs Nordostgrenzen mit 
dem Oberbefehle zu betrauen, doch blieben schon von vornherein 
jene Attribute der Machtvollkommenheit ausgeschlossen, die sich an 
die Bedeutung dieses Wortes knüpfen. Die Armee der Generalstaaten, 
von dem holländischen General Au v e r q u e r q u e (Overkerk) befehligt, 
bildete nicht einen subordinirten, sondern blos coordinirten und dabei 
ganz wesentlichen Theil des Gesammtheeres. Ein ähnliches Verhältniss 
obwaltete bezüglich der deutschen Reichs-Armee, über welche Kaiser 
Leopold den Oberbefehl aus politischen Gründen dem Markgrafen 
Ludwig von Baden anvertrauen musste. Sonach blieb der nominelle 
englische Feldherr von den Ansichten und dem guten Willen des hol- 
ländischen und des deutschen Oberbefehlshabers abhängig, und er 
vermochte thatsächlich nur über die im Verhältnisse zum Ganzen 
geringfügigen englischen Streitkräfte den directen militärischen Befehl 
zu äussern. Die Conscquenzen eines solch' naturwidrigen Verhältnisses 
konnten, wie dies „der Krieg an den Nordoslgrenzen" klarlegt, nicht 
ausbleiben. Unbedingt befand sich Marlborough 1705 in einer 
Position, wie sie für einen Feldherrn nimmer peinlicher gedacht werden 
kann. Und der hohe Grad von Selbstverleugnung, welchen dei' Herzog 
demungeachtet zu bewahren wusste, gereicht ihm gewiss nicht minder 
zum Ruhme, als seine früheren und späteren Leistungen als Heerführer. 



47 

Erwägt man den Geist jener Zeit, welcher rücksichtlich der 
politischen Action sich dadurch charakterisirt, dass nebst dem Wechsel 
unzähliger und dabei sehr breit gehaltener diplomatischer Correspon- 
donzen die Tagesfragen an den vielen Höfen eifrig und dabei eben 
nicht besonders geheimnissvoll ventilirt wurden, so darf es bei den 
heterogenen Elementen, aus denen die Coalition bestand, nicht be- 
fremden, dass Ludwig XIV. schon zu Beginn des Jahres über den 
Haupt-Kriegsplan derselben nicht mehr im Unklaren war'); darum 
konnte er schon bei Zeiten die Massnahmen zur Verstärkung und 
Instandsetzung der zum Schutze seiner Nordostgrenzen nothwendigen 
Streitmacht und eine annähernd entsprechende Vertheilung derselben 
anordnen. Das Wie und Wo mit allen seinen Details Hess sich freilich 
erst zu jener Zeit bestimmen, in welcher die Coalition mehr und 
mehr von dem Plane zu Thaten schreiten musste. 

Für das Gelingen war aber Geheimhaltung des Kriegsplanes eine 
fernere Hauptbedingung — und diese traf hier keineswegs zu. 
Ludwig XIV., sich dessen bewusst, dass seine Gegner die Ent- 
scheidung des ganzen Krieges auf jenem Räume anstreben, welcher 
von der Maas, Scheide, Mosel und dem Ober-Rhein durchströmt ist, 
musste erprobten Generalen die Führung der Armeen anvertrauen, 
um au den durch Festungen und künstliche Sehutzwehren gedeckten 
Grenzen seines Reiches desto sicherer den Alliirten Schach bieten zu 
können. Die Marschälle Villars, Viller oy und Marsin schienen 
dem Könige von Frankreich die Männer, welche er an die gefährlich- 
sten Posten stellen durfte. 



Für das Kriegstheater in Ober-Italien, wo einerseits Ludwig XIV. 
der Besitz des Herzogthumes Mailand streitig gemacht, andererseits 
dem von den Gallospaniern hartbedrängten Herzoge von Savoyen 
Hülfe gebracht werden sollte, hatte Kaiser Leopold I. aus ganz 
naheliegenden Gründen den Prinzen Eugen von Savoyen zum 
Oberfeldherrn bestimmt. Das Ziel, welches am Fusso der Alpen ins 
Auge gefasst werden musste, hatte für den Wiener Hof zu grosse 
Bedeutung, als dass dafür nicht hätten die besten Kräfte eingesetzt 
werden sollen. Dazu kam aber noch das zweite ebenso gewichtige 
Moment, welches in der äusserst bedrängten Lage der Erbländer 
wurzelte. Schon nach dem ersten Calcul gab man sich in den 

') „Le roi, instruit de ces vastea projets, prit des mesures pour s'opposei 
a leur succea et pour avoir partout des armees proportionees ä celles < 1 » - 
Pelet; Tome V. 



48 

leitenden Kreisen darüber keiner Täuschung hin, dass die für den 
Krieg in Ober-Italien aufzubringenden Streitkräfte selbst annähernd 
nicht jenes Mass erreichen würden, welches der Ernst der Sachlage 
erforderte. Nun hatten aber die kaiserlichen Truppen in allen vorher 
gegangenen Kriegen es sattsam bewiesen, dass bei geschickter Führung 
ihre Minderzahl kaum in Anschlag gebracht werden durfte. Darum war 
Leopold I. dessen gewiss : der von einem Prinzen Eugen geführte Feld- 
herrnstab müsse inder\Vai;schale zum mindesten dast rleiehgewicht halten. 

An der Machtvollkommenheit eines militärischen Oberbefehls 
habers gebrach es dem Prinzen wohl nicht; diese allein machte es 
möglich, die Armee vor dem physischen Ruin zu bewahren und trotz 
der äussersten Ungunst aller Verhältnisse Thaten zu vollbringen, die 
in der Geschichte eines Heeres zweifellos zu den Glanzpuncten 
zählen. Materielle Noth, Verfath und ein an Zahl überlegener 
Feind waren es, welche das Genie des kaiserlichen Feldherrn in 
Ober-Italien zu bekämpfen hatte. Der Plan dazu konnte vorerst nur 
in dem Gedanken wurzeln, eine numerisch schwache, kaum dem 
Namen nach ausgerüstete und äusserst schlecht verpflegte Armee von 
den Deboucheen Tyrols über die lombardische Ebene nach Piemont 
zu führen, um den dort unter den Mauern der Festung Verrua mit 
geringfügigen austro-sardischen »Streitkräften sich gegen die gallo 
spanische Uebermacht wehrenden Herzog Victor Amadeus zu 
entsetzen. Gelang dies in verliältnissmässig kurzer Zeit, so musste 
ein solcher Erfolg der kaiserlichen Waffen in Ober-Italien mittelbar 
und selbst unmittelbar auf die Kriegstheater an Frankreichs Nordost- 
grenzen und auf der Iberischen Halbinsel zurückwirken. Lud- 
wig XIV. hatte durch den Eifer, mit welchem er den Winter hin- 
durch die Belagerung von Verrua betreiben Hess, hinlänglich be- 
wiesen, welch' hohen Werth er auf das Herzogthum Mailand lege. 
Zweifellos würden ihn glückliche Erfolge Eugen's zur schnellen 
Heranziehung ansehnlicher Truppenmassen von dem Kriegstheater an 
seinen Nordostgrenzen veranlasst haben. 

Auf den Krieg in Spanien hätte sich eine Rückwirkung insofeme 
äussern müssen, als die Umstimmung der italienischen Fürsten durch 
einen entscheidenden Sieg der kaiserlichen Waffen ausser Frage 
gestanden wäre, und dadurch Neapel und Sicilien ohne besondere 
Anstrengung gewonnen werden mussten. Die Befreiung dieser beiden 
spanischen Dependenzen vom französischen Joche hätte zweifellos die 
Operationen der Verbündeten auf der Iberischen Halbinsel erleichtert, 
denn der moralische Eindruck auf das spanische Volk wäre nicht 
ausgeblieben — und gerade dieser spielte 1705 keine geringe Rolle. 



4!» 

All' dies hatte Ludwig XIV. keineswegs verkannt, denn die 
Anhäufung zahlreicher gallospanischer Streitkräfte und eines ansehn- 
lichen Kriegsmateriales in der Lombardei und in Piemont, sowie die 
Ernennung- des Herzogs von Vendome zum Oberbefehlshaber, liefern 
den Beweis, dass der König richtig berechnete, was in Ober-Italien 
auf dem Spiele stand: dort hatte er ja dem Prinzen Eugen von 
Savoyen und einer speeifisch kaiserlichen Armee' die Spitze zu bieten. 

Im Vergleiche zu den beiden erwähnten Kriegstheatern, sah es 
bei jenem auf der Iberischen Halbinsel trostlos aus. England, Holland 
und Portugal waren zwar in der Idee übereingekommen, mit einer der 
Zahl nach bedeutend scheinenden Landarmee und mit einer ansehn 
liehen Flotte den Krieg zu fuhren, um, wie es hiess, König Karl [II. 
nach Madrid, auf den Thron Spaniens zu bringen. Nun hatte sieh aber 
selbst in den ersten Monaten des Jahres 1705 nicht einmal der Versuch 
zum Entwürfe eines Kriegsplanes gezeigt. Die Meinungen über das, 
was zu geschehen habe, gingen selbst dann noch auseinander, als alle 
Parteien scheinbar der Idee beipflichteten, von Portugals Grenzen die 
Operationen der Landarmee im Tejo-Thale gegen Madrid einzuleiten. 
Die Cooperation der Flotte und auch deren endgültige Verwendung 
blieb leider nur zu lange in der Schwebe. 

Solche Verhältnisse waren die naturgemässe Folge des inneren 
Zwiespaltes der Verbündeten. Sie hatten ein nominell starkes Heer 
in Portugal angesammelt, aber nicht dafür gesorgt, dass eine sichere 
und feste Hand die locker gefügten Massen zu einem bestimmten 
Ziele führe. Ein Oberbefehl in der Bedeutung des Wortes bestand 
bei der verbündeten Armee unbedingt nicht. Dem Wunsche König 
Karl III., den Landgrafen Georg von Hessen damit zu betrauen, 
ward aus Eifersucht der Parteien nicht entsprochen ; aber ebenso 
wenig wollten die drei Mächte England, Holland und Portugal ein- 
ander das Zugeständniss machen, dass einer von ihren Generalen die 
Führung des Ganzen übernehme. Und so sehen wir den englischen 
General Lord Gallway, den holländischen Eagel und mehrere 
portugiesische Generale, die unter sich keine Anciennetät hatten, sich 
in dem Commandostabe theilen. Ein Verhältniss, welches vom rein 
militärischen Standpuncte unmöglich misslicher gedacht werden kann. 

Einer solchen Coalitions-Armee gegenüber musste ein einziger, 
mit voller Machtbefugniss ausgestatteter französischer General, wenn 
ihm Feldherrn-Talent eigen war, auch mit unzulänglichen Streitkraft! a 
die Situation wenigstens insoweit beherrschen, das.- die Coalition 
keinen entscheidenden Sieg in Spanien erringen konnte. Marschall 



Tesse, mit solcher Aufgabe betraut, hat, obschon nicht besonders willig, 
das Vertrauen gerechtfertigt, welches Ludwig XIV. tu ihn setzte. 

Der Kriegsplan der Coalition, ihre Heersäulen an Frankreichs 
Nordostgrenzen, in Ober-Italien und auf der Iberischen Halbinsel derarl 
in Verwendung zu bringen, dass der Erfolg auf einem dieser drei 
Kriegstheater mittelbar auf die anderen zurückwirken müsse, hatte seine 
volle Berechtigung. Die gleichzeitige Bedrohung des gällospanischen 
Reiches an allen Theilen seiner Peripherie, welche sich durch die gewal- 
tigen maritimen Streitmittel Englands, Hollands und Portugals ermög- 
lichen und vervollständigen Hess, war zweifellos der richtige Weg, mil 
Einem Male die grosse schwebende Frage zur Entscheidung- zu bringen. 
Anstatt nun diesen Grundgedanken unverrückt im Auge zubehalten, 
zeigten nicht nur Holland und Portugal, sondern auch England schon 
von vornherein, wie auf politischem, so auch auf rein militärischem 
Gebiete die Tendenz nach Partial - Erfolgen, welche ihre speziellen 
Interessen fördern konnten'). Darauf wurde unter verschiedenen Vor 
wänden hingearbeitet, und als man, um dem Kaiser gegenüber wenig- 
stens den Schein zu wahren, auf das offene Verlangen verzichten musste, 
traten Intriguen und passiver Widerstand an die Stelle des offenen Wider- 
spruches -), und der Kriegsplan ward dadurch völlig erschüttert. 

Im grossen historischen Strome entwickelt sich dieses Bild zwar 
trübe, aber reich an Lehren und bedeutsam für Oesterreich, am bedeut 
samsten aber für dessen Beer, welches in dem allgemeinen Wirrsale die 
Hauptachse der staatlichen Existenz bildete. War des Kaisers Position 
seinen Verbündeten gegenüber eine äusserst schwierige, so musste das 
Unheil in den Ländern der Stephanskrone auch die Erbstaaten an den Rand 
der Katastrophe führen. Dies zu verhüten, schien kaum mehr möglich. 
Welchen Plan sollte Kaiser Leopold I. zu Beginn des Jahres 1705 
lassen, um die Rebellion in Engarn niederzuwerfen ? Das Kommende 
entzog sieh ja jeder Berechnung. Nur über Eines konnte sieh der Wiener 
Hof klar sein — und dies war der unbeugsame Wille: es in Ungarn 
und Siebenbürgen nimmer zu einer vollendeten Thatsache kommen zu 
lassen, welche England und Holland die Handhabe geboten hätte, ihren 
Druck auf Kosten der Integrität ( »Österreichs zu vermehren. Auch da 
waren es die kaiserliehen Wallen, welche unser Vaterland entlaste! 
und dasselbe aus einer der härtesten Drangperioden befreit haben. 
«) So %. B. England, welches 1704 Gibraltar errungen, strebte 1705 den 
r„ ,i des Für den maritimen Handelsverkehr so wichtigen Cadix an. 
-I Siehe Krieg in Spanien. 



Rüstungen. 

Rüstungen des Kaisers. 
B e s cha ff u n g der Geldmittel. 

Für die Aufbringung der Geldmittel zur Führung und Nährung 
des Krieges waren 1705, ausser den Ländern der ungarischen Krone, 
auch die österreichischen Vorlande am Ober-Rhein völlig entfallen. 
Demnach konnten blos Böhmen, Mähren, Schlesien, Ober- und Nieder- 
i »esterreich, Steyermark, Kärnten. Krain und Tyrol ausgenützl werden. 

Bedeutende Summen waren aber schon zu Beginn des Jahres 
nöthig, denn in Italien ') und in Ungarn hatten auch den Winter 
hindurch die Kampfe fortgedauert, und für diese beiden Kriegsschau 
platze wenigstens durfte die Hofkammer mit der materiellen Hülfe- 
leistung nicht säumen. Aber seihst für den nächsten dringenden 
Moment zeigten sich trübe Aussichten bezüglich der < ieldheschaffunu'. 
Veranschlagt waren für die Zeit vom 1. November 1704 Ins ultimo 
October 1705: 26,325.775 fl., von denen Recrutirung, Remontirung, 
Verpflegung, Ausrüstuni;-. Proviantirung etc. bestritten werden sollten. 
Dieses Präliminare erlitt aber schon im December 1704 eine so 
wesentliche Modihcation , dass im Ganzen nur „gegen zwanzig 
Millionen-' zu erwarten standen. 

In Rücksicht darauf musste die Bofkammer von den Erblanden 
für Kriegszwecke fordern: 









Baargeld 


M 


tehl 


Hafer 




Pferde 








in 




in 


in 


Recruten 


i lüras 


Dra- 








Gulden 


Mc 


tzeu 


Metzen 




sier- 


jjoner- 


Nieder 


-Oeste 


rreich 


650.000 


40 


.000 


20.000 


2314 


464 


232 


Land i 


,h de, 


■ Enns 


325.000 


20 


.000 


10.000 


1158 


232 


115 


Steyermark . 




405.600 






— 


1736 


347 


174 


Kämte 


n . 
F 


ürtrag 


188.500 




- 


— 


1013 


208 


104 




1,569.100 


60.000 


30.000 


6221 


1251 


625 



52 







Baargeld 


Mehl 


Safer 

in 


Keci nti n 


Pferde 
Cttras- Dra- 






Gulden 


Metzen 


Metzen 









Uebei 


■trag 1,5(19.10(1 


60.000 


30.000 


6221 


1251 625 


Kraii 


i«) . . 


. . 118.300 


— 




723 


139 69 


Böhn 


len . . 


. . 2,000.000 


— 


— 


6528 


1306 653 


Schi« 


isien . 


. . 1,333.333 


— 


— 


4352 


870 435 


Mähi 


Sil 


. . 666.666 


— 


— 


2167 


435 217 




rame 5,087.399 


(10.000 


30.000 


19.991 


4001 1999 



Ausserdem sollten Böhmen 30.000 fl., Schlesien 30.000 fl. und 
Mähren 20.000 fl., d. i. im Ganzen 80.000 ii. „für Fortifications- 
Gebäude und für bessere Befestigung der Plätze" beitragen, welche 
Forderungen in vorstehenden „Postuläta nicht mil inbegriffen" waren. 

Zur Flüssigmachung der Gelder und zur Beistellung von Recruten, 
Remonten und Proviant mussten vorerst die Landesbewilligungen 
eingeholl werden, weil „die Länder zur Manutenirung ihrer Privilegien 
nichl gerne" sahen, „dass man gänzlich praeeeptive mit ihnen ver- 
fährt". 

Von einer bedingungslosen Annahme der Postulate war aber 
nicht die Rede, und um nur zu einem Resultate zu gelangen, musste 
die Eofkammer markten. In dieser Beziehung ist aus dem Referate 
charakteristisch: „So kann von Böhmen 2,300.000, Schlesien 1,433.333, 
Mähren 716.660 fl. restlich begehrt, hernach aber successive herab- 
gegangen und letztlieh auf dem vorjährigen Quanto beharrt und ge- 
schlossen werden" 3 ). Dies aber war als dasjenige bezeichnet, „was 
vernünftiger Weise von den Ländern zu hoffen" stehe. Leider bedeutete 
selbst diese Hoffnung nur einen Wechsel auf lange Sicht, und der Hof- 
kriegsrath musste sich in nachdrücklichem Tone an die Hofkammer 
wenden, dass es nicht genüge „die Verwilligungen erhalten'' zu Italien. 
„sondern auch darauf zu dringen, dass das Versprochene in tempore 
bezahlt werde". 

Vergleicht man das blos mit 20 Millionen bezifferte Präliminare 
uro 1705 gegen die ursprünglich beantragten 26,325.775 fl. und 
werden dem jene Geldbeiträge entgegengehalten , zu denen sich die 
Erblande herbeilassen konnten, so wird die Finanznoth in ihrer vollen 
Grösse erkennbar. Es darf dabei- nicht Wunder nehmen, dass die 
Mehrzahl der Berichte von allen Kriegstheatern, wo kaiserliche Truppen 

'1 Hofkaminer-Arcliir; December L704, 
•l Kviegs-Arehiv 1704; Fase. IX 6b. 
'I Kriees Archiv 1704: Fase. IX. 6b. 



kämpften, sich als eine fortlaufende Reihe der bittersten Klagen uichl 
blos der Feldherren, sondern auch der Generale darstellt, für welche 
die Abhülfe völlig ausser dem Bereiche der Möglichkeit lag. Einfache: 
und klarer lässt sieh die Situation kaum kennzeichnen, als dies Kaiser 
Joseph I. in seinem Rescripte vom 9. Üctober 1705 an den Prinzen 
Eugen gethan: .... „es ist allein zu bedauern, dass Euer Liebden zu 
genieinsamer Wohlfahrt führende eifrige Absehen und Vorhaben von 
hier aus in der Zeit und mit der Erforderniss nicht also können 
secundirt werden, wie Ich es wohl zu Meinen und der gemeinen 
Sache Diensten auch der höchsten Noth zu sein vermesse und befinde, 
indeme, wie Euer Liebden wohl bekannt, nicht wohl möglich, den von 
langer Zeit hero zerfallenen Stand der Sachen sogleich wieder auf- 
recht bringen zu können, absonderlich da fast Alles auf fremdem Willen 
und kostbaren Bandlungen (kostspieliger Hülfeleistung) oder bei Meinen 
Ländern auf denen gewöhnlichen Verwilligungen und langsamen Ter 
minen beruht t )". 

Ueber das sehen von vornherein ermässigte Präliminare musste 
im Drange der Noth, in Ermangelung eines anderen Ausweges, ein 
„Extra Ordinari" von 5 Millionen Gulden „auf sämmtliche deutsehe 
Erblande" in Aussieht genommen werden. Doch begehrte man blos 
4 Millionen, und die Hofkammer trachtete durch Credit Operationen fin- 
den dringendsten Bedarf Baargeld zu erlangen. Dies war aber viel 
schwieriger, als es die leitende Stelle selbst ohne sanguinische Hoffnung 
voraussetzen konnte. 

Als die Geldverlegenheiten sich bis zum Aeussersten gesteigert 
hatten, sollte die schon von Kaiser Leopold! in Aussicht genom 
neue Nothsteuer in den Erblanden wenigstens für den dringendsten 
Bedarf zu Baarmittelu verhelfen. Die Eintreibung zeigte aber Ende 
Mai noch kein Resultat, und darum mussten Anfangs Juni verschärfte 
Patente erlassen werden, welche „von Allen und Jeden ohne Distinction 
des -eist- und weltliehen Standes" die Beitragsleistung forderten. 
„Contra niorosos oder renitentes" sollte ..nach verflossenen Termin mit 
Einforderung zehn per cento mittelst der militärischen Execution 
quoeunque verfahren" werden*). Die römische Curie hatte schon gegen 
dieses Vorhaben Kaiser Leopold I. gereizten Einspruch erhoben, 
und bei der Verwirklichung desselben durch Joseph I. musste die 
Spannung, wie erwähnt, zum Bruche führen. 

Der patriotischen Opferwilligkeit österreichischer Staatsbürger, 
welche je nach ihren Kräften Geldvorschüsse leisteten, war es zu 

'l Kriegs-Archiv, Italien, 1705; Faso. X. -J:;. 

■'i Registratur des Reichs-Kriegsmmisteriums 17U5, Nr. 18. 



danken, dass in vielen Beziehungen der unabweisliche Bedarf an Kriegs 
iiii 1 1 < In beschafft werden konnte Eine derartige Entlehnung von 
kleineren Beträgen erfolgte so häufig, dass es unmöglich wäre, annähernd 
richtig ein Totale zu geben. Solche Summerj wurden sowohl für die 
Ausrüstung, als auch Aufbringung und Erhaltung der Truppen ver- 
wendet. So z.B. streckte Freiherr von Portyfeld 150.000 fl. vor. 
welche für die Armee in Italien in Verwendung kamen 1 ): Fürst 
Liechtenstein gab 150.000 fl. für Proviantirung der zu Ende 1705 
noch im Besitze der Kaiserlichen befindlichen Festungen Ungarns*). 
Vier auch Schulden ähnlicher Art, die aus den vorhergegangenen Jahren 
stammton, mussten mit den neu einlaufenden Betrafen ganz oder zum 
Theil wenigstens getilgt werden*). 



Die Contribution, welche für die Reichs-Armee von der ober- 
rheinischen Ritterschaft geleistet werden sollte, und die mit 120.000 fl. 
zugesagt war, blieb gleichfalls lange in der Schwebe. Diese, sowie die 
aus Bayern zu erhebenden Contributionsgelder Hessen so spärlich 
und unregelmässig, dass die an der Reichsgrenze unerlässlichen Ver 
theidigungsMassregeln, namentlich die Instandsetzung der festen Plätze *), 
sich in einer unverantwortlichen Weise verzögerten und an die Er- 
richtung von Proviantmagazinen seihst in jener Zeit noch nicht gedacht 
werden konnte, während welcher die Reichs-Arinee völlig schlagfertig 
hatte versammelt sein sollen. Auch auf diese anzuhoffenden Summen 
mussten Anticipationen aufgenommen werden. 

Eine Contribution, „auf den bayerischen Adel" ausgeschrieben, in 
welcher auch die geistliehen Stifte mit inbegriffen waren, erwies sich 
kaum fruchtbarer als die übrigen Versuche. Zunächst remonstrirte die 
Geistlichkeit dagegen, den ihr anrepartirten Theil einzuzahlen, und es 
mussten in Folge dessen „die geistlichen Stifter als exempt erklärt" 
weiden. Selbstverständlich steigerten sich die Schwierigkeiten bei der 
Geldbeschaffung für die Wahrung der Reichsinteressen noch mehr, 
als dies bezüglich der Erblande der Fall war. weil es der Rücksichten 
so viele gab, die der Kaiser nicht ausser Acht lassen durfte. Eine 
schwere Bürde hatte darum das Reichs-Oberhaupt zu tragen, denn auf 



') Hofkammer-Archiv ; Jänner 1705. 

*) Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Bavarica ; Decei 

: ') Hofkammer-Arehiv ; Jänner 1705. 

'I Noch am 16. März lief in Wien der Bericht ein 
itung von Landau scliwei von Statten gehen werde, 
im und kein Proviant eingeliefert wird" Kriegs-Ar 



iluii lag die Verantwortung gegenüber den Seemächten, die nicht ge 
willt waren, auf das Peinliche der Lage des Kaisers die mindeste 
Rücksicht zu nehmen. 



Die Verbündeten aber beeilten sich gleichfalls nicht mit der 
Flüssigmachung von Subsidiengeldern. Ihre nächsten Interessen schienen 
ja anfänglich nicht gefährdet. Graf G alias hatte schon zu Beginn des 
Jahres im Haag die Geldfrage dringend angeregt und auf die Lage 
des Herzogs von Savoyen hingewiesen. Der Rath-Pensionarius 
erwiderte aber, dass „dieses allzufriihzeitig (Jänner) wäre und die 
Sach' nur präeipitiren könne"; denn erstlich hätte Holland „keine 
Commissum für sie-, fürs andere „wären die Gesandten wohl daran, 
wenn sie die Generalstaaten vorbeigehend verschonen und ihre Noth- 

durft in England suchen wollten" er müsse „gestehen, dass 

uian alldorten, aber nicht hier im Stande wäre zu willfahren" '). 

So wichtig im Grossen und Ganzen der Erfolg auf dem Kriegs 
theater in Ober-Italien Mitte Juni auch war, und so dringend England 
und Holland den Entsatz Piemonts von dem Kaiser forderten, in dem 
nämlichen Masse zögerton sie, die Möglichkeit der Hülfe für alle Fälle 
sicher zu stellen. Als aber nach der Sehlacht von Gassano ein fernerer 
Erfolg der kaiserlichen Waffen in Ober-Italien nur durch ausgiebige 
Verstärkungen möglich schien, beauftragte Kaiser Joseph 1. am 
25. August den Grafen Gallas, beim englischen Hofe um eine Anleihe 
anzusuchen, und sollte von England und den Generalstaaten „eine 
Antieipatiou, wo nicht von 4-, wenigstens von 300.000 Thalern ohne 
einigen Aufenthalt" erbeten werden. Als Deckung bot der Kaiser 
die Gontributionen, welche nach Italiens Eroberung sowohl von der 
Republik Genua, als von dem Grosskerzog von Florenz „wegen 
ihrer innehabenden Reichslehen'' nicht verweigert werden konnten. 
Da aber eine solche Bürgschaft kaum angenommen worden wäre, so 
bemerkte Joseph L: „wofern aber dieses Mittel nicht anständig oder 
erklecklich gehalten werden wollte", so könne Gallas auch die .lu- 
den Erbländern eingehenden Landesbewilligungen „überhaupt alle 
geforderte Sicherheit anbieten"*). 

Wie wenig übrigens der Kaiser auf die Willfährigkeit seiner 
Alliirten zählte, geht aus dem gleichzeitig au den Grafen Goiss im 
Haag gerichteten Kcscripte hervor: „Du wirst aus beiverwahi'ter 
Abschrift vernehmen, was Wir Unserem Abgesandten in England wegen 

') Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Holland ica ; Jänner 1705. 
2 ) Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Anglica; August 1705. 



56 

einer Anticipation gnädigst aufgetragen. I > i * - bisherige Erfahrenbeil 

stellt Uns zwar vor, was zu erwarten; doch sind die Umstände äo 

beschaffen, dass dieselben eine besondere Reflexion erfordern" 

ObschoD der Kaiser in Holland nicht früher Gehör zu finden hoffte, 
als bis die Königin Anna von England sieh ausgesprochen haben 
würde, so sollte Goess doch wenigstens vorbereitende Schritte thun. 

Ausweichend lauteten die Antworten des englischen Lord-Schatz- 
meisters, bis endlich in der Nute ddo. Whitehall, 28. September 1705 
dem Grafen Gallas bekannt gegeben wurde, dass die Bewilligung der 
400.000 Thaler völlig von den Generalstaaten abhänge. Nun hatte 
aber Goess schon am <i. September der kaiserlichen Gesandtschaft in 
London mitgetheilt, dass im Haag rücksichtlieh der Anleihe schlechte 
Hoffnungen sich zeigen. 

Mehr und mehr schob sieh die Erledigung dieser wichtigen 
Frage hinaus und zur Noth erfolgte eine vage Zustimmung für blos 
300.000 Thaler. Abgesehen davon, dass seihst Anfangs November 
nicht der geringfügigste Betrau' flüssig war, knüpften die Seemächte 
demüthigende Bedingungen au die Ausfolgung der Anticipation. Als 
.sie sich endlich entschlossen, das erste Drittel auszufolgen, schwebten 
die beiden übrigen doch uoch sehr im Ungewissen. England wollte das 
zweite nur unter der Bedingung bewilligen, wenn Holland sieh mit der 
verlangten Sicherheit zur Beschaffung des letzten Drittheiles herbei- 
lassen würde. „Sollte aber das Werk in den Generalstaaten stecken 
bleiben", so erklärte England nicht blos die Verweigerung der letzten 
100.000 Thaler, sondern auch den Ersatzanspruch an Holland bezüglich 
der dem Kaiser bereits vorgestreckten 100.000 Thaler 1 ). Von dieser 
Summe aber waren (50.000 Thaler für die kaiserlichen Truppen in 
Piemont und 40.000 für die Armee Eugen's bestimmt und reichten kaum 
aus. die Rückstände zu begleichen, geschweige eine Besserung der 
äusserst misslichen Lage herbeizuführen. 



Nicht im geringsten trostreicher zeigen sich die verschiedenen 
Finanz-Operationen der Hofkammer, wenn sie die dringendste Noth 
nur einigermassen zu lindern suchte. Um z. B. den in Piemont in und 
vor Verrua kämpfenden kaiserlichen Truppen wenigstens momentan 
die fernere Subsistenz zu ermöglichen, war Hofrath Hillebrandt 
schon im Jänner beauftragt worden, „in dem unter Ihm kaiserl. Majestät 
Botmässigkeil gebrachten Laude Bayern eine Anticipation von 100.000 H. 

'i Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Anglica; November 170.".. 



57 

sogleich aufzubringen und derart einzuleiten, dass sie nicht blos mit. 
der geringsten Zeitversäumniss, sondern auch unter den vorteilhaftesten 
Bedingungen für das Aerarium bewirkt werde"'). Der erwähnte Betrag 
gelangte zwar an seine Bestimmung, aber keineswegs so rasch, als es 
die Nöth erforderte. 

In gleichem Masse dringend zeigten sich in Tyrol die Vorbereitungen 
für den Durchzug der Verstärkungen für das vom Feinde nahezu 
umringte Leiningen'sche Corps. Dem an und für sieh an Ressourcen armen 
Gebirgslande konnte die Leistung der Etapcn (Brod, Fleisch, Wein, 
Hart- und Rauhfutter) unmöglich autgebürdet werden, und die unaus- 
weichliche Vorspannsleistung zur Weiterbeförderung der Artillerie. 
Kriegsmunition, Bagagen. Monturen, Hüstungen etc. Hess sieh nur durch 
Baarzahlung sicherstellen. Die Durchzugskosten allein beanspruchten 
mehrere hunderttausend Gulden, welche weder die oberösterreichischen 
Landstände, noch die Hofkammer dieser Provinz, noch beide zusammen 
aufzubringen im Stande waren. Unbedingt musste darum die kaiserliehe 
Hofkammer zur Bestreitung dieser immensen Auslagen eine zureichende 
Summe bei Zeiten nach Tyrol senden. 

In Venedig, Verona und Brescia, wo zur Placirung von Credit- 
briefen Versuche gemacht wurden, zeigte sieh nicht der geringste Erfolg. 
Dem General-Kriegscommissär Baron Martini nützten alle Voll- 
machten nichts. Die Capitalien, welche im Jahru 17U4 bei den italie- 
nischen Handlungshäusern für den Kaiser verfügbar gewesen wären. 
wurden zu Beginn des Jahres 1705 verweigert, unter dem Vorwande, dass 
sie mittlerweile anderweitige Verwendung gefunden hätten. Es bedurfte 
längerer Zeit, um neue Quellen ausfindig zu machen, und eben darin 
la.u~ das Gefährliche der Situation. Martini sprach nämlich am 
23. Jänner die Bcsorgniss aus, wofern Leiningen's Truppen nur 
noch 10 oder 14 Tage ohne Geldhülfe blieben, „das ganze Coirpo 
Gefahr gelaufen, sieh völlig zu zerstreuen" *). 

Von Wien aus wurden zwar 50.000 H. Baargeld nach Gavardo 
abgesendet, doch stand diese Summe in so grellem Missverhältnisse 
zu dem wirkliehen Bedarfe, dass Prinz E u g e n in seiner Eigenschaft 
als Hofkriegsraths-Präsident am 27. Jänner Leiningen mit den Worten 
zu trösten suchte, dass „mehrere Hülf hienaeh folgen wird". Freilich 
geschah dies in dem guten Glauben einer baldigen, wenigstens theil- 
weisen Beseitigung der finanziellen Calamitäten. Diese aber mussten 
in riesigem Verhältnisse zunehmen 3 ); denn nicht blos die Erhaltung 

■| Hofkammer-Archiv, Jänner 1705; und Supplement-Het'l Nr. 11 und 15. 
2 ) Kriegs-Archiv, Italien 1705; Pasc. I. 20. 
'l Supplement-Heft Nr. 54 Und 61. 



58 

der verschiedenen kaiserlichen Armeen, sondern auch deren Ergänzung, 
Bewaffnung und Ausrüstung erheischte Summen, die unmöglich mit 
den aus den Erblanden fliessenden Geldmitteln in Einklang zu bringen 
waren. 

Für die Truppen in Ungarn konnten von den 4 Millionen, 
welche die Erbländer ..extra ordinari" für 1705 zu bezahlen über 

imen hatten, blos 210. ÜUü iL bestimmt werden. Zu Beginn des 

Jahres machte die Hofkammer davon 100.000 H. flüssig, doch erfuhr 
auch dieser Betrag eine Zersplitterung, da in jeder Beziehung (und 
darum in keiner) geholfen werden sollte. Ausser obiger Eauptsumme 
sollte aber die Hofkammer schleunigst 14-0.000 fl. für die Regimenter 
Salm, Heister und Nehem, und um den Truppen in Ungarn eine 
.i conto Zahlung für den rückständigen Sohl zu leisten, aufbringen. IM i t 
all' dem war aber die .Sache noch lange nicht im Reinen, denn die 
Regimenter in Siebenbürgen befanden sich „gleichfalls in desperatem 
Zustand". Für diese niusstc der Hofkriegsratk mindestens 100.000 fl. 
beanspruchen, um momentan helfen zu können, nachdem „dieser 
Betrag auf das Geringste" beziffert war. 

Die oberste Militärbehörde suchte ihre Anforderungen um Baar- 
geld in jeder nur denkbaren Weise zu unterstützen. Unter Anderem 
führte sie auch an, dass „die österreichischen Stände 1704 unter dem 
Motiv Landesdefension über 1 '/, Millionen Gulden ausgeschrieben und 
trotzdem das Land nicht geschützt haben"; wäre diese Summe dem 
Kaiser zur Verfügung gestellt worden, so würde sich die Möglichkeit 
geboten haben, „einige Regimenter anwerben und unterhalten, das 
Land aber mit unzureichendem Aufgebot verschonen und vor den 
Calamitäten bewahren zu können". 

Der Stand der finanziellen Angelegenheiten bezüglich Ungarns 
ist in einem Berichte des Hofkriogsrathes an den Prinzen Fugen 
folgendermassen gekennzeichnet: .... „indem man gut noch etliche 
Wochen bedürfen wird, die Truppen von dem über Winter erlittenen 
unglaublichen Ruin nur einigermassen in Stand zu setzen. Indessen 
ist zwar für Siebenbürgen der Antrag auf 150.000 rl. Baargeld 
gemacht, allein wie bald man diese auf und zusammenbringen wird, 
doch ungewiss und dahero vermeint worden, jetzogleich 40 50.000 tl. 

darauf zu antieipiren." Die Hofkammer hat mit aller ihrer 

Muh' auf die bewilligten Fundos bis 20. Mai nit viel über 100.000 H. 
zusammen zu bringen vermögt.-' .... „Zudem haben auch die 
hiesigen löblichen Landstände, ungeachtet sie bei 100.000 Thaler 
in gar kurzer Zeit antieipiren zu können Hoffnung gegeben 
und grosse Interessen derowegen angeboten, gleichwohl noch nicht 



59 

über etliche und 60.000 fl. zusammschaffen gekönnt, also dass es 
mit den Mitteln allem Ansehen nach gleichwohl schwer und ziemlich 
langsam hergehen mögte, einfolglich die operationes, weil lauter summae 
necessariae davon zu bestreiten kommen, nicht in der erforderlichen 
Zeit und Geschwindigkeit vollführt werden durften, zu geschweigen, 
dass auf die Wimmer'sche Anticipation gar kein Conto zu machen ist." 
Dies.- letztere Finanz-Operation zu schleuniger Geldbeschaffung 
erwies sich als ein gefährliches Trugbild, ja sie vermehrte die Ver 
legenheiten, anstatt sie zu beheben, und die verstellenden Details 
werden genügen, die Situation richtig beurtheilen zu kennen. 

Recrutirung. Remontirung. 

In dem Präliminare pro 1705 waren beantragt: 
a) A rm ee in 1 1 a li en. 

16 kaiserliche deutsche Regimenter zu Fuss, 1 Bataillon Irländer, 
;> Hayducken-Regirnenter, i) Cürassier-, 5 Dragoner- und 5 Huszaren- 
Regimenter, und von den Heeresanstalten: ( leneraUtali . Kriegs-Com 
missariat, Kanzleien. Ingenieure, Feld-Artillerie mit. den Minirern und 
dem Artillerie - < »elisen - Fuhrwesen , Feldbrücken, Feld -Proviantamt 
samint Fuhrwesen. 

b i A r m e e i m r ö mischen R c i c h. 

7 kaiserliehe Regimenter zu Fu>>. 1 badisches Leib Regiment, 
2 Schweizer-Regimenter, 2 wiirzlmr^i.sehe lle.nimenter, 7 kaiserliche 
Cürassier-Regimenter, 2 kaiserliche Dragoner-Regimenter, 1 würzbur- 
gischesDrauoner-Ken-inient. ti Huszaren-Regimenter, und von den Heeres 
anstalten: Generalstab, Kriegs-Commissariat, Kanzleien und Ingenieure, 
Fehl-Artillerie mit Pferdeliesnannuiu:' und Feh.llu'tieken. Bezüglieh des 
Proviantwesens wurde kein Voranschlag gemacht, in der Voraussetzung, 
da>> die Proviantirungs-Ammodiation fortdauern werde. 

<•) Die k ai s e rlich e n d e ut s c h e n E r b 1 a n d e u n d < » b e r - P t'a 1 z. 

5 kaiserliehe Regimenter zu Fuss. 1 Bataillon d'Albon, 8 Com- 
pagnien Croaten zu Fuss, 1 Bataillon Graubündner, 3 deutsche Frei 
Bataillone und Feld Artillerie. 

d) Ungarn, Slavonien und Syrmien. 

4' „ kaiserliche Regimenter zu Fuss, 4 königlich dänische Regi- 
menter, 4i! Frei - Compagnien , 1 Dragoner Compagnie, t> Cürassier 
und 5 Dragoner-Regimenter, 2 dänische Dragoner-Regimenter, raizische 
und hul^arisehe ( ! renzmiliz, und von den Heeresanstalten: General 
stab, Fehl Artillerie. Schiffbrücken, Proviantamt und Feld-Apotheken. 



60 

e) Siebenbürgen. 
2% kaiserliche Regimenter zu Fuss, walachiscbe und bulg 
rische Grenzmiliz, und von den Heeresanstalten : Generalstab u 
( lommissariat. 



Schon am 15. December 1704 hatte Prinz Eugen von Landshut 
aus, als Präsident des Hofkriegsrathes, bezüglich der Recrutirung und 
Remontirung den FML. Grafen von Daun beauftragt, in Wien folgende 
Puncte zu „pressiren" : 

1. Sollte die Recrutirung und Remontirung besonders für das 
Corps Leiningen's beschleunigt werden. Die Land-Recruten sollten 
„sobald als nur immer möglieli nach Bayern marschiren, wo die Quartiere 
inzwischen offen" blieben und auf deren Verpflegung angetragen war. 

2. Der Succurs nach Piemont sollte so lange in Bayern bleiben, 
„Ins dahin der Weg offen geworden". Die Ergänzungen für das 
Leiningen'sche Corps aber sollten sogleich abrücken, „sobald Leute 
und Pferde nur in etwas sich erholt und zu marschiren im Stande 
sein möchten" ' ). 

< ranz in gleichem oder in noch höherem Masse war die Er- 
gänzung der in Ungarn kämpfenden Regimenter nothwendig, welche 
durch die Unbilden des Winters als noch mehr zusammengeschmolzen 
sich erwiesen. 

Bei der Infanterie, welche per Regiment mit einem Sollstande 
von 2200 Mann zu 16 Compagnien und einer Grenadier-Compagnie 
präliminirt war, fehlten zu Beginn des Jahres 1705 : 

In Ober Italien 8170, in Piemont 9674, im Reieh 0732, in 
Ungarn 5677. Demnach bezifferte sieh der Gesammtabgang bei der 
Infanterie allein mit 30.253 Mann, während die Erbländer zusammen 
blos 15.8itl Recruten beizustellen angewiesen waren. 

Ungeachtet mehrere Regimenter nachträglich Befehl erhielten, 
ihre Recruten aus Bayern zu ziehen, lag doch keine fernere Möglich- 
keit vor, selbst annähernd den Sollstand der Regimenter zu erreichen. 
Auch Palliativmittel änderten an dem Missverhältnisse wenig oder 
gar nichts 2 ). Man stellte an Tyrol die Forderung, für das Regiment 
Königsegg 583, für Lothringen 588 und für das halbe Regiment 
Regal 324, d. i. im Ganzen 1495 Mann aufzubringen. Die Leistung 
in natura war unmöglich, und der Kaiser musste sieh dahin resol- 
viren, „die Recrutirung in Tyrol durch die Summe von 60.000 tl. 

') Krie S .s-.\n-l,iv. Italien, 1704; Fase. XII. 8. 
-I Supplement-Heft Nr. is. 19, 64. 



61 

ablösen zu lassen" 1 ). Nun hatte aber auch die Werbung keinen 
Erfolg, denn diese, von Obristlieutenant Laimbruckh im März 
und April zu Innsbruck und Schwaz versucht, ergab nicht mehr als 
20 Mann ' |. 

Da übrigens auch die anderen Erbländer das ihnen anrepartirte 
Reerutenquantum in Folge der früheren Kriege nicht vollzählig in 
natura zu stellen vermochten, so gaben sie dafür die entsprechenden 
Geldsummen. Die Ergänzung der Regimenter wurde dadurch äusserst 
schwierig, zeitraubend und complicirt, 

Da auch die Stellung der Land-Recruten äusserst Langsam vor 
sich ging, so wollte man wenigstens deren Absendung beschleunigen. 
Die Regimenter hatten ursprünglich aus bestimmten Kreisen ihre 
Recruten zu beziehen; dadurch, dass manche Herrschaften das ihnen 
anrepartirte Quantum langsam und unvollständig beistellten, mussten 
Wochen, selbst Monate zugewartet werden, bis Alles versammelt war. 
Dem abzuhelfen, sollten schon je 15 — 20 assentirte Recruten sogleich 
abgesendet werden 3 ). So gut die Massregel auch gemeint war, brachte 
sie doch keinen Nutzen, denn einer in Action befindlichen Armee 
kann nur der Succurs in Masse nützen, wenn sie einem numerisch 
überlegenen Feinde gegenübersteht. So kamen am 23. Mai, mithin zu 
einer Zeit, während welcher die Campagne bereits begonnen hatte, im 
Lager zu Gavardo 300, am 28. Mai 200, am 30. Mai 2u0. am 
L. Juni 400. am 5. Juni 100 Recruten nebst einigen Remonten, 
am 9. Juni 100 Recruten an *). Die Commandirten (Werb-Commanden) 
waren aber noch im August in ihren Stationen; erst am 15. dieses 
Monats wurden auf Eugen's Andringen davon 930 von Rosenheim 
nach Italien in Marsch gesetzt*). 

Dass die Ergänzung der Regimenter auch zu Ende des Jahres 
nicht erfolgt war, geht aus folgender Bemerkung des Hofkriegsrathes 
gegen Prinz Eugen hervor: . . . „anlangend die Recrutirung zu Fuss, 
kommt Alles auf Euer Durchlaucht Wahrsagung an, indem in Tyrol 
and Bayern noch geringe oder schlechte Apparenz sich zeiget, dass 
die. Stellung sobald werde bewirkt werden." Von Böhmen Hess sich 
bis Ende October die Ergänzung des einen oder anderen Regimentes 
erwarten. Schlesien dagegen, welches lediglich für Eugen's Armee 
zu stellen hatte, blieb saumselig. 



') Hans-, Hof- und Staats-Archiv, Bavarica 
*) [irosbrucker Statthalterei-Archiv, April 1 
'| Hof kammer-Archiv ; A.ugust 1705. 
' I Archiv, Italien: Fase. XIII Diari 

: 'j Supplement-Heft Nr. 230. 



62 

Wohin man zu Ende ilcs Jahres auch blicken mochte, nirgends 
wollte sich ein Auskunftsmitte] linden lassen. Den äussersten Grad der 
Bedrängniss beurkundet der Ausspruch der obersten Militärbehörde: 
..Man hat beherzigt, dass der beste Succurs sein werde, wenn die 
armen Kranken und Blessirten in Tyrol zu Stande gebracht 
würden')." 

Bei der Reiterei hatte es mit der Remontirung, eventuell 
Deckung des Abganges an Mannschaft und Pferden, die nämliche 
Bewandtniss wie bei der Infanterie. Auf den Sollstand fehlten zu 
Beginn des Jahres in Ober-Italien 8068 Pferde, während in Piemonf der 
Abgang noch grösser war. Denn in Folge der Abschliessung durch die 
französische Armee konnten keinerlei Zuzüge stattfinden-). Bei den 
Truppen in Ungarn fehlten 1850 Mann und 4460 Pferde*). 

Die Cavallerie des Kaisers war demnach von dem Sollstande von 
1000 Pferden per Regiment noch weit mehr entfernt, als die Infanterie. 
Auch die Huszaren, welche sich auf den verschiedenen Kriegsschau- 
plätzen befanden, hatten von ihrem ursprünglichen Stande bedeutende 
Einbusse erlitten. An eine Ergänzung Hess sich in Folge der Hebellion 
in Ungarn nicht denken. Für die deutsche Cavallerie erwiesen sich 
die Landesbewilligungen an Remonten verschwindend klein gegen den 
wirklichen Bedarf. Der Hofkriegsrath fasste darum zunächst Bayern 
in's Auge, woselbst sich von den aufgelösten churbayerischen Cavallerie- 
Regimentern Pferde acquiriren Hessen. Demgemäss wurde die „Admini- 
stration beauftragt, .'ine Anzahl tüchtiger Heiter- oder Dragoner-Pferde" 
anzukaufen*). Diese Anordnung blieb aber erfolglos, weil das bezügliche 
Pferde -Material zum grössten Theile den Franzosen in die Hände 
geliefert worden war. 

Zu gleicher Zeit hatte sich der Hofkriegsratb an den kaiserlichen 
Unterthan Otto Pleyer in Moskau gewendet, damit er „Pferde, 
denn eine grosse Anzahl dort vorhanden sein soll", für die kaiserliche 
Armee erwerbe. Da aber das »leid zur Baarzahlung mangelte und 
kein Credit gewährt wurde, scheiterte auch dieser Versuch 5 ). 

Der Bedarf an Pferden, namentlich für die Armee in Ungarn, wurde 
aber stets dringender, daher Kaiser Joseph I. am 20. Mai verordnete. 
„im Lande Bayern bis 1000 taugliche Rimonta-Pferde zusammenzu 
bringeri", denn von den Erblanden, die ohnebin schon mit starker 

') Hans-, Hof- und Staats-Archiv, Bavaricaj November 1705. 

*) Kriegs-Archiv, [talien, 1705; Fase. I- :;5. 

') Ueber Siebenbürgen mangeln Nachweise. 

») Hofkart r-Aivlih ; März 1705. 



63 

Remontirung belastet waren, Hessen sich kaum neue Opfer fordern l ). 
Was waren aber 1Ü00 Pferde für eine Armee, welche, wie jene in Ungarn, 
der Bodenverhältnisse wegen vorwiegend aus Reiterei bestehen seilte? 
Da alle versuchten Mittel nicht mehr verfangen wollten, sah man sich 
genöthigt, die von den sechs niederösterreichischen Land-Dragoner-Com- 
pagnien 1 ) als untauglich ausgemusterten Pferde zur Berittenmachung 
kaiserlicher Reiterabtheilungen in Ungarn in Anspruch zu nehmen! 

Von den Erbländern waren die anrepartirten Remonten seihst im 
Verlaufe des Sommers nicht abgeliefert worden, und auf vieles Drängen 
hatten endlich Anfangs September die Stände des Königreiches Böhmen 
die Stellung ihres Quantums von 1306 Cürassier- und 653 Dragoner 
Pferden zugesagt 3 ). 

Erst am 3. October verständigte der Eofkriegsrath den Prinzen 
Euo-en, dass „Hoffnung vorhanden 1 ' sei. „die Remontirung der Regi- 
menter zu Pferd in's Werk zu setzen-. Was zu Beginn des Jahres 
eine vollendete Thatsache hätte sein sollen, dazu war mit Schluss 
desselben erst die Hoffnung vorhanden. 

Keinesfalls Hess sich noch während der Campagne des Jahres 1705 
die Completirung der Reiterei erwarten, denn für die Armee in Italien 
sollten „die Rimonta- Pferde bis Ende Februar behufs guter Auf- 
fütterung in Bayern verbleiben". Diese Verfügung bedingte aber eine 
fernere Schwächung der im Felde stehenden Cavallerie-Regimenter ; 
denn es mussten Officiere und Commanden zur Uebernahme und 
Pflege der Pferde nach Bayern gesendet werden. 

Vergleicht man die Mittel, über welche der Kaiser zur Krieg- 
fuhrung verfugte, mit den Anforderungen, wedeln- der Coalitionskrieg 
und die Niederwerfung des Aufstandes in Bayern und Ungarn stellten: 
so wird es kaum fasslich, dass die Feldherren Oesterreichs 1705 nur 
das Mögliche leisten konnten. Dieses aber erhält durch die äusserste 
Ungunsl der Verhältnisse in Allem und Jedem einen viel grösseren 
Werth, als eine Reibe der glänzendsten Siege! 



Bei der Reichs- Armee mangelte es entschieden am Willen, dem 
Kaiser die ihm auferlegte schwere Bürde nur emigermassen zu erleich- 
tern. Nach dem Regensburger Reichstags-Beschlusse sollte zwar „nicht 
nur die vom Reich bewilligte Mannschaft ohne Abzug gestellt, sondern 
auch die Magazine mit Proviant und Munition versehen, Artillerie 

') Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Bavariea; Mai 1705. 
-I Wurden behufs 4er Landesverteidigung errichtet. 
<i Hofkammer-Archiv; September 1705. 



64 

und Fuhrwesen ausgerüstet, dabei aber vorersl zu der General-Kriege 
cassa die aöthigen Geldsummen eingezahlt" werden. So lautete das 
Versprechen an den Kaiser; an diesen aber gelangte schon am 
3. Jänner die Anfrage bezüglich der Immediat-Truppen. Der Eofkriegs 
rath wurde nämlich ersucht, er möge „der Reichs-Hofkanzley die 
Nachricht communiciren, ob über die nach Italien und Ungarn ziehende 
Mannschaft die Beistollung der Quote für die Reichs-Armee mit einiger 
Verlässlichkeit versichert werden könne'' '). 

Von den kaiserlichen Immediat-Truppen waren zunächst die 
Infanterie-Regimenter Baden, Thüngen, Friesen und ein Grenadier 
Bataillon, die Cavallerie - Regimenter Zollern, Lobkowitz und Mercy, 
ferner Castell-Dragoner nebst Huszaren')zu den Operationen bestimmt. 

1 ».reu Stand sollte jenem, wie er für die übrigen kaiserlichen Regimenter 
in Aussicht genommen war, gleich sein. 

Die Kreistruppen waren gleichfalls nicht vollzählig und hatten: 
Die Fränkischen 3 Bataillone Erffa, 3 Bataillone Bpyneburg, 

2 Bataillone Toste, 2 Bataillone Bibra, 1 Grenadier-Bataillon, 5 Esca- 
dronen Bibra-Dragoner, 5 Escadronen Bayreuth, 5 Escadronen Bibra- 
Cavallerie und 5 Escadronen Fechenbach; 

die Schwäbischen 2 Bataillone Roth, 1 Bataillon Entzberg, 
2 Bataillone Reischach, 2 Bataillone Durlach, 1 Grenadier- Bataillon, 
4 Escadronen Oettingen, 4 Escadronen Fugger, 4 Escadronen Erb- 
prinz Württemberg :i ) ; 

die Württembergischen 2 Grenadier-Bataillone (die Garde 
Truppen, welche für die Reichs-Armee bestimmt waren, behielt der 
Herzog bei sich), 2 Escadronen wüi'ttembergische Garde, 2 Escadronen 
württembergische Dragoner ; 

die Sächsischen 2 Escadronen Leih - Regiment Darmstadt, 
2 Escadronen Erbprinz von Darmstadt., 2 Escadronen Lüneburg; 

die Rheinischen 2 Bataillone Schrattenbach, 2 Escadronen 
Sternfels, 2 Escadronen Hermann, 1 Escadron Wolfenbüttel; 

die Chur-Mainzischen 2 Bataillone Ley, 1 Bataillon Elt.z. 

Diese Kreistruppen, welche ^tatsächlich im Fehle standen, bezifferl 
Pelet*) mit ihrem Sollstande auf 23.50Ü Mann; doch kann eine solche 



') Haus-, Hof uihI Staats-Avehiv, Kavarica; Jänner 170.',. 

'') Die Zahl ili-i Kr-iinc iit. r iiimI ileren Starke siml niclit zu eruirenj scheine! 
lilns l>i't.aclii'iiinits, der noch übrige Ivi-st gewesen zu sein. 

:l l Nach einem Ausweise virni t:i. April halte die Infanterie eine Effectivstärke voi 
5637 Mann. die Cavallerie 1590 .Mann. (Kriegs-Archiv 1705; Pasc XIII. i und 5. 

', De Vault et Pelet. Memoire- militaires relatives a la 
d'Espagne etc. Band V. 



65 

Angabe nicht als verlässlich betrachtet werden, da der nämliche Autor 
an anderer Stelle selbst bemerkt: „der fränkische Kreis hat 9000 Mann 
zu stellen, doch werden vielleicht nur 2100 Mann in's Feld rücken« '). 
Ein Theil der Contingente war auch in den Festungen und in 
anderen wichtigeren < >rten als ständige Garnisonen verwendet, und 
dadurch schwächte sieh die ohnehin nicht vollzählige Reichs-Armee ' 
noch mehr ab. So /.. B. hatte GWM. Baron von Winkelhofen, der 
Commandant von Freiburg: 

Erlacb 945, Osnabrück 415. Salzburgisches Contingent 1504. 
Bayerisch«- Kreis-Bataillon 755, zusammen 3619 Mann 2 ). 

Bei der Unordnung, mit welcher die Reichsgeschäfte geführt 
wurden, und in Folge der häufigen Verschiebungen, welche auf dein 
Kriegstheater an Frankreichs Ostgrenzen vorkamen, lässt sich aus 
dem spärlich vorhandenen Actenmateriale keine klare üebersicht der 
Namen und Stärke der Reichstruppen zusammenstellen. Nach einem 
Ausweise des Monates Juli hatte die Infanterie der Reichs- Armee : 
Kaiserliche: 
Alt-Baden 1320, Thüngen 1481. Baden -Schönberg 638. Stein 1 135. 
Fechenbach 1237 3 ). 

Schwäbische: 
Baden-Baden 1173, Baden -Durlach l492,Roth 1319. Reischach 1619, 
Entzberg 1706. 

F r ä nkis c h e: 
Erna 1635, Boyneburg 1611, Helmstett 1628. Toste 800. 

Ch ur-Ma i n z : 
Ley (Leyen) 1125. Eltz 365. 

S äch s i s c h e : 
Wackerbart 907. Seiffertitz 583. Weissenfeis 523. Humor 70s. 

Ze 1 l's c h e : 
Schrattenbaeh 650. Wolfenbüttel und Anspach 401. 

Ober-Rhein: 
Hofimann 882, Sachsen 896, Nassau- Weilburg 1318. Truchsess- 
Grenadiere 346. 

Summe 27.498 Mann 4 ). 

Doch waren von selben Mos 18.892 dienstbar. 



') Pelet; pag. 799. 

2 ) Kriegs-Archiv, RömischeB Reich und Niederlande; Fase. XIII, 3 Au-v 
-oiii l.-,. Octoher 1T05. 

*) In dem Original-Ausweise erscheinen <1 i« • drei letzteren Regimenter irrtlii 
lieh als kaiserliche, Schönberg und Stein scheinen badische, Fechenbach ein wi 
burgisches Regiment gewesen zu sein. 

*) Kriegs-Archiv 1705; Fase. VII. 4:'). 
i ige des Prinzen Engen i Savoyen VII. Band 



Bewaffnung, Ausrüstung, Proviantirung. 

Nur zur äussersten Noth, hauptsächlich aber durch Inanspruch 
nähme des Credites von Privaten Oesterreichs, konnten Bewaffnung, 
Ausrüstung und Proviantirung erfolgen. 

Mit der Instandsetzung (Ausrüstung und Recrutirung) der ge 
sammten kaiserlichen Feld-Artillerie in Italien, im heiligen römischen 
Reiche, am Rheinstrom und in Ungarn wurde seitens der Hofkammer der 
Artillerie-Zeugs-Zahlmeister von der Ketten beauftragt. Die Geld 
erforderniss, mit 31.779 h\ 31 kr. präliminirt, zeigt, welch' geringfügige 
Summe auf diese wichtige Walle verwendet werden kennte. Keinesfalls 
reichte dieses Minimum aus, „die Feld-Artillerie bis längstens April" 
auf allen drei Kriegstheatern in nur annähernd genügenden Stand zu 
setzen. Von der Ketten's Aufgabe war um so schwieriger, als er 
auch von obiger Summe für die Armee in Italien ,,263 Pferde und 
nebstbei in toto :!<>7 Stück Zugochsen" ') beistellen sollte. 

Leiningen's Corps besass zwar 12 Halb-Karthaunen, ti Fal- 
kaunen, 42 Regiments- und 6 geschwindschiessende Stücke, aber blos 
112 Büchsenmeister und die Bespannung für acht Geschütze 8 ). 

An eine rechtzeitige Ergänzung dm- Zugthiere und Bedienungs 
mannschaft konnte wohl nicht gedacht werden; und wo dies über- 
haupt möglich war, zeigten sieh die empfindlichsten Mängel. 

Nicht minder wichtig als die Artillerie war ein Brückentrain, 
denn nach der strategischen Lage in Ober-Italien musste die Armee 
des Prinzen Eugen, welche dem Herzoge von Savoyen Hülfe 
bringen sollte, eine grosse Reihe hintereinander gelegener Flusslinien 
überschreiten, d. h. den Uebergang über dieselben erkämpfen. Ausser- 
dem erheischte die Natur dieser Wässer und die Durchschnittenheit 
■ los Landes überhaupt, die Ausrüstung der Armee mit einem diesen 
Verhältnissen entsprechend zahlreichen und geeigneten Brücken- 
materiale. 

Abgesehen davon, däss der General - Kriegsoonnnissär der ita 
lienisclien Armee, Baron Martini, erst Ende Jänner die Weisungen 
„zu Verschaffung zweier Brücken zu Gavardo" erhielt, so war dafür 
eine grosse Summe Baargeldes nöthig, die eben mangelte. Auch konnte 



') Hofkai er-Archiv; Fase. April L705. 

2 ; r.n Ganzen wurde das Artillerie-Fuhrwesen auf 200 Ma 
26 Zugochsen gebracht 



67 

das veranschlagte Brückengeräthe *) dem Zwecke kaum entsprechen, 
denn es war offenbar nicht für eine mobile Armee berechnet. Baron 
Martini machte darum die Bemerkung: „so etwan einige von den 
obigen Brückrequisiten über Land auf denen Wägen nachgeführt 
werden sollten, seind 50 Wägen sammt aller dazu gehörigen Bespan- 
nung nöthig". 

Wegen Mangel an Geld unterblieb die Anschaffung des projee- 
tirten Materiales, und es musste zur Noth das im Lande aufzufindende 
für den Kriegsgebrauch tauglich gemacht werden. Darin aber lag eine 
grosse Schwierigkeit. Die auf den italienischen Flüssen befindlichen 
Fahrzeuge hatten wegen der meist reissenden Strömung verhältnis- 
mässig grosse Dimensionen mit starker Construction, und waren darum 
für den Landtransport zu schwer und wenig handsam. Das landes 
übliche Strassenfuhrwerk dagegen, dessen man sich zur Nachführung 
des Brückentrains bedienen musste. hatte, so wie heute noch in Folge 
der -rossen Wegsamkeit, eine Bauart und Tragkraft, welche die 
Verladung schwerer, grosser Flussschiffe nahezu ausschloss. 

Prinz Eugen, diese Verhältnisse nur zu richtig würdigend, 
hatte, ehe er noch den Befehl der Armee antrat, die Beistellung 
eines Brückentrains nachgesucht, welcher sich leicht transportiren 
Hesse. Eine fortlaufende Reihe von Actenstücken enthält Bitten und 
Urgenzen bezüglich der „ledernen Schiffbrücken 1 '. Am Willen, eine 
solche beizustellen, hatte es wohl nicht gemangelt, doch brachte die 
llofkammer das Geld hiefür die längste Zeit nicht auf. Die ledernen 
Schiffe waren in Frankfurt erzeugt, aber auf Credit nicht ausgefolgt 
worden. In Folge der inständigen Bitten Eugen's sah sieh Kaiser 
Joseph I. endlich veranlasst, die Administration in Bayern zu 
verhalten, dass „die erforderlichen Gelder beigeschafft und auch 
wegen der Dahinlieferung der ledernen Schiffbrücken nach Italien 
alsogleich die zulängliche Veranstaltung fürgekehrt werde" 2 ). Prinz 
Eugen, ungeachtet dessen die Verschleppung vorhersehend, hatte auch 
wiederholt um die Ueberlassung eines Theiles jener „ledernen Schiff- 
brücke" nachgesucht, über welche die Reichs-Armee verfügte. Der 
kaiserliche General-Lieutenant Markgraf Ludwig von Baden fand 
es aber nicht angezeigt, einem solchen Ansinnen Gehör zu schenken, 
obgleich er e> ohne Schädigung der Operations-Fähigkeit seiner Armee 



•j Nach dem Voranschläge waren beantragt: 140 Schiffe, 300 Balken, 
•>oo Radelbäume, 40 grosse Stammhölzer (aus denen Böcke gemacht werden sollten), 
23000 doppelte Pfosten, 80 Anker u. s. w.; dann an Arbeitern: 1 Zimmermeister, 
12 Zimmergesellen und -20 Schiffleute. (Kriegs-Archh 1705: Fase. I. 36b.) 

') Hau--. Hof- und Staats-Archiv, Bavarica ; August 1705. 



hätte tlmn können. Für die Flussübergänge, welche diese zu bewerk 
stelligen hatte, und zwar über den Rheinstrom und die in denselben 
einmündenden Nehengowässer, waren die landesüblichen Flussschiffe 
leicht verwendbar, und schon darum erscheint die Verweigerung als 
eine Engherzigkeit. Diese aber trug wesentlich dazu bei, dass Eugen's 
überaus kühne Entwürfe bei der Durchführung scheiterten. 

Im römischen Reich musste bezüglich der Artillerie, schon 
mit Rücksicht auf die Alliirten, mehr als in Italien geschehen. Bereits 
im April hatte der Hofkriegsrath dem Kriegs-Commissariatsamte auf- 
getragen, behufs der Vorspann „die Requisitionalen an beide fränkische 
und schwäbische Kreise wegen der aus Bayern zur kaiserlichen 
Armada am oberen Rhein abzuschickenden 45 Stücken und 16 Mörsern 
mit benöthigten Bomben und 4000 Stück Schanzzeug auszufertigen". 
Diese Absendung ward von Leopold I. „auf inständiges Anhalten 
des General - Lieutenants Markgrafen Ludwig von Baden" anbe- 
fohlen, mit der weiteren Verfügung, dass die in bayerischen Zeug- 
häusern commandirten Feld- Artilleristen bei der Rhein-Armee eingetheilt 
und zur Convoyirung des Artillerie-Materiales zu verwenden seien 1 ). 

Brückenmateriale war für die Reichs-Armee mehr als genügend 
vorhanden, denn der kaiserliche General-Lieutenant verfügte nebst den 
erwähnten „ledernen" auch über hölzerne Schiffbrücken. Obschon 
detaillirte Nachweise mangeln, ist doch aus den Feldacten zu ent- 
nahmen, dass die Uebergangsmittel überall und stets zureichten. 

In Ungarn war die. Feld- Artillerie, welche Obrist Weiller 
befehligte, in dem beklagenswertesten Zustande. Diesen zu bessern. 
gab es wohl wenig Aussicht. Die Summe der 31.779 fl. absorbirten 
Italien und das Reich fast völlig, so dass für Ungarn äusserst wenig 
erübrigte. Charakteristisch ist jene Stelle in den Kriegs - Archivs- 
Acten, welche darthut, dass von den aus Böhmen nach Wien für die 
Artillerie in Ungarn eingelieferten 100 Pferden 20 völlig unbrauchbar 
und selbst im Monate Juli noch nicht ersetzt waren. Schwere Artillerie 
dagegen befand sieh „in guter Anzahl in den hungarisehen Zeug- 
häusern, in specie zu Raab, Komorn, Ofen, Essegg und anderen Orten, 
welche herausgenommen und allenfalls zu einer Belagerung gebraucht 
werden" konnte. 

Wenn auch die Verhältnisse auf dem Kriegsschauplatze in 
Ungarn, sowohl in Bezug auf das 'Terrain, als auch in Rücksicht auf 
die leicht beweglichen liebellcnschaaren vorwiegend Reiterei erfor- 
derten, so war doch der Mangel zureichender Artillerie sehr empfindlich. 

') Haus-, Hof- und Staats-Archir, Bavarica; April 17er.. 



Denn gerade gegen die Aufruhrer sollten die Kämpfe mit schweren 
Verlusten für dieselben entschieden wurden. Dies konnte von der 
kaiserlichen Cavallerie ungeachtet aller Bravour nicht ge*eliehen. weil 
das Auseinandei - stieben der nur lose verbundenen feindlichen Streit 
kräfte den Hauptei*folg der Reiter-Action, „die Vernichtung des fliehen- 
den Gegners'', illusorisch machte. Auch musste .sieh der Mangel au 
Artillerie dort fühlbar machen, wo der Feind in Oertlichkeiten sich 
festgesetzt hatte und der Infanterie der Hauptkampf zufiel. 

Eine besondere Fürsorge für das Kriegsbrücken-Materiale entfiel, 
nachdem die „Zillenverwahrungen in Pressburg, Komorn, Ufen u. s. w. 
hinreichendes Geräthe aufgespeichert hatten, um nicht blos auf der 
Donau und ihren Nebenflüssen Uebergängc herzustellen, sondern auch 
den Nachschub von Armee-Bedürfnissen bewirken zu können. Freilieh 
gab es in beiden Beziehungen insoferne Schwierigkeiten, als in dem 
allerorts insurgirten Lande einer Gefahrdung durch die Rebellen Hin- 
durch starke Bedeckungs-Abtheilungen begegnet werden konnte. Im 
Vergleiche zu Eugen's Armee hatte jene in Ungarn entschieden den 
Vortheil der grösseren Bewegungsfreiheit. 



Die Bewaffnung der Infanterie und Reiterei war nicht nur 
zu Beginn, sondern auch im Verlaufe des Jahres mangelhaft. .Schon 
Mitte Februar hatte sich die Hofkammer an das königliche Rentami zu 
Glatz gewendet, um eine „Musketen-, Flinten- und Pulverlieferung" zu 
contrahiren Diese Bezugsquelle zeigte sich aber nicht ausgiebig, denn 
die Glatzischen Büchsenmeister erklärten, jährlich nur 800 — 1000 Flinten 
(ä 3 Ü. 45 kr.) und auch diese nur unter der Bedingung zu liefern, wenn 
die Hälfte des Kaufschillings, antieipando, die andere bei Ablieferung 
zahlbar, fest garantirt würde 1 ). Auch die in Kärnten und Krain ge- 
troffenen Verfügungen zur „Erhandlung der Armatur- blieben resultatlos. 
Der Hofkricgsrath hatte das aus diesen Ländern zu beziehende Gewehr 
für „unbrauchbar'' erklärt und es mussten andere Bezugsquellen 
gesucht werden. 

Schon war der Monat Mai und mit ihm auf allen Kriegsschau 
platzen die Eröffnung der Campagno herangekommen, und muh 
immer fehlte einem grossen Theile der Streiter die Waffe. 

Als sich die betretenen Pfade allerorts als fruchtlos erwiesen, 
entschloss sich Kaiser Joseph L, die „von der abgedankten bayerischen 
Soldatesca") und bewehrt gewesenen Einwohnern' 1 vorhandenen Wallen 

') llut'kaiiuiKT-Airliiv; Fase. Februar 1705. 
-'I Supplement-Heft Nr. i. 



7(1 

für das Heer in Anspruch zu nehmen. Am 16. Mai erfolgte der Erlass: 
„damit alles bei Entwaffnung dos bayerischen Land- und entlassenen 
Kriegsvolkes sieh befindende, für Reiter, Dragoner und Musketier« 
tüchtige Flintengewehr, worunter auch die Pistolen zu verstehen, an 
einem bequemen Ort zusammengebracht, sodann ehestens auf der 
Donau anhero an Unser Haupt-Zeug-amt abgeführt werde". 



Die Lieferung von Kriegsbedarf überhaupt war der Haupt 
sache nach Privaten, jedoch im Namen der Hofkammer übertragen. 
Daraus entstand aber der arge Missbrauch, das« viele Lieferanten den 
Producenten ihre Erzeugnisse um einen äusserst niedrigen Preis ab 
drückten. In ihren Monopolen gesichert, konnten sie dann von der 
Hofkammer horrende Summen fordern. Dieser üebervortheilung zu 
steuern, beantragte die böhmische Hofkanzlei ein Ausfuhrverbot gegen 
Artillerie-Sorten und Armaturen. An Munition war zu Beginn des 
Jahres in Italien grosser Mangel. Man hatte zwar 507 Fass Pulver 
und 70 Centner Blei nach Lienz. 230 Centner Blei nach Ober-Drau- 
burg und 100 Centner Blei nach Villach gebracht, woselbst sie aber 
ohne Aussieht auf Verfrachtung ebenso „wie 1703 die per mare nach 
Triest gebrachte Pulverfässel" mehrere Monate liegen bleiben mussten. 
Die bezüglichen [Jrgenzen von der Hofkammer reichen bis zum März. 
In der Folge aber minderte' sich die Noth, denn es ergab sieh ein 
nicht unwesentlicher Zufluss aus Bayern, wo sieh sowohl in den Zeug- 
häusern, als auch an verschiedenen < >rten namhafte Vorräthe fanden. 
In Passau allein waren schon Anfangs März 47 Centner Pulver und 
34 Centner Blei nebst verschiedenen t ioschossgattiingen und Zeugs- 
materialien übernommen worden. 

Diese namhaften Kessoureen aus Bayern Hessen sieh zunächst 
für die Reichs-Armee ausnützen; die Hofkammer ersuchte darum schon 
im April den ({raten Seeau in Bayern „um Erfolglassung von 
500 — 600 Centner Pulver zum Behuf der kaiserliehen Armee im 
Reich" 1 ). 

Obschon auch die Pulvermühlen in deu Erblanden zur Deckung 
des ersten Bedarfes beitrugen, so reichte doch all' dies für die Krieg- 
führung auf drei Kriegsschauplätzen nicht hin. Einem Mangel vorzu- 
beugen, ermächtigte die Hofkammer den 1 lofkriegsrath im Monate 
Juli, für die Armee in Italien ,,1000 ('entner Pulver mit möglichster 
Wirthschaft in Holland zu erwerben". Des Kostenpunctes wegen 

') Haus-, Hof- un.1 Staats-Archiv, Bavarica: April 1705. 



7! 

musste dies unterbleiben und es wurde im Augusl „mit gewissen 
Handelsleuten in Nürnberg auf 1000 Centner contrahirt". Gleichzeitig 
erhielt das Ober- Commissariai in Kärnten den Auftrag, „alle möglichen 
Anstalten zu treffen, 200 in Triest lagernde Centner Pulver sobald als 
möglich nach Tyrol" zu bringen 1 ). 



Feld- Sanitätsanstalten für Eugens Armee wurden 
sowohl zu Beginn, als im Verlaufe des Jahres weder beantragt, noch 
ins Lehen gerufen. Abgesehen von der Geldfrage, waren Feldspitäler 
und Feld-Apotheken insoferne zu entrathen, als einerseits das Cultur 
land die Kranken- und Verwundetenpflege erleichterte, andererseits 
die Evacuirung nach Tyrol im Bereich der Möglichkeit lag. Letzteres 
begehrte Gr. d. C. Graf Luiningen schon im Jänner, worauf Prinz 
Eugen in seiner Eigenschaft als Hofkriegsraths-Präsident erwiderte. 
wenn es nicht anders möglich wäre, dieser Abschickung der Maroden 
nach Tyrol „nit zuwider zu sein". 

Auch in der Folge geschah dies, und gegen Ende des Jahres war 
die Sanitätsptlege in Tyrol zweifellos sehr gut. organisirt, da eine grosse 
Zahl von Reconvalescenten der Armee in Italien zu augenblicklicher 
Verwendung in der Action zur Verfügung stand. 

Für die kaiserlichen Truppen bei der Reichs-Armee erscheinen 
weder im Präliminare, noch in den Acten Mittel für Feld-Sanitäts 
anstalten ausgewiesen, und von .Spitälern ist nirgends die lüde. 
Bezüglich der Reichs-Contingente hatten wohl die Kreise das Nöthige 
vorzusorgen: ob dies der Fall war, ist zu bezweifeln, da nicht einmal 
der Armee -Train und die Zufuhr von Proviant nur annähernd dem 
Bedarfe entsprach. 

In Ungarn musste dem .Sanitätswesen unbedingt mehr Fürsorge 
zugewendet werden, als in Italien und im Reich. Bei den culturellen 
und ethnographischen Verhältnissen an und für sich, und dem Klima 
in diesem Tieilande, durften die Mittel zur Krankenpflege nicht fehlen, 
wenngleich sich an die Errichtung von Feldsintälern um so weniger 
denken Hess, als sich das ganze Land im Aufrühre befand. 

„Zur Besorgung der Kranken" war eine „mit Medicamenten 
wohl ausgerüstete Apotheken" für die Armee in Ungarn bestimm! 
und letztere auch „mit tauglichen, in der Modicin und Chirurgia 
erfahrenen Subjecten - ' versehen worden. Von der für die Truppen in 
Ungarn bestimmten .Summe per 100.000 ti. erhielt „Feld-Apotheker 

1 Hofkammer-Archh ; September 1705. 



72 

Ponz ;i conto der Feld-Apotheken" 6000 ll.. welche wohl im Ver 
hältnisse zu den verfügbaren Geldmitteln als ansehnlich erscheinen. 
An gutem Willen mangelte es daher keineswegs. 



Für die Verpflegung mit Naturalien war wohl Nichts 
versäumt wurden, den Proviant schon zu Beginn des Jahres sicher 
zu stellen; aber dessen rechtzeitiger Beschaffung traten ähnliche Hin 
dernisse entgegen, wie den Finanz-* (perationen. 

Die Armee in Italien sollte den Proviant gegen Baarzahlung 
im Lande seihst aufbringen. Aber die nächste »Sorge musste dahin 
gerichtet sein, für den Durchzug namhafter Truppenmassen durch 
Tyrol die Verpflegung mit Brod und Hartfutter sicher zu stellen, auf 
welche Articel in dem Gebirgslande nicht unbedingt zu zählen war. 
Zu diesem Behüte hatten schon im Jahre 1704 (Kommissionen das 
Notlüge berathen, und der Theorie nach schien die Angelegenheit sich 
ganz gut in's Reine bringen zu lassen. 

Bezüglich der Marschbewegungen für den Zuzug nach < )ber- 
Italien war man übereingekommen, denselben sowohl aus Bayern, als 
auch aus Oesterreich durch das untere Inn-Thal einzuleiten, weil die 
aus ersterem zu erwartenden Gontingente über Kufstein nach Inns- 
bruck, jene aus Oesterreich über Salzburg und Reichenhall anruckten. 
Auch die fernere Bewegung tfo^-en Süden erheischte die sorgfältigsten 
Erwägungen, weil zu ein und derselben Zeit Truppen, Artillerie, Train 
und Kriegsvorräthe aller Art die schmalen Thal-Detilecn Tyrols zu 
durchziehen hatten '). Nur die zweckmässige Vertheilung und Auf- 
speicherung von hinlänglichen Vorräthen konnte die voraussichtlich 
starke Marschbewegung ermöglichen. Es sollte ein Magazin zu 
St. Johann im Kitzbüchlisehen, eines zu Rattenberg und ein starkes 
zu Innsbruck „formirt" und 200 Centner Getreide auf dem „Schlitten 
weg'' bis an die tyrolische Grenze geschafft werden, welchen Transport 
der Salz-Amtmann zu Gmunden zu vermitteln hatte. Ein ferneres 
Magazin war für Kufstein projeetirt, dessen Füllung aus den Vorräthen 
des Rentamtes München über Wasserburg und Rosenheim erfolgen 
sollte. Die zur Magazinirung in Tyrol bestimmten Vorräthe waren aber 
noch Anfangs Jänner in Licnz, Greifenburg, Spital, Villach, Untern- 
berg, Würzen. Affing und Krainburg zerstreut. Bei dem Mangel an 
Transportmitteln, und da Niemand auf Credit eine Leistung über- 
nehmen wollte, blieben die Vorräthe ein todtes Capital. Gleiche Be- 



wandtniss hatte es mit Y.U'2 Centner Getreide und ;>:!.'i8 Centner 
Pferdefutter, die in Laibach, Neustadtl, Gurkfeld und Kann zerstreul 
lagen '). 

Diese Vorräthe, auch wenn sie an Ort und Stelle geschafft werden 
konnten, reichten aber selbst für den dringendsten Bedarf nicht aus. 
Die Hufkammer musste für ein bedeutendes Mehr sorgen, und nach 
langen Verhandlungen hatte Kärnten 10.ÜÜÜ Vierung Getreide bewilligt. 
Aber unbeachtet aller Energie konnte bis 14. Jänner kaum ein Drittel 
des ausgeschriebenen Quantums eingebracht werden 2 ). Der Hofkriegs- 
rath eröffnete darum der Hofkammer: .... „gleichwie aber 
wegen der Magazinen über «las. so diesfalls der schlechten Lieferung 
halber nach Brixen gemeldet wird, auch zu reflectiren ist, dass an 
den waischen Confmen noch zu der Zeit die geringsten Anstalten 
nicht gemacht sind, davon doch nicht die geringste Zeit zu verlieren 
wäre, angesehen die Hilfstruppen ehestens ihren Marsch antreten werden 
und nun aus Bayern von den kaiserlichen Truppen bereits 500 Pferde 
zu defiliren anfangen'' s ). 

Ein Proviant-Nachschub auf das Kriegstheater in Ober-Italien war 
sehr gewagt, wenn die Armee des Prinzen Eugen sich von Gavardo 
aus in Bewegung setzte. Der Hofkriegsrath versah darum den Hof- 
kammerrath Salvav mit einem „wichtigen (Kreditbrief von 100.000 rl., 
um im Einvernehmen mit dem Ubri.-t -Kricgscommissär Martini" 
wenigstens sochsmonatlichon Proviant anzuschaffen, „damit nicht an 
derlei Mangel die vorhabenden Kriegs-Dissegni und Operationen ge- 
hemmt werden". Bei der Haltung der venetianischen Republik stiess 
auch dieser Modus der Truppenverpflegung auf ausserordentliche 
»Schwierigkeiten, und wo die Bemühungen der kaiserlichen Commissäre 
solche theilweise zu beseitigen vermochten, war stets grosser Zeitauf- 
wand nöthig, so dass die Armee wiederholt an dem dringendsten 
Lebensbedürfnisse: dem Brode — empfindlichen Mangel leiden musste. 

Der Train für Italien war völlig neu zu organisiren. Die 
Beischaffung der für das Transport-Fuhrwesen nöthigen Bespannungen 
hatte der Proviant-Obercommissär Maedel übernommen. Derselbe 
sollte „zur Bezeigung seines gegen Ihro Majestät Dienst hegenden 
allerunterthänigstcn Eifers theilweise aus Eigenein, theils von guten 
Freunden auf seinen Credit" die nöthigen Geldmittel beischaffen. Es 
waren 200 Pferde ä 75 tl. und die nöthigen Zugochsen, das Paar 
h 54 fi., derart zu liefern, dass die eine Hälfte vom 14. Mai an 



'i Hi.t'k.-iiiinier-Aivliiv; .Jänner 1705. 
*) Hofkainuier-Archiv ; Jänner 1705. 
') Registratur des Reichs-Kriegsinini 



74 

gerechnet, innerhalb 14 Tagen (mithin Ende Mai), die andere Hälfte 
aber in 4 Wochen (Mitte Juni) nach Italien befördert werden konnte. 
Dieser Verfügung nach, lies* sich an die Eröffnung der Operationen 
vor Anfang Juni kaum denken '). 

Maedel hatte es auch auf sich genommen, einen Betrag von 
6815 fl. 12 kr., weicherauf die vom Kriegs-Commissariate festgesetzte 
Summe von 22.320 ff. 43 kr. für Fuhrwesens-Requisiten abging, und 
überdies 1985 fl. vorzuschiessen, um die für Italien nöthigen Bäcker 
anwerben zu können •). Mit dem Proviant-Fuhrwesen hatte es aber 
ähnliche Bewandtniss, wie mit den Artillerie-Bespannungen. Abgesehen 
davon, dass sich das Eintreffen auf dem Kriegsschauplätze wesentlich 
verspätete, kam auch der Zwischenfall hinzu, dass von den für Italien 
in Ungarn angekauften Zugochsen 20!) Stück von den Rebellen 
geraubt wurden. 

Obgleich die Armee Eugen's sieh in einem überaus reichen 
Culturlande befand, konnte dennoch nicht auf Landesfuhren gezählt 
werden. Die Erfahrungen während der ( 'anipa^nc, eigentlich schon 
vor Beginn derselben, hatten gelehrt, dass die Ressourcen Italiens für 
die kaiserlichen Truppen nahezu verschlossen bleiben würden. Einer 
Armee aber, deren Ziel es war. durch rasche Bewegung dem be 
drängten Bundesgenossen Hülfe zu bringen, musste der Mangel eines 
ausreichenden Trains schon vorweg Fesseln anlegen. Dass diese kein 
unüberwindliches Hinderniss bildeten, dafür hatte Eugen's Genie 
vorzusorgen gewusst. 

In Ungarn konnte der Proviant für die Truppen nur aus 
Oesterreich bezogen werden, da die Kaiserlichen weder in dem Ge- 
biete, welches sie beherrschten, noch in jenen Landestheilen, die 
behufs einer Action zu durchziehen waren, voraussichtlich auf Res 
sourcen zählen durften. 

I >ic uiederüstorreichischen Stände sollten die „Proviant-Lieferung 
und andere Supererogata" ans dem Rückstande der vorjährigen Steuer 
von ,.200.000 11." vom Lande beschaffen und 2000 Muth Körner hei- 
stellen. 

Vermöge Hofkammer-Beschlusses hatte das Proviantamt 100 Wagen 
und das hiezu nöthige Fuhrwesen aufzubringen und das Kriegs-Com 
missariatsamt diesen Train ..mit den dazu erforderlichen Wagen 
meistern und Puhrwesens-Officieren zu versehen". Es bedarf wohl 
Leine- besonderen Hinweises, dass dieser Verpfleg.- Train seihst den 
bescheidensten Ansprüchen einer mobilen Armee nicht, entsprechen 

I I Supplement-Heft Nr. 137. 

•') Hofkammer-Archh ; A.pril 1705. 



konnte. Diesem Mangel ist es beizumessen, .las- die Operationen wieder 
holt sieh verzögerten. 

Um nach Möglichkeit auch die Eülfsquellen des Landes benutzen 
zu können, wurde Baron Thavonat als „Obrister Commissari" für 
Ungarn und Siebenbürgen ernannt. Er sollte nach einer detaillirten 
Instruction, im Einvernehmen mit den kaiserlichen Befehlshabern und 
dem Kriegs-Commissariatsamte die Einbringung von Proviant durch 
seinen Einfluss fördern, andererseits das Land vor willkürliehen Be- 
drückungen schützen. Bezüglich der allenfalls nöthigen militärischen 
Assistenz war der kaiserliche Commissär an die „commandirende 
Generalität" angewiesen '). 

In Folge des schon zwei Jahre andauernden Kriegszustandes in 
Ungarn konnte für die Proviantirung der festen Platze wenig oder gar 
nichts geschehen. Gerade in den Ländern der Stephanskrone halten 
die befestigten Puncte und auch die grösseren haltbaren Orte eine 
hervorragende Bedeutung gegenüber den undisoiplinirten Horden 
Räköezy's. Leider musste ein Theil dieser wichtigen Stützpuncte 
lediglich wegen Proviantmangel dem Feinde überlassen werden. In 
jenen aber, wo die kaiserlichen Truppen ungeachtet aller Noth aus- 
harrten, erübrigte Nichts, als sich mit den Waffen in der Faust den 
irherlässlichsten Lebensunterhalt zu erkämpfen. 

Die Proviantirungen, welche im Verlaufe des Jahres vorgenommen 
wurden, blieben stets unzureichend und tragen den Charakter von Pallia 
tivmitteln. Bei den aus Frei-Compagnien und Soldaten verschiedener 
Regimenter zusammengesetzten Besatzungstruppen hatten die Befehls- 
haber der festen Plätze häufig einen äusserst harten Stand, um einer 
seits der Muthlosigkeit entgegenwirken, andererseits Meutereien zu 
unterdrücken. Dass dies stets und überall völlig gelang, gibt eben 
Zcugniss von der Tüchtigkeit der kaiserliehen üfficiere jener grossen 
Zeitperiode. 

Auch im römischen Keich war für die Proviantirung der 
kaiserlichen Immediat- Truppen, wie für die Kreistruppen nicht hin 
reichend vorgesorgt worden. Selbst zur Zeit, in welcher längst schon 
die Operationen beginnen sollten, war kaum die Hälfte jeuer Mund- 
vorräthe aufgespeichert, die man bei Beginn des Jahres als unbedingt 
nöthig erklärt hatte. 

In den Länderstrichen, welche am Rhein und Mosel das Kriegs 
theater bilden sollten, trugen die grösseren Orte den Stempel der 
Verarmung, welche die französische Herrschaft oder Unterjochung 



M Kc 



herbeigeführl hatte. Die Gegend überhaupl war ausgesogen, auch das 
wenige Doch Vorhandene von den Franzosen weggeschleppt worden 
und nur rechtzeitige Anlage von Magazinen konnte die Kriegführung 
mit grösseren Eeeresmassen ermöglichen 1 ). 

Unter den bezuglichen Schriftstücken, welche so ziemlich das 
Dämliche Gepräge tragen, geben jene, welche die Instandsetzung der 

Festung Landau betreffen 8 ), ein vollständiges Bild von jener Misere, 
welche im heiligen römischen Reich allenthalben zu Tage trat. 

Landau bot, abgesehen von der rein militärischen Wichtigkeit, 
einen äusserst bequemen und vorteilhaften Stappelplatz dar, um für 
eine am Rhein operirende Armee alle nöthigen Mittel mit Leichtig- 
keit nachschieben zu können. Die wiederholte Aufforderung des Mark 
-raten von Baden an die Kreise und .Stande, für ihre Gontingente 
bei Zeiten den Mundvorrath durch Beitrage in die Magazine sicher 
zu stellen, blieb völlig erfolglos 3 ). 

Noch Mitte März war nicht der geringste Anfang gemacht 
worden, die bereits bewilligten Lieferungen an Mehl und Hafer zu- 
zuführen. Ueber diese Säumniss äusserte sieh Prinz Eugen gegen den 
kaiserlichen General Friesen, dem Befehlshaber von Landau, dass 
er die Errichtung von Magazinen in und um diesen wichtigen Punet 
wohl begreife — und befürchte, dass im Falle die Alliirten sich wider 
alles Vermuthen von der Mosel gegen das Elsass ziehen sollten, arge 
Verlegenheiten entstehen könnten, um den Unterhalt für eine so 
ansehnliche Macht zu linden . . . „ich sehe nicht, wie man dies wohl 
auftragen könnte, zu geschweigen, dass man hiezu nicht im Stande 
seio werde, da man ohnedem genug zu thun und Tai;- und Nacht zu 
„eben hat, damit man nur die Notbdurt't für die kaiserlichen Immediat- 
Truppen erzwingen kann"*). 

Wegen Mangel an Zufuhr ward es General Friesen nicht 
einmal möglich, zu Kronweissenburg und Lauterburg die uöthigen 
lleuvorräthe aufstappeln zu lassen, um die Reichs-Armee im April ver- 
sammeln zu können 5 ). 

In gleichem Masse langsam und schwierig ging die Instand- 
setzung der festen Plätze vor sieh. Landau z. B. war keineswegs in 
vertheidigungsfähigem Zustande, die Artillerie bedurfte wesentlicher 
Ergänzungen und Reparaturen und es mangelte an Munitions . sowie 



'l Supplemeiit-Heft Nr. 9. 

•I Supplement-Heft Nr. 23, .v.l. 

') Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. III. I. 

•) Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. IV. (!. 

•) Kriegs-Archiv 1705; Fase. III. 17. 



77 

an Waffenvorräthen. Erst Ende März hatte man vor dein Platze die 
vom Feinde herrührenden Tränenden zum Tlieil beseitigt und den 
bedeckten Weg mit einer Palissadirung versehen. Doch mit der Vor 
bauung der Breschen und der Austiefung der Graben hatte es noch 
seine guten Wege, so dass Friesen im März nach Wien berichtete, 
die Instandsetzung Landau's werde noch fernere drei .Monate erfordern ' ). 
Woliin man auch seinen Blick wenden mag. um wenigstens einen 
Lichtpunct in dem Getriebe des heiligen römischen Reiches zu finden, 
überall zeigt sich die gleiche Trostlosigkeit, welche nur einigermassen 
zu beheben, der Wiener Hof sein Bestes einsetzen musste. 



Landesvertheidigungs-Massregeln. 

Hatte die Aufbringung eines die Kräfte des Reiches weit über- 
steigenden Heeres zur Bekämpfung des äusseren und inneren Feindes 
dem Kaiser die schwersten Sorgen bereitet, so steigerten sich dieselben 
noch durch die Notwendigkeit, die Erblande gegen das Morden, 
Brennen und Verwüsten seitens der ungarischen Rebellen zu schützen. 
Auch die Einbruchswege aus Bayern nach Tyrol durften wegen der 
feindseligen Haltung des Bayernvolkes nicht unbewacht bleiben, und 
das Küstengebiet bei Triest erheischte Sicherungsmassregeln gegen 
die französischen Kriegsfahrzeuge, welche zu Beginn des Jahres das 
ganze Mittelländische und Adriatische Meer beherrschten. 

Der Schutz der Tyroler Nordgrenze war anfänglich den Landes- 
schützen anvertraut gewesen. Am 29. April wurden jedoch die Puncte 
Ehrenberg. Seharnitz und Luetasch durch zwei im kaiserlichen Seide 
gestandene bündnerischc Compagnien unter Commando des Baron Rost 
besetz! und die Schützen entlassen. Die Werke und Linien in Bleibach, 
Giern u. s. w., sowie jene im Kitzbüchlischen und Achenthalischen 
entlang der Grenze, sollten von den nächstgelegenen Gemeinden 
beobachtet werden 2 ). 

In Süd-Tyrol war während des Winters von 1704 auf 1705 die 
Bewachung der Grenze gegen das Venetianische den Landesschützen 
anvertraut gewesen. Der Hofkriegsrath hielt bei der zweideutigen 
Haltung der Venetianer und der grossen numerischen Ueberlegenheit 
der Franzosen einen solchen Schutz für unzureichend und hatte darum 
schon zu Beginn des Jahres 1705 Ilaydueken-Compagnien durch Tyrol 
in Marsch sresetzt, um die Landesschützen ablösen zu lassen. 



') Supplement-Heft Nr. 52, 68, 69. 
-", Innsbrueker Statthalterei-Archiv, 



78 

Für Triesl wurden Territorial-Milizen errichtet, zu denen die 
Herrschaften über 600 Mann, und die Besitzer von grösseren Grund 
Complexen 4, <i. Kl und 20 Mann stellten; die Gesammtzahl der 
„arrolirten Bauernschaft" betrug 14(10 Köpfe. 

Für Fiume hatten die Herrschaften in der Umgebung dieser 
Stadt ..von Zeit zu Zeit" ähnliche Miliz-Mannschaften „zu Behelf 
der Garnison" beizustellen, wie z. B. Buttenegg und Jablanetz 
160 Mann, die Patres Jesuiten oder der Rector 22 Mann u. s. w. 

Die Territorial-Miliz blieb „neben der arrolirten Bürgerschaft" 
zu Triest und Fiume nach einer Reparation ein halbes Monat im 
Dienste. Davon waren fünf Tage für den Waehtdienst, 10 Tage aber 
dazu bestimmt, von den „daselbst bestellten Wachtmeistern täglich zwei 
mal in armis exercirt" zu werden, „damit man seihe pro defensione 
des Landes" haben konnte. Aus diesem Grunde waren auch die Herr- 
schaften angewiesen, für „die begehrte Mannschaft die besseren und 
jüngeren Leute ordentlich'' auszuwählen. 

Die „Verpflegung mit dem Floischgroschen" oblag den Herr- 
schaften, denen der Gesammtbetrag von den Contributions-Geldern 
refundirt wurde. Die Hofkammer Hess den Milizen, „wenn solche auf 
der Wacht" waren, „aus Gutwilligkeit und nicht aus Schuldigkeit 
täglich eine Portion Brod reichen" '). 

Im Verhältnisse zu jenen Massregeln, welche in Mähren und 
Schlesien zur Verteidigung der Grenzen gegen die ungarischen 
Rebellen durch Landesaufgebot getroffen wurden, stand die Territorial- 
Miliz der Küstenländer entschieden obenan. Ihre Organisation und 
die Uebung in den Waffen machte sie zum Kriegsdienste um so mehr 
brauchbar, als die Bewohner durch Klima und Boden abgehärtet und 
an Entbehrungen gewöhnt waren. 

Die Landes-Defension gegen die Einfälle jener räuberischen 
Horden, welche Räkoczy zur Verwüstung der an Ungarn grenzenden 
Erblande aufgeboten hatte, konnte dem Zwecke nicht entsprechen: 
einerseits weil sie einer streng militärischen Organisation entbehrte, 
andererseits weil die „Stellen" dreier Länder, nämlich von Böhmen, 
Nieder-« »Österreich und Inner-« »Österreich (Steyermark) ihre Massregeln 
von einander unabhängig trafen. Völlig an einem militärischen Principe 
aber mangelte es bei der Landes-Defension von Schlesien und Mähren. 
so dass nach bitteren Erfahrungen erst während des Verlaufes der 
Campagne in Ungarn der Hofkriegsrath Directiven ertheilen musste. 
Besser war es um die Grenzen Nieder-Oesterreichs bestellt. Diese 



7y 

Provinz hatte sechs Land-Dragoner-Compagnien aufgestellt, welche, 
obschon die Zahl dieser Truppe nicht immer ausreichte, mit grosser 
Aufopferung an derMarch and Leitha erspriessliche Dienste leisteten. 
Steyermark hatte mit den Defensions-Massregeln so lange gezögert, 
bis die Rebellen unmittelbar die Grenze bedrohten, und erst im letzten 
Augenblicke musste der Hofkricgsrath anordnend eingreifen. 

Zum .Schutze der noch im Besitze der Kaiserlichen befindlichen 
Städte und Festungen in Ungarn, wie Pressburg, Oedenbui'g, Komorn, 
Ofen, Grosswardein u. s. w., zum Tlieil auch an Schlesiens Grenze, 
standen Frei-Compagnien in Verwendung. Nach dem Präliminare für 
das Jahr 1705 sollte deren Anzahl 43 betragen, doch ist dieselbe nicht 
genau nachweisbar, da ihrer in den Acten nur selten und auch 

dann blos in vagen Ausdrücken Erwähnung geschieht. 

Auch die Grenzmilizen, welche im Banat, in Syrmien und Slavonien 
aufgeboten wurden, lassen sich der Gesammtzahl nach nicht feststellen, 
da dieselben als ungeordnete Massen gesammelt und gegen den Feind 
ire führt wurden. 



Die Miethtruppen. 

Des Kaisers Hausmacht war im Jahre 1705 um so weniger 
zureichend, als die Wirren in Ungarn und die Festbaltung Bayerns 
einen wesentlichen Theil derselben absorbiren mussten. 

Es kam nun in Frage, was von den meist mit den Subsidien 
der Seemächte bezahlten Miethtruppen bei Beginn der Operationen 
für das eine und für das andere Kriegstheater verfügbar werden 
sollte. Im Vorhinein festgesetzt hatte man blos, dass Preusseu „ein 
Coi-ps von 6000 Mann Infanterie und 2000 Mann Cavallerie nach 
Italien semle-. welches „vereint mit den Truppen des Kaisers für 
das Wohl und das Interesse der Alliirten zu wirken" bestimmt war 1 ). 

Ein ansehnlicher Theil der im Solde der Seemächte gestandenen 
Truppen des römischen Reiches aber musste dem Rufe folgen, welcher 
von England oder Holland ausging. Dadurch entstand gegenüber dem 
Reichsoberhaupte eine Doppelstellung 9 ), welche, falls es den Souverainen 
der betreffenden Contingente oder selbst deren Gommandanten be- 
liebte, nur zu leicht Ausflüchte gestattete. Der Mangel an Einheit im 
Oberbefehle, welcher durch die Coalition an und für sich schon 
grosse Dimensionen annehmen musste. ward durch das Verhältniss, 



'I Hofkaramer-Archiv; 
'i Supplement-Heft Ni 



in welchem ein Theil der Miethtruppen zum Ganzen stand, in bohem 
Grade gesteigert. Lange blieb es unentschieden, ob die Preussen und 
Churpfälzer zur Armee des Markgrafen von Baden oder zu jener 
Marlborough's stossen sollten. Erstere bestanden aus 11 Bataillonen 
(7830 Mann) und 21 Escadronen (3840 .Mann). Werden hiezu noch der 
Generalstab, das Feld-Commissariat, Proviant-Fuhrwesen (160 Köpfe) 
und die Feld-Artillerie (180 Köpfe) gerechnet, so ergibt sich ein 
Totale von 12.010 Mann. 

Die Churpfälzer, nominell mit 6000 Mann Infanterie (Garde zu 
Fuss, Grenadiere, Burscheid, Bentheim, Jaxthausen und Nassau-Weil- 
burg zu je 1000 Mann) und 3500 zu Pferd (Garde zu Pferd. Franken- 
berg, Wieser, Wenningen, Velilen, Leiningen, Nassau zu je 500 Pferden), 
standen in dem nämlichen Verhältnisse wie die Brandenburger. 

Aber nicht allein die Sorge um Gewinnung von Miethtruppen 
lastete schwer auf dem Reichsoberhaupte, auch dabin sollte der 
Kaiser wirken, dass ausser am Rhein (für die Reichs-Armee) auch 
an der Mosel die Proviantmagazine vorbereitet und behufs der Zu- 
fuhren die erforderlichen Trains organisirt würden '). Als England 
im März von den schleppenden Kriegsvorbereitungen an der Mosel 
Kunde erhielt, hatte es nichts Eiligeres zu thun, als zu drohen. 
Resident II off mann schrieb an den Kaiser: „Nachdem das Unter- 
haus sich die respectiven Quota, wozu sich die Alliirten zur Fort- 
setzung des Krieges verbunden, vorlegen lassen und daraus wahrge- 
nommen, dass von Euer kais. Majestät das Versprochene nicht prästirt 
wird: also hat sich das Unterhaus über alle Massen übel darüber 
vergnüget gezeiget und Ihro Majestät die Königin vermittelst einer 
Adresse gestern (den 9. März) gebeten, Dero Aeusserstes bei den Alli- 
irten anzuwenden, um damit dieselben ihren Tractaten ein Genüge 
thun mögen, wie nicht weniger sich nachdrücklichst angelegen sein zu 
lassen, damit zwischen E. k. M. und Dero in Ungarn sich in Waffen 
befindlichen Unterthanen (um mich derselben Expression zu bedienen) ein 
Vergleich gemacht und E. k. M. dadurch in den Stand gesetzt werden 
mögten, mit mehreren Nachdruck wider Frankreich agiren zu können. 
Von was Wichtigkeit dieses, des Unterhaus Begehren ist. und was grosse 
Reflexion man darauf zu machen hat, ist von Selbsten leicht zu er- 
messen, da das Unterhaus einzig und allein von den Geldsubsidien 
disponirt, folglich allein von dem Krieg und Frieden Meister ist, und 
vor der Hand auf Friedensgedanken fallen dürfte, wofern auf seine 
Voi'stellung die gemessene Attention nicht gemacht würde"*). 

'I Laniliorty, liaml III, Seite 448 und 149. 

■•, Haus-, Hof- und Staats-Archiv. Angliea; März 170'.. 



81 

Die nämliche Stimmung machte sieh in Holland geltend, denn 
in einem Gesandtschaftsberichte vom Mai aus dem Haag ist bemerkt: 
. . . „in Ansehung, dass die Inaction an E. k. M. Hofe täglich zu- 
nehme, und dass, woferne es sich damit nicht bald änderte, das Volk 
in Holland nichts mehr zum Krieg contribuiren wolle; zumalen es in 
genere die Impression gefasst habe, dass man sich ohne ernstliches 
Zuthun E. k. M. nur umsonst bemühe, die spanische Monarchie zu 
recuperiren. und folglich die grausamen Summen Geldes, so man dazu 
anwende, ebensoviel als ins Meer sclimeisse 1 )". 

An Bemühungen des Kaisers, mit ansehnlicher Truppenmacht 
sich an dem Kriege zu betheiligen, hatte es nicht gemangelt. Aber nur 
der Churfürst von der Pfalz Hess sich herbei, mit Leopold Leinen 
Recess abzuschliessen. Derselbe hatte sich verpflichtet, „3200 Mann 
Infanterie in zwei Regimentern, und 900 Mann zu Pferd, gleichfalls in 
zwei Regimentern formirt, im Ganzen 4000 Mann unter Commando eines 
General-Wachtmeisters, sammt dem erforderlichen Generalstabe und 
denen dazu gehörigen Regimentsstücken, vollkommen montirt nach 
Italien zu senden". Ohne Noth und Kriegsraison „sollten diese Truppen 
nicht getheilt, im Uebrigen aber unter kaiserliches Commando" gestellt 
werden. 

Zu Beginn des Jahres war unbedingt nicht mehr zu erlangen, 
es fehlten ja die Mittel selbst zur Ergänzung und Ausrüstung der 
Hausmacht. Bei der in der Folge gesteigerten Bedrängniss aber musste 
der Kaiser wiederholt versuchen, zur Verstärkung der Armee in Italien 
Hülfstruppen zu gewinnen. Unterhandlungen mit Wolfenbüttel, 
mit dem Dom-Capitel von Hildesheim und ebenso die mit Würz- 
burg und Württemberg angebahnten Tractate blieben völlig erfolglos. 
Einerseits waren die Forderungen exorbitant, andererseits konnte der 
Kaiser keine Garantien bieten, welche die Reichsfürsten befriedigt hätten. 

Ein im September vom Könige A u g u s t II. von Polen gestellter 
Antra- zur Beistellung von 0000 Mann 2 ) konnte nicht angenommen 
werden , weil an denselbeu eine Garantie der Seemächte für die 
sächsischen Lande geknüpft war. England und Holland erklärten: „so 
wie der König von Polen in Ermanglung anderweitiger Sicherheit, 
solche auf seine eigenen Kräfte weide ankommen lassen und seine 

Truppen nicht zertheileu und entfernen könne Die Garantie 

sei eine unmögliche Sack, mit welcher man behutsam verfahren müsse 
sintemalen solche ein grosses Feuer anzünden könne" i. 



') Haus-, Hof- and Staats-Archiv, Hollandica; Mai 1705. 

•i Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Hollandica; September 1"0.">. 

3 I Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Anglica; September 1705. 



82 

Die dänischen Truppen, welche in Bayern in Winterquartieren 
lagen, waren schon in dem Präliminare für Ungarn bestimmt, doch 
zögerte der Wiener Hof, da die Seemächte sich voraussichtlich ^vp'ii 
die Ausführung dieses Verhallens mit aller Macht sträuben mochten. 
Und in der That legt es die diplomatische Correspondenz, welche mit 
England, Heiland und Dänemark während der ersten sechs Monate 
geführt wurde'), offenkundig an den Tag, dass die Seemächte nichts 
unversucht Hessen, das dänische Cotingent für den Krieg gegen Frank- 
reichs Ostgrenze zu gewinnen. Im März berichtete z. B. der Resident 
Eansess: „Der holländische Gesandte rührt wegen Ungarn die Lärm- 
trommel und verschlimmert die Stimmung des Königs von Dänemark 
gegen den (Wiener) 1 1 * ► t " - - ^ ' - 

Kaiser Leopold I. erlebte die Erfüllung seines Wunsches nicht; 
auch sein erlauchter Nachfolger Joseph I. musste noch viele Sorge 
und Mühe aufwenden, um endlich gegen Schluss des Monates Juni 
die dänischen Truppen nach Ungarn aufbrechen lassen zu können. 
Schon am 24. November 1704 war an den dänischen General-Lieu- 
tenant Harboe die Ordre ergangen, innerhalb zweier Monate jedes 
Regiment Infanterie auf 1300 Mann zu recrutiren, die Cavallerie und 
Dragoner aber auf 800 Pferde zu remontiren. Anfangs Jänner hatte 
das Infanterie-Regiment Harboe blos 758, Osten 595, Maltzahn 656, 
Ende 661 Mann effectiv; Dithmar-Cavallerie 609 Mann und 368 Pferde, 
Gerstorff - Dragoner 600 Mann und 373 Pferde. Es waren mithin 
namhafte Abgänge zu decken. Dazu gebrach es aber an Geld, nach- 
dem die Dänen gleichfalls auf die Hilfsquellen in Bayern angewiesen, 
diese aber nur theilweise zu erlangen waren. Erklärlich ist es darum, 
dass noch Ende April sich der Abgang beim Infanterie-Re<nmente 
Harboe mit 469, Osten mit 694, Maltzahn mit 575, Ende mit 577: 
Dithmar-Cavallerie mit 1262 Mann und 467 Pferden, endlich Gerstorff- 
Dragoner mit 273 Mann 520 Pferden bezifferte, obschon sich diese 
Truppen in der Ober-Pfalz in Cantonnirungen befanden und dort der 
Ersatz viel leichter zu bewerkstelligen gewesen wäre, als in anderen 
Theilen des Reiches 3 ). 

Bei dem Verhältnisse Oesterreichs zur Schweizerischen 
Eidgenossenschaft*) war nicht blos an keine Vermehrung oder 
Completirung jener zwei Schweizer -Regimenter zu denken, welche 

') Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Danica, Anglica und Hollandica in den 
Monaten Jänner — hmi 1705. 

*) Kriegs-Archiv, Ungarn, 170.".; Vase. 1. 2 und ad 2. 
») Kriegs-Archiv, Ungarn, 1705; Fase. XIII. 6. 
4 ) Siehe Einleitung. 



83 

vom Vorjahre her in kaiserlichem Solde standen, sondern es konnte 
auch aus begreiflichen Gründen die Verwendung derselben bei den 
Operationen nicht stattfinden. Sie erscheinen in dem Präliminare 
für 1705. ferner in der Uebersicht des Standes der Garnison von 
Freiburg (23. Juli 1705) unter dem Namen Erlach mit 938 Mann 
effectiv angeführt '). 

Von Seite Russlands erfolgte schon im Jänner die durch 
Patkul und den Fürsten Galliz in abgegebene Erklärung, „der Zar 
sei Willens, dem Kaiser mit Pferden und Mannschaft an die Hand zu 
gehen-'. Diesem Ansinnen pflichtete der flofkriegsrath nicht bei, indem 
er dagegen bemerkte: „man könne wegen der Mannschaft keinen 
Glauben beimessen, auch sei dies gegen alle politica zu erachten, zu- 
malen diesen Barbaren die Kriegskunst zu erlernen, alle Gelegenheit 
vielmehr zu benehmen als zu geben" ; die „Sach von die Pferd" da- 
gegen wurde „approbirt", nur sollten diese „bei ruhiger Zeit an die 
Siehenbürger Grenze abgeführt werden" 3 ). Eine derartige Idee konnte 
sich aber nicht verwirklichen, da eben Siebenbürgen bis zu Kode 
des Jahres 1705 beinahe vollständig in den Händen der Rebellen 
war. Das Ablehnen hatte auch seinen ({rund darin, in keiner Weise 
bei dem Streite der nordischen Mächte in Mitleidenschaft gezogen zu 
werden. 



Rüstungen der Alliirten des Kaisers. 

England hatte, wie erwähnt, an der günstigen Entscheidung 
des Krieges gegen Frankreichs Ostgrenzen und auf der Pyrenäischen 
Halbinsel das grösste Interesse und darum betrieb es schon zu Beginn 
des Jahres die Rüstungen der Land- und Seemacht für diese beiden 
Kriegstheater mit grossem Eifer. Gelang nämlich der gegen das Herz 
Frankreichs geplante Sehlag, so waren die daraus für das britische 
Inselreich erwachsenden Vortheile unberechenbar; misslang er, so 
sollten wenigstens in Spanien Eroberungen gemacht werden, welche 
bezüglich der Sicherung und Erweiterung des Seehandela als Surrogat 
gelten konnten. 

Die vom Jahre 1704 auf 1705 in den holländischen Winter- 
quartieren belassenen englischen Landtruppen wurden frühzeitig 
ergänzt und in kriegstüchtigen Stand gesetzt. Im April traf in Wien 
der Gesandtschaftsbericht ein: „Nachdem alle die Recruten, und zwar 



') Kriegs -Archiv, Römisches Reich. 1705; l'.-isc. VII. 30. 
2 ) Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Russica : Jänner 1705. 



84 

von auserlesener Mannschaft, für die englische Armee, so an der Mosel 
zu agiren hat, gemacht und ahgeführt worden, also lässt der (englische) 
Ilnl' anjetzto sechs neue Regimenter zu Fuss, nämlich drei in Eng- 
land und drei in Irland aufrichten, wofür bereits die Obristen ernannt 

sind ' )•'. 

Die für die Mosel-Armee bestimmten englischen Truppen be- 
standen aus: 18 Bataillonen und 12 Escadronen. Die Infanterie- 
Bataillone waren numerisch sehr stark, denn man hatte „aus den 
IS Bataillons leicht mehrere 20 formiren" können 2 ). 

Auch die für Spanien bestimmten englischen Landtruppen waren 
verhältnissmässig zahlreich, und berichtet hierüber Resident Hoff- 
mann schon im Jänner: „Die Augmentation (in Spanien) belangend, 
fallet es aus, wie ich alle Zeit vorhergesehen, obschon sich die 
Ministri allhier darüber nicht erklären wollen, nämlich dass man 
anstatt der 8000 Mann 1 2.000 Mann und noch 200 Seeleute, wovor das 
Parlament die Unterhaltung verwilliget, hergeben, davon aber die 
Besatzung von Gibraltar nehmen werde, welchemnach, wie im vorigen 
Jahre, 12.000 Mann Auxiliar- Völker gegen Spanien zu Land agiren 
werden. Die 5000 Mann Anlandungs- Völker, ohne die Marine-Truppen, 
so man hier resolvirt , können mithin für eine gute Augmentation 
passiren, sonderlich wenn Holland seine Quota dazu liefert, womit es 
aber noch keine Richtigkeit hat 8 )". 

Die für die Land-Operationen in Portugal bestimmte Auxiliar- 
Armee sollte, vermöge des Tractates vom 16. Mai 1703 ") aus 
12.000 Mann englischer und holländischer, und aus 20.000 Mann von 
den Seemächten bezahlten portugiesischen Truppen bestehen. 

Da sich zu Beginn des Jahres in Portugal ein ungewöhnlicher 
Abgang an Pferden zeigte, so hatte sieh Holland bereits im Jänner 
resolvirt, ausser 700 Recruten, von den für sein Contingent nöthigen 
550 Remonten 200 aus Holland beizustellen, 350 Stück aber in Irland 
anzukaufen. England, welches mit Einschluss der für die Genoralstaaten 
zu erwerbenden, 1300 Pferde liefern musste, kaufte Thiere, welche lin- 
den Krie,»-sp,-ebrauch viel zu klein und zu schwach waren, indem man 
das Stück zu dem Preise von 15 — 16 Thalern erstand. Da überdies die 
Krone Portugal anstatt der für ihr Contingent präliminirten Quota von 
1000 blos 500 Pferde aus Irland bezog, so war von der Wirksamkeit 
der Reiterei auf dem spanischen Kriegsschauplätze wenig zu hoffen. 



') Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Anglica; April 

'-) Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Anglica; April 

') Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Anglica; Jänn 

■') Sieh,- Band V, Seite 37 dieses Werkes. 



85 

England hatte überdies Proviant und Kxiegsmateriale für sämmt- 
liehe Verbündete zu liefern, vor dessen Eintreffen in Portugal an die 
nächsten Vorbereitungen zum Kriegt' sieh nicht denken Hess. Wie 
lange sich dieselben hinauszogen, erhellt zunächst aus dem vom 
General Dilkes Mitte März nach London erstatteten Berichte: „Es 
wird Alles aufgeboten, um so bald als nur immer möglich ins Feld 
zu rücken, dieses aber von der Ankunft des englischen Convoi und 
der Pferde, so sieh noch in Irland befinden, abhängt. Es dürfte 
noch 5 — 6 Wochen erfordern, ehe aller dieser Abgang angelangt 
und Alles in .Stand gerichtet ist." Der Convoi war am 28. Februar 
von England abgesegelt, während die Aufbringung der Pferde in 
Irland sieh bis zum 12. Mai verzögerte. Die Magazine für Getreide, 
Munition etc. konnten in Portugal an der Grenze Spaniens erst Mitte 
März angelegt werden, und ihre Füllung stand vor Ende April nicht 
zu gewärtigen. 

Für die maritimen Operationen beabsichtigte England 70 Fahr- 
zeuge, darunter drei zu 100. sechs zu 00. acht zu 80, sieben zu 70. 
drei zu 60 Kanonen, und nebstdem S Feuer- und 6 Bombenschiffe 
mit den nöthigen Transports-Fahrzeugen auszurüsten. Besondere Sorg- 
falt wendete man den Bedürfnissen der Marine-Truppen zu. Dieselben 
wurden auch mit „Zelten und Wachsdecken" versehen, um sie bei 
den Land-Operationen verwenden zu können. 

Holland war minder eifrig in seinen Rüstungen, und England 
niusste energisch einzuwirken suchen, um den Erfolg des Krieges 
nicht in Frage stellen zu lassen. 

Herzog von Marlborough hatte die Vorbereitungen in den 
Generalstaaten einigermassen beschleunigt; aber es wurden nur allmälig 
die Truppen für den Kriegsschauplatz in Flandern mobil gemacht, und 
für flie Operationen an der Maas waren vorläufig 29 Bataillone und 
73 Escadronen bestimmt. 

Im Inneren Hollands und in den Grenzfestungen Mastricht und 
Lüttich wurden Magazine errichtet. Ebenso üesscu die Generalstaaten 
eine grosse Anzahl von Fahrzeugen auf jenen Wasserläufen vorbereiten, 
welche für den Nachschub voraussichtlich benützt werden konnten. 
Namentlich waren dies die Maas und Scheide, auf denen Belagerung 
Materiale gegen Namur und Antwerpen gebracht werden konnte. 

Aber nicht blos bezüglich der Niederlande musste England 
auf die Generalstaaten einen fortwährenden Druck ausüben, auch für 
den Krieg auf der Iberischen Halbinsel that eine Beschleunigung 
Noth. Bei Gelegenheit des Ersuchens: „an der Bereitmachung der 
Escadre rüstig- zu arbeiten, wurde im Haag proponirt, selbe zu län- 



8(5 

gerem Ausbleiben dadurch zu befähigen, „dass man ihr von Seite 
Englands Proviant leihete und dadurch die Generalstaaten zu bewegen", 
Kriegsfahrzeuge zweiten und dritten Ranges zu gemeinsamer Operation 
zu überlassen '). 

Auch das Land-Contingent für Spanien hatte man im Eaag recht- 
zeitig auf den vollen Stand gebracht, und es zeigte sich ungleich 
mehr guter Wille für den Krieg auf der Iberischen Halbinsel, als für 
jenen gegen Frankreichs Ostgrenze. 

Portugal Hess bei den politischen und militärischen Zuständen, 
welche in diesem Reiche herrschten, kaum erwarten, dass die traetat- 
mässig in's Feld zu stellenden 15.000 Mann aufgebracht würden. 
Der Krieg in Spanien (siehe diesen Abschnitt) gibt ein trauriges 
Bild einer Landmacht, welche der Coalition eher grossen Schaden, 
als irgend einen Vortheil brachte. 

Pienaont musste zur äussersten Noth die vom Vorjahre noch 
erübrigten wenigen Truppen durch den Schutz der Kaiserlichen vor 
völliger Vernichtung zu bewahren trachten, und von Ergänzungen und 
Rüstungen konnte um so weniger die Rede sein, als der Herzog von 
Savoyen einen grossen Theil seines Reiches schon zu Beginn des 
Jahres verloren hatte. Er war und blieb lediglich auf jene Hülfe ange- 
wiesen, welche von Seite des Kaisers gebracht wurde 



Rüstungen Frankreichs. 

Zweifellos waren die materiellen Htilfsquellen Ludwig XIV. 
stark, aber keineswegs bis zur Erschöpfung in Anspruch genommen. 
während die Coalition bei Aufbringung der Streitkräfte sich zu über- 
mässigen Anstrengungen genöthigt sah. Fabelhafte Summen forderten 
wold die politischen Machinationen, zu deren Beschaffung die schonungs- 
lose Ausbeutung Frankreichs nicht ausreichte. Auch dieses musste 
trachten, der Ebbe in den Finanzen durch Credit-Operationen vorzu- 
beugen. So z. B. hatte schon in den ersten Monaten des Jahres 1705 
der churbayerische Tresorier Bombarda sich beworben, ob nicht 
gegen gewisse Obligationen auf das Stadthaus in Paris eine Antici- 
pation von einigen Millionen Gulden möglich würde. Da nun als 
Köder die Bezahlung längst fälliger Interessen von anderen Anlehen 
für den Fall der Aufbringung des Geldes zugesagt wurde, so fanden 
sich in den Generalstaaten, namentlich in Amsterdam willfährige 
Capitalisten. Aber auch die Provinz Holland, und so alle übrigen, 



'} Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Hollaudi 



87 

erklärten sich bereit, diese Obligationen anzunehmen; der Eigennutz 
wirkt ja so mächtig, dass er bei vielen Individuell das Gefühl natio- 
naler Ehre vergessen lässt. Während mehrerer Monate wurde diese 
Angelegenheit so geheim betrieben, dass der kaiserliche Gesandte im 
Haag, Graf Goess, erst Kenntniss davon erhielt, als sie im Mai eine 
nahezu vollendete Thatsache war '). 

Die Verluste an Truppen, so bedeutend sie auch im vorher- 
gegangenen Jahre gewesen sein mochten, Hessen sieh ohne besondere 
Schwierigkeiten ersetzen. Der Hauptausfall bei der Infanterie wurde 
dadurch gedeckt, dass die Milizen in die Reihen der Regimenter 
eintraten. 

Bei der Schweizerischen Eidgenossenschaft hatte der französische 
Botschafter schon im Jänner eine neue Werbung begehrt. Diese 
leichter zum Abschlüsse zu bringen, wurden viele Deutsche, welche 
sich bei den von Frankreich besoldeten Schweizer-Truppen befanden, 
„von danuen hinweggenommen und bei anderen (specirisch französischen 
Regimentern) Untergeschossen 1 ', um dadurch zeigen zu können, „wie 
die Anzahl der 16.000 Mann, so die Eidgenossenschaft der Krone von 
Frankreich im Fall der Noth vermöge Bündniss zu stellen schuldig, 
nicht im vollkommenen Stand, und folglich die ansuchende Werbung 
neuer Völker nicht abgeschnitten werden könne" 2 ). 

Freilich war dies eine schreiende Verletzung der Tractate, aber 
in den gefälschten Nachweisen hatte sich das Mittel gefunden, mit 
einigem Anscheine von Recht auf der Werbung neuer Schweizer- 
Truppen bestehen und den Reclamationen der Verbündeten gegen 
über der Schweiz vorbeugen zu können. Ausserdem aber trachtete 
Frankreich unter dem Auscheine dieser Recrutirung auch seine 
Xational-Milizen aus der Schweiz ansehnlich zu verstärken, eventuell 
jene Lücken, welche die Ergänzung des stehenden Heeres hervorrief. 
wieder auszufüllen 3 ). 

Auch in Italien, d. h. nicht nur in Rom, sondern auch in vielen 
anderen Orten des Kirchenstaates, warben die Franzosen zahlreiche 
Recruten an, so dass sie jede Woche, vom Beginn des Jahres an 
gerechnet, 15, 20 und mehr Mann nach Neapel senden konnten. Diese 
Werbung geschah unter dem Vorwaude. „den Regimentern blos die 
eingefangenen Deserteure zurückzuschicken", obgleich erwiesen war, 
dass jene Leute lediglich aus Eingeborenen der römischen Ortschaften 
bestanden. Der kaiserliche Botschafter Graf Lamberg interpcllirte 



') Haus-, Hof- un.l Staats- Archiv, Hollandica : Mai 1705. 
2 ) Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Helvetica; Jänner 170 
'l Haus-, Hof- unil Staats-Arcliiv. Helvetica: .lämier l'i 



88 

diesfalls die römische Curie, welche vorgab, nichts zu wissen, unge- 
achtet ganz Rom solche Vorgänge laut tadelte 1 ). 

Auch diese Werbungen hatten ihren guten Grund. Officiere und 
Soldaten der Krone Frankreichs, die sich in Neapel befanden, betrugen 
nicht über 500 Mann. Aber gerade dieser Theil des spanischen Be- 
sitzes in Italien war nicht hinreichend gesichert. Die wenigen Truppen 
Ludwig XIV. hatten ihre Dislocirung in den Ortschaften entlang der 
Küste und seihe mussten überall Schiffe bereit halten, um imFalleder 
Noth sich durch die Flucht retten zu können. Alle festen Puncte dagegen 
hielten die Spanier besetzt, welche keinem Franzosen, ja nicht einmal 
den (Meieren den Eintritt gestatteten. Die ..Truppen der einen und 
der anderen Nation" aber waren in erbärmlichem Zustande, und das 
Volk von Neapel zeigte „öffentlich Widerwillen gegen die Franzosen" 1 ). 

In ähnlicher Weise, wie in Italien, hatte Ludwig XIV. die Com- 
pletirung der churbayerischen und cölnischen Regimenter, die sieh 
in den Niederlanden befanden, dadurch ermöglicht, dass sie in den 
angrenzenden Provinzen Werbungen vornehmen durften. 

Nach den französischen Quellen besorgte die Schweiz den Ersatz 
an Pferden für die Reiterei 3 ). Selbstverständlich konnte dieses Landaus 
seinen eigenen Hülfsquellen einen solchen Freundschaftsdienst nicht 
leisten. Ungeachtet des Ausfuhrverbotes in den österreichischen Vorlanden 
wurden aus diesen allein 1000 Pferde in die Schweiz geschmuggelt, 
und in Bayern bemühten sieh Manche mit gutem Erfolge, Pferde der 
aufgelösten churbayerischen Armee Frankreich in die Bände zu spielen. 

Um den im Vorjahre durch die erlittene Niederlage gesunkenen 
Elan im französischen Heere zu heben, erfolgte eine noch nie erlebte 
Massenbeförderung in den höheren Chargen; es wurden 60 Lieutenants 
generaux, 78 Marechaux de camp, 28 Infanterie- und 15 Cavallerie- 
Brigade-Commandanten neu ernannt. 

Ludwig XIV.. von den grossartigen Plänen seiner Gregner in 
Kcnntniss gesetzt, suchte auf allen Kriegstheatern ebenbürtige Armeen 
in's Feld zu stellen. Vorläufig bestimmte er 100 Bataillone und eben- 
soviel.- Escadronen für Italien: 80 Bataillone und 100 Escadronen für 
die spanischen Niederlande ; 70 Bataillone und 100 Escadronen für die 
Mosel Armee. 50 Bataillone und 60 Escadronen für das Elsass ; für den 
Kriegsschauplatz auf der Iberischen Ealbinsel jedoch wurden blos 
Verstärkungen „quelque renforts" in Aussichl genommen*). 



') Baus-, Hof- im 

-I Haus , Hof- un 
'I Pelet, 1705; V, 

•') Pelet, 1711.-.; V 



89 

Dieses ursprüngliche Präliminare erlitt alier Modificationen, und 
zu Beginn der Campagne war der effective Stand der einzelnen 
Armeen folgender: 

In Italien, wo der Herzog von Ven dorne den Oberbefehl 
führte, hatte eine Theilung der Streitkräfte, nämlich für Piemont und 
für die Lombardei stattgefunden. 

Im April standen der austro-savoyischen Macht in Piemont 60 Ba 
taillone und 63 Escadronen gegenüber 1 ), während unter dem Ober- 
befehle des Grosspriors für die Eröffnung der Campagne. 37 Bataillone 
und 55 Escadronen bestimmt waren. Dazu sind aber jene Truppen zu 
rechnen, welche in Garnisonen am Oglio, in Castiglione, Mantua. 
Ostiglia und Revere, zu Modena, vor Mirandola und am unteren Po 
standen und mit Zurechnung der italienischen Feldarmee eine Macht 
von 52 Bataillonen und 05 Escadronen ergaben*). 

Den Winter hindurch hatten die französischen Truppen vor 
Verrua starke Einbusse erlitten. Die ersten Monate des Jahres genügten 
aber vollkommen, um sowohl aus dein Mutterlande, als auch aus Spanien 
und Neapel die nöthigen Ergänzungen und Verstärkungen dahin zu 
dirigiren. Durch das Thal von Aosta allein kamen 17.000 Recruten 
und 2000 Remonten; eine fernere Verstärkung durch lti Bataillone 
stand in Aussicht. In Genua wurden 20 schwere Kanonen und Projectile 
in grosser Zahl ausgeschifft. Zur Ergänzung des schweren Geschützes 
aber hatten die Franzosen überdies in Pavia Anstalten getroffen und 
aus der Provence und dem Elsass kamen Kanonen und Munition. 
Für die materielle Existenz erwuchsen für die Truppen in ( Iber-Italien 
wenig Sorgen; denn in dem von der Natur gesegneten, reichen Lande 
konnte um so weniger Mangel eintreten, als einerseits die Bewohner 
[eventuell die Regierungen) den Franzosen sich willig zeigten, anderer- 
seits dort, wo dies nicht der Fall war, Gewalt und Zwang angewendet 
wurde. 

An Frankreichs Nordostgrenzen, d. i. aut den Kriegs- 
theatern in Flandern, an der Mosel und im Elsass. hatte die 
Sachlage wohl eine weniger günstige Gestalt; gefährlich war sie aber 
keineswegs. Die Mächte der grossen Coalition verschuldeten es selber, 
dass ihr einziger Gegner die Angriffspläne recht bald durchschauen 
und schon zu einer Zeit Gegenmassregeln einleiten konnte, während 
sie selbst über das Wie noch nicht einig und im Reinen waren. Nach 
den französischen Quellen wusste Ludwig XIV. bereits Anfangs 
Jähner, welches Gewitter sieh an seinen Nordostgrenzen zusammen- 

■1 Pelet, Archives du depöt de la guerre. Vol. 1873. Nr. 213. 
«) Pelet, Archives du dgpöt de la S uerre Vol. 1865. Nr. 52. 



90 

ziehen sollte; es blieb ilun kein Geheimniss, dass die Alliirten gegen die 
spanischen Niederlande, an der Mosel und im Elsass gleichzeitig mit 
ihren Heersäulen anstürmen würden. Freilich war es noch Geheimniss, 

wohin heim Angriffe der Schwerpunct verlegt werden würde. Vor- 
läufig stellte durum der König drei Armeen auf. In den Nieder- 
landen unter dem Oberbefehl des Marschalls Vi 11 er oy (dem Namen 
nach unter Max Emanuel von Bayern) waren 54 Bataillone 
und 107 Escadronen schlagfertig 1 ). Schon im Jänner wurden ausge- 
dehnte Befestigungen neu errichtet, und die vom Vorjahre herrührenden 
vorstärkt. Vorräthe aller Art Hess Ludwig XIV. in den festen Plätzen 
aufspeichern und diese namentlich an der Grenze in vertheidigungs- 
fähigen Stand setzen. An der Mosel, wo Marschall Villars das 
Commando zu fuhren bestimmt war, hatten sich 55 Bataillone und 
100 Escadronen zu versammeln. Für diese ward der Proviant nicht 
ans dem Mutterlande, sondern aus den der Grenze nächstliegenden 
Reichsgebieten entnommen. Ehe die Alliirten noch an die Anlegung 
von Magazinen dachten, fanden sie in der Nähe von, Longwy, Metz 
und Marsal die Subsistenzmittel der Landesbewohner aufgespeichert. 
Für das Elsass endlich waren unter Marschall Marsin 25 Bataillone 
und 35 Escadronen zum operativen Dienste, und 22 Bataillone nebst 
12 einzelnen Compagnien für die Garnisonen Pfalzburg, Fort Louis, 
Festung und Citadelle Strassburg, Kehl, Schlettstadt, Alt- und Nou- 
Breisach, Hünningen und Beifort bestimmt. 

Die Widerstandsfähigkeit dieser drei Armeen (Viller oy, 
Villars, Marsin) lag keineswegs in deren numerischer Stärke und 
ebensowenig in dem inneren Gehalte der Truppen. Richtige und 
volle Ausnützung aller, sowohl durch die Missgriffe der Verbündeten 
herbeigeführten, als durch die geographische, Position des französischen 
Reiches dargebotenen Vortheile waren es, welche Ludwig XIV. im 
Jahre 1705 seine Stärke verliehen. 

Um auf allen drei bedrohten Theilen der nordöstlichen Reichs- 
grenze mit hinreichender Truppenmacht bereit zu sein, dazu reichten 
die vorstehend ausgewiesenen drei Armeen unbedingt nicht aus. In 
der Art der Organisirung des Widerstandes musste das Mittel gesucht 
werden, den örtlich überlegenen Streitkräften der Coalition so lange 
Schach bieten zu können, als Zeit nöthig war, um von den weniger 
bedrohten Theilen des ausgedehnten Gebietes die nöthigen Ver 
Stärkungen heranzuziehen. Darum war vorweg das Hauptaugenmerk 
darauf gerichtet, die kürzesten Routen, welche die Streitkräfte an der 



91 

Mosel einschlagen mussten, um nach Flandern oder in's Elsass zu 
gelangen, und vice versa, vorzubereiten. Die Errichtung gut gefüllter 
Entrepots bewahrte vor dem Mangel an Mundvorrath und vor der 
Sorge, solchen zu einer Zeit herbeizuschaffen, während welcher die 
Ausführung rascher Bewegungen nöthig war. Und so finden wir den 
allgemeinen und höchst wichtigen Grundsatz für die Kriegführung: 
„Active Verteidigung" mit Geschick vorbereitet. 

Das Hauptobject des spanischen Erbfolgestreites, das territo- 
riale Spanien, hielt Ludwig XIV. so wenig gefährdet, dass er. 
wie erwähnt, mit wenigen Verstärkungen aus Frankreich dem Marschall 
Tesse die keineswegs lohnende Aufgabe zuwies, eine im Zerfalle 
begriffene, kaum dem Namen nach bestehende Armee den von England, 
Holland und Portugal in's Feld zu führenden, numerisch gewiss an- 
sehnlichen Streitkräften entgegenzustellen. 

Hiebei rechnete der König sicher auf jene Unterstützung, 
welche er Tesse durch die maritimen Streitmittel angedeihen lassen 
konnte Doch diese, so sehr auch im Vorjahre an der Vermehrung, 
Ausrüstung und Verbesserung gearbeitet worden war, reichten nicht 
aus. in die Gesammtheit des Krieges ausschlaggebend einzugreifen. 
In dieser Beziehung befand sich Frankreich der Coalition gegenüber 
in einem ähnlichen misslichen Verhältnisse, wie die Seemächte zu 
Lande Ludwig XIV. gegenüber. Die vereinigten Flotten Englands, 
Hollands und Portugals repräsentirten zur See eine ansehnliche Macht, 
welche auf einem beliebigen Puncte der so ausgedehnten Küsten der 
gallospanischen Monarchie erscheinen und dort unbedingt mit dem 
o-rössten Vortheile operiren konnte; denn Frankreich musste nicht 
lilos an seinen eigenen, sondern auch an den spanischen Küsten 
mindestens die Hauptpuncte Toulon. Marseille, Cadix etc., und auch die 
Belagerungstruppen vor Gibraltar durch Kriegsfahrzeuge vor einer 
Ueberrumpelung bewahren, und dies eben nöthigte zur Zersplitterung 
der Kraft. Dessen scheint sieh Ludwig XIV. bewusst gewesen zu 
sein, weil er wenig Gewicht auf das Einwirken seiner Flotte legte 
und alle Dispositionen in dieser Beziehung das Gepräge der reinen 
Defensive tragen. Selbst den Schachzug gegen England, mit Fahr- 
zeugen, welche nach Schottland Waffen und Munition bringen sollten, 
wagte Frankreich nicht; die Flotten- Abtheilungen suchten das Weite, 
wo die Seemacht der Coalition in Wirksamkeit trat. 



Der Krieg in Italien. 

Allgemeine Lage auf dem Kriegsschauplätze in Ober-Italien. 

Mit Schluss des Jahres 1704 war in Ober-Italien der Krieg 
keineswegs zu Gunsten der Sache Leopold I. entschieden; ja die 
allgemeine militärische Lage konnte kaum schlimmer für die kaiser- 
lichen Truppen gedacht werden. 

Victor Am ade us, Herzog von Savoycn, hatte den nördlich 
des Po gelegenen Theil seines Reiches eingebüsst und dadurch nicht 
blos wichtige Einbruchswege aus Frankreich, sondern auch ressourcen- 
reiche Länderstriche, darunter namentlich das Thal von Aosta, dem 
Feinde überlassen müssen. Um die Hauptstadt Turin zu decken, auf 
deren schnelle Eroberung Ludwig XIV. nicht ohne Grund grosses 
Gewicht legte, behauptete der Herzog von »Savoyen mit seinen und den 
vom Feldmarschall Guidobald Grafen Starhemberg befehligten 
kaiserlichen Truppen vor der seit October 1704 von den Franzosen 
belagerten Festung Verrua am linken Ufer des Po bei Crescentino 
eine befestigte Stellung. 

Nur durch Behauptung der Po-Linie konnte der Besitz des 
südlieh derselben gelegenen Landes gesichert werden. Die beiden 
Puncte Crescentino und Chivasso waren gleichsam natürliche grosse 
Brückenköpfe, welche den Uferwechsel mit ansehnlichen Truppenmassen 
begünstigten und dadurch der auf die reine Defensive beschrankten 
austro-savoviselieu Armee das Ausharren ermöglichten. Insolange näm- 
lich diese beiden Stützpuncte in ihrer Gewalt blieben, war nicht leicht 
an eine erfolgreiche Action des Feindes gegen Turin ZU denken. Den 
Versuchen gegen dieses Hess sieh durch die flankirende Lage der 
beiden genannten Puncte schon aus dem Grunde zuvorkommen, weil 
die Verbindungen der Austro-Savoyer kürzer waren. 

Und eben darum machte ( ieneral Feldmarschall Graf Starhem- 
berg gewaltige Anstrengungen, die Po-Linie gegen überlegene feind- 



93 

liehe Streitkräfte so lange zu behaupten, Ins der von Kaiser Leopold 1. 
zugesagte Succurs eingetroffen sein würde. Diesen zu bewirken, war 
wohl ausserordentlich schwierig, denn zur Zeit des Jahreswechsels 
hatten die französischen Streitkräfte das ganze Land nördlich des Po 
bis zu den Alpen und östlich bis an den Mincio in ihrer Gewalt. 

Alier nicht blos der savoyische Besitz südlich des Po war gefährdel ; 
auch die Grafschaft Nizza, für deren Sicherung Victor Amadeus 
nur äusserst wenig thun konnte, lag dem Angriffe der Franzosen 
völlig preisgegeben. Sie konnten zu Lande und zu Wasser dieser 
Provinz beikommen, denn es gab kein Hinderniss, den Varo zu über- 
schreiten oder Truppen an der Küste zu landen. 

Während die austro-savoyische Armee, vom Feinde hart bedrängt, 
nur von den an der Grenze Tyrols bei Gavardo stehenden kaiserlichen 
Truppen Hülfe erwarten durfte, theilten letztere nahezu das gleiche 
Schicksal. Das Corps nämlich, welches General der Cavallerie Graf 
Leiningen bei Gavardo befehligte und welches die Deboucheeu aus 
Tvrol festhielt, war weder hinreichend stark, noch in einer Ver- 
fassung, dass es die Sachlage in Piemont zum Bessern hätte wenden 
können. 

Ludwig XIV. Streitkräfte standen in überlegener Zahl 
zwischen der austro - savoyischen Armee und dem schwachen Corps 
Leiningen, und nur eine annähernd numerisch ebenbürtige kaiserliche 
Armee konnte den Entsatz bewirken. Aber gerade in der Schwierig- 
keit für ( »esterreich, eine solche rechtzeitig aufbringen zu können, lag 
die Gefahr für den kaiserlichen Alliirten. Vermochte Leiningen 
bei Gavardo die Einbruchswege aus Tvrol nach Ober-Italien bis zur 
Ankunft der dringendst nöthigen Verstärkungen zu behaupten, so liesa 
sich erwarten, dass der schon 1704 zum Oberbefehlshaber auf dem 
italienischen Kriegsschauplatze designirte Prinz Eugen von Savoyen 
durch sein Feldherrngenie das Missverhältniss ausgleichen und seihst 
mit einer schwachen Armee dem hoffnungsvoll nach Wien blickenden 
Herzoge Victor Amadeus die ersehnte Hülfe bringen werde. 

Freilich waren die Chancen schon vorweg die ungünstigsten ; 
denn die Streitkräfte Ludwig XIV. hatten nicht blos die numerische 
Ueberlegenheit, die materiellen Hülfsquellen des Landes und die Stimmung 
der italienischen Staaten, sondern auch die Vortheile des Terrains für 
sich: auch bedurften sie keiner eigentlichen Operationsbasis, denn in 
dem reichen < »ber-Italien forderten und nahmen sie, was ihnen momentan 
gebrach. Dagegen machte es das aus den politischen Constellationen 
hervorgegangene Verhältniss zu den italienischen Staaten zu unab- 
weisbarer Nothwendigkeit, die kaiserliche Entsat/. Armee auf Tvrol 



94 

zu basiren; denn alle Nachschübe mussten aus den Erblanden durch 
die wenigen Thaldefileen dieses < Jebirgslandes erfolgen, und an ein 
Ausnützen der reichen Schätze Ober - Italiens war erwähntermassen 
nicht zu denken. Bei der so beschränkten Basis musste auch die Wahl 
der Operationslinien äusserst beschränkt bleiben. Es gab nur zwei 
Richtungen für die Entsatz-Armee. Schlug dieselbe den Weg von der 
Etsch direct nach Piemont ein, so war das < >perationsgebiet einer- 
seits durch die südlichen Abfälle der Alpen, andererseits durch den 
Po-Strom begrenzt. In solchem Falle konnte die Basirung auf Tyrol 
erfolgen und gesichert bleiben. Diesem directen Vordringen stand aber 
eine grosse Zahl hintereinander liegender Flusslinien entgegen, welche 
den französischen Streitkräften selbst dann für die Defensive wesent- 
liche Vortheile verliehen hätten, wenn ihre Zahl von jener der Kaiser- 
lichen überragt worden wäre. Vom Mincio bis zum Ticino gab es eben 
eine Reihe von natürlichen, mehr oder minder bedeutenden Bewegungs- 
hindernissen, denen die Franzosen durch Verschanzungen die grösst- 
mögliche Haltbarkeit zu verleihen suchten. 

Der zweite Weg auf dem rechten Ufer des Po führte wohl über 
weniger bedeutende Bewegungsbindernisse, aber das Einschlagen des- 
selben nöthigte zur Entfernung, ja völligen Preisgebung der Basis 
Tyrol. Nur ein einziger Stützpunct, die kleine Festung Mirandola jen- 
seits des Po, war im Besitze der Kaiserlichen. Schon die Anlage 
benahm diesem Puuete völlig die Möglichkeit, als Waffenplatz für eine 
operirende Armee dienen zu können, ganz abgesehen davon, dass der- 
selbe schwach besetzt, nicht mit Proviant und Kriegsbedarf versehen, 
endlich von überlegenen feindlichen Streitkräften cernirt, ja hart 
bedrängt war. Aber ungeachtet all' dessen musste doch Gewicht auf die 
Erhaltung dieser kleinen Festung gelegt werden, weil eben auf italieni- 
schem Boden, bei völligem Mangel anderweitiger Stützpuncte, selbst 
dieser auf den (lang der Operationen wesentlichen Emfluss üben konnte. 

Weder der König von Frankreich, noch sein Oberbefehlshaber 
in Ober-Italien. Herzog von Vendöme, unterschätzten das Günstige 
der Situation für die französischen Waffen, und wie die Sachen zu 
Beginn des Jahres standen, hatten Beide eine gewisse Berechtigung, 
die baldige Entscheidung zu ihren Gunsten erwarten zu können; 
wenngleich Vendöme bei weitem weniger sanguinische Hoffnungen 
nährte, als König Ludwig XIV. 

Ungeachtet der keinesfalls für die kaiserlichen Waffen günstigen 
Chancen, glaubte Kaiser Leopold I. doch dem Feinde in Ober-Italien 
mit Erfolg entgegentreten zu können, weil er das Geschick des öster- 
reichischen Doppelaars dem Prinzen Eugen anvertraut hatte. Der 



95 

Zauber, den dieser Name allein auf den Gegner auszuüben vermochte, 
zeigt sieh sc-Ihui darin, ilass Frankreich, ungeachtet der im verflossenen 
Jahre erlittenen schweren Verluste in Deutschland und ungeachtet 
des dort von den Alliirten vorbereiteten gewaltigen Schlages, nicht 
nur keine Truppen aus Italien zog. sondern im Gegentheile bestrebt 
war, seine Armeen in Piemont und in der Lombardei ansehnlich zu 
verstärken. Die eine davon sollte entweder den Herzog von Savoyen 
zum Bruche mit dem Kaiser nöthigen, oder völlig seiner Lande 
berauben, die andere hingegen jeden Entsatzversuch paralysiren. 

Auf verhältnissmässig kleinem Räume und nahe nebeneinander 
sollten vier Armeen (nach dem Begriffe der damaligen Zeit) das Glück 
der 'Waffen versuchen. Dabei nöthigte die allgemeine Sacldage den 
Herzog von Savoyen zur Abwehr des von Vendome fortgesetzten 
Angriffes, während in der Lombardei die von seinem Bruder, dem 
Grossprior befehligte französische Armee dem angriffsweisen Vor- 
gehen des Prinzen Eugou sieh entgegenstellen sollte. Dabei hatten 
aber die beiden französischen Armeen den gewaltigen Vortheil, in 
stetem Contacte bleiben und in Wechselbeziehungen treten zu können. 
um das Schwergewicht gegen den Herzog von Savoyen oder gegen 
den Prinzen Eugen zur vollen Geltung zu bringen, je nachdem die 
Umstände dies erheischten. Auf solche Weise mussten indirect beide 
Armeen des Kaisers einzeln gegen zwei des Feindes kämpfen, deren 
jede an und für sich numerisch überlegen war. 

Aber ungeachtet aller dieser in Aussicht stehenden Vortheile, 
hielt Ven dorne es für äusserst wichtig, Leiningen's zusammen- 
geschmolzenes, bei Gavardo stehendes Corps in das Tri dentinische 
zurückzuwerfen, ehe der kaiserlicherseits in Aussicht stehende Succurs 
auf italienischem Boden eintreffen konnte. Nach dem Falle von Verrua, 
welchen der französische Feldherr ganz nahe bevorstehend wähnte, 
sollte der Grossprior ansehnlich verstärkt werden, um diesen Plan 
durchzuführen. Gelang derselbe, so standen den Kaiserlichen schon 
blutige Kämpfe bei den Tyroler Gebirgs-Deboucheen bevor und sie 
mussten grosse Einbusse zu einer Zeit erleiden, in welcher von eigent- 
lichen Operationen noch im entferntesten nicht die Rede sein konnte. 

Den Intentionen Ludwig XIV.. die Belagerung von Turin 
schon am 15. Jänner 1705 zu beginnen, um durch schnelle Eroberung 
der Capitale den Krieg in Ober-Italien bald zu beenden und dadurch 
ansehnliche Streitkräfte für jenes Kriegstheater zu gewinnen, wo die 
Entscheidung des spanischen Erbfolgestreites fallen sollte, konnte und 
durfte der französische Feldherr keineswegs beipflichten. Er unter- 
schätzte nicht die Bedeutung, welche die austro savovische Position au 



96 

der Po-Linie hatte; auch hielt er es für schwierig, ja nutzlos, sich 
schon zu einer Zeit mit Conjuncturen zu befassen, in der .seilet 
annähernd sich noch kein richtiger Calcul ziehen Hess. Beide Gegner 
bedurften der Frist von mehreren Monaten, um nach den Kämpfen 
im verflossenen .Talire die Streitkräfte zu Atliem kommen zu lassen. 
die grossen Verluste zu ersetzen, mit Einem Worte, die Armeen 
förmlich neu zu organisiren. Freilich blieben beide Theile bis zu dem 
Momente der eigentlichen Schlagfertigkeit nicht müssig, und das Vor- 
spiel in den ersten Monaten des Jahres wirkte auf die eigentlichen 
( (perationen wesentlich zurück. 



Ereignisse bis zur Eröffnung des Feldzuges durch 
den Prinzen Eugen. 

d) In Piemont. 

Eigentümlich war das Verhältniss zwischen jenen beiden Haupt- 
personen, welche die austro-savoyischen Streitkräfte zu leiten hatten. 
Abgesehen von den scharfen Gegensätzen, welche schon die völlig 
verschiedenen Charaktere des Herzogs Victor Amadeus von 
Savoyen und des kaiserlichen Feldmarschalls Guido Graf S tarh ein- 
her g hervorrufen mussten, gab es in der politischen und militärischen 
Situation der Anlässe nur zu viele, welche wesentliche Differenzen 
zur Folge hatten. Einem Fürsten gegenüber, an dessen Hofe sich 
fortwährend Einflüsse geltend machten, die Vertragstreue in zweifel- 
haftem Lichte erscheinen zu lassen, konnte ein von Pflichtgefühl gegen 
seinen Kaiser durchdrungener Feldherr, der nebstbei in dem edelsten 
Sinne des Wortes ein vollendeter Cavalier war, nur mit äusserster 
Selbstverleugnung den Gleichmuth bewahren. Doch gelang dies 1705 
ebenso wenig als im verflossenen Jahre vollständig, und es mussten 
Mittelspersonen, ja der Kaiser selbst den ganzen Einfluss geltend 
machen, um den offenen Bruch hintanzuhalten. 

Wenn bei so bewandten Umständen kein wesentlicher Nach- 
theil für die Leitung der militärischen Angelegenheiten erwuchs, so 
ist dies dem Charakter S tarhemb e r g's zu danken, welcher rein 
subjeetive Eindrücke insoweit zurückstaute, als dies der Menschennatur 
überhaupt möglich wird. Dieser Factor muss aber vor Allem in's Auge 
gefaast werden, um die Ereignisse in Piemont richtig zu beurtheilen. 
Die austro-savoyische Armee war gebildet aus: 
Infanterie: Guido Starhemberg 2. Max Starhemberg 2, Daun 2. 
Lothringen 2. Kriechbaum 2. Regal 1, zusammen 11 Bataillone — 
und 15 Bataillone piemontesischer Truppen, in welchen Schweizer. 
Engländer und Miliz-Bataillone inbegriffen waren. 

Feldzttge des Prinzen Engen v. Savoyen VII. Band. 



Cavallerie: Darmstadt, Neuburg, Visconti, Taaffe, Pälffy, 
Jung-Lothringen, Martigay, Roccavione, Savoyen, Vaubonne, Sereni, 
Paul Deäk und Ebergeny, dann die savoyische Reiterei, aus drei 
Cavallerie- und drei Dragoner-Regimentern bestehend 1 ). 

Obschon über den Stand der austro-savoyischen Annee ofncielle 
Ausweise fehlen, so geht doch aus einem Aktenstücke hervor, dass 
Starhemberg, welcher „im vergangenen Jahr an die vierzehn- 
tausend Mann kaiserlicher Truppen nach Piemont geführt", zu Beginn 
des Jahres 1705 ..von der kaiserlichen Infanterie 835 Prima Plana 
und 2185 Mann vom Corpora! abwärts, und von der Cavallerie 
218 Prima Plana und 1629 berittene Mann dienstbar" '-') hatte. Aber 
selbst diese geringe Zahl litt empfindlichen Mangel, nachdem Victor 
Amadeus mit keinem Geldzuschusse auszuhelfen vermochte 3 ), und 
der kaiserliehe. Feldmarschall besorgte wohl zur Zeit des Jahreswechsels 
mit einigem Recht, dass nach dem unvermeidlichen Falle von Verrua 
die vorhandene Macht nicht mehr ausreichen werde, Chivasso, geschweige 
Turin gegen die feindliche Uebermacht zu behaupten. Die Recrutirung der 
gleichfalls sehr zusammengeschmolzenen savoyischen Truppen versprach 
nur ein dürftiges Ergebniss, denn das Thal von Aosta war ja verloren"). 

Der Schwerpunet der austro-savoyischen Streitkräfte musste am 
Po und überhaupt in der Nähe Turins bleiben, so dass zur Deckung 
der Grafschaft Nizza nur 2 Bataillone, 4 Frei-Compagnien (ä 100 Mann) 
und eine geringe Anzahl von Artilleristen erübrigten. Die dort aufge- 
botenen Milizen konnten weder in numerischer, noch in meritorischer 
Beziehung in Anschlag- kommen, denn sie mussten zeitweilig mit 
Gewalt zusammengetrieben werden, um bei der nächsten günstigen 
Gelegenheit, wieder auseinander zu stieben. 

Montmeillan war wohl noch im Besitze der savoyischen Truppen, 
welche sich holdenmüthig gegen die französischen Cernirungs-Truppen 
behaupteten; aber dieser Punct hatte seinen Werth als Thalsperre 
bereits im Jahre 1704 völlig eingebüsst ''). 



') Bedeutende Contingente dieser Regimenter, Krsatzinannseliatten und Pferd 
befanden sich bei der Armee Eugen's. (Siebe pag. IM"..) 

*) Kriegs-Archiv, Italien, 1705; Fase. I. Ca. 

3 ) Supplement-Heft Nr. 17, 18, 19. 

*) Kriegs-Archiv, Italien, 17115; Fase. I. 21. 

5 ) Der Besatzung wurde von den Franzosen angedroht, dieselbe nach de 
( ; ,-t;i tiiT' 1 1 ii ehimuie.- insgesamnit henkm zu lassen, und um dieser Erklärung Nach 
druck zu geben, wurden fünf Gefangene auf die Galeeren gesendet. Diesbezüglic 
bemerkte Obrist P e s m e de St. Saphorin in seinem Schreiben rom 28. Februar a 
den Prinzen Eugen, dass „eine solche Handlungsweise die strengsten Repressalie] 
verdien,-. (Kriegs-Archiv, 1705; Fase. II. 29.) 



99 

Bei der französischen Armee inPiemont, welche am 15. Oetober 1704 
mit 46 Bataillonen und 47 Escadronen die Belagerung von Verrua unter 
dem persönlichen Befehle des Herzogs von Ven dorne begonnen und 
mit zunehmender Hartnäckigkeit bis 1705 fortgesetzt hatte, sollte eine 
Gesammtstärke von 60 Bataillonen und 63 Escadronen erreicht werden. 
Dies schien um so weniger schwierig, als französische Truppen zu 
Beginn des Jahres verschiedene Puncte des bereits eroberten savoyi- 
schen Gebietes, theils zur Sicherung der Communication mit Frank- 
reich, theils als Garnisonen besetzt hatten. Uebrigens war schon das 
vor Verrua stehende französische Belagerungs-Corps ansehnlich genug, 
dass es unwillkürlich zur Frage drängt, wie die kleine, in dem be- 
festigten Lager von Crescentino stehende austro-savoyischc Streitmacht 
sieh so lange behaupten konnte. Es bedurfte eben der geschickten 
Führung und der mannhaften Thaten einer kleinen Schaar ausge- 
hungerter und abgerissener kaiserlicher Soldaten, und diese waren der 
geringe Rest des den feindlichen Geschossen und den Strapazen nicht 
erlesenen. 1704 in der Zahl von 14.000 Mann nach Piemont gezogenen 
kaiserlichen Uiilfseorps. 

Belagerung von Verrua'). 

Unter Befehl des kaiserlichen Christen von Fresen wehrte 
sich die Besatzung von Verrua*) zu Beginn des Jahres 1705 ebenso 
tapfer, wie sie dies seit Beginn der Belagerung (Oetober 1704) gethan. 
Die Feuerwirkung der französischen Artillerie war wohl gegen Ende 1704 
derartig gewesen, dass die Batterie Royal schweigen musste. Doch schon 
in den ersten Tagen des folgenden Jahres hatte die Besatzung alle 
Schäden beseitigt und konnte dem Feinde in entsprechender Weise 
antworten. Ausserdem erfolgten wiederholte kräftige Ausfälle, hei 
welchen die betreffenden Truppen selbst bis zu Ven dorne's Haupt- 
quartier vordrangen, so dass dieses durch ein eigenes Retranehement 
gedeckt werden musste. 

Der Angriff ward durch Vermehrung der Geschütze, welche der 
französische Feldherr aus dem Mailändischen heranzog, verstärkt, aber 
ungeachtet dessen zeigte sich kein Fortschritt in den Belagerungs- 
arbeiten. Um diese in ein richtiges Geleise zu bringen, sollte der 



') Siehe Band VI, Seite 251, Tafel III. 

2 j Die Stärke der Besatzung, welche hei dem Fall.- gegen 1500 Manu betrug, 
lässt sieh für die verschiedenen Phasen der Belagerung nicht genau angeben, da 
der Feldmarschall Starheinberg von dem Lager zu Crescentino beliebig Ver- 
stärkungen nach Verrua senden konnte. 



100 

[ngenieur Lapara aus Frankreich zu dem Belagerungs-Corps sich 
begeben, was aber vor Februar nicht möglich war. 

In die Eintönigkeit des Festungskrieges brachten die Minen - 
arbeiten einige Abwechslung. Am 2. Jänner hatte eine feindliche Mine 
\ ,,ni bedeckten Wege ein Stück Mauer gegen das Bastion Sta. Maria 
in den Graben geschleudert. Solchen Eventualitäten zuvorzukommen, 
liess Starhemberg fleissig an Gegenminen arbeiten und die bereits 
angelegten noch vermehren. Die wesentlichste des Feindes war jene 
welche er unter der Faussebraye vor dem Bastion S. Carlo vortrieb. 
Am 6. Jänner gelang es, durch eine Gegenmine den richtigen Punct 
zu treffen, und diese Arbeit der Franzosen „vollends zu ruiniren". 

Da in Folge der vortrefflichen Anordnungen S tarhemberg's 
auf solche Weise dem Platze nicht gut beizukommen war, versuchte 
es Von dAme mit der „Inbreschelegung". Am 7. und 8. richteten 
die Franzosen ein unausgesetztes heftiges Feuer gegen die beiden 
Bastionen S. Carlo und Sta. Maria. Glücklicherweise gelang es ihnen 
nur, vier Schiessscharten zu zerstören, die aber in der Nacht sogleich 
wieder in Stand gesetzt wurden. 

Das Vortreiben von Minen und die sofortige Gegenwirkung, 
Geschütz- und Mörserfeuer hielten sowohl die Belagerten, als die Bela- 
gerer fortwährend in Athem, bis das am 13. eingetretene üble Wetter 
eine Pause verursachte. 

Zu dieser Zeit berichtete Starhemberg an den Kaiser: „Obzwar 
schon nach möglichen Kräften suche, die Festung Verrua vielleicht 
noch dieses Monat hinaus zu erhalten, und bis dahin den Feind von 
seinen weiteren Progressen zu hindern ; so fallet doch um so schmerz- 
lich- und empfindlicher, dass so lange Zeit, so grosse Mühe und so 
viel Blut und Leben der besten und wackersten Soldaten, jedoch ver- 
geblich daran gestrecket wird, indem man uns in keiner Zeit, mit 
keinem Rath, Mittel oder Assistenz zu Hülfe kommt, hingegen dem 
Feind zu seinem Vortheil allzu viel Zeit und Gelegenheit gibt, von 
allen Seiten neue Streitkräfte heranzuziehen 1 )." Von seinem Stand- 
punete hatte der kaiserliche Feldmarschall gewiss Recht; mit Rück- 
sicht auf die allgemeine Sachlage aber entbehrten diese indirecten Vor 
würfe sicherlich der Begründung. 

Am 14. Jänner brachten nicht blos Ueberläufer, sondern auch ver- 
lässliche Kundschafter die Nachricht, der Gegner habe seine gesammte 
Reiterei und einen -'Ken Theil Infanterie, die er von verschiedenen 
Garnisonen zusammengezogen, gegen Turin in Bewegung gesetzt. 



101 

Starhemberg legte auf diese Mittheilungen kein besonderes 
Gewicht, weil er vermuthete, die Bewegung erfolge in der Absicht, 
die Truppen au.- dem Lauer von Crescentino hinwegzulocken, Verrua 
jede Verbindung mit dem linken Ufer abzuschneiden und dadurch 
die Belagerung zu erleichtem. Darum ordnete der Feldmarschall keine 
wesentlichen Truppenverschiebungen an, and seine Vorsichtsmassregeln 
beschränkten sich darauf, einige vorteilhaft gelegene Schlösser and 
Posten auf dem rechten Ufer des Po in der Richtung gegen Turin 
besetzen und verschanzen zu lassen. Auch ein Theil der Reiterei 
ward entlang des 1\> aufgestellt, um rechtzeitig < Jegomuas.-regeln l reiten 
zu können, falls die Franzosen ernstlich daran denken wurden, den 
(•reo und die Stura zu überschreiten. 

Bei der Dauer des üblen Wetters konnte von einem Fortschreiten 
der Belagerung Verrua's nicht die Kode sein. Aber aucb auf die Ver- 
theidiger blieb dasselbe nichl eine' Einfluss. Alle Wasserläufe, und in 
Folge dessen auch der Po, traten ans ihren Ufern, so dass die zur 
Verbindung Crescentino's mit Verrua errichtete Brücke abgetragen 
werden musste. 

Kaum aher hatten am 17. Jänner Regen und Schnee nur etwas 
nachgelassen, als Obrist Fresen neuerdings einen Ausfall anordnete. 
Eine verlialtnissmässi",- geringe Zahl kaiserlicher Grenadiere drang in 
der Nacht gegen den linken Flügel der feindlichen Approchen vor und 
vertrieb die in der ersten Parallele aufgestellten Franzosen völlig. Das 
anmittelbar danach von der Festung aus eröffnete und über 36 Stunden 
fortgesetzte heftige Feuer alarmirte das gesummte Belagerungs-Corps 
und zwang dasselbe, die ganze Zeit über und auch in der nächst- 
folgenden Nacht unter den Waffen zu bleiben. Konnte den Franzosen 
kein directer .Schaden zugefügt werden, so sollten sich doch wenigstens 
ihre physischen Kräfte abnützen. 

Schon am 25. ward abermals ein Ausfall unternommen, bei welcher 
Gelegenheit Fresen's Truppen eine neue Linie entdeckten, welche die 
Franzosen von ihrem linken Flügel gegen die Anhöhe gezogen hatten, 
um dort eine Batterie errichten zu können, welche die Po-Brücke und 
somit die Verbindung zwischen Crescentino und Verrua gefährden sollte. 
Erwägt man. dass in den nächstfolgenden Tagen, in Folge unaus- 
gesetzten feindlichen Feuers, an den Bastionen S. Carlo und Sta. Maria 
förmliche Breschen entstanden und überdies die dahinter befindliche 
Umwallung hart mitgenommen wurde, so isi es gewiss bewundernswerth, 
dass den Belagerten nicht nur der Muth nicht sank, sondern im Gi -■■<■■ 
theile all' dies sie zu erhöhter Energie anspornte. Fresen liess das 
Feuer völlig einstellen und eifrigst an Minen arbeiten, während Feld- 



102 

marschall Graf Starhemberg die Erbauung von Epaulements gegen 
jene Batterie anordnete, welche die Franzosen auf der Anhöhe zur 
Beherrschung der Brücke errichtet hatten. Und so kam es, dass, als 
am 6. Februar von dort aus der Gegner sein Feuer auf die Po Brücke 
eröffnete, dasselbe sich völlig wirkungslos zeigte. Freilich gingen die 
Franzosen unverweilt daran, auf einer günstigeren Stelle erneuert eine 
Batterie zu gleichem Zwecke zu errichten; dies aber erforderte Zeit, 
welche eben Starhemberg gewinnen musste. 

An dem Treiben zwischen beiden Theilen änderte sich bis zum 
26. Februar äusserst wenig, obschon die französischen Approchen sich 
Verrua stetig näherten. Jedenfalls hatten die Belagerten das moralische 
Uebergewicht, denn der Angreifer wagte es nicht, locale Vortheile 
auszunützen. Unbeachtet nämlich am 27. Februar auf dem Bastion 
S. Carlo durch Zufall drei Bomben der Franzosen auf ein und der- 
selben Stelle und gleichzeitig explodirten, wodurch nicht nur die 
Galerie der dort vorbereiteten Mine durchgeschlagen, sondern auch 
das ganze Bastion völlig zerstört wurde, so unterliess der Feind dennoch 
den Sturm. Die Belagerten fanden hinlänglich Zeit, diese Stelle derart 
zu verbauen, dass dort für die Folge der Angriff ausgeschlossen blieb ' ). 

Eine Aenderung in der Art und Weise der Belagerung trat erst 
bei Ankunft Lapara's im französischen Lager ein. 

Als dieser Fachmann das bisher Geleistete sah, erklärte er: der 
Angriff sei völlig fehlerhaft eingeleitet. Es war nämlich unmöglich, 
sich des Platzes zu bemeistem, insolange der Herzog von Savoyen 
mit seiner Macht von Crescentino aus den Po-Uebergang beherrschte. 
Dadurch konnten eben die Besatzungstruppen nach Bedarf verstärkt 
oder erneuert und stets mit dem Notlügen versehen werden. Lapara 
sprach darum seine Meinung dahin aus, dass von der Po-Brücke 
Verrua's Schicksal abhänge; auch war er sehr verwundert, dass man 
so lange gesäumt, richtige Massnahmen zu treffen. Ausserdem herrschte 
solche Verwirrung in den Trancheen und bei den Angriffsarbeiten 
überhaupt, dass kaum 12 Tage genügten, die Belagerung in das richtige 
Geleise zu bringen („ne pouvoir en moins de douze jours debrouiller 
le chaos et mettre tout en regle 2 )". 

Der französische Ingenieur hatte in seiner Anschauung vollkommen 
Recht, denn ein Angriff auf das Lager zu Crescentino war. abgesehen 
davon, dass die gesammten Streitkräfte des Herzogs von Savoyen 
dort standen, wegen der zahlreichen Minen, welche Starhemberg 
im Aussenfeide hatte anlegen lassen, nicht räthlich. 

') Kriegs-Archiv, Italien, 1705; Fase. XIII. 5. (Diarium der Belagerung.) 
2 ) Pelet; V. 1705. 



103 

Vor Ankunft Lapara's hatte man sich im Lager des Herzogs 
von Savoyen neuen Hoffnungen hingegeben; es schien, dass Verrua 
nicht so bald, vielleicht auch gar nicht dem Feinde in die Hände fallen 
würde, weil der Eintritt des schlechten Wetters die Fortsetzung der 
Belagerung nahezu hemmte. Getragen von guten Aussichten für die 
nächste Zukunft, hatte Victor Amadeus seinen Fiter erhöht, worüber 
der Gesandte Graf Auersperg in seinem Schreiben an den Prinzen 
Fugen bemerkte, dass „Se. königliche Hoheit sich Tag und Nacht 
bearbeiten, um seine guten Intentionen zur Beförderung des gemein- 
samen Wesens zu erzeigen, als es immer zu wünschen ist. Er dissi- 
mulirt und accomodirt so viel als es möglich, mit dem widrigen Humor 
des Guido (Starhemberg) zu conformiren und ihme alle Confidenz zu 
erzeigen 1 ' '). Das Meiste zu solch' günstiger Stimmung mochte wohl 
Eugen's Schreiben an den Herzog, an Starhemberg und Auers- 
perg s ) beigetragen haben. Bei der allgemeinen Sachlage aber, welche 
die schleunige Hülfeleistung ausschloss, lag es nahe, dass der Einfluss der 
französischen Fraction am Turiner Hofe sieh mehr und mehr geltend 
machen und den Herzog dennoch zum Wanken bringen werde. Diese Be- 
sorgnisse, obschon sie nicht völlig schwanden, suchte A u er s p e r g abzu- 
schwächen, denn er berichtete am 18. Februar nach Wien: „Der Duc hat 
dcclarirt, dass auch der Verlust von Verrua Ihme von seiner Standhaftigkeit 
Nichts benehmen sollte." Dem ist die Bemerkung beigefügt: „wenn der 
Succurs und Geld und Truppen bei Zeiten", wie dies wiederholt zu- 
gesagt wurde, „anlangt, so ist alles Gute von dem Duc. zu erwarten" 3 ). 
A u e r s p e r g's Bemühungen war es auch gelungen, die Missstim- 
mung zwischen den beiden Hauptpersonen in Piemout, wenn auch nicht 
zu beseitigen, doch mindestens insoweit zurückzudämmen, dass sie 
auf die Oberleitung der Armee keine nacktheilige Wirkung zu üben 
vermochte. Solch' begütigende Einwirkung war um so nothwendiger, 
als durch Eintreffen Lapara's bei der französischen Armee sieh 
deren Stratageme wesentlich verändert hatten. 

Unterbrechung der Verbindung zwischen Verrua und 
Crescentino. 
Sehen Ende Februar steigerte sich die Feuerwirkung gegen 
Verrua derart, dass am 28. alle Umfassungen, mit Ausnahme der 
dritten, gangbare Breschen aufwiesen. 

') Kriegs-Archiv, Italien, 1705; Fase. I. 27. 
-i Supplement-Heft Nr. '.»7. 55, 56, :.T. 

3 ) Kriegs-Archiv, 1705; Fase. II. 10. Wie sehr es an der Möglichkeit 
gebrach, zeigt Eugen's Schreiben. Siehe Supplement-Heft Nr. 71. 



104 

Nach dem Rathe Lapara's unterliess aber Vendöme den 
Sturm, weil durch Störung der Verbindung der Zweck mit viel 
geringeren Opfern zu erreichen war. 

Es wurde beschlossen, eleu Brückenkopf und jenes Fort anzu- 
greifen, welches auf der Po-Insel die Brücke sicherte. Für die beiden 
Hauptangriffe, deren einer von dem flussabwärts der Stadt gelegenen 
Theile des !'<>. der andere aber westlich Crescentino's erfolgen sollte, 
wurden je 8 Bataillone und 24 Grenadier - Compagnien bestimmt; 
7(1 Grenadiere sollten einen Scheinangriff auf die Umfassung der 
Stadt unternehmen, 000 Reiter die Furten des Po bewachen, und 
8 am Ufer des Flusses placirte Geschütze jeden Versuch der Truppen 
des Herzogs, aus Crescentino hervorzubrechen, vereiteln. 

Um jeder Möglichkeit vorzubeugen, dass der Herzog von Savoyen 
durch Ueberläufer von dem Vorhaben Kenntnis* erhalte, hatte Ven- 
dome das Terrain durch eine aus Officieren gebildete Kette abschliessen 
lassen. 

Zwölf Kanonenschüsse gaben das Signal zum allgemeinen Auf- 
bruche. Am 2. März, 2 Uhr Morgens, setzten sich die beiden Baupt- 
colonnen in Bewegung, doch erreichte nur jene östlich <\rv Stadt 
anrückende rechtzeitig ihr Ziel, nämlich das auf der Po-Insel gi Li ejene 
Vorwerk. Es gelang ihr, gegen 3 Ulir Morgens völlig unbemerkt sich 
dem Angriffs- Objecto zu nähern, denn die Besatzung hatte in völliger 
Sorglosigkeit selbst die einfachsten Sicherungsmassregeln ausser Acht 
gelassen. Der Angriff erfolgte mit solcher Raschheit, dass die Franzosen 
innerhalb einer Viertelstunde völlig im Besitze des Werkes waren. 

Von der Besatzung, wedelte aus den beiden savoyischen Bataillonen 
Tarantoise und Aosta bestand, wurde ein grosser Theil niedergehauen 
und 34 Officiere nebst 200 Gemeinen geriethen in französische 
I Gefangenschaft. 

In dem ersten Momente des Alarms hatte zwar Star hemb er g 
sogleich Truppen aus dem Lager von Crescentino zur Unterstützung 
abgesendet, dieselben wurden aber, abgesehen davon, dass sie jeden 
falls zu spät gekommen wären, durch das mörderische Feuer der 
8 französischen Geschütze zur Umkehr genöthigt. Auch Obrist Fresen 
hatte sich beeilt, dem Vorwerke Succurs zu senden, wehdien eben die 
Schnelligkeil des feindlichen Angriffes vereitelte. 

Das Fort auf der Po-Insel, welches die Verbindung Verrua's mit 
Crescentino sicherte, und für dessen Erhaltung Feldmarschall Starhem- 
berg durch so lange Zeit alles Mögliche aufgeboten hatte, fiel der 
unverzeihlichen Nachlässigkeit savoviseher Truppen zum Opfer. Die 
Sühne, dass von dem zurückgekehrten Theile der Besatzung „einige 



Officiere cassirt" und von den Gemeinen Dach dem Loose „von 12 auf 
12 Mann einer aufgehenkt" wurde, machte den Verlust dieses wich- 
tigen Bollwerkes nicht weniger folgenschwer. 

Minder glücklich war die stromaufwärts Crescentino's vorrückende 
französische Hauptcolonne. Einerseits verzögerte sich deren Marsch 
durch die zahlreich zu passirenden Wassergräben, andererseits verfehlte 
sie im Dunkel der Nacht ihr Ziel und erreichte dieses erst, als die 
Truppen im Lager von Crescentino bereits völlig kampfbereit waren. 

Durch die zum Scheinangriffe beorderten 70 Grenadiere kam 
VendSme gleichfalls nicht zum Ziele. Obzwar denselben in den 
ersten Momenten des Alarms gelang, die erste und zweite Umwallung 
der Stadt zu überschreiten, so wurde ihnen doch an Arr dritten Halt 
geboten. Auch war Feldmarschall Starhemberg durchaus nicht der 
Mann, welcher sich von dem Momente überraschen und beherrschen 
Hess. Vendome hatte nämlich bei dem Scheinangriffe daraufgerechnet, 
dass die zum Schutze der Stadt mit grossem Verständnisse ange- 
legten Minen von den Alliirten in Thätigkeit gesetzt würden; trotz 
des Alarms von allen Seiten bewahrte der Feldmarschall seine Ruhe 
und Hess sich nirgends zu falschem Schritte verleiten. Die unverzeih 
liehe Nachlässigkeit der beiden savoyischen Bataillone allein schädigte 
seine Massnahmen. 

Gegen den Verlust des Schlüssels zur Po-Brücke Hess sich leider 
Nichts mehr thun. Vergebens erwartete Starhemberg Verhaltungs- 
befehle aus Wien. FML. Dann hätte schon im Februar mit schrift- 
lichen und mündlichen Informationen nach Piemont zurückkehren 
sollen, und ein piemontesischer Kittmeister, welchen der Wiener Hof 
mit Aufträgen betraute, war in Savona vom Feinde aufgehoben worden. 
Jedenfalls gestaltete sich die Situation äusserst misslich, denn zu 
einer Zeit, in welcher es einer Action dringend bedurfte, mangelte 
noch jede Andeutung, ob und inwieferne auf einen baldigen Entsatz zu 
rechnen sei. 

Anfangs März hatte Starhemberg von der kaiserlichen Infanterie 
blos 1585 Mann dienstbar; es befanden sich nämlich !>48 Mann bei 
der Garnison von Verrna, und 1714 Mann konnten als krank und 
blessirt nicht in Rechnung kommen. Begreitlieh ist darum der von 
Victor Amadeus am 6. März au Prinz Eugen gerichtete Hülfe- 
ruf: „ainsy jugez mon estat, sans aueune conaissance de mon sort, 
sin^ secours et sans esperance dans cette deplorable extremite". 

Unmittelbar nach der Eroberung des Forts auf der Po-Insel 
hatte Vendome dasselbe durch 2 Grenadier - Compagnien besetzen 
lassen, und um diesen Verbindungsweg noch mehr zu sperren, wurde 



10« 

vom linken Flügel der Tranchee vor Verrua, welcher bis zum Ufer dea 

Po reichte, eine Linie bis /.um Fort auf der Insel gezogen und dureb 
drei Keil. uiten verstärkt. Eine ähnliche Circumvallation erfolgte vom 
rechten Flügel der Traneheen bis zum Po, so dass die Festung Verrua 
rings von feindlichen Angriffslinien umgeben war. Der Besatzung blieb 
nur mehr ein einziges Mittel zur Verständigung mit dem Lager von 
Crescentino — und dies bestand darin, dass die Briefschaften mittelst 
Bomben befördert wurden. 

Wie alier ungeachtet dessen der französische Feldherr sieh noch 
immer nicht sieher hielt, geht völlig daraus hervor, dass er entlang des 
Po, der stellenweise zu durclifurten war, 800 Pferde zur Hinderung jedes 
Verkehres aufstellen Hess. Erst nach diesen Massnahmen richtete 
Ve 11 dorne an Obrist Fresen die Aufforderung, zur Capitulation, 
da nunmehr weder eine Verstärkung, noch ein Entrinnen möglich sei. 
Der kaiserliche Befehlshaber erklärte jedoch ganz kuiv. : Vendöme 
möge mit dem Herzoge von Savoyen, der sich im Lager von Cres 
centino befinde, und nicht mit ihm unterhandeln. Es erübrigte daher 
wohl nur ein energischer Angriff auf das Lager von Crescentino, 
auf welches die Franzosen mit Geschützen und Mörsern Tag und Nacht 
unausgesetzt ihr Feuer richteten. Dasselbe konnte aber nimmer den 
gewünschten Erfolg haben, denn selbst bei völliger Zerstörung der 
Umfassung durfte der Minen wegen ein Sturm nicht gewagt werden. 

Vorsichtig und voraussehend hatte Feldmarschall Starb emberg 
mit diesem Schutze sorgfaltig hauszuhalten gewusst, so dass in dem 

kritischen Momente Vendome zögern zu sollen glaubte i jugeant 

que les mines des ennemis qu'on n'avait pu eventer, pourraient rendre 
cette entreprise meurtriere, crut ne devoir la preeipiter" ' . 

Nach der völligen Isolirung der Festung war zu erwarten, dass sie 
sicdi wegen Mangel an Lebensmitteln und Munition doch werde ergeben 
müssen, und dies blieb Frage einer verhältnissmässig kurzen Zeit. 

Um den Rückzug der Armee des Herzogs von Savoyen aus 
Crescentino zu beschleunigen und ihm während desselben, wenn mög- 
lich, eine arge Schlappe beizubringen, traf Vendöme seine Disposi- 
tionen, am 15. Mar/. 20 Grenadier - Compagnien, 15 Bataillone und 
50 Escadroneu gegen Crescentino in Bewegung zu setzen. 

Der Fall von Yen u a. 

Starhemberg, voraussehend, was da kommen werde, hatte 
Victor Amadciis veranlasst, das befestigte Lager von Crescentino recht- 

') Pelet; V. 1705. 



107 

zeitig aufzugeben. Nachdem vorerst Munition und Kriegsmateriale nach 
Turin geschafft wurden war, räumte die schwache Macht am 14. Morgens 
Crescentino, um sich erneuert in Chivasso festzusetzen, denn dorl liess 
sich erwähntermassen den Absichten des Feindes gegen Turin, wohin 
sich der Herzog und Starhemberg mit einem Theile der austro- 
savoyischen Truppen begaben, abermals begegnen. 

Verrua war nunmehr von jeglicher Aussicht auf Hülfe entblösst 
und der Feind glaubte keiner besonderen Anstrengungen zu bedürfen, 
denn nach kürzester Frist, so wähnten die Franzosen, musste Verrua 
sieh ergeben. Der Caleul erwies sich aber nicht so ganz richtig. Zäh 
harrte die kaiserliche Besatzung hinter den Wällen aus, und der fran- 
zösische Befehlshaber besorgte ungeachtet seiner numerischen bedeu- 
tenden Uebermacht einen Entsatzversuch aus dem Lager von Chivasso. 
Dass dies der Fall war, beweisen die Massnahmen der Belagerer. Es 
genügte ihnen die im Anfange des Monats März hergestellte Ein- 
schliessungslinie nicht, sie zogen eine zweite in der Ebene von dem 
Berge Guerbignano bis an den Po. Acht Geschütze, 1000 Pferde und 
ein Infanterie-Corps hatten die Einschliessungslinien zu bewachen und 
zu deren Unterstützung waren 17 Bataillone bestimmt, welche ä portee 
dieser Truppen cantonnirten. Aber auch dies hielt Yen dorne nicht 
ausreichend, denn er beorderte 2 Cavallerie- und Dragoner-Regimenter 
nach Crescentino und liess die Gegend in der Richtung von Chivasso 
durch Reiterei abschliessen, um ja nur rechtzeitig von der Annäherung 
der herzoglichen Truppen Kenntniss zu erlangen. 

Hält man diesen umfassenden Vorkehrungen und der Zahl der 
verwendeten Streitkräfte den französischen Bericht entgegen , in 
welchem es heisst, dass der Herzog von Savoyen am 14. blos mit 
2 — M000 Mann von Crescentino abgezogen sei '), so ergibt sich wohl 
von seihst der Schluss, welche hohe Meinung Starhemberg ihm 
eingeflösst haben musste. 

Nach dem Abzüge der austro-savoyischen Hauptmacht hielt 
sich Verrua's Besatzung noch 21 Taue. Erst als es an Lebens- 
mitteln völlig mangelte und die Truppe physisch ganz herabgekommen 
war, entschloss sich Obrist F r e s e n am 6. April, die Capitulation an- 
zubieten. Er begehrte einen förmlichen Accord, doch Vendöme 
forderte Uebergabe auf Discretion. Nach abermaliger Bedenkzeit von 
24 Stunden blieb keine andere Wahl: ..entweder sich todt zu fechten 
oder kriegsgefangen zu ergeben - '. Obrist Fresen neigte sich ersterem 
zu und Hess „Nachts zwischen dem (i. und 7. April alle noch vor- 



'i „Qu'il (der Herzog von Savoyen) avait passe la Doire-Balte'e avec deux 
trois milles hommes qu'il avait avec lui." (Pelet. M-'m. Tomi V. pag. 502.) 



108 

handenen Bond» u und < Iranaten in das feindliche Lager fliegen und 
um 7. April abermals Chamade schlagen". 

Auch darauf hin wich Vendome von seinen ursprünglich fest- 
gestellten Bedingungen nicht ab. Anstatt sich diesen endlich dennoch 
zu fügen, gab Verrua's Commandant Befehl, sämmtliche Minen zu 
zünden. Während die Vorwerke ausnahmslos in die Luft flogen, zog 
sich Fresen mit seinen Leuten in den Donjon zurück, um dort die 
Gegenwehr zu erneuern. Erst am 8. April streckte die heldenmüthige 
Besatzung, welche auf 10Ü0 Mann zusammengeschmolzen war, die 
Wallen. 

Für Ludwig- XIV. stand dieser Gewinn in keinem Ver- 
hältnisse zu den gebrachten Opfern. l>ie Eroberung Verrua's hatte 
ihm (i Generale, 547 Oberofficiere, 30 Ingenieure und 12.000 .Mann 
gekostet, und es musste den tapferen Vertheidigern mit 200.000 Kanonen- 
schüssen und 50. 000 Bombenwürfen zu Leihe gegangen werden'). 

Anstatt von einer Festung, nahmen die Franzosen von einem 
Schutthaufen Besitz. Die Stadt war eine einzige Ruine, die Walle 
Hessen sich nicht mehr erkennen und sämmtliche Vorwerke hatten die 
Minen gründlich zerstört. Selbst der Donjon und die zunächst gelegenen 
Häuser zeigten sich unbewohnbar, denn Alles war ohne Dach, und 
was nicht die Geschosse zerstören konnten, hatte das Feuer vernichtet. 
Verrua fiel nicht als haltbarer Stützpunct, sondern als unentwirrbares 
Chaos dem Feinde Oesterreichs in die Hände. Bios 17 Kanonen, 
5 Mörser und ein Minimum Munition machte die Kriegsbeute aus, und 
mit Inbegriff der Officiere und militärischen Organe fielen 1250 Mann 
den Franzosen als Kriegsgefangene in die Hände, während 270 Ver 
wundete und Kranke an < >rt und Stelle gelassen werden inussten. 

Dem heldenmuthigen Commandanten der Festung, dem kaiser- 
lichen Obrist von Fresen, verhehlte Vendöme nicht, dass nach 
den Kriegsgesetzen der Tod ihn treffen müsse; doch sagte der Herzog 
seine Fürsprache bei König Ludwig XIV. zu, die nicht erfolg- 
los blieb. 

Feldmarschall Starhemberg berichtete am 15. April über den 
Fall von Verrua an den Kaiser, dass „man zwar die äussersten 
Kräften daran gestreckt hat, die Festung nach Möglichkeit zu er- 
halten. Es i:-t aber der Platz gleichwohlen nun endlich gefallen und 
samml der Garnison den 10. dieses in des Feindes Hände gerathen, wo- 
runter von Euer kaiserl. Majestät Truppen der Obrist von Fresen, der 
Prinz von L o tli ri n ii'e n, Oliristlieutenanl Nazuri und der Wallisische 



109 

Obristlieutenant Cosa Von Kadi seh nebst vielen anderen guten und 
braven Officieren und Gemeinen, welche alle in Verfechtung dieser 
Festung ihre Schuldigkeit mit sonderbarer Standhaftigkeit rühmlicb 
erwiesen haben". 

Wenige und schlichte Worte fand Starhemberg über die 
Leistung der Kaiserlichen in Verrua. Und dies eben gibt Zeugniss, 
wie die Thaten vor dem Feinde, mochten sie auch jenen im Alter- 
timme gleich kommen, oder selbe wohl gar übertreffen, stets nur als 
„Schuldigkeit" galten. Solches Pflichtgefühl sucht in der Geschichte 
anderer Heere seines Gleichen. — 

Für die schon zu Beginn des Jahres auf ein Minimum reducirte 
alliirte Armee musste der Entgang der Besatzung von Verrua. 
welche sieh „in die fünfzehnhundert Mann- bezifferte, um so empfind- 
licher wirken, als dies eine von hervorragenden Officieren befehligte, 
kriegsgeübte und bewährte Truppe war. Es darf eben nicht übersehen 
werden, dass zur Ergänzung und Verstärkung der von Feldmarschall 
Starhemberg geführten Armee es von Seite des Kaisers an jeder 
Möglichkeit gebrach, und dass nur Recruten aus dem noch beherrschten 
Theile des herzoglichen Territoriums, oder mit Gewalt zusammenge- 
triebene Milizen die bedeutende Lücke zur Noth auszufüllen ver- 
mochten. 

Begreiflich ist es darum, dass das Gemüth des Herzogs von 
Savoven sich nach Verrua's Verlust verdüsterte. Er hatte ja zu 
dieser Zeit auch schon Kenntniss von den Fortschritten des Feindes 
in der Grafschaft Nizza, wo Villafranea. Sospello und S. Ospizio 
bereits verloren waren und der Citadelle von Nizza gleiches Schicksal 
bevorstand. 

Von dorne begnügte sich vorläufig mit der Eroberung Verrua's 
und begab sich nach Casale, während er seine Armee in Quartiere 
verlegte. Dieselbe, aus 60 Bataillonen und 63 Escadroneu bestehend 1 ), 
war mit ihrem rechten Flügel an die Dora Baltea gestützt und 
dieser sicherte auch die Verbindung mit Frankreich durch das 
Thal von Aosta und durch Savoven, wo 18 Bataillone und 2 Esca- 
dronen Montmeillan blokirt hielten. Die Quartiere dehnten sich bis zum 
rechten Ufer des Po über Asti, Nizza della Paglia, Aqui und Alessan 
dria aus. hei Pavia endend. Hinter dieser ersten Linie waren die 
Truppen in der Lomellina, im Novaresischen und Vercellischen bis 
zum Lago Maggiore und zu den Alpen vertheilt, in Verbindung mit 
jenen spanischen Truppen, welche das Mailändische und Cremonesische 

<) Pelet; Tome V. 260. 



110 

besetzt hielten. Jedenfalls hatte der französische Feldherr nicht- ver- 
absäumt, seine Truppen für die kommenden Strapazen in reichen 
Länder strichen zu kräftigen. Ausserdem wurde der momentane Still- 
stand zu den nöthigen Vorbereitungen zu neuem, heftigen Angriffe 
benützt. Zu Crescentino liess Vendöme einen Artillerie- und 
Munitionspark für die Belagerung von Chivasso, und in Casale einen 
solchen für den Angriff auf Turin vorbereiten, während gleichzeitig 
in Piemont alle sonstigen eroberten festen Puncto ihrer Schutzwälle 
beraubt wurden. 

Angriff der Franzosen auf die Grafschaft Nizza. 

Als gegen Ende Februar die Kunde ruchbar wurde, die ver- 
bündeten Seemächte hätten für den Herzog von Savoyen einen 
Succurs von 8000 Mann bestimmt, welcher zu Nizza und VillatVanca 
ausgeschifft werden sollte, um direct nach Piemont zu marschiren, 
entschloss sich der König von Frankreich, seinen Gegnern den Weg 
abzuschneiden und zu diesem Bchufe sich den Besitz der beiden 
genannten Puncte zu sichern. 

Für diese Unternehmung, für welche der Duc de la Feuil lade 
als Commandant bestimmt wurde, waren 18 Bataillone, darunter vier 
der Marine -Truppen, und 6 Dragoner - Escadronen in Aussicht ge- 
nommen. Am 10. März sollte diese Macht den Var überschreiten. 
Die Nachricht aber, dass die piemontesischen Streitkräfte in der 
Grafschaft Nizza nur aus 2 Bataillonen, 4 Frei-Compagnien zu je 
100 Mann und 40 Kanonieren bestehen, veranlasste de la Feuil lade, 
schon am 2. März an den Var zu rücken; einerseits den Zuzug der 
Verbündeten, andererseits die Verstärkung Nizza's von Piemont aus zu 
verhindern. Gleichzeitig wurde von der Dauphine aus am 4. März 
mit 5 Bataillonen gegen Pignerol der Marsch angetreten, um mit 
zweien davon zu Villar Verschanzungen anzulegen und dadurch die 
Verbindung mit Grenoble zu sichern. Ausserdem sollten alle Milizen von 
Pragelas und dem Brianconnais nach Perosa und in das Val S. Martino 
ziehen, die Garnison von Susa aber durch 300 Mann Milizen verstärkt 
werden. 

Diese Disposition war zunächst darauf berechnet, den Herzog 
von Savoyen an der Entsendung von Verstärkungen gegen Nizza 
zu verhindern, andererseits alier auch die guten Gesinnungen, welche 
die Luserner *) gegen Frankreich hegten, noch mein- zu befestigen und zu 
kräftigen. Kino I 'idierwältigung dieser \ erhältnissmässig geringen Macht 



') Die Wal 



111 

stand nicht zu besorgen, da die bei Crescentino versammelten Truppen 
des Herzogs erwähntermassen sein- zusammengeschmolzen waren und 
genug damit zu thim hatten, sich unter den Mauern Verrua's zu balten. 

Obschon für die Expedition gegen Nizza frühzeitig das Nöthige 
eingeleitet war. konnten am 3. März erst 13 Bataillone am Var ver- 
sammelt werden. Ungeachtet dessen hielten aber die Franzosen die 
schleunige Vorrückung für unaufschiebbar, da ihnen Nachricht zukam, 
im Hafen zu Villafranca seien zwei englische Fregatten mit Kriegs- 
munition und 300 Soldaten oder Matrosen eingetroffen. 

Mit Anbruch des Morgens zum 4. März passirten die bis dahin 
versammelten, aber nicht vollzähligen französischen Streitkräfte den 
Grenzfluss, ohne auf Widerstand von Seite der Piemontesen zu stosseu. 
Wohl gaben die auf den Höhen aufgestellten vorgeschobenen herzog- 
lichen Posten Feuer, doch zogen sie sich unmittelbar danach zurück. 

Vier Bataillone der Franzosen wurden nach üeberschreitung der 
Grenze östlich dirigirt, um jene Verbindung zu siehern. welche von 
Coni (Cuneo) über Sospello und Scarena nach Nizza führt; 4 Bataillone 
blieben zu Carros, um im Besitze der Verbindung vom Meere über 
St. Laurent zu sein; 5 Bataillone endlieh marschirten nach Notre 
Dame de Simiers, um den Piemontesen den Verkehr über Aspromonte 
mit Nizza abzuschneiden. 

Da am 5. März die Dragoner in dem Lager bei Notre Dame de 
Simiers eingetroffen waren, durften die Franzosen mit einer Action 
nicht mehr säumen, denn der Gouverneur von Nizza, in der Absicht, 
Villafranca zu halten, versammelte zu Sospello 000 Mann Milizen und 
ein Bataillon, welches England für des Herzogs Dienst hatte ausIndien 
lasseu. Am 6. Morgens wurden französischerseits 3 Bataillone gegen 
Villafranca dirigirt, welche sieh rasch des im Kapuzinerkloster auf- 
gestellten Postens bemächtigten, weil vou diesem Puncto aus sich die 
ganze Stadt beherrschen Hess. 

Die beiden im Hafen befindlichen englischen Fregatten hatten 
zwar durch ihr Feuer an der Abwehr theilzunehmen gesucht, 
konnten aber nicht die gewünschte Wirkung erzielen, da es ja eine 
der misslichsten Aufgaben im Seekriege ist, Land-Operationen zu seeun- 
diren, wenn dabei eine volkreiche Stadt sorgfältig vor unwillkürlicher 
Gefährdung bewahrt werden soll. 

Da der Aufforderung zur Uebergabe Villafranca's nicht Folge 
gegeben wurde, so entschlossen sich die Franzosen noch den nämlichen 
Abend zum Angriffe, den sie um so leichter wagen konnten, als die 
zur Verteidigung in Aussicht genommenen Milizen noch nicht einge- 
troffen waren. 2 Grenadier-Compagnien und 200 Füsiliere drangen 



112 

gegen das Stadtthor vor, räumten die in Eile und mangelhaft ange- 
legten Barricaden weg und öffneten sich den Eingang. Dies konnte 
aher nicht ohne Kampf geschehen; die Franzosen büssten dabei 
2 ' »fficiere und mehrere Soldaten ein, während die Vertheidigung blos 

von 70 Soldaten und einigen Matrosen geführt wurde, welche sich 
als kriegsgefangen ergeben mussten. 

Der Gouverneur hatte wohl auf die Nachricht von dem Vor- 
dringen der Franzosen die in Sospello versammelten Milizen bis gegen 
Turbia vorrücken Jassen, war aber mit der Hülfe zu spät gekommen. 
Die Nutzlosigkeit einer weiteren Vorrückung erkennend, gab er Gegen- 
befehl, die versammelte Macht nach Nizza zu werfen, falls dies noch 
ausführbar sei. 

Diese Absicht errathend, suchten die Franzosen zuvorzukommen 
und ebenso Senantes, den Gouverneur von Nizza, zu hindern, 
sieh in Sospello zu verschanzen. Um ihn anzugreifen, detachirten die 
Franzosen am 9. März gegen Mittag 300 Grenadiere und 260 Dragoner. 
welche am Abend gegen 9 Uhr vor Sospello eintrafen. Für eine 
kriegsgewohnte und geübte Truppe gehörte wahrlich nicht viel Muth 
dazu, eine Schaar undiseiplinirter Milizen anzugreifen. In kurzem 
Kampfe fanden 00 englische Soldaten ihren Tod; sie waren ver- 
muthlich die Einzigen, die Gegenwehr leisteten und ihr Pflichtgefühl 
mit dem Leben büssten. Ein geringer Theil der Milizen wurde 
gefangen, der Rest aber floh in das Gebirge, dort sich nach allen 
Richtungen zerstreuend. 

Zweifellos hatte der Punct Turbia für die Verhinderung eines 
Entsatzversuches durch die Alliirten Bedeutung, und darum wurden 
schon am 11. 5 Grenadier-Compagnien und 200 Mann von der 
Garnison Monaco's dahin dirigirt. Der Gouverneur von Nizza hatte 
rechtzeitig den Ort verlassen, in welchem sich blos 10 invalide Sol- 
daten und 50 bewaffnete Landleute vorfanden, die, ohne an eine 
Gegenwehr zu denken, sieh ergaben. 

Als Besatzung wurden in Turbia von den Franzosen blos 50 Mann 
gelassen, wahrend 2 Bataillone und 60 Dragoner gegen Sospello rückten, 
um das Land his Saorgio zu unterwerfen. 

Nach und nach waren die noch fehlenden französischen Truppen 
und die nöthige Artillerie angekommen, um die Belagerung von Nizza 
unternehmen zu können. Gegen diesen Platz wurden in der Nacht 
vom 15. auf den 16. März auf 700 Toisen Entfernung die Trancheen 
eröffnet und hiezu l Bataillon und 3 Grenadier-Compagnieu ver 
wendet. Die Belagerten begannen ihr Feuer erst am 16. März, als 
nämlich die Franzosen den Mauern auf 300 Toisen nahe gekommen 



113 

waren. Ungeachtel dieses ersten Eifers ging aber der Angriff nicht so 
rasch von Statten, als es die Franzosen hofften. Das Belagerungs- 
Materiale, welches zur See herbeigeschafft werden sollte, verspätete 
sieh, und andere Umstände verzögerten das Fortschreiten der Arbeiten. 
Anhaltender Regen verursachte, dass der bei Nizza mündende Paglione 
seine Ufer überfluthete und die Wege ungangbar machte. Ausserdem 
erschwerte das stürmische Wetter das Kreuzen der Fahrzeuge, um 
das Eintreffen von Succurs zur See zu verhindern, und so kam es. 
dass in der Nacht vom 23. auf den 24. 180 Mann vom Regimente 
Königin von England ausgeschifft und nach Nizza geworfen werden 
konnten. 

Diese waren für die Belagerer bedeutende Hemmnisse, und darum 
mussten, um wenigstens den Rückschritt aufzuhalten, die nach Sos- 
pello detachirten beiden Bataillone herangezogen werden. An ihre 
Stelle traten die 200 Mann der Garnison von Monaco. 

Aber nicht blos der Angriff, sondern auch die Subsistenz der 
Truppen war schwierig. Um diese zu ermöglichen, musste ein Dragoner- 
Regiment nach Frejus abrücken, so dass nur 200 berittene Dragoner 
zurückblieben, welche ihre Aufstellung bei Scarena erhielten, um im 
Nothfalle dem schwachen Posten von Sospello Hülfe bringen zu 
können. 

Ehe sich an ein günstiges Resultat bei Nizza denken Hess, war 
für die sichere Ausschiffung des Belagerungs-Materiales zu sorgen. 
Erst die Bezwingung der Citadelle von Villafranca lieferte den Schlüssel 
in die Häude. Da es aber unmöglich war, dort auf der Lazarethseite 
Artillerie zu debarquiren, von wo aus die Citadelle am leichtesten 
angegriffen werden konnte, so mussten die Franzosen ihren Park beim 
Thurm Bozze anlegen, welcher aber von Villafranca und somit um so 
mehr von Nizza entfernt war. 

Selbstverständlich schob dies auch den Angriff hinaus. Dieser 
begann am 30. März mittelst eines heftigen Artilleriefeuers, welches, 
den nächstfolgenden Tag fortgesetzt, die Mauern der Citadelle zer- 
störte. 

Die Besatzung der letzteren, welche ihre Verwundeten auf 
englischen Schaluppen eingeschifft und ungeachtet des auf selbe gerich- 
teten feindlichen Geschützfeuers in Sicherheit gebracht hatte, gab bei 
Einbruch der Nacht starke Musketensalven ab und schleuderte Gra- 
naten über das dem Meere zugewendete Bastion, um einen Spreng- 
versuch an dieser Stelle zu verhindern. Die Franzosen hatten nämlich 
demonstrativ dort an der Anlegung einer Mine gearbeitet, um die 
Aufmerksamkeit der Belagerten zu theilen. 



Feldzuge des Prinzen Eugen v. Savoyen. VII. Band, 



114 

Mi1 Anbruch des Tages zum I. April verstärkte die gesammte 
französische Artillerie ihr Feuer, and der Umstand, dass die Verthei- 
diger von Villafranca den bedeckten Weg nicht besetzt hatten, erleich- 
terte den Angriff. Dieser erfolgte an dem nämlichen Tage mit Infan- 
terie so rasch, dass die Franzosen bei einer Einbusse von 50 Todten 
and Verwundeten in den Besitz der Citadcllc gelangten, deren Com- 
mandanl Crevecoeur die ihm angebotene ehrenvolle Gapitulation 
annahm. 

Unmittelbar danach errichteten die Franzosen Batterien, um die 
vorgeschobenen Forts 8. Ospizio und Montalban in ihre Gewalt zu 
bekommen. Der Commandant des ersteren capitulirte in dem Momente, 
als er die feindliche Artillerie zur Eröffnung des Feuers bereit sah. Um 
sich nicht lange mit Unterhandlungen aufzuhalten, gewährten die Fran- 
zosen der Besatzung freien Abzug mit allen militärischen Ehren, welcher 
am 6. April nach Saorgio erfolgte. 

Obschon das Fort Montalban derart angelegt war. dass das 
Terrain die Annäherung auf Kanonenschussweite unbedingt ausschloss, 
so Hess der Commandant doch schon am 7. Chamade schlagen und 
es wurden ihm die der Besatzung von S. < >spizio zugestandenen Bedin- 
gungen gewährt. 

Wahrend des Angriffes auf die Forts und die Citadelle von 
Villafranca hatte die. Belagerung von Nizza fortgewährt. Am 7. April 
eröffnete eine am Paglione errichtete Batterie ihr Feuer und legte das 
linksseitige Bastion in Bresche. Die bei Villafranca verwendete Artil- 
lerie trat in Action, indem aus ihr eine Batterie von (i Stücken auf einer 
die Stadt dominirenden Anhöhe gebildet ward, während 5 Geschütze 
und 7 Mörser rechts des Paglione placirt wurden. 

Ehe aber noch die Armirung vollendet und die Eröffnung des 
Feuers möglich war, räumte die Besatzung die Stadt und zog sieh 
am 10. Morgens in die Citadelle zurück; erstere aber öffnete schon 
Nachmittags dem Feinde die Thore. 

Die Citadelle von Nizza bildete ein festes Bollwerk, dem nicht 
so leicht beizukommen war. Sie beherrschte vollkommen nicht blos 
die Stadt, sondern auch die ganze Umgebung, und war mit zahl- 
reicher Artillerie und mit. einer auserlesenen Garnison versehen, welche 
den Auftrag hatte, die Stadt zu zerstören, falls die Franzosen es ver- 
suchen sollten, in deren Besitz zu gelangen. 

Für die Franzosen war dieser Punct unbedingl ein Pfahl im 
Fleische, denn zwischen Nizza und Villafranca konnten leicht Lan- 
dungen erfolgen, um die Besatzung zu verstärken und mit dem Nöthigen 

ZU Versehen. 1 >ie Anlage Voll Welken auf die.-elll KaUllR'. der Ulltel' 



115 

dem wirksamsten Feuer der Citadelle lag, blieb ausgeschlossen, denn 
dieselben würden bereits völlig zerstört worden sein, ehe die Arbeit 
nur so weit gedeihen konnte, einigermassen Schutz zu gewähren. Aus 
diesem Grunde wurde in Vorschlag gebracht, in den Hafen von Villa- 
franca fünf oder sechs wohlarmirte Schaluppen zu beordern, um jede 
Annäherung von Fahrzeugen zu verhindern. 

Obschon der Gewinn Nizza's für die Franzosen sehr verlockend 
war, denn es hatten sich dort die wohlhabendsten Bewohner der Graf- 
schaft mit ihrem Vermögen zu bergen gesucht, so konnte aus poli- 
tischen Gründen doch nicht mit der gewünschten Schnelligkeit vorge- 
gangen werden. Dem französischen Hofe war nämlich aus London 
die Nachricht zugekommen, dass die verbündeten Seemächte eine 
Landung in der Provence beabsichtigen, um Toulon zu belagern und 
diesen Platz, sowie den dortigen Hafeu zu zerstören. Es musste daher 
darauf Bedacht genommen werden, Streitkräfte zur Abwehr disponibel 
zu haben, während die Belagerung von Nizza einen wesentlichen Theil 
derselben absorbirt hätte. 

General d'Usson erhielt Befehl, sich auf die Blokade der Citadelle 
zu beschränken, und im Falle der Angriff auf Toulon thatsächlich 
stattfände, eine Detachirung in die Provence vorzunehmen. Nebstbei 
aber sollten gegen die Befestigungen von Nizza Minenarbeiten einge- 
leitet werden, um dieselben in die Luft zu sprengen, wenn man dies 
für nöthig erachten würde. 

Feldmarschall Starhemberg war schon Mitte April von dieser 
Absicht unterrichtet, denn er berichtete am 15. an Prinz Eugen: 
„. . . . solle nunmehr Duc de Feuillade von seinem Corps 8 Batail- 
lone zur Bloquade der Citadelle von Nizza und Manutenirung des 
Landes zurücklassen." 

Vor seinem Abzüge von Nizza hatte der französische General 
an die blokirte Besatzung die Aufforderung zu einem Ueberem 
kommen gerichtet: „dass, wenn man aus gedachtem Citadell nicht in 
die Stadt schiessen werde, dasselbe auch von der Stadt aus verschont 
und nicht beschossen würde, widrigenfalls aber, dass man sich nicht 
verstehen sollte, sodann die Stadt auch plündern und völlig ruiniren 
lassen wollte ')". 

Die Möglichkeit, dass ein solcher Fall wirklich eintreten könne, 
erfüllte den Herzog von Savoyen mit bänger Besorgniss, und er 
ertheilte darum dem Gouverneur von Nizza die Weisung, sich den 
von den Franzosen gestellten Bedingungen zu fügen, um die Stadt 



«)Ki 



116 

zu schonen und die Citadelle zu erhalten. Es ward eine Convention 
abgeschlossen, dass laude Theile die offenen Feindseligkeiten einstellen 
sollten, lu Folge dessen blieb der Platz während mehrerer .Monate 
von Seite der Franzosen blos cernirt, wenngleich diese die Vorberei- 
tungen für den späteren Angriff nicht verabsäumten. 



b) Das Corps Leiningen. 

Nicht nur durch die Kämpfe von 1704, sondern auch in Folge 
der Unbilden des Winters hatte das vom Gr. d. C. Grafen Leiningen 
befehligte kaiserliche Corps, welches sich auf italienischem Boden 
behauptete, stark gelitten. Der Haupttheil der Infanterie staud westlich 
de-, (iarda-See's bei Gavardo, woselbst sich das Hauptquartier befand, 
der liest war entlang des westlichen Ufers des Garda-See's über Salö, 
Riva und Torbole in verschiedene Posten vertheilt ; die Reiterei canton- 
nirte in den Ortschaften gegen den Iseo-See zu. 

Zu Beginn des Jahres 1705 bestand das Corp.- : 





In 


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te 


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Guido Starhembe 


•g 










1300 


effective 


M 


mnschaft 


Uerberstein . 














800 




„ 




,. 


Liechtenstein 














900 




,. 




„ 


Rheingraf 














800 




„ 




„ 


Reventlau 














300 




„ 




„ 


Bagni . 














700 










Guttenstein . 














550 










Solan . . . 














900 










Dann . 














1200 










Lothringen . 














1200 




„ 







Max Starhemberg 900 

Kriechbaum 1000 

Königsegg 1000 

Eolstein-Ploen 700 



Von dieser Gesan 
und Ostifflia verwendet 



12.250 effective Mannschaft, 
als Besatzungen zu Mirandoli 



Liechtenstein 400 Ma 

Guttenstein 140 .. 

Lothringen 500 ,. 

Königsegg 700 ,. 



117 

Für Operationen im freien Felde verfügte Leiningen sonach 
blos aber 9801) Mann Infanterie. Diesen lassen sieh wohl drei Hay- 
ducken-Regimenter beizählen, von welchen aber: Batthyanyi sämmt- 
liche 500 Mann. Andrässy von 900 Mann 100. endlich Bagosy von 
1101 Mann 300 in Garnisonen hatte. 

Cavallerie Regimenter. 

Savoyen 464 effectiv, 278 dienstbar 

Taaffe 495 „ 346 „ 

Neuburg 383 „ 240 

Darmstadt 564 „ 409 

Herbeville 364 „ 225 „ 

Vaudemont 383 „ 252 

Trautmannsdorf. . . . 537 „ 335 „ 

Corbelli 424 ., 268 „ 

Palffy 248 „ 131 

Sereni 465 „ 249 „ 

Visconti 358 „ 237 „ 

Vaubonne 570 „ 425 

Lothringen 406 „ 263 „ 

Falkenstein . . . . ■ 281 „ 144 

Summe 5942 effectiv, 3802 dienstbar. 

Huszare n. 

Paul Deäk 430 effectiv und dienstbar 

Ebergeny 544 „ 399 „ ')• 

Artillerie: 

7 Regiments-, 2 kleine Stücke zu Gavardo;2 Falkaunen, 10 Regi- 
ments-Stücke zu Sah'.: 3 Regiments-Stücke zu Polpo; 4 Karthaunen 
zu Riva; 8 halbe Karthaunen, 4 Falkaunen, 22 Reghnents-Stücke, 
4 Geschwind-Stücke zu Trient; in Summe: 12 Karthaunen, 6 Fal- 
kaunen. 42 Regiments-Stücke, 6 gesehwindschiessende Stücke. 

Zur Bespannung der Geschütze waren im Ganzen Pferde vor- 
handen: zu Gavardo 24, zu Vorano 90, zu Salö 8, und zu Trient lti. 

Obwohl vorstehende Ziffern allein schon Leiningen's Lage kenn- 
zeichnen, so war auch die Verlassung der kaiserlichen Truppen derart, 
dass sieh an eine wesentliche Action zu Gunsten der austro-savoyi- 
schen Armee schwer denken Hess. In solcher Beziehung gibt das vom 
2. Janner datirte Schreiben des General - Kriegscommissärs Baron 

') Kriegs-Archiv, Italien, 1705; Fase. I. 35. 



118 

Martini an Prinz Eugen Aufschluss. Von den Truppen entbehrten 
über 3000 Mann der Schuhe, und ein grosser Tlieil der Pferde des 
Bufbesehlages. Mangel an Montur, im Vereine mit dürftiger Nahrung, 

vermehrte die Zahl der Kranken. Letztere betrug in der Zeit vom 
15. December 1704 bis 20. Jänner 1705: bei der Infanterie 2289, 
bei der Cavallerie 107 Mann '). 

Es fehlten Vorräthe, um die Truppe für eine 2 oder 3 Tage 
dauernde Bewegung nur mit Brod zu versehen *). Martini konnte von 
der Republik Venedig auf Credit keine Naturalleistungen mehr erlangen, 
weil er den früher eingegangenen Verpflichtungen nicht nachzukommen 
vermochte. Eine Folge dieser drückenden Noth war das Einreissen 
der Desertion, und auf solche Weise büsste Leiningen bis 
20. Jänner 415 Mann Infanterie, 42 berittene und 38 unberittene 
Cavalleristen ein. 

Die zweideutige Haltung der Venetianer 3 ) nahm den grössten 
Einfluss auf diese missliche Lage, welche man kaiserlicherseits durch 
Grewaltacte nicht noch mehr zu Ungunsten des Leiningen'schen Corps 
verschlimmern wollte. Marti ni's Bericht vom 2. Jänner gibt in 
solcher Beziehung Andeutungen, die überhaupt das Verhältnis beider 
kriegführenden Parteien zur Republik klarlegen: „Wenn wir etliche 
Ochsenwägen vonnöthen haben, bekommen wir zur Antwort, dass die 
Ochsen krank seien. Der Feind aber begehrt nicht, sondern nimmt. 
Wenn für uns eine Justiz zur Satisfaction sollte ertheilt werden, so 
wird von Venedig befohlen, zu prolongiren" ; die Franzosen aber ver- 
schafften sich ihr vermeintliches Recht selbst, so z. B. hatten dieselben 
„einige Beiner von einem todten supponirten Franzosen gefunden, wie- 
wohlen nichts »Sicheres bekannt, keine Justiz begehrt, sondern propria 
autoritate 20 Häuser in Asche gelegt, auch zu Villafranca etliche 
Unterthanen von der Republik henken lassen*)." 

Aeusserst misslich war der Umstand, dass das kaiserliche Corps 
durch die Stellung des Feindes keine directe Verbindung mit dem 
Veronesischen unterhalten, sondern dieselbe entweder auf dem grossen 
Umwege entlang des westlichen Ufers des Garda-See's oder mittelst Fahr- 
zeugen über letzteren suchen musste. Erstere Communication nahm 
ausserordentlich viel Zeit in Anspruch, letztere war, abgesehen von der 
Unzulänglichkeit der Transportsmittel, durch den Feind gefährdet. 
welcher armirte Barken ausgerüstet und in Thätigkeit gesetzt hatte. 

') Kriegs-Archiv, Italien, 170ö; Fase. I. Iß. 

2 ) Supplement-Heft Nr. 2, 3, 31. 

- 1 ) Supplement-Heft Nr. 13. 

») Kriegs-Archiv, Italien, 1705; Fase. I. 3c. 



119 

Dem Grossprior, welcher aber 32 Bataillone und . r .;> Escadronen 
verfügte 1 ), war die Aufgabe zugefallen, Leiningen's Truppen in 
Schach zu halten. Von den Winterquartieren .'ins, sollte er nach den 
Intentionen Vendöme's die Kaiserlichen bei Gavardo nicht blos 
einschliessen, sondern wenn möglich in die Tyroler Berge zurückwerfen. 
Er glaubte vorläufig nichts And. -res thun zu können, als die Absperrung 
Leiningen's mit 17 Bataillonen und 34 Escadronen im Brescianischen 
zu bewirken und die ihm noch übrigen 14 Bataillone und 1!) Escadronen 
im Mantuanischen, Modenesischen (zur Blokade von Mirandola) und 
zu einer Art von Reserve am oberen Oglio zu verwenden. Dieser 
letztere Theil der französischen Armee war auf verhältnissmässig 
grossem Räume zerstreut und der Grossprior stand in Besorgniss, einer 
Unternehmung der Kaiserlichen vom Veronesischen gegen den Mincio 
nicht begegnen zu können. 

Jedenfalls hatte Leiningen noch im Jänner relativ günstige 
Chancen zur erfolgreichen Absendung eines Succurses für die blokirte 
Festung Mirandola"). Aber es war nicht diese Forderung allein, welche 
an ihn gestellt werden musste. Bei dem Drängen dos Eerzogs von 
Savoyen sah sich der Wiener Hof genöthigt, Leiningen anzuweisen, 
durch eine Vorwärtsbewegung gegen den Oglio wenigstens den Willen 
zu einer Hülfeleistung zu zeigen. Der kaiserliche General hielt aber eine 
Vorrückung gegen genannten Fluss und gegen die Adda unzulässig, 
nachdem der grössere Theil der Macht des Grosspriors von Desenzano 
bis Palazzolo aufgestellt war und sieh innerhalb zwei Tagen auf einem 
beliebigen Puncte dieser Linie concentriren , d. h. mit absoluter 
TJebermacht erscheinen konnte. 

In der bezüglichen Erwiderung brachte Leiningen einen Zug 
in das Ferraresische in Vorsehlag, weil er dort leichter für die Subsistenz 
der Truppen sorgen und zugleich auch Mirandola von der Blokade 
befreien konnte. Zur Durchführung dieses Planes wollte er die Cavallerie 
nach und nach gegen Tyrol zurückziehen, um sie von dort in das 
Veronesische debouchiren zu lassen; die Infanterie dagegen mit den 
Feldstücken und den Munitionsvorräthen sollte von S. Vigilio aus auf 
dem Lage in das Veronesische überschifft werden, woselbst < »brist Ba ttee 
bereits mit 300 Pferden stand und wohin die Hayducken-Regimenter 
Andrassy, Batthyänyi und Bagosy im Marsche waren. 

Obschon Prinz Eugen, zur Zeit noch in Wien mit der Leitung 
des Hofkriegsrathes beschäftigt, dem Vorhaben, jenseits des Po sich 



') Pelet; 17U5. 1 
'l Supplement-He 



120 

festzusetzen, der Wesenheit nach beipflichtete, weil er nur zu gut 
wusste, y,iii welcher Tragweite für den künftigen Feldzug es sei, wenn 
die kaiserlichen Truppen sich auf italienischem Boden behaupten, so 
musste er doch Leiningen gegenüber Bedenken militärischer, 
insbesondere aber politischer Natur geltend machen. Der Prinz 
wies darauf hin, dass Requisitionen in dem Gebiete von Ferrara der 
äussersten Vorsicht bedurften, und dass dieselben nur dann erfolgen 
sollten, wenn die Subsistenz clor Truppen solche unbedingt erheischen 
wurden. Schon von Anbeginn musste das Hauptgewicht darauf gelegt 
werden: der Wiener Hof wolle das päpstliche Gebiet geschont wissen, 
um die .Spannung mit der Curie nicht zu steigern. 

Uebrigens war es für Eugen äusserst schwer, von der Ferne 
Dispositionen gutzuheissen oder zu tadeln, da der Stand der Dinge 
sich noch nicht überblicken Hess. In seinem Schreiben vom 10. Jänner') 
betonte er aber, dass Leiningen seine Stellung bei Gavardo nicht 
früher verlassen solle, als bis er die Gewissheit habe, dass er, „wohin 
er sich zu portiren gedenke", unfehlbar reussiren könne, damit er 
„sieh nicht vergebens aus der dermaligen Situation entferne, anderer- 
seits aber die Absicht nicht fehlschlagen möchte-'. Zum Schlüsse be- 
merkte der Prinz: „Euer Excellenz, die in der Lage sind, werden 
diesfalls am besten zu agiren wissen, gleichwie Deroselben die Hände 
nicht gesperrt sind, dasjenige zu thun und vorzunehmen, wodurch Sie 
Ihrer kaiserlichen Majestät Allerhöchsten Dienst zu befördern und Dero 
darinnigen Waffen Reputation wieder emporzubringen glauben." 

Leiningen's Entsatzversuche gegen Piemont und 

M i ra d dola. 
Der rasche Wechsel der Verhältnisse veranlasste G. d. G. Grafen 

Leiningen zur Aenderung der Absieht, sich in dem Gebiete' von 
Ferrara festzusetzen. Durch seine Kundschafter hatte er erfahren, der 
Herzog von Vendöme wolle seine Armee in Piemont durch Truppen 
des Grosspriors verstärken und die Garnisonen im Brescianischen 
durch Landmilizen ersetzen •). 

In solchem Falle war es jedenfalls vorteilhafter, von Gavardo 
aus gegen das Mailändische vorzudringen und die feindlichen Bewe- 
gungen zu stören, als lediglich der Subsistenz willen den Po zu iiber- 



') Supplement-Heft Nr. 2. 

! ) Dur Ursprung dieser Gerüchte datirte von dein Drängen Ludwig XIV., noch 
im Jänner die Belagerung von Turin vorzunehmen. Wie bereits dargethan, hatte 
V en dorne diese Zuinuthung abgelehnt und war auf die Schwächung des Grosspriors 
nicht eingegangen. 



121 

schreiten und sich dabei der Gefahr auszusetzen, das Debouche in 
das Brescianische zu verlieren. 

Um dem Zuzüge der Franzosen nach Piemo.nt wenigstens momentan 
eiu Ziel zu setzen, betrachtete Leiningen eine Demonstration als 
seine nächste Aufgabe. Er wollte „ans anssersten Kräften beflissen 
seiu, mit der besten Mannschaft auszurücken, um den feindlichen 
Marsch zu incommodiren, nichtsdestoweniger aber gleichwohl den Ort 
Salb, um dass der Lago di Garda wegen unserer Communication und 
Transport sicher sei, besetzter halten und die Verwahrung hierüber 
dem Marchese Ba.n'ni anvertrauen" 1 ). 

F~S\L. Graf Ser eni erhielt demgemäss den Befehl, „mit 5000 Mann 
über Dezenzano" vorzudringen. Das erste Zusammentreffen mit, dem 
Feinde berechtigte zu guten Hoffnungen 2 ), denn der Kampf, in 
welchem unter Anderen der französische General Lantrei tödtlich 
blessirt worden, entschied sieh günstig für die Kaiserliehen. Unver- 
hofft fiel aber „ein bei Mannesgedenken hier nicht gesehenes Schnee 
wetter'' ein, und da dasselbe „drei Tage und Nächte ununterbrochen" 
andauerte, so wurden „die Verbindungen derart unpracticabel", dass 
weder Fussvolk, noch Reiterei fortkommen konnte und Seren i mit 
seinem Expeditions-Corps unverrichteter Dinge wieder nach Gavardo 
zurückkehren musste. (Das Datum dieser Unternehmung' ist nicht zu 
eruiren.) 

Relativ war dies wohl ein Vortheil, denn im Jänner sendete der 
Commandänt von Mirandola, GWM. Graf Königsegg, dringende 
Hülferufe nicht nur an Leiningen, sondern auch nach Wien 3 ). Er 
forderte und erwartete Rettung, nachdem „dasige Festung in Zügen" *) 
lag. Wohl war es in Absicht, schon am 23. Jänner den (»bristen Rattee 
mit 700 Mann 5 ) zu Fuss und 600 Pferden als Succurs abzusenden 
und diesem eine Baarsumme von 1500 Gulden mitzugeben, um der 
dringendsten Noth in Mirandola wenigstens für eine kurze Zeit 
abzuhelfen. 

Obrist Battee, Commandänt des Dragoner-Regimentes Herbeville, 
erhielt folgende Instruction: 



') Kriegs-Archiv, Italien, 1705; Fase. I. 18. 

■'} Supplement-Heft Nr. 32. 

3 ) Supplement -Heft Nr. 31. 

»I Schon am 3. Jänner berichtete Königsegg: „Befleissige mich auf alle Art 
and Weis, den angesetzten Termin bis auf Halb dieses Monat zu halten, wo aber 
der Succurs nicht erfolgt, werde in kurzer Zeit zu capitulheii <;ez\vuiiu'eii ^iu." 

5 ) Diese waren zumeist Hayducken, welche Leiningen zu Battde in das 
Veronesische in Marsch gesetzt hatte. 



124 

erwähntermassen die Möglichkeit der Operationen jenseits des Po, 
wenn auch nicht völlig abgeschnitten, doch ausserordentlich erschwert. 
Gleich beim Beginne der Blbkade hatten die Franzosen Mirandola von 
Concordia an bis Quarantoli auf der modenesischen Seite-, dann gegen 
das Mäntuanische zu. wo zahlreiche Wasserläufe vorkommen, durch 
acht grosse Schanzen, die ausser Geschützertrag des Platzes an den 
Ilauptzugangswcgen angelegt waren, eingeschlossen. 

Freilieh mussten diese Werke so weit von einander placirt werden, 
dass äich an eine wechselseitige Unterstützung nicht im entferntesten 
denken Hess. Da Zwischenwerke fehlten, blieb den Entsatztruppen stets 
die Möglichkeit, diesen Gürtel zu durchdringen; vorausgesetzt, dass 
dieselben mit dem zur Ueberbrückung der zahlreichen Wasserläufe 
nöthigen Materiale versehen waren. Die grösste Schwierigkeit lag oben 
in der Annäherung an die feindliche Cernirungslinie. Denn von der 
Stellung der kaiserlichen Armee führten nur zwei Wege nach Miran- 
dola. Der eine, vorausgesetzt, dass der Po oberhalb Stellata passirbar 
war, lief direct über Tramuschio gegen la Fossa.. In der rauhen 
Jahreszeit, d. i. in jener, während welcher eben die Hülfe Noth that, 
erschwerten und hinderten die hoch angeschwollenen Wasserläufe jede 
Bewegung der Truppen, während diese im Hochsommer keinerlei 
Schwierigkeiten gefunden hätten. Nach dieser Richtung war somit der 
Weg völlig verschlossen. 

Die zweite Directum dagegen zwang die Entsatztruppen, eine 
Reihe feindlicher Posten zu passiren, d. h. es waren Kämpfe während 
der Annäherung an Mirandölä nicht zu vermeiden. Wurde nämlich 
unterhalb Stellata der Po passirt, so zwang dies erstlich zur Ueber- 
setzung jenes Po-Armes, welcher „Po di Ferrara" benannt ist, und 
welcher zwischen der gleichnamigen Stadt und Bondeno überschritten 
werden musste. Da stand der erste Kämpf in Aussicht, und dies um 
so mehr, als erwähntermassen auch die päpstlichen Truppen zu 
Feindseligkeiten gegen die Kaiserliehen vom Grossprior aufgefordert 
worden waren, und sehen von selbst dazu hinneigten. Vorausgesetzt, 
dass sich diesem Strausse ausweichen Hess, fand sich wieder der 
Panaro im Wege und dort blieben die fünf feindliehen Posten zu 
Finale, Casa bianea (Cabianca), Ca de Coppi, Campo Santo und Solara 
zu überwältigen. Am wenigsten Widerstandsfähigkeit besassen Ca de 
Coppi und Casa bianea. und dort Hess sich der Durchbruch am ehesten 
gewärtigen. Von da an kam nur mehr S. Feiice in Betracht, und 
diesem Puncte konnte man ausweichen. 

Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die Hauptschwierigkeiten 
bei einem Entsatzversuche nicht bei den Cernirungs-Truppen, sondern 



125 

in der Forcirung des Po- und Panaro-Ueberganges lagen. Gesteigert 
aber wurden dieselben durcb die Unmöglichkeit, die Stärke der feind- 
lichen Truppen vor dem Platze selbst annäherungsweise richtig zu 
sehätzen; denn ununterbrochen fanden zu jener Zeit Bewegungen 
der Französischen Massen und namentlich in den angegebenen Rich- 
tungen statt. 

Ende Jänner schätzte Königs egg den ihn bedrängenden Gegner 
folgendermassen : .... ,,glaube, dass der Feind aus Modena und anderen 
Orten, ohne was in den Redouten bleiben muss, 300 — 400 Pferd. 
300 Grenadiere und 100 Mousquetiere zusammenbringen kann, so ein 
Corpus von 10—17 Hundert ausmachet" 1 ). Zu dieser Zeit wäre dem- 
nach der Entsatz im Bereiche der Möglichkeit gewesen. Da aber 
Lein ingen bei den wiederholten Anläufen dazu den Gegner auf das 
Vorhaben aufmerksam machte, so hatte dieser es nicht versäumt, 
Gegenmassregeln zu treffen, und das Expeditions-Corps wäre sicherlich 
nicht bis an den Po gekommen, denn es konnte dazu nur eine ver- 
liältnissmässig geringe Truppenzahl verwendet werden. 

Unzweifelhaft hatte sich aber auch L e inin g e n's Position mittler- 
weile verschlimmert. Die Franzosen erschienen bei Malcesine (die Stelle, 
an welcher der Garda-See am engsten und geschlossensten ist) mit 
armirten Fahrzeugen und bedrohten die Zufuhren von Proviant, welche 
Baron R i e d t von Torbole und Riva einzuleiten im Begriffe stand. Zwar 
wichen die feindlichen Schiffe zurück, als jene, welche kaiserlicherseits 
in Bereitschaft gehalten waren, sich zeigten, aber es blieben doch 
noch immer bewaffnete feindliche Barken in der Gegend von Mal- 
cesine. Auch gewann es den Anschein, dass die am Mincio stehenden 
Truppen <}<■* Grosspriors sich gegen Isola della Scala, Nogara und 
Sanguinetto ziehen würden, offenbar in der Absieht, die Bewegungen 
der Kaiserlichen im Verohesischen zu beobachten und derart ä portee zu 
sein, dass ihre Gegenwirkung in dem richtigen Momente geschehen könne. 

GWM. Conte Roccavione, welcher den Entsatz von Miran- 
dola bewirken seilte, war gegen Knde Februar mit seinem, vorwiegend 
aus Cavallerie bestehenden Detaehement östlich des Garda-See' s in 
S. Pietro eingetroffen: aber ernste Bedenken sprachen gegen die 
sofortige Ausführung des Vorhabens. Die Franzosen hatten sieh mit 
5000 Mann zu Fuss und zu Pferd hei Villafranca postirt und päpst- 
liche Truppen hielten ihm Po dergestalt besetzt, dass ohne überlegene, 
hinreichend mit Artillerie versehene Macht an den Strom-Uebergang 
nicht zu denken war. 



') Kr 



12« 

Abgesehen davon, dass Roccavione's Detachement nicht aus- 
reichen konnte, lief dasselbe Gefahr, im Falle es dennoch gelang, nach 
Mirandola zu kommen, dort vom Feinde eingeschlossen und vom 
gleichen Schicksale, wie die Besatzung ereilt zu werden. Auf eine 
Diversion von Seite Leiningen's Hess sich nicht zählen, denn 
das Gros durfte sich nicht in dem Masse schwächen, dass es Gefahr 
lief, die Deboucheen in das Brescianische zu verlieren. Andererseits 
wieder wäre der Verlust des Roccavione'schcn Detachements zu 
empfindlich gewesen, als dass man kaiserlicherseits auf gut Glück die 
Expedition wagen durfte. 

Für den Moment hatte Roccavione eine viel wichtigere Auf- 
gabe, und diese bestand darin, nicht blos Tyrol zu decken, sondern 
auch die Etschlinie von der Chiusa an, Fluss-abwärts so weit als dies 
möglich, zu sichern. Ein von Roccavione dto. S. Pietro, 23. Februar, 
an Leiningen gerichtetes Memoire') beweist, wie richtig dieser 
General die Sachlage auffasste und über den seeundären Zweck die 
Hauptaufgabe: um jeden Preis das Debouchiren der Verstärkungen 
aus Tyrol zu sichern, nicht aus dem Auge verlor. 

Freilich glaubte Leiningen dem Befehle Eugen's Rechnung 
tragen und Alles aufbieten zu müssen, um Mirandola für eine ver- 
längerte Widerstandsleistung zu befähigen. Erwiesenermassen war die 
richtige Zeit zum Entsätze versäumt worden. Diesbezüglich berichtete 
auch Baron Ricdt am 1. März an Eugen: .... „und hätte dieses 
Dessein vor langer Zeit geschehen sollen, ehe und bevor der Feind 
einige Nachricht davon gehabt hätte. Anjetzo aber, da der Feind 
schon allen Widerstand disponirt hat, ist der Po und Panaro derarl 
verwahrt, dass des G. d. C. Leiningen Excellenz mit seinem ganzen 
Corpo Mirandola zu suecuriren nicht wohl effectuiren wird 2 !". 

Prinz Eugen's Gleichmuth war auf eine harte Probe gesetzt, 

und er schrieb am 4. März an Leiningen: „seithero aber, 

da Sie öfters berichtet haben, wie dass Sie zum mouvement parat 
stünden und die misures genommen wären, haben Sie doch gleich 
wiederum darauf die Difticultäton und nichts Anderes als die Anfrage 
angeführt, was Sie nämlich thun sollten. Es begreifen aber Euer 
Excellenz wohl von Selbsten vernünftig, das- man von Weiten einem 
commandirenden Generalen nicht allemal positive vorschreiben könnte, 
wie und was er operiren sollte, dann die Conjuncturen und des Feindes 
Contenance müssen ex facie loci die beste Anleitung geben, und wenn 
also nochmöglich wäre, dass vor Ankunft de- Succurses Euer Excellenz 

') Kriegs-Archiv, Italien, 1705; Fase. 11. 31h 
') Kriegs-Archiv. Italien, 1705| Fase III. 1. 



127 

eine Diversion machen könnten, wurde es sein- erspriesslich sein." Im 
Falle aber „ohne augenscheinliche Gefahr gar nichts geschehen könnte". 
sollte „das letzte, worauf man sehen muss" sein, dass „gleichwohlen 
der Fuss in Wälschland erhalten und das ( !orpo nach äusserster 
Möglichkeit suhsistiren gemacht werde" '). 

Es ist schwer zu begreifen, dass Leiningen noch im März 
auf eine Unterstützung Mirandola's dachte, denn er gesteht selbst zu, 
dass jeder seiner Pläne dem Feinde verrathen und dadurch jede 
Absicht bezüglich Mirandola's vereitelt worden sei:. . . . „der Gross- 
prior hat sich öfters und bei öffentlicher Tafel raillirt. dass er sowohl 
von Wien, und zwar vornehmlich durch den alldort anwesenden 
venetianisehen Botschafter, als auch von hier durch verschiedene viele 
und sichere Correspondenten Alles in Erfahrung brächte und darüber 
seine genügsamen Misures nehmen könnte" 2 ). 

Die Meldungen Leiningen's, vornehmlich aber der Bericht 
des General-Quartiermeisters Baron Riedt, veranlassten den Prinzen 
Eugen, in Wien am 6. März eine Kriegs-Conferenz abhalten zu lassen. 
in welcher wichtige Beschlüsse gefasst wurden. Der Hauptpunct gipfelte 
darin, dass das Corps Leiningen's „den jetzt in Italien habenden 
Fuss, es kost auch was es wolle" behaupten müsse. Im Falle es wegen 
Mangel an Fourage unmöglich sei, die Cavalleric am westlicheu Ufer 
des Garda-See's zu erhalten 3 ), sei selbe bis zur Ankunft des »Succurses 
jenseits (östlich) der Etsch gegen S. Martino, wo GWM. Roccavione 
bereits stand, in Marsch zu setzen. In Gavardo waren „nur etliche 
hundert Pferd, deren man unumgänglich beizubehalten von Nötheu 
haben wird", zurückzulassen. Die Infanterie sollte „näher zusammen- 
gezogen" und die gewählte Position derart befestigt werden, dass sie 
selbst im Falle eines überlegeuen feindlichen Angriffes unter jeder 
Bedingung behauptet werden konnte. Zu diesem Behufe hatte Lei- 
ningen auch „so viel Stück, als zu Dcfension gehörig, aus Tyrol 
dahin liringen" lassen"). 

Um die Zahl der so schwierig zu verpflegenden Truppen in 
Gavardo möglichst zu verringern, musste der Infanterie-Train (Bagage 



') Supplement-Heft Nr. :is. 

'-) Kriegs-Archiv, Italien, 1705; Fase. III. 3/1. 

3 ) Die von den Franzosen im Brescianischen vorgenommenen Bewegungen 
hatten Leiningen die Möglichkeit abgeschnitten, .-ms der Umgebung seiner Posi 
tion luv ilie Reiterei noch ferner Ressourcen zu ziehen, und l»-i der Schwierigkeit 
der Zufuhren auf dem Garda-See, lag die Gefahr nahe, wegen Futtermangel eine 
grosse Einbnsse an Pferden zu erleiden. 

4 ) l>i,' Befestigung erfolgte thatsächlich in ausgedehntem Masse, und diese 
Voraussicht Engen's trug in der Folge auch ihre Früchte. 



128 

Pferde mit Wärtern) derart nach Tyrol verleg! werden, dass selber 
einerseits möglichst nahe bei den betreffenden Regimentern blieb, 
andererseits aber wieder jene Strassen, auf denen die Verstärkungen 
heranrücken mussten, nicht sperrte. 

Obschon Anfangs März an eine Diversion zu Gunsten Miran- 
dela's nicht zu denken war, konnte sich Eugen noch keineswegs mit 
dem Gedanken befreunden, dass auf die Freiheit der Bewegung jen- 
seits des Po verzichtet werden müsse. Er bedeutete darum Leiningen: 
„Wenn sich eine Occasion ereignen würde, jenseits des Po oder ander- 
wärtig hin sich moviren zu können", diese zu benützen, keinesfalls 
aber dürfte eine rückgängige Bewegung nach Tyrol erfolgen 1 ). 

In dem Thal, wo FML. Sereni stand, in der Valle di Trompia, 
in der Gegend von Chiari, überhaupt in dem von den kaiserlichen 
Truppen beherrschten Landstriebe, sollte nach vorhandenem Raubfutter 
geforscht werden, damit der Prinz „in tempore sieh resolviren" 
konnte, „an welchem Ort der Succurs zusammenkommen und die 
( )]ierationes tüglieher Massen vorbereitet werden" sollten. 

Bezüglich des Entsatzes von Mirandola schrieb Eugen noch am 
11. März an Leiningen: „Eure Excellenz kehren also alle Mög- 
lichkeit an, um den Zweck zu erreichen, gleich es nach des Comman- 
danten Grafens Königsegg selbsteigenen Brief nicht völlig unmöglich 
scheint. Ich erkenne, dass es zwar ohne Hasard nicht ablaufen dürfte. 
allein in derlei Fällen muss auch die Extremität und grosse Conse- 
quenz vorschlagen *)." 

Den vollendeten Thatsachen gegenüber blieben Eugen's "Wünsche 
unerfüllbar. Die günstige Zeit zur Proviantirung und Verstärkung des 
wichtigen Stützpunctes hatte Leiningen ungenützt verstreichen 
lassen, während der Gegner, die Absicht. Mirandola zu verstärken, in 
Ei-fahrung brachte und folgerichtig alle Mittel anwendete, das Vorhaben 
zu vereiteln. Von Woche zu Woche aber mussten sieh naturgemäss 
die Schwierigkeiten steigern und endlich unüberwindlich werden. Dass 
Prinz Eugen dies nicht glauben wollte und an Martini. Etiedl 
und Roccavione gleichzeitig Directive erliess 3 ), ist nur zu 
begreiflich. 

Waren die Verhältnisse des Leiningen'schen Corps durchaus 
nicht Hoffnung erweckend, so mussten die Ereignisse in Piemont nahezu 
deprimirend auf Eugen wirken, den wichtige Geschäfte noch immer 
in Wien zurückhielten. 



') Supplement-Heft Nr. 38. 
■', Supplement-Heft Nr. 39. 
»I Supplement-Heft Nr. 45, 46. 47. 



129 

Graf Leiningen hatte auf das Drängen des Prinzen') aber- 
mals den Anlauf zur Verstärkung Mirandola's genommen and dies- 
bezüglich am 27- März berichtet: „die Festung Mirandola belangend, 
ist zu derselben schleuniger Rettung bereits Obrist Battee mit 300 
wohlberitteneH Commandirten und dazu tauglichen Officiers befehligt 
worden; wie auch solchen, Herrn General-Feldwachtmeister Conte de 
Roccavione bis der Gegend S. Martin nach- und auf dem Fusse 
zu folgen, avisiret, um den vorhabenden Marsch in Allem nach Möglich- 
keit facilitiren zu helfen" '-). Letzterer brachte aber neuerdings so 
gewichtige Gründe gegen ein solches Unternehmen vor, dass Lei- 
ningen von seinem Entschlüsse abging. Es war ja zu einleuchtend, 
dass 300 Pferde, abgesehen von den erwähnten Schwierigkeiten im 
Terrain, gegen die dem Gegner nunmehr in der Lombardie zur Ver- 
fügung stehenden Streitkräfte, selbst wenn Genie und Tollkühnheit 
zusammengewirkt hätten, unmöglich zur Rettung Mirandola's etwas 
beitragen konnten. Begreiflich ist es darum, dass Eugen's Ankunft 
von allen Unterbefehlshabern sehnlichst gewünscht wurde. So z. B. 
schrie!) Roccavione an den Prinzen: „nous avons, Monseigneur, 
un extreme besoin de voir arriver Votre A., et je puis l'assurer que 
ce pavs l'attend avec une tres-grande impatience" *). 

Die Belagerung 1 und der Fall von Mirandola. 

Als Vendöme die Kunde erhielt, dass Leiningen im Be- 
griffe sei, die Grenze des Brescianischen zu verlassen, um sich in der 
Val Polisella mit Roccavione zu vereinigen 4 ), und beunruhigt 
durch die vorherzusehende baldige Ankunft des Prinzen Eugen in 
Italien, gab er seinem Bruder Befehl, ohne Säumniss die Belagerung 
von Mirandola einzuleiten. Derselbe bestimmte hiezu unter Oberbefehl 
des Ingenieurs Lapara 9 Bataillone, 4 Escadronen, 28 Geschütze 
und 5 Mörser. 

Die Artillerie ward am 13. April zu Mantua eingeschifft, auf dem 
Mincio. dem Po und der Secchia nach Concordia, und von da aus, vor 
Mirandola geführt. Ein Theil davon langte am 17. vor dem Platze an, 
an welchem Tage die Einschliessung begann. 

Wenngleich Mirandola auf den Namen einer Festung nicht 
Anspruch machen konnte, so hatte die Stadt in Rücksieht auf die 



') Supplement-Heft Nr. 43, 50, 53. 

2 ) Kriegs-Archiv, Italien, 1705; Fase. III. 

3 ) Kriegs-Archiv, Italien, 1705; Fase 111. 
4 j Pelet; V. Pag. 262. 

Feldzüge des Prinzen Eugen v. Sayoyeu VII. Band. 



130 

Angriffsmittel der damaligen Zeit immerhin genügende Willerstands 
kraft. An der Umwallung waren 7 Bastions und es befand sich, wie 
bei vielen befestigten Orten Ober-Italiens, auch eine Citadelle bei der 
Stallt. Weniger die Umfassung, als der ihr vorliegende Graben begrün- 
dete die Widerstandsfähigkeit. Mirandola's; derselbe war 16 Toisen 
breit und mit 14 bis 15 Fuss tiefem Wasser angefüllt. Ein detachirtes 
Fort „La Motta" bildete das einzige Vorwerk. 

GWM. Graf Konigsegg, welcher beim Beginn der Blokade 
im Jahre 1704 über 

634 Mann vom Regimente zu Fuss Künigsegg, 
544 „ „ „ „ „ d'Arnan, 

71 „ von Andrässy-Haydueken, 
77 „ „ Batthyänyi Baydueken, 
73 „ „ verschiedenen Regimentern. 
46 „ Irlander. 
18 Dragoner zu Fuss, 
13 „ „ Pferd, 

d. i. über 1463 Mann und 13 Reiter und über 50 Geschütze, einige 
Mörser und den mehr als zulänglichen Schiessbedarf verfügte, hatte 
zur Zeit der Belagerung wohl noch gegen 1000 Mann, doch waren 
dieselben in Folge der Entbehrungen physisch und moralisch herab- 
gekommen und die Möglichkeit der ferneren Subsistenz hatte nahezu 
aufgehört. 

In der Nacht vom 19. auf den 20. April Hess Lapara durch 
1000 Soldaten und 600 Landleute die Trancheen eröffnen und be- 
orderte zur Deckung der Arbeiter 2 Bataillone und 2 Grenadier l ' 

pagnien. Mit so ansehnlichen Arbeitskräften konnte wohl Erspriessliches 
geleistet werden, und nach den französischen Quellen war schon in 
der ersten Nacht die Approche auf 400 Toisen gegen den bedeckten 
Weg vorgetrieben. Zu dieser Beschleunigung gab der Umstand Anlass, 
dass Königsegg bei Beginn der Kinschliessung 100 Mann zu dem 
Zwecke aus der Festung gesendet hatte, um über den erwarteten Entsatz 
Nachrichten einzuholen. Das Detachement wurde in ein Gefecht ver- 
wickelt und erlitt eine Einbusse von 11 Todten und 10 Getangenen. 
Von letzteren erfuhr L a p a r a : K ö n i g s e g g habe vom Prinzen E u ge n 
ein Schreiben erhalten, welches den Entsatz Anfangs Mai in sichere 
Aussieht stelle. 

Gleich anfänglich hatte der französische Ingenieur die fehlerhafte 
Placirung des Forts La Motta erkannt, welches viel zu weit von 
dem Platze lag, als dass es durch das Feuer aus demselben oder 
durch Ausfälle hätte unterstützt werden können. Lapara suchte sich 



131 

darum vor Allem dieses lästigen Punctes zu entledigen. Gegen Abend 
des 19. stellte er auf dem Wege, welcher vom Fort zur Stadt führte, 
zwei Grenadier-Compagnien auf, während auf der entgegengesetzten 
Seite zwei Zwölfpfünder im wirksamsten Ertrage placirt wurden. Die- 
selben eröffneten am 20. mit Tagesanbruch ein heftiges Feuer und 
nöthigten die aus 82 Mann bestehende Besatzung zur Räumung des 
Objectes. Beim Rückzüge gegen Mirandola musste die kleine Schaar 
Jen beiden im Hinterhalte lauernden französischen Grenadier < 'om 
pagnien in die Hände fallen. Bios ein geringer Theil rettete sich durch 
die Flucht, während die Mehrzahl gefangen oder getödtet wurde. 

Während der beiden darauffolgenden Nächte trieben die Fran- 
zosen ihre Approchen von beiden Flügeln der Angriffsfront gegen den 
bedeckten Weg vor und es erfolgte dort die Logirung auf dem linken 
Flügel. Seiion am 22. eröffneten die Mörser ihr Feuer, während die 
Kanonen erst am 24. in die Batterien eingeführt werden konnten, weil 
L a p a r a diese ganz nahe an der Umwallung angelegt wissen wollte. 

Gegen diese Annäherung hatten sich die Belagerten wohl mit 
grösster Anstrengung gewehrt. Sie unterhielten vom 20. ab ein ununter- 
brochenes Geschütz- und Gewehrfeuer, welches aber ebenso erfolglos 
bleiben musste, wie die vom bedeckten Wege aus unternommenen 
Ausfälle. 

Dem Ziele nahe wähnte sich Lapara, als es ihm in der Nacht 
vom 23. auf den 24. gelang, auch auf dem rechten Flügel die Logi- 
rung vorzunehmen. Anhaltender heftiger Regen nöthigte aber die 
Franzosen zur Einstellung aller Angriffsarbeiten. Sie mussten zunächst 
wieder das Wasser aus den Trancheen schaffen und die durch das 
Unwetter verursachten Schäden ausbessern. Erst am 29. April waren 
18 Geschütze in die Bresche-Batterien eingeführt und begannen ihr 
Feuer, während gleichzeitig drei Sappen vorgetrieben wurden, um den 
Grabenrand zu krönen. 

Königsegg's Lage war unbedingt eine verzweifelte. Schon in 
seinem ersten Berichte, dass die Franzosen „mit grosser Anzahl von 
Arbeitern die Approchen eröffnet und bis zu den Spitzen des atta 
quirten Poligons vorgetrieben - ' hätten, weiset er darauf hin, wie es an 
Allem ..absonderlich an Leuten'' mangle. Wegen Unzulänglichkeit der 
Truppen konnte die Contre-Escarpe nicht besetzt werden, überhaupt 
gebrach es au der Möglichkeit, durch eine nur halbwegs active 
Gegenwehr den Fortschritt der Belagerungsarbeiten zu verzögern 
oder zu hemmen. 

Der Grossprior war gegen Ende April bei den Belagerungs- 
Truppen eingetroffen, doch verweilte er nur kurze Zeit, weil die Dinge 

9* 



132 

die sich an den Grenzen Tyrols vorbereiteten, seine Anwesenheil bei 
der Armee dringend erheischten. Auch Lapara sah sich veranlasst, 
vom Belagerungs-Corps 2 Cavallerie-Regimenter zu detachiren, wonach 
er nur mehr über 100 Pferde verfügte. Diese Schwächung war aber 
zur Zeit völlig bedeutungslos, weil Mirandola, welchem die französische 
Armee jeden Zuzug abgesperrt hatte dem sicheren Falle entgegenging. 

Nur mühsam kamen die französischen Mineure vorwärts, und 
obgleich Lapara's Truppen erwähntennassen Ende April an beiden 
Flügeln ihrer Angriffsfronl sich im bedeckten Wege festgesetzt hatten, 
konnte erst am 4. Mai die Galerie im Graben begonnen werden. Wäre 
Königsegg von der Unmöglichkeit eines Entsatzes innerhalb weniger 
Tage nicht vollkommen überzeugt gewesen, so hatte er durch Ver 
bauen der Breschen den Widerstand noch für eine kurze Frist ver- 
längern können. Unter den obwaltenden Umständen blieb die Auf- 
opferung der Besatzung völlig nutzlos. Prinz Eugen hatte nämlich 
dem Commandanten von Mirandola mitgetheilt, dass, im Falle der Platz 
vom 7. Mai ab sich nicht fernere 14 Tage oder 3 Wochen behaupten 
lasse, die Capitulation anzubieten und die Garnison zu retten seiM. 

Bei der schwierigen Lage Königsegg's musste der mit Geschick 
und nach allen Regeln der Kunst von Lapara geleitete Angriff zum 

Zi.de führen; doch geschah dies keineswegs so rasch als Yendönic 

es wünschte. Der kaiserliche Befehlshaber hielt sich in dem Platze. 
bis es zum Aeussersten gekommen war. Erst als am 10. Mai sich die 
Franzosen fast des ganzen äusseren Grabenrandes bemächtigt und 
gangbare Breschen eröffnet hatten, musste Königsegg die Capitulation 
anbieten, wollte er die Truppe vor Gefangenschaft bewahren. Lapara 
ging aber auf die gestellten Bedingungen nicht ein; der aus 900 Mann 
bestehende Rest der Besatzung fügte sich dem Unvermeidlichen, weil 
Mangel an Lebensmitteln die fernere Gegenwehr ausschloss. 

Nach der am 11. Mai unterzeichneten Capitulation musste sich 
die Garnison als kriegsgefangen ergeben; die Officiere, denen Wallen 
m ,d Gepäck belassen wurde, durften nach Verpfandung ihres Ehren- 
wortes in den Internirungsorten „frei gehen", und mit ihrer Truppe 
verkehren. Der Feind nahm die Sorge für die zurückgelassenen Ver- 
wundeten auf sich, und dem Grafen Königsegg ward es freigestellt, 
Krankenwärter zurückzulassen. Ausserdem durfte der kaiserliche Befehls- 
haber an den Prinzen Fugen einen Officier mit der Nachricht von 
dem Falle Mirandola's absenden M. 



') Supplement-Heft Nr. 82. 

2 ) Pelet, Archives du depot de la 



133 

Geschütze, Munition und der geringe Vorrath an anderweitigem 
Kriegsmaterial fiel dem Feinde in die Hände. 

Unmittelbar nach Unterzeichnung der Capitulation zog die kai- 
serliche Besatzung aus dem Platze, welchen Lapara blos durch ein 
Bataillon besetzen Hess, wahrend er den Rest des Belagerungs-Corps 
sogleich gegen Mantua in Marsch setzte. 

Vendom e's Calcul, den Kaiserlichen noch vor dem Kintreffen 
der Verstärkungen in Clavardo den wichtigen Stützpunct am rechten 
Po-Ufer /.n entreissen, war ein annähernd richtiger. Am 19. April 
hatte er bemerkt: ,.die Tranchee vor Mirandola muss vorgestern (17.) 
eröffhel worden sein. Ich hoffe, der Platz wird nur bis Ende dieses 
Monats ausdauern. Die Verstärkung dieses Platzes steht noch im 
weiten Felde, so dass ich mit einiger Sicherheit hoffen und mir 
schmeicheln kann, dieselbe werde nicht zeitlich genug erfolgen, um 
rang von Mirandola stören zu können" '). 



'l Kriegs-Archiv, Italien, 170;"); Fase. IV. 1. ad 11. (Aufgefangene Depesche 
jii Duc de la Feuillade in Piemont.) 



Vorbereitungen zur Eröffnung der Campagne durch 
Prinz Eugen. 

Peinlich mussten dun noch im April zu Wien zurückgehaltenen 
Prinzen Eugen die Nachrichten aus dem austro-savoyischen Lager 
vod Chivasso berühren. Herzog Victor Am ade us gab ihm bekannt, 
der Duc de la F e u i 11 a d e sei mit den bei Nizza entbehrlich gewor- 
denen Truppen im Marsehe gegen Pignerol, „um sich nicht nur mit den 
dort befindlichen Bataillons, auch neu angekommenen Regimentern zu 
Pferd, sondern auch mit der vom Duc de Vendome in Postirungen 
verlegten Armee zu conjuugiren und um die Bombardirung vou 
Turin vorzunehmen". 1 ). Feldmarschall Graf S tar hemb erg's Besorg- 
nisse, dass der Herzog noch vor Beginn der Operationen der kaiser- 
lichen Entsatz-Armee wankend werden könne, entbehrten darum nicht 
der Begründung: „kann Euer Durchlaucht nicht bergen, wasmassen 
erwähnte Se. königl. Hoheit durch Dero gefasste Unlust über das diese 
Zeit über empfundene Tractament (ohne Hülfe in der äussersten Noth 
geblieben zu sein), dass solche von allen Orten verlassen, von dem 
Feind hingegen um und um sich eingesperrter sehen müsse, mir sowohl 
als anderen Wohlgesinnten sehr bewegt und kleinniüthig vorkommen, 
ja fast scheinen will, dass solcher wohl gar eine oder andere, dem 
Gemeinwesen schädliche Intention machiniren und auskochen dürfte" 2 ). 

Zu so arger Verstimmung des Herzogs von Savoyen hatten 
aufgefangene feindliche Depeschen wesentlich beigetragen; namentlich 
war es jene, welche Vendome an d'Usson richtete und in welcher 

bemerkt ist: Ihre grösste Aufmerksamkeit, so scheint mir. 

müssen Sie, so viel Sie können, dahin richten, dass dem Herzoge von 
Savoyen keine Verstärkungen zur See zukommen können"). 



') Kriegs-Archiv, Italien, 1705; Fase. IV. 5. 

2 ) Kriegs-Archiv, Italien 1705; Fase. IV, 3. (Schreiben vom 15. April.) 

J ) Kriegs-Archiv, Italien, 1705; Fase. IV. 11. 



135 

Victor Amadeus hatte darum wohl die Berechtigung an den 
Prinzen Eugen zu schreiben: ... es ist unbedingt nothwendig, 
dass Sie alle Anstrengungen machen, Ihre Armee zu formiren, um 

uns vor dem Untergange zu bewahren : ich erwarte von Moment zu 
Moment die Rückkehr meines Couriers, hoffend, von ihm Ihre Ankunft 
in Italien zu erfahren, nnil dass Sie. sobald nur immer möglich, in 
Action treten ' ). 

Wo die Ungunst der Verhältnisse in solchem Masse wirkt, wie, 
es 1705 gegen' Oesterreich der Fall war, musste das Wollen und 
Können seihst eines Eugen machtlos bleiben. 

Hatte schon Leiningen's Unentschlossenheit dazu beigetragen, 
den Beginn einer kräftigen Action zurückzustauen, so wirkten aoch 
andere Umstände ein, welche wie ein Bleigewicht auf den Entschlüssen 
des kaiserlichen Feldherrn in Ober-Italien lasteten. 

Zunächst war es die bittere Notwendigkeit, lediglich aus Ver- 
pflegsrücksichten die Reiterei in das Veronesische legen zu müssen. 
Leiningen hatte selbe, den vum Prinzen gegebenen Directiven 
gemäss, bis auf das Sinzendorft" sehe Dragoner-Regiment, welches Behufs 
des Vorposten- und Patrullendienstes zurückbehalten wurde, von 
Gavardo auf dem Landwege nach Tvrol in Marsidi gesetzt. Wegen 
der Beschwerlichkeit des Weges und der Schwierigkeit der Verpfle- 
gung in dem Gehirgslande, Hess sich die Bewegung nur langsam voll- 
fuhren. Das Missliche dieser Theilung der Bauptkraft lag darin, dass 
sie zu einer Zeit geschehen musste, in welcher der Herzog vou 
Savoyen einer kräftigen Diversion von Seite der Entsatz-Armee 
dringend bedurfte. Nicht minder deprimirend wirkte die Katastrophe, 
welche sieh in Mirandola vorbereitete und schon zu einer Zeit erfolgte, 
in welcher Eugen völlig ausser Stande war, dieselbe hinauszuschieben, 
geschweige zu verhüten*). 

Vor Karstellung der Verfügungen des kaiserlichen Feldherrn ist 
es nothwendig, sich über die Massnahmen bei der feindlichen Armee 
zu orientiren. 

Ende April verhandelte V e n d 6 m e über die für den Beginn 
der Campagne in der Lombardie erforderlichen Dispositionen. Die 
Folge davon war die Bestärkung seiner ursprünglichen Idee, dass 
gegen den Po nichts zu besorgen, im Gegentheile aber im Brescia- 
nischen der Kampf mit der kaiserlichen Armee zu gewärtigen sei. 

Folgerichtig musste das Absehen dahin gehen, dem G. d. C. 
Graf Leiningen das Debouchiren in die Ebene zu verwehren, ja 

') Kriegs-Archiv, Italien 1705; Fase. IV. 11. (Schreiben Tora -JH. April.) 
•i Supple nt-Heft Nr. 72, 73. 



13ö 

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Uebernahme des Oberbefehles. 

Während der französische Befehlshaber mit Conjuncturen mannig- 
facher Art sich beschäftigte, hatte Prinz Eugen bereits in die Speichen 
des in's Hollen gekommenen Rades eingegriffen. Neuer Muth belebte 
die kaiserlichen Truppen, die schon durch die blosse Ankunft ihres 
Feldherrn sieh gegen jeden feindlichen Schlag gefeit fühlten. 

Noch war er aber weit davon entfernt, den kaiserlichen Doppel- 
aar zum Siege zu führen. Eugen musste seinen eigenen und seiner 
Armee Thatendurst zügeln, denn die Schwierigkeiten auf dem Rriegs- 
theater, die sich gegen des Prinzen Absichten allseitig aufthürmten, 
erheischten Vorsicht und kluge Ueberlegung. Erst mussten die nach 
und nach eintreffenden Verstärkungen zu compacter Masse gesammeil 
und Vorbereitungen getroffen werden, welche dem Zufalle keinen 
Spielraum Hessen. Und gerade in solchen Beziehungen zeigt äich das 
Genie des Feldherrn am deutlichsten, indem es neben den grossen 
[deen auch das scheinbar Kleine nicht aus dem Auge lässt. 



Eugen/s Versuch, den Mineio zu forciren. 

Ende April in Roveredo eingetroffen, verweilte Eugen dorl 
einige Tage, am die im Anmärsche begriffenen preussischen Truppen ') 
zu besichtigen und den Zuzug der Verstärkungen zu regeln. Deren 
Vereinigung mit den bei Gavardo stehenden Truppen war in zweierlei 
Weise möglich. Entweder musste vom Etsch-Thale aus der Garda-See 
auf schwierigen Gebirgspfaden mit grossem Zeitverluste umgangen 
werden, (.der die am linken Ufer der Etsch östlich von Verona zu 
Bammelnden Verstärkungen schlugen den kürzeren Weg über Etsch 



') Di 



Allt'luiirlir I • - - ■ I ■ ( 



136 

ihn selbst aus den gegenwärtigen Positionen zurückzuwerfen, ehe noch 
der kaiserliche Oberfeldherr and die Verstärkungen einzutreffen ver- 
mochten. Am 25. April war Ven dorne über die Abreise Eugens 
von Wien und von dem Marsche der Brandenburger noch nicht unter- 
richtet; ungeachtet dessen traf er am 1. Mai im Vereine mit dem 
G-rossprior zu Mantua seine vorbereitenden Anordnungen. Es wurden 
37 Bataillone und 55 Escadronen für die Operationen im freien Felde, 
15 Bataillone und 10 Escadronen aber für die Garnisonen und sonst 
aöthigen Posten bestimmt 1 ). Da aber diese Truppen noch nicht ver- 
sammelt waren, erfolgten die Dispositionen zur Concentrirun"; : von 
10 Bataillonen Spaniern hatte nur Eines den Mincio erreicht, die 
anderen waren am Oglio und an den Grenzen des Mailändisehen. Die 
Cavallerie aber stand noch in Gera d'Adda. Zwei aus dem Neapoli 
tanischen eingetroffene Bataillone verweilten in dem Genuesischen und 
9 Bataillone, welche von Piemont in die Lombardei marschiren sollten, 
hatten ihre Quartiere noch nicht verlassen. Die gesammte Infanterie 
erhielt nun Marschbefehl. 6 Bataillone Spanier sollten vom Oglio an 
den Mincio vorrücken, die 9 Bataillone aus Piemont und die beiden 
aus Neapel in Pavia eingeschifft und innerhalb fünf Tagen nach Mantua 
geschafft werden. Die spanische Reiterei aber, welche innerhalb zwei 
oder drei Tagen am Mincio eintreffen konnte, blieb vorläufig noch 
an der Adda. 

Die Concentrirung seiner Streitkräfte hatte Ven dorne für den 
15. Mai in Absicht, und zwar für den Fall, als zu dieser Zeit 
die Kaiserlichen noch getrennt und auf verhältnissmässig grossem 
Räume ausgedehnt wären. In solchem Falle schien es leicht, den in 
Gavardo und Salö stehenden G. d. C. Grafen von Leiningen mit 
Uebermacht anzufallen und in das Gebirge zurückzuwerfen, und 
dadurch Euge-n's Absieht: Rasch in der Lombardei Terrain zu 
gewinnen, zu vereiteln 2 ). 



>) Pelet, 1705; Tome V. 

2 j Die Doppelzüngigkeit der Venetianer zeigte sich schon in den ersten Ver- 
fügungen ilcs französischen Feldherrn. Das venetianische Regiment zu Fuss Marche- 
sini war bestimmt, am S.Mai von Brescia nach Lonato zu marschiren; doch wurden 
dahin andere Compaguini zu Pferd beordert, und dies hatte seinen guten Grund. 
Das venetianische Regiment blieb in Reserve, um selbes, im Falle die Franzosen 
Desenzano verlassen mussten, dahin zu werfen und dadurch den Oesterreichern die 
Besitzergreifung dieses wichtigen Punctes unmöglich zu machen. (Heimlicher Tractat, 
Kriegs-Ärchiv, 1705; Fase. V. 7.) 



Uebernahme des Oberbefehles. 

Während der französische Befehlshaber mit Conjuncturen mannig- 
facher Art sich beschäftigte, hatte Prinz Eugen bereits in die Speichen 
des in's Rollen gekommenen Rades eingegriffen. Neuer Muth belebte 
die kaiserlichen Truppen, die schon durch die blosse Ankunft ihres 
Feldherrn sich gegen jeden feindlichen Schlag gefeit fühlten. 

Noch war er aber weit davon entfernt, den kaiserlichen Doppel- 
aar zum Siege zu führen. Eugen musste seinen eigenen und seiner 
Armee Thatendurst zügeln, denn die Schwierigkeiten auf dem Kriegs- 
theater, die sich gegen des Prinzen Absichten allseitig aufthürmten, 
erheischten Vorsicht und kluge Ueberlegung. Erst musstcn die nach 
und nach eintreffenden Verstärkungen zu compacter Masse gesammelt 
und Vorbereitungen getroffen werden, welche dem Zufalle keinen 
Spielraum Hessen. Und gerade in solchen Beziehungen zeigt sich das 
Genie des Feldherrn am deutlichsten, indem es neben den grossen 
Ideen auch das scheinbar Kleine nicht aus dem Auge lasst. 



Eugen's Versuch, den Mincio zu forciren. 

Ende April in Roveredo eingetroffen, verweilte Eugen dort 
einige Tage, um die im Anmärsche begriffenen preussischen Truppen ') 
zu besichtigen und den Zuzug der Verstärkungen zu regeln. Deren 
Vereinigung mit den bei Gavardo stehenden Truppen war in zweierlei 
Weise möglich. Entweder musste vom Etsch-Thale aus der Garda-See 
auf schwierigen Gebirgspfaden mit grossem Zeitverluste umgangen 
werden, oder die am linken Ufer der Etsch östlich von Verona zu 
sammelnden Verstärkungen schlugen den kürzeren Weg über Etsch 



') Diese waren schon im Februar zum Aufbruche beordert worden 



138 

iiml Mincio gegen Gavardo ein. Der Vortheil dieser Position durfte 
aichl verloren gehen, und dahin begab sich der Prinz, um das Terrain 
und die Truppenvertheilung aus eigener Anschauung kennen zu lernen. 
Er nahm manche Aenderung in der Aufstellung der Posten vor und 
übertrug dem General-Feldzeugmeister Baron Bibra das Commando 
über sämmtliche, am westlichen Ufer des Garda-See's befindlichen 
Armee-Theile , während der bisherige Commandant, <*. d. C Graf 
Lei ningen zu der unweit S. Martine, (bei Verona i lagernden Reiterei 
beordert wurde. 

Die währenddem aus Piemont eingetroffenen Nachrichten mussten 
bei dem kaiserlichen Feldherrn ') alle Bedenken gegen eine Forcirung 
des Mincio -Uelierganges •) zurückdrängen. Abgesehen davon, dass 
dadurch den aus den Erblanden kommenden Zuzügen der mühevolle 
Umweg erspart wurde '), konnte durch eine Concentrirung nach vor- 
wärts schon bei Beginn der Campagne ein gewisses Prestige über die 
am Mincio stehende französische Macht gewonnen werden — wesentliche 
Gründe, welche Eugen die Schwierigkeiten eines mit Bibra zu com- 
binirenden Manövers und des dadurch entstehenden Mangels an ein- 
heitlicher Leitung nicht hoch in Anschlag bringen Hessen. Nicht ohne 
Einfluss mochten auch die Erinnerungen an die rasche, mit geringen 
Verlusten bewirkte Ueberschreitung des Mincio im Jahre 1702 ge- 
wesen sein. 

Uebrigens galt es noch, der dem Falle nahen Festung Mirandola 
Eülfe zu bringen. Im Angesichte des numerisch überlegenen Feindes 
durfte aber Eugen keine grössere Detachirung wagen, sollten Bibra 
oder die Entsatztruppen nicht in eine gefährliche Lage gerathen, welche 
für den Verlauf der Campagne gewiss nachtheilige Folgen gehabt hätte. 
Doch geschah das Mögliche, indem Obrist Battee mit einem Theile 
der Reiterei gegen den Po vorgeschoben wurde, um einen günstigen 
Moment zur Hilfeleistung für Königs egg nicht zu versäumen. Dass 
ein solcher nicht eintrat, geht aus dem Falle Mirandola's hervor. 

Zur Bewegung über Etsch und Mincio hatte General-Quartier- 
meister Baron Riedt Brücken über ersteren Fluss und einen Brücken- 
train*) zum Uebergange über letzteren vorbereiten lassen. Bei 

') Supple Qt-Heft Nr. 79, 81. 

2 ) Supplement-Heft Nr. 81, 83. 

3 ) Supplement-Heft Nr. 78. 

") Dies gelang nur mit grossen Schwierigkeiten, denn von lä Fahrzeugen, 
welche .-ms Tyrol kamen, waren Mos 12 branchbar und es mussten 8 von den Vene- 
tianern requirirt werden. Besondere Noth hatte es damit, die Fuhrwerke derart 
herzurichten, dass sie die Last der schweren Flussschiffe tragen konnten. (Kriegs- 
Ar.hiv, Italien, 1705; Fase. V. 5.| 



139 

San Michele und bei Santa Maria, unterhalt Verona, befanden sieh 
die von Riedt errichteten Uebergänge über die Etsch, und am 8. Mai 
wurde diese unterhalb Verona mit der Reiterei und der aus Tyrol 
angelangten Infanterie passirt. Zu gleicher Zeit Hess Prinz Eugen 
FZM. Baron Bibra verständigen, dass ea in nächster Absicht liege, 
nach Villafranca zu marschiren, um den Mincio-Uebergang zu ver- 
suchen. Diesen zu erleichtern, sollte das Corps von Gavardo ausrecht 
zeitig eine Diversion unternehmen 1 ). Eugen machte aber Bibra 
aufmerksam, „sich wohl in Acht zu nehmen und auf keine Weg und 
Weis zu weit in die Ebene vorzuwagen", damit ihm kein unverhofftes 
Unglück zustosse. Für die Zeit dieser Diversion sollten die in Riva, 
Torbole und Umgebung bequartierten Unberittenen der Reiterei die 
zeitweilig zu verlassenden Posten besetzen und entlang des Lago di 
Garda die Schifffahrt sichern. 

Durch die Bewegung, welche Bibra noch am 8. Mai vornahm, 
konnte Vendome die Absicht des Prinzen E u g e n, sich dadurch den 
Mincio-Uebergang zu erleichtern, sogleich errathen. Er Hess darum 
unter dem Befehle des Grosspriors blos 10 Bataillone und 12 Escadronen, 
welche sich in Calcinato, Desenzano und Castiglione befanden, wahrend 
der Pest der französischen Truppen zum Theil nach Mantua, zum 
Theil an den oberen Mincio beordert wurde 2 ). Die vorgeschobenen 
Posten, welche in Lazise und Bardolino standen, erhielten Befehl, sich 
zurückzuziehen; zwei Bataillone und ein Cavallerie-Regiment marschirten 
von Montechiaro nach Monzambano, um von letztgenanntem Puncte bis 
Goito die Furten des Mincio zu bewachen. Vier weitere an Mantua 
herangezogene Cavallerie-Regimenter bildeten die Reserve der entlang 
des Flusses verwendeten Truppen. 

Das Lager hatte Prinz Eugen am 8. aus dem Grande bei 
Sa. Maria di Zevio gewählt, weil dadurch dem Gegner keinerlei 
Anhaltspuncte für die beabsichtigte fernere Marschrichtung der Kaiser- 
lichen dargeboten war. Es ist dies nämlich ein Strassenknotenpunct, 
von welchem aus mit gleichem Vortheile verschiedene Richtungen 
gegen den Mincio eingeschlagen werden konnten. Die directe Ent- 
fernung beträgt 15 Miglien, während nach Zurücklegung von 25 Miglien 
Ponte Molino, von 10 Miglien Isola de la Scala, von 12 Miglien Villa- 
franca auf guten Strassen sich erreichen Hessen. 

Um ins Klare zu kommen, wo der Feind seine Haupt kraft, an 
dem Flusse autgestellt habe, wurden zahlreiche Parteien ausgesendet. 



') Supplement-Heft Nr *;">. 

2 ) Au diesem Flusse standen bereits 4 Bataillone und :! Reiter-Regimenter. 



140 

Von diesen kehrte der Savoyische Dragoner - Hauptmann Hack 
noch am 8. zurück. In gewohnter Weise war er wohl rasch vor- 
gedrungen und hatte ,,b' Franzosen niedergehaut, nebst 14 Pferde 
auch 10 gefangene Reiter mitgebracht", befriedigende Aufschlüsse 

konnte er aber ebenso wenig als die später eintreffenden Kund 
schafter geben. 

So sehr auch ein rascher Marsch von der Etsch an den Mincio 
nöthig war. musste doch aus erheblichen Gründen am 9. in dem Lager 
zugewartet werden. Der Prinz, hatte ja noch den Obristen Batteeam 
unteren Po detaehirt, dessen Eintreffen in Santa Maria erst erfolgen 
sollte. Auch waren die Truppen für mehrere Tage mit Brod zu ver- 
sehen und für den bevorstehenden Kampf in Bereitschaft zu setzen; 
ebenso mussten Bespannungen requirirt werden, um die aus Trient 
herbeigezogenen 20 Feldstücke, 8 schweren Kanonen und 4 Mörser 
bewegungsfähig zu machen. 

last am 10. Mai konnte der Aufbruch gegen Povegliano in der 
Absicht erfolgen, von dort aus den Flussübergang zu versuchen, 
während der Brückentrain nach Bussolengo dirigirt wurde. 

General-Quartiermeister Baron Riedt eilte an den Mincio vor- 
aus, und schon zu Mittag traf von ihm der Berieht ein, er habe: „unter- 
wegs Kundschaft erhalten, dass der Feind noch in Valeggio wäre und 
Tags vorher (9.) zwei Stück dahin gebracht, noch zwei andere zu 
Borghetto haben thäte, von wannen bis Monzambano 1000 Pferde und 
6000 zu Fuss ankommen sein- sollten. Selbstverständlich begnügte 
sich Riedt nicht mit diesen Daten, sondern nahm die Recogrioscirung 
des Flusses vor. 

Auf diese gestützt, beabsichtigte Prinz Eugen die Forcirung 
des Ueberganges am 11. Mai und traf die nöthigen Dispositionen, zu 
welchen auch jene gehörte, dass der Brückentrain die Weisung erhielt, 
sogleich aufzubrechen, um am 11. Morgens bei Salionze am Mincio 
eintreffen zu können. 

Um die Aufmerksamkeit des Feindes zu theilen, dirigirte Prinz 
Eugen seine Reiterei mit Tagesanbruch am 11. gegen Valeggio, 
während die Infanterie gegen Salionze in Bewegung gesetzt wurde, 
woselbst Riedt den Brückenschlag anzuordnen hatte. 

Mit grossen Anstrengungen gelang es, drei Schiffe in den Fluss 
zu bringen, doch hinderte die Heftigkeit des feindliehen Feuers die 
Fortsetzung der Arbeiten. Die kaiserliche Infanterie musste sich aus 
dem Bereiche der mörderisch wirkenden französischen Artillerie zurück- 
ziehen, und die bereits eingebauten drei Fahrzeuge konnten erst in 
der Nacht zum 12. geborgen werden. 



141 

Dieser missglückte Uebergangsversuch war immerhin geeignet, 
FZM. Baron Bibra in eine nachtheilige Lage zu bringen '), und 
darum erwartete Eugen mit fieberhafter Ungeduld eine Meldung aus 
Gravardo. Als diese eintraf, dass Bibra sich „gegen den Mincio nicht 
nioviren könne, weil er es in einem Marsch nicht effectuiren, in zwei 
aber zu gefährlich und man zu exponirt war", verzichtete der Prinz 
auf die Forcirung des Mincio-Ueberganges und war entschlossen, die 
Vereinigung mit Bibra über und entlang des Garda-See's zu be- 
wirken. Noch am J2. ertheilte er den Befehl: auf dem Lago so 
viel Schiffe als möglich zusammenzubringen und nach Lazise zu 
schicken. 



Vereinigung der getrennten Theile der Armee Eugen's ' i. 

Am 15. erfolgten in dem Lager bei Bussolengo die nöthigen 
Dispositionen, um die gesammte Infanterie behufs der Embarquirung 
nach genanntem Puncte zu dirigiren, während die Reiterei über die 

Etsch zurückzukehren und in drei Theilen den Landweg über Ro- 
veredo mit Umgehung des Grarde-See's durch die Val Sabbia gegen 
Salö einzuschlagen hatte. In dem bezüglich der Lage in Piemonf 
äusserst kritischen Momente, absorbirte eine solche Bewegung freilieh 
ein übergrosses Mass an Zeit. Was an dieser versäumt werden inusste, 
sollte durch Beschleunigung der Massnahmen abgekürzt werden. 

Schon am 13- Mai Nachmittags waren das Regiment Württemberg 
und das preussische Regiment Prinz Philipp behufs der Ueberschiffung 
nach Lazise abmarschirt. Das späte Eintreffen der Fahrzeuge und die 
unzureichende Anzahl gestatteten aber nur. das erstgenannte Regiment 
und einen Theil des letzteren über den See zu bringen, während der 
Res1 erst am 14. embarquirt werden konnte. 

Ungeachtet an diesem Tage die Kunde von dem Ableben Kaiser 
Leopold I. eingetroffen war, Hess Prinz Lugen nach Mitternacht 
zum 15. den gesammten Train nach Lazise in Bewegung setzen und 
dort das neue Lager vorbereiten. Da selber durch so zeitlichen Auf- 
bruch einen Vorsprang gewonnen hatte, ordnete der Prinz den Abmarsch 
sämmtlicher Trappen am 15. Früh an. 

Ehe dieser jedoch erfolgte, wurden „durch die Generalität bei 
der kaiserlichen Cavallerie und Infanterie verschiedene Kreise ge- 
und sowohl denen Officieren als Gemeinen der gestern 



') Supplement-Hi ft Nr. 86, 87. 
'-) Supplement-Heft Nr. 89. 



142 

(14. Mai) gemeldete traurige Todesfall Ihrer kaiscrl. Majestät höchst 
seligen Andenkens kundgemacht und anbei ihres vorigen Juraments 
Treu und Schuldigkeit erinnert". Prinz Eugen aber lieb in seinem 
Schreiben vom 18. Mai 1 ) an Kaiser Joseph II. den Empfindungen 
Ausdruck, welche Leopold I. Tod bei ihm hervorgerufen hatte: „Alier- 
gnädigster Kaiser, König und Herr! Gleichwie der unverhoffte Hintritt 
Euer kaiscrl. Majestät Allerdurchlauchtigsten Herrn Vaters, meines alier- 
gnädigsten Herrn hochseligsten Andenkens, bei dem ganzen Bezirk des 
wohlgesinnten Europae, fttmehmlich aber bei Derosclbeu unterworfen 
gewester Monarchie ein unbeschreibliches Leidwesen verursacht haben 
wird, also hat es auch die hierseitig unter meinem Commando stehende 
Armada sowohl in generali, als Ich in partieulari empfunden. Mit 
dem alier, dass Ich und sie mit allertiefster Unterthänigkeit die 
mir und ihr pflichtschuldigst obliegende Condolenz ganz submiss hie- 
mil ablegen sollen, so gibt auch zugleich die Hoffnung den Trost, dass 
man ebenfalls mittelst der höchstgewürdigten Succession E. k. M. 
einen allergnädigsten Landestursten und Herrn, wie auch Vater für 
die arme in Elend lang gelassene Miliz haben werde " 

Nach dem Aufbruche der Armee am 15. Mai, und als sie sich 
auf eine Wegstunde Lazise genähert hatte, war starker Kanonen- 
donner vernehmbar. Eugen schloss hieraus, dass es am Lago mit 
dem Feinde zum Zusammenstosse gekommen sei. Es wurden sogleich 
vier Regiments-Stücke dahin beordert und auch der Prinz eilte auf 
den Kampfplatz. Die französischen armirten Fahrzeuge waren den 
kaiserlichen Transportschiffen auf dem Garda-See an den Leib ge- 
ruckt, dass diese umkehren mussten. Der Leiter des Convois, der preus- 
sische General-Lieutenant Stille, Hess aber ungeachtet des heftigen 
feindlichen Feuers erneuert den Versuch machen, auf S. Vigilio zu 
steuern. Der Gegner, diese Absicht zu vereiteln, hatte seine Kanonen 
auf Schussweite von genanntem Puncto placirt. Eugens Disponirung 
der vier Regiments-Stücke nöthigte alier die französische Artillerie „zu 
schleunigem Rückzuge". 

Mittlerweile hatte der von Fugen befehligte Theil der Armee 
Lazise erreicht und dort das neue Lager bezogen. Der Prinz erachtete 
es für nöthig, den Wasserweg noch besser zu sichern, und darum beor- 
derte er ein ferneres Regiment nach S. Vigilio, woselbst auch die vier 
Regiments-Stücke blichen. 

Schon vor Tagesanbruch des l(i. erfolgte die völlige Trennung 
der Infanterie von der Cavallerie und sämmtlicher Bagagen. Erstere 

M Supplement-Heft Nr. 90. 



143 

vollführte den Marsch nach S. Vigilio, um sich dort einzuschiffen. 
( >bschon der Transport über den .See ohne Beunruhigung vmi Seite 
des Feindes von Stalten ging, war doch vorauszusehen, dass derselbe 
vor zwei oder drei Tagen nicht beendet sein könne. Denn am lö. 
vermochte man nur das Prinz Philippische Regiment und zwei Com- 
pagnien Anhalt zu überschiffen. Prinz Eugen, welcher tagsüber 
von dem Gange der Embarcation sich überzeugf hatte, setzte erst 
Abends über den See und bezog zu Salö das Hauptquartier. 

Auch am 17. ergab sich kein besonders günstiges Resultat, 
denn nur der Rest des Anhaltischen Regiments mit zahlreichen 
Officierspferden und ein Theil der nach und nach angesammelten 
Recruten vom Starhemberg'sclien und Ilarrach'schen Regimente, 
konnten über den See geschafft werden. Ungestümes Wetter ver- 
zögerte am 18. den Transport abermals, und es war nicht daran zu 
denken, die preussischen Truppen vor weiteren 2 — 3 Tagen über den 
See zu bringen. 

Die Stimmung, in welcher der Prinz sich befand, kennzeichnet 
sein Bericht vom 18. Mai an den Hofkriegsrath '). 

Da mittlerweile vom FZM. Bibra die Nachricht eingetroffen 
war, dass derselbe sich mit seiner Truppenmacht gegen Gavardo 
zurückgezogen habe, so Hess Eugen den am 18. überschifften Theil 
der preussischen Truppen zur Villa nova passiren. Diese Massrege] 
erfolgte einerseits, um das Eintreffen der über das Gebirge marschi- 
renden Reiterei, die dort debouchiren musste, mit Sicherheil erwarten 
und an sich ziehen zu können; andererseits um das Lager der Armee, 
welches mehrere Tage behauptet werden musste, gegen die sich mehr 
und mehr ansammelnden feindlichen Streitkräfte besser zu decken. 

Schon in kürzester Frist erwies sieh diese Vorsicht als äusserst 
nothwendig; denn als Prinz Eugen mit Anbruch des Morgens am 
19. im Begriffe stand, sich nach Gavardo zu verfügen, liefen die 
Berichte ein, dass „der Feind nach dem gestrigen Mouvement des 
FZM. Bibra sich ingleichen moviret und um das kaiserliehe Lager 
herum an unterschiedlichen Orten, in speeie zu S. Oseto (Soseto, einem 
kleinen Orte, der am östlichen Eingange jener Thalmulde liegt, 
durch welche der Weg von Sopraponte über Vallio, Caino und Nave 
vom Rücken der Stellung zu Gavardo gegen Brescia führt), gegen 
Val di Sabbia Posto gefasset und sich auch zu Palazzolo gelagert, 
noch ein anderes Lager von spanischen Truppen zu Nave habe und 
sich allenthalben verschanzen thue". 

') Supplement-Heft Nr. 91 92, 



144 

Nicht unbegründet war daher die Besorgniss, dass dei Gegner die 
Vereinigung mit der durch die Val Sabbia tnarschirenden Reiterei vqi 
hindern, ja selbst vor Eintreffen derselben einen Angriff auf Gavardo 
unternehmen wolle. Eugen recognoscirte das Terrain, um den Fran- 
zosen in solchem Falle Schach liieten zu können. 



Noch am Ki. Mai war die Bewegung der Kaiserlichen gegen 
den Garda-See und gegen die Etsch Ven dorne und dem Grossprior 
unbekannt. Ersterer Wähnte den Prinzen noch bei Bussolengo und 
war damit beschäftigt, seinem Bruder es möglieh zu machen, Bibra 
anzugreifen und dann Salö in seine Gewalt zu bekommen. That- 
sächlich hatte der Grossprior am 18. Mai mit 22 Bataillonen, 
18Escadronen und 10 Stücken den Marsch in der Absicht angetreten, 
Bibra zu überwältigen, ehe er die Vereinigung mit Eugens Streit- 
kräften bewirken konnte. 

Der rasche Aufbruch der Kaiserlichen von Bedizzole und der 
Rückzug nach Gavardo parirte in geschickter Weise den vom Feinde 
beabsichtigten Schlag. Dem Grossprior, der nur mehr B i b r a's 
Nachhut erreichte, erübrigte blos, sich den Besitz des verlassenen 
kaiserlichen Lagers zu sichern, indem er seinen rechten Flügel an 
Bedizzole, den linken an Schloss Drugolö stützte. 

Nach dieser Versäumniss des richtigen Momentes zweifelte 
Ven dorne nicht länger, dass Eugen seine gesammten Streitkräfte 
sehr bald vereinigt haben werde. Darum trachtete auch er, alle dispo- 
niblen Truppen zu versammeln, welche die Armee in der Lombardei 
zu bilden bestimmt waren. Nur 4 Bataillone und 4 Escadronen blieben 
unter Toralba's Commando am Oglio, 4 Bataillone und 9 Escadronen 
am Mincio, 2 Bataillone und 6 Escadronen am unteren Po, endlich 
10 Bataillone in den festen Plätzen. Für die Operationen im freien 
Felde blieben sonach 37 Bataillone und 47 Escadronen '). Diese 
Truppenzahl schien Vendome mehr als ausreichend, um Eugen 
nicht blos den Weg zu verlegen, sondern ihn selbst zu schlagen. 
Der französische Feldherr basirte diesen Calcul darauf, dass der An- 
marsch der Churpfälzer hinausgeschoben 8 ) und andere Zuzüge für die 
Kaiserlichen eingestellt worden waren. 



') Pelet; Mem. Tome V. Pag. 279. 
2 ) Siehe Aufstand in Bayern. 



145 



Angriff der Kaiserlichen auf Soseto. 

Unter den Massnahmen, welche V^endome zur Einschliessung 
der kaiserlichen Armee getroffen hatte, musste die Vorschiebung von 
800 Mann [nfanterie and 200 Pferden unter Commando des Genei-als 

Tora 11) a. nach Soseto äusserst unbequem erscheinen. Einerseits 
befand sieh der genannte Punct nahe an dem baiserlichen Lager, 
andererseits bildete der vorgeschobene feindliche Posten einen genügend 
starken Vorhang, hinter' welchem namhafte Streitkräfte unbemerkt 
anrücken konnten. Obschon der Prinz einen Angriff von dieser Seite 
keineswegs besorgte, musste er dennoch das bezügliche Defile vom 
Feinde säubern, weil durch dasselbe die Möglichkeit des Hervorbrechens 
aus Gavardo sich um eine Richtung vermehrte. 

General Toralba hatte die Weisung, einem übermächtigen 
Drucke wohl nachzugeben, aber dennoch das Vordringen der Kaiser- 
lichen zu verzögern. Dies deutet darauf hin, dass Vendome die Mög- 
lichkeit in's Auge fasste, der Prinz konnte auf diesem Wege vorrücken, 
obschon er es nicht für wahrscheinlich hielt. 

Nach der Kecognoscirung, welche Eugen am 19. Mai vorge- 
nommen hatte, crtheilte er bei der Rückkehr in das Lager, ohne dass 
dort über seine nächste Absicht auch nur die leiseste Vermuthung 
auftauchte, im Geheimen dem Obristen Z u m Jungen den Befehl, mit 
1500 Mann, unter welchen sich kaiserliche und preussische Grenadiere 
und Infanterie befanden, in der Nacht zum 20. aufzubrechen und 
sich des französischen Postens zu .Soseto zu bemeistern. 

Dieser Auftrag wurde mit solcher Umsicht und Energie ausge- 
führt, dass nach kurzer Gegenwehr der Haupttheil der französischen 
Truppen die Flucht ergriff'). Erwägt mau die Stärke derselben, so 
erscheint der Mangel an Widerstand nicht gerechtfertigt. Nach den 
französischen Quellen soll Zum Jungen zwei Compagnien spanischer 
Grenadiere überrascht und ungeachtet hartnäckiger Verteidigung 
gefangen genommen haben. Toralba zog sieh, da er (wie in den fran- 
zösischen Quellen angegeben wird) nicht stark genug /.um Widerstände 
war, mit dem Reste seines Detachements nach Nave, mehr um den Feind 
zu beobachten, als das Debouchiren in die Ebene zu verhindern 2 ). 
Es ist dies eben einer von den zahlreichen Fällen, in denen der Com 
mandant eines Postens dem Einflüsse der ersten Ueberraschung folgt, 
anstatt den Gegner durch Ausnützung der in jeder Oertlichkeit sich 



'i Die Details über dieses Gefecht sind in den Acten nicht enthalt) 

') Pelet; V., pag. 286. 
Feldziige des Prinzen Eugen v Savoyen VII Band. 1() 



146 

darbietenden Vbrtheile, welche in Folge der ('nnHguration des Terrains 
bei Soseto gewiss vorhanden waren, zur Entwicklung und zum Ver- 
brauche seiner Kraft zu nüthigen. 

Ueber die Art des Kampfes berichtet Zum Jungen, dass seine 
Truppe „also zwar gefochten, dass man sie nicht mit geringer Mühe 
zurückhalten konnte, um nicht Alles massacrirt zu haben ')". Von den 
Spaniern mussten sich ungefähr 200 Mann und 31 Ofiiciere, darunter 
1 Obristlieutenant, als Gefangene ergeben, wahrend die Kaiserlichen 
blos 1 Todtcn und 8 Verwundete, unter letzteren 1 Hauptmann und 
1 Lieutenant, einhüssten "). 

( »bschon der Angriff auf Soscto dem Feinde zeigte, dass der 
kaiserliche Feldherr auf das Thal-Defile, welches gegen Nave führt, 
Gewicht lege, so war doch andererseits für Ven dorne dieses 
Unternehmen nicht besorgnisserregend; die Nähe des französischen 
Postens zu Soseto an der Aufstellung der Kaiserlichen, konnte als 
Motiv gelten, sich einer so unbequemen Nachbarschaft zu entledigen. 
Die folgenden Ereignisse beweisen aber, dass der kaiserliche Feldherr 
aus ganz anderen, und zwar sehr gewichtigen Gründen, das gegen Nave 
führende Defile frei haben wollte. 

Ven dorne hinwieder irrte in seiner Voraussetzung, dass die 
üble Beschaffenheit der ( 'ommunication, welche, zumeist durch ein 
enges Gebirgs-Defile führend, sehr schmal, steil und mit Felsgerölle 
bedeckt war. für die Bewegung einer Armee impracticabel sei. 



Dem ursprünglichen Plane gemäss sollte G. d. ('. Graf Leiningen 
die gesammte Cavallerie wegen der Kürze des Weges über den Monte 
Baldo führen. In jenen Theilen des Gebirges lag aber noch tiefer 
Schnee, und dies nöthigte zu dem bedeutenden Umwege im Etsch- 
thale aufwärts über Ala, dann den Garda-See in seiner Längen- 
erstreckung umgehend, um über Rocca d'Anfo nach Gavardo zu 
gelangen, was viel Zeit, nebstbei auch die Kräfte der Pferde sehr in 
Anspruch nahm. 

Am 18. Mai hielt L e ini n g e n zu Ala einen Rasttag, einerseits 
um die Reiterei mit Hafer zu versehen, andererseits um das Hufbeschläge 
der Pferde in Stand zu setzen. Der General wollte die schweren Bagagen 
über den Garda-See transportiren lassen, wogegen aber General -Kriegs- 
commissär Baron Martini entschieden Einsprache erhob. Abgesehen 
davon, dass es an den hiezu nöthigen Fahrzeugen gebrach, wäre eine 



'l Kriegs-Archiv, Italien, 1705; Fase. XIII. •_>. 
2 ) Kriegs-Archiv, Italien, 1705; Fase. V. 47. 



147 

solche Verfügung den Befehlen des Prinzen entgegen gewesen, weil sich 
der Recruten-Transport, welcher von Tag zu Tag zunahm, dadurch ver 
zögert hätte. Ma r tin i Hess darum den Train gleichfalls über das ( rebirge 
in Marsch setzen und bot Alles auf, die Bewegung der Reiterei zu 
erleichtern und zu fördern. Er hatte verfügt, dass die Landesbewohner 
schon am 18. Morgens das Grünfutter in der Umgebung von Ala 
abmähten und schon vor Ankunft Leiningen's in das Lager schafften, 
wodurch einer weiteren Ermüdung der Truppen durch Fouragiren 
vorgebeugt und ein mehr als hinreichender Futtervorrath beigestell! 
wurde. Für die nächstfolgende Strecke der Bewegung der Reiterei und 
des schweren Fuhrwerkes standen wohl Martini die Mittel zu 
Gebote, wenigstens das nöthige Brod vorzubereiten. Nichl so günstig 
war es aber um den ferneren Marsch bestellt. Leiningen berichtete 
aus Ala : „Ich habe die 12.000 Pferde bei mir und einen solchen 
Embarras auf dem Hals, dass bei Ermanglung vorheriger guter An- 
stalten alle Desordres schwerlich werden zu verhüten sein. Ich schicke 
den Visconti'schen Obristwachtmeister Eben voraus, welcher sich zu 
Rocca d'Anfo und der Enden zur Verhütung aller Excessen so viel 
immer möglich postiren solle." 

Am 24. Mai erst war Leiningen zu Conditio angekommen, 
und in Folge des zurückgelegten äusserst beschwerlichen Weges, 
„insonderheit aber, um zu Lodrone das Brod zu empfangen", musste 
ein Rasttag gehalten werden. Die preussische Cavallerie „lamentirte" 
sehr über den Abgang des Hafers; thatsächlich hatten ihre Pferde auf 
diesem weiten Marsche an Kraft allgenommen '). 

Die Zeit drängte und darum sendete Eugen noch am 24. den 
Befehl an Leiningen, den nächstfolgenden Tag nach Sabbio zu mar- 
schiren, worauf dieser erwiderte: „Obwohlen nun die Cavallerie durch 
die stäte und zwar grosse, auch der üblen Wege halber sehr penible 
Marehes sehr abgemattet ist, so werde dennoch Dero gnädigstem liefold 
nachzukommen, morgen Abends mit Allem was marschiren und fort- 
kommen kann, zu Sabbio stehen." Thatsächlich erreichte Leiningen 
am 25. diesen Punct, fand aber nach einem Marsche von neun „deutschen 
Stunden" den Befehl Eugens, sich erneuert „zum Aufbruch in Bereit- 
schaft- zu halten, obschon der Futtermangel die ohnehin abgetriebenen 
Pferde noch mehr herabgebracht hatte -i. 



') FZM. Barou Bibra hatte bereits Befehl, die unberittene, in Qui reu 

befindliche Mannschaf) der Cavallerie zu versammeln; doch unterlag auch dies 
Schwierigkeiten, weil „solche aller Orten und sogar auf der [nsel Fratti minor bei 
Salö zerstreuter sich befanden." 

2 ) Kriegs-Archiv, Italien, 1705; Fase. V. 57. 



Angrifi'sversuch der Franzosen auf die Position von 
Gavardo. 

Prinz Eugen drängte Leiningen aus dem Grunde, weil er 
nicht zweifelte, sein Gegner werde die günstige Gelegenheit zu über- 
legenem Angriffe vor dem Eintreffen der kaiserlichen Reiterei zu 
Gavardo nicht versäumen. Einem solchen war übrigens durch Ver 
schanzung der Position von Gavardo nach Möglichkeit vorgebeugt 
werden. Die Befestigungen erstreckten sich in der Richtung von Salö 
am Garda-See über Soprazocco und Gavardo Ins zur Einsattlung von 
Soseto, und zwar waren die am Eingange der Bucht von Salö gelege- 
nen Inseln, der Landungsplatz Maderno, die Kirche Bocca di eroce, 
ferner der von dort über S. Üiagio ^Soprazocco inferiore) bis zum 
Chiese sich erstreckende Höhenzug und alle in dieser Linie gelegenen 
Weiler und Casinen, die sieb zur (iegeiiwehr eigneten, befestigt. Auf 
dem rechten Ufer des genannten Flusses deckten Verschanzungen 
und Verhaue bis zu den Kuppen des Monte Gäsoto und Pra 
de! Bagno das Lager, dessen Front 2500 Schritte Ausdehnung 
hatte. Vervollständigt war die Deckung dadurch, dass die Dörfer 
Soprazocco, Sopraponte, Vallio und Soseto, „nebst sechs kleineu 
Weilern, die nur auf Flintenschussweite von einander entfernt lagen", 
zur Verteidigung hergerichtet wurden. Ausserdem deckten zwei 
Schanzen mit starkem Profile zwischen Gavardo und Goglione di sopra 
die Zugänge entlang des Chiese und des Naviglio. Zwischen der 
Etsch und dem Garda-See blieben Bussolengo, Pastrengo, Bardolino, 
Garda, San Vigilio, Cavajon, Affi und Costermano besetzt. Keinesfalls 
hatte mau kaiserlicherseits es an Vorkehrungen ermangeln lassen, die 
momentane Schwächung der Armee durch Benützung der Terrainvor- 
tlieile auszugleichen. 

Vendöme in Kenntniss, dass Lugen seine Armee in Gavardo 
bald völlig versammelt haben werde, zog vom 19. Mai ab alle Truppen 
zusammen, um einen Angriff auf die in Gavardo befindliche kaiserliche 
Infanterie zu versuchen. Erwägt man. dass der französische Feldherr 
auch die Verschanzung des Mincio von Pesehiera bis Goito anordnete, 
so zeigt sich, dass derselbe, ungeachtet ihm im Ganzen 58 Bataillone ') 
und 66 Escadronen zur Verfügung Händen, sieh durchaus nicht einer 
>iclieivn Siegeshotfnung hingab, sondern die Eventualität: am Mincio, 
am l'o oder am Oglio in die Defensive treten zu müssen, ins Auge 
fasste. Freilich glaubte Vendome für die Zeit der Trennung der 

') Zehn Bataillone befanden sich als Besatzungen in Mantua etc. etc. 



149 

kaiserlichen Anno," die verfügbaren 37 Bataillone und 47 Escadronen 
ausreichend, um den Prinzen Eugen zu Gavardo zu überwältigen; er 
versicherte sogar seinem König, der ein solches Unternehmen für zu 
gewagt hielt: „Dass die Stellung der Kaiserlichen, weit entfernt von 
grosser Widerstandsfähigkeit, ihm den Vortheil darbiete, sieb sowohl 
von der Seite des Garda-See's, als vom Chiese ohne Wagniss aähern 
zu können." Vendöme glaubte in einem Anlaufe den Prinzen Eugen 
derart zurückdrängen zu können, dass demselben auch Dach dem 
Eintreffen der Keiterci eine Vorwärtsbewegung in Folge der Terrain 
Verhältnisse nicht mehr möglich sei. 

Keineswegs überraschend, aber doch besorgnisserregend waren 
darum für den Prinzen die' in der Nacht vom 22. auf den 2:!. einge 
troffenen Berichte, der Gegner habe sieh mit seiner ganzen Armee in 
Bewegung gesetzt. Diese war mit Tagesanbruch thatsächlich in der 
Annäherung begriffen and bewegte sich entlang der das kaiserliche 
Lauer in nicht grosser Entfernung umgebenden Höhenzüge 1 ). 

Für den ersten Moment musste der Prinz auf die Sicherung 
seiner wichtigsten Verbindungen bedacht sein. Die kaiserliche und 
preussische Infanterie, das Sinzendorff'sche Dragoner-Regiment 2 ) und 
die vom Visomtischen Lieutenant Pallavicini befehligten 200 Pferde 
Hess er auf den Anhöben von Gavardo bis Soprazocco postiren. Salö, 
um die Verbindung mit diesem Pmiete zu sichern, wurde durch 
300 Mann verstärkt und dort das Commando dem ( lliristen Zum 
.1 angen anvertraut. 

Nur dem raschen Entschlüsse Eugen's war die Abwendung der 
Gefahr zu danken. Denn schon wahrend der Ausführung der von ihm 
erlassenen Dispositionen hatte der Feind seine Angriffsbewegungen 
begonnen. Die französischen Grenadiere und die gesammte Cavallerie 
„im vollen Trott" waren bereits im Anrücken gegen jene Höhen, welche 
die kaiserliche Infanterie besetzen sollte. Diese erreichte aber noch 
rechtzeitig die ihr zugewiesene Position und dadurch gerieth die 
feindliche Bewegung ins Stocken. Unmittelbar danach entspann sich ein 
Artilleriekampf, der nur kurze Zeit währte und den Kaiserlichen 
blos 4 Mann kostete. 

Wie dies bei solchen Anlässen oft geschah, blieben beide Theile 
auf Musketen-Schussweite von einander bis Nachmittags unter Gewehr. 
Nachdem gegen Abend die Franzosen sieh völlig zurückgezogen hatten, 

•) Supplement-Heft Nr. 100. 

') Dieses allein, nebst '200 eommandirten Pferden, vertrat die kaiserliche 
Reiterei im Lager zu Gavardo. 



150 

liess Eugen, aach Postirung starker Wachen auf den Höhen, das 
Gros seiner Truppen in das Lager zurückkehren. 

Offenbar hatte der französische Feldherr, auf seine momentane 
numerische Ueberlegenheit pochend, die Angriffs-Dispositionen in der 
Ueberzeugung getroffen, dass er die Streitkräfte des Prinzen schon durch 
die blosse Vorrückung zum Rückzuge nöthigen werde. Anstatt dessen 
fand er aber die Kaiserlichen kampfesmuthig und gut postirt, und das 
Bewusstein, Eugen leite die Aetion, mochte noch im letzten Augen 
blicke die Zuversicht Vendöme's erschüttert haben 1 ). 

[nsolange die Vereinigung mit der Gavallerie nicht bewirkt war, 
nnisste der Prinz wohl sehr auf seiner Hut bleiben und durch Parteien 
den Gegner beobachten lassen. Auf die Nachricht, feindliche Streit- 
kräfte seien gegen Salö in Bewegung, wurde noch am 24. Mai Obrist- 
lieiitenant St. Amour mit 90 deutschen Pferden und 50 Huszaren auf 
Kundschaft ausgesendet. Her Commandant dieser Partei, welcher sieh von 
der Grundlosigkeit des Gerüchtes bald überzeugt hatte, wendete sich 
gegen Drugolo in der Absieht, die dort aufgestellten französischen Feld- 
wachen zurückzuwerfen und dadurch einen Einblick in die momentanen 
Verhältnisse beim Feinde zu gewinnen. Als aber St. Amour unterwegs 
auf jenen französischen Tross stiess, den der Feind mhi Castiglione, 
Calcinato und anderen Orten heranzuziehen im Begriffe war, wollteer 
die günstige Gelegenheit zu einem Handstreiche nicht ungenützt vor- 
übergehen lassen. Nach Ausscheidung einer Reserve von 19 Manu 
vollführte er den Angriff auf die aus 80 Pferden bestehende feindliche 
Bedeckung, die nicht nur völlig in Verwirrung gebracht, sondern auch 
/.iini grossen Theile niedergehauen wurde. Schon war eine namhafte 
Zahl von Maidtliieren und Tragpferden zusammengekoppelt und gewisser- 
massen als sichere Beute betrachtet, als in Folge des durch den Kampf 
entstandenen Alarmes über 1000 Heiter aus dem feindlichen Lager 
heransprengten. Unter solchen Umständen war an «'ine Bergung der 
schwer bepackten Saumthiere nicht mehr zu denken, denn St. Amour 
musste die Rettung seiner Truppe in's Auge fassen, welche Gefahr lief. 
in den Lago geworfen zu werden. Es gelang ihm, Desenzano zu 
erreichen und von dort, aus über die Höhen einen noch freien 
Weg zu dem Versammlungspuncte der kaiserlichen Armee zu finden. 



') Ueber das VerhalteD der Franzosen bei dieser Gelegenheit enthält .las 
Diarium (Kriegs-Archiv, Fase. XIII, E*Tr. 2) folgende Stelle: „Es ist nicht zu beschreiben, 
wie ärgerlich der Feind in dieser seiner Anrückung im Land gehaust und exerciret 
habe, damit nicht mir ohne weiteres Absehen Alles ausgeraubet und geplündert, 
sondern auch Jung und Alt, was ihnen von Weibspersonen unter die Hand.' gerathen, 
violiret worden, gleichwie ei diesen Winter über allhier allzeit gethan." 



151 

Ungeachtet dieses gefährlichen Rückzuges hat.tr St. Am mir doch 
16 Stück bepackte Maulthiere and Pferde und iiberdies durch seine 
Reiter „viele andere Sachen" eingebracht. 

• Erst am 27. Mai traf die vom (i. d. C. Graf Leiningen geführte 
Reiterei in Gavardo ein. Der kaiserlichen Cavallerie wurde das Lager 
jenseits, der preussischen Reiterei aber diesseits des Chiese ange- 
wiesen. 

Obschon noch einzelne Contingente fehlten '), war der Wesenheit 
nach Eugen's Armee Ende Mai bei Gavardo versammelt, am den 
ersten Schritt zum Entsätze der austro-savoyischen Armee zu unter- 
nehmen, zu deren völliger Niederwerfung Vendome am 28. Mai 
sieh aus dem Mailandischen nach Piemmit begeben hatte *). 

') Supplement-Heft Nr. 102, 103, 105, 106, 108. 
•'l Supplement-Heft Nr. 107. 



Die Ereignisse in Piemont vom Falle Verrua's bis 
Ende Mai. 

Noch vor dem Falle Verrua's war die austro-savoyische Armee, 
wir erwähnt, zum Theil nach Chivasso, zum Theil nach Turin mar- 
schirt, um beide Puncte durch Befestigung zu verstärken. Die kaiser- 
liche Reiterei hatte Starhemberg an der Dora Baltea in Canto- 
uirungen verlegt, während entlang dieses Flusses, von der Einimmdung 
in den Po bis gegen Ivrea Redouten angelegt und durch Infanterie- 
Detachements besetzt wurden. 

( rerüchte mannigfacher Art beunruhigten den Eerzogvon Savoyen, 

I die französische Faction in Turin zeigte sich auffallend rührig, 

das Günstige der Situation zur Umstimmung Victor Amadeas' 
auszubeuten, welchen namentlich die Besorgnisse um Nizza schon halb 
wankend gemacht hatten. Endlich am 4. Mai war FML. Graf Dann 
in Turin eingetroffen, um sowohl den Herzog, als auch Feldmarschall 
Starhemberg persönlich von den von Wien aus bereits getroffenen 
Massnahmen zu unterrichten und überhaupt zu beruhigen. Leider hatten 
sieh die Misslielligkeiteu zwischen beiden Letztgenannten lmeh nicht 
gebessert; im Gegentheile beklagte sich Victor Amadeas über das 
Benehmen Starhemberg's, und zu allem TJeberflusse war der kaiser- 
liche Gesandte Graf Auersperg in einem Grade erkrankt, dass man 
an seinem Aufkommen zweifelte. Bei der herrschenden Missstimmung 
war gerade ein Mittelsmann dringend uöthig und Daun bat am 
ungesäumten Ersatz für Auersperg. His ein solcher eintraf, wollte 
er „auf alle Weis suchen, den Herzog und Feldmarschall in guter 
Verständniss zu erhalten ' r. 

•) Kriegs Archiv, [tauen, 1705; Fase. V. 21. 



153 

Immerhin hatte der von Dann überbrachte Wechsel auf 
72.727 Gulden ln'iii-t-tr.-iii'i-n. wenigstens die materielle Lage der Truppen 
einigermassen zu verbessern und dadurch auch des Herzogs Hoffnungen 
neu zu beleben; denn Starhemberg berichtete am 11. Mai an 
Eugen: .... „nun ist /.war nicht ohne, dass ich Se. k. Hdheit 
einige Zeit lang ziemlich perplex verspüret habe, allein es versichern 
Dieselben, dass Sie von Ihrer Standhaftigkeit nicht abweichen, ja das 
Ihrige bis auf den letzten Blutstropfen beitragen wollen, wenn man 
Demselben nur die Gelegenheit und Rettungsmittel an die Hand geben 
wird ')". 

Zu jener Zeit hatte man am herzoglichen Hoflager weder über 
De la Feuillade's Bewegungen von Nizza gegen Turin, noch über 
Vendome's Operationen in der Lombardei Nachrichten, welche eine 
Schlussfolgerung auf die nächtsen Absichten des Feindes gestattet 
hätten. Um doch einigermasseu Klarheit filier die Sachlage zu erhalten, 
entschloss sich Starhemberg ein Streifcommando in das Mailän 
dische zu senden, d. h. es sollte versucht werden, „ob nit villeicht ein 
und andere kleine Partei gar über den Ticino weiters in das Land 
hinein penetriren möge"'*). Die Wahl des Commandanten fiel auf den 
Obristen Pfefferkorn, der sich als Truppenführer bereits einen 
Ruf erworben hatte. 

Streifzug des Obristen Pfefferkorn. 

Am 15. Mai brach Obrist Pfefferkorn mit 500 kaiserlichen 
Reitern auf, um über die Sesia in das Novaresische und dann über 
den Tessin in das Mailändische zu streifen. 

Es sollten Nachrichten bezüglich der Annäherung der vom Prinzen 
Eugen geführten Armee eingeholt und bei dieser Gelegenheit aller- 
orts Baarmittel eingetrieben werden. In letzterer Beziehung lautete 
die Instruction: in allen grösseren Orten „Contributions-Patente anzu- 
schlagen" und überhaupt an die Bevölkerung zu vertheilen. Als Soutien 
war GWM. Graf Fels bestimmt, welcher mit 1000 Pferden bis an 
die Sesia zu folgen und dort derart sich aufzustellen hatte, dass er 
das Streifcommando im Nothfalle unterstützen, hauptsächlich aber 
dessen Rückmarsch erleichtern konnte 3 ). 

Ohrist Pfefferkorn rückte am genannten Tage mit seinem 
Detachement um 3 Uhr Nachmittags von Verolengo ah, passirte die 

') Kriegs-Archiv, ttalien, 1705; Fase. V. 29. 
■'I Kriegs-Archiv, [talien, 1705; Fase. V. 45. 
3 ) Kriegs-Archiv, Italien, 1705; Fase. V. 37. 



154 

Dora and setzte während der Nachl äeinen Marsch gegen die Sesia 
fort. Der nächstfolgende Tag wurde zwischen Catinara und Vercelli, 
in einem Walde verborgen, unweit der Sesia zugebracht. 

Aber gerade zn dieser Zeit hatten sieh die französischen Streit- 
kräfte ans dem „Biellesischen ') wie auch ans dem Mailändischen" in 
Bewegung gesetzt und derart gesammelt, dass schon die meisten Regi- 
menter entlang der Sesia postiri waren. Trotzdem setzte Pfeifer- 
korn am 16. beim Beginne der Abenddämmerung seinen Marsch gegen 
die Sesia fort, passirte diese, und Keim Anbruche des Tages am 16. 
hatte das Streifcommando Oleggio in Sicht. Bei Erreichung dieses 
Punctes wurde in dem dortigen Kapuzinerkloster „das kleine Pfördt- 
lein offen gefunden", welches Pfefferkorn sogleich durch eine Wache 
besetzen und danach die Umzinglung des Ortes ausführen Hess. Nach 
Ausstellung von Sicherungsposten an den Zugängen und namentlich 
auf der »Strasse gegen Novara, • rückte das Gros auf den Platz des 
Städtchens. In allen Gassen wurden Patente an die Hausthore geheftet 
und Pfefferkorn entsendete kleine Detachements in die umliegenden 
Gehöfte und Weiler, um dort ein Gleiches zu thun. 

Nachdem die Bewohner von Oleggio „auf Abschlag etwas Geld" 
erlegl hatten, erfolgte gegen 12 Uhr Mittags der erneuerte Aufbruch. 
Um die Einwohner über die beabsichtigte Marschrichtung irrezuführen, 
legte das Detachement zwei Miglien auf jeuer Strasse zurück, auf 
welcher die Annaheruni;- geschehen war. Plötzlich aber Hess Pf effe r- 
korn gegen Tiano abbiegen und 30 Dragoner mit 20 Huszaren, von 
einem Rittmeister befehligt, „in vollem Spornstreich'' auf die bei Porta 
della Camera gelegene Tessin-Fähre zujagen, um sich dieser unver- 
sehens zu bemächtigen, was auch völlig gelang. Von dem mittlerweile 
herangekommenen Gros erhielt Obristwachtmeister Gregori Befehl, 
mit 80 Dragonern und 30 Huszaren den Fluss zu übersetzen, den 
directen Weg nach Gallarate einzuschlagen, dort Patente anzuheften 
und Baargeld einzutreiben. 

Im Verlaufe der Nacht liess Pfefferkorn sein Gros gleichfalls 
über den Tessin setzen. Da aber die Ueberschifrung mit den gering- 
fügigen Fährmitteln voraussichtlich längere Zeit beanspruchte, so 
wurden, einerseits zur Sicherung, andererseits zu gleichzeitiger Eintrei- 
bung von Contributionen, kleine Parteien in die nächstumliegenden 

I >rtSChaften entsendet. 

Mit Tagesanbruch des 17. stand das Gros vollzählig auf dem 
linken Tessin-Ufer. Pfefferkorn entlohnte die Fährleute reichHchst 



155 

und bedeutete ihnen, dass sein Detachement den nächstfolgenden Tag 
wieder zurückkehren werde. Um dies noch glaubwürdiger zu machen, 
blieben einige Huszaren mit der Weisung zurück, dem Gros erst, in 
der Nacht in gewisser Richtung zu folgen. Diese Lisi gelang voll- 
ständig, so 'las- nicht blos die Fährleute, sondern auch die Bewohner 
der Umgebung mit Zuversicht auf die Rückkehr des Detachements 
rechneten. Dieses hatte wohl die Richtung auf Gallarate eingeschlagen, 
war aber eine Miglie davor umgekehrt und auf Busto grande (Arsizio) 
marschirt, woselbst Verabredetermassen das Zusammentreffen mit 
Gregor i's Abtheilung stattfand. 

Bios einige Stunden währte in diesem Orte der Aufenthalt, und 
es erfolgte nach Eintreibung der Contributionen der Marsch gegen 
Magenta und Abbiategrasso. Unterwegs stiess da- Streifcommando 
auf zwei feindliche Fahrzeuge, welche den Naviglio grande herab 
kamen und welche für zwei Regimenter Monturssorten : „Stiefel, 
Hüte. Carabiner, Handschuhe und Sattel" verladen hatten. Nachdem 
diese Beute an die Mannschaft vertheilt und über die drei beim Convoi 
befindlichen französischen Officiere die KrieosM-efanvvnschaft verhängt 
war, erfolgte nach kurzem Aufenthalte der fernere Marsch gegen 
Abbiategrasso, dessen Thore 50 Huszaren und 30 Dragoner schon 
lange vor Ankunft des Gros besetzt hatten, welches erst spät in der 
Nacht eintraf. 

In dem Orte fanden sieh, in französische Gefangenschaft gera- 
thene piemontesische Officiere, welche aber der Aufforderung, den 
Kaiserlichen sich anzuschliessen, nicht Folge leisteten. 

War bis zum Eintreffen in Abbiategrasso Alles nach Wunsch 
gegangen, so konnte dies doch nicht immer währen, denn nicht nur 
die Bevölkerung, sondern auch der Feind mussten endlich doch in 
Alarm geratheil. Die Franzosen hatten schon dies und jenseits des 
Tessin Detachements ausgesendet, im Mailändischen besetzte man alle 
Thore der Ortschaften mit Wachen und Prinz von Vau dement. 
welcher im Mailändischen das Commando über die Besatzungen führte, 
fertigte nach allen Richtungen hin Couriere ab, um Pfefferkorn's 
Treiben ein Ziel zu setzten. 

Auf die erste Nachricht, welche der französische General Vau 
becourt von dem Streifzuge erhalten hatte, Hess er die sämmtliche 
Cavallerie, welche sich in Vercelli und entlang der Sesia befand, 
d. i. 24 Escadronen, in Bewegung setzen; ein Theil ward bestimmt, 
dem Pfefferkorn'schen Streifcommando zu folgen, der andere das- 
selbe an der Sesia zu erwarten, um ihm dort den Rückzug zu ver- 
legen. Als aber der kühne Tessin-Uebergang bekannt wurde, setzte 



156 

sich Vaubecourl selbst mit 13 Escadronen in Marsch, um am 

rechten Tessin-Ufer den Kaiserlichen den Rückweg abzuschneiden 1 ). 

Bei derartiger Sachlage musste darauf verzichtet werden, die 

in Ahhiategrasso aufgehäuften feindlichen Vorräthe mitzunehmen und 
Contributionen zu erheben, denn der Feind war schon zu sein- auf 
der Fährte. Um von dieser abzulenken, Hess Pfefferkorn das 
Gerüchi verbreiten, er habe Befehl, sieh um jeden Preis gegen die 
Adda durchzuschlagen. Tl tatsächlich erfolgte am 18. Morgens der 
Marsch gegen letztgenannten Fluss. Doch naeli Zurücklegung einer 
„guten Miglie", wendete sich das Detachemenl wieder gegen den 
Tessin, und zwar gegen Bereguardo. Die Vorhut versicherte sich „im 
vollen Jagen" der dortigen Fähre. Einen Theil der Huszaren beauf- 
tragte Pfefferkorn, sieh in Porto S. Nazäro am Po festzusetzen, 
über wehdien vorzudringen in seiner nächsten Absieht lag, und zwar 
„durch das Alessandrinische und Montferratische gegen Alba, Chieri 
und Turin". 

Vereitelt ward dieser kühne Plan durch den von Pfeffer- 
kern als Dolmetsch benützten Diener, welcher um das Vorhaben 
wusste und dasselbe an Vaudemont verrieth. Dieser hatte sieh 
beeilt, vier Regimenter an den Po zu beordern, um jeden Ueber- 
gangsversuch der Kaiserlichen zu vereiteln. Und so kam es, dass in 
dem Momente, als das Streifcommando den Tessin beinahe völlig passirt 
hatte, im Rücken „gegen 600 Mann zu Fuss und zu Pferd" vom 
Feinde sich so sehr näherten, dass sie eine volle Salve abzugeben 
vermochten. Obschon diese völlig wirkungslos blieb, zweifelte Pfeffer- 
korn nicht mehr daran, welche fernere Wirkung der au ihm geübte 
Verrath haben «erde. Ungeachtet dessen setzte er seinen Marsch in 
t\r\- ursprünglich beabsichtigten Richtung fort, hoffend, dennoch einen 
Ausweg zu finden. 

Aber schon bei der Annäherung an Madonua della Balzola 
(Bozzole) kam der französische General Vaubecourt mit „zwei 
Regimentern von 800 Mann" entgegen, die Pfefferkorn's „Unter- 
gang schon ganz sieher geschätzt Italien" mochten. 

Der kaiserliche Obrist bewährte auch in dieser schwierigen 
Situation das in ihn gesetzte Vertrauen. Gleich nach Gewahrung des 
Feindes Hess er 150 Heiter mit den Contributionsgeldern und 
300 Beutepferden hinter einem im Rücken des (iros gelegenen Hohl 
weg postiren; der Rest der Truppe aber, welcher in Folge der Deta- 
chirung an den Po ziemlich zusammengeschmolzen war, wurde vor dem 



') Pelet: V., pag 



157 

Detile auf einer Anhöhe derart aufgestellt, dass der mit Gesträuchen 
bedeckte Hohlweg- unmittelbar im Kücken lag. An seine Leute richtete 
Pfefferkorn die Mahnung-, „in dieser bevorstehenden Action sich 
tapfer zu halten, allwo sie den Sieg unfehlbar gewinnen werden, indem 
sie einem Potentaten dienten, der einen gerechten Krieg führt, also 
auch Gott absonderlich beistehen werde". 

Während dieser Vorbereitungen zum Kampfe zeigte sich, dass 
der mittlerweile näher herangekommene Feind an Zahl bedeutend 
überlegen sei. Da auch die ausgesendeten Karteien die Annäherung 
feindlicher Infanterie gegen den Kücken der gewählten Gefechts 
Stellung meldeten, so lag die Gefahr nahe, „völlig in der Mitte gefasst" 
zu werden. Pfefferkorn fand es darum gerathen, die Position auf 
der Anhöhe, mit dem Derile im Rücken, aufzugeben. Er wählte eine 
solche im „Thale", und zwar an einem Puncto, wo eine Bracke über 
einen tiefen Graben führte. Mit diesem Annäherungshindernisse vor 
der Front konnte er selbst gegen Infanterie sich bis zum Beginne 
der Nacht behaupten, denn die Action fand zwei Stunden vor Einbrach 
der Dunkelheit statt. 

Als Vaubeeourt die rückgängige Bewegung der Kaiserlichen 
gewahrte, Hess er seine Reiterei „in völlig Carriere" vorrücken. Die 
selbe erreichte „noch anderthalb Trupp 1 ', welche „ausserhalb des 
Defile" waren, und die „beim ersten Anprall ein wenig in Confusion" 
geriethen. 

Pfefferkorn, mit dem Haupttheile seines Detachements in 
gewissem Sinne bereits in Sicherheit, entschloss sieh, als er das 
Heranstürmen des Gegners gewahrte, den Kampf aufzunehmen. Er 
„wendete auf der Stelle", Hess „die Corps de. bataille formiren" und 
„die beiden Flügel hinten zusammenschliessen". Mit Umgehung des 
Hohlweges wurde die I »ireetion gerade auf den Feind zu gegeben 
und den Reitern der Befehl ertheilt, ..keinen Schuss zu thun. sondern 
nur den Säbel zu gebrauchen". 

Auf der kürzlich verlassenen Anhöhe kam es zum Kampfe. Die 
Kaiserlichen „gingen mit Vivat des römischen Kaiser- tapfer darauf 
los", hielten die vom Feinde „abgegebene Salve aus" und hieben in 
die Franzosen ein. Diese gaben dem Anpralle nach, theilten ..sieh in 
drei Theile" und ergriffen die Flucht („gleich durchgangen"). 

Pfefferkorn jagte dem Feinde nach, wobei er sein, Truppe 
in einen rechten und linken Flügel und ein Centram getheilf hatte, 
welch' letzteres er selbst befehligte. Die Verfolgung erstreckte sich auf 
zwei Miglien. Wie es dabei zuging, schildert Pfefferkorn in fol- 
gender Weise: „(Jfticiers und Gemeine haben wie die Löwen gefochten, 



158 

dreingeschossen and gehauen, ohne Quartier zu geben, als ist auch 
der Vaubecourt hernach von den Reuthern völlig niedergehaut 
worden. In dieser Action seind vom Feind über 300 todt und 20(1 
blessirt worden, worunter nebst dem General Vaubecourt zwei 
Obriste todt und der dritte tödtlich blessirt, der Mens, de Clas, Bri- 
gadier und Marquis Bonel gefährlich." Es blieben nur 8 Gefangene, 
worunter ein Rittmeister, in den Händen der Kaiserlichen, welch' letztcro 
50 Mann an Todten und 15 Blessirte (darunter Obristwachtmeister 
Gregori, Graf Khevenhüller und Lieutenant Vaubonne) einbüssten. 

Die Dunkelheit hatte der ferneren Verfolgung ein Ziel gesetzt. 
Pfefferkorn Hess seine „Leute durch die Trompeter auf dem Wahl 
platz wieder zusamben raffen". Ein Theil hatte sieb in der Finsterniss 
verirrt, fand sieh aber am nächstfolgenden Tage beim Gros ein. Kieses 
war nämlich in der Nacht gegen S. Nazaro aufgebrochen, woselbst, 
wie schon erwähnt, die vorausgesendeten Huszaren am Po stehen 
mussten. Diese Bewegung erfolgte, um den Gegner in der Meinung 
zu bestärken, dass das Streifcommando die Passirung dieses Stromes 
beabsichtige und dadurch die Aufmerksamkeit von der Sesia abzulenken. 

Als die Möglichkeit erreicht war, die bei S. Nazaro postirten 
Huszaren einzuberufen, wendete sich Pfefferkorn am 19. abermals 
gegen die Sesia. Bei der Annäherung an Carpignano erschienen plötzlich 
im Rücken der Colonne „150 Carabinieri und 100 Mann zu Fuss", 
welche gegen die Nachhut ein heftiges Feuer eröffneten, in der Hoff- 
nung, dadurch ausgiebigen Succurs herbeizuziehen. Pfefferkorn Hess 
aber sofort durch sein Gros eine Attaque ausführen und warf den 
Gegner im ersten Anpralle zurück. 

Ein längerer Aufenthalt in dieser durch eine grosse Zahl fran- 
zösischer Truppen besetzten (legend schien wohl nicht räthlich; im 
Gegentheile musste getrachtet werden, baldmöglichst aus dem gefähr- 
lichen Bereiche zu kommen. Bei Lenta erfolgte der Sesia-Uebergang 
und vom Dunkel der Nacht begünstigt, führte Pfefferkorn seine 
tapfere Schaar mitten durch „die feindliche Armee". Es hatten sich 
in der Finsterniss und in Folge des durch Regenwetter schwierig 
gewordenen Weges einzelne Trupps verspätet, doch trafen sie sämmt- 
lich am 19. in dem Momente ein, als das Streifcommando die Dora 
passirte. Bei diesem anstrengenden Marsche mussten viele Reiter ihre 
Pferde zurücklassen und an deren Stelle sieh der mitgeführten Beute- 
pferde bedienen, „denen matten aber sind die Flechsen entzwei gebaut 
worden" '). Dies führte auf französischer Seite zu dem Berichte, dass 



') Kriegs-Ar 



159 

die Kaiserlichen einen Theil ihrer Beute im Stiche lassen mussten *). 
Besonders empfindlich für die Franzosen war Va übe court's Verlust. 

Unstreitig- ist Pf eff erkorn's Leistung hervorragend in der 
Geschichte der kaiserlichen Reiterei. Die Führung im Grossen und 
Ganzen und ebenso die Detail-Anordnungen sind mustergültig, und 
auch in Bezug auf die Ausführung durch die Truppe dürften sieh in 
der Kriegsgeschichte wenige ähnliche Beispiele finden. 

Als Pfefferkorn am 19. Mai glücklich die Sesia passirl hatte, 
ward er von jenen Reiter-Detachements aufgenommen, die Starhem- 
berg in die Ebene von Santhiä vorgesendet hatte, um den völligen 
Rückzug gefahrlos zu machen, und so konnte Pfefferkorn am 
20. Mai beinahe vollzählig mit seinem Detachement gegen Turin 
marschiren, wohin es einzurücken hatte. 

Ueber das materielle Ergebniss der Unternehmung lautet 
der Bericht: „Die Contributionsgelder, so bekommen, bestunden in 
60.140 Pfund jedes zu 16 kr. gerechnet, Unit 16.037 h". 20 kr. Weilen 
aber zwei Reuther mit Geld, einer von Lothringen und einer von 
Palfly in währender Action durchgegangen, habe dem Kriegszahlamt 
nur 11.782 fl. behändigt 2 )." Da aber in den französischen Quellen 
von keinenUeberlaufe.ru die Rede, sondern bemerkt ist: „on s'empara 
aussi d'une partie de la contribution, qu'ils s'etaient fail payer" '). so 
dürften die beiden erwähnten Reiter während des Kampfes von den 
übrigen getrennt und gefangen genommen worden sein, was um so 
wahrscheinlicher ist, als das Gefecht bis in die Nacht währte. 

Starhemberg vollzog nur einen Act der Gerechtigkeit, als er 
am 20. Mai an Eugen berichtete: „Uebrigens ist dieses eine so schöne 
und brave Action, dass öfters erwähnter Herr Obrister Pfefferkorn 
wahrhaftig verdient, dass man ihn vor Anderen distinguiren und bei 
.Sr. Majestät eine besondere Gnade für ihn auswirken sollte, um ihm 
dadurch eine Consolation zu ertheilen, Anderen aber einen Antrieb zu 
geben, damit solche zu derlei Actionen um so mehr Muth fassen mögen *)." 

Der Verlust des Detachements war im Verhältnisse zu der 
Leistung ein äusserst geringer. In dem Berichte vom 20. wird ange 
führt: „Es mangeln 40 bis 50 Mann, worunter ein Lieutenant von Neu 
bürg, ein Cornett von Visconti, und ist hierbei der Dannstädtische 
Obristwachtmeister Gregori von Cornette und der Viscontische 

') Pelet; V., pag. 133. 

2 ) Kriegs-Archiv, [talien, 1705; Fast-. V. 35 a. 

3 ) Pelet; V., pag. 133. 

*) Supplement-Heft Nr. 113. (Die kaiserliche Anerkennung wurde Oberst Pfi ffi i 
koru im folgenden Jahre durch Verleihung eines Cürassier-Kegiments zu Theil.) 



160 

Rittmeister Graf Khevenhüller begriffen, die blessirt worden; der 
Erstere liegt zu Vercelli auf Parola and aal drei in etwas gefährliche 
Wunden, der andere aber ohne Gefahr". 

Abgesehen von der eminenten Leistung der kaiserlichen Reiter 
truppe, hatte Pfefferkorn's Streifzug die französische Armee in 
Piemont gewaltig aus der Ruhe des Cantonnements-Lebens aufgerüttelt. 

Dispositionen der Franzosen in Folge der Alarmirung. 

Dem ursprünglichen Plane Vendöme's gemäss, sollte die fran- 
zösische Armee im Monate Mai zwischen Sesia, Po und Dora Baltea ver 
sammelt werden. Pfefferkorn's Unternehmung aber und die Nachricht, 
dass ein Theil der austro-savoyischen Streitkräfte sich bei San Michele 
in der Ebene von Villanuova zusammenziehe, veranlassten den fran- 
zösischen General Albergotti am 23. Mai mit einem Corps Dach 
Montechiaro zu marschiren und ein zweites gleichzeitig nach Nizza della 
Paglia zu senden, um jene Bewegungen zu überwachen, welche die 
Austro-Savoyer vonSan Michele unternehmen konnten, während der Rest 
der Armee gegen Crescentino und Vercelli in Beweguno; gesetzt wurde. 

Als aber Albergotti in Erfahrung gebracht hatte, dass von 
den Alliirten nur ein Infanterie-Regiment und gegen 1000 Pferde bei 
San Michele stünden, während das Gros sieh bei Chivasso und an 
der Dora Baltea befinde, Hess er zwar die beiden Corps an den 
genannten Puncten, begab sich aber am 27. Mai für seine Person nach 
Crescentino, um die Armee am linken Ufer der Dora Baltea zu ver 
sammeln, wie dies im Plane Vendöme's lag. 

Ende Mai war die französische Armee in Piemont noch in 
einzelnen Corps zerstreut, und zwar befanden sich jene am linken 
Ufer des Po zu Vercelli, Trino, Crescentino und Ivrca, rechts des 
Strome-, aber zu Montechiaro und Nizza della Paglia. Sowohl Infanterie, 
als Cavallerie waren fast vollständig in schlagfertigem Zustande und 
die Magazine für Verpflegung und Kriegsbedarf, mit Allem wohl ver- 
sehen, zu Crescentino und Ivrca angelegt. Vendöme, welcher nun 
mehr den Oberbefehl in Piemont übernahm, um dem Wunsche seines 
Königs. Turin in die Gewalt zu bekommen, zu entsprechen, fand alle 
Vorbereitungen für die Action getroffen. 

Die im Gegensatze physisch herabgekommene und in ihren 
Reihen sehr gelichtete austro-savoyische Streitmacht war derart im 
Räume vertheilt, dass die piemontesische Infanterie zu Turin. Coni, 
Alba und Chivasso. die kaiserliche Infanterie aber zu Alba, Chivasso 
iinil zwischen der Dora Baltea und dem Flüsschen Chiusella stand. 
Von der Reiterei befanden sieh zwei Regimenter zu San Michele und 



161 

drei zu Avigliano. Bei der Blokade von Nizza durch 10 französische 
Bataillone hatte sich nichts verändert; einerseits konnte nach den dar 
gelegten Verhältnissen der Herzog von Savoyen, im Angesichte der 
völlig corapletirten und weit überlegenen französischen Armee stehend, 
keine Truppen zum Entsätze detachiren, andererseits hatten die See 
machte ihren momentan gehegten Plan der Landung eines Entsatz- 
Corps zu Nizza völlig aufgegeben. 

Jedenfalls waren die Chancen für V e n d 6 m e's Absichten ausser- 
ordentlich günstig. Ungeachtet aber die Franzosen in Turin den Berzog 
von allen Seiten und mit allen erdenklichen Mitteln tormentirten, um 
ihn auf andere Gedanken zu bringen", hatten „sie nichts effectuirt" '). 

Glücklicherweise war Auersperg rasch genesen, und dieser 
.Staatsmann berichtete am 27. Mai an E u g e n über die Stimmung des 
Herzogs: „Seithero Euer Durchlaucht in Italien angelangt, so hat sich 
der Herzog nicht wenig animiret, obwohlen ihm innerlich schwerlich 
fallet vorzusehen, dass er noch eine geraume Zeit nur defensive und 
dieses zwar auf eine schlechte "Weise werde agiren können; Euer 
Durchlaucht ist die Schwäche der Deutschen allhier bekannt, die Pie- 
montesen, absonderlich die Infanterie, lauter zusammengeklaubte und 
forcirte Leute, auf welche sich wenig zu verlassen. Die Harmonie zwi- 
schen Duc und Guido scheint äusserlich ziemlich gut*)." Auf die 
Stimmung des Letzteren mochte wohl ein eigenhändiges Schreiben dei 
Kaiserin (Gemalin Joseph I.) wohlthätig eingewirkt haben. Dazu kam 
noch die Hoffnung, durch eine Versetzung nach Ungarn bald aus der pein- 
lichen Situation erlöst zu werden. Gründe genug, um wenigstens dem 
Scheine nach sich mit Herzog Vi et o r A m a d c u s mehr zu befreunden. 

So gross und zuversichtlich aber auch die Hoffnungen in Piemont 
waren, stand die Erfüllung derselben doch noch in weiter Ferne'); das 
Jahr 1705, obgleich ein Eugen zum Retter auserlesen war, barg fin- 
den Herzog von Savoyen doch nichts in sich, als eine fortlaufende 
Reihe von ernsten Besorgnissen. Dass er sie überdauerte, ist wohl nicht 
seiner, sondern nur jener Festigkeit zuzuschreiben, welche in erster Linie 
Feldmarscball Starheraberg so hingebungsvoll für seinen Kaiser und 
Herrn entwickelte. Die Träger des Widerstandes gegen die französische 
Uebermacht aber waren und blieben die wenigen kaiserlichen Soldaten, 
deren Zahl kaum die Bezeichnung „Corps" beigelegt werden kann. 



') Haus-, Hof- und Staats-Arehiv, Italica; Mai 1705. 
*) Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Italica; Mai 1705. 
3 ) Supplement-Heft Nr. 93, 94. 



Feldziige des Prinzen Enge 



Beginn der Operationen. 

Die für die Armee des Prinzen Enge n designirten Verstärkungen 
und Ergänzungen konnten aus den augeführten Gründen nicht mit 
jener Pünktlichkeit auf dem Kriegstheater eintreffen, welche der Ernst 
der Lage in Piemont erfordert hätte. 

Erst Ende Mai war der Wesenheit nach die Versammlung in 
und um Gavardo bewirkt. 

An Generalen unterstanden dem Prinzen: General-Feldzeug- 
meister Baron Bibra; General-Lieutenant Prinz von *Anhalt'); 
der General der Cavallerie Graf Leiningen; die General - Feld- 
marschall-Lieutenants von *Kronau, Graf von Reventlau, Graf 
von G utten stein und Marehese Visconti; die General - Wacht- 
meister Zum Jungen 2 ), Baron Falkenstein, Baron Wetzel, 
Baron Isselbach, Prinz von Lothringen und Prinz Alexander 
von Württemberg, Graf Harsch, Conte Roccavione, *Stillen, 
Baron *Panewitz. 

Ende Mai war der effective Stand der Armee: 

I n fa n t er i e. 

Abgang vom com- 

Effectiv pleten Stand 

Herberstein 1385 1115 

Gschwind 1514 986 

Bagni 878 1622 

Reventlau 1276 1224 

Guttenstein 1361 1139 

Württemberg 1396 1104 

Zum Jungen 1756 744 

Batthyänyi-Hayducken . . 425 1575 

Andrässy- „ . . 550 1450 

Malleuich-Croaten .... 221 979 



10.762 11.938 



*) Die mit * bezeichneten shnl preussische Gc 
2 ) Neu avaneirt. 



163 

Von dieser Stimme der Effectiven kommen aber noch 1968 Mann 
abzurechnen, welche als: gefangen, auf Werbung in Piemont, krank 
in Tyrol und in loco, in Ungarn, in Bayern und im römischen Reich 
ausgewiesen erscheinen. 

Dagegen befanden sieh bei Eugen's Armee Abtheilungen jener 
kaiserliehen Regimenter, welche die austro-savoyische Streitmacht und 
die Besatzung von Mirandola bildeten, und zwar: 

von Guido Starhemberg 192 

„ Jung-Daun 352 

„ Lothringen 717 

Max Starhemberg 395 

„ Kriechbaum 149 

„ Krtnigsegg 493 

„ Regal 439 

„ Harrach 986 

„ Wallis 808 

„ D'Arnan 47 

„ Bagosy-Hayducken 80 

Summe 4658 

Ahcr auch von dieser Zahl kommen 725 Mann, welche „absent, 
krank und commandirt" waten, in Abschlag, daher die verfügbare 
Infanterie 15.420 Mann betrug, von welchen 2693 Köpfe als undienst- 
bar ausgewiesen erscheinen. 

Cavallerie. 

Abgang vom com- 

Effi etil pleten Stand 

Manu Pferde Mann Pferde 

Roccavione-Cürassiere 873 565 127 415 

Falkenstein- „ 720 421 280 579 

Herbeville-Dragoner 821 712 179 288 

Trautmannsdorf- „ 624 444 370 556 

Sinzendorf- „ 988 971 12 29 

4026 3113 968 1867 

Von diesen Effectiven waren noch 538 Mann abzurechnen, die 
ähnlich wie bei der Infanterie temporär als krank oder commandirt 
angeführt sind. 

Von den Regimentern, die in Piemont standen, waren bei der 
Armee in Ober-Italien : 



164 

Manu Pferde 

Neuburg-Cürassiere 557 510 

Darmstadt- „ 130 89 

Leiningen- „ 151 140 

Pälfiy- „ 470 340 

Visconti- „ 320 146 

Lothringen- „ 186 142 

Martigny- „ 404 331 

Savoyen-Di'agoner 143 133 

Sereni „ 128 128 

Vaubonnc- „ 194 136 

Paul Deäk-Huszaren 102 50 

Ebergenyi- „ ■ ■ 113 82 

2898 2227 

Sonach bestand die im Felde verfügbare kaiserliche Reiterei in 

6924 Mann und 5340 Pferden, welcher Gesammtsumme die temporär 

abseilten 991 Mann beigezählt sind'). 

Von den königlich preussischen Truppen waren eingetroffen: 

I n f an t er i e - ß e g im en t e r. 

Stab Prima-Plana Mannschaft Summe 

Prinz Philipp .... 13 135 1038 1186 

Christian Ludwig . . 18 63 1033 1114 

Fürst Anhalt .... 9 139 1110 1258 

Canitz .... . 16 71 1031 1 118 

Summe 56 408 4212 4676 

Stab Plana Berittene Zu Fuss Summe 

Dragoner-Regiment. Sonsfeld . 12 56 512 33 613 

Cavallerie- „ Du Portail . 7 62 330 76 475 

„ Wartensleben 7 60 310 40 417 

Summe 26 178 1152 149 1505 

Die Gesanimtzahl der Brandenburger betrug sonach 6181 Köpfe 3 ). 

Die Cburpfälzer, welche behufs der Expedition gegen München 
in Bayern zurückgehalten wurden, und über deren Eintreffen in Ober- 
Italien der Hofkriegsrath an den Kaiser am 28. Mai berichtet hatte, 
dass dasselbe nicht vor Mitte Juni möglich sei, sollten dem Recesse 

') Registratur des Reichs - Kriegsministeriums , Juli 1705, Nr. 142 (Haupt- 
Tabelle vom 12. Juui). 

-) Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Bavarica; April 1705 (Musterliste). 



165 

nach in 4100 Mann, und zwar in zwei Infanterie Regimentern zu 
1000 Mann und in zwei Reiter-Regimentern zu 450 Pferden bestehen. 

Obsclmn keine detaillirten Ausweise vorliegen, lässt sieh doch 
annehmen, dass dieses Contingeut, wenngleich es vor München zu 
keiner Action gekommen war, auf dem Marsehe nach Italien an 
Kranken Einbusse erlitt und die 4100 Mann schwerlich vollzählig 
vorhanden waren. 

Werden die obigen Detail-Summen zusanmiengefasst. so verfügte 
Prinz Eugen behufs seiner Operationen approximativ ' i über: 

Infanterie. 

Kaiserliehe 15.420 Mann 

Preussen 4.676 ,. 

Churpfälzer 3.200 ,, 



Summe 28.296 Mann. 
Cavalleri e. 

Kaiserliche 6924 Mann, 5360 Pferde 

Preussen 149 ,. 152 

Churpfälzer 900 „ 900 



Summe 7973 Mann, 7412 Pferde. 

Bezüglich der Artillerie sind positive Daten nicht zu ermitteln, 
da wesentliche Lücken in dem Actenmateriale seil ist eine annähernd 
richtige Zusammenstellung nicht zulassen. 

Die vom Grossprior befehligte, den Kaiserlichen gegenüber ge- 
standene französische Armee war zusammene 



I n f a n t e r i e. Cavalleri e. 

La Marine .... 2 Bataill. Flandre 3 Es 

Bourgogne .... 2 „ Esclainvilliers . ... 2 

Anjou 2 „ Brabant 3 

Maulevrier .... 2 „ Rennepont 2 

Limousin 2 .. Magniere 2 

Bigorre 1 .. Uzes 2 

Fitzgerald .... 1 ., Commissaire general . 2 

Grancey 2 .. La Reine 3 

Berwick 1 .. Bissv 2 



15 Bataill. 21 Escad. 

') Eiue genaue Feststellung der Ziffern ist schon aus dem Grunde nicht möglich, 
weil noch in den Monaten Juni, Juli und August kleine Ergänzungs-Detachements 

bei den verschiedenen Regimentern eintrafen. 



I n fa 11 teri e. 
Uebertrag 15 Bataill. 



Dauphine 1 

Mirabeau 2 

Leuville 2 

Bretaigne 1 

Vexin 2 

Miromesnil .... 1 

Vendome 1 

Ponthieu 1 

Solre 1 

La Fere 1 

Soissonnais .... 1 



Cavallerie. 






[Jebertri 


ig 


21 E 


scad. 


Simiane 




2 


.. 


Cappy 




2 


„ 


Üu Tronc .... 




3 




Souscarriere . . . 




2 




Chartres .... 




3 




Dragoner: Caylus . 




4 


„ 


„ Verac 




3 


„ 


„ Lautrec . 




3 


„ 


Belle-Isle 




3 


.. 



4(i Escad. 



Vosges 
Galmoy 
\'i\ arais 
Forest . 
Perche 



34 Bataill. 



In den Garnisonen und au I' den verschiedenen Posten standen 
ausser obiger Streitmacht : 

Am Oglio 4 Bataillone, 4 Escadronen 

„ Mincio 5 „ 9 „ 

in Groito 1 „ „ 

.. Mantua 5 „ — „ 

,. < >stiglia und Revere ... 2 ,. — ,, 

„ der Citadelle von Mbdena 1 „ „ 

., Mirandola 1 „ — ,, 

am unteren Po 2 ,, 9 „ 



Im Ganzen 21 Bataillone. 22 Escadronen. 



Wird die Stärke der Bataillone bei des Grosspriors Armee durch- 
schnittlich mit 420 Köpfen und jene der Escadronen mit 120 Köpfen 
angenommen, so hatte Prinz Engen eine französische Armee von 
23.100 Mann Infanterie und 8160 Reiter als unmittelbaren Gegner, 
welcher, abgesehen von der numerischen Stärke, die grössten Vortheile 
der Defensive auszunützen und im Nothfalle sich durch Thcile der 
Armee in Piemont leicht und vorhältnissmässig rasch verstärken konnte. 

Vendome hatte seiner Meinung nach, ehe erden Kriegsschau- 
platz im Brescianischen verliess, alle Vorkehrungen getroffen, um mit 



der vom Grossprior befehligten französischen Armee das Eervorbreehen 
der Kaiserlichen ans Gavardo verhindern zu können. 

Sein Plan fasste auf einer Gegenstellung. Diese ward derart 
gewählt, dass die Höhen von Limone, Monte Faida, Monte Castello 
und eine Casine am Navi^lio. durch Befestigung' die Behauptung eines 
grossen Raumes mit verhältnissmässig geringer Truppenmacht zur 
Sperrung der Strasse nach Breseia ermöglichten. Zwei starke Redouten 
beherrschten die Stelle, wo die kaiserliche Reiterei ihre Pferde zu 
tranken pflegte, und viele haltbare Oertlichkeiten wurden zur Ver- 
teidigung vorbereitet. 

Als ausserordentlich stark bezeichnete Vendöme den rechten 
Flügel seiner Position. Derselbe war an einen Berg gestützt, welcher, 
abgesehen davon, dass die Abdachung von der Seite des kaiserliehen 
Lagers her sich kaum ersteigen Hess, durch mehrere mit Kanonen 
armirte Redouten verstärkt wurde. Von diesem Stützpunete an hatte 
der französische Feldherr noch 3000 Mann gegen den Garda-See zu 
postirt, um die Stellung von Gavardo förmlich abzusperren. Dieser 
Raum, obschon in keinem Verhältnisse zu den dort verwendeten 
Truppen, seinen aus folgenden Gründen dennoch hinreichend gedeckt : 
Auf Büchsenschussweite von dem erwähnten Stützpunete des rechten 
Flügels, von diesem nur durch eine Einsenkimg getrennt, war jener 
Höhenzug besetzt, welcher sich ohne Unterbrechung bis an den Garda- 
See erstreckt, und von den: aus das gegen das kaiserliche Lager zu 
gelegene Terrain unter dem wirksamsten Feuer gehalten werden 
konnte. Darin suchte Vendöme die Gewähr, dass Eugen keinen 
Durchbruch der schwachen Postenlinie versuchen werde; denn es 
konnten vom französischen linken Flügel die nöthigen Kräfte immer 
noch rechtzeitig, und zwar mit flankirender Wirkung eintreffen. 

Der linke Flügel der Franzosen war an den Chiese gestützt, und 
zwar an einem Puncte, wo zwei mit Kanonen gekrönte Hügel jeden 
Annäherungsversuch vereiteln konnten. Bei dem Umstände, als dieser 
Stützpunct sich „nur auf zwei Büchsenschussweiten'' von jenem 
Höhenzuge entfernt befand, welcher sich ohne Unterbrechung vom 
rechten Ufer des Chiese (eventuell des südlich von Gavardo abzwei- 
genden Naviglio) bis hart an Breseia erstreckt, musste die kaiser- 
liche Armee, falls sie auf der nach Breseia führenden Strasse in die 
Ebene debouchiren wollte, dies unter äusserst angünstigen Verhält- 
nissen versuchen. 

Sie hatte nämlich in einem Räume vorzudringen, welcher einer- 
seits (nördlich) von dem erwähnten Höhenzuge, andererseits (südlich) 
von dem Xaviü'lio begrenzt war. welch' letzlerer sieh nur mittelst 



L68 

Brücken überschreiten Hess. Diese Einengung war um so nachtheiliger, 
als der Grossprior Eugen's Armee bis Brescia ungestraft cotoyiren 
und den Zusammenstoss dort suchen konnte, wo er für die Kaiser- 
lichen in Folge der Terrainverhältnisse am nachtheiligsten gewesen 
wäre. Ihn in solcher Beziehung den nöthigen Vorsprung gewinnen 
zu können, hatte Vendome über den Chiese bei Madonna della 
Resica und über den Naviglio bei Goglione di sotto Brücken errichten 
lassen. 

Dass der französische Feldherr die von ihm vorbereitete (iegen- 
stellung für unbezwingbar hielt, geht aus seinem Berichte (vom 
24. Mai au den König) hervor: „II n'est pas possible d'imaginer que 
les ennemis puissent y venir; mais s'ils sunt assez fous pour nous 
attaquer, je reponds ä Votre Majeste <| u'ils seront bien battus ')." 

Jedenfalls wäre der Angriff auf die französische Position, um 
sieh den directen Weg gegen Brescia zu erzwingen, gewagt und ver- 
muthlich fruchtlos gewesen. Es blieb nur der Ausweg über Sopraponte, 
Soseto nach Nave. Dieser zweigte sich aber vom Kücken des kaiser- 
lichen Lagers ab und war derart beschaffen, dass er die Bewegung 
einer mit schwerer Artillerie und einem zahlreichen Train verseheneu 
Armee völlig auszuschliessen schien. 

Vendöme hatte durch die Aufstellung Toralba's bei Nave und 
durch die Vorschiebung eines Postens nach Soseto 2 ), ursprünglich 
'In ' r Ausgangspforte einige Bedeutung beigelegt, in der Folge aber 
die Concentrirung der ganzen Macht südlich von Gavardo für erspriess- 
licher erachtet, weil er gerade in Folge des ausserordentlich schlechten 
Zustandes der über Soseto und Caino nach Nave führenden Strasse 
mit Sicherheit darauf rechnete, dass der Grossprior mit seiner ganzen 
Armee der Zeit nach stets früher vor Brescia einzutreffen vermöge, 
als die kaiserliche Macht. Die frühere Postirung Toralba's bei Nave 
hatte auch gezeigt, dass ein Detachement stets überwältigt werden 
könne; eine ansehnliche Macht durfte aber nicht in Verwendung 
kommen, sollte die französische Armee vor Zersplitterung bewahrt 
bleiben. Eine Beobachtung des Gebirgs-Debouche's bei Nave schien 
ausreichend, um im Falle einer dort wahrzunehmenden Bewegung der 
Kaiserlichen die nöthigen Gegenmassregeln immer rechtzeitig geuug 
treffen zu können. 

Noch vor der am 28. Mai erfolgten Abreise nach Piemont er- 
theilte Ven dorne seinem Bruder Instructionen über das Verhalten 
bei dem Hervorbrechen der Kaiserlichen aus ihrer Position. 



') Archives du depöt de la guerre Vol. 
-'i Si.li,. l'.-itr. 145 «ti.--A.-s H.-mi.I, -. 



169 

Am 30. Mai traf bei diesen die Nachricht ein: „es sei ein bei Torhole 
und Roncadelle (südwestlich von Brescia) gestandenes feindliches Corps 
in drei Theile separirt worden, deren einer den Marsch nach Palazzolo, 
ein /.weiter nach Soncino und der dritte in das französische Lager vor 
Gavardo angetreten' 1 habe. Anlass zu diesen Berichten mochte des 
Grosspriors Disposition gegeben haben, welcher am 29. Toralba an 
den Oglio beorderte. Aus diesem Grunde fanden auch die über Soseto 
und Nave vorgesendeten kaiserlichen Parteien den Weg völlig vom 
Feinde frei. 

Anders lagen die Dinge bezüglich der grossen nach Brescia 
führenden Strasse. Am 31. hatten 4 französische Grenadier-Compagnien 
die Casine Moscoline, welche unweit der steinernen Brücke über den 
Naviglio, und zwar zwischen Gavardo und Goglione lag, besetzt. Bei 
einer am genannten Tage in dieser Richtung von der kaiserlichen 
Reiterei vorgenommenen Pouragirung war es mit der Besatzung der 
Casine zum Kampfe gekommen. 

Aber abgesehen davon, konnte von letzterer eine der Schanzen 
im kaiserlichen Lager am Chiese enülirt , hauptsachlich aber das 
Strassen-Debouche von Gavardo gegen Ponte Sau Marco beherrschl 
werden. Nachdem die Franzosen sogleich mit Befestigungsarbeiten 
begannen, so konnte Prinz Eugen eine solche Einschränkung des 
zum Debouchiren zu benutzenden Raumes nicht dulden. 



Kampf um die Casine Moscoline am Naviglio. 

Noch am 31. Mai wurde General - Feldwachtmeister Prinz 
Alexander von Württemberg mit 1600 Manu Infanterie, 3 Ge- 
schützen, einigen Mineurs und Zimmerleuten, dann 800 Pferden, welchen 
eine aus 4 Bataillonen bestehende und von FZM. Baron Bibra be- 
fehligte Reserve nötigenfalls unterstützen sollte, zum Angriffe des in 
der Casine stehenden Feindes beordert. 

Obschon Prinz Württemberg schon um 10 Uhr Abends 
(des 31.) von dem Lager zu Gavardo aufgebrochen war. konnte der 
Angriff doch erst um 1 Uhr nach Mitternacht erfolgen. Die Bewegung 
musste nämlich mit grosser Vorsicht ausgeführt werden, um die feind- 
lichen Vorposten nicht vorzeitig zu alarmiren. Ersteres gelang s<> voll 
ständig, dass der Feind von der Annäherung keine Ahnung hatte. 

„Nach Lösung einiger Kanonenschüsse" gegen die beiden Ein- 
gangsthore der Casine auf die Entfernung von blos 90 Schritten, voll- 
führten ilie Truppen den Sturm, der, obschon wiederholt abgewiesen, 
dennoch völlig gelang: denn die Infanterie bemeisterte sich der Casine, 



17(1 

mir ein Thurm, in welchen sich französische Officiere mit einer 
Ahtheilung zurückgezogen hatten, blieb noch zu erobern. Um den 
Kampf nicht unnöthigerweise zu verlängern, Hess Prinz Württem- 
berg ein Geschütz in den Hofraum bringen und wenige aus nächster 
Nähe abgefeuerte Kanonenschüsse zwangen die Besatzung des 
Thurmes, sich zu ergeben. Der Kampf an und für sieb war äusserst 
erbittert, denn die aus 4 Grenadier-Compagnien gebildete Besatzung 
der Casine wurde ..meistens massacrirt und nur 30 Mann, darunter 
1 Hauptmann und 1 Lieutenant gefangen" genommen. 

Der mit Geschützfeuer vorbereitete Angriff musste selbstverständ- 
lich die Truppen im Lager des Grosspriors „völlig alarmiren". Line 
anfänglich von dort herbeigeeilte Unterstützung von 100 Füsilieren 
und 50 Dragonern vermochte keine Hülfe zu leisten; ja sie scheint 
sogar die Verwirrung bei der hart bedrängten Besatzung erhöht zu 
haben, denn die Franzosen beschossen sieh wechselseitig. 

Schon während des Kampfes um die Casine wurden bei den Fran- 
zosen Trommelsignale hörbar, welche den Anmarsch von Truppen ver- 
kündeten. Bald waren etliche Bataillone hart an den Naviglio angerückt 
und Prinz Württemberg musste einen Theil seiner Truppen ent- 
lang des diesseitigen Canalrandes zum Gefechte entwickeln. Dieses 
gestaltete sieb äusserst mörderisch, denn der Canal, obschon nur 
6 — 7 Sehritte breit, war sehr tief. Volle zwei Stunden hielten sich die 
Kaiserlichen in ihrer äusserst ungünstigen Position und nur das Dunkel 
der Nacht schützte sie vor förmlicher Decimirung. Als es aber zu 
dämmern begann, musste Prinz Württemberg an den Rückzug 
denken. Einerseits hatten französische Bataillone den Naviglio schon 
überschritten, andererseits lag die Casine unter dem Feuer der fran- 
zösischen Kanonen, was eine Behauptung des eroberten Objectes schon 
vorweg ausscbloss. — Diesen Umstand kennend, hatte Prinz W ür 1 1 e m- 
berg dasselbe während des Feuergefechtes am Naviglio, so viel dies 
thunlicb war, zerstören lassen, um für den Feind den Besitz dieses 
Punctes werthlos zu machen. 

Der Rückzug konnte nicht nur in Ordnung, sondern auch vom 
Gegner völlig unbehelligt erfolgen, welcher am Naviglio stehen blieb. 
Nach solchem Gefechte musste der Verlust kaiserlicherseits wohl 
erheblich sein; 80 Todte, darunter ein Hauptmann vom Reginiente 
Württemberg, dann „gegen 28(5 Blessirte, darunter 7 Hauptleute der 
kaiserlichen und 4 der preussischbn Infanterie-. In der bezüglichen 
Relation ist bemerkt: „Genugsam ist nicht zu rühmen die tapfere 
Conduite des Prinzen von Württemberg, gleichwie dann nicht 
weniger des (»bristen von Haustein (Guttenstein-Infanterie), Obrist- 



171 

Lieutenant Elsen (Zum Jungen-Infanterie), Obristwachtmeister Warth 
(Harrach - Infanterie) und Obristwachtmeister Becker (preussische 
Infanterie)." 

Hätte es übrigens nach solcher That der besonderen Betonung 
dessen bedurft, dass ..alle übrigen zu ihrer besonderen Ehr und Lob 
sieli sehr tapfer aufgeführot und sieh in ihrer Schuldigkeit sehr stand 
und herzhaft erwiesen"? Aus einem Aktenstücke geht auch hervor, 
dass FZM. Baron Bibra mittelbar bei dieser Aetion Einfluss geübt 
und die Ausfuhrung dui-ch seine ..so vernünftig, vorsichtig vorgekehrte 
Dispositiones nicht wenig angefrisehet hat"*). 

Fernere Dispositionen des Prinzen Eugen. 

Wiewohl ilie Streitkräfte des Prinzen zu dieser Zeit durchaus 
nicht in schlagfertigem Zustande, d. h. zu Offensiv-Operationen aus- 
gerüstet und vollzählig waren, trug sich Eugen doch mit der Ab 
sieht, die erste günstige Gelegenheit zum Hervorbrechen aus dem 
Lager von Gravardo zu benützen 2 ). Leber das Wo musste die nächste 
Zukunft entscheiden. 

Die von der Natur vorgezeichnete Haupt-Operationslinie war die 
„grosse Strasse nach Brescia". Der Kampf um die Casine zeigt gleich- 
sam ein Tasten, um zu erfahren, welche Schwierigkeiten von Seite 
des Feindes in dieser einen Richtung zu gewärtigen standen. Die 
Massnahmen der Franzosen bei diesem Gefechte hatten bewiesen, dass 
der Versuch des Debouchirens grosse < Ipfer kosten wurde, und Prinz 
Eugen durfte seine Kräfte nicht schon zu einer Zeit verbrauchen 
oder abnützen, in welcher er noch keineswegs an irgend eine ent- 
scheidende That denken konnte. 

Kaum hatte Eugen am 1. Juni das Resultat zur Kenntniss 
genommen, als er noch an dem nämlichen Tage den GWM. Conte 
Roccavione mit einem Detachement von „500 Pferden und eben- 
soviel Mann zu Fuss-'. letztere unter Befehl des ( »bristen 11 offmann, 
über Soseto gegen Nave detachirte, um sich des Thal - Debouche's 
zu versichern '' I. 



1 1 Sii|,],i,iiK'iit-H.ri Nr. 112. 

-) Supplement-Heft Nr. 109. 110, 114. 

3 ) Dies treschah m ; t der vollsten Bereelitiiruiiir, weil nach der Confi<ruration 
iin.l Beschaffenheit des Terrains eine verliältiiissmässii.' kleine Trnppenzahl dem 
Tun der Ebene anrückenden Feinde so lange Widerstand leisten konnte, bis von 
der Armee Verstärkungen eintrafen. Hätten alier die Franzosen Nave bi 
behaupten wollen, so waren sie leicht zu gefährden, weil sie in ihrem Rücken keine 
Stütze im Terrain fanden. 



172 

Völlige Unthätigkerl auf der grossen Strasse nach Brescia 
hätte zweifellos die Aufmerksamkeit ilcs Grosspriors in eine andere 
Richtung gelenkt, l*ies zu verhindern, liess Eugen am 2. Juni 
sömmtliche Huszaren unter Commando des Obristlieutenants Spl6nj i 
gegen die zerstörte Casine am Naviglio vorrücken, obschon er wusste, 
dass der Feind unmittelbar nach dem Kampfe mit 3000 Mann die 
Anlage von Befestigungen begonnen habe. »Spien vi kam am 3. seiner 
Meinung uach völlig ohne. Resultat zurück, weil er die Strasse schon 
diesseits der Casine durch Verhaue abgesperrt und vom Feinde besetzt 
fand. Unmittelbar nach dem Eintreffen im Lager erhielt er wiederhol! 
den Befehl, vorzurücken und zu trachten, „ob er nicht etwa hinter 
dem feindliehen Lager einen Streich zu thun vermöge". Spien \ i- 
Detachement war eben nichts weiter als ein geringer Theil der Armee, 
der nötigenfalls geopfert werden sollte, um den Gegner in der Meinung 
zu bestärken, dass die kaiserliehe Armee auf der grossen Strasse nach 
Brescia vordringen wolle. Möglichst geräuschlos bereitete Eugen 
mittlerweile den Aufbruch seiner Armee vor ' ). 



GWM. Conte Roccavione hatte bei seiner Vorrückung in das 
von Soseto gegen Nave führende Thal den Auftrag erhalten, dasselbe 
gegen den Feind zu vollständig abzuschliessen. Vom 4. Juni an wurde 
nach und uach der gesammte Train der Armee gegen Roecavione's 
Aufstellung in Bewegung gesetzt, wobei jener der [nfanterie den 
Anfang machte. Ausserdem Hess Eugen die successive eingetroffenen 
Recruten und Remonten nicht mehr nach Gavardo, sondern direct 
über Soselo zum Train dirigiren. Bei der Beschaffenheit der bezüglichen 
Gebirgsstrasse musste das Fortkommen des Trains um so mehr einige 
Tage in Anspruch nehmen, als nur kleinere Partien auf einmal in 
Bewegung gesetzt werden konnten 2 ). 

In dein Masse, als die siteeossive Abschiebung der Armee-Impe- 
dimente Zeit erforderte, musste die Aufmerksamkeit des Gegners 
vor Gavardo fortwährend in Spannung erhalten werden. Die schon 
oft genannten Obristlieutenants St. Amour und Spien vi und 
Obristwachtmeister Elsen beunruhigten und alannirten mit ihren 
Parteien fast ununterbrochen die Hauptmacht des Grosspriors, und 
Eugen's Absieht wurde völlig erreicht, denn GWM. Roccavione, 
der den Ausgang des Gebirgs-Debouche's gegen Nave testhielt, meldete 



'i Supplement Heft N, 
■I Supplement-Heft Nr 



173 

am 7. Juni, dass seine Parteien keinerlei besorgnisserregende Wahr- 
nehmung gemacht hätten. 

Gegen den Wunsch des Prinzen verzögerte sich die Heranziehung 
der Recruten und Remonten über den Garda-See, weil widrige Winde 
die Fahrzeuge Stunden und halbe Tage lang am Auslauten hinderten. 
Endlieh am 8. konnte ein Theil der Artillerie dem Train folgen, 
wahrend gleichzeitig von Gavardo aus ..eine grosse Fourage" ange 
ordnet wurde, wobei es zum Zusammenstosse mit dem Feinde kam. 

Unbedingt musste die Zeit in den ersten Wochen des Juni für 
Eugen qualvoll sein, denn der Feldherr, wohl wissend, dass das 
Gelingen seines Planes an und für sich schon vom Zufalle abhangig 
sei, hatte zu besorgen, dass diesem mit dem Verrinnen der Tage 
mehr und mehr Spielraum gegeben werde. Vor dem Eintreffen der 
Churpfälzer, die im Verhältnisse zum Ganzen immerhin ein ansehn- 
liches Contingent ausmachten, durfte der Aufbruch von Gavardo nicht 
erfolgen. Erst am 21. Juni kam „über Rovercdo Bericht'', dass dieselben 
„allgemach einzutreffen anfangen". 

So sehr Eugen den vor ihm stehenden Gegner beschäftigte 
und die kaiserlichen Parteien selbst im Rücken desselben mit Kühnheit 
agirten, so nahm doch die Gefahr zu, dass der durch Wochen fort- 
gesetzte kleine Krieg mit schwachen Parteien selbst einem Gegner, 
wie der Grossprior es war, endlich die Augen öffnen und erkennen 
lassen würde, dass Eugen's Spiel nur auf Zeitgewinn abzielte ' I. 
Noch musste aber eine längere Pause überwunden werden, denn die 
Ueberschiflung der Churpfälzer ging voraussichtlich nicht rasch von 
Statten. Plausiblen Vorwand, wenigstens einige Tage auszufüllen, bot 
die Auswechslung der Kriegsgefangenen dar; aber all' dies wollte 
nicht zureichen, weil erst am 20. Juni endlieh der Train der Chur- 
pfälzer am westlichen Ufer des Garda-See's einzutreffen vermochte. 
Eine weitere wesentliche Thätigkeit bestand darin, dass vom Garda-See 
kleinere Fahrzeuge auf Fuhrwerken nach Gavardo gebracht wurden, 
um bei Sopraponte mehrere Brücken über den Chiese errichten zu 
können. 

Endlich am 20. Juni wurden die churpfälzischen Truppen mit 
ihrem Train direct vom Garda-See von Salö aus über Soseto gegen die 
Position Roccavione's in Marsch gesetzt. Aber gerade in diesem 
kritischen Momente machten sich in dem feindlichen Lager vor Gavardo 
auffällige Bewegungen, das Abbrechen der Zelte etc. bemerkbar. Prinz 
Eugen, fast am Ziele, musste neuerdings um das Gelingen seines 

') Supplement-Heft Nr. U0. 



174 

Vorhabens fürchten, doch brachten ihm seine Parteien die beruhigende 
Nachricht, dass nur „ein feindliches Detachement nach Brescia ab- 
marschirt wäre", von welchem Umstände Roccavione in Kenntniss 

gesetzt und ihm die Weisung ertheilt wurde, sich direct davon zu 
überzeugen '). 

Offenbar war es hoch an der Zeit, die beabsichtigte Bewegung 
mit der Armee zu vollführen. Was sich vom Fuhrwerke noch in Gavardo 
befand, wurde am 21. Morgens über Soseto in Marsch gesetzt und 
Prinz Eugen erliess die nötliigen Dispositionen. 

Die gesammte in und bei Gavardo versammelte kaiserliche Macht 
sollte derart in Bereitschaft gesetzt werden, dass sie mit Einbruch 
der Nacht zum 22. Juni den Marsch gegen Soseto antreten könne. 
Gleichzeitig erhielten Obrist Gellhorn und GWM. Zum Jungen 
Befehl, mit den Garnisonen von Salö und Maderno unter Mitnahme 
der dort postirten Geschütze derart abzumarschiren, dass sie gegen 
1 1 Uhr Nachts an der Brücke zu Sopraponte anlangen konnten. 

Die /.u Cadignano, Campione, Limone und Pratta del Farne 
commandirte Mannschaft wurde auf Fahrzeugen nach Torbole und 
Riva geschafft und die Weisung erlassen, alle in der Folge aus 
Bayern eintreffenden Truppen in den beiden letztgenannten Orten 
anzusammeln, um nicht blos diese „sondern auch das Land selbst 
gegen Roveredo vor allen feindlichen [nvasiones zu schützen". 



Aufbruch Eugerfs von Gavardo. 

Nur rin Prinz Eugen durfte es wagen, vom Rücken seiner 
Stellung aus, mit völliger Preisgebung seiner Operationslinie eine 
Armee-Bewegung anzuordnen, über deren Ausführbarkeit Veitdome 
wegen der Terrainschwierigkeiten gewiss gegründeten Zweifel hegte. 

Nordwestlieh von Gavardo streichen in entgegengesetzter Richtung 
(gegen Ost und Westi zwei Thalfurchen, die beiläufig in der Mitte 
der ganzen Längenerstreckung auf der Einsattlung S. Fusebio ihren 
Ursprung haben. In dem gegen < >sten zum Chiese mündenden Thale 
liegt an dessen Eingange der Ort Sopraponte, von welchem aus ein 
steiniger Karrenweg auf der linken Thalwand gegen Soseto zu 
führte. Die zahlreichen in das Eauptthal einmündenden kleineren 
Nebenthäler und Schluchten überquerend, war der Strassenzug eine 

') Das feindliche Detachement war wohl abmarschirt, aber wieder vom Gross- 

pi im '/.iiiiu-klii'i'ufen worden. 



175 

fortlaufende Reihe von starken Steigungen und abschüssigen Bahnen, 
welche, abgesehen von der schlechten Beschaffenheit und geringen 
Breite des Strassenkörpers, an und für sich das Fortkommen des Fuhr- 
werkes ausserordentlich erschweren mussten. 

Bei Vallio veriiess der Hauptweg die linke Thalwand und ward 
auf der rechten mit immer zunehmender Ansteigung zu der Ein- 
sattlung S. Eusebio geführt. Nur stellenweise fanden sich bald auf 
der einen, bald auf der anderen Thalwand Fusssteige oder Naturwege, 
welche der Verkehr mit den zerstreut gelegenen Weilern und Ge- 
höften hervorgerufen hatte. Abseits der erwähnten Haupt- Communi- 
cation musste demnach die Truppenbewegung grossentheils über Steck 
und Stein erfolgen. 

Noch bei Weitem schwieriger waren die Verhaltnisse in der 
gegen Westen mündenden Thalfurche, welche den Namen Valle di 
Caino führt; denn daselbst traten die Einfassungshöhen, zumeist bis 
an den Fuss bewaldet, steil bis an die schmale Thalsohle heran, 
nur für das Thalwasser (den Garzo-Fluss) und die Communication 
Raum hissend. Dieser Charakter eines engen Thal-Detiles war von 
der Einsattlung S. Eusebio bis kurz vor Caino in westlicher Richtung, 
und südlich des letztgenannten Ortes von dem Weiler S. Carlo bis 
zur Mündung bei Nave vorherrschend. In Folge dessen blieb in der 
Valle di Caino der Marsch in mehreren Parallel-Colonnen nahezu, 
gegen den Ausgang des Deüle's aber völlig ausgeschlossen. 

Für eine Armee, welche mit ihrem gesammten Train im Ange- 
sichte des Feindes durch ein solches Terrain einen Gewaltmarsch 
ausführen sollte, war es kaum anders denkbar, ans Ziel zu gelangen, 
als durch die Anordnungen, welche Eugen getroffen hatte; und er 
bekundete damit ein nicht minder hervorragendes Talent auch in der 
Kunst, welche die Kriegswissenschaft mit der Bezeichnung „Logistik" 
umfasst. 



Lautlos brachen die kaiserlichen Regimenter nach Fintritt der 
Dunkelheit am 22. Juni von Gavardo auf, und die aus den Grenadieren 
und einem Theile der Infanterie gebildete Vorhut erhielt den Befehl, 
den Ort Soseto zu besetzen und dort so lange zu verweilen, bis die 
gesammte Armee vorbeidefilirt sei, dann aber die Nachhut, aufzu- 
nehmen und der Marsch-Colonne zu folgen. Zweifellos hatte Eugen 
die Bewegung mit seltener Meisterschaft combinirt; die Beherrschung 
des Zufalles aber schien ausser der Macht des Genie's zu liegen. — 
GWM. Zum Junge n's Detachement verspätete sich, weil von einigen 



Geschützen unterwegs die Räder zerbrachen, und dieser Umstand brachte 
die Bewegung der Eaupt-Colonne bei Soseto momentan zum Stillstande. 
Obschon dieser Zwischenfall die Combinationen des Prinzen beirren 
musste, entschloss er sich doch sogleich, die Bewegung fortzusetzen. 
Von Soseto aus disponirte er die Reiterei und Artillerie auf die 
Strasse, wahrend die Infanterie beiderseits derselben theils über 
Stock und Stein, theils auf schmalen Pfaden zu marschiren hatte. 
Wie vortrefflich die bezüglichen Dispositionen getroffen gewesen -ein 
mussten, geht daraus hervor, dass nicht nur „Alles glücklich durch- 
kommen, sondern auch Nichts zurückgeblieben ist". 

Ungeachtet iles Parallelmarsches der Infanterie und Cavallerie 
batte die Marsch-Colonne eine so grosse Ausdehnung, dass der lichte 
Tag bereits seit zwei Stunden hereingebrochen war, ehe die Queue 
über Soseto kommen konnte. 

Bei der Beschaffenheit und Länge des Weges ist es begreiflich, 
dass die Armee erst gegen Abend den zum Lager bestimmten Platz 
erreichte, welcher derart ausgemittelt war, dass der linke Flügel gegen 
Brescia, dei rechte gegen Torbole gerichtet war, „Roncadelle schier 
in der Mitte haltend". Ein Theil der Infanterie und die Artillerie erreichten 
in Folge der Erschöpfung den Lagerplatz nicht, und musste eine Stunde 
davon entfernt übernachten, traf aber am 23. Morgens vollzählig ein. 

Eugens Aufbruch von Gavardo und die Bewegung durch die 
Thalfurchen von Soseto gegen Nave blieb dem Feinde derart ver- 
borgen, dass er davon „nicht das Geringste wahrgenommen hatte". 
Nach Erreichung des ersten Marschzieles aber musste der Prinz 
trachten, aber die Massnahmen des Feindes, welcher durch das plötz- 
liche Verschwinden der kaiserlichen Armee verblüfft sein musste, mög- 
lichst genaue Kundschaft zu erhalten. 

Voll Zuversicht auf die Stärke der Gegenstellung, konnte der 
Grossprior nicht dem Gedanken Raum geben, dass die numerisch 

schwächere kaiserliehe Arn das Hervorbrechen gegen den Oglio 

wagen werde, und dies um so weniger, als dadurch die Basis derselben 
gefährdet erscheinen musste. Ungeachtet dem französischen Ober- 
befehlshaber die Din»-e nicht verborgen blieben, die sich in den Thä- 
lern von Soseto und Nave vorbereiteten, so hielt er doch die Gegend 
von Moscoline als die wichtigste und war nicht zu bewegen, die von 
V en deine ausgewählte Gegenstellung früher zu verlassen, bevor 
Prinz Eugen seine nächste Absieht durch irgend eine Bewegung 
klarlegen würde. 

Seiner Meinung nach erübrigte dann noch immer Zeit, genug, 
de kaiserlichen Armee zu folgen und ihre Manöver zu paralysiren. 



177 

Zu diesem Zwecke die französischen Streitkräfte beweglicher zu 
machen, wurde der schwere Train am 10. Juni nach Castiglione delle 
Stiviere dirigirt, und um einen gewissen Vorsprung im Räume zu 
gewinnen, erhielten 8 in Drugolo befindliche Escadronen den Befehl, 
aufzubrechen. Am 13. marsehirten 5 am Mincio aufgestellt gewesene 
Escadronen und 4 Bataillone nach Montechiaro, so dass am unteren 
Po blos 4 Escadronen, und in den befestigten Plätzen 10 Bataillone 
verblieben. Der Grossprior trachtete nämlich, um im Brescianischen 
und am oberen Oglio möglichst stark auftreten zu können, mehr 
Truppen verfügbar zu haben, als dies nach der ursprünglichen Dispo- 
sition Vendöme's der Fall gewesen wäre. 

Die wiederholten dringenden Malmungen französischer Generale, 
Massregoln gegen die Ansammlung der Kaiserlichen bei Nave zu 
treffen, fanden bei dem Oberbefehlshaber nicht die richtige Würdigung. 
Am 19. Juni nahm er zwar mit 500 Grenadieren und 10(10 Pferden 
eine Recognoscirung in jener Richtung vor, deren Resultat aber keines- 
wegs eine Sinnesänderung herbeiführte. Der Grossprior fürchtete, falls 
er nach Ponte Gatello an der Mella ein Beobachtungs-Corps vorschieben 
würde, dasselbe zu weit von der Armee entfernt, zu nahe aber an 
den Kaiserlichen und in Folge dessen einem Echec ausgesetzt wäre. 
Er hielt au dem Gedankeu fest, in der Stellung von Bfoscoline so 
lange zu verweilen, bis Eugens Aufbruch in der einen oder der 
anderen Richtung erfolgt sei. Die Besorgniss, dass der Prinz den Vor- 
sprung, welchen der während einer Nacht ausführbare Marsch gewährte, 
ausnützen könnte, um die kaiserliche Armee zwischen das bei Ponte 
Gatello (an der Mella) aufzustellende französische Corps und Palazzolo 
(am Oglio) zu bringen, wodurch dem Grossprior die Möglichkeit 
benommen war, rechtzeitig den oberen Oglio zu gewinnen, verleitete 
zu falschen Massregeln. 

Allerdings lag ein solches Manöver in des Prinzen Absicht, weil 
durch dasselbe nicht blos Raum gegen Westen gewonnen, sondern 
auch ein Zusammenstoss mit, der französischen Hauptkraft vermieden 
wurde. Der Grossprior, dies erwägend, glaubte in der Vertheidigung 
des Oglio das richtigste Gegengewicht gefunden zu haben. Er beschloss, 
einen seiner Meinung nach ansehnlichen Truppentheil an den l-'luss 
zu beordern, welcher durch seinen Widerstand an dem natürlichen Hin- 
dernisse, dem Reste der französischen Armee die nöthige Zeil ver 
schaffen sollte, um dem Prinzen Eugen den Oglio-Uebergang streitig 
machen zu können. 

Die räumlichen Verhältnisse berechtigten wohl zu solchem 
Schlüsse, denn Prinz Eugen hatte von Nave aus Klos 2'A Miglien bis 

Feldzüge .le~ Prinzen Engen v Savoyen VII. Band. 12 



178 



raii/.iisi-n 



an den Oglio zurückzulegen, während der Bauptkraft der Fi 

von Moscoline aus eine Strassenlänge von 44 Miglien, mithin ein dop- 

pelf sn grosser Weg bevorstand. 

Was immer der französische Oberbefehlshaber für gut oder noth- 
wendig fand, musste er zeitig ins Werk setzen. Aber auch bei ihm, 
wie ahnliehe Beispiele in der Kriegsgesehiehte sieh häufig wieder- 
holen, mangelte der feste Entschluss. Die Besorgniss, sich durch vor- 
zeitige Detachirung an den Oglio in der Gegenstellung vor Gavardo 
zu sehr zu schwächen, liess ihn den richtigen Moment versäumen. 
Diesen aber hatte Prinz Eugen durch seine meisterhaft eingeleitete 

I ebenso durchgeführte Bewegung gegen Nave voll auszunützen 

<s<-\\ usst *). 

Erst in den Vormittagsstunden des 22. brachten Parteien die 
Nachricht vom Aufbruche der Kaiserlichen in das französische Lager, 
und nun erkannte der Grossprior die äusserste Nothwendigkeit, seine 
Armee eiligst an den Oglio zu bringen. Dazu aber bedurfte es der 
nöthigen Vorbereitungen. Vorerst mussten die Truppen mit Mund 
vorrath für mindestens vier Tage versehen und Anstalten getroffen 
werden, die über den Chiese errichtete Brücke fortschaffen zu können. 
Wohl brach das Gros noch am 22. nach Montechiaro auf, um 
durch Vollführung des Chiese [Jeberganges die für den nächstfolgenden 
Tag beabsichtigte Bewegung zu erleichtem; der Wesenheit nach 
gewährte dies aber keinen Vorsprung. Auch die vorläufige Detachi- 
rung von 3 Bataillonen und 3 Escadronen nach < »stiano, um die 
unter Toralba am Oglio stehenden französischen Streitkräfte zu ver- 
stärken, war weniger als eine halbe Massregel. 

In seiner äussersten Besorgniss detachirte der Grossprior in der 
Nacht zum 23. Juni 500 Pferde gegen Ponte Gatello, einerseits, um 
Nachrichten über die kaiserliche Armee einzuziehen, andererseits die 
am Morgen beabsichtigte Bewegung zu sichern. Diese erfolgte am 23. 
in zwei Colonnen über Ghedi und Montirone. Als der Grossprior 
während derselben von dem schon in der Nacht vorausgesendeten Reiter- 
Detachement Meldung erhielt, dass die kaiserliche Armee in Torbole 
und Roncadelle stehe, erwachte in ihm die Besorgniss, dass. falls er, 
wie dies ursprünglich beabsichtigt war, die Mella bei Corticelle passiren 
würde, er zur Annahme der Schlacht unter den für die Franzosen 
ungünstigsten Bedingungen gezwungen werden könnte. 

Am 24. passirten diese bei Manerbio die Mella und bezogen 
dort ein Lager, in welchem der rechte Flügel an Manerbio, der linke an 



') Sllp|,lrinrllt-ll,-tt Nr. 142. 



Bassano gestützt, die Front aber durch einen Schifffahrts-Canal gedeckt 
und dadurch eine vortheilhafte Defensiv-Stellung dargeboten war. 

Es müsste befremden, dass Prinz Eugen, nachdem mittelst eines 
kühnen Manövers dem Gegner ein so wesentlicher Vorsprang abge- 
wonnen war, durch freiwilliges Zögern sich des errungenen Vortheiles 
begeben haben würde. Das Heranziehen der gesammten Artillerie und 
die Notwendigkeit, die völlig erschöpfte Infanterie zu Atliem kommen 
zu lassen, machten einen Stillstand am 23. Juni unausweichlich. 

Als aber am 24. die zahlreich ausgesendeten Parteien die über- 
einstimmende Nachricht brachten, der Grossprior sei mit der franzö- 
sischen Armee „über Hals und Kopf" im Anmärsche, gab der Prinz 
den Befehl, um l'/ 2 Uhr Nachmittags mit den gesammten Truppen 
aufzubrechen, den Train aber im Lager zurückzulassen. Es geschah 
dies in der bestimmten Absieht, den Gegner während seiner „in ziem- 
licher Confusion" vollführten Bewegung anzugreifen. Die erwähnte 
Besorgniss des Grosspriors war demnach wohlbegründet — und diese 
bewahrte seine Armee vor einer Niederlage. 

Wie sehr auch Prinz Eugen seinen Marsch zu beschleunigen suchte, 
so konnte er doch das elementare Einwirken nicht beherrschen. Starker 
Regen verzögerte durch Erweichung des Bodens die Bewegung derart, 
dass die Dunkelheit hereinbrach, ehe die Kaiserlichen an den Feind 
gekommen waren. Dieselben sahen sieh genöthigt, „eine Miglie von 
Ponte Gatello die Nacht über in der Ordnung, wie sie abmarschirt 
waren, ohne ein förmliches Lager zu schlagen, stehen zu bleiben". 

Wiederholt liefen die Meldungen ein, dass der Grossprior sich 
nach Manerbio ziehe, aber trotzdem Hess Eugen am 25. Morgens 
seine Armee vorwärts eilen, um an den Feind zu kommen. Auch als 
JJbristwachtmeister Eben unterwegs die sichere Kunde brachte, dass 
der Gegner bei Manerbio stehe und dort die Vbrtheile des Bodens 
für seiue Position auszunützen suche, Hess Eugen den Marsch den 
noch fortsetzen. In dem Masse aber, als sich die Armee dem genannten 
Punete näherte, steigerte sich die Unmöglichkeit eines raschen Fort- 
kommens. Die Strasse zeigte „sich so eng und übel zugerichtet, dass 
man, um in zwei Colonnen marschiren zu können, links und rechts 
über die im hiesigen Land allenthalben befindlichen Gräben continuir- 
lich Brücken'' errichten musste. Dies nahm so viel Zeit in Anspruch 
dass gegen 6 Uhr Abends erst ein Theil der Armee vor Manerbio 
eintreffen konnte. Die sogleich vorgenommene Recognoscirung der 
feindlichen Position führte zur Ueberzeugung, dass der Angriff nun- 
mehr ein fruchtloses Beginnen sein würde l ). Es erübrigte nur ein 

') Kriees-ArcMv, Italien, 1705: Fase. XIII. 1. 



180 

neuer rascher Entschluss. Der Prinz sendete noch am 25. nach 
Roncadelle den Befehl, dass der Train in der Nachl aufzubrechen 
und nach Maclodio zu marschiren habe, and am 26. führte er seine 
Armee gegen letztgenannten Punct, woselbst die Vereinigung .stattfand. 



Rückblick auf die Ereignisse in Piemont von Ende Mai bis 
Ende Juni. 

Ven dorne hatte seine Armee am 8. Juni zu Saluggia versammelt. 
um gegen Chivasso zum Angriffe schreiten zu können. Er fand die 
austro-savoyischen Streitkräfte am jenseitigen Ufer der Dora Baltea 
auf dominirenden Höhen derart aufgestellt, dass ihm ein sofortiger 
Angriff nicht rathsam schien. Der seiner Meinung nach sichere Erfolg 
sollte nicht durch einen vorzeitigen Kampf unter den für die Fran- 
zosen ungünstigen Bodenverhältnissen in Frage gestellt werden. 

Demgemäss dirigirte der französische Feldherr seine Armee gegen 
Ivre.i; er gab gleichzeitig La Feuillade den Befehl, über Susa mit 
jenen 10 Bataillonen anzurücken, die aus der Grafschaft Nizza zur Ver- 
stärkung der Armee in Piemont bestimmt waren, um nach Aufnahme 
eines Dragoner-Eegimentes zuerst eine Diversion bei Susa auszuführen 
und sieh dann im geeigneten Momente mit der Armee zu vereinigen. 
Diese passirte am 12. Juni bei [vrea die Dora Baltea und am 13. 
rückte sie auf Caluso und Mazze, welche beide. Puncte von den Alliirten 
besetzt waren. 

Feldmarschall Graf Starhemberg Hess diese Posten bei An- 
näherung des Feindes räumen und zog mit solcher Geschicklichkeit die 
gesammten Truppen nach Chivasso, dass der Gegner, so sehr er auch 
nach vorwärts drängte, nicht einmal die Nachhut erreichen konnte. 

War der Feind dem Kampfe an der Dora Baltea klug aus- 
gewichen, um sieh vor dem Angriffe auf die Position von Chivasso 
nicht vorzeitig zu schwächen, so sollte er sich dort abermals über- 
zeugen, wie ein österreichischer General seines Kaisers Rechte mit 
dem Schwerte zu vertheidigen wusste. 

Aehnlich wie bei Verrua, begünstigte bei Chivasso das Terrain 
die Yertheidigung der Po-Linie. Der am linken Ufer gelegene Ort 
bildete einen grossen, natürlichen Brückenkopf an dem Einmündungs- 
puncte des Orco in den Po. Ausser der Verschanzung Chivasso's an 
und für sich, hatte Starhemberg ein ausgedehntes lnundations- 
System anlegen lassen, so dass der Feind nicht einmal an eine An- 
näherung an den Punct, nvsohwoi»v an einen Angriff denken konnte. 



181 

Sowohl CHvasso, als die über den Po errichtete Brücke lagen 
unter dem Feuer der am rechten dominirenden Po-Ufer placirten 
Artillerie. Die Position daselbsl war gleichfalls von Natur aus und 
durch die Anwendung künstlicher Mittel ziemlich stark. Zunächst hatte 
das Schloss Contrabuc militärische Bedeutung, da selbes das ganze 
umliegende Terrain beherrschte. Von diesem Schlüsselpuncte zieht in 
südlicher Richtung ein Höhenkamm bis zu dem Orte Castagneto und 
bildet den höchsten Theil der Bodenerhebungen. S tarhemberg Hess 
diesen natürlichen Wall verschanzen und eine in der Richtung des 
selben gelegene Capelle „8. Grasso" als Stützpunct stark befestigen. 
Durch diese verschiedenen Objecte, welche nicht nur durch Infanterie 
besetzt, sondern auch hinreichend mit Geschütz armirt waren, hatte 
die Armee des Herzogs eine vollkommen sichere Verbindung mit 
Chivasso. 

Ausserdem befand sich im Rücken dieser Stellung, deren Front 
gegen Osten gewendet war, ein Punct, welcher sich als Reduit benützen 
Hess, und zwar der Ort S. Raffaele, von welchem aus man alle Com- 
municationen beherrschte, welche zu den einzelnen Posten in der Front 
führten. Um die Brücke über den Po zu sichern, hatte Starhemberg 
auch zwei Casinen auf dem nördlichen Abfalle der Höhen in Ver- 
teidigungszustand setzen lassen. 

Der Feind konnte nur von Osten und Norden den Angriff unter- 
nehmen und musste in Folge der Contiguration und Beschaffenheit 
des Terrains eine bedeutende Uebermacht aufbieten, wollte er die 
austro-savoyische Armee zum Rückzüge nöthigen. Der Bedrohung von 
Westen standen zunächst die beiden parallel miteinander Üiessenden 
Torrenten Malone und Orco entgegen , ausserdem aber wäre die 
Angriffsfront der Franzosen von Castagneto und S. Raffaele aus stets 
tlankirt und im Rücken bedroht gewesen. 

Den Streitkräften des Herzogs dagegen blieb die Freiheit gewahrt. 
nach Zuriicklassung der für die verschiedenen befestigten Objecte 
nöthigen Besatzungen, sich nach Belieben auf dem einen oder dem 
anderen Ufer des Po zu concentriren, um bei günstiger Gelegenheit 
zu offensivem Schlage auszuholen; für den äussersten Fall aber 
konnte der Rückzug nach Turin ausgeführt werden. 

Durch Aufstellung der Cavallorie bei Brandizzo konnte der von 
dem (»reo und dem nahezu parallel mit ihm laufenden Malone gebildete 
Budenabschnitt in der linken Flanke der Stelluni;- bei Chivasso Leicht 
beobachtet und jeder Versuch, dort vorzudringen, rechtzeitig vereitelt 
werden. Diese Aufstellung der Reiterei hatte auch den Zweck, bei allen- 
falls nöthigem Rückzuge der Hauptmacht von Chivasso über Gassino 



182 

iiinl S. Mauro nach Turin, deren ohnehin durch den Po gedeckte 
rechte Flanke noch mehr zu sichern; denn der Fluss liess sieh in der 
Strecke Chivasso-Turin bei niedrigem Wasserstande an mehreren Stellen 
durchfurten. 

Von Seite des Feindes wurde die Position der austro-savoyischen 
Armee keineswegs unterschätzt, ja derselbe erachtete es als zu ge- 
fährlich, sich wegen der Verbindung mit Susa bis an die kleine Dora 
auszudehnen, ohne vorerst den Stützpunct Chivasso in der Gewalt zu 
haben. Diese Gründe waren es hauptsächlich, welche den Herzog von 
Vendöme bestimmten, dem Drängen seines Königs, rasch auf Turin 
loszugehen, nicht Folge zu leisten. 

Am 13. Juni war Vendöme's Armee nach Torazza vorgerückt 
und die Errichtung von Brücken in der Hohe von Salitggia und an 
der Einmündung der Dora Baltea in den Po sollte die Verbindung 
mit Crescentino sichern. Die Absicht, der Position der Alliirten 
gleichzeitig auf beiden Ufern des Po beikommen zu können, erforderte 
zeitraubende Anordnungen. Gegenüber von S. ■ Sebastiano wurde 
am 15. eine Brücke über den Po errichtet, welche noch an dem näm- 
liehen Tage eine Infanterie - Brigade und ein Dragoner - Regiment 
passirten, um auf das rechte Stromufer zu gelangen. Gleichzeitig liess 
Vendöme unter Befehl des Generals d'Arene 10 Bataillone, 4 Es- 
cadronen und (i Geschütze von Saluggia aufbrechen, um bei Crescentino 
das Ufer zu wechseln. Von diesem Corps erreichten die Grenadiere 
während der Nacht Lavriano. und am 16. um 10 Uhr Morgens war 
d'A r e n e in S. Sebastiano eingetroffen. 

Unmittelbar nach dieser vorbereitenden Bewegung Hess Ven- 
döme seine Armee bis auf Kanonenschussweite vor Chivasso rücken und 
dort zum Angriffe formiren. Er wähnte, wie in einer Feldschlacht die 
Alliirten überwältigen oder zum Rückzüge nöthigen zu können. 
Die unmittelbar vor dem geplanten Angriffe vorgenommene Recogno 
scirung belehrte ihn aber eines Anderen. Starhemberg hatte nicht 
blos die Vortheile des Terrains voll ausgenützt, sondern auch die 
Truppen richtig disponirt. Selbst seine Reiterei stand in Schlacht- 
ordnung derart, dass deren rechter Flügel an jene Communication 
gelehnt war, welche der Feldmarschall von Chivasso gegen den Po hatte 
eröffnen lassen, während der linke Flügel sich an den Orco stützte, 
und 8 Infanterie Bataillone die Verbindung mit der Cavallerie 
sicherten. 

Die Bewegungen welche die austro-savoyischen Truppen zur Be- 
setzung der verschiedenen Vertheidigungs-l »bjeete vornahmen, über- 
zeugten den französischen Feldherrn nur zu bald, dass von einem 



183 

Frontal - Angriffe auf die Position nicht die Rede sein könne, und 
besehloss daher einen wohl vorbereiteten combinirten Annäherungs- 
versuch. 

Zunächst besetzten die Truppen d'A reu e's zwei Höhen, welche 
auf „halbe Flintenschussweite" von Castagneto und der Capelle 
S. Grasso entfernt waren. Da die Alliirten die betreffenden fran- 
zösischen Abtheilungen mit einem Kugelregen überschütteten, sahen 
sich dieselben genöthigt, schützende Erdaufwürfe anzulegen. 

Um Starhemberg's Reiterei in Schach zu halten, rückte die 
ganze französische Cavallerie an den Orco, während der Rest der 
Armee in das Lager beordert wurde. 

Dieses wollte Ven dorne nicht weit ausdehnen, um die am rechten 
Po-Ufer in Action gesetzten und am lti. durch 2 Bataillone verstärkten 
Truppen d'Arene's rechtzeitig unterstützen zu können. 

Mit dem rechten Flügel an Berri, mit dem linken an den Po 
gestützt, und von dem Corps auf dem rechten Stromufer nicht sehr 
weit entfernt, musste die siegesgewisse französische Armee die fernere 
Entwicklung der Dinge abwarten. Zwar säumte Vendome nicht, 
die zum regelrechten Angriffe auf die feindliche Position nöthigcn 
Verfügungen zu treffen; doch absorbirten sie Zeit- und diese sollte 
eben gewonnen werden, um Turin in die Gewalt zu bekommen, bevor 
Prinz E u g e n heranzunahen im Stande war. 

Die Errichtung einer Batterie vor Castagneto schien im Momente 
die wichtigste Aufgabe. Doch hatte Vendöme bald erkannt, dass 
swei I Jasinen auf einer Anhöhe, welche die Po-Brücke der Austro-Savoyer 
deckte und das Schloss Contrabuc die wichtigsten Übjecte seien. 
Zweifellos hatte der französische Feldherr bei Verrua von dem 
französischen Ingenieur L a p a r a gelernt, dass die Verbindung derauf 
beiden Stromufern aufgestellten Alliirten das Hauptobject des Angriffes 
bilde. In der Nacht vom 17. auf den 18. Juni erhielten d'Arene's 
Truppen Befehl, sich in nächster Nähe dieser wichtigen Objecte fest- 
zusetzen und durch Verschanzung zu decken. Nach französischen 
Quellen sollen die Dispositionen mit solcher Confusion getroffen worden 
sein, dass d'Arene's Abtheilungen aufeinander feuerten und sich nach 
Verlust von 80 Todten und Verwundeten wieder zurückziehen mussten ' i. 

Die Erfolglosigkeit dieses ersten Versuches schreckte Ven dorn«' 
von einem zweiten keineswegs ab. Bei der am 18. vorgenommenen 
Recognoscirung gewahrte er die von Starhemberg auf den Höhen 
vor der befestigten Position vorgeschobenen Vortruppen. In der Meinung, 

') Die Acten des k. k. Kriegs-Arckives geben über diese Affaire keinerlei 



IS4 

dass dies die eigentliche Verteidigungsstellung der Austro-Savoyer sei, 
wurden in der Nacht zum 19. zwii Colonnen, deren eine aus 
löü Carabinieren, 28 Grenadier-Compagnien und einer Infanterie- 
Brigade, die andere aus 8 Grenadier-Conrpagnien, 3 Bataillonen und 
3 Dragoner-Regimentern zu Fuss bestand, zum Angriffe beordert. 
Solchem Drucke mussten selbstverständlich die vorgeschobenen 
schwachen Posten weichen. Als aber die Franzosen ihren Irrthum 
gewahrten, liess Vendome noch 3 Brigaden zur Unterstützung heran 
ziehen, um die befestigten Puncto in seine Gewalt zu bekommen. 

Angesichts der eigentlichen Position schwand der Math, so dass 
der französische Feldherr seine Truppen zurückzog und sich darauf 
beschränkte, die den austro-savoyischen Vortruppen abgerungenen An- 
höhen verschanzen zu lassen. DArene blieb mit 13 Bataillonen 
und einem Dragoner-Regimente in dieser Position am rechten Ufer 
des Po. 

Nachdem sich die völlige Erfolglosigkeit des Angriffes auf dem 
rechten Po-Ufer gegen die Stellung von Castagneto zur Genüge heraus- 
gestellt hatte, sollte am linken Stromufer der Versuch gegen Chivasso, 
und /.war durch den „regelmässigen Angriff 1 ' erfolgen, und am 
18. Juni Nachts eröffneten die Franzosen ihre Trancheen. Feldmarschal] 
Starhemberg stand vor der Alternative: entweder mit seinen 
geringfügigen Streitkräften in der Position auszuharren, oder den 
Rückzug nach Turin vorzubereiten, um nicht abgeschnitten zu werden. 
Das Eine wie das Andere war eine äusserst missliche Sache. Hielt 
der kaiserliche General die Verbindung mit. Chivasso nicht fest, so lief 
dessen Besatzung Gefahr, in kurzer Zeit capituliren zu müssen. Dadurch 
aber verringerten sich die ohnehin auf ein Minimum zusammenge- 
schmolzenen austro-savoyischen Streitkräfte um ein Bedeutendes, und 
in gleichem Masse gewann der Feind an numerischer Ueberlegenheit. 
Der sofortige Rückzug nacb Turin aber, zu einer Zeit, während welcher 
noch kein annähernd richtiger Schluss über die Absichten der Fran- 
zosen auf die Capitale des Landes zulässig war, hätte das Schicksal 
der herzoglichen Armee dem Zufalle Preis gegeben. 

So kritisch der Moment auch war, zeigte sich Victor Amadcus 
dennoeb fest, weil er durch Eugen's Operationen auf baldigen Entsatz 
hoffte. Das Ausharren in Chivasso schien am dienlichsten, weil von 
dort aus sich die Vereinigung beider Armeen leichter als von Turin 
aus bewerkstelligen liess, falls es dem Prinzen Eugen gelang, über 
die Ailda in das Mailändische und dann gegen denTessin vorzudringen 1 ). 



185 

Wie fruchtlos auch die Versuche der Franzosen auf dem rechten 
Po-Ufer gegen die Position vor Castagneto waren, so nahmen doch 
ihre Angriffsarheiten gegen Chivasso ziemlich raschen Fortgang. Vom 
25. Juni an feuerten ihre Batterien, um „die Defensen an den Werken 
zu ruiniren" und am 28. waren die Trancheen schon his auf 50 Schritte 
den Palissadirungen nahe gekommen. 

Auch am rechten Po-Ufer hatte Ven dorne Batterien anlegen 
lassen, deren eine von 8 kStücken der Brücke und Communications- 
Linie zwischen beiden Theilen der Streitkräfte Starhemberg's, 
zwei andere aber von 4 und <i Stücken dem verschanzten Dorfe 
Castagneto hart zusetzten. 

Ungeachtet dessen und obwohl Starhemberg bekannt war, 
dass De la Feuillade im Anmärsche sei, hatten im Lager des 
Herzogs keine Besorgnisse Platz gegriffen. Der Feldmarschall rechnete 
darauf, dass De la Feuillade's Vereinigung mit Ven dorne nicht 
allzurasch möglich sei; gleichwohl waren zu deren Verhinderung oder 
mindestens Verzögerung Dispositionen getroffen worden. Die Entfernung 
von Chivasso bis an die Adda beträgt wenigstens acht Tagmärsche. 
Starhemberg war darum gewiss, dass Ven dorne von dort inner- 
halb 12 — 14 Tagen keine Verstärkungen heranziehen könne, und 
hoffte mindestens so lange dem Angriffe widerstehen zu können. 
Freilich war er darauf gefasst, die Position doch endlich zu verlieren, 
für welchen Fall „die ganze Armee als eine Garnison nach Turin" 
gezogen werden sollte '). Diese Eventualität vor Augen, wendete sich 
Vi et o r A m adeus mit der Bitte an Enge n, die Vorwärtsbewegung 
zu beschleunigen. 

Die Befestigungen, welche Starhemberg hatte anlegen lassen, 
basirten auf einem ausgedehnten Inundations-Systeme. Sie waren nahezu 
unbezwinglich, so lange ein reichlicher Wasserzutluss währte. Solcher 
musste aber mit Zunahme der Sommerdürre immer spärlicher werden ; 
schon Ende Juni war das Stauwasser nahezu verdunstet und konnte 
wegen Mangel an hinreichendem Zuflüsse nicht mehr erneuert werden. 
Somit hatten klimatische Einflüsse das Annäherungshinderniss für die 
Franzosen beseitigt. 

Die Factoren, mit denen Vendöme vor Chivasso rechnete, 
lassen sich aus jenen Depeschen entnehmen, die er an seinen Bruder, 
den Grossprior, richtete, und die von den Kaiserlichen autgefangen 

wurden. In jener vom 14. Juni bemerkt Ersterer: ich glaube 

nicht, dass Prinz Eugen einen entscheidenden Schritt thun wird, 

'l Kriegs-Arehiv, Italien, 1705; Faso. VI. 73. 



bevor er sich nicht mit den pfälzischen Truppen vereinigt hat. Um 
durch eine unvorhergesehene Bewegung Eugens nicht überrascht zu 
werden, wende ich alle möglichen Mittel an, um hier sehneil zum 
Ziele zu gelangen .... ich bin überzeugt. Alles wird gut gehen" '). 

Auf den wiederholten dringenden Hülferuf des Herzogs von 
Savoyen, gab Engen am 2. Juli insofern beruhigende Antwort, 
als er bemerkte: „Ich gestehe zu, dass durch die Annäherung des 
Duc DelaFeuillade die Absicht des Feindes auf Turin ins Werk 
gesetzt werden könnte, wenn derselbe nicht durch die Ueberschreitung 
des I >glio, die ich am 28. Juni bewirkte, zu anderen Massnahmen 
genöthigt würde". 

Mit ungebrochenem Muthe leisteten die Truppen sowohl in 
der Position von Castagneto, als in dem verschanzten Lager von 
Chivasso Gegenwehr. Allein der Feind gewann doch immer mehr 
Terrain. Er war am 7. Juli bereits im Besitze der Contre-Escarpe von 
Chivasso und die Bresche hatte an Breite und Tiefe bedeutend zuge- 
nommen. Auch Approchen gegen die beiden kleinen Casinen, welche 
am rechten Po-Ufer den Zugang zur Brücke deckten, näherten sich 
bereits auf 50 Schritte. 

Während der Belagerung von Chivasso hatte De la Feuilladc dein 
Befehle Vendome's gemäss am 23. Juni jene 12 Bataillone und das 
Dragoner-Regiment versammelt, mit denen er zur Armee in Piemont 
stossen sollte. Er Hess Detachements in Perosa und im Thale von. 
S. Martino zur Aufrechthaltung der Verbindung und erreichte am 
24. Bussoleno an der Dora Riparia, von wo er weitere Verhaltungs- 
befehle einholte, ob er direct gegen Turin vorzurücken habe. Dem stand 
aber der Umstand entgegen, dass die Munition und der Belagerungs- 
park, welche sich in Susa befanden, nur über die Brücke von 
Bussoleno passiren konnten, während der einzig freie Weg für De 1 a 
F e u i 1 1 a d e's Truppen jener von Avigliano war. 

Der französische General fürchtete, beim Dcbouchiren in die 
Ebene in eine missliche Lage zu gerathen. Er bat darum Ven dorne, 
ihn mit Reiterei zu unterstützen, weil die von den Alliirten bei 
Avigliano und Casalette aufgestellte Reiterei ihm Besorgnisse einÜösste. 

Während des Zuwartens versuchte De la Feuillade Recogno- 
scirungen. Als er aber in Erfahrung brachte, dass 1000 Pferde zu 
Alpignano (nördlich von Rivoli an der Dora Riparia) vom Lager des 
Herzogs von Savoyen eingetroffen und Avigliano, sowie S. Antonio 
durch austro-savoyisches Fussvolk besetzt seien, lag für ihn die Gefahr 

') Kriegs-Archiv, Italien, 1705; Fase. VII. II. 



187 

nahe, die Verbindung mit Susa zu verlieren. Und darum entschloss 
sich dieser französische General zu einer rückgängigen Bewegung; die 
er am 4. Juli nach Chiavrie ausführte. 

Ein Vortheil war V e n d 8 m e aus D e 1 a F e u i 1 1 a d e's Diversion 
erwachsen, nämlich einen Theil der Alliirten auf sich gezogen 
und dadurch die Vertheidiger von Chivasso vermindert zu haben. 
Aber gerade in dem Momente, in welchem die Eroberung dieses 
Punctes nur mehr Frage von wenigen Tagen schien, nötbigten, wie 
erwähnt, des Grosspriors Missgriffe Vcndö m e, zu jener Armee 
zu eilen, welche dem Prinzen Eugen im Mailändischen Halt gebieten 
sollte. Dies war um so misslicher, als nicht blos die Person des Feld- 
herrn, sondern auch Truppen dem Kriegsschauplatze in Piemoni den 
Rücken kehren mussten. Es entgingen dadurch 9 Bataillone und 
10 Escadronen 1 ) jener französischen Macht, welche vollzählig bislang 
nicht im Stande war, die Austro-Savoyer zu überwältigen. 



Uebergang der kaiserlichen Armee über den Oglio. 

Aeusserst befriedigt war der Grossprior, als er vernahm, dass 
Prinz Eugen mit sämmtlichen Truppen und der Artillerie gegen 
die Position vonManerbio angerückt und in Folge deren Haltbarkeit un- 
verrichteter Dinge wieder gegen Torbole und Roncadelle zurückmarschirt 
sei. Bemerkenswerth erscheinen darum die Schlussfolgerungen, zu 
denen er sich verleiten Hess. Als derselbe in dem Terrain bei Manerbio 
Schutz gegen den Angriff des Prinzen suchte, that er dies auch mit 
dem Hintergedanken, dass Eugen gegen den Oglio blos demonstriren, 
und falls die französische Armee hinter diesem Flusse Stellung nähme, 
gegen Mantua ausbrechen wolle. Bei dem am 20. dum" erfolgten Rück- 
marsche der Kaiserlichen aber schloss er, dass derselbe lediglich zu dem 
Zwecke geschehe, um sich im Brescianischen zu verproviantiren. 

Letzterer Gedanke beherrschte den Grossprior derart, dass er 
fest entschlossen war, sich aus seinem so sicheren Aufenthalte zu 
Manerbio nicht früher zu rühren, bis die Bewegungen des Gegners 
klar ausgesprochen sein würden. 

An warnenden Stimmen im französischen Lager hatte es nicht 
gemangelt, aber ungeachtet dessen hielt der Oberbefehlshaber jene 
7 Bataillone und 7 Escadronen. welche unter Tor alba am Oglio 
standen, für mehr als hinreichend, der kaiserlichen Armee während 

*) Erstere wurden bei Creseentino auf dem Po eingeschifft, letztere marschirten 
über Candia und Pavia gegen Lodi. 



188 

24 Stunden den Flussübergang streitig zu machen, und solche Frist 
sollte genügen, die Hauptkraft rechtzeitig von Manerbio hinter den 
( >glio zu bringen. 

Anders dachte Eugen, welcher sich die Gewissheit verschafft 
hatte, dass die französische Armee in der Nacht vom 26. auf den 
27. noch in Manerbio stehe. Er Hess darum seine gesammten Streit- 
kräfte am 27. Juni in drei Colonnen direct an den ( >glio nach Urago 
marschiren '). Der Prinz war vorausgeeilt und schon gegen 9 Uhr 
Morgens bei genanntem Orte angelangt, um einen vorteilhaften Ueber- 
gangspunet auszuwählen. 

Es zeigte sich, dass der Gegner alle jenseits des Flusses gele- 
genen haltbaren Oertlichkeiten befestigt, besetzt und überdies zwischen 
denselben allenthalben Wachen zu Pferd, in den Gräben aber Infan- 
terie postirt habe. 

Freilich bestand die Besetzung des jenseitigen Ufers nur aus 
einer dünnen Postenkette, welche zweifellos mit massirten Streitkräften 
insolange an beliebigem Puncte durchbrochen werden konnte, als die 
Hauptmacht des Grosspriors nicht zu erscheinen vermochte. 

In Folge des laugen und beschwerlichen Marsches traf aber 
blos ein Theil der kaiserlichen Infanterie und Artillerie gegen 4 Uhr 
Nachmittags an der gewählten Ueborgangsstelle ein, während der Rest 
erst beim Einbruch der Dunkelheit anlangte. Nichtsdestoweniger Hess 
Eugen 40 Geschütze „auf einer Anhöhe unweit des Gestades auf- 
fahren" und ein heftiges Feuer gegen den jenseits befindlichen Feind 
eröffnen. Dieser musste seine Aufstellung und selbst die Deckungen 
verlassen, und „darauf Hesse der Prinz die Grenadiers avanciren, um 
zu sehen, wie man auf einem kleinen mitgeführten Schiffel dieselben 
übersetzen, jenseits Posto fassen und sodann die Brücken schlagen zu 
lassen, anfangen konnte *)". 

Da jedoch ein Ueberschiffen mittelst eines einzigen Fahrzeuges 
zu viel Zeit in Anspruch genommen hätte, wurde der Oglio gegenüber 
von Calcio und Pumenengo, wo das Wasser weniger tief war. passirt, 
und nach kurzem Kampfe sahen sich die in den beiden genannten 
( >rten aufgestellten französischen Grenadier- Compagnien zum Rückzuge 
hinter den Naviglio Pallavicini genöthigt. 

Von Seile des Feindes war in allen vom Oglio abzweigenden 
Canälen das Wasser in den Fluss zurückgeleitet, und dadurch ein 
beträchtliches Anschwellen desselben hervorgerufen worden. Bei der in 
Folge der Stauung bedeutend vergrösserten Strömung, schien der 



') Supplement-Heft Nr. 143, 144, 145. 

•i Kriegs-Archiv, Italien, 1705; Fase. Xlll. 



189 

Brückenschlag nicht nur gefährlich, sondern auch zeitraubend, und 
darum nrasste getrachtet werden, in anderer Weise zum Ziele zu 
gelangen. 

Dem Feldherrn war eine für Cavallerie passirbare Stelle nicht 
entgangen, und sofort Hess er von dieser Waffe „die völlige Bereit- 
schaft" , die Dragoner - Regimenter II e rl> e v i 11 e und Savoyen den 
Anfang machen, um auf dem jenseitigen Ufer den ferneren Ueber- 
gang zu decken. Obsehon dieser „ziemlich von Statten ging", blieben 
doch Unfälle unausweichlich, denn „die Pferde mussten wegen Höhe 
des Wassers einen guten Theil schwimmen, wobei der General-Feld 
marschall - Lieutenant Graf von Sereni vom Pferd gefallen und 
unglückseligerweis ertrunken ist, der um soviel mehres zu bedauern, 
als er ein General von grosser Vernunft und Bravour war" '). 

Schon während dieses Uebersetzens der Reiterei wurde der Brücken- 
schlag begonnen. Wegen Mangel an Schiffen musste man vornehmlich 
Böcke einbauen, und selbst diese erwiesen sich wegen des hohen Wasser- 
standes als unzulänglich. Es erübrigte in dem kritischen Momente nur 
mehr die Beischaffung von Nothmitteln, und dies erforderte ein gewisses 
Mass von Zeit, so dass es in Frage stand, ob noch im Verlaufe der 
Nacht der Uebergang der Armee möglich würde. Mit übermenschlicher 
Anstrengung gelang es „eine halbe Stunde in Tag die Bruggen zu 
verfertigen, und darüber sogleich die Infanterie zu passiren angefangen". 
Jedenfalls musste dieser Flnssübergang an und für sich ausserordentlich 
schwierig gewesen sein, nachdem die Reiterei die „ganze Nacht und 
den Tag" benöthigte, um den Fluss zu durchsetzen. Begreiflich ist es 
darum, dass in dem bezüglichen Berichte bemerkt wird: „Es ist nicht 
zum beschreiben, wie hart diese Passage würde gewesen sein, wann 
mau der feindlichen Armee nicht zuvorkommen und dieselbe zugegen 
gewesen wäre, indem über den Fluss von Calcio an eine Anhöhe und 
überdies noch ein und andere Canäle waren, die beschwerlicher als 
der Oglio selbst zu passiren gewesen s )." 

Gegen Mittag des 28. Juni hatte der grösste Theil der kaiser- 
lichen Armee das rechte Ufer erreicht und die aus 100 Spaniern 
bestehende Garnison des Schlosses gegenüber von Urago d'Oglio musste 
sich auf Discretion ergeben. 

Als in den Nachmittagsstunden der Train der Kaiserlichen mit 
seiner Tete an die Brücke gelangt war, Hess Eugen die Truppen 
das Lager derart beziehen, dass zwischen dem Naviglio Pamfilio, 
dem Naviglio di Cremona und dem ( (glio , der rechte Flügel gegen 

') Kriegs-Archiv, Italien, 1705; Faso. VI. 71. 
! ) Kriegs-Arehiv, Italien, 1705; Faso. \lll I 



um 

Cividate, der linke gegen Calcio gerichtet war. Diese Position fand 
mithin im Terrain ähnlichen Schutz, wie jene des Grosspriors bei 
Manerbio. 

Die völlige Unthätigkeit des Letzteren erscheint um so fehler- 
hafter, wenn man erwägt, dass die Franzosen von Palazzolo biB 
Romanengo ausgedehnte Befestigungen vorbereitet hatten ')• Die 
Gründe zu solcher Passivität sind zunächst im völligen Missverstehen 
der von V e n d ö m e ertheilten Instructionen zu suchen. Nach 
diesen sollten nur bei triftigen Gründen Truppen an den Oglio ent- 
sendet werden, und war in solchem Falle mit der Ilauptkraft, welche 
dem Gegner stets an der Ferse zu bleiben hatte, eine vorteilhafte 
Defensivstellung zu nehmen. Der französische Feldherr ging dabei von 
der Ansicht aus, dass Prinz Eugen ohne vorherige Gewinnung eines 
festen Stützpunctes im Rücken, kaum einen Oglio-Uebergang ver- 
suchen werde. 

Unter solchen Voraussetzungen glaubte der Grossprior, Eugen 
versuche den Verstoss gegen den Fluss nur in der Absicht, die fran- 
zösische Armee zu einer wesentlichen Detachirung dahin zu verlocken, 
um dann im Momente dieser Schwächung die Entscheidung zu suchen. 

Für den Oglio hegte der französische Befehlshaber um so weniger 
Besorgnisse, als zu jener Zeit eine bedeutende Anschwellung die Furten 
unpracticabel gemacht hatte, und die Verschanzungen ihm genügend 
schienen, durch Toralba's Truppen jeden Uebergangsversuch so lange 
zu vereiteln, bis die Armee an dem Flusse einzutreffen vermochte. 
Prinz Vaudemont hatte zwar warnend dem Grossprior die Ver 
Stärkung Toralba's ans Herz gelegt, doch war dies fruchtlos 
geblieben. 

Eugens rascher Entschluss zum Flussübergange und die unmittel- 
bar danach erfolgte Ausführung mussteu glücken. Es ist dies einer 
von den in der Kriegsgeschichte enthaltenen zahlreichen Beweisen, dass 
die Ueberschreitung einer venu Gegner besetzten längereu Flussstrecke 
stets gelingen müsse, weun der Feldherr den Feind über den in's Auge 
gefassten Uebergangspunct zu täuschen und dabei die Zeit richtig 
auszunützen weiss. Aber abgesehen von den rein militärischen Dispo- 
sitionen kam hier ein gewichtiges Moment in Rechnung. Der Prinz 
konnte sich /.war auf seine erprobte Armee völlig verlassen, ein Anderes 
aber war es mit den Uebergangsmitteln. Gebrach es an diesen schon 
zu Beginn der Campagne, so konnten und durften bei der kaiserlichen 



') In dein bezüglichen Aotenstücke ist bemerkt, <lass, wenn der Grossprior activ 
gewesen wäre, „man auch mit 2— ;i Armeen", wie es jene Eugen's war, „nicht würde 
linln ii penetriren können". 



191 

Armee in technischer Beziehung Vorbereitungen und Requisitionen nicht 
in dem Momente vorgenommen werden, in welchem die Absicht des 
Flussüberganges unfehlbar durch die Landesbewohner verrathen worden 
wäre. Das zur äussersten Noth Vorhandene musste ausreichen. 

Ueberaus günstig waren nach Passirung des Oglio alle Conjunc- 
turen für die Kaiserlichen, um rasch an die Adda vorzudringen, denn 
Obristwachtmeister Eben hatte berichtet, der Feind sei am 27. noch bei 
Manei'bio gestanden und mit Befestigung seiner »Stellung beschäftigt 
gewesen. 

Ein Feldherr jedoch, welcher seine Armee nicht verpflegen, wegen 
Mangel an Bespannungen den Tross nicht fortbewegen und zu aber- 
maligem Flussübergange die Mittel nicht herbeischaffen kann, vermag 
seinem Genie nicht zu folgen. Aber dies war es nicht allein, das schwerem 
Bleigewichte gleich, die so dringend nöthige Vorwärtsbewegung der 
kaiserlichen Armee hemmte. Der Verlauf der Begebenheiten an Frank- 
reichs Ostgrenzen musste mittelbare Rückwirkung äussern. Durch das 
Fehlschlagen der Operationen Mar lbo ro ugh's an der Mosel ') er- 
wachte in Eugen die gewiss nicht unbegründete Besorgnis», Frank 
reich könne einen Theil der Streitkräfte von dem Hauptkriegsschau- 
platze nach Italien werfen r ). Derartige Gerüchte wenigstens durch- 
schwirrten die Luft und der Prinz musste davon insoferne Notiz 
nehmen, als grosse Vorsicht dadurch geboten war. 

Von dem Aufbruche des Grosspriors erhielt Eugen am 29. 
Nachricht. Da es hiess: derselbe habe in Soncino Stellung genommen, 
so sollten Detachements den Sachverhalt aufklären. Dies gelang aber 
in Folge der Bewegungen beim Feinde nicht in gewünschtem Masse. 

Unweit des genannten Ortes hob zwar der Roccavionische 
Rittmeister Rosen zweig eine aus 4 Mann bestehende französische 
Feldwache auf; Näheres konnte er aber nicht erfahren, weil der 
Gegner ihn mit Uebermacht zurückwarf. Eine andere Partei traf 
unweit Fontaneila auf den Feind, musste aber gleichfalls unterrichteter 
Dinge zurückkehren. In dieser Richtung Hess Eugen abermals ein 
Detachement vorrücken, um wenigstens zu erfahren, ob die Franzosen 
das Castell von Fontaneila besetzt haben. Nunmehr aber wurden gar 
keine französischen Truppen dort angetroffen. 

Dieses Erscheinen und rasche Verschwinden hatte in Toralba's 
Zaghaftigkeit seinen Grund. Als derselbe nämlich die Fruchtlosigkeit 
der Gegenwehr am Oglio eingesehen, Hess er seine Reiterei an die 
Adda rücken, für seine Person aber setzte er sich mit der Infanterie 

') Siehe Krieg an Frankreichs Nordost-Grenzen. 
2 ) Supplement-Heft Nr. 156, 165. 



192 

zu Fontaneila tost, um diesen Stützpunct wenigstens bis zum Eintreffen 
von Verstärkungen zu behaupten. Sieh über wegen der Nähe der 
Kaiserlieben in dem völlig isolirten Fontaneila unbehaglich fühlend, 
suchte der spanische General gar bald auf dem Wege über Bergamo 
die obere Adda zu gewinnen. Dieser Marsch, während welchem in 
dem Schlosse zu Palazzolo am üglio 200 Mann als Besatzung zurück- 
gelassen wurden, sollte für T o r a 1 b a und seine Truppe verhängniss- 
voll werden. 

Nicht minder als der spanische General, war der Grossprior 
durch Eugens kühn durchgeführten Flussübergang in Aufregung 
versetzt. Er hatte am 28. Juni Morgens von der Bewegung der 
Kaiserlichen Nachricht erhalten und beeilte sich, sämmtliche Grenadiere, 
50 Mann von jedem Bataillon und 4 Dragoner-Regimenter nach 
Soncino zu bringen, um sich den Besitz dieses Punctes zu sichern. 

Gleichzeitig brach das Gros von Manerbio auf, überschritt den 
Oglio auf zwei Brücken, die unterhalb Pontevico errichtet worden 
waren und bezog bei Bordolano das Lager. Schon am 29. rückte 
er nach Soncino, woselbst der rechte Flügel an die Stadt gelehnt, 
der linke gegen Creiua ausgedehnt wurde. Diese beiden Märsche. 
welche zur Zeit drückendster Sommerhitze ausgeführt werden mussten, 
kosteten dein französischen Feldherrn 100 Mann, die der Strapaze 
unterlagen. Hauptursache daran war die Durchführung der Bewegung 
auf einer einzigen Strasse in einer Colonne. Dies hatte aber noch 
den ferneren Nachtheil im Gefolge, dass Unordnung bei der Armee 
einriss, die einzelnen Truppenkörper sich nahezu auflösten, um im 
Lande zu rauben und zu plündern. Viele der Marodeure wurden 
von den Landesbewohnern erschlagen und ein grosser Theil von des 
Grosspriors Armee fand sich erst nach mehreren Tagen in dem 
Lager von Soncino wieder ein ' ). 

Der französische Befehlshaber suchte die von ihm begangenen 
Fehler dem Hofe und seinem Bruder gegenüber von sich abzuwälzen, 
und vornehmlich auf Toralba zu schieben, der seiner Meinung nach 
die Oglio-Linie mindestens 24 Stunden hätte behaupten sollen. 

Weder von Ludwig XIV., noch von Vendöme wurden 
aber die angeführten Argumente 2 ) als stichhältig anerkannt. Ja, Letz- 
terer, gegen seinen Bruder in hohem Misse aufgebracht, wurde auch 
dureli die Folgen, welche aus der schlechten Leitung der französischen 
Armee in der Lombardei entstehen konnten, äusserst besorgt. 



■) Pelet; V., pag. -297. 
■') Anhang, Beilage 1. 



193 



Verfolgung und Gefangennahme der von Toralba befehligten 
Infanterie. 

AU Eugen am Morgen des 1. Juli die Nachricht erhalten hatte, 
Toralba Bei im Begriffe, Palazzolo zu verlassen und die Besatzung 
des dortigen Schlosses auf einige hundert Mann zu beschränken, so 
säumte er nicht, dessen Vorhaben, die obere Adda zu gewinnen, nach 
Möglichkeit vereiteln zu lassen. 

Obschon zu dieser Zeit der grössere Theil der kaiserlichen Rei- 
terei auf Fouragirung war, beorderte der Prinz den GWM. Visconti 
„mit des Prinzen Joseph von Lothringen Liebden und dem GWM. 
Grafen Roccavione: mit der Cavallerie vom ersten Treffen alsogleich 
aufzusitzen, unter Commando des Obristen Wilstorff die sämmt- 
lichen Grenadiers mitzunehmen und auf alle Weis zu trachten, erdeutete 
sechs spanische Bataillons einzuholen". 

Hatte Toralba schon bei seinem Abzüge von Palazzolo einen 
Strauss mit dem von Obristlieutenant S t. Arno ur befehligten Deta- 
chement zu bestehen, welches ihm von seiner Vorhut 20 .Mann 
niederhieb und ebensoviel nebst 40 Pferden gefangen nahm, so wurde 
er bald danach von dem Streifcorps des Marchese Visconti „eine 
Stunde oberhalb Bergamo eingeholt, sogleich mit der Cavallerie atta- 
quiret und ziemlieh viel Spanier niedergehaut". Toralba suchte im 
Gebirge Schutz und seine Infanterie eröffnete von einer Höhe ein so 
heftiges Feuer auf die kaiserliche Reiterei, dass von fernerer Ver- 
folgung vorläufig abgestanden werden musste. Da Viscontis Grena 
diere zu dieser Zeit noch nicht auf dem Kampfplatze angelangt 
waren, liess er den Feind ..inzwischen umringen, welches ihm auch 
so wohl von Statten gegangen, dass sobald die Grenadiers anlangten 
und die Dispositiones gemacht wurden, den Feind zu attaquiren, dieser 
aber sich völlig umringt und verloren sähe, er die Chamade schlug 
und sich mit Ablegung des Gewehres kriegsgefangen ergab, also dass 
aussei- Obrist Louvigny, welcher sich gleich Anflugs mit einem 
Regiment in das Gebirge salviret", und einzelner Leute, die entkamen, 
wohl nicht alle, aber doch der grössere Theil der Truppen Toralba's 
gefangen genommen werden konnte. Es war „sehr ruhmwürdig, wie 
tapfer neben der dabei gewesten Generalität sich sowohl Officiers, 
als Gemeine, bei dieser Occasion gehalten haben, da erstlich die Cava] 
lerie. ohne einen Schuss zu thun, mit dem Säbel in der Hand die 
Infanterie angriff, übern Haufen warf und viel niederhaute, die Grena 
diers aber, nachdem sie ganze vier deutsche Meilen marschiret, als 

Feldzüge des Prinzen Engen v. Savoyen. VII. Band l« 



194 

äie den Feind ersahen, mit tapferen Muth den Angriff erwarte! und 
Keiner zurückgeblieben ist, als ob sie erst frisch aus dein Lager 
kom n wären". 

Schon gegen Mittag des 2. Juli kehrte Visconti in das Lager 
zurück. Er hatte nebst dem spanischen General Toralba, acht 
spanische Fahnen, einen Obrist, etliche. Obristlieutenants, etliche 
90 andere Officiers, gegen 800 und etliche Gemeine" als Gefangene 
eingebracht '). 

Um die auf der „"Wahlstatt wegen Kürze der Zeil zurückge 
lassene grosse Menge an Gewehr, Trommeln und anderen Feldzeichen" 
einzubringen, musste ein eigenes Detachement ausgesendet werden. 

Aber Visconti's glänzende Waffenthat war es nicht allein, 
welche in dem Lager des Prinzen Eugen freudige Stimmung erweckte. 
Fast gleichzeitig traf von GWM. H a r s c h die Nachricht ein, dass sich 
die spanische Garnison von Pontoglio während der Nacht auf Dis- 
cretion ergeben habe, und 1 Obristlieutenant, , r ) Capitains, Lieu- 
tenants und 200 und etliche Gemeine" gefangen genommen worden seien. 

Um keine Zeit zu versäumen, Hess Eugen GWM. Harsch 
sogleich den Befehl ertheilen, mit seinem Detachement ungesäumt vor 
Palazzolo zu rücken, um das vom Feinde besetzte und verschanzte 
Schloss gleichfalls anzugreifen und dadurch dem Gegner seine Stütz- 
punete der Reihe nach zu entreissen. 



Marsch des Grosspriors über den Serio. 

Die Bewegungen, welche am 2. Juli im Lager des Grosspriors 
bemerkbar wurden, gaben für den ersten Moment den Kaiserlichen 
Anlass, den Aufbruch des Gegners zu erwarten. Doch bald war durch 
die ausgesendeten Parteien sichergestellt, dass nur ein Detachement 
abmarschirt sei. Kindlich blieb die Ursache in Dunkel gehüllt, 
denn es konnte ebensowohl eine Unterstützung für den gefährdeten 
Toralba, als eine Verstärkung für die französische Besatzung an der 
Adda sein. 

Unter den zur Recognoscirung ausgesendeten Karteien war es 
vornehmlich der Rittmeister Hochberg vom Regimente Martigny, welcher 
die werthvollsten Aufschlüsse brachte. Derselbe, war wiederholt .-im 3. Juli 
mit 300 Pferden vorgerückt und hatte bei dieser Gelegenheit wahrge- 
nommen, dass die kaiserlichen Fourageurs sich zu weit vorgewagt, und 
ziemlich zerstreut seien. Km dieselben gegen einen Unfall zu schützen, 

') Kriegs-Archiv, Italien, 1705: Fase. XIII. 1. 



195 

hielt Eochberg .-111111111 nahm eine deckende Aufstellung. Diese Vor 
sieht erwies sich bald als nur zu begründet, denn gegen 12 Uhr Mittags 
war der Feind aus dem Lager zu Soncino aufgebrochen und ein Theil 
seiner Truppen trat' auf Hochberg's Reiter. Dieser versuchte zwar 
wiederholt, gegen die Marschcolonne des Gegners vorzudringen, musste 
aber dem Drucke der TJeberzahl endlieh weichen. Eugen entsendete 
in Folge dieser Meldung den Obristwachtmeister Eben mit frischen 
150 Pferden, um den Bewegungen der Franzosen zu feigen und ihr 
Marschziel zu erkunden. 

So sehr auch der Grossprior sieh bemühte, den Erfolg der 
kaiserlichen Armee als unwesentlich zu bezeichnen, hatte er doch die 
Ueberzeugung gewonnen, dass er in seiner Stellung bei Soncino ausser 
Stande sei, den Prinzen noch ferner zu bannen. Dies war nur an 
der Adda möglich, und darum beeilte er sich, diesem Flusse naher zu 
kommen. 

Schon am 1. Juli detachirte er General Broglie mit 7 Batail- 
lonen und 3 Escadronen Dragoner an die Adda, woselbst sich bereits 
die von Tor alba dahin gesendeten II spanischen und 2 französischen 
Escadronen befanden. Diese 7 Bataillone und 14 Escadronen sollten die 
Adda von Cassano bis Lecco und die daselbst vorbereiteten Ver- 
schanzungen besetzen. Abermals war dies eine Verzettelung der Streit- 
kräfte auf einer verhältnissmässig lang ausgedehnten Flusslinie. Wäre 
Prinz Fugen nicht durch den Mangel an materiellen Mitteln genöthigt 
gewesen, am Oglio zuzuwarten, so würde der Gross prior gar bald 
abermals die Erfahrung gemacht haben, dass eine Postenkette durch 
aus nicht das Mittel sei, einer Armee den Fluss-Uehergang zu ver- 
wehren. 

Hätte nicht der Grossprior noch an dem nämlichen Tage von 
der Katastrophe Kunde erhalten, welche Toralba ereilte, so wäre 
er noch länger in der Position zu Soncino geblieben 1 ). Diese traurige 
Botschaft mahnte ihn aber zum schleunigen Aufbruche. Am 2. Juli 
wurde der Train nach Lodi dirigirt und am 3. marschirte die franzö- 
sische Armee in zwei Colonnen nach Ombriano westlich von Crema, 
bei welcher Gelegenheit das Zusammentreffen mit Hochberg's 
Detachement stattfand. 

In Soncino wurde, wohl eine Besatzung zurückgelassen, dieselbe 
war aber so schwach, dass dieser Punct zweifellos den Kaiserlichen 
in die Hände fallen musste, wenn sie dessen Besitz als aöthig 
erachteten. 

') Der Grossprior gesteht dies in seinem Schreiben vom 4. Juli an Chamillart 
(Pelet, Tome V, pag. 303) selbst zu. 



1!)6 

Die versammelten Streitkräfte des Grosspriors, welche .-ins 
:>(> Bataillonen and 50 Escadronen bestanden, bezogen bei < tobriano das 
Lager derart, dass der rechte Flügel an Crema gestützt war, während 
der linke sich gegen Lodi ausdehnte. Die Absicht war aber, aoeb 
weiter vorzurücken, um jene Brücke zu decken, welche über die Adda 
zwischen Cassano und Lodi zur Verbindung mit den anter Commando 
Broglie's an der Adda echelonirten Truppen errichtet werden sollte. 

Begreiflich ist es, dass man nickt nur am französischen liefe, 
sondern auch Vendöme in Piemont über die Missgriffe des Gross- 
priors äusserst bestürzt war. Von beiden Seiten wurde nicht verkannt, 
dass Eugen's Erfolg am Oglio die Fortschritte der französischen 
Waffen in Piemont sehr gefährden kennte. Der Grossprior erhielt 
darum die bestimmte Weisung, für den Fall, als er die Armee des 
Prinzen Eugen nicht über den Oglio zurückzudrängen vermöge, 
wenigstens eine solche Aufstellung zu nehmen und derartige Dispositi inen 
zu treffen, dass den Kaiserlichen die Ueberschreitung der Adda unmög- 
lich werde. 

Damit allein war es aber nicht abgethan, und Vendome fühlte 
nur zu sehr die Notwendigkeit, nunmehr zur Paralysirung der Fehler 
seines Bruders die Armee in der Lombardei auf Kosten jener in 
Piemont zu verstärken. Es blieb ihm eben nur die Wahl, ent- 
weder auf die Belagerung von Turin zu verzichten, oder den Prinzen 
Eugen in Piemont eindringen und dessen Vereinigung mit dem 
Herzoge von Savoyen bewirken zu lassen. Zwischen beiden Uebeln 
musste man das kleinere wählen, und dieses war offenbar die Hinaus- 
schiebung der Belagerung der savoyischen Metropole und die' aber- 
malige Ucbernahme des ( Vinimando's in der Lombardei. 



Eugen's fernere Operationen. 

Angriff der Kaiserlichen auf Soncino. 

Durch die neue Position, welche der Grossprior bei Ombriano 
gewählt hatte, glaubte er sich nicht nur im Stande, Cremona völlig 
decken, sondern auch den bereits hinter der Adda aufgestellten Truppen 
in jedem Momente die nöthige Hülfe bringen zu können. Er war 
überzeugt, dass bis zum Eintreffen fernerer Verhaltungsbefehle von 
V e n dorne uichts Wesentliches mehr zu thun übrig sei. 

Selbst die Vorstellungen von Seite Vaudemont's und anderer 
französischer Generale, dass Soncino in hohem .Masse gefährdet sei, 
blieben wirkungslos. Den Werth dieses wichtigen Stützpunctes am 



197 

Oglio wusste er durchaus nicht zu würdigen und es schien ihm ganz 
unmöglich, gleichzeitig auf die .Sicherung Cremona's und der Adda 
bedacht zu sein. Eine geringfügige Detachirung von Cavallerie, um 
die Besatzung von Soncino zu verstärken, war das Einzige, was die 
Vorstellungen zur Folge hatten. 

Nach der Vorwärtsbewegung des Grosspriors musste Prinz Eugen 
trachten, eine Position zu gewinnen, von der er ebensowohl über die 
Adda. als über den Po gelangen und in völliger Sicherheit für seine 
Armee den richtigen Moment dazu abwarten konnte. Soncino war ein 
wichtiger Strassenknotenpunct, von welchem aus die kaiserliche Armee 
über Treviglio oder Lodi die Adda, und über Cremona den Po zu 
gewinnen vermochte. Deshalb suchte der Prinz so bald als möglich 
dahin zu gelangen. Von den zur Recognoscirung ausgesendeten Detache- 
ments meldete der mit 500 Pferden gegen Soncino detachirte Ohrist 
Graf von Vehlen am 9. Juli, dass gegen genannten Ort 600 feind- 
liche Reiter im Anmärsche seien. Darauf hin änderte Eugen also- 
gleich die für diesen Tag erlassene Marsch-Disposition insoferne, als 
G. d. C. Graf Leiningen Befehl erhielt, mit der Cavallerie vom 
linken Flügel des hinteren Treffens diesseits des Oglio vorzurücken, 
während GWM. Zum Jungen angewiesen wurde, mit den beiden 
Dragoner-Regimentern Savoyen und Herbeville nebst den „übrigen 
zu Urago gestandenen sechs Bataillonen" als Avantgarde voraus- 
zumarsehiren , um die Reiterei dos Gegners in Soncino einzu- 
schliessen. 

Diese Absieht, „dem Feind einen empfindlichen Streich beizu- 
bringen", konnte in Folge eines Zufalles nicht völlig erreicht werden. 
Graf Vehlen, welcher seinen Marsch gegen Soncino beschleunigt 
hatte, traf gegen 11 Uhr Nachts zum 10. Juli mit der gleichfalls gegen 
genannten Ort anrückenden feindlichen Reiterei zusammen. Beide 
Theile vollführten gleichzeitig die Attaque, bei welcher die Franzosen 
zurückgeworfen wurden. Schon schickte sieh V e h 1 e n an, den Gegner 
nunmehr in die Flanke zu fassen und gleichzeitig im Kücken zu 
attaquiren, doch hinderte das Dunkel der Nacht die rasche Ausführung 
eines solchen Manövers. Der Gegner, die Absicht errathend, wich aus, 
zerstreute sich und suchte sein Heil in der Flucht. An eine Verfol- 
gung war nicht zu denken und die Affaire, während welcher 5 kaiser- 
liche Heiter im Kampfe fielen und ein Rittmeister verwundet wurde, 
ergab nur einen relativ günstigen Erfolg. 

Mittlerweile hatte die Armee ihre Bewegung vollführt und das 
„Lager zu Isengo, ein Paar Miglien vorwärts (nordwestlich) von 
Snneinn zwischen zwei ('analen ffesch laireir'. Eugen beschloss den 



sofortigen Angriff auf letztgenannten Punct und betraute den GrWM. 
Baron von [sselbach mit der Ausführung desselben. 

Die hiezu l)estimmten Truppen nahmen „an der Rocca" nächst 
den Palissaden, bei der Stadt aber am Graben ihre Aufstellung, und 
es wurden ausser „diesen zwei rechten, nächst seihen noch zwei andere 
falsche Attaquen" eingeleitet. Da der regelrechte Angriff erst nach Ein- 
treffen der schweren Geschütze beginnen konnte, liess [sselbach 
vorläufig ein,- Batterie für Feldstücke erbauen und das Feuer gegen 
Abend des 10. eröffnen. Wohl war schon in den ersten Stunden ein 
Verlust von 26 Todten zu beklagen, doch thaten die Feldstücke eine 
si) gute Wirkuni;', dass der Gegner schon am 11. die Verteidigung 
der Rocca aufgeben und dieselbe auf die Stadt beschränken musste. 

Der Commandant der französischen Besatzung, der spanische 
Obrist Ben aggio, nunmehr zur Uebergabe aufgefordert, erklärte, nur 
nach Eröffnung- des Feuers mit, schwerem Geschütz sich in Unter- 
handlungen einlassen zu wollen. Da aber solches erst in einigen Tagen 
erwartet wurde, traf Isselbach für die Nacht /.um 12. die Disposi- 
tion, den Graben der Stadt zu besetzen und „den Mineur zu attachiren". 

Um schneller an's Ziel zu gelangen, hatte auch Eugen die 
Bespannungen der Feld -Artillerie den im Anmärsche begriffenen 
„schweren Stucken- entgegengesendet, „weil die dabei befindliche 
Vorspann we&'e.n des starken Marsches ziemlieh abgemattet war". 
Als der Commandant von Soncino dies in Erfahrung brachte, erklärte 
er sieh zur Capitulation bereit, aber unter den veränderten Ver- 
hältnissen wurde dieselbe abgelehnt, und es erfolgte noch am 11. die 
Uebergabe auf Discretion. Die Besatzung, über 600 Mann betragend 
(darunter 150 Mann Deserteure und Gefangene der Kaiserlichen), 
musste sieh ergeben, und zwei Fahnen, fünf kleine Stücke, 
50—60 Centner Pulver, 5000 Säcke Mehl, ein „mit allen Nothdurften 
wohl eingerichtetes Backhaus, etliche 100 Metzen Hafer, soviel Fuhren 
Heu-, endlieh Geräthe für ein Feldspital, fielen den Angreifern in die 
Hände '). 

Die unerwartet schnell erfolgte Uebergabe von Soncino enthob 
von dem momentanen Bedarfe der schweren Artillerie. Es wurden die 
entgegengesendeten Artilleriepferde eiligst zurückberufen und der 
Befehl ertheilt, die schweren Stücke, falls sie noch nicht über Calcio 
vorgerückt wären, zurück nach Pontoglio zu führen und dort bis 
auf fernere Weisung zu belassen, im entgegengesetzten Falle aber in 
das Lasrer zu bringen. 



Die Gerüchte, Von domo sei aus Piemont mit Verstärkungen 
bei dos Grosspriors Armee angelangt, mehrten sieh und forderten den 
kaiserlichen Feldherrn zur Vorsieht auf. Lag auch in dorn Besitze der 
wichtigsten Stützpuncte am Oglio die Gewähr, an diesem, ungeachtet 
der feindlichen Uebermacht, sieh zu behaupten, so war es doch nicht 
gleichgiltig, ob es in der nächsten Zukunft sieh darum handeln würde, 
blos um den ferneren Besitz des bereits Errungenen sich abmühen, 
d. ii. in der Defensive am < Iglio bleiben zu müssen, oder rasch vor- 
dringen und dem Herzoge von Savoyen, oho es zu spät war, die 
Hand bieten zu können. Bevor Prinz Eugen irgend einen Ent- 
schluss fassen durfte, musste er darüber ins Klare kommen, in welcher 
Weise Vendome trachten würde, die von seinem Bruder begangenen 
Fehler wieder gut zu machen. Zweifellos gebot nun der Umstand, 
dass die gallospanische Armee namhaft verstärkt und dadurch numerisch 
überlegen, ebenso von einem begabten Feldherrn befehligt war, die 
ausscrsto Behutsamkeit. 



Eugens Versuch, sich den Besitz des unteren Oglio zu sichern. 

Nöthigten die Umstände den Prinzen, sich am Oglio in der 
Defensive zu halten, so war es nicht gleichgültig, dass die Franzosen 
an dem unteren Laufe dieses Flusses noch einige Stützpuncte besetzt 
hielten. Ebenso musste Eugen darüber in's Klare kommen, was sich 
im Mantuanischen vorbereitete. 

Zunächst wurde Ohristlieutenant St. Amour mit 300 Pferden 
bestimmt, auf dem linken Ufer des Oglio vorzurücken und gegen den 
Po nach verschiedenen Richtungen zu streifen. Der Abmarsch, für 
den 13. Juli festgesetzt, verzögerte sieh um einen Tag, weil die flie- 
gende Brücke bei Soncino zum raschen Uebergange unzulänglich war. 

Diesem Detachement als Soutien zu dienen und um die fran- 
zösische Besatzung von Bordolano zu vertreiben, erhielt GWM. Frei- 
herr von Wetzel den Auftrag, am 14. Juli mit 8 Bataillonen, 2 Regi 
ments-Stücken und 2 Falkaunen nebst 200 eommandirten Pferden 
den Oglio zu überschreiten und entlang des linken Ufers Fluss-abwärts 
zu marschiren *). 

Durch dieses Corps wollte Eugen in Erfahrung bringen, ob 
und welche Vortheile sieh am unteren Oglio vielleicht eiTeichen Hessen. 
Denn die französische Stellung zwischen Casal Morano uml Soresina 



200 

w..ii- e i n e centrale, da von selber aus Po und Adda insoferne beherrscht 
wurden, als man der kaiserlichen Armee der Zeit and dem Räume 
nach an beiden Flüssen zuvorkommen konnte. 

Während des Aufenthaltes der kaiserlichen Armee im Lager bei 
[sengo trafen „endlich am 14. Juli: die schwere Artiglerie mit den 
aus Bavern ankommenen und bis dato zu Riva zurückgebliebenen' 
Bataillonen, auch andere Recruten zu Fuss, nicht weniger die Lei- 
ningischen und Darmstädtischen Recruten zu Pferd und verschiedene 
Montonr" ein. Nunmehr war der Bann gelöst, welcher Eugen durch 
geraume Zeit am Oglio festgehalten hatte, und er säumte nicht, sich 
mehr der Adda zu nähern. Schon am 15. brach die Armee nacb 
Romanengo auf, und während dieser Bewegung erhielt Eugen von 
den Kundschaftsparteien die Nachricht, auch der Gegner sei im An- 
märsche gegen Romanengo begriffen. 

Thatsächlich zeigte es sich nach dem Eintreffen in dem neuen 
Lager, dass die Franzosen in einem „eine Viertelstunde vor einer 
kaiserlichen Feldwacht gelegenen Dorf ankommen waren" ; auch sah 
man „eine Squadron anrücken, mit der weiteren Kundschaft, dass 
auch in gedachtem Dorf so viel Infanterie war'', und der Gegner 
die Absicht gehabt haben sollte, dort das Lager zu beziehen, wo die 
kaiserliche Armee bereits stand '). 

Freilich waren dies nur vague Nachrichten, welche um so weniger 
einen Schluss auf die Absichten der Franzosen zuliessen, als ihre vor- 
geschobenen Truppen nach unwesentlichem Geplänkel sich einige 
Miglien weit zurückzogen. Auch die sonst eingetroffenen Berichte 
trugen zur Klärung der Situation wenig hei. So meldete St. Amour 
am 15., der Feind habe Ostiano verlassen, und von anderer Seite kam 
die Nachricht, Canneto sei unbesetzt, dagegen in Gazzuolo eine Be- 
satzung von etlichen 100 Mann. 

Eugen entsendete abermals Obristwachtmeister Eben mit 
150 Pferden und Obristlieutenant Splenyi mit den Huszaren gegen 
den Feind, aber dessenungeachtet lauteten die Kundschaftsnachrichten 
einander widersprechend. Von einer Seite hiess es, die Franzosen 
stünden am 16. noch in der am 15. innegehabten Position; von der 
andern Seite, der Feind sei ..weiter rechts (östlich) abgezogen"; die 
Deserteure dagegen sagten aus. er verschanze sich in seiner Steifung, 
und dies seinen wohl überflüssig. ..da ihnen ohnedeme wegen der 
vielen »'anale und Wassergraben hart oder gar nicht bei zukommen' 1 



der Folge dargelegt ist, \vi 
,.hii Grossprior begangenen 
■ ivu Besitz des unteren Ogli 



war. Ausser all' dem verlautete noch, „mau habe in der Gegend von 
Castiglione ein starkes Knallen gehört, woraus man muthmasste, dass 
der Feind gedachten Punct gesprengt haben müsse". Kesumirt man 
all' dies, so ergibt sich, dass Prinz Eugen noch nicht in der Lage 
war, die wechselseitige .Situation mit Klarheit zu überblicken und einen 
ferneren Entschluss zu fassen. 

Ausserdem durfte er für den Augenblick an einen Flussübergang 
nicht denken, weil es ihm an schwimmenden Unterlagen für die Errich- 
tung einer Brücke mangelte. Die Forcirung der Adda erschien wegen 
der Nähe der gallospanischen Armee nicht rathsam. Einen Versuch, 
über den Po auszubrechen, etwa bei Ostiglia, widerrieth der Umstand, 
dass der Gegner die Garnisonen von Mantua und Cremona erst kürz- 
lich ansehnlich verstärkt hatte. Diese und noch andere Erwägungen 
wann die Motive Eugen's zu abermaligem Stillstande bei Romanengo. 
Diesbezüglich bemerkte der Prinz am 24. Juli gegen Starhcmberg: 
„Wann'.-' wie? und wie bald" er werde handeln können, wisse „nur 
der liebe Gott allein". „Ich kann Ihnen um so weniger sagen, als ich 
mich nach der Zeit und Gelegenheit, die sich bekanntermassen im 
Kriegswesen augenblicklich verändern, richten muss." 

Den Erklärungsgrund zu dem Verhalten Eugen's bei Romanengo 
gibt zunächst das Benehmen des Feindes. 

Vendome, welcher am 12. Juli Chivasso verlassen hatte, war 
am 13. in Lodi mit den aus Piemont gezogenen 12 Bataillonen gleich 
zeitig angelangt. 

Ungeachtet dieser Eile konnte er den Verlust von Soncino nicht 
mehr ungeschehen machen, und das Aufgeben von Ostiano und Canneto 
berührten ihn auf das peinlichste, da sein Bruder, wie es sich zeigte, 
den Oglio völlig dem Prinzen überlassen hatte. Um sich wenigstens 
einen Uebergang über diesen Fluss zu sichern, entsendete der fran- 
zösische Feldherr alsogleich ein Bataillon nach Ostiano. um diesen 
Punct, wenn möglich, wieder zu gewinnen, und ein zweites nach 
Gazzuolo. 

Ven dorne hatte die der französischen Armee in der Lombardei 
drohende Gefahr durchaus nicht unterschätzt. Er wusste, welche Con- 
sequenzen die Ueberschreitung des Serio durch die kaiserliche Armee 
nach sieh ziehen würde und suchte darum am 15. derselben zuvor 
zukommen. Bei dieser Gelegenheit fand eben das Zusammentreffen 
mit der kaiserlichen Vorhut vor Romanengo statt. Hätte der trän 
zösische Feldherr nur l> Stunden noch gesäumt, so wäre ihm vom 
Prinzen Eugen der Weg über den Serio verlegt worden und es 
würde nichts Anderes übrig eeblieben sein, als hei Lodi die Adda zu 



202 

passiren und erst bei Pizzighettone abermals den Uferwechsel vorzu- 
aehmen, blos um die Absicht, den unteren Oglio festhalten zu können, 
zu erreichen. I las Missliche eines solchen Manövers aber gehl daraus 

hervor, dass Cremona und das ganze Cre nesische aufgegeben werden 

musste und es dem Prinzen Eugen dann ein Leichtes gewesen <väre, 
vor Pizzighettone Siedlung zu nehmen und die französische Armee 
am Debouchiren zu hindern. 

Da beide Gegner bei Romanengo momentan kaum anderthalb 
Miglien von einander entfernt standen, musste Veudöme alle möglichen 
Vorsichtsmassregeln treffen, um im Angesichte der feindlichen Armee 
eine Vorwärtsbewegung zu vollführen, welche dem vom Prinzen Eugen 
geplanten Serio-f lebergange Schach bieten sollte. Dies war gerade in 
diesem Zeitpunete das Gebot der äussersten Nothwendigkeit, denn 
nach der Gewinnung des Oglio durch die Kaiserlichen hatte der Gross- 
prior nur daran gedacht, das Maih'indisehe zu decken, d. h. die 
Vertheidigimg der Adda - Linie vorzubereiten, wobei er übersah, 
welche Consequenzen das völlige Aufgeben des unteren Oglio nach 
sich ziehen könne. 

Um die beabsichtigte Bewegung mögliehst zu beschleunigen, 
beorderte der Herzog von Vendöme am 18. seinen Tross nach 
Castel Leone. Schon deu nächstfolgenden Tag setzte er seine Armee 
in Bewegung. Selbe erreichte Soresina, woselbst der linke Flügel das 
Lager bezog, während der rechte, sieh gegen Casal Morano ausdehnte. 
Da zu dieser Zeit auch 10 Escadronen aus Piemont eintrafen, so ver- 
fügte der französische Feldherr über 47 Bataillone und 66 Escadronen, 
in welcher Zahl jedoch nicht jene 6 Bataillone und !) Escadronen inbe- 
griffen waren, welche Vendöme an der Adda zurückgelassen hatte. 

Schon am 17. war Prinz Eugen nicht mehr darüber in Zweifel, 
dass Vendöme aus Piemont bei der Armee, in der Lombardei ein- 
getroffen sei. Nur die Zahl der herangezogenen Truppen wurde über- 
schätzt '), denn man war der Meinung, der französische Feldherr habe 
..einen Succurs von 12 Bataillonen und 15 — 20 Escadronen mitgebracht". 
Selbstverständlich musste der Prinz trachten, gerade in diesem Momente 
über die Verhältnisse beim Gegner möglichst in's Klare zu kommen. 

Von den am 17. ausgesendeten Parteien war der Guttenstein'sche 
Grenadier - Hauptmann Trenkh mit 40 Mann gegen eine Casine in 
der Nähe des feindlichen Lagers vorgedrungen und hatte von dem 
dortigen französischen Posten „einen Cornet mit 2."> Reitern aufgehebl 
und" war „mit selbigen sammt denen Pferden glücklich zurückkommen". 

'i Supplement-Heft Nr. 177, 178. 



In ähnlicher Weise war Obristwachtmeister Eben vom Glücke begün 
stigt: Eben hatte in Rücksicht auf den Kampf „seine Leut' bei 
Trigolo unweit des feindlichen Lagers in 3 Trupp passirt und- war 
„für seine Person mit 30 Pferch recognosciren gangen", bei .welcher 
Gelegenheit er „nicht weniger als 10 Pferdt, acht Maulthiere und 
11 Gefangene" einbrachte. Wohl war der Gegner mittlerweile 
„auf obgemeldete 3 Trupps- aufmerksam geworden und in einem 
aus Infanterie und Reiterei bestehenden überlegenen Detachement 
vorgerückt. Nach kurzem Kampfe, bei welchem die Kaiserlichen 
5 — 6 Mann verloren, mussten Eben's Leute weichen. 

Für den Feldherrn zeigten sieh diese Lecognoseirungen alier nicht 
sehr erfolgreich, denn der eigentliche Zweck wurde nicht erreicht. 
Bedeutsamer war die am 17. von GWM. Wetzel eingesendete Mel 
düng, „dass er mit seinem Detachement bei Ostiano stände, und in 
Marcaria noch etwas weniges, zu Gazzuolo aber etliche 100 Mann wär< n-. 

Da aber Prinz Eugen bereits in Kenntniss war. dass aus dem 
feindlichen Lager eine Detachirung gegen den Oglio erfolgt und nach 
den Kundschaftsnachrichten der Fluss bereits überschritten worden 
sei, so wurde GWM. Baron Wetzel von dieser Thatsache sogleich in 
Kenntniss gesetzt und gleichzeitig der Rittmeister Hochberg mit einem 
Detachement gegen den Oglio gesendet, um über den Sachverhalt 
Gewissheit zu erhingen. 



Gefecht bei Tredici Ponti. 

Bei der nunmehr zweifellos ausgesprochenen Absicht des Feindes, 
sich am unteren Oglio abermals festzusetzen, hatte Tredici Ponti süd- 
lich von Genivolta für Eugen eine zu grosse Wichtigkeit, als dass 
er es hätte unbeachtet lassen sollen. Es war dies ja gleichsam der 
Schlüsselpunct zu jenem Terrainabschnitte zwischen einer leihe 
nebeneinander befindlicher Canäle und dein Oglio, welchen eben die 
kaiserliche Armee völlig beherrschte. 

Prinz Eugen beorderte den Obristlieutonant E 1 s e n vom Regi 
mente Zum Jungen mit „100 Mann deutscher Infanterie, dann den 
Batthyanyischen Havdueken und Mallenichischen Croaten, so zusammen 
gegen 400 Mann ausmachten, nebst 50 deutschen Pferden" um Lei 
Tredici Ponti Posto zu fassen und die dort früher vom Feinde errich- 
teten Redouten und Schanzen schleunig in vertheidigungsfähigen Stand 
zu setzen '). 

') Supplement-Heft Nr. 177, 178, 179, lS:i. 



204 

Vendöme, erwägend, dass ein Angriff auf Engen's Stellung 

um so gewagter sei, als der Prinz auch den Canal von Cre ta durch 

Verschanzungen hatte decken lassen, entschloss sich, (500 Mann zu 
Fuss und 600 Reiter an den Oglio zu senden und sich dort '■inen 
(Jebergang zu sichern. Bald aber besann er sich eines Anderen, 
erkennend, wie wichtig es sei. Eugen zu hindern, den Oglio abwärts 
zu marschiren und aus diesem ( I runde Genivolta und den Posten von 
Tredici Ponti in seine Gewalt zu bekommen. 

Kaiserlicherseits hatte man am 19. Juli noch keine Nachricht. 
Wohl berichtete bei Anbruch des Tages eine Feldwache vom linken 
Flügel, dass der Feind in Bewegung sei. Dessen Flaukendeckung war 
nämlich hart an die erwähnte Feldwache herangeruckt und es kam 
vorübergehend zum Feuerkampfe. 

Da die Franzosen sich aber bald zurückzogen, Hess Eugen die 
verschiedenen Strassen recognosciren, um zu erfahren, wohin der feind- 
liche Marsch gerichtet sei. In Folge der ziemlich gleichlautenden 
Meldungen, der Gegner habe sich „bei Soncino gelagert", wurde 
GWM. Baron Wetzel „durch einen eigenen Courier advertiret", auf 
seiner Hut zu sein. Es war anscheinend um so weniger Etwas zu 
besorgen, als Wetzel die Rückantwort gab, er habe „auf dem Oglio 
20 meist grosse Schiffe bekommen und in guter Verwahrung bei- 
sammen - ', auch sei er „Willens, Morgen (den 21.) den Feind aus 
Marcaria zu delogiren". 

Vendöme war aber am 20. Juli mit Grenadier-Compagnien 
und 500 Pferden von Soresina aufgebrochen, um den Posten von 
Tredici Ponti zu recognosciren. 

Wie dies im Kriege häufig vorkommt, dass der Zufall eine 
mächtige Rolle spielt, hatte der französische Feldherr bei seinem Auf- 
bruche am 20. Juli zunächst keine andere Absicht, als sich von 
Eugen's Position persönlich zu überzeugen, und bei dieser Gelegenheit 
errang er mühelos einen Vortheil, der ihm unter anderen Umständen 
gewiss theuer zu stehen gekommen wäre. 

Zwei Stunden vor Einbruch der Dunkelheit hatte es der bei 
Tredici Ponti postirte Obristlieutenanl Elsen als nöthig erachtet. 
einen aus „-J0 Hayducken und 10 Pferden" bestellenden Tosten weiter 
vorzuschieben, um die Sicherheit zu erhöhen. Während dieser partiellen 
Vorrückung alter geschah es, dass das kaiserliche Detachemenf plötzlich 
von der weit überlegenen Vorhut Vendöme's überrascht und zu 
schleunigem Rückzuge genöthigt wurde. Dieser konnte selbstverständ- 
lich nur in eine der Redouten erfolgen. Zum Unglücke war es gerade 
jene, welche Mos Hayducken /ni' Besatzung hatte, und diese, ohne 



205 

mir einen Schuss zu tlmn. Verliessen eiligst die Schanze. Da gerade 
von dieser der Besitz aller übrigen abhing, so mussten nach kurzer 
Gegenwehr sämmtlichc Befestigungen verlassen werden. Obristlieutenant 
Elsen, um der Gefangennehmung zu entrinnen, war ^yiiütliigt, gleich- 
falls sein Heil in der Flucht suchen. 

In den franzosischen Quellen ist von der „attaque de la redoute" 
die Rede, welch' letztere von einem Bataillon Croaten besetzt gewesen 
sein soll 1 ). Der österreichische Bericht aber lautet: „drunge der Feind 
zugleich (mit dem zurückgeworfenen vorgeschobenen Posten i hinein, 
weil aber die darin geweste Hayducken (nachdem officiellen östeiTei 
chischen Berichte „nicht über 15 Mann") davon liefen, ohne einen 
Schuss zu thun, anstatt dass sie den Feind aufhalten s )." 

Es war wohl von einer „action brillante" nicht, die Rede, und 
„marques de la valeur la plus distinguee" konnten den unverläss- 
lichen und nicht zahlreichen Croaten gegenüber keinesfalls zu Tage 
getreten sein. 

Der thatsächliche Erfolg dagegen hatte unter den obwaltenden 
Umständen für die Franzosen gewiss eine grosse Tragweite. Einerseits 
wäre es ihnen gewiss sehr schwierig geworden, den Tosten von Tredici 
Ponti in ihre Gewalt zu bekommen, wenn die Besatzungen bis zur 
Ankunft der Verstärkung Stand gehalten hätten: andererseits war 
dieser Punct kaum eine Miglie von Genivolta entfernt und dieser 
Zwischenraum derart versumpft, dass dadurch der < >jrlio leicht gehalten 
werden konnte, indem die durch Truppen zu deckende Flussstrecke 
sich um ein Wesentliches verkürzte. 

Diese Erwägung war es auch, welche Vendöme veranlasste, 
gleich nach Gewinnung von Tredici Ponti 2 Infanterie-Brigaden und 
4 Geschütze nach Genivolta zu beordern, und am 21. ward die Armee 
vorgeschoben, um mehr ä portee des Oglio zu sein, wobei der rechte 
Flügel gegen genannten < >rt ausgedehnt wurde, während der linke 
bei Soresina blieb, um das Cremonesische zu decken. 



Vorgänge am unteren Oglio. 

Den Verlust von Tredici Ponti paralysirte gewissermassen die 
Eroberung des .Schlosses von Marcaria. < »hschon GWM. Baron Wetzel, 
welcher, wie er dies vorhatte, am 20. wegen mangelnder Verpflegung 
den Angriff nicht unternehmen konnte, vollführte er denselben doch 



') Pelet, V. pag. 3 IC. 

-i Kriegs-Archiv, [talien, 1705; Fase. XIII. 11. 



206 



;mi 



21. Nach kurzem Kampfe musste sich die .-ms 100 Mann bestehende 

(ianiismi als kriegsgefanKcn ergeben; kaiserlicherseits blieben ''in 
preussischer Capitän und 2 Mann todt and ein Obristlieutenanl vom 
Regimente Regal wurde verwundet. 

Der französische Feldherr, welcher von dem beabsichtigten 
Angriffe auf Marearia Kunde erhalten und noch am 21. Abends dm 
Grossprior beordert hatte, mit 8 Bataillonen und 11 Escadronen zu 
jenen 3 Bataillonen und 300 Dragonern zu stossen, welche sieh zu 
Gazzuolo befanden, wollte dem Verluste des Postens vorbeugen. Er 
war auch überzeugt, dass Prinz Eugen nicht gleichzeitig Soncino, 
Palazzolo, Ostiano und Canneto halten könne, und es sollte darum 
Ostiano durch den Grossprior angegriffen, eventuell die kaiserliche 
Macht vom unteren Oglio abgedrängt werden. 

Freilich war durch den Verlust von Trcdici Ponti den Franzosen 
der Weg in das mehr gangbare Terrain, welches /.wischen Oglio und 
den von ihm gegen Westen abgezweigten Canälen liegt, bis Soresina 
eröffnet. In Rücksicht auf sein nächstes Vorhaben hatte Vendöme 
von Mantua einige 24-Pfünder zum Grossprior beordert und das Nöthige 
vorbereiten lassen, um bei Bordolano eine Krücke zu schlagen, welche 
die Verbindung ermöglichen sollte. Alle Massnahmen des französischen 
Feldherrn zielten stets dahin ab. den Kaiserlichen das directe Vor- 
brechen in der Lombardei und ebenso ein Ausbiegen, um über den 
l'o zu gelangen, vorwehren zu können. 

Bereits am 22. Juli erhielt Eugen Kunde, „dass der Feind 
unterm Grand-Prieur ein starkes Detachement an den Oglio abge- 
schickt- habe. Der Prinz Hess GWM. Baron Wetzel schleunig 
davon in Kenntniss setzen und sendete den Obristlieutenant Loca- 
telli mit 300 Pferden als Unterstützung. Ausserdem wurde ein aus 
40 Mann und 50 Pferden bestehendes Detachement zur Recognoscirung 
der Bewegung des Grosspriors abgeschickt. Ersi am 24. erlangte der 
Prinz die Gewissheit, dass der Gegner bei Bordolano eine Brücke 
errichtet habe, über deren /.weck sieh keine berechtigte Voraus- 
setzung machen Hess. Vorzeitige Disponirung von Truppen bei einer 
nahe bevorstehenden Krise, war aber nicht die Gewohnheit Eugen's, 
und darum suchte er vorerst die Klärung der momentanen Situation. 
Vorläufig erhielt Obristwachtmeister Eben den Befehl, sich mit 
L50 Pferden unweit der feindlichen Brücke zu postiren, „auf des 
Feindes Andamenten stets zu invigiliren, und sobald er ein mouvement 
verspüren seilte, nicht allein dem GWM. Wetzel darvon alsogleich 
zu advertiren". sondern auch dem Prinzen „schleunige Nachricht zu 
erstatten". Die einzige Vorkehrung l»'i der Armee bestand darin, dass. 



207 

nachdem der rechte Flügel Dicht gefährdet seinen, das Regiment Wallis 
von dort gegen den linken Flügel beordert wurde. 

Mittlerweile hatte sich Wetze 1 nach Canneto zurückgezogen, 
den < »bristlieutenant Locatelli aber mit seinen 300 Pferden „al Ponte 
di Mella postirt". 

Keinesfalls war der Umstand, dass die Franzosen ihren Heber 
gang bei Bordolano durch die Errichtung eines Brückenkopfes deckten, 
beruhigend. An eine Verhinderung der Arbeiten Hess sich tun so 
weniger denken, als auf den bei genanntem Puncte gelegenen Anhöhen, 
welche das Vorterrain dominirten, der Grossprior schweres Geschütz 
hatte aufpflanzen lassen. Es erübrigte darum nur eine scharfe Beob- 
achtung der feindlichen Massnahmen. 

In zwei forcirten Märschen war der Grossprior am 23. Juli mit 
seiner Cavallerie zu Gazzuolo eingetroffen, doch die Infanterie konnte 
sich nicht so schnell bewegen und erreichte erst am 24. genannten 
l'unet. Es erfolgte nunmehr der Uebergang auf das linke Ufer des 
Oglio, bei welcher Gelegenheit ein Rencontre mit dem von St. Amour 
befehligten Detachement stattfand, welches eben vorgerückt war, um 
in Erfahrung zu bringen, was bei Gazzuolo vorgehe. Der Uebermacht 
gegenüber Hess sieh wohl an ein Standhalten nicht denken und musste 
der Rückzug gegen Marcaria angetreten werden. 

Im Lager des Prinzen hatte man Kunde, dass diu- Feind „mit 
einem starken Detachement von Grenadieren, Infanterie und Cavallerie 
abgegangen und der meiste Theil davon die Brücke (bei Bordolano) 
passirt, jedoch sich schon in dem nächstgelegenen Dorfe festgesetzt 
halie. Obristwachtmeister Ehen musste sich in Folge dessen mit 
seinem Detachement etwas zurückziehen, erhielt aber wiederholten 
Befehl, den Feind sorgfältig zu beobachten und jede Wahrnehmung 
von irgend welcher Bedeutung sowohl dem Prinzen, als auch dem 
GWM. Wetzel schleunigst bekannt zu geben. 

Auf die Kundschaftsberichte, dass Yen domo die Oglio-Brüeke 
bei Bordolano bereits passirt habe und der Grossprior hei Gazzuolo 
gleichfalls den Uglio-Uebergang im Sinne habe, musste die Besorgniss 
erwachen, dass dies in der Absicht geschehe, den GWM. Baron 
Wetzel ..von oben und unten in die Mitte zu nehmen'-. Dieser, 
schleunigst von dem Sachverhalte in Kenntniss gesetzt'), berichtete, 
dass er noch hei Canneto stehe ..und so lang allda verbleiben würde, 
bis der Feind den Chiese passirt; inzwischen aber habe er seine Prae- 
caution solchergestalt genommen, dass, um den Feind von unten und 



\i Supplement-Heft Nr. 185, 186. 



208 

oben zu observiren, der Obristlieutenant Locatelli mit 300 Pferden 
an der Mella, der Obristlieutenant St. Amour aber an drin Chiese 
mit 500 Pferd postirt" und weiter anbefohlen worden wäre, sobald der 
Feind den Chiese passiren würde, die Garnison von Marcaria alsoe-leieh 
zurückzuziehen und den Ort, welcher von „keiner sonderlichen [mpor 
tance ist", zu verlassen. 

Als am 27. Juli im kaiserlichen Lager Nachricht eintraf, der 
„Feind habe sich bei Orzinovi sehen lassen", musste dies um so mehr 
befremden, als den zuverlässigen Meldungen nach, die Bewegungen 
der Franzosen am unteren Oglio gegen das von Baron Wetzel 
befehligte Corps gerichtet waren. G. d. C. Grat' Leiningen über 
nahm es persönlich, mit 300 Pferden nach und über Orzinovi zu 
streifen. Er traf nirgends auf den Gegner, ungeachtet er auch in der 
Nacht zum 28. seine Beobachtungen fortsetzte. 

V en d ö m e hatte durch seine Massnahmen gegen den unteren 
Oglio wohl die Fehler seines Bruders einigermassen wett gemacht, 
und gab sich nunmehr der sicheren Ueberzeugung hin, Eugen 
sei in eine derartige Lage versetzt, dass derselbe nicht mehr störend 
in jene Operationen eingreifen könne, welche in Piemont zur völligen 
Besiegung des Herzogs von Savoyen führen sollten. Sowohl die Adda, 
als der untere Oglio waren ja durch die französischen Streitkräfte derart 
besetzt, dass nach beiden Richtungen der Durchbruch kaum möglich 
schien. Einem anderen Feldherrn gegenüber, wäre diese Zuversicht viel- 
leicht berechtigt gewesen, vom Prinzen aber hatte Vendome keines- 
falls erwarten sollen, dass derselbe sich als gelähmt betrachten werde. 

Nur zu bald erwiesen sich die klugen Berechnungen des fran- 
zösischen Heerführers als unzureichend. Zunächst zeigten sich jene 
Dispositionen, welche derselbe zur Erdrückung des Wetzel'schen 
Corps getroffen hatte, als nutzlos. Der Grossprior führte den Angriff 
auf Ostiano durchaus nicht im Sinne der ihm ertheilten Instructionen 
aus. Nach seinem am 27. Juli erfolgten Fintreffen zu Volongo blieb er 
in völliger Inaction, welche mit dem Abwarten des Geschützes aus 
Mantua gerechtfertigt wurde. Aber auch nach dem Anlangen desselben 
vermochte er sich nicht zur That aufzuraffen, und als am 1. August 
Alber gotti eintraf, um eine Pression auszuüben, ward beschlossen, 
vom Oglio aus über das Wetzel'sche Corps herzufallen. Am 2. August 
gegen Abend rückte Albergotti mit 4 Grenadier ( lompagnien gegen 
jene Verschanzung, welche am rechten Ufer des Oglio zur Deckung 
der Brücke der Kaiserlichen errichtet war. 

Den erhaltenen Weisungen gemäss Hess sich die Besatzung in 
keinen Kämpfern, sondern zog sieh schleunig auf das andere Ufer 



209 

zurück, und unmittelbar danach brach das Wetzel'sche Corps „mit 
Sack und Pack von Ostiano auf, seinen Weg mit Beschleunigung 
gegen Verola, Mottella und Farfengo" nehmend. Der Grossprior, 
welcher gleichzeitig am linken Ufer hätte zum Angriffe schreiten 
sollen, während Albergotti dies vom rechten aus thatsächlich ver- 
suchte, war vorläufig noch in seinem Lager geblieben. Aber abgesehen 
davon, liess sich kein Erfolg erwarten, denn GWM. Baron Wetzel 
hatte nach dem Rückzuge seines auf das rechte Ufer vorgeschobenen 
Detachements die Brücke schnell abbrechen lassen, und als Alber- 
gotti seine Grenadiere auf Kähnen überschiffen liess, fanden sie in 
Ostiano nur dessen Bewohner. 

Die zur Verfolgung des kaiserlichen Corps entsendeten franzö- 
sischen Truppen mühten sich vergebens ab; denn ohne auf das geringste 
Hinderniss zu stossen, konnte Wetzel bei Manerbio die Mella über 
schreiten, um sich auf Vi s conti zu repliiren, der von Orzinovi nach 
Gabbiano zur Erleichterung der Vereinigung vorgerückt war. Zum 
Theil dankte Wetzel die Möglichkeit eines völlig unbehelligten Küek- 
zuges seinem eigenen militärischen Tacte, zum Theil aber auch der 
Unentschlossenheit des Grosspriors. 



Marsch der kaiserlichen Armee an die Adda. 

Vendome hatte bewiesen, dass der kaiserlichen Entsatz-Armee 
im Cremonesischen und Mantuanischen der Ausweg ebenso verschlossen 
bleiben solle, als über die Adda, wo, abgesehen von den dort aufge- 
stellten französischen Streitkräften (vorläufig 4 Bataillone und 9 Esca- 
dronen) Befestigungen grösserer Ausdehnung vorgenommen wurden. 

Wie es scheint, zog der französische Feldherr aus dem früheren 
Unfälle seines Bruders am Oglio keine Nutzanwendung; ja selbst die 
Vorstellungen Vaudemont's, die geringfügige Macht an der Adda zu 
verstärken, vermochte ihn blos zur Detachirung eines Dragoner-Regi- 
mentes. Ven dorne glaubte aber den Augenblick gekommen, in welchem 
er die kaiserliche Armee mit Uebermacht angreifen, schlagen und von 
ihrer Haupt-Operations-Linie abdrängen, d. h. in das Gebirge werfen 
könne. Dieser Gedanke beherrschte ihn derart, dass er sich haupt- 
sächlich nur damit beschäftigte, Communicationen in dem von ('analen 
durchschnittenen Terrain, welches Eugen's Stellung umgab, eröffnen 
zu lassen. 

Für den Prinzen aber war gerade dieser Zeitpunct am wenigsten 
danach angethan, sieh mit. der völlig versammelten Hauptmachi des 

Feldzüjj«, dea Prinzen Engen v. Savoyen. VII. Band. U 



210 

Gegners in eine Schlacht einzulassen, deren Ausgang keineswegs die 
Gewähr gah, seinem eigentlichen Ziele näher zu kommen'). Da 
Ven dorne den Weg durch das Cremonesische versperrt hatte, so 
musste jener über die Adda eingeschlagen «erden; an Stillstand 
konnte und durfte der Prinz nicht denken 

unter anderen Umständen hätte der kaiserliche Feldherr sich 
vielleicht besonnen, ein so gewagtes Spie] zu unternehmen. Allein 
da sich „der Herzog von Savoyen in so grosser Extremität" befand, 
„dass, wenn ihm auf die eine oder die andere Weise nicht fördersam 
beigesprungen" wurde, er „unfehlbar ehestens verloren" sein musste, 
äusserte sich Eugen, „also will ich halt sothane Passage in Gottes 
Namen wagen, wiewohlen ich auch nachgehends, wenn ich glücklich 
hinüberkomme, noch in einem Weg ziemliche Difficultäten vorsehe, da 
ich einestheils mitten in Feindes Land, zwischen und um einer Festung 
mich befinde, anderntheils aber, dass Er (Vendome) von allen Seiten 
mit seinen zusammengegossenen Kräften mir auf den Hals zu dringen, 
gewiss nicht feiern wird." 

Am 7. August traf der Prinz Anstalten, sich jener Impedimente 
zu entledigen, welche die Bewegungsfähigkeit der Armee beeinträchtigen 
konnten. Vornehmlich waren dies die zu Palazzolo befindlichen Kranken, 
deren Absendung nachTyrol erfolgte. Die auf dem Oglio vorgefundenen 
Schüfe und das sonstige Brückengeräthe wurden auf Wagen verladen 
und der General-Quartiermeister liess Zugthiere (Ochsen) requiriren, 
um die in Soncino befindlichen i hall.cn Karthaunen bespannen zu 
können. Letztere und der Brückentrain wurden am 9. nach Fonta- 
uella beordert, woselbst sie fernere Befehle zu erwarten hatten. 

Der Aufbruch der Armee war von Eugen für den 10. August 
Abends angeordnet. Nach Untergang der Sonne brachen die Regimenter 
ihre Zelte ab und während dem setzte sieh „jene Artillerie, welche 
bei den Regimentern nicht eingetheilt war, sammt der völlig fahrenden 
und reitenden La^aev- nach Fontaneila in Bewegung. Zur Maskirung 
des Abmarsches war sehen am 7. August der Pälfly'sche Obrist- 
lieutenant Locatelli, mit 400 Pferden auf das linke Ufer des Oglio 
detachirt, dort, dem Feinde gegenüber aufgestellt und l>is /um letzten 
Moment belassen worden. Sein Abmarsch am 10. in der Nacht geschah 
so geräuschlos, dass der Gegner erst am hellen Tage die kaiserlichen 
Reiterposten vermisste. 

Marchese Visconti mit 1000 Mann zu Fuss und 200 Grena- 
dieren nebst 12 Escadronen Dragoner, brach als Vorhut der kaiserlichen 



') Supplement.-Hcl't Nr. 188. 
-') Suppleinent-Heft Nr. 198. 



211 

Armee auf, den Weg über Casaletto, Treviglio gegen Brembate <li 
aotto, nahe der Einmündung des Brembo in die Adda, nehmend. 

Lautlos verlii'ss das(ims um Mitternacht das Lauer von Romanengo, 
um über Crema, Cremosano und Pieranica auf den Directionspunct der 
Vorhut (Brembate di sotto) zu gelangen. 

Eugen hatte diese Richtung in der Absicht einschlagen lassen, 
um, gestützt auf Recognoscirungsberichte , bei Concesa, oberhalb der 
Einmündung des Brembo Flusses '), den Adda IVhorgang zu vorsuchen. 

In Einem Zuge vollführte das Gros der Armee seine Bewegung 
bis Pieranica, woselbst beim Sinken der Sonne angelangt, eine mehr- 
stündige Rast gegönnt werden musste. Schon um Mitternacht (zum 
12. August) Hess der Prinz abermals, und zwar in zwei Colonnen auf- 
brechen, deren eine, ans der gesammten Reiterei bestehend, über 
Arsago und Casirate nach Brembate di sotto, die andere, durch die 
Infanterie formirt, über Vailate auf Treviglio zu marschiren halte. 

Behufs der Wahl des l T el>er^anu's|>unctes war Prinz Eugen 
„ganz allein an die Adda" vorausgeeilt, woselbst er. zwei Stunden 
nach Anbruch des Tages anlangend, FML. Marchese Visconti und 
dessen Corps bereits antraf. Leider erwies der Augenschein, dass der 
Fluss an der zum Uebergange bestimmten Stelle, von dem voraus- 
gesendeten Recognoscenten unrichtig beurtheilt, d. h. viel zu breit 
war. um mit den der Armee zur Verfügung stehenden 11 Schiffen aus- 
zulangen. Ausserdem schloss die Mächtigkeit der Strömung das Ein- 
bauen von Böcken gänzlich aus. denn es handelte sieh ja darum, den 
dem Gegner abgewonnenen Vorsprung voll auszunützen und demnach 
den Brückenschlag in kürzester Zeit zu vollführen. 

Wie karg diese bemessen war, geht aus den Massnahmen Von- 
dorne's hervor. Selber hatte zwar an der Wahrheit des seit mehreren 
Tagen umlaufenden Gerüchtes, die kaiserliehe Armee stehe im Begriffe, 
eine grössere Bewegung zu vollführen, hauptsächlich aus dem Grunde 
gezweifelt, weil diese Absieht ganz unverhohlen im Lager <\<-^ Prinz e o 
ausgesprochen wurde, und gerade darum nicht glaubwürdig seinen. 
Freilich belehrten die vollzogenen Thatsachen nur zu bald den fran- 
zösischen Feldherrn eines Anderen. Noch in der Nacht zum 11. sammelte 
er seine Streitkräfte zum Abmärsche, blos in Genivolta und Tredici 
Ponti je ein Bataillon als Besatzung zurücklassend. Der Aufbruch 
erfolgte alsogleich, und am grauenden Morgen des 12. erreichte die 
Tete der französischen Armee die Brücke von Crema, «eiche die 

') Dieser war in Folge der Sommerdürre ausgetrocknet und darum kein 
BewegungshindernUs. 



212 

Queue der Kaiserlichen Tags vorher um 5 Uhr Abends bereits im 
Rücken hatte. Als der französische Feldherr in genanntem Orte ver- 
nahm, die Armee des Prinzen sei mit einem Ponton-Train ausgerüstet, 
zweifelte er wohl nicht mehr daran, dass Eugen den Adda-Foher- 
gang beabsichtige. Erkennend, dass Gefahr im Verzuge, eilte er mit 
vier Dragoner-Regimentern an die Adda voraus und ertheilte seinem 
Bruder den Befehl, die Armee am 12. nach Bagnolo und am 13. nach 
Agnadello zu führen. 

Noch am 12. hatte Vendöme mit seinen Dragonern Lodi erreicht, 
woselbst er schleunig alle Fahrzeuge auf der Adda sammeln Hess, 
um eine Brücke errichten zu können. Schon am Abende brach der 
selbe abermals auf, und die ganze Nacht marschirend, erreichte er 
Cassano d'Adda, woselbst sich der rechte Flügel der an der Adda 
aufgestellten französischen Truppen befand. Dort wurde gemeldet, der 
Feind habe zwischen Trezzo und Vaprio Sondirungen vorgenommen. 

Aus Vorstehendem erhellt zunächst, dass der Vorsprung, welchen 
die kaiserliehe Armee gewonnen hatte, vollkommen ausreichend gewesen 
wäre, die Adda ohne wesentlichen Kampf überschreiten zu können; 
denn die unter B r o g 1 i e's Commando entlang des Flusses von Cassano 
bis Trezzo aufgestellten französischen Truppen bestanden ursprünglich 
blos aus 4 Bataillonen und 9 Escadronen, welche Macht aber Ven- 
döme am 13. August bereits auf 6 Bataillone und 33 Escadronen 
verstärkt hatte. Aber selbst diese waren, in Rücksicht auf die von 
ihnen zu deckende Flussstrecke keinesfalls ausreichend, der völlig 
massirten Armee des Prinzen den Uebergang zu verwehren. Freilich 
führten die umstände bezüglich des Brückenschlages einen Zeitverlust 
herbei, der einem anderen Feldherrn die ärgste Verlegenheit bereitet 
haben würde. Für den Moment erübrigte wohl Nichts, als die am 12. 
an den Fluss vorgerückte Armee jenseits des Brembo ein Lager 
beziehen zu lassen, so dass der rechte Flügel gegen Trezzo, das 
Centrum in Brembate, der linke Flügel aber jenseits des Torrente 
Brembo aufgestellt war. Schon den nächstfolgenden Tag wusste Eugen, 
dass die französische Armee der kaiserlichen gefolgt und „Vendöme 
mit etlichen Regimentern die Adda passirt und heraufwärts im An- 
märsche sei ')". 

Da es ausser Zweifel stand, dass der Gegner seine Streitkräfte 
gegenüber dem am 12. August gewählten Uebergangspuucte ansammeln 

') Der Plan V r n il .im c's zielte dahin ab, mit den zwischen Trezzo und Cassano 
ir| M ml, n I ruppi 'ii den Uebergang zu wehren, mit dem Reste auf dem liuken Ufer 

dei A,l,l.'i die An des Prinzen in der Flanke zu fassen und gegen der Fuss der Alpen 

au drängen, ohne dabei den unteren Oglio (Tredici Ponti und Genivolta) aufzugeben. 



213 

werde, so durfte Eugen nicht säumen, anderwärts durchzubrechen. 
Er Hess daher nach eingetretener völliger Dunkelheit am Abend des 
13. den Brückentram, die schwere Artillerie, 1000 Grenadiere, 1000 Füsi- 
liere mit den Dragoner-Regimentern Trautmannsdorf und Herbeville 
unter Commando des preussischen General-Major von Stillen fluss- 
aufwarts, und zwar gegen einen Punct marschiren, wo der Feind in 
dem jenseits des Flusses gelegenen Palazzo Paradiso blos ein Bataillon 
aufgestellt hatte. 

Diese Bewegung war es, bei welcher sich der Mangel eines 
eigentlichen Brückentrains am empfindlichsten fühlbar machte. 

Mehrere der mit schweren Flussschiffen belasteten Landesfuhr- 
werke gingen auf dem schlechten Wege völlig in Brüche, und ehe 
man sie durch andere zu ersetzen vermochte, verrann die Zeit, Diese 
.Stunden eines unfreiwilligen Aufenthaltes dürften wohl die Geduld 
des kaiserlichen Feldherrn, der sich bei dein Detachement befand, auf 
die härteste Probe gestellt haben. Nicht in der Nacht, wie dies in 
seiner Absicht lag, sondern erst zwischen 10 und 11 Uhr Vormittags 
des 14. traf die Colonue an dem ausersehenen Uebergangspuncte ein 1 ). 

Als nächste Vorbereitung für den Brückenschlag eröffneten die 
schweren Geschütze ihr Feuer gegen den Palazzo Paradiso, dessen 
Besatzung bald den Posten räumen und sich ausser Schussweite ziehen 
musste. Aber auch an diesem Puncte war die Strömung der Adda so 
rapid, dass es Abend wurde, ehe drei Schiffe mit einiger Stabilität 
verankert waren. 

Ungeachtet dieser Schwierigkeit des Brückenschlages an und für 
sieh, und ohne Rücksicht darauf, dass die Zahl des gegenüberstehenden 
Feindes zusehends sich vermehrte, ja selbst Vendöme mit seinen 
Dragonern „im vollen Ansprengen" bemerkt wurde, Hess Prinz Eugen 
dennoch die Brücke vollenden, was während der Nacht zum 15. 
geschah. Obschon das Terrain am jenseitigen Ufer dem Debouchiren 
der Truppen nicht günstig war, ordnete der Prinz dort dennoch die 
Errichtung eines Brückenkopfes an, was mit einem Verluste von 
30 Todten und Verwundeten, ungeachtet des heftigen feindlichen 
Feuers völlig gelang. 

Bei der zunehmenden Massirung der französischen Truppen vor 
der gewählten Uebergangsstelle, durfte Eugen an eine Forcirung um 
so weniger denken, als dem Gegner das Terrain am jenseitigen Ufer 
grosse Vortheile darbot. Auch in diesem Falle fasste der kaiserliche 
Feldherr den raschen Entschluss, abermals durch ein geschicktes 

') Supplement-Heft Nr. "200. 



214 

Manöver dem Feinde den Vortheil abzugewinnen. V e n d 6 m e's Truppen 

sollten an der oberen Adda so lange festgehalten werden, als die 
kaiserliehe Armee Zeit bedurfte, durch einen Gewaltmarsch an 
günstiger Stelle den Adda Uebergang bewirken zu können. 

Demgeniäss erhielt die bereits im Anmärsche begriffen gewesene 
Armee den Befehl, in's Lager von Brembate zurückzukehren, wahrend 
General-Major von Stillen angewiesen wurde, mit den ihm ursprüng- 
lich beigegebenen Truppen bei der Brücke und im Brückenkopfe zu 
verbleiben, während der Nacht zum l(i. aber erstere alizubrechen, 
das „füglich transportable Brückengeräthe fortzuschaffen", das andere 
„völlig zu zerstören" und dann der Armee nachzufolgen. 

Freilich paralysirten die beiden vergeblichen Uebergangsversuche 
den mühsam errungenen Vorsprung an Zeit in einem Masse, dass 
sich an ein ahnliches drittes Unternehmen kaum denken Hess. V en- 
do nie hatte nämlich auf die erste Nachrieht von Eugens Ueber- 
gangsversuche bei dem Palazzo- Paradiso, alle französischen Truppen, 
welche sich entlang der oberen Adda befanden, bei Cornate (eine 
Meile nördlich von dem Uebergangspuncte der Kaiserlichen) ver- 
sammelt und zugleich dem Grossprior den Befehl gesendet, von dem 
bei Agnadello lagernden Gros 15 Bataillone über die Brücke von 
Cassano d'Adda als Succurs zu detachiren. Der sonach verbliebene 
Rest der französischen Armee sollte derart aufgestellt werden, dass 
der rechte Flügel gegen Rivolta gerichtet, der büke an die Brücke 
von Cassano d'Adda angelehnt und dabei der Naviglio Cremaseo vor 
der Front sei. Obschon bei solcher Position die Adda sieh unmittelbar 
im Rücken befand, hatte diese Verfügung doch insoferne Berechtigung, 
als einerseits der (irossprior gegenüber der allenfalls Adda abwärts 
marschirenden kaiserlichen Armee eine flankirende Stellung einnahm, 
andererseits das Annäherungshinderniss vor der Front für den angün 
stigsten Fall die Gewähr gab. den Rückzug über die Brücke bei 
Cassano d'Adda vollführen zu können. 



Die Schlacht bei Cassano d'Adda. 

Noch am 15. August Abends hatte Prinz Eugen in dem Lager 
von Brembate schleunigst die Vorbereitungen zu abermaligem Auf- 
bruche trotten und diesen mit grauendem Morgen am 16. August in 
grösster Stille bewirken lassen. Der kaiserliche Feldherr besass eben 
viel grössere geistige »Spannkraft, als Vendome bei aller Bewun- 
derung, welche er dem Prinzen zollte, voraussetzen mochte. 

Der Entschluss, die kurze Spanne Zeit zu einem Gewaltmärsche 
zu benutzen, um fiussabwärts bei Lodi über die Adda zu gelangen, 
war gef'asst; über das Wie sollte der Moment entscheiden. Entlang 
der Front des dies- und jenseits des Flusses entwiekelten Feindes 
mnsste Engen .-.ine Armee führen. Da gab es keinen Calcul und 
keine Vorsicht, um dem Unerwarteten auszuweichen oder dasselbe zu 
paralysiren. Des Kaisers Wunsch, die der Agonie nahe austro-savoyische 
Streitmacht zu retten, Hess Eugen jedes Bedenken bei Seite setzen. 
Wagniss musste an Stelle reiflicher Ueberlegung treten. 



Zu richtigem Verständnisse der Sachlage ist es nothwendig, die 
Gegend bei Cassano dAdda und jene Position, welche der Grossprioi 
inne hatte, naher in's Auge zu fassen. 

Kaum dürfte eine Flussstrecke zur Verwehrung eines Uebergangs- 
versuches günstiger gestaltet und beschaffen sein, als es jene bei 
Cassano d'Adda für die Franzosen war. Während das linke Ufer nur 
wenig den Wasserspiegel des Flusses überragt, auch völlig eben und frei 
von Bodenbedeckungen ist. erhebt sieh das rechte, mit seinem Steilrande 
hart an den Fluss abfallend, derart, dass von dort aus die jenseits 
der Adda befindliche Niederung durch Geschützfeuer vollständig be- 
herrscht werden kann'). Erhöht war dieser Vortheil durch das Vor 

') Siehe Tafel Nr. II und 111. 



2i«; 

bandensein der Ortschaften Gropello, Cassano d'Adda, S. Bernardino 
und Albignano auf dem Obertheile des Steilrandes, indem sie ebenso 
viele feste Stutzpunkte darboten. Der wichtigste derselben, Cassano 
d'Adda, hatte überdies ein hefesti^tes Schloss, von dem aus die Adda- 
Brücke unter dem wirksamsten Geschütz- und Kleingewehrfeuer 
gehalten werden konnte. Theils parallel laufende, tlieils hier abzwei- 
gende ('anale, bildeten ein zwei- und dreifaches Annäherungshinderniss. 

Bei solcher Beschaffenheit des Terrains hatte Vendome gewiss 
Dicht daran gedacht, dass Prinz Eugen bei Cassano dAdda einen 
üebergangsversuch wagen werde. Die Aufstellung des Grrosspriors auf 
dem linken Flussufer geschah in der Absicht, jedem anderweitigen 
Uebergangsversuche der Kaiserlichen rasch begegnen zu können. 

Aber gegen die stricten Weisungen hatte Ven dorne's Bruder 
sämmtliche Truppen in jenen Abschnitt im Terrain zusammengedrängt, 
welcher im Osten durch den Canal Ritorto und durch die von ihm 
sich abzweigenden Wasserläufe begrenzt ist. Mit solchen Hindernissen 
vor der Krönt glaubte sieh der Grrossprior geschützt gegen einen Angriff, 
vergessend, dass nicht strenge Defensive, sondern ein Hervorbrechen 
zu rechter Zeit und am rechten < >rt die ihm gestellte Aufgabe war. 
Freilich bildete die Configuration der Canäle mit den von ihnen ein- 
geschlossenen Inseln gewissermassen einen grossen natürlichen Brücken- 
kopf, welcher um so vortheilhafter schien, als die Inseln, vornehmlich 
am Wasserrande, mit dichtem Aukolz bewachsen waren und den Frau 
zosen die gedeckte und verdeckte Aufstellung gestatteten; während 
vom linken Ufer aus jede Annäherung in völlig freiem und offenem 
Terrain erfolgen musste. Der Canal Ritorto, in Folge seiner Breite 
und Tiefe, nur auf wenigen Brücken und Stauschleusen passirbar, 
deckte den linken Flügel. Noch mehr geschützt war der rechte. Von 
den beiden hintereinander gelegenen Canälen Cremasca und Pandina 
Hess namentlich der letztere ein Durchwaten nicht zu. Wie erwähnt. 
hatten die Franzosen schon im Frühjahre Verschanzungen angelegt, 
unter denen die Brückenköpfe, welche die beiden Brücken über die 
Adda und Muzza deckten, die wesentlichsten waren. Nicht minder 
hatte der Grrossprior die nordöstlich der ersten Brücke gelegene 
Casine, die einen nicht unwesentlichen Stützpuncl bildete, durch 
Crenelirung der Mauern u. s. w. zu hartnäckiger Vertheidigung vor- 
bereiten lassen. 

AU' dies steigerte das Sicherheitsgefühl; aber das Zusammen- 
drängen grosser Streitmassen und des gesammten Trosses einer Armee 
auf einem verhältnissmässig schmalen Terrainabschnitte mit einem tiefen 
und reissenden Flusse unmittelbar im Rücken, der nur über ein schmales 



217 

Brücken-Defile passirt werden konnte, entsprach sicherlich nicht den 
Absichten Vendöme's und ebensowenig den Grundsätzen der Krieg 
führung. Den Beweis dafür geben die Ereignisse bei Cassano d'Adda. 



In der Absieht, auf Lodi zu marschiren, führte Prinz Eugen 
seine Armee in zwei Colonnen, deren rechte aus der Reiterei, die linke 
aber aus der Infanterie bestand, gegen Treviglio. Dort traf seine vom 
General-Quartiermeister Baron Riedt befehligte Vorhut auf feindliche 
Fourageurs. von denen ein grosser Theil niedergehauen, ein anderer 
nebst vielen Pferden und Maulthieren gefangen genommen wurde. 
Während dieses Vorspieles reifte rasch der Entschluss zu entscheidender 
That, denn von den Gefangenen kam die wichtige Kunde, ihr (Jrnss 
prior stehe „mit etlichen und 20 Bataillonen und 30 Escadronen diesseits 
der Adda vor Cassano hinter einem impracticablen Canal". 

Daraufhin liess Prinz Eugen die Bewegung auf der „grossen 
Strasse in die kleine zwischen Treviglio und Cassano" fortsetzen und 
dann seine Armee in Schlachtordnung folgendermassen formiren : 





I. Treffen. 




Linker Flügel. 


Mitte. 


Rechter Flügel, 


GL. Prinz von 


FZM. Baron Bibra; 


G. d. C. Grat von 


Anhalt; 


FML. Graf v. R e v e n 1 1 a u 


; Leiningen. 


FML. v. Kronau; 


GWM. von Stillen: 




GWM. Graf von 


Harsch; Prinz von 


GWM. Prinz von 


Roccavio n e. 


Württemberg. 


Loth ringe n. 


Wartemsieben . 3 Esc. 


Gschwind . . j 


Herbeville . . 4 Esc. 


Du Portail . . 3 „ 


Lothringen . . [4Bat. 


Savoyen . . . 3 ,, 


Dannstadt . . 3 ,, 


D'Arnan . . . | 


Roccavione . .4 „ 


Falkeusteiu . . 4 „ 


Herberstein . . I 


Vehlen . . .3 „ 


Vaubonne. . . 1 


Königsegg . . | . 

Max Starhem b. | 


Neuburg ... 4 ., 


Trautmannsdorf 4 „ 


18 Esc. 


18 Esc, 


, Kriechbaum . . J 
Sachs. -Meiningen 2 ,, 
Bagni .... 1 
Regal . . . . ( " 










Canitz. . . . 2 „ 






Prinz Anhalt . 2 „ 






Prinz Ludwig . 2 „ 






Prinz Philipp . 2 „ 





54 Bat. 



218 



II. 



( renei-al-Feldmarschall-Lieutenant Graf von Guttenstein. 

GWM. Baron von GWM. Zum Jungen; FML. Marchese 

Panewitz. GWM. Baron Wetzel; Visconti; 

GWM. Bann, GWM. Baron von 

[sselbach. Falkenstein. 



Sonsfeld 
Martigny 
Visconti 
Pälffy . 
Sereni . 



4 Esc 
3 „ 
.3 „ 



Reventlau 

Württemberg 

„ Isselbach . . . 

„ Harrach . . . 

.. Wallis. . . . 

Esc. Andrässy . 

Batthyanyi . 

Dann ... 

Guido Starhemb 

Zum Jungen . 

Guttenstein . , 



2 Bat. Sinzendorf 



Leiningen 
Hatzfeld . 
Lothringen 



19 Bat.' 



Prinz Eugen verfügte sonach am 16. August 1705 über 
43 Bataillone und 66 Kscadronen -). I Meson standen ursprünglich die 
erwähnten 20 Bataillone und 30 Escadronen gegenüber. Der Heimzog 
von V e n d 6 m e war auf die Kunde von der Bewegung der Kaiser- 
lichen gegen Cassano im Laute des Vormittages daliin geeilt und hatte 
gleichzeitig Befehl ertheilt, die Hussaui'warts detachirten 4 Dragoner 
Regimenter und die vom <iross|>rior entsendeten 15 Bataillone wieder 
zur Armee zu führen. 

Jenu Truppen, welche vorläufig verfügbar waren, ordnete der 
franzosische Feldherr zum Kampfe, um die in Schlachtordnung sich 
entwickelnde kaiserliche Armee hinter den natürlichen Deckungen 
und Annäherungs-Hindernissen zu erwarten. 

Beide Feldherren wussten, dass von dem bevorstehenden blutigen 
Ringen die Entscheidung der Campagne 1705 in Ober-Italien abhängig 
sei, und darum setzten Beide ihr Bestes ein, den Sieg zu erringen. 

[n der Mittagsgluth des l(i. Augusl entbrannte die Schlacht nicht 
weniger heiss, als der Hochsommertag. 



') Kriegs-Archiv, 1705; Fase. VIII. 
-| Die an der oberen Ad. Im unter G 
an der Schlacht nicht betheiligt (K 



24. 



u-ückgelass 
VIII 25, 



219 

Ge^-en 1 Uhr Nachmittags setzte sich die zum Angriffe formirte 
kaiserliche Armee in Bewegung und schon in der nächstfolgenden 
halben Stunde geriethen die beiden Gegner aneinander. 

Auf dem rechten Flügel der Streitmacht E u g e n's führte 
G. d. C.Grat' Leiningen die ihm anvertraute Colonne zum Sturme 
auf die Brücke vor, nachdem ziemlich anhaltendes Geschützfeuer vor- 
bereitend gewirkt hatte. Dieser erste Anprall war so vehement, 
dass die gegenübergestandenen acht französischen Grenadier- Com- 
pagnien sannnt ihren Reserven von der Brücke und dem nahe 
befindlichen Gebäude zurückgedrängt und gegen den Brückenkopf 
geworfen wurden. In diesem beeilten sich die gallospanischen Truppen 
die Zugänge durch Trainfuhrwerke zu verrammeln; aus dem Stütz 
punete drangen neue französische Bataillone hervor und gewannen 
in hartem Kampfe das erwähnte Gebäude und die Ritorto - Brücke 
wieder, und abermals schied ein tiefer und breiter Wasserlauf die 
gallospanischen von den kaiserlichen Truppen. 

Bei dem ersten Vorstürmen Leininge n's hatte man es nicht 
verabsäumt, die obere Ritorto-Schleuse zu schliessen, um die Wasser 
tiefe zu vermindern, da aber die vorbrechenden französischen Reserven 
dieselbe rasch wieder öffneten, so ertranken viele jener kaiserlichen 
Soldaten, welche abseits der Brücke auf den linken Rand des (anales 
zu gelangen trachteten. 

Nach solch gelungenem und im entscheidenden Momente ver- 
eitelten Versuche gegen den französischen linken Flügel, bedurfte die 
Vorbereitung eines abermaligen Angriffes ein gewisses Mass von Zeit. 
Gegen 2 Uhr Nachmittags sandte Eugen zwei neue Colonnen vor. 
Line durchwatete den ('anal Kitorte, die andere erstürmte abermals 
die schon gewonnene und wieder verlorene Brücke. 

Schwierig war die Entwicklung der über das schmale Brücken- 
Defile vordringenden Colonne und ebenso misslich gestaltete sich die 
Sachlage für jene, welche den Ritorto durchwaten musste. Der Angriff 
war fast nur mit der blanken Waffe möglich, denn die Munition, völlig 
durchnässt, versagte den Dienst. 

Das feindliche Feuer vom rechten Ufer der Adda und der 
Widerstand der Gallospanier auf der Ritorto-Insel nöthigte die beiden 
Golonnen, bis an den rechten Rand des ('anales zurückzugehen 5 doch 
wurde derselbe standhaft behauptet. In dem Hagel der französischen 
Geschosse fiel hier C. d. C. Graf Leiningen und sein ehrenvoller 
Tod auf dem Schlachtfelde gibt Zeugniss von der höchsten Aufopferung 
jenes kaiserlichen Generals, der bei Beginn des Jahres 1705 mit dem 
redlichsten Willen die Schwierigkeiten nicht zu besiegen vermochte, 



220 

die sich bis zum Eintreffen Eugen's bei der An mehr and mehr 

aufgethürml hatten, und für deren Bewältigung selbst derPrinz sein 
Bestes einsetzen musste. 

Längeres Verweilen in der dem heftigsten Feuer ausgesetzten 
Aufstellung bei der Ritorto-Brücke hiess sieb selbst der Vernichtung 
anheimgeben. Begeistert durcb E u g e n's Gegenwart, drangen die Kaiser- 
lichen zum dritten Male mit solchem Ungestüm vor, dass eine fran- 
zösische Dragoner-Abtheilung auseinanderstob und in eiliger Flucht 
ihr Heil suchte. Nur Wenigen davon gelang es, von den Pferden zu 
springen und in Gebüschen sich den Verfolgern zu entziehen. 

Von diesem Momente an drangen mehr und mehr Kaiserliche 
jenseits des Ritorto vor, welche sich zum Gefechte entwickelten. Was 
ihnen von den Gallospaniern in den Weg trat, ward niedergemacht, 
ja einige französische Abtheilungen, in die Adda geworfen, fanden 
in den Fluthen den Tod. 

Auf dem linken französischen Flügel war der Brückenkopf das 
wichtigste Angriffsobject. Der mit Heldenmuth unternommene Sturm 
der Kaiserlichen scheiterte an der Zähigkeit des Widerstandes. Unter 
schweren Verlusten hatten dieselben die zur Verstärkung aufgefahrene 
Wagenburg hinweggeräumt und die Palissaden im Graben und auf der 
Berme beseitigt. Ja ein Theil der Grenadiere erklomm sogar die Brust 
wehre, dort das kaiserliche Banner aufpflanzend. 

Solch' ein Beispiel riss die nachfolgenden Truppen zur Nach- 
ahmung hin. Eine zweite Abtheilung hatte schon das Sperrgatter an 
der Chaussee in Trümmer geschlagen und stand im Begriffe, an dieser 
Stelle den Weg in das Innere des Brückenkopfes für die Nachfol- 
genden zu bahnen. Von dem Gewinne des Brückenkopfes hing das 
Schicksal der Armee Vendöme's ab. Dieser, ebenso wie Eugen es 
begreifend, dass schon der nächste Momenl zu einer Katastrophe führen 
könne, belebte, gleich dem kaiserlichen Feldherrn, durch das per- 
sönliche Beispiel des Muthos die sinkende Spannkraft seiner Truppen. 
Kings um ihn häuften sich auf engem Räume die Leichen, denn der 
Kampf hatte sich zu einem Morden gestaltet. Die Gallospanier wussten, 
dass es für sie nur die Wahl zwischen Ausharren in dem Brücken- 
köpfe oder der Vernichtung in den Fluthen der Adda gäbe. 

Während dieses kritischen Momentes bewahrte der französische 
Feldherr so viel kaltes Blut, dass er der eingerissenen Unordnung 
zu steuern und von Cassano Unterstützungen heranzuziehen vermochte 
Die ausserhalb des Brückenkopfes zusammengedrängten Truppen 
des kaiserliehen rechten Flügels standen in dem wirksamsten Feuer 
der den Brückenkopf dankirenden französischen Geschütze. Ganze 



221 

Reihen wurden niedergeschmettert und mit dem Eintreffen der gallo 
spanischen Verstärkungen aus Cassano schwand die Möglichkeit, des 
Brückenkopfes Herr zu werden. 

Die Fruchtlosigkeit des Aufwandes von so viel todesverachtender 
Tapferkeit rindet zunächst ihre Erklärung in dm Vorgängen auf dem 
kaiserlichen linken Flügel. Doch auch ohne Rücksicht auf dieselben 
wäre das Schicksal der von Ven dorne befehligten Armee besiegelt 
gewesen, wenn die Eroberung der Brückenschanze gelungen wäre. 
Immerhin alier hätte der Erfolg auch bei den vom Prinzen von Anhalt 
geführten preussischen Truppen unmittelbar auf jenen des kaiserlichen 
rechten Flügels zurückgewirkt. 

Den Intentionen Eugen's gemäss sollte der Prinz von Anhalt 
gleichzeitig mit dem rechten Flügel die Vorrückung gegen den ("anal 
Cremasca beginnen und den Gegner aus dem ersten Terrainabschnitte 
zurückwerfen. Dieser Angriff wahrte längere Zeit, weil einem Theile 
der preussischen Truppen bei Durchsetzung des ('anales Cremasca 
die Munition nass und somit unbrauchbar geworden war. Die gallo- 
spanischen Bataillone, welche die Unmöglichkeit der Unterstützung 
durch das Feuer bemerkten, setzten sich wiederholt zur Wehre und 
auch hier konnte nur der Angriff mit der blanken Walle sie zum 
Verlassen des ersten Abschnittes nöthigen. 

Nach Ueberschreitung desselben, was nicht ohne erheblichen 
Verlii-t geschehen konnte, hatte der preussische General Hülsen 
sechs brandenburgische Schwadronen über die Brücke beiderCasine 
dei Poveri vorgesendet, um die in dem Terrainabschnitte sich befin- 
denden gallospanischen Bataillone zu vertreiben. Die Attaque gelang, 
doch die alsbaldige Gegenwirkung französischer Reiterei, unterstützt 
durch mörderisches Musketenfeuer, nöthiffte die Brandenburger zum 
Rückzuge. 

Im Centrum wogte der Kampf in ähnlicher Weise. Prinz 
Anhalt hatte die Cremasca und Pandina mit Truppen überschritten, 
ungeachtet ein nicht geringer Theil derselben in dem Wasser seinen 
Tod fand. Ein Erstürmen der Brücken- Derileen und das wiederholte 
Zurückdrängen charakterisirt den Verlauf der Schlacht am linken 
Flügel und im Centrum der kaiserlichen Armee. Diese mussten daher 
zurückbleiben, während der rechte bereits entschieden an der Schwelle 
des Sieges stand. 

Obschon es gelungen war, den Abschnitt zwischen den Canälen 
Cremasca und Pandina völlig vom Feinde zu säubern, so hatte selber 
doch nach dem Rückzuge die über letztgenannten Wasserlauf führenden 
Brücken zerstört. Jene Muthigen, die „aus allzuun^-er Begierde zum 



222 

Fechten", I es war dies keine geringe Zahl 1 ), sich in den ''anal 

Pandina stürzten, fanden ausnahmslos darin ihr Grab. Die Tiefe des 
Wassers Hess jeden Feber<;'ani;'syersuch silnit < -rn. 

Abgesehen von der durch natürliche Bindernisse äusserst .starken 
Stellung des französischen rechten Flügels, war auch die Eauptkrafl 
Vendöme's dori versammelt. Hätten die Truppen des Prinzen von 
Anhalt, anstatt über die wenigen vorhandenen Brücken-Defileen, 
gleichzeitig an mehreren Puncten beiderseits derselben, durch Errich- 
tung von Brücken in stärkeren Colonnen auf dein jenseitigen Ufer 
anlangen können, so war auf allen Theilen der Sieg /.weifellos errungen. 
Nicht die Anstrengung weniger Todesmuthiger , sondern nur der 
Druck der Massen kennte die Entscheidung herbeiführen. 

Während Prinz Anhalt drei volle Stunden sich abmühte, das 
Hinderniss zu bewältigen, musste Eugen den rechten Flügel dem 
heftigsten feindlichen Feuer aus dem Brückenköpfe und aus dem 
< iastelle Preis geben. 

Zwischen Hoffen und Fürchten verrann die Zeit, und mit ihr 
musste sich von Minute zu Minute der Vortheil verringern, welchen 
Eugen seinem Gegner abgewonnen hatte. 

Die Adda aufwärts detachirl gewesenen Truppen Vendöme's, 
wenngleich sie in Folge des angestrengten Marsches nur nach und 
nach auf dem Schlachtfelde einzutreffen vermochten, erhöhten doch 
die Widerstandskraft der gallospanischen Armee. War Prinz von 
Anhalt ursprünglich durch den ('anal Pandina allein am Vor- 
dringen mit dem linken Flügel der kaiserlichen Armee gehindert, so 
kam später die entschiedene üebermacht des französischen rechten 
Flügels hin/u und die Möglichkeit des Durchbruches musste schwinden. 

Jici einem letzten verzweifelten Versuche, den rechten Flügel 
gegen den feindlichen Brückenkopf vordringen zu lassen, erhielt der 
kaiserliche Feldherr einen Streifschuss am Halse. Wenngleich auf der 
Wahlstatt ausharrend, übertrug er doch den Oberbefehl an FZM. Baron 
Bibra. 

An eine folgenreiche Entscheidung war nunmehr keinesfalls zu 
denken. Ueber dem grossen Leichenfelde kündete sich die Nacht mit dem 
Dämmerlichte an und der grosse Feldherr musste einem Kampfe das Ziel 
setzen, der fortan fruchtlos geblieben wäre. Er Hess auf der ganzen 
Schlachtlinie das Feuer einstellen und die Truppen des rechten Flügels 
über den ('anal Ritorto, jene des linken Flügels direct gegen Treviglio 
marschiren. An keinem Puncte der Front der kaiserlichen Armee 



223 

wagten die gallospanischen Truppen einen Vorstoss und ganz unbe- 
helligt konnte der Rückmarsch erfolgen. 

Im Angesichte jener Wahlstatt, auf welcher 1705 die kaiserliche 
Armee mit bewunderungswürdigem Eeldenmuthe gestritten und Prinz 
Eugen eine der schönsten Blüthen seiner Energie und seines Kampf 
muthes entwickelt hatte, wurde dicht vor (westlich von) Treviglio das 
Lager bezogen. 

Dadurch, dass der rechte Flügel an die Chaussee von Treviglio 
nach Cassano d'Adda, der linke an Oalvenzano gelehnt und die 
Front durch den Naviglio gedeckl war, hatte sieh der kaiserliche 
Feldherr die Freiheit zu fernerer Offensive gesichert. 

Kaum kann ein Feldherr seiner Armee eine grössere Anerken- 
nung zollen, als dies Prinz Eugen that: „Es ist nicht zum Beschreiben, 
was für ein "grosses Feuer, dergleichen ich noch niemals gesehen, beider- 
seits und ohne Aufhören gewesen sei. Es konnte dieses aber nicht 
so stark und gross sein, als tapfer und unglaublich die ganze hier- 
seitige kaiserliche und alliirte Armee von den Obersten bis zu dem 
Niedrigsten gefochten hat; Es erfordert also meine »Schuldig- 
keit, Euer kais. Majestät selbe sämmtlich und sonders höchst löblich 
anzurühmen ')." 

Noch beredter als diese herrlichen Soldatenworte sprechen die 
beiderseitigen Verluste an diesem für die Ehre der kaiserlichen Watten 
so ruhmvollen Tage. 

Die Einbusse der Franzosen hisM .-ich nicht feststellen, wird aber 
folgendermassen gekennzeichnet; „notre perte qui n'est pas ä beau- 
coup pres si cousiderable quo eelle des ennemis" '). 

Von den Kaiserlichen blieben auf der Wahlstatt: G. d. C. Graf 
von Leiningen, der preussische Obrist de Schenoy, < »brist 
Willstorff und Obristlieiitenant Kopenhagen des Regimentes 
Württemberg: die Majore: Kon not de Sc eile (vom Regiment Max 
Starhemberg), Baron Geraldin (vom Regiment Zum Jungen), D'Uprez 
(vom Regiment Neuburg) ; die Hauptleute : Baron von Go vi r y (Reventlau), 
Drescher (Max Starhemberg), Pöll, Baron von Königsegg, 
Magaulli von Gallery (Königsegg), Fornay, Candia, Neu 
mann (Zum Jungen); Suppehann, Bardwigvon Halberstadt 
(D'Arnan), Wella, Schickling, Mincko, Schmid, Backhoffen, 
Burghardten (der königlich preussisehen Infanterie); der Rittmeister: 
Jondoville (von Herbeville) ; von den Lieutenants, Fähndrichs, 
Unterofficieren und Gemeinen der kaiserlichen Infanterie 1144 Mann; 

') Supplement-Heft Nr. 200, 201, 202, 203, 204. 
2 ) Pelet, Turne V, pag. 332. 



224 

von der preussischen Infanterie 612 Mann; von der churpfälzischen 
[nfanterie lo:> Mann; von der kaiserlichen Cavallerie 45 Mann, 
von der preussischen Cavallerie 1 Mann, von der churpfälzischen 
Cavallerie 4 Mann. 

Unter den Verwundeten waren: der Prinz Eugen von Savoy en 
(am Halse, doch nicht gefährlich); der Prinz Joseph von Loth- 
ringen, welcher anmittelbar nach der Schlacht seine Heldenseele 
aushauchte 1 ), FML. Graf Reventlau; GWM. Prinz Alexander von 
Württemberg; GrWM. von Harsch; 1 Obrist, 4 Obristlieutenants, 
26 Hauptleute und 1220 Mann der kaiserlichen Infanterie vom Lieu- 
tenant abwärts; 1 Obrist, 1 Obristwachtmeister, 3 Kittmeister und 
100 Mann der kaiserlichen Reiterei, 8 Hauptleute, 475. Mann der 
preussischen und 2 Hauptleute, 166 Mann der churpfälzischen Infan- 
terie; 8 Manu der preussischen und 10 Mann der churpfälzischen 
( lavallerie. 

Mit Einschluss der Vermissten betrug der Gesammtverlust der 
kaiserlichen Armee 3989 Mann *). 

Zu beklagen war auch der Tod des FZM. Baron von Bibra, 
welcher am 25. August krank nach Bergamo gebracht wurde, wo 
er bei seinem Eintreffen den Geist aufgab. Prinz von Anhalt Hess 
sieh am 27. August wegen „gähling zugestossener hitziger Krankheit-' 
nach Brescia bringen 3 ). 



Der blutige Waffengang vor Cassano d'Adda am 16. August 1705 
zwischen der kaiserliehen und gallospanischen Armee ist eine von 
jenen denkwürdigen Schlachten, in denen es zu keiner unmittel- 
baren Entscheidung kam. Unbestreitbar hatte Prinz Eugen den 
stets am schwierigsten anzuwendenden militärischen Grundsatz: ..den 
wichtigsten und dabei richtigen Moment zu erfassen, in welchem sich 
der Gegner in dem Zustande temporärer Schwächung befindet, um 
ihn anzufallen und dadurch den Vortheil der relativen Uebermacht 
zu gewinnen", in einer Weise geltend gemacht, die als hervorragendes 
Beispiel in den Annalen der Kriegsgeschichte zu leuchten bestimmt 
ist — namentlich wenn man sich alle Umstände vor Augen hält, unter 
denen Eugen die Schlacht suchte. 



*) Die irdischen 1'rlirrri'sti- uiinlru nach Innsbruck gebracht und dort be 
setzt (Innsbruck«.'!' Statthalterei-Archiv, August 170.«)). 

2 | Kriegs-Archiv, Italien, 1705; Fase. VIII. 25. (Verlustliste.) 
'l Supplement-Heft Nr. 813, 



225 

Der Rückmarsch von der Uebergangsstelle an der oberen Adda 
(gegenüber des Palazzo Paradiso) geschah nur. um dem Zusammenstosse 
mit dem überlegenen Feinde auszuweichen. Ohne Kampf sollte bei 
Lodi die Adda übersehritten werden, um möglichst ungeschwächt 
nach Pienmnt Hülfe zu bringen. Währenddem aber erkannte der 
kaiserliche Feldherr die gefährliche Position, in der sieh der Gross- 
prior befand und im gleichen Momente war der Entschluss zu kühner 
That gefasst. Gleich in den ersten Stunden der Schlacht errang der 
kaiserliche rechte Flügel die Oberhand; ja ein Theil der Gallospanier 
ward in die Fluthen geworfen. Konnte zu dieser Zeit auch der linke 
Flügel in gleichem Masse vordringen, so eilte Vendome's Armee 
einer Katastrophe entgegen. 

Nicht des Prinzen von Anhalt, und noch viel weniger Eugen's 
Schuld war es, dass die Preussen zurückblieben: ein natürliches Kinder- 
niss. zu dessen Bewältigung die Mittel fehlten, that dem Siegeslaufe 
Einhalt. 

Durfte der kaiserliche Feldherr das primitive und unzulängliche 
Brückengeräthe bei seinem Marsche gegen Lodi mit sich nehmen? Der 
beim Palazzo Paradiso errichtete und vom General Stillen bewachte 
Uebergang war ja das einzige Mittel, einen wesentlichen Theil der 
französischen Armee an der oberen Adda zur Gewinnung eines Zeit- 
vorsprunges festzuhalten l ). 

An diesem Umstände allein scheiterte Eugen's Erfolg bei Cas- 
sane d Adda. In der Frist, während welcher Prinz von Anhalt I" ätrebl 
war, das jenseitige Ufer des Canals Pandina zu gewinnen, kennten 
und mussten die an die obere Adda detachirt gewesenen gallospanisehen 
Bataillone auf dem Wahlplatze eintreffen. Dadurch aber verringerte 
sich von Minute zu Minute der Vortheil, welchen Prinz Eugen dem 
Herzog von Vendöme abgewonnen hatte. Welchem Schicksale wäre 
Ludwig XD7. Armee in Ober-Italien entgegengegangen, wenn der, 
Grosspriors Streitkräfte in der Zeit der temporären Schwächung 
gleichmässig auf beiden Flügeln zurückgeworfen werden konnten? Mit 
dem einzigen schmalen Brücken-Denle. im Rücken, gab es kaum einen 



'l An in'i-rr Voraussieht der Dinge, die da kommen würden, hatte es wahrlich 
nicht gemangelt. Durch eine erkleckliche Anzahl von Actenstücken ist erwiesen, dass 
Prinz Eugen, der Hofkriegsrath und selbst der Kaiser vergebens »ich abmühten, der 
Armee iu Ober-Italien den so unentbehrlichen Brückentrain zu verschaffen. Selbst das 
von Joseph I. persönlich au den Markgrafen Ludwig von Baden gestellte Ansinnen, 
wenigstens einen Theil der ledernen Pontons an Eugen zu überlassen, blieb erfolg- 
los. Im Besitze der letzteren, wäre der Canal Pandina kein Bewegungshinderniss 
gewesen, 

FeldzUge des Prinzen Eugen v. Savoyen. VII. Band. 15 



22«; 



Rückzug, und mit solch' partieller Niederlage wäre auch jene der an 
die obere Adda detachirten Truppen besiegeli gewesen. 

Wenn Prinz Eugen berichtet: „der Tag war glorios" und ferner: 
„thue congratuliren, dass Gott der Allmächtige denen gerechten Waffen 
diesen so glücklichen Success verliehen - ', so übei-trug er in gewohnter 
Selbstlosigkeit den Ruhm auf des Kaisers Armee, die ihres Feldherrn 
sich völlig würdig erwiesen hatte. 

Eugen's Genie aber erscheint in um so hellerem Lichte, als 
er an der Adda einen Gegner zu bekämpfen hatte, der es an militäri- 
schem Tacte und an Energie gewiss nicht fehlen Hess. Vendöme's 
Thatkraft dient eben als Folie zu dem erhabenen Geiste des kaiser- 
lichen Feldherm. 



Eugens fernere Operationen bis zum Schlüsse der 
Campagne in Ober-Italien. 

Bei einer an und für sich numerisch schwachen Armee, wie 
es jene war, welche Prinz Eugen nach Piemont führen sollte, musste 
ein verlustreicher Kampf momentan lähmend einwirken, d. h. sie 
für einige Zeit der Fähigkeit zu ferneren Offensiv-Unternehmungen 
berauben. 

Zunächst war es die im Verhältnisse zum Ganzen gewiss be- 
deutende Einbusse an Todten und Verwundeten. Letztere und 
die Kranken in einer Gesammtzahl von nahezu 6000 mussten zur 
Hälfte nach Tyrol geschafft werden. Eugen verfügte sonach blos 
über 10.000 Mann Infanterie und 3500 Reiter, denen es überdies an 
Proviant gebrach '). 

Aber ungeachtet eine wesentliche Verstärkung bei der allgemeinen 
Constellation sowohl im Reiche des Kaisers, als bezüglich seiner Ver- 
bündeten nicht in Aussicht stand, gab Eugen dennoch die Hoffnung 
nicht auf, die Adda überschreiten, eventuell dem Herzoge von Savoyen 
Hülfe bringen zu können 2 ). Die erste Sorge richtete sich auf eine 
gesicherte Verpflegung und es wurden zu Treviglio und Caravaggio 
Feldbäckereien errichtet. Der Prinz Hess ferner Fahrzeuge requiriren 
und selbe bei Vailate auf dem Naviglio ansammeln, die Recognoscirung 
der Adda vornehmen, endlich die Strasse nach Vailate in benutz- 
baren Stand setzen. Der kleine Krieg und grössere Streifungen hielten 
sowohl den Feind, als die eigenen Truppen in Athem. 

Schon in den ersten Tagen des September kam von Deserteuren 
und Kundschafts-Parteien die Nachricht, dass sich der Feind verschanze 



') Supplement-Heft Nr. -J15. 

'-) Supplement-Heft Nr. 218, 220. 



228 

und die Arbeit „stark prosequiren lasse, wiewohlen er zwischen den 
Canälen in einer solchen Situation postirl ist, dass er an sich Selbsten 
der Natur aach bedeckt wäre ' i". 

Dies entsprach den Thatsachen. Vendöme hatte am 20. August 
seine Armee nach Rivolta geführt, weil dorl Gräben and Canäle das 
Lager vollkommen schützten 2 ). Die Fron! desselben war durch die 
Cremasca gedeckt, der rechte Flügel stutzte sich an Agnadello, der 
linke an die Adda. Es waren an diesein Puncte gegen 22.000 Mann 
(45 Bataillone, 66 Escadronen) versammelt. Von dieser Position aus 
glaubte Vendome dem PrinzenEugen sowohl gegen die Adda, als 
gegen den unteren Oglio (eventuell einen Versuch, den Po zu über- 
schreiten) vollkommen Schach bieten zu können, um so mehr als er 
die Furten der Adda bei Cassano, Trucazzano, Cornegliano, Comazzo, 
Spino und Galgagnano bewachen und Vorkehrungen treffen liess, welche 
die Verminderung der Stauwasser in den < 'analen durch Oeffnung der 
Schleusen von Seite der Kaiserlichen verhinderten. 

Sowie Prinz Eugen aus Mangel an hinreichenden Streitkräften 
auf eine Entscheidung verzichtete, ebenso kennte der französische 
Feldherr sich nicht entschliessen, eine selche fortan zu suchen; auch 
in seiner Armee verminderten Krankheiten und Desertion zusehends 
die Zahl der Streitbaren. Ueberhaupt mangelte in dem französischen 
Hauptquartier jener Klau und jene Einigkeit, welche die Triebfedern 
zur militärischen Action sind. Es wurden vom französischen Hefe 
bestimmte Weisungen für das fernen' Verhalten nachgesucht, und 
allein ächon darin liegt der Beweis, dass der französische Feldherr die 
Zuversicht auf ^unsti^en Erfolg ein<^el>üsst hatte. 

Die nächsten Vorkehrungen, welche derselbe traf, bestanden in 
der Detachirung von Truppen an die Adda und an den unteren Oglio. 
Erstgenannter Fluss wurde mit 6 Bataillonen und 9 Escadronen besetzt, 
und 2 Bataillone rückten nach Tredici Ponti, 300 Füsiliere und 100 Reitet 
aach < Istiano. Die bisher in Castiglione delle Stiviere verbliebenen 
Truppen wurden, bis auf 240 Mann, naher an den < »glio gezogen. Die 
Befestigungen aber, welche man neuerdings vor dem französischen 
Lager vornahm, deuteten darauf hin, dass eine strenge Defensive in 
Absicht liege. 

Dem Prinzen Eugen, welchem vor Allem darum zu thun war. 
auf die eine oder die andere Weise nach Piemont zu gelangen, von 
wo aus die llülferufe so dringend kamen, musste ein Versuch, über 



') Ki iegs A i -eln\ . Italien; t'asc 
-i Supplement-Heft.Nr. 22. 



229 

den Po zu gelangen, sein- nahe liegen'). Als erstes und nächstes 
Hinderniss bei einem solchen Vorhaben standen Genivolta und Tredici 
Ponti im Wege. 

Ohne dass im kaiserlichen Lager die Absicht ruchbar wurde, 
erhielt am 13. September &WM. Graf von Königsegg den Befehl, 
mit 1000 Mann zu Fuss, 200 Grenadieren und 200 Pferden (letztere 
unter Commando des Obristlieutenant St. Amour) sieh für drei Taue 
mit Proviant zu versehen und zwei Stunden vor Eintritt der Dunkelheit 
aufzubrechen. Am 14. wusste man wohl, dass die Richtung- des Deta 
chements gegen Soucino genommen worden sei; über den Zweck der 
Expedition alier kam Niemand iu's Klare. 

Graf Königsegg hatte den ihm vom Prinzen Eugen persönlich 
ertheilten Instructionen gemäss direct auf Genivolta vorzurücken, 
um diesen Punct, sowie Tredici Ponti in seine Gewalt zu bekommen*). 
Leider war das Detachement wahrend der Nacht zum 14. durch den 
Wegweiser irregeführt und in Folge dessen gezwungen worden, auf 
Soucino zu rücken. Dies geschah in der Absicht, den Gegner über 
den eigentlichen Zweck der Expedition zu tauschen. 

In dieser peinlichen Situation musste Eugen vor Allem ins 
Klare kommen, ob Vendöme die Absicht bereits errathen und 
Gegenmassregeln getroffen habe. Die am 16. von Treviglio gegen 'las 
französische Lager entsendeten Parteien trafen nirgends auf Truppen 
und meldeten, dass der Feind sieh in seinem Lager „dermassen bei- 
sammen halte, dass von Ihme nichts herauskomme 3 )". 

Auf den am 17. eingetroffenen Bericht alier, ..der Feind habe 
1000 Mann zu Fuss und so viel zu Pferd gegen Tredici Ponti abge 
schickt", liess Eugen den Grafen Königsegg durch einen Expressen 
verständigen, und es wurde sogleich „Obristlieutenant Spien vi mit 
den Huszareu und 100 deutschen Pferden" als Soutien nachgesendet. 

Die Sachlage am unteren Oglio, wo Königsegg die Vor 
kehrungen des Feindes bei Genivolta und Tredici Ponti ganz anders 
fand, als dem kaiserlichen Feldherrn durch Kundschafter berichtet 
worden war, veranlassten den General, an den Rückweg zu denken, 
nachdem er von den aus dem französischen Lager entsendeten \ er 
Btärkungen Kenntniss hatte. 

Von dem Schicksale des Detachements blieb Eugen bis zum 18. 
völlig im Unklaren, und erst an diesem Tage kam die Nachricht: „Graf 



') Supplement-Heft Nr. 232, -2 1 1 . 

-I Kriegs-Archiv, Italien; Pasc. XIII. 1/63 (Suppleraent-He 

'i Snpplement-Heft Nr. -_>43, Hl. 



230 

Königs egg wäre bei der Recognoscirung von Tredici Ponti durch 
eine Musketenkugel blessirt worden." 

Dieser Versuch, in den Besitz der beiden wichtigen Puncto am 
Oglio zu gelangen, war missglückt und hatte unmittelbar eine grössere 
Anzahl von Gefechten zwischen kleineren Parteien im Gefolge, in denen 
kaiserlicherseits die vielgenannten Namen Spien vi und St. Amour 
die wesentlichste Rolle spielten, obschon bei allen diesen Kämpfen das 
Resultat sich immer nur um eine geringe Zahl von Getödteten und 
Gefangenen bewegte. 

Beide Feldherren hatten eine zuwartende Haltung schon während 
mehrerer Wochen beobachtet und der Eine wollte dem Andern das 
Ergreifen der Initiative überlassen. Prinz Enge n, erwägend, dass das 
Herannahen der rauhen Jahreszeit die Operationen immer schwieriger 
gestalten müsse, sah sich zu einem letzten Versuche, gegen Piemont 
vorzudringen, genöthigt '). Es mussten der gallospanischen Armee 
einige Tagmärsche abgewonnen werden, um entweder über den Po oder 
über die Adda zu gelangen. 

So wie bei allen anderen ähnlichen Gelegenheiten, hatte Prinz 
Eugen auch diesmal seinen Entschluss bis zum letzten Momente 
geheim gehalten und erst am 9. üctober *), „zwei Stunden nach der 
Parola" erhielt die Armee den Befehl, sich für den Aufbruch bereit 
zu machen. „Ohne Bouteselles blasen und Figatter (Vergatterung) 
schlagen zu lassen" setzte sich die kaiserliche Armee mit hellem Tage 
des 10. von Treviglio aus in zwei Colonneu in Bewegung, und diese 
erfolgte über Caravaggio und Vailate gegen Pieranica, woselbst bei 
strömendem Regen die Nacht zugebracht wurde. Schon am 11. dirigirte 
Eugen seine Armee gegen Crema, der Train aber, welcher in Folge 
der aufgeweichten Strasse und der Zerstörung aller Brücken durch 
den Feind am 10. Pieranica nicht erreichen konnte, erhielt Befehl, 
den Weg nicht mehr gegen genannten Ort, sondern direct auf 
Crema einzuschlagen 3 ). 

Eine „halbe Stunde" von diesem Puncte entfernt, bezogen nach 
anstrengendem Marsche die Truppen das Lager. Einerseits die 
Erschöpfung, andererseits die völlige Ungewissheit über die Massnahmen 
des Feindes, nöthigten den Prinzen zu einem mehrtägigen Stillstande. 
Während desselben war der rechte Flügel zwischen Crema und 
Ombriano, der linke gegen San Michele derart aufgestellt, dass der 



') Supplement-Heft Nr. 253, 254, 267, 270. 

-'l Supplement-Heft Nr. 27«, 277. 

'I Kriegs-Arcliiv, Italien; Fase. XIII. 1/68. 



231 

Naviglio Cremasco vor der Front, derSerio im Rücken lag. Der Umstand, 
dass der Feind die Brücke bei Montodine zerstört und alle Wege in 
<lrr Umgegend anbrauchbar gemacht hatte, nöthigte die Kaiserlichen, 
auch die Mittel zum Uebergange bei genanntem Puncte vorerst sicher 
zu stellen; denn der Serio, ein in der Regel an vielen Stellen leicht 
zu durchfurtendes Gewässer, war in Folge der Regengüsse, ausser 
mittelst Brücken, nicht zu überschreiten. 

Erst am 14. October konnte Eugen wieder aufbrechen und seine 
Armee marschirte in drei Colonnen nach Montodine in das dort vorbe- 
reitete Lager ' ). 

Obschon Vendöme von dem Aufbruche Eugen's aus dem 
Lager von Treviglio schon am 10. October Kunde hatte, so glaubte 
er dennoch keim- Bewegung anordnen zu sollen, in der Besorgniss. 
der kaiserliche Feldherr wolle ihn durch ein Manöver von der Adda 
weglocken. 

Als aber die Nachricht eintraf, der Prinz sei gegen Crema in 
Bewegung, entschloss sich auch der französische Feldherr zu folgen 
und derselbe Hess seine Hauptmacht, ungefähr 18.000 Mann betragend, 
am 11. October bei Palazzo (Pignano) das Lager beziehen. 

Um aber das Cremonesische dennoch nicht entblösst zu lassen, 
wollte Vendöme bei Lodi über die Adda gehen, jedoch bei Pizzighettone 
wieder auf das linke Ufer zurückkehren, und zwar in der Absicht, 
Castel Leone vor den Kaiserliehen zu erreichen. Gelang ihm dies, bevor 
letztere den Serio überschritten hatten, so war die Möglichkeit vor- 
handen, den Prinzen Eugen in eine nachtheilige Lage zu versetzen. 
Die Franzosen befanden sich dann zwischen den Kaiserlichen und 
Soncino, von wo diese ihre Subsistenzmittel zogen. Zum mindesten aber 
war die Möglichkeit vorhanden, Eugen zu veranlassen, über den 
Serio zurückzukehren und abermals am Oglio sich aufzustellen. 

Zur Durchführung dieses Manövers Hess Vendöme eine zweite 
Brücke über die Adda errichten. Am 13. Mittags brach die Vorhut, 
und am Abende das Gros der Armee auf. Um die Kaiserlichen über 
diese Bewegung zu täuschen, blieben in dem Lager von Torcno 
400 Pferde und von jedem Bataillon 1 Tambour zurück, welch' 
letztere die in den Lagern üblichen Trommelstreiche zu geben hatten. 
Während der Entfernung des Gros von der Adda hatten 5 fran- 
zösische. 5 spanische Bataillone und 3 französische, (i spanische Esca- 
dronen jene Verschanzungen zu bewachen, die am rechten Adda-Ufer 
von Cassano bis Lodi errichtet worden waren. Am 15. October hatte 



Vendome sein Manöver beendet, denn am Abende lagerte die fran- 

Im Armee mit dem rechten Flügel auf eine Miglie von Castel 

Leone entfernt, und der linke an Grombito gestützt, woselbst sich das 
Hauptquartier befand '). 

Prinz Eugen war, wie erwähnt, am 14. in drei Colonnen nach 
Montodine am Serio marschirt, woselbst das Lager bezogen wurde. 
Noch an diesem Tage brachte der mit 90 Pferden zur Recognosci 
rang ausgesendete Obristlieutenant Splenyi die sichere Nachricht, 
dass feindliche Truppen bei Lodi die Adda passirt und auf dem rechten 
Ufer gegen Pizzighettone im Marsehe seien. Ehe an eine Disposition 
gedachl werden konnte, musste der kaiserliche Feldherr über die 
Absicht des Gegners in's Klare kommen, und darum blieb auch am 15. 
die Armee zu Montodine. 

Obristlieutenant St. Amour, welcher mit 100 Pferden jenseits 
des Serio genaue Kundschaft einholen sollte, brachte nun in Erfahrung, 
dass das linke Adda-Ufer vom Feinde besetzt sei, „und auch sonsten 
sieh in verschiedenen Orten feindliche Truppen sehen lassen". Dies 
stimmte aber keineswegs mit den von anderen Seiten eingelaufenen 
Nachrichten, so dass Eugen im Zweifel bleiben musste. ob dies 
Vendöme's Armee oder blos ein Detachement sei. Erst am 
Abende des 15. sehwand in Folge des feindlichen Aufmarsches 
aller Zweifel, dass die Hauptmacht bei Pizzighettone die Adda 
passirt habe und in „der Gegend von Castel Leone angelangt" sei. 

Beide Armeen standen sich nunmehr gegenüber und waren blos 
durch den Serie von einander getrennt. 

Für den Prinzen Eugen musste das Unerwartete um so peinlicher 
sein, als es völlig ausser -einer Macht lag, eine Gegenwirkung auch 
nur zu versuchen. Er blieb auch am 16. in das Lager von Montodine 
gebannt, denn er hatte nicht nur die Ankunft seines Trains, sondern 
hauptsächlich auch das Brod zu erwarten, an welchem es bereits zwei 
Tage gebrach. All' dies paralysirte den Vorsprung, welchen Eugen 
den Franzosen abgewonnen zu haben glaubte, und es musste nunmehr 
mit vollendeten Thatsachen gerechnet werden. 

Angesichts der feindliehen Armee liess der Prinz die Ursprünge 
lieli jenseits des Serie aufgestellten zwei Bataillone von Guttenstein- 
[nfanterie durch 500 Mann der Bereitschaft und eine Feldwache von 
20 Pferden ersetzen, welche Truppen den Befehl hatten, sich bei 
Annäherung des Gegners sogleich über die Serie-Brücke zurückzu- 
ziehen. 



'I Pelet, 1705 Pag. :iis. 



Gefecht am Serio. 

Deu Haupttheil von Eugens Streitkräften vermuthete der 
französische Feldherr am diesseitigen Ufer des Serio, der zur Zeit 
hoch angeschwollen und nur auf den vorhandenen Brücken zu passiren 
war. Freilich schien eine solche Gelegenheit zu günstig, um dein 
Prinzen einen gewaltigen Schlag beizubringen, als dass Ven dorne 
dieselbe ungenützt vorbeigehen lassen sollte. Der Calcul beruhte 
alier auf einem grossen [rrthume, denn Eugen hatte nur Avisoposten 
über den Fluss vorgeschoben. 

Schon am Morgen des 16. October wurden alle Grenadiere der 
französischen Armee, 100 Mann per Bataillon, 50 Reiter per Escadron, 
und 3 Dragoner-Regimenter zum Angriffe bestimmt. Diese Macht hatte 
zwei Angriffs-Colonnen zu bilden, von denen die eine das Brücken- 
Detachement, die andere den Theil von Montodine angreifen sollte, 
welcher von den Kaiserlichen nicht blos besetzt, sondern auch ver- 
schanzt war'i. 

Gegen Mittag war die von Vendome zum Angriffe auf die 
Brücke bestimmte Colonne bereits auf Schussweite nahe gekommen. 
während jene, welche gleichzeitig den Sturm auf Montodine unter- 
nehmen sollte, nicht vorwärts kommen konnte. 

Ven dorne, welcher sich bei ersterer Colonne befand, einsehend, 
dass seine Absicht verrathen sei, befürchtete bei längerem Zögern 
einen Echec zu erleiden, wenn Eugen seine bei der Brücke auf- 
gestellten Truppen ansehnlich verstärken sollte. Er gab darum den 
Befehl zum sofortigen Angriffe. 

Ungeachtet das Detachement die Weisung hatte, sich bei An- 
näherung eines überlegenen Gegners zurückzuziehen, leistete selbes 
durch längere Zeit Widerstand. Der Kampf währte zwei Stunden und 
muss ziemlich blutig und für die Kaiserliehen relativ auch erfolgreich 
gewesen sein, nachdem sie eine feindliche Fahne eroberten und in 
das Lager brachten. Auch die gegen Montodine dirigirte französische 
Colonne erreichte ihr Ziel nicht, denn sie wurde von den in den ver- 
schanzten Häusern postirten kaiserlichen Truppen blutig zurückgewiesen. 

Eine natürliche Folge dieser Localgefechte war eine Alarmirung 
beider Armeen. Es entwickelten sich beiderseits des Serio Truppen 



') Obschon in den Acten des k. k. Kriegs-Archives von der Anlage von Ver- 
schanzungen vor der Serio-Brücke nicht die Ked.- ist, so geht doch .-ms den fran- 
zösischen Quellen hervor, dass solche vorhanden waren, denn Vendöme spricht von 
dem „Brückenkopfe des Serio". S. Pelet, V. B. Pag. :il*. 



234 

und Geschütze, die bis zum Einbrüche der Dunkelheil aufeinander 
feuerten. 

Nach den amtlichen Quellen betrug der Verlust in dem Gefechte 
am Serio einen „chur)>talzischen Hauptmann und etliche Gemeine", die 
sich beim Rückzuge über die Brücke verspäteten, und 50 Mann an 
Todten und Verwundeten 1 ), während Pelet denselben mit 300 Todten 
und 115 Gefangenen angibt. Ein bedeutender Verlusi dürfte eher 
auf Seite der Franzosen gewesen sein, welche durch zwei Stunden bei 
dem Brückenkopfe und bis zum Abende vor Montodine erfolglos sich 
abmühten. 



Prinz Eugen's Marsch nach Crema; Kanonade bei diesem Orte. 

Ungeachtet der Stellung, welche V endo nie durch sein gelun 
genes Manöver gewonnen hatte, gab Prinz Eugen noch immer nicht 
die Hoffnung auf, den Serio abermals überschreiten zu können. 

Noch am 16. ertheilte er Befehl zum Aufbruche der Armee, und 
zwar in der Absicht, dieselbe gegen die Brücke von Crema zu fuhren. 
Am 17. erfolgte der Marsch nach Pianengo unweit Crema. wobei. 
unter Commando des GWM. von Harsch, sämmtliche Grenadiere der 
Armee, dann das Trautmannsdorfsehe, Vaubonne'sche und pfälzische 
Dragoner-Eegiment die Nachhut bildeten 2 ). 

Unter den obwaltenden Umständen war es für den französischen 
Feldherrn wohl nicht schwer, des Prinzen nächste Absicht zu errathen. 
Kaum hatte er von der Richtung der Bewegung Kunde, als er auch 
schon mit seiner Armee in zwei Colonnen, deren eine aus der Infan- 
terie, die andere aus der Cavallerie bestand, den Serio aufwärts mar 
schirte. 

Ueber diesen Parallelmarsch brachten Eugen's Parteien alsogleich 
verlässliche Nachrichten, und am Abend warder Prinz in Kenntniss, 
dass der Feind zwei Miglien von Crema das Lager bezogen habe. 
Doch war dies nur die Vorhut, denn ein Theil der Franzosen ver- 
spätete sich und traf erst spät in der Nacht ein. 

An eine Passirung des Serio abseits der bestehenden Brücken, 
war wegen Mangel an Uebergangsmitteln nicht zu denken. Wohl 
hatte Eugen am 18. Morgens den „ General- Quartiermeister Baron 
Hie dt mit sämmtlichen Quartiermeistern und Fouriers über den 
Serio geschickt, ob in der Gegend von Offanengo ein Lager auszu- 

'i Kriegs-Archiv, Italien, 1705; Fase. XIII. 2. 
•'I Kriegs-Archiv, Italien, 1705; Fase. XIII. 1. 



235 

stecken" möglich sei. Die Cavallerie war bereits in der Absicht an 
deu Serio vorgeschoben worden, über die Brücke bei Crema zu debou 
chiren, falls kein feindlicher Widerstand dort zu gewärtigen sei. Im 
entgegengesetzten Falle aber hielt Eugen es nicht für rathsam, im 
Angesichte der feindlichen Armee den Uferwechsel zu versuelieii. I >< i 
Prinz war durch seine Kundschafter bald darüber im Klaren, dass 
Ven dorne in gleicher Absicht vor Crema gerückt sei. Er zog darum 
auch die auf das jenseitige Ufer bereits vorgeschobenen Abtheilungen 
zurück. Hess die Reiterei ihre früheren Lagerplätze beziehen und traf 
Anordnungen zur Sicherung des Brücken-Debouche's am diesseitigen 
Ufer. Der Brückeneingang bei Crema wurde mit vier Bataillonen und 
einigen Geschützen besetzt und von den Dragoner-Regimentern Vau- 
bonne und Trautmannsdorf sass ein Tlieil ab, um beiderseits der 
Brücke entlang des Ufers die Verteidigung zu führen. 

Am Morgen des 18. hatte die französische Armee gleichfalls 
Truppen am jenseitigen Ufer entwickelt und es entspann sieh ein Feuer 
kämpf, an dem auch Artillerie Theil nahm. Es standen sich die beiden 
Gegner bis zum Abende gegenüber, ohne dass ein Versuch gemacht 
wurde, durch ein Manöver eine Entscheidung herbeizuführen. Kaiser 
licherseits lautet der Bericht über dieses Gefecht: „Man hat deu ganzen 
Tag aus grossen und kleinen Geschütz sehr stark gefeuert, welches 
den ganzen Tag bis in die Nacht gedauert. Der Verlust unsererseits 
war nicht gross und haben wir etwann 20 bis 30 Mann Todt und 
Beschädigte bekommeu. u Unter den letzteren waren Obristlieutenant 
St. Amour von Trautmannsdorf-Dragonern, Obristwachtmeister Gral 
Die trieb st ein und ein Hauptmann vom Regimente Harrach. 

Bei Anbruch der Dunkelheit kehrten beide Armeen in ihre Lager 
zurück. Die kaiserliche blieb am 20. im Lager und der Prinz ent- 
sendete den General-Quartiermeister Baron Riedt nordwärts gegen 
Mozzanica, um entlang des Serio zu recognosciren, zwei Colonnenwege 
herzustellen und Brücken über die Gräben errichten zu lassen. 

In drei Colonnen brach am 20. October die Armee auf. Längs 
des Serio marschirte die Infanterie, links von ihr die Reiterei auf den 
beiden Oolonnenwegen , die Artillerie und der Train aber benützten 
die „grosse Landstrasse". Diese Bewegung erfolgte in der Absicht, 
in der Gegend von Mozzanica den Serio-Uebergang zu versuchen und 
nötigenfalls auch zu forciren. Für dieses Vorhaben waren die Chancen 
günstig; in der gewählten Flussstrecke Hess sich nämlich der Serio 
fast überall durchfurteu , denn die Hochwässer hatten mittlerweile 
abgenommen. Es handelte sieh nur darum, dem Gegner den nöthigen 
Vorsprung abzugewinnen. 



l'-m 



236 

Obgleich Ven dorne bereits am Morgen des 20. von Eug< 
Bewegung gegen Mozzanica Kunde hatte, so wagte er doch nicht, de 

Prinzen in der Weise entgegenzutreten, dass eine Entscheidungsschlacht 
unausweichlich gewesen wäre. Nach den Detachirungen , welche die 
Sicherung der Adda und von Tredici Ponti erfordert und die franzö- 
sische Armee einigermassen geschwächt hatten, glaubte Vendöme, die 
von I'ieinont verlangten Verstärkungen abwarten zu müssen. Und darum 
beschränkte er sich darauf, blos zwei Infanterie- und eine Cavallerie- 
Brigade unter Saint-Fremont's Coinmando nach Casale zu senden, 
um den Prinzen zu beobachten und zu nöthigen, weiter oberhalb den 
Serio zu überschreiten. 

Prinz Eugen, welcher durch seine Kundschafter von dieser 
Detachirung, aber nicht von der wahren Stärke Saint-Fremont's 
Kenntniss hatte, weil er bei ihm drei Infanterie- und zwei Cavallerie- 
Brigaden vermuthete, war entschlossen, dieses Detachemenl sofort 
anzugreifen. Leider konnte aber nicht die hiefür nüthige Zeit erübrigt 
werden. Nach der Marsch-Disposition mussten bei dem Flankenmarsche 
die Artillerie und der Train, welche den weitesten Weg zurückzulegen 
hatten, um viele Stunden früher als die Infanterie und Cavallerie auf- 
brechen, um den nöthigen Vorsprung zu gewinnen. Letztere beide 
Waffen durfte Eugen ihren Marsch erst um 11 Uhr Vormittags 
antreten lassen, und so kam es, dass dieselben an der Uebergangs- 
stelle mit der Artillerie und dem Train zu einer so späten Stunde 
zusammentrafen, dass es unmöglich wurde, die für den Flussübergang 
einer Armee unerlässlichen technischen Vorbereitungen zu treffen. 

AH' dies brachte aber Eugens Entschluss nicht zum Wanken. 
Zwei Stunden vor Einbruch der Nacht Hess er die Cavallerie und 
rechts von ihr gleichzeitig die Infanterie den Fluss durchwaten. In 
welcher Stimmung dies geschah, zeigt folgender Bericht: „Die Caval 
lerie und die Infanterie (bis auf den halben Leib) setzten mit dem 
grössten Willen durch das Wasser, in der Meinung, dass es mit dem 
Feinde Etwas zu thun geben werde, ohngeachtet, dass beide wegen 
beschwerlichen Marsch seithero ziemlich abgemattet waren')." 

Unzweifelhaft stand Saint-Fremont in Gefahr, völligen Echec 
zn erleiden, denn am 20. Abends war Eugens gesammte Armee 
gegen ihn im Anmärsche, und Ven dorne, welcher noch in seiner 
früheren Position geblieben, war ausser Stande, Hülfe zu bringen. Zum 
Glücke für die Franzosen verzögerte sich das Durchfurten des Serio 
derart, dass die Dunkelheit angebrochen war, ehe die Armee den 



237 

Fluss hinter sich hatte. Dabei darf nicht vergessen werden, da.ss der 
Uebergang Ende October, mithin in einer Jahreszeit stattfand, in 
welcher die Tage bereits äusserst kurz sind. 

Während der Nacht bezogen die Kaiserlichen bei Gabbiano das 
Lagerund die Kundschafter brachten die Nachricht, Saint Fremonl 
sei „unterm Vortel der Dunkelheit über Hals and Kopf" zurück- 
gewichen. 

Kaum hatte Vendöme in der Nacht vom 20. auf den 21. von 
Engen« Flussübergang Kunde erhalten, als in ihm die Besorgniss 
erwachte, dass der Prinz, welcher nunmehr blos 9 Miglien von Soncino 
stand, noch vor Anbruch des Tages durch einen Gewaltmarsch über 
Fontaneila und Galignano erstgenannten Punct erreichen und dadurch 
den Franzosen zuvorkommen kennte. Darum entschloss er sich, seihst 
auf Soncino zu marschiren. Am Morgen des 21. brach seine Armee 
in zwei Colonnen auf. Die rechte Flügel-Colomie, aus 300 detachirten 
Pferden und der gesammten Cavallerie bestehend, wurde über Gra- 
nignana (hei Fiesco) und Ticengo dirigirt. Die linke Flügel-Colonne, 
aus Cavallerie-Piquets und der gesammten Infanterie gebildet, nahm 
ihren Weg über Eomanengo und Ticengo ; den Train hatte Yen de nie 
nach Castel Leone beordert, von wo er sich am 22. über Genivolta mit 
der Armee vereinigte. 

Die französische Armee bezog am 21. Abends vor Soncino das 
Lager derart, dass der rechte Flügel an den Oglio unterhalb des 
genannten Ortes, der linke an Ticengo, wo Vendome sein Haupt- 
quartier aufgeschlagen hatte, gestützt war. Dieser musste Bedacht 
nehmen, in der neuen Stellung möglichst viele Kräfte zu versammeln, 
andererseits wieder wichtige Puncte nach Mass zu verstärken. Das 
Detachemeut, welches ursprünglich am Oglio zurückgeblieben war, 
um Soncino zu decken, ward auf 3000 Kopfe verstärkt. Dagegen 
wurden die Leiden Bataillone von Genivolta und Tredici Ponti bis auf 
180 Mann einberufen, welch' letztere in Bordolano blieben. Saint- 
Fremont war mit seinen drei Brigaden mittlerweile hm der Armee 
eingetroffen. 

Durch den eiligen Rückzug des Letzteren hatte Prinz Eugen für 
den Momeni die Fühlung mit dem Feinde verloren. Diese zu suchen, 
und um unabweisliche Vorkehrungen zu treffen, musste die kaiser- 
liche Armee am 21. in ihrem Lager verweilen. 

Haren Hielt, welcher zur Recognoscirung ausgesendet werden 
war. und ebenso die Kundschafts-Parteien konnten keine sicheren Nach 
richten bringen. Es verlautet.' nur. da» die feindliche Armee auf 
Romanengo angerückt wäre. Der Prinz Hess die Armee am 22. auf- 



238 

brechen und nach Fontaneila rücken, woselbst der rechte Flügel an 
die en l >rt gelehnt, der linke auf V/ t Miglien von Calcio aufgestellt 
wurde '). 

Erst zu dieser Zeit wusste Prinz Eugen, dass sein Gegner auf 
Soncino gerückt sei. Die Kaiserlichen vernahmen von dort ein heftiges 
Geschütz- und Kleingewehrfeuer und dies lieferte den Beweis, dass 
dem Commandanten der von Eugen in Soncino zurückgelassenen 
Besatzung der Befehl nicht zugekommen sei, sich rasch auf die Armee 
zu repliiren, falls überlegene feindliche Streitkräfte diesen Punct 
bedrohen würden; denn an einen Entsatz war in Folge des von Canälen 
vielfach durchschnittenen Terrains nicht zu denken. Nur ein Lieu- 
tenant mit 40 Mann sollte in der Rocca zurückgelassen werden, um 
den Punct nicht völlig zu verlieren. 

Thatsächlich hatte der im kaiserlichen Lager hörbar gewordene 
Kanonendonner dem Orte Soncino gegolten. Vendöme säumte nicht, 
die Vorbereitungen zum Angriffe auf diesen Ort zu treffen. Es waren 
dazu 4 Grenadier-Compagnien, 400 Mann Infanterie, 400 Arbeiter und 
6 Geschütze bestimmt worden. 

Da die Besatzung das Ansinnen einer Capitulation zurückwies, 
begann am 23. mit Tagesanbruch der regelrechte Angriff. Die Fran- 
zosen richteten das Geschützfeuer hauptsächlich gegen die Eingangs- 
thore, welche, nach wenigen Stunden zersplittert, das Eindringen in 
die Stadt gestatteten. Eine fernere Widerstandsleistung wäre völlig 
nutzlos gewesen und in Folge dessen entschloss sich der Commandant 
gegen Mittag des 23. zur Capitulation. 400 Mann mussten sich als 
kriegsgefangen ergeben und die Fourage-Vorräthe, welche Eugen in 
Soncino hatte aufspeichern lassen, fielen den Franzosen in die Hände. 

Bei dieser Gelegenheit klärte es sich auf, dass der Commandant 
von dem Prinzen den Befehl zum Rückzuge zwar erhalten hatte, 
aber in Folge der unerwarteten Bewegungen des Feindes nicht mehr 
Zeit und Gelegenheit fand, zu entkommen. 

Für Eugen war in dieser Zeit eine Entschlussfassung äusserst 
schwierig. Aus Piemont hatte er ja die Nachrieht, dass De la Feuillade 
die Belagerung von Turin hinausgeschoben und eine Detachirung nach 
der Lombardei vorgenommen habe, um Vendöme ein entscheidendes 
Handeln zu ermöglichen. Ohsehon der Prinz in einem Schreiben vom 
26. < »einher an Sta rhemberg bemerkte: . . . „ich gedenke zwar mich 
gegen den Po zu wenden, und hiezu meine Dispositiones einzurichten; 
allein da der Feind aus Piemont so namhaft verstärkt wird, so weiss 

'1 Supple Qt-Heft Nr. 280, 281, 282, 283, 284. 



ich auch nicht, ob and wie ich hierinfalls reussiren werde, [ndessen 
solle es an mir nicht erwinden, als wie ich dann Tag und Nacht geflissen 
sein werde, alle Mittel und Kräfte anzuwenden, was immer zu des 
Feindes wirksamer Diversion und Conservation Sr. königl. Hoheit ge- 
deihenkann" ') — so scheint er doch an einem Erfolge gezweifelt zuhaben, 
denn in seinem Berichte vom 30. October an den Kaiser ist die wahre 

Sachlage dargestellt: „ Der Monat October ist zu Ende und 

bis auf diese Stund mich schlechtes Ansehen, wo ich die. Armee werde 
unterbringen, weniger mit der Extendirung der Quartiere über die 
Adda oder über den Po werde subsistiren machen können. Und doch 
sollte dieses der erste Passus sein, zu welchem ich jetzt Mittel und 
Wege suchen muss, da indessen der Herzog von S a v o y e n auf eine 
Zeit lang den bevorgestandenen letzten Umsturz nicht so augenschein- 
lich zu furchten hat, sondern der Feind den grössten Theil seiner 
allda in dem Piemont gehabten Armee gegen mich hieherwärts ziehet; 
mithin wird auch an sich selbsten der nach Piemont abgeschickte 
Succurs nicht leicht oder gleich dermalen sich übereilen lassen, ab- 
sonderlich da es noch sehr unsicher ist, ob, wann und wo ich über 
die Adda werde penetriren können." 

Die Anordnungen, welche Prinz Eugen in den letzten Tagen 
des October in seinem Lager von Fontanella traf, waren auch mit 
den vorstehend dargelegten Ansichten im Einklänge. Am 25. wurden 
1 Hauptmann mit 100 Mann nach Calcio und der Obristlieutenant 
Baron Geyer vom Regiinente Harrach mit 400 Mann nach Urago 
d'Oglio abgeschickt, diese Puncte zu besetzen. Das Commando über die 
bisher unter Obristlieutenant Locatelli zwischen Brescia und Salö 
gestandenen Truppen hatte Obrist Battee zu übernehmen, welchem 
Eugen die Weisung gab, sich in die Gegend von Urago zu ziehen, 
um diesen Posten zu decken. Battee, diesen Befehl ungesäumt aus 
führend, nahm seine Aufstellung hinter dem „alten Retranchement 
von Urago", welches nach Möglichkeit schleunigst in Stand gesetzt 
wurde. Diese Massregel erwies sich als äusserst zweckmässig, denn 
Battee stand bereits in Gefahr, in der früheren Stellung von überlegenen 
feindlichen Streitkräften angegriffen zu werden. Diese Gefahr Hess sich 
zu Urago um so leichter abwenden, als B a 1 1 e e das aus 500 Mann 
bestehende alte D'Albon'sche Bataillon, welches zur Verstärkung der 
Armee am 25. in Pontoglio eingetroffen war, am 26. an sich gezogen 
und zur Besetzung des Ketranchements verwendet hatte. 

Ohne wesentliche Ereignisse verlief die Zeit bis zum 30. Nur 
die y,,u beiden Armeen ausgesendeten Reiterparteien stiessen am 26. 

') Supplement-Heft Nr. 286. 



240 

und 27. auf einander, wobei es zu Scharmützeln kam. welche den 
Franzosen einen Verlusl von 22 Gefangenen kosteten. 

Tili sich über die nahe bevorstehende Winterpostirung zu orien- 
tiren, ertheilte Eugen dem Obristen Batt6e am 30. den Befehl, 
Kundschaft einzuziehen ,."1. und wo der Feind über den < »glio auch 
eine Brücke geschlagen", ferner neben der kaiserlicherseits ..zu Urago 
bereits errichteten Brücke noch eine oder andere verfertigen" zu lassen. 
Am 31. folgte der fernere Befehl: Battee habe für die ihm zuge 
wiesene Cavallerie und das ganze D'Albon'sche Bataillon zwischen 
Fontaneila und Brescia eine derartige Position auszuwählen, in welcher 
nicht blos kein feindlicher Angriff zu besorgen, sondern auch die 
Communication über Brescia gesichert sei, um die aus Deutschland „im 
Anheromarsch begriffenen Truppen und Regimenter sicher au sich 
ziehen" zu können. 

In beiden Beziehungen suchte Battee den an ihn gestellten 
Anforderungen gerecht zu werden. Die diesfälligen Berichte beurkun- 
den ein richtiges Eingehen in die Ideen des Prinzen und ebenso ein 
scharfes militärisches Urtheil, denn es sind alle Gründe für und wider 
klar dargelegt. Bei der später persönlich vorgenommenen Recognoscirung 
fand Battee (j oder 7 Miglien von Urago eine für Infanterie halt- 
bare Position. 1 >ieselbe lag etwas hinter Castrezzato und beherrschte einen 
guten Theil der Strasse nach Brescia. Für noch vorteilhafter hielt 
er aher die Umgebung von Pnntegatello, weil sieh dort ein Schloss 
befand, in welchem die Infanterie am meisten widerstandsfähig war. 

Ueber die vom Feinde errichteten Brücken hatte Battee wohl 
von Einwohnern die Nachricht, das.- deren zwei bei Soncino errichtet 
seien. Um aher Gewissheit zu erlangen, entsendete er eine Cavallerie- 
Partei unter Commando eines Rittmeisters. 

Während des Stillstandes der Kaiserlichen hatte Vendöme 
zu Fontaneila Andeutungen erhalten, dass Eugen mit, seiner ganzen 
Macht sieh auf das linke Ufer des Oglio zu werfen gedenke. 

Der franzosische Feldherr glaubte sich unter jeder Bedingung 
in Stand setzen zu müssen, um eine Schlacht wagen zu können; er 
hatte mit Sicherheit auf die Verstärkung von 13 Bataillonen und 12 Es- 
cadronen aus Piemont gerechnet. Aher abgesehen davon, dass De la 
Feuillade sich zur Absendung von blos 8 Bataillonen und 9 Esca- 
dronen herbeiliess, war seihst dieser Succurs vor der Einnahme Asti's 
keinesfalls zu erwarten. Es erübrigte darum Vendöme nichts, als 
jene 5 Bataillone und 7 Escadronen, welche er zur Deckung der Adda 
zurückgelassen, an sieh zu ziehen. Diese Truppen erhielten Befehl, in 
der Nacht vom 28. auf den 2'.). aufzubrechen und über t Venia und 



241 

Lodi derart zu marschiren, dass sie am ÜO. Abends bei der Armee 
eintreffen konnten. 

In Erwartung dieser Verstärkungen errichteten die Franzosen 
unterhalb Soncino zwei Schiffbrücken über den < >glio, und als Brücken- 
kopf wurde am linken Ufer eine alte Redoute wied.-r in vertheidigungs- 
fähigen Stand gesetzt. Am rechten Ufer dagegen Hess Vendome von 
Soncino einen Colonnenweg zu den Brücken errichten, welclier gleich- 
falls dureh Redouten gesichert wurde. 

Diese Massnahmen erfolgten in der Absicht, ein befestigtes Lager 
am Oglio für den Fall zu besitzen, als die Armee sich entfernen würde; 
denn der doppelte Brückenkopf, für welchen eine Besatzung von 
lo Bataillonen in Aussieht genommen war, sicherte nicht blos den 
Besitz von Soncino, sondern auch das Cremonesische. 

Wie Prinz Eugen vorhergesehen, hatte Yen dorne seine nächste 
Absicht auf das Brescianische gerichtet : aber die dem französischen 
Feldherrn zugekommenen Nachrichten, dass die Kaiserlichen Palazzolo 
aufgeben würden, erwiesen sieh als irrig. Im Gegentheile erhielt er 
die Gewissheit, dass der Prinz sieh diesem Puncte noch mehr genähert, 
am linken Ufer des ( (glio in Urago ein starkes Detachement (Battee) 
aufgestellt and zwei Brücken über diesen Fluss errichtet habe. 

Nach all' dem befand sieh die kaiserliche Armee nahezu in der 
nämlichen Stellung, welche sie einnahm, als am 28. Juni der I >glio 
Uebergang stattfand. 

Noch vor Ablauf des Monats < tctolier hatte der französische 
Feldherr „von einem seiner Correspondenten" die Details des am 24. 
im Lager des Prinzen abgehaltenen Kriegsrathes erfahren. Dadurch 
war er im Klaren, Prinz Eugen wolle sich so lange als möglich im 
Bereiche des Oglio behaupten, um wahrend des Winters noch Etwas 
unternehmen, hauptsächlich aber in Rücksicht auf die zu gewärti- 
genden Verstärkungen gleich bei Beginn der nächsten Campagne den 
Herzog von Savoyen durch eine Diversion retten und überhaupt 
den Stand der Dinge in Ober-Italien zu Gunsten des Kaisers wenden 
zu können'). Darum darf es nicht Wunder nehmen, dass Eugen's 
Massnahmen überall so schnell vom Feinde paralysirt werden konnten. 

Schon gegen Ende October hatte Ludwig XIV. Vendöme 
nachdrücklichst aufgetragen, den Prinzen aus dem MailändischeD 
und Mantuanischen zurückzudrängen, bevor noch die erwarteten 
Verstärkungen eingetroffen seien, um die Belagerung von Turin be- 
ginnen und diesen Platz zu Fall bringen zu können. 

'l Pelet. 17o:.. V. Pag. 354. 



Der französische Feldherr setzte aufden Erfolg der Campagne 
von 1705 ebenso wenig mehr eine Hoffnung, wie Prinz Eugen. Wie 
dieser, war er hauptsächlich darauf bedacht, tili- das künftige Jahr die 
günstigsten Chancen vorzubereiten. In .seinem Schreiben an den König 
vom 31; Octöber bemerkte er darum-* Wenn wir so glücklich Sein 
würden, den Feind vom Oglio und in das Gebirge zurückzuwerfen, 
selbst aber die Deboueheen derart zu besetzen, dass die Kaiserlichen 
den Fuss nicht mein- in das Brescianische setzen können und dadurch 

gezwungen werden, den Krieg im künftigen Feldzuge am Minci ler 

im Ferraresischen zu führen, wird unsere Defensive leichtzum Ziele 
führen. Wenn wir im Gegeritheile den Feind niehl hindern können, den 
einen Fuss diesseits des Ogliö; den anderen im Bi'escianischen zu kalten, 
so wird diese Defensive eine äusserst gefährliche sein und eine 
ungleich grössere Anzahl von Streitkräften bedingen, als die aridere 1 ). 

Vor Schluss der Campagne 1705 war somit zwischen beiden 
Gegnern noch eine äusserst wichtige Entscheidung zu suchen. 

Um aber die wechselseitige Situation vorweg klar zu legen, ist 
es nothwendig, Eugens Verhältnisse zu kennzeichnen. In seinem 
Schreiben an den Grafen Tarini') in Wien bemerkt derPriria: „Näeh 
drin gegenwärtigen Stand der Angelegenheiten ist es nothwendig, dass 
Sie mehr den hiesigen als der Bela.u;c.rmi£ von Turin Ihre Mühe zuwenden ; 
denn gegenwärtig sind nur jene besorgniserregend, wenigstens für eine 
gewisse Zeit. Die Ursachen, welche mich zu solchen Aeüsserüngen ver 
anlassen, sind Ihnen genugsam bekannt. Man vertröstet mich von einer 
Post zur anderen, indem man mir Verstärkungen und Geld auf dem Papier 
verspricht. Stünden wir im Monate Mai, so könnte ich mich gedulde*!, 
alter es ist Novemher, ohne dass ich weiss, wohin ich denken soll, die 
Armee subsistiren zu machen und sie in Winterquartiere zu verlege», 
[eh überlasse es Ihnen, zu heurtheilen. in welcher Lage ich mich 
befinde. Die beiden im Anmärsche befindlichen Regimenter Gaste! 
und Osnabrück, welche nicht vor vier Wochen eintreffen können, 
werden meine Armee wahrlich nicht verstärken. Der Feind ist gegen 
wärtig im Besitze aller Vortheilc, die sich an seine numerische UebeiS 
legenheit knüpfen *).? 

Eugen konnte wohl nicht länger mehr zuwarten und niusste 
eben trachten, sich für den Winter die bestnaögliche Position zu 
sichern; Am 2. Novemher wurde der Aufbruch mit der Weisung an- 
geordnet, dass am nächstfolgenden Tage ..die völlige fahrende Bagage 
auf Pontoglio zu gehen und daselbsl über die geinauerte Brücke, die 

') Pelet. 1705. Pag. 359. 






-Heft Nr. 295. Kriegs Vrehiv, Italien, L705; Pasc. XI. 



243 

Infanterie und Cävallerie aber, mit der sämmtlichen Artillerie über die 
beiden Bockbrücken zu Uragö den Ögliö passiren und in das daselbst 
atassteckende neue Lager einrücken" sollen. 

Der Aufbruch von Fontänella erfolgte am 3.. lind der Disposition 
gemäss wurde der Oglio in drei Colonnen passirt. Der Fluss-Uebergang 
erlitt eine Störung. Abgesehen davon, dass die in Folge anhaltenden 
Regenwetters im Wachsen begriffenen Fluthen des Oglio die beiden 
Hochbrücken an und für sich schwer passirbar machten, erlitt jene. 
welche die Infanterie benutzte^ eine derartige P>osohädigimg, dass der 
IV1 pergang eingestellt werden musste. Mit übermenschlicher Anstrengung 
geläng es, den voin Strome fortgerissenen Theil der Brücke noch tags 
über zu ersetzen; während der Nacht wurde der Fluss-Ueborgang der 

baiserlichen Armee 1 ndet und das Lager bei Urago bezogen. Wäre 

dies um i'4 Stunden später geschehen, so hätten ihr die Elemente 
auf dem i-echteniOglio-Wer Halt geboten. Ein zu so später Jahreszeii 
seltenes Gewitter mit wolkenbruchartigem Niederschlage verlieh dein 
Oglio den Charakter des tosendsten Wildstromes, welcher gleichsam 
mit einem Ruck die beiden Bockbrücken hinwegriss. Ein guter Stern 
hatte Eugen's Heer vor einer Katastrophe bewahrt! 

Das zur Bewachung der Brücken zurückgelassene Detachement, 
welches nunmehr seiner Aufgabe entledigt war, wurde in das Lager 
einberufen. 

Da Eugen über das Verhalten des Gegners völlig im Unklaren 
war. indem er nicht wusste. ob Yendöme sieh noch in seiner alten 
Stellung befinde oder gleichfalls aufgebrochen sei. wurde gegen 
Qrzinovi eine Partei ausgesendet. Diese stiess zwar auf 300 feindliche 
Reiter; da aber selbe dem Kampfe auswichen, so war die Möglichkeit 
benommen, durch Gefangene irgend welche Anhaltspuncte zu gewinnen. 
Diese Ungewissheit hatte sich selbst am 5. noch nicht aufgeklart. 

Um keine Zeit zu verlieren, war der Obristlieutenant von 
Samnitz vom Regiments Gschwind mit allen Hayducken, 100 Muske 
feieren, 150 Pferden und einer Anzahl Zugochsen am 4. nach Palazzolo 
abgesendet worden, um von dort die daselbst befindlichen schweren 
Stücke gegen Roncadelle abzuführen. Dies geschah in der Absicht, das 
Materiale in Sicherheit zu bringen, und Obrist Battee erhielt darum 
Befehl, die- nöthigen Massnahmen in Pontegatello zu treffen, um die 
Geschütze vor einem Handstreiche zu bewahren („sie zu depositiren, 
wohl auch gut unterzubringen"). Zu solchem Behufe blieb auch * »brist 
Lieutenant Samnitz mit seinen Commandirten in Pontegatello, während 
die aus dem Lager abgesendeten Zugthiere wieder dahin zurückkehren 
Hmssten, weil Eugen die fernere Bewegung im Sinne hatte. 






Gefecht am Oglio. 

Von dem am :;. erfolgten Aufbruche des Prinzen Eugen in Kennt 
etat, ging V endo me's Absehen dahin, schon am 4. behufs des 
Ueberganges an den Oglio zu rücken. Doch die Folgen des Unwetters 
hatten die Franzosen empfindlich getroffen. Sowohl deren Schiff-, als 
Bockbrücken waren zerstört. Die wenigen Fahrzeuge, welche die 
Flutli nicht fortgerissen hatte, reichten zur Wiederherstellung eines 
Ueberganges nicht aus, und es mussten vorerst von Ostiano und 
Pizzighettone Brück engeräthe herbeigeführt werden. 

Durch die Ueberschwemmungen auf das rechte Ufer des Oglio 
gebannt, richtete der französische Feldherr sein Augenmerk dahin, dem 
Prinzen Eugen die Möglichkeit zu benehmen, wieder zurückzukehren. 
Auf die Nachricht, dass die Kaiserlichen die nach dem Oglio-Uebergange 
bezogene Stellung noch nicht verlassen hätten, brach Vendöme am 
8. November Morgens mit 41 Bataillonen und 18 Escadronen in zwei 
Colonnen mit der Absieht auf, den Brückenkopf von Pontoglio und 
den am rechten Ufer gelegenen Theil von Palazzolo in seine Gewalt zu 
bekommen. Die rechte Flügel-Colonne, nämlich 9 Dragoner-Escadronen, 
8 Infanterie-Brigaden, die gesammte Artillerie und ein Armee Train. 
nahm ihren Weg über Torre Pallavicina und Pumenengo ; die linke 
Flügel-Colonne; aus 2 Infanterie- und 2 Cavallerie-Brigaden bestehend, 
rückte über Ticengo and Fontanella, und in Cividate, wo das Lager 
bezogen wurde, trafen beide Colonnen zusammen. Der Rest der Armee 
blieb in Soncino. 

Schon am 8. gegen Mittag war Prinz Eugen darüber nicht mehr 
im Zweifel, was sein Gegner beabsichtige. Im ersten Momente liess er 
Pontoglio durch 2 Grenadier- Compagnien und 100 Pferde verstärken. 
de U Commandanten von Palazzolo aber schriftlich avisiren „auf guter 
Hut zu stehen und sich Wohl in Acht zu nehmen-. Als aber am 9. sich 
zeigte, dass der Feind „mehrentheils nach Palazzolo sich gezogen, auch 
indessen daselbsten in jenseits des Oglio gelegenen Casinen Posto 
gefasset, von wannen er die Hohen auf dieser Seiten herüben halten 
und Alles dominiren konnte". Hess Eugen die am vorhergehenden 
Tage zur Verstärkung von Pontoglio disponirten beiden Grenadier Com 
pagnien nach Palazzolo rücken und ersteres durch 100 Mann zu Fuss 
unterstützen. Ausserdem wurden GWM. Zum Jungen, die beiden Regi- 
menter Gschwind und Herbeville, ferner das Sinzendorf'sche Dragoner- 
Regiment und 2 Regimentsstücke nach Palazzolo detachirt. Da von 
Battee die Meldung eingetroffen war. dass der Feind sich zu Casti 
glione immer mehr verstärke, so schloß man im kaiserlichen Lager, 



245 

dass dies jene Truppen seien, welcheDe la. Feuillade ans Piemont 
zur Verstärkung Vendome's gesendet habe. Dass aber dem nicht 
so war. ist bereits erwähnt. 

Am 10. November, eine gute Stunde vor Tagesanbruch, eröffneten 
die Franzosen aus schweren Stücken das Feuer von Calcio gegen 
Urago d'Uglio. Um dieser wirkungslosen Kanonade zu be^v-'iiru. lies* 
Eugen diesseits einige Falkaunen und Regimentsstücke in Thätig- 
keit setzen. 

Während dieses Artilleriekampfes spielte sieh ein heroisch durch- 
geführtes Detailgefeebt ab. 

Unter den am rechten Oglio-Ufer vorgeschobenen kaiserlichen 
rosten befand sieh ein Grenadier-Lieutenant mit 20 Grenadieren. 
Diese wehrten mit Heldenmuth jede Annäherung an das ihnen, anver- 
traute Gebäude ab, und mussten die Franzosen, um dem sicheren Tode 
zu entgehen, „von Haus zu Haus sich durch die Gemäuer arbeiten, 
um solchergestalt bedeckter auf ersagte Leut zu kommen-. 

Der Feind war durch einen derartigen Vorgang nicht nur in die 
Nahe, sondern auch an die Mauer des vertheidigten Gebäudes gelangt, 
und es trat die Gefahr immer näher, doch endlich unterliegen zu 
müssen. Als der Lieutenant Axtschläge an die einzige Schutzwand, 
die ihn vom Feinde noch trennte, vernahm, stellte er das Feuer von 
den Fenstern aus ein, sammelte seine kleine Sehaar und hielt sich 
ganz still. Kaum aber hatten die Franzosen sieh eine Bresche eröffnet, 
um auf die Grenadiere loszugehen, als der Lieutenant dieselben mit 
aufgepflanztem Bajonnete an die Oeffnimg treten, eine volle Salve 
abgeben und auch Handgranaten in den dicht gedrängten Feind 
werfen liess. Die Wirkung war eine überraschende. Abgesehen davon, 
dass die nächsten Franzosen todt niedergestreckt wurden, zündeten 
die Granaten augenblicklich, so dass das Nachbargebäude sehen nach 
wenig Minuten Lichterloh brannte. Was den Kugeln der Kaiserlichen 
entronnen war, fand in den Flammen den Tod: dreissig Franzosen 
blieben in dem Schutte der Naehbar-Casine. 

Erst nach dieser auf das Aeusserste geleisteten Gegenwehr, und 
zwar aus dem Grunde, weil das vertheidigte Gebäude gleichfalls vom 
Feuer er^ritfeu war. dachte der Lieutenant an den Rückzug, den er 
mit dem Verluste von blos zwei Mann glücklich bewerkstelligte'). — 
In E u g e n's Absicht lag es keineswegs, die innehabende Stellung 
zu behaupten, er war nur genöthigt, in derselben so lange auszuharren, 
bis das schwere Geschütz von Palazzolo abgeführt und in Sicherheit 



24«; 

gebracht war. Unmittelbar danach beabsichtigte er, sich gegen Ponte! 
gatello zu wenden und dort Stellung zu nehmen, am mit Sicherheü die 
im Anmärsche begritfenen Verstärkungen an sich ziehen zu können. 
Mittlerweile wollte er „durch ein Detachemeni Castiglione delle Stiviere 
attaquiren und folgends auch, wann es der Cominunication halber von 
Nöthen sein sollte, Groito belagern" *). Der Prinz äusserte' auch gegen 
Starhemibeig, dass er sein ^Möglichstes thue, um den Po zu passiren, 
obschon der Feind im ganzen Land spargiret, dass er den Kaiserlichen 
nickt nur keine Winterquartiere zu nehmen gestatten 1 , Sondern sogar 
eine Postirung verhindern wollte". 

Eugen war aber entschlossen, das Nöthige „in der einen oder 
der andern Weis" vorzukehren, da er es als nächste Pllichl ansah, 
„die Truppen, welche durch die Fatiguen des noch währenden leid 
zuges und die bekannten vielen Manquanzen hart hergenommen worden 
und nicht wenig gelitten hatten, etliche Wochen ausruhen ZU lassen". 
Diese Aeusserungcn finden ihre Bestätigung in den Berichten jener 
(Jonimandanten, welche am Oglio blös die Aufgabe hatten, die feineren 
Massnahmen des Prinzen nicht durch ein Nachdrängen des Feindes 
beirren zu lassen. Die nach französischen (Quellen erfolgte Eroberung 
der kaiserlichen Posten am rechten OgliÖrUfer beschrankt sich demnach 
auf die einfache Thatsache, dass die daselbst vorgeschobenen Trappt 
sieh dem Befehle gemäss nach einiger Gegenwehr auf das linke Stn>m 
ufer zurückzogen. 

Am 9. erhielten die am linken Flügel der Armee eingetheilten 
Dragoner-Kcginieiiter, die gesammte Artillerie, mit Ausnahme der hei 
der Infanterie eingetheilten Regimentsstücke, und der schwere Train 
die Weisung, siidi t'\\v den Aufbruch in Bereitschaft zu setzen and 
traten am 11. die Bewegung in das bei Berlingo gewählte neue hager an. 

Da es in der Absicht lag, die ganze Armee am nächsten Taue 
dahin folgen zu lassen, erhielt GWM. Zum Jungen am 11. < »rdre, 
noch am nämlichen Tage die Infanterie von Pontoglio und Palazzolo 
aus in Marsch zu setzen, die Posten während einiger Stunden durch 
abgesessene Dragoner bewachen und diese dann gleichfalls zur Armee 
einrücken zu lassen. Die Franzosen suchten wohl durch Greschützfeuex 
die vorgenommenen Bewegungen bei den Kaiserlichen zu beirren, doch 
blieb dasselbe' völlig wirkungslos. 

Die Armee brach am 12. auf, und zu ihrer Deckung hatte Eugen 
eine Arrieregarde in ürago zurückgelassen. Bei Ankunft in dem neuen 
Lager zu Berlingo wurde abermals Marseh-Ordre für den nächstfolgend 

'l Suppleinent-Heft Nr. 296, 2'.)1. 



247 

den Tag ertheilt. Zu dieser Zeit war Eugen nicht in Kenntniss, ob der 
Feind in seiner Stellung am rechten Oglio-Ufer gebHeben oder über 
den Fluss gerückt sei. 

Vendome dachte aber nicht daran, drin Prinzen zu folgen. 
Er war eifrigst damit beschäftigt, das rechte Flussufer von Palazzolo 
bis Soncino befestigen zu lassen, um dadurch Eugen jede Möglich- 
keit zu benehmen, in das Bergamaskische und Cremonesische zurück 
zukehren. Diese Massregel hielt der französische Feldherr für mehr 
als ausreichend, und er Hess am 11. seine Truppen in Cantonnirungen 
verlegen. Dies geschah in der Weise, dass selbe innerhalb der Frist 
eines Tagmarsches sich an jenem Puucte versammeln konnten, von 
welchem aus allenfallsigen Bewegungen Eugens entgegengewirkt 
«erden lnusste. (Soncino oder Bordolano.) 

Bei dem am 13. November erfolgten Aufbruche von Berlingo 
bestimmte Fugen die Dragoner-Regimenter Savoyen, Herbeville, 
Sinzendorf und Fels zur Arrieregarde. Diese erhielt Befehl, den 13. 
im alten Lager zu verbleiben und wenn der Feind nicht folgen sollte, erst 
am 14. der Armee nachzurücken; im entgegengesetzten Falle aber kein 
Gefechl anzunehmen, sondern „der Armee in guter Ordnung nachzu- 
ziehen". Letztere war am 13. im neuen Lager angekommen, den 
rechten Flügel an Koncadelle, den linken an Castelnuovo stützend. 

Die letzten Bewegungen der kaiserlichen Armee mussten, da der 
Kampf mit dem Feinde nahezu aufgehört, unter dem Kampfe mit den 
Elementen erfolgen. Das mit Beginn Novembers eingebrochene Regen- 
wetter wahrte 14 Tage ununterbrochen; die zahlreichen Wasserläufe 
waren hoch angeschwollen und die Strassen derart zu Grunde gerichtet 
dass „die Armee darumben viel Ungemach ausstehen" musste. 

Nunmehr trat gebieterisch die Pflicht herau, die erschöpften 
Truppen unter Dach zu bringen, General- Quartier meister Baron Riedt 
erhielt am 14. den Befohl „herum im Land zu recognosciren, wo man 
Platz und Gelegenheit zur Cantonnirung" linden könnte. 

Als nächste Vorbereitung wurde (»brist Battee. beauftragt, mit 
seinen Truppen von Pontegatello gegen Monteehiaro zu rücken und 
dir schwere Artillerie gleichfalls dahin bringen zu lassen; dies zu 
ermöglichen, wurden die bei der Armee befindlichen Feld-Artillerie- 
Bespannuiigei! Battee zugesendet 1 ). 

Der Ruhe und Erholung im äussersten Masse bedürftig, war aber 
die kaiserliche Armee noch nicht in der Lage, beides zu linden. Denn 
am 16. trafen Kundsehaftsberichte ein, der Feind habe am selben Tagt; 

'l Supplement-Heft Nr. 299. 



248 

zu Bordolano den Oglio passirt. Daraufhin Hess Eugen seine Mach! 
in Marschbereitschaft setzen und ertheilte dem General-Wachtmeister 
Grafen Roccavione den Befehl, mit sämmtlichen Grenadieren und 
den Dragoner Regimentern Savoyen, Herbeville und Sinzendorf nach 
Castenedolo zu marschiren, um von dort aus Battee im Falle, der 
Noth unterstützen zu können. Die momentane Lage war jedenfalls 
eine äusserst peinliche, denn Eugens Artillerie hatte für den Moment 
keine Bespannungen. Es musste Obrist Samnitz mit der Weisung 
eiligst zu Battee gesendet werden, die schweren Stücke zu S. Eufemia 
oder zu Treponti zurückzulassen, um die Bespannungen für die Armee 
wieder zu erhalten. 

Vendöme kam zu dem Schlüsse, der Prinz könne keine 
andere Absicht hegen, als Winterquartiere im Brescianischen von 
Palazzolo bis zum Garda-See zu beziehen, um einerseits den Oglio zu 
beherrschen, andererseits die Verbindung mit Tyrol, die Basis für die 
künftigen Operationen, zu sichern. 

Für den französischen Feldherrn war es darum nicht schwierig, 
vorherzusehen, dass Eugen abermals grosses Gewicht auf die Stellung 
von Gavardo legen werde, die den Kaiserlichen bei Beginn der 
Campagne 1705 so grosse Vortheile dargeboten hatte. 

Der erste Gegenzug des französischen Feldherrn bestand darin, 
ein Detachement Cavallerie nach Gavardo zu senilen und die dortigen 
Befestigungen zerstören zu lassen. Da auf eine Verstärkung aus Pie- 
mont vor der Hand nicht zu rechnen war, stellte Vendöme an dem 
Prinzen Vaudcmont das Begehren, ihm Alles was noch von spanischen 
Truppen zur Deckung der Adda zurückgeblieben war. an den < »glio 
zu senden, um es mit einigen Bataillonen Franzosen in den Ver- 
schanzungen zu lassen. Thatsächlich trafen am 12. November 5 Batail- 
lone und 1 Escadron bei der Armee ein. 

Durch diese Verstärkung verfügte Vendome nunmehr über 
56 Bataillone und 71 Escadronen, und zwar am 12. November, dem 
Tage, an welchem Eugen von Urago aufgebrochen war. Kaum hatte 
der französische Feldherr hieven Kunde erhalten, als er sich sogleich 
nach Soncino begab und die gesammte Infanterie, mit Ausnahme von 
12 Bataillonen, welche zur Besetzung von Palazzolo und Pontoglio 
und zur Errichtung von Verschanzungen bestimmt wurden, noch am 
12. zum Aufbruche beorderte. 

Wahrend der Versammlung der Infanterie zu Soncino, machte 
die in der Nahe des ( (glio eantonnii ende französische Kelterei den 
Versuch, den Fluss zu überschreiten. Da dies an der gewählten Strecke 
anmöglich war, so beorderte Vendöme Saint-Fr6mont, mit !> Es 



249 

cadronen und 2 Dragoner-Regimentern, die Brücke von Ostiano zu 
benutzen. Dort aber warder Fluss noch mehr aus den Ufern getreten 
als bei Soncino, und Saint-Fremont sah sich genöthigt, in Gabbia 
netta stehen zu bleiben. 

So sehr auch Eugens Armee von den Unbilden der Witterung 
leiden musste, so kamen ihr dieselben doch insoferne zu Stalten, als 
sie die Operationen des Feiudos, für einige Tage wenigsten.-, völlig 
lähmten. Am 13. Abends musste Vendome seine Armee von Soncino 
bis in die Höhe von Bordolano in Quartiere verlegen, aus denen sie 
selbst am 15. noch nicht aufbrechen konnten. 

Gegen den 16. hatten sich die Elementar-Verhältnisse insoferne 
für die Franzosen zum Bessern gewendet, als es möglich wurde, die 
Brücke von Bordolano zu erreichen. An diesem Tage Hess Vendome 
die Infanterie über den Fluss setzen, während Saint-Fremont mit 
zwei Dragoner-Regimentern den Oglio schon in dem Momente passirt 
hatte, in welchem die Möglichkeit des Fortkommens sich zeigte. Die 
Truppen cantonnirten an diesem Tage in Verola vecchia, Verola nuova 
und zu Quinzano; die Dragoner in Scorzarolo (bei Verola vecchia). 
Die Cavallerie alier. welche erst am 17. über den Fluss kam. bezog 
in zweiter Linie Cantonnements zu Monticelli, Villa nuova und 
Campazzo. 

Um über Eugens Bewegungen in's Klare zu kommen und die 
linke Flanke der Armee bei ferneren Bewegungen zu decken, deta 
eliirte Yen dorne 400 Pferde gegen die Mella. Diese verfolgten den 
Weg von Verola vecchia gegen Brescia und trafen mit der aus 
120 Pferden bestehenden, von Obristwachtmeister Eben geführten 
Recognoscirungs-Abtheüung zusammen. Ohne zu zaudern, ordnete Eben 
den Angriff auf den viermal stärkeren Feind an und warf denselben 
auf das Gros der französischen Armee zurück. Es wurden „20 fran- 
zösische Heiter niedergehauen" und nebstdem 1 Gapitaine, 1 Lieutenant, 
1] Gemeine mit 12 Pferden gefangen genommen, während Eben blos 
1 Mann als todt und 3 Blessirte einbüsste ' ). Der in den Acten des 
Kriegs - Archives vorhandene Rapport über die Affaire stimmt voll- 
kommen mit den französischen Quellen, in denen es unter Anderem 
heisst: ..11 fut force (Coulanges, der Commandant) de se retirer 
apres avoir perdu quelques de ses gens et deus officiers qui furent 
faits prisonniers" •). 

Erwägt man die Massnahmen, welche Vendome bis zum 16. 
getroffen hatte, und die Lage, in welcher sich Eugen's Armee an 

•) Kriegs-Archiv, Italien, 1705; Pasc. XIII. 2. 
-'i Pi let. V. Pag. 36Ö. 



2. r ,0 

diesem Tage befand, nämlich ohne manövrirfähige Artillerie: äo wird es 
begreiflich, dass der Prinz trachten musste, so schleunig als möglidb 
einem Zusammentreffen mit der feindliehen Armee auszuweichen. 

Obschon am 17. die Artillerie-Bespannungen noch immer nicht 
zurückgekehrt waren,gäb doch der Pr.i'n z denBeiehl zum Aufbruche 
aus dem Lager von Röncadellß. liier aber musste die gesammte 
Artillerie, ausgenommen die Regimentsstücke, zurückbleiben, um die 
Ankunft der Zugthiere abzuwarten. Jedenfalls war dies im Angesichte 
des nachrückenden Feindes eine äusserst gefährliche .Situation, der 
sieh aber eben nicht begegnen liess. Die Deckung des Artillerieparks 
war dem Obrist Haustein anvertraut. An Truppen hatte derselbe 
die beiden Regimenter zu Fuss: Guido Starhemherg und Güttenstein, 
das Dragoner-Regiment Trautmannsdorf und Bruclitheüe von Vau 
bonne und Fels. 

Die Armee alter brach schon am 17; Morgens .auf, um, Castenedolo 
zu erreichen. In diesem Orte wurde die kaiserliche, und zu Boffalora 
die preussische Infanterie unter Dach gebracht während die Reiterei 
zwischen beiden Puhcten bivouaquiren musste, obschon die Unbilden 
der Witterung eher zu als abgenommen hatten. 

Ungeachtet am 18. die Kundschafts - Nachrichten eingetroffen 
waren, dass VendSme mit seiner Armee in der Gegend von .Manerbio 
die Mella. jiassirt habe, so sah sich Eugen doch gemöthigtj wegen des 
stündlich sich verschlimmernden Wetters wenigstens momentan die 
Gelegenheit zur Unterkunft zu benutzen, Welch! letztere von Baron 
Riedt ausgemittelt und am 19. November dem Prinzen Eugen vor 
geschlagen worden war. 

Um die Quartiere bald zu erreichen, wurde für den 20. Novembej; 
der Aufbruch der Armee angeordnet, aber schon am l!l. dem Christen 
Battee der Befehl zugesendet, Carpenedolo recognosjciren zu lassen 
und an diesem Puncto durch eine Abtheilung Posto zu fassen. 

Am 20. November bezog Eugens Armee folgende Cantop 
nements : 

Tonte S. Marco: Vehlen, Pfalz, Hatzfeld, lsselbach, Sachsenf 
Meiningen; 

Calcinato: Die. preussischen Truppen (8 Bataillone);; 

Montechiaro: Hauptquartier; Falkenstein, Herbeville, Gutten- 
stein, T.agni und Zum Jungen; 

Carpenedolo: Reventlau^ Gschwind, 1 > Aman, Bayreuth, ELildes- 
heim, D'Albon, Savoyen, Sinzendorf, Fels, Neuburg; 

Castenedolo: Roccavjone, Pälffy, Leiningen, Vaübonne, Traut- 
niannsdoi'f, I lerbersl.ciu, Lothringen. Max Starhemberg. Regal.; 



251 

Rezzattp: Guido Starhemberg, Württemberg, Harräoh, Visconti, 
Breuner, Darmstadt, Martigny; 

Virle: Artillerie; Wallis, Andrässy, Batthyänyi; 

Treponti, Ciliverghe and Osteria: Kann. Königsegg und 
Kriechbaum ' i. 

Aber auch diese so heiss und so läng ersehnte Ruhe stillte nichi 
von Dauer sein, denn noch andern nämlichen Tage liefen Kundsohafts^ 
berichte ein, der Gegner sei im Begriffe., <l<'n Chiese zu überschreiten. 
Um einigermassen darüber in's Klare zu kommen, recognoseirte < >brist- 
Wachtmeister Eben mit 200 Pferden in der erwähnten Richtung. 

Am 21. und 22. häuften sich die beunruhigenden Nachrichten a ) 
und aus den Aussagen der Ueberläüfier und Gefangenen war zu ent- 
nehmen, dass der Gegner bereits an dem Chiese angelängt sei. In Folge 
dessen lies* E.ugen sehen am 22. seiue Armee in Marschbereitschaft 
-et /en. Als alier am 23, die fernere Nachricht einlief, die feindliche 
Armee habe den Chiese völlig passirt, die Infanterie sei auf der grossen 
Landstrasse von Asola gegen Carpenedolo im Marsche, Hess Prinz 
Eugen schleunig die Ordre an sämmtliche Truppen einheilen, dass 
Alles, was zum dienstbaren Stande zahle, alsogleich marsehiren, die 
Bagage aber, durch die unberittenen Cavalleristen bewacht, in den 
Cantonnirungen zurückbleiben seile. 

Schluss der Operationen. 

General Saint-Fremont, welcher mit den Dragonern zu Ostiano 
den Oglio passirt hatte, fand Mittel und ( iele^enheit. an der unteren 
Mella zwei Schiffbrücken für die Armee Vendöme's zu errichten. Dieser 
beorderte in Folge Eugen's Aufbruch (am 16.) seine Truppen am 18. 
nach Cigole an der Mella. Sechs Brigaden Infanterie und die Dragoner 
übersehritten diesen Fluss bei Pavone, in welchem Orte die Infanterie 
blieb, wahrend die Dragoner nach Gottolengo dirigirt wurden. Zwei 
Infanterie Brigaden besetzten Cigole, wohin das Hauptquartier verleg! 
ward; zwei fernere Brigaden aber blieben in Quinzano, um die Muni- 
täons- Wagen abzuwarten, welche der schlechten Wege halber nicht 
rasch genug folgen konnten. Die durch eine Brigade gedeckte Ami 
lerie nahm ihren Weg über Montieelli und < >stiam>. wonach sie zum 
Qebergange über die Mella eine der von Saint-Fremont errichteten 
Schiffbrücken benutzte. 

Am 19. setzte der französische Feldherr seine Uewegung fort 
und --eine Armee hatte am 22. eine derartige Aufstellung, dass sie je 

! ) Kriegs-Archiv, Italien. 1705; Pasc XI. G5. 
'i Supplemeut-Heft Nr. 303. 



nach Bedarf ebensowohl bei Asola, als bei Acquanegra den Chiese 
passiren konnte, um den Prinzen Eugen anzufallen, der erwähnter 
massen zu Carpenedolo, Montechiaro und Calcinato .seinen Truppen 
eine Erholung gönnen wollte. 

Die alarmirenden Nachrichten am 2:;. waren nur zu wohl 
begründet, denn an diesem Tage hatte Vendöme seine Anne.- in 
zwei Colonnen in Marsch gesetzt. 

Die linke Flügel-Colonne, aus den Dragonern, der gesammten 
Infanterie und dem Train dieser Truppen gebildet, überschritt den 
Chiese auf der Brücke von Asola. In die Colonne am rechten Flügel 
war der liest der Reiterei cingethcilt, welcher die Brücke von Acqua 
negra zum Uebergange benutzte. Die Umgegend von Casalmoro, Casa- 
loldo und Barchi nützten die Franzosen nur für ein Nachtquartier 
aus; denn am 24. setzten sie sich schon wieder in drei Colonnen 
in Marsch, und zwar rechts die Infanterie, in der Mitte die gesammte 
Artillerie und der Train, links 5 Dragoner-Regimenter und die gesammte 
Cavallerie. Medole und Castel Goffredo mussten an diesem Tage die 
ganze französische Armee beherbergen. 

Genau erkennend, worauf Vendome's Bewegung abziele, Hess 
Prinz Fugen am 24. seine gesammte Armee aufbrechen und über 
Montechiaro nach Carpenedolo rücken, zwischen welch' beiden Puncten 
derart Stellung genommen wurde, dass der Chiese im Kücken blieb. 
Die kaiserliche Armee formirte sieh demnach mit verkehrter Front, 
was für den französischen Feldherrn die Andeutung war. dass Prinz 
Eugen keinesfalls gewillt sei, sich in das Gebirge werten zu lassen, 
wie dies Vendome durch seine tournirenden Manöver beab- 
sichtigte. 

Obschon die Bewegung der Franzosen auf Medole keinem Zweifel 
unterlag, da man kaiserlicherseits den Trommelschlag des marschirenden 
Feindes vernahm, sendete Eugen doch Reiterparteien aus, um sich 
noch mein- zu vergewissem. Von diesen traf ein vom Regimente 
Neuburg mit 35 Pferden detachirter Rittmeister auf ein feindliches 
Detachement von 50 Pferden. Die Kaiserlichen attaquirten den Gegner, 
bieben einen Theil nieder und brachten 11 Pferde und 8 Gefangene 
ein. Diese bestätigten Eugen's Vermuthung, welcher am Abende seine 
Armee derart in Schlachtordnung aufgestellt hatte, dass der rechte 
Flügel sich völlig auf Carpenedolo stützte, während der linke gegen 
Castiglione sieh ausbreitete und von diesem Puncte 3 Miglien entfern! 
blieb. Da aber am 25. von einer ferneren Bewegung des Feindes nichts 
verlautete, so suchte Eugen durch Reiter-Detachements sieh über die 
Situation Klarheit zu verschaffen. 



253 

Am 25. verweilte Vendöme in der am vorhergegangenen Tage 
erreichten Position, weil er vor dein beabsichtigten Angriffe seine Streit 
kräfte möglichst vollzählig versammeln wollte. 

Durch die Stellung, welche die kaiserliche Armee genommen 
hatte, war der französische Feldherr zu weiterem Ausholen genöthigt 
worden. Er hatte, um die zwischen dem Chiese und dem Mincio sich aus- 
breitenden Ebenen ungefährdet durchziehen zu können, die Armee in 
drei Colonnen in Marsch gesetzt. Die linke, mithin die der kaiserlichen 
zugewendete Colonne war aus der gesammten Infanterie gebildet. Um 
diese wahrend des Flankeninai'sehos gegen Anfalle von Seite der kaiser- 
lichen Reiterei zu decken, hatte V endo nie ein Detachement von 
5(10 Pferden aus Castiglione abrücken lassen. In der Mittel - Colonne, 
welche sich aus der gesammten Reiterei formirte, bildeten die Dragoner 
die Vorhut; die gesammte Artillerie mit dem Train aber vollführte die 
Bewegung am rechten, den vom Gegner am meisten entfernten Flügel. 

Noch am Abende des 26. bezogen die Franzosen folgende Stellung: 
Zu Esenta (von Castiglione 1', Miglien und von Lonato 2 Miglien 
entfernt) cantonnirten 4 Infanterie -Brigaden; in der Vorstadt von 
Castiglione 4 Brigaden, die Artillerie und das Hauptquartier; zur 
Verbindung zwischen diesem Puncte und Esenta wurden 2 BrigadeD 
aufgestellt. Die 5 Dragoner-Regimenter cantonnirten rückwärts von 
Castiglione in den unter dem Namen „Le Fontaue" bekannten 
Casinen; von Solferino an bis gegen Castiglione der Rest der fran- 
zösischen Reiterei. 

Nicht blos durch die ausgesendeten Parteien, sondern auch von 
der Stellung aus hatte Eugen Vendonie's Ileweguiig wahrgenommen, 
und darum Hess er die Armee in Kampfbereitschaft setzen, ja selbst 
die Cavallerie autsitzen. Er zog die in Carpenedolo unter Dach 
gebrachten Regimenter herbei, um selbe' in die Schlachtordnung ein- 
zureihen. 

Nach der Position, welche Venddme am 26. gewählt hatte. 
war es für Eugen keinesfalls rathsam, auf jenein Terrain, auf welchem 
die kaiserliche Armee sieh befand, den Kampf anzunehmen. Abge- 
sehen davon, dass der Gegner die numerische Ueberlegenheit für sieh 
hatte, befand sich derselbe im Besitze von Vortheilen, die keinesfalls 
durch die grösste Bravour der kaiserliehen Truppen hätten aufgewogen 
werden können. Eugen' s Armee stand mit dem Rücken gegen einen 
Fluss und hatte als Stützpunct lediglieh Ortschaften. Die Franzosen da- 
gegen waren durch die östlich von Castiglione gelegenen Höhenzüge 
gleichsam im Besitze eines Reduits, woselbsl sie auch bei ungünstiger 
Entscheid u n s des Kampfes alsoirleich sich wieder formiren und erneuert 



254 

zum Kampfe hervorbrechen konnten. Ausserderfl aber hätte Vendome 
noch den Voi'theil des deckenden und verdeckenden Terrains, welchem 
ihm die Möglichkeit gewährte; seine Dispositionen Ins zum letzten 
Momente dem Prinzen Eugen verborgen zu halten. Dieser musste 
demnach trachten, aus einer Lage zu kommen; in der er viel ver 
Heren, alier keinesfalls etwas gewinnen konnte. 

So wie Vendöme am 26. einen Flankenmarsch im Angesichte 
des Gegners vollführte, ebenso musste Eugen am 27. ..eine kleine 
Viertelstunde vor dem feindlichen Lager vorbei" defiliren. Der Marsch 
erfolgtem zwei Colonnen, deren Elankendeckung die Huszaren bewirkten, 

welche die \ len Franzosen in die Ebene, vorgeschobenen Posten 

„aufhellen und gefangen hin wegführten"'. Prinz Euge'n war ent- 
schlossen, im Falle der Feind auf die Saide hervorbrechen würde, 
auf dieser die Schlacht anzunehmen: ..Man verhoffte, es werde sich 
zu einer Action anschicken Der Feind hielt sich alier dermassen bei- 
sammen, dass vnii ihme gar nichts heraus kam." 

Unbehelligt vollführte die kaiserliche Armee ihren Marsch nach 
Lonato, woselbst der linke Flügel Stellung nahm, während der rechte 
gegen Montechiaro ausgedehnt wurde. Dem Feinde zunächst, mithin 
in letztgenanntem Orte, schlug Eugen das Hauptquartier auf. 
Der Prinz manövrirte demnach derart, dass er seine ursprüngliche 
Stellung in Gavardo wieder gewinnen kennte, was (dien Vendome 
am meisten zu hindern suchte. Dieser hatte nämlich schön am 28. 
mit Tagesanbruch 4 [nfanterie-Brigaden von Esenta und <i Geschütze 
detaeliirt, um alle Casinen, welche sieh von genanntem Punete bis 
Lonato auf dem in dieser Richtung streichenden Höhenzuge befanden, 
rasch zu besetzen. 

Der Marsch der Kaiserlichen auf Lonato war aber derart ange- 
ordnet werden, dass die rechte Flanke durch die Fossa Seriola gedeckl 
und in Folge dessen Vendöme's Detachirung fruchtlos blieb. Debrigens 
erreichten seine 4 Infanterie-Brigaden die Porta von Lonato erst zu einei 1 
Zeit, wahrend welcher der grössere Theil von Eugen's Infanterie bereits 
vom bedeckten Wege und von den Vorwerken liesitz genommen hatte. 

Nun musste ein anderer Versuch gemacht werden. Ve nd 6 m e, 
einsehend, dass der Naviglio ']vn Angriff ausschliesse, beorderte seine 
ganze Armee zum Aufbruche und liess die Infanterie auf jene 
Höhen rücken, welche auf Kanonensehussweite von Lonato sich 
erheben. Bei diesem, den rechten Flügel bildenden Theile, wurde das 
Hauptquartier aufgeschlagen, während der linke Flügel sieh in Esenta 
befand, die Reiterei aber in zweiter Linie entlang des Gärda-See's, 
von der Vorstadt Desenzano's bis Rivoltella. 



255 

Als sich in solcher Weise beide Armeen uur durcb ein 1 '>• -w > ---n , i^-~ 
Einderniss von einancter getrennt gegenüberstanden, schrieb Prinz 
Eugen (am 29. November) '): „leb babe meines Orts Alles gethanj was 
immer von mir dependiret bat, um Sr. königl. Hoheit Luft zu machen" 

aber bei der gegenwärtig bereits eingetretenen Winterszeit 

h'abe ich nicht einmal einen einzigen sicheren < >rt. ja werde gezwun 
gen sein, ttm die Truppen etwas ausrasten zu lassen and unter Dacb 
zu bringen, meine Winterpostirung mit dem Degen in der Fausl zu 
Streben." 

Im Momente war der Umstand äusserst misslicb, dass die Vene 
tianer 1 1000 Mann) den Kaiserlichen entschieden den Eintritt in 
Lonato verwehrten*}. Gewalt durfte der kaiserüche Feldherr aus poli- 
tischen Rücksichten nicht anwenden, und es mussten von Wien aus 
Weisungen eingeholt werden 1 !. ( ilisehon dies sogleich geschah, keimte 
Engen doch nicht Ins zum Anlangen einer Antwort den Ereignissen 
auf dem Kriegsschauplätze Halt gebieten. 

unsäglich litt die kaiserliche Armee zu dieser Zeit. Zu den 
Unbilden der Witterung hatten sieh neuerdings Mangel an Geld und 
an Naturalien gesellt. Um den „Train und die Requisiten" von Balaz- 
zolo fortschaffen zu können, musste abermals drei Tage zugewartet 
werden, welche dem Feinde Zeit und Gelegenheit galten, neuerdings 
einen Vorsprang zu gewinnen. 

Sehen am 28. November Abends entspann sich zwischen beiden 
Gegnern ein Feuergefecht, welches sowohl den 20. als 30. November 
fortwährte. Dieser mit Kleingewehr und allen Gattungen von Geschütz 
geführte Kampf scheint beiderseits seihst in Bezug auf Verluste 
völlig resultatlos gebheben zu sein, denn die Kaiserliehen hatten „keinen 
sonderlichen Sehaden erlitten" und der französische Bericht lautet: 
Reelles iles troupes) des deux conronnes ne souffrirerit point". 

Vermuthlieh hatten beide Gegner die Nutzlosigkeit der Muni- 
Kons - Verschwendung erkannt, denn vom 1. December ab stellten sie 
das Feuer ein. Gebieterisch legte sich die Jahreszeit in's .Mittel: äusserst 
keftiger Frost nöthigte sowohl Eugenais Vendöme zu Vorkehrungen, 
um die Truppen vor Aufreibung zu bewahren. 

Der Prinz begann am 1. seine Truppen von der Fossa Lonato 
zurückzuziehen und die Höhen von Lonato Ins Montechiai'o ver- 
schanzen zu lassen, ilit Rücksicht auf den möglichen erneuerten 



') Supplement-Heft Nr. 30ö. 
2 ) Lamberty, Band III. Seite 513. 
'i Kriegs-Archiv 1705; Fase. XIII 1 
Bepublik Venedig | 



256 

Kampf wurden die Truppen „in denen zunächst Lonato befindlichen 
und sonst in der Nahe vom Lager seienden Casinen so gut als mög- 
lich" untergebracht. 

Das üämliche Verfahren beobachtete Vendöme auf den in 
seinem Besitze befindlichen Hohen bezüglich der [nfanterie, während 
seine Reiterei in den Cantonnirungen entlang des Garda-See's verblieb. 

Dur französische Feldherr, nach den im Lager der Kaiserlichen 
getroffenen Verfügungen zur Voraussetzung geführt, das.-, Prinz Eugen 
den Winter hindurch sich in der nunmehr bei Lonato gewählten 
Stellung behaupten wolle, entschloss sich, das Absehen zunächst auf 
Desenzano zu richten, um nach Gewinnung dieses Punctes sich ent- 
lang iles Garda-See's Salö zu nahem, was eine Umgehung Eugens 
linker Flanke bedeutete. 

Vendome hatte bezüglich der völligen Tournirung der kaiser- 
lichen Armee persönlich die Recoghoscirung gegen Salö vorgenommen. 
Der Augenschein belehrte ihn aber, dass in dem Räume zwischen dem 
See und den im Besitze der Kaiserlichen befindlichen Hohen die 
Bewegung seiner Armee unmöglich sei. Einerseits lag der schmale 
Bodenstrich vollständig unter dem Feuer der Artillerie Eugen's, 
andererseits konnte dieser an beliebigem Puncte mit Vortheil einen 
Flankenangriff vollführen. 

Auf dieser Seite waren mithin die Plane völlig geseheitert. Von 
der Aufstellung Visconti's zu S. Eufemia vor Brescia in Kenntniss 
gesetzt, welche nur den Zweck haben konnte. Nave, Soseto und 
Gavardo zu decken, hoffte der französische Feldherr, dass Mangel an 
Subsistenzmitteln die kaiserlichen Truppen zwingen werde, Montechiaro 
und Calcinato zu räumen, um jene Winterpostirung zu beziehen, in 
welcher Leiningen zu Beginn des Jahres stand. Bestärkt in dieser 
Ansicht ward Vendöine durch die Nachricht von der Absendung 
der gesammten Artillerie und Bagage nach Gavardo und Salö. 



Ereignisse iu Piemoiit vom Juli bis Ende des Jahres. 



Als V endo nid am 11. Juli das Lager von Chivasso verlassen 
hatte, waren die Angriffsarbeiten nicht seinen Erwartungen gemäss 
gediehen. Mehrtägiger Regen unterstützte die Vertheidiger, indem sich 
die Arheiten au den Approchen verzögerten. Bis 10. Juli war nämlich 
das Logement erst auf 18 Toisen Entfernung von jenen Erdwerken 
gelungen, welche zum Schutze der beiden Casinen am rechten Po- 
Ufer augelegt waren. Liess sieh dieser Schutz durch Minen sprengen, 
so konnten die Franzosen hoffen, bald die Anhöhen zu gewinnen und 
dadurch die Verbindung der beiderseits des Po aufgestellten Theile 
der Armee des Herzogs völlig abzuschneiden. 

Aber abgesehen von den Schwierigkeiten, welche die Ungunst des 
Wetters den Angreifern entgegenstellte, hatten Eugen' s Erfolge, die 
V endo nie gerade in jenem Momente aus Piemont abriefen, in welchem 
er sieh nahezu im Besitze Chivasso's wähnte, den Muth und die Hoff- 
nungen im herzoglichen Lager neu belebt. Victor Amadeus schrieb 
am 12. Juli an Eugen: „Ich finde keine Worte, meine Freude über 

Ihre glücklichen Erfolge auszudrücken wir halten noch immer 

Chivasso und die Höhen, welche den Uebergang decken 1 )." 

Bei der Situation aber, in der sich die Armee des Herzogs be- 
fand, welche jede numerische Verstärkung so lange ausschloss, bis 
Eugen's Operationen nicht den gewünschten Erfolg hatten, konnten 
die freudigen Erwartungen um so weniger von langer Dauer sein, als 
der Herzog Dela Fe ui 11 ade eben in der Lage war, seine Angriffs- 
trappen wesentlich zu verstärken. 

Ungeachtet des anhaltenden Regenwetters vermochten die neu 
errichteten französischen Batterien vor Chiva.-so ihr Feuer am 16. Juli 



') Kriups-Aroliiv. Italien. 1705; Fase. VI 
i Prinzen Bug« n i Savoyen Vll Hau. 



258 

zu eröffnen, und es wurde an diesem Tage am Glacis eine Parallele 
begonnen, welche gegen den ausspringenden Winkel des Halbmondes 
führen sollte. Durch Anlegung von Logements ward derselbe umfasst 
und die Errichtung neuer Batterien bezweckte schleunige Zerstörung 
der Flanken, sowie leichtere Passirung des Grabens. Nichl minder 
emsig arbeiteten die Angreifer an den Minen, welche am rechten Po- 
Ufer die Vorwerke der beiden Casinen zerstören sollten. 

Zu dieser Zeit war die Macht des Herzogs von Savoyen auf 
„4500 Mann zu Fuss und 3000 Pferde" zusammengeschmolzen und 
darunter befanden sieh „zwei Drittel piemontesischer Truppen, die 
zumeist aus Bauern" bestanden , „welche zusammengetrieben und 
gezwungen" Dienste leisteten; auch mangelte es an Officieren, von 
denen ein grosser Theil sich in Gefangenschaft befand. 

All' dies war um so misslicher, als solch' schwache Macht einen 
grossen Raum zu decken hatte . und überdies durch Arbeit bei den 
Minen und Befestigungen, durch fortwährenden Kampf, endlieh durch 
angestrengten Wachdienst physisch sehr herabgekommen sein musste. 
Ungeachtet dessen sank aber bei den kaiserlichen Truppen der Muth 
keineswegs; nur bezüglich des Herzogs von Savoyen drängten sich 
Besorgnisse auf. Denn Starhemberg berichtete: „Indessen Ut an 
der Treue und Standhaftigkeit des Herzogs nicht zu zweifeln, es 
seheint aber, dass bei diesen Umständen dessen guter Wille mit den 
Kräften auslöscht." 

De la Feuillade Hess seine Angriffsarbeiten beschleunigen, und 
iu Folge dessen gelang es, am 24. die Logements im bedeckten Wege 
zu beziehen. Die Bresche war für den Sturm practicabel und es be- 
gann die Sammlung der Angriffstruppen im Graben. Auch gegen die 
beiden Casinen am rechten Po-Ufer war der Minengang auf vier Toisen 
den Retranchements nahegekommen und Dela Feuillade zweifelte 
nicht, in Kurzem im Besitze Chivasso's zu sein. Ehe er aber den Sturm 
anordnete, sollte i\<-^ Herzogs von Savoyen Reiterei, die bei Brandizzo 
lagerte, angegriffen und auf Turin geworfen werden, um sich dadurch 
in grösserer Ausdehnung die Ressourcen des Landes zu sichern. 

Gelangten die Franzosen in den Besitz dieses Punctes, so lag 
auch die Gefahr nahe, dass dieselben durch die in der Nähe vorhan- 
denen Furten den Po mit Infanterie überschreiten und dadurch den 
beiden Casinen, zu deren Behauptung Alles aufgeboten worden war, 
in den Rücken kommen würden. 

Am 26. Juli begannen die ersten Bewegungen. Mit Tagesanbruch 
passirten 4b' Escadronen, 11 Bataillone und 5 Grenadier-Compagnien 
(von Crescentino, Verrua und von der Blokade von Montmellian 



259 

herangezogen), den Orco. In den Trancheen blieben zur Fortsetzung 
der Belagerungs-Arbeiten blos 20 Bataillone und 2 Dragoner-Regi- 
menter und am rechten Po-Ufer jene 11 Bataillone, welche d'Arene 
befehligte. 

Von Seite der Reiterei des Herzogs erfolgte nicht einmal der 
Versuch, den Orco-Uebergang streitig zu machen, im Gegentheile, sie 
zog sich von Brandizzo rasch nach Settimo Torinese zurück, und es 
blieb bei der Brücke im erstgenannten < >rte blos ein Dragoner-Regiment. 
De la Feuillade drängte nicht nach, sondern bezog hei Ceretto ein 
Lagerund liess zu seiner Verbindung mit den Belagerungs-Truppen vor 
GMvasso eine Brücke über den Orco errichten. Er zählte darauf, dass 
die letzteren während seines Angriffes auf die Reiterei auch in den 
Besitz Chivässo's gelangen würden. Starhemberg's Gegenmassregeln 
nöthigten aber den Feind, den Sturm noch weiter hinauszuschieben. 
Aehnlich wie bei Verrua, machte die Tapferkeit der Vertheidiger und 
die ausserordentliche Geschicklichkeit bei Anlegung von Gegenminen, 
sowie das Verbauen der Breschen alle Anstrengungen des Feindes 
fruchtlos. Darum musste De la Feuillade sich vorläufig damit be- 
gnügen, sein Project gegen die Cavallerie des Herzogs in Ausführung 
zu bringen. 

Am 27. Juli liess er durch Grenadiere. Carabiniers und Artillerie 
die Brücke, welche bei Brandizzo über den Malone führt, forciren, 
und am 29. wurde der Angriff auf die austro-savoyische Reiterei unter- 
nommen, welcher jedoch nicht nach De la Feuil lade's Wunsch gelang. 
Wohl musste sich die kaiserliche Reiterei, nachdem sie dem Choc 
der Uebermacht Stand gehalten und dabei 150 Mann als Gefangene 
eingebüsst hatte, hinter die Stura zurückziehen; aber dies war weit 
entfernt von der förmlichen Niederlage, welche ihr DelaFeuillade 
bereiten wollte. 

Jenseits der Stura ward neuerdings Stellung genommen, und dass 
von Entmuthigung nicht die Rede war, beweist De la Feuillade's 
Bericht an den König: „ils etaient en bataille en hon ordre sur une 
hauteur qui domine la riviere')." 

Die Franzosen wagten keine Wiederholung des Angriffes, sondern 
zogen es vor, in ihr Lager vor Chivasso zurückzukehren. 

Durch die Zurückdrängung der kaiserlichen Reiterei hoffte I>e la 
Feuillade die Gewinnung Chivässo's beschleunigt zu haben. Aber 
alle angewandten Mittel wollten nicht verfangen und darum entschloss 
sieh der französische General, um der noch in Chivasso befindlichen 

') Pelet: 170.".. V. 175. 



260 

Infanterie des Eerzogs den Rückzug abzuschneiden, am Po Ufer 
zwei Redouten und eine Batterie anlegen zu lassen und an sieben 
verschiedenen Puncten die Position von Castagneto anzugreifen. 

Bei derartiger Sachlage wäre wohl das fernere Verweilen in 
Chivasso mehr als ein Wagniss gewesen, denn Starhemberg durfte 
den Rückzug nach Turin nicht verlieren. Diesbezüglich schreibt 
Victor Amadeus an Eugen: „Chivasso hätte sich noch mehrere 
Tage behaupten können, aber die Zurückdrängung der Cavallerie hat 

uns genöthigt, dasselbe aufzugeben Vorgestern Nachts (vom 

28. zum 21).) wurde die ganze Garnison und das Kriegsmateriale 
gesammelt und der Rückzug aus der Position von Chivasso ange- 
treten" „nachdem der Feind durch Zurückdrängung unserer 

Cavallerie die Möglichkeit gewonnen hatte, sich bis an die Stura und 
den Po auszudehnen, wurde unsere Bewegung gefahrvoll und dies 
zwingt uns zu ununterbrochener Kampfbereitschaft, um nicht von 
Turin abgeschnitten zu werden. Wir haben den sichersten Weg ein- 
geschlagen und sind heute den 31. Juli in S. Mauro angelangt." 
Victor Amadeus forderte bei dieser Gelegenheit von Eugen 
bestimmte Antwort, ob für den Fall, als die Passirung der Adda 
unmöglich wäre, ein uamhafter Truppentheil von der kaiserlichen 
Armee nach Piemont geworfen werden könne. Der Herzog meinte, 
es sei besser, Eugen halte sich fortan in der Defensive und unter- 
stütze die Armee in Piemont, als diese durch feindliehe Uebermaeht 
erdrücken zu lassen 1 ). 

Prinz Eugen versicherte den Herzog, wie sehr er von der 
Notwendigkeit der Vereinigung beider Armeen überzeugt sei, und 
dass er zum mindesten die Sendung eines Succurses als dringend 
geboten erachte. Beides läge aber für den Moment ausserhalb dem 
Bereiche der Möglichkeit: „Ich hoffe, Eure Hoheit werden überzeugt 
sein, dass mein einziges Streben dahin gerichtet ist. das Eine oder 
das Andere ins Werk zu setzen. Aber seit der Duc de Ven dorne 
alle seine Streitkräfte gesammelt und eine Stellung genommen hat. 
von welcher aus er mir stets zwei oder drei Märsche sowohl gegen 
die Adda, als gegen den Po voraus sein kann; bei dem Umstände 
ferner, dass anhaltender Regen alle Wasser derart ansehwellen machte, 
dass ich an den Feind nicht heranzukommen vermag, was diesem Zeit 
zu r.efosti^un-eii i namentlich hinter der Adda) gewährt u. s. w., ist 
es unmöglich, vorzudringen 5 )." 



261 

Unbehelligt vom Feinde und ohne Zwischenfälle konnten die 
Infanterie und die Dragoner Turin erreichen, woselbst die Vereinigung 
mit der schon früher dort angelangten kaiserlichen Reiterei stattfand. 1 >ie 
Franzosen rückten am 30. Juli in Chivasso ein und De la Feuil lade 
scheint so sehr mit dem Plane zur Belagerung von Turin beschäftigt 
gewesen zu sein, dass er nicht daran dachte, dem im Rückzuge be- 
griffenen Herzoge von Savoyen Hindernisse in den Weg zu legen. 
Als Grund wird die Erschöpfung der Truppen angegeben. Erwägt 
mau alier die Zahlenverhältnisse zwischen beiden Gegnern, so drängt 
sich unwillkürlich die Frage auf. warum der französische General 
den günstigen Moment, die Armee des Herzogs völlig aufzureihen, 
ungenützt vorübergehen und dieselbe Turin erreichen licss. wo voraus 
sichtlich abermals zäher Widerstand zu gewärtigen war. Da De la 
Feuil lade selbst die Truppenstärke, des im Rückzuge begriffenen 
Gegners blos mit „4000 Mann Infanterie" bezifferte 3 ) so war wohl 
kaum eine günstigere Gelegenheit, die kleine Sehaar wahrend ihrer 
Bewegung anzufallen, ihr die Möglichkeit zu nehmen, wieder zu Athem 
zu kommen und sich zu sammeln, d. h. mit der Reiterei zu vereinigen. 
Es wiederholt sich in den Kriegen jener Zeit nur zu häufig das Bei 
spiel, dass durch Versäumen des richtigen Momentes die Entscheidung 
sich immer mehr und mehr hinausschiebt und ungeheure. Opfer an 
Menschenleben gebracht werden, die mit den Resultaten in keinem 
Verhältnisse standen. 

Am 1. August sammelte De la Feuillade seine Armee in 
Geretto und führte sie am 4. nach Cirie. Von diesem Puncto disponirte 
er jene Truppen, welche seinen Rücken und seine Verbindungen 
sowohl mit Genua, als an den Po, wo die Zufuhren stattfanden, zu 
decken hatten. Asti, Aqui, Carcare (bei Cairo an der Bormida), Trino, 
Chivasso und Crescentino erhielten je ein Bataillon als Besatzung und 
letzterer Punct auch 240 Pferde. Ueberdies wurden in Säle ein 
Dragoner-Regiment und in Vercelli 60 Pferde und 30 Huszaren zu- 
rückgelassen. 

Da ferner beabsichtigt war, die Verbindung mit Frankreich über 
lvrea herzustellen, zog De la Feuillade aus dem Val d'Aosta drei 
Bataillone und Hess blos in lvrea und Kort Bard kleine Garnisonen. 

Nach Abschlag all' dieser Detachernents konnte die französische 
Armee in l'iemont mit ... r >0 Bataillons, 300 Grenadieren, der gesammten 
Reiterei (abgesehen von dem für Säle bestimmten Dragoner-Regiment 
und von 350 auf verschiedenen Posten vertheilten Reitern) vor Turin 



262 

erscheinen, woselbst die Truppen des Herzogs vonSavoyen auf dem 
Glacis ein Lager bezogen hatten. 

Die Capitale Piemonts, die Residenz des Herzogs Victor Am a- 
deus vim Savoyen war nunmehr zur Grenzfestung geworden, am 
den noch übrigen geringen Theil des Landes zu decken. Hiezu stand 
nur der Resl der kaiserlichen und piemontesischen Truppen zur Ver- 
fügung und Starhemberg beeilte sich, „die Artillerie auf die Wälle 
zu bringen und ein und anderes Vor- oder Aussenwerk anzulegen, 
um dem feindlichen Angriff so viel menschenmöglich zu opponiren". 

Die feindliche Armee befand sich am 8. August, 40 Bataillone 
und 60 Escadronen zählend, bei Veneria. Die in 40 Mörsern und 
80 schweren Batteriestücken bestehende Belagerungs-Artillerie war zu 
dieser Zeit noch in Susa und Crescentino '). Ungeachtet dessen ge- 
wärtigte Victor Amadeus den sofortigen Beginn der Belagerung 
und diese Besorgniss sprach er in seinem Sehreiben vom 7. August 
an Eugen aus. Mit Bitterkeit bemerkte der Herzog: „Es ist ein 
grosses Missgeschick, dass eine Armee, die so viele Mühe und Sorge 
gekostet hat, und die uns zu Beginn des Monats März zu Hülfe kommen 
sollte, dies bis heute (Hälfte August) noch in keiner Weise gethan 
hat.- Auch in diesem Sehreiben wollten Klagen und Projeete nicht 
enden, und des Prinzen Eugen Geduld musste wahrlich auf der 
äussersten Grenze angelangt gewesen sein 2 ). Victor Amadeus 
wollte positive Zusagen, und seine Haltung war für des Kaisers Sache 
eben nicht ermuthigend. 

Darauf deutet ferner Daun's Bericht aus Turin, welcher gegen 
Eugen bemerkt: „Seine königl. Hoheit kommen mir seit einer Zeit her 
sehr wunderlich und kleinmüthig vor und haben unter Anderem gegen 
mir dieser Tagen gesagt, dass Deroselben sehr hart fallet, Sie auf solche 
Weis, wie es vor Augen, nach und nach also zu Grund gehen zu lassen. 
Dahero dann, obwohlen Dieselbe eine -schändliche Action zu begehen, 
nicht capable, doch auch nicht zu verdenken wären, wann selbe, den 
endlichen Ruin zu vermeiden, zu was Anderem resolvirten. Jedoch wann 
es geschehen möchte, sollte es öffentlich und nicht heimlich geschehen 3 )." 

Daun trachtete gleichfalls des Feldmarschalls Verbitterung zu 
mildern, um vereint mit ihm Victor Amadeus bei gutem Mutlie zu 
erhalten. Kr hatte hierin einen äusserst schwierigen Stand, denn das 
Zerwürfnis.-; steigerte sich auch dadurch, dass Starhemberg die 
Truppen des Herzogs, „wie sie vorgaben, ohne Ursach sehr übel trae- 



') Kriegs-Archiv, Italien, 1705; Fase. VIII. 13. 

Im i \ivliiv, Italien, 1705; Fase. V. lt. 

•l Supplement-Heft Nr. 223. 



tiret" '). < >b und inwiefern Grund dazu vorhanden war, gehl aus 
französischen Quellen (Polet, Memoire*) hervor, wo bemerkt ist, dass 
die Milizen des Herzog's von Savoyen nach dem Rückzüge, von Turin 
aus in ihre Heimatsorte zu entkommen suchten; und darum war 
eiserne Strenge in der kritischen Lage der Armee wohl nothwendig. 

Die vom Herzoge am 12. August getroffene Anordnung, dass die 
deutschen Truppen aus der Citadelle abziehen und diese den einge- 
bomen Milizen überlassen mussten, ferner der Befehl, die Kaiserliehen 
„in die Vorposten zu zertheilen und zu separiren" veranlassten Star- 
hemberg zu folgender Bemerkung gegen Eugen:... „also werden 
Euer Durchlaucht von Selbsten hoeherleuchtet ermessen können, dass 
bei so beschaffenen Dingen warhaftig von einem guten Ende eine 
geringe Hoffnung mehr übrig bleiben will". Hatte Starhemberg's 
Verhältniss zum Herzoge von Savoyen die ganze Zeit über genug 
des Unleidlichen gehallt, SO mussten diese jüngsten Verfügungen den 
völligen Bruch binnen Kurzem herbeiführen. Allen Bitten um Ent- 
hebung aus der schwierigen Stellung waren stets vom Kaiser und 
ebenso von Eugen Beschwichtigungsversuche gefolgt. Beide wussten 
ja, dass das Ausharren eines Charakters, wie es Starhemberg war, 
dem Untergange vorbeugen müsse 2 ). 

Ungeachtet der Feind keine Miene zum Beginne der Angriffs- 
arbeiten machte, ja selbst sein Belagerungsgeschütz sieh noch in 
Crescentino und Casale befand und seine ganze Thätigkeit sieh auf 
die Verschanzung des eigenen Lagers beschränkte, mithin von einer 
nahen Gefahr nicht die Rede sein konnte, wurde die Sprache des 
Herzogs von Savoyen stets harter. ( »bsehon er sich mit Starhem- 
berg persönlich nie zu verständigen vermochte, fühlte er nur zu 
wohl dessen Werth für Piemonts Schicksal. In dem Schreiben vom 
13. August an Eugen beklagt sich der Herzog über den Feldmar 
schall, fügt aber die Bemerkung an: „Ich setze den Kaiser davon in 
Kenntniss, damit er dem ein Ziel setze; ich verlange von ihm 
(Jose p h I.) einen bestimmten Befehl an S t a r h e m b e r g, dass er nicht 
von hier abgehe, dass er zu meiner Disposition bleibe und dass er 
pünctlich meinen Befehlen Folge leiste. Ich bitte Sie, persönlich dahin 
zu wirken. da>s dieser Befehl möglichst bald abgesendet werde." 

Halt man diesen Worten die von Starhemberg an Eugen 
gerichteten Bemerkungen entgegen, so wird begreiflich, was der kai- 
serliche Feldmarschall in seiner Zwitterstellung an Selbstverleugnung 
aufbieten musste, um den Wünschen seines Monarchen gerecht zu 

') Kriegs-Archiv, Italien, 1705; Fase. VIII. 51. 
'<) Supplement-Heft Nr. -216. 



264 

werden. Jedenfalls war es von einem bewährten pflichttreuen Soldaten 
viel verlangt, zusehen zu müssen, wie die Sache des Kaisers ganz 
offen gefährdet wurde; denn etwas Anderes bedeuteten die jüngsten 
Dispositionen des Herzogs von Savoyen wohl nicht. Die Citadelle 

und die Stadt Turin ausschliesslich in den Bänden piemontesischer 
Truppen und Milizen, gaben Victor Amadeas Freiheit in seinen 
Entschlüssen, welche sich mehr und mehr Frankreichs Sache zuwendeten. 
Die vorgenommene Recognoscirung bestärkte l>e La Feuillade's 
Ansicht, die Belagerung ohne vorherige Einschliessung wagen zu dürfen, 
d. li. der leitende Gedanke war auf die geringe Zahl der austro-savoyischen 
Streitkräfte basirt. Eine Cernirung bedingte, mindestens 25.000 .Mann; 
dem Herzoge von Savoyen standen aber kaum 4000 Mann Infanterie 
zu Gebote und diese genügten wohl nicht, eine regelmässige Belagerung 
durch Offensiv-« »perationen zu vereiteln oder zu verzögern. Altessano 
schien dein französischen General am geeignetsten zur Anlage des 
Belagerungsparkes und der Spitäler; Veneria ward zum Lebensmittel- 
Depot und für die Bäckereien ausersehen. 

( »bschon De la Feuillade sogleich mit den Vorbereitungen begin- 
nen liess, kam er doch bald zur Ueberzeugung, dass er wegen der 
Hitze und wegen Mangel an Mundvorräthen kaum vor Anfang Septem 
her die Belagerung werde beginnen können. In Folge der Sommer- 
dürre fanden sieh auch für die Cavallerie keine Subsistenzmittel, und 
dieselbe musste darum vorläufig in einen ergiebigeren Landestheil ver- 
legt werden. Am 11. August erhielten 37 Escadronen Befehl, an die 
obere Stura abzurücken, von denen 31 ein Lager mit dem rechten 
Flügel an Casclle, mit dem linken bei Borgaro bezogen, während 
die übrigen 6 zum Theil in Volpiano, zum Theil in Legni Unter- 
kunft fanden. 

Diese Position hatte De la Feuillade auch aus dem Grunde 
gewählt, um seine Zufuhren zu decken. Zwei Bataillone, welche Borgaro 
besetzten, sollten den Stützpunct des Cavallerie-Lagers an der Stura am 
linken Flügel verstärken. 

Nach diesen Detachirungen waren in dem Lager von Veneria 
17 Escadronen und die gesammte Infanterie verblieben. Die Trennung 
der beiden Bataillone hatte keim' Bedeutung, denn Borgaro i>t 'des 
eine Miglie von jener Brücke Tiber die. Stura entfernt, gegen welche 
der linke Flügel der französischen Armee stand. Auch die zu Perosa 
zurückgelassenen 700 Mann sollten herangezogen werden; doch in 
der Voraussetzung, dass der Herzog von Savoyen sieb kaum durch 
einen Angriff auf diesen Posten schwächen durfte, blieben seihe bis 
zum Aufmarsche der Armee vor Turin. 



265 

Der Angriff auf diesen Platz war aber ein Unternehmen, bei 
welchem mannigfache Hemmnisse zu gewärtigen standen, abgesehen 
davon, dass die momentan hiezu verfügbaren Truppen nicht aus 
reichten. Nach dem ürtheile Vauban's bedingte die Belagerung Turins 
im Herbste 1705 mindestens <i() Bataillone zu je 500 Mann, und über- 
dies die völlige Einschliessung des Platzes*). !><■ la Feuillade 
beharrte aber mit Zuversicht auf seiner Idee und machte sich ver- 
bindlich, Turin zu nehmen; er stellte Mos die einzige Bedingung, dass 
Ven dorne alle Entsatzversuche Eugen's vereitle. Immerhin wurde 
dieser Plan insoferne erschüttert, als De la Feuillade bald zur 
Erkenntniss gekommen war. dass er vor Mitte October die Trancheen 
nicht zu eröffnen vermöge, nachdem Krankheiten seine Truppen herab- 
gebracht und die Proviant-Lieferungen einen schwachen Erfolg haiton. 
Am 20. August aber erklärte er, dass die Belagerung unmöglich sei, 
wenn nicht eine Verstärkung durch 14 Bataillone und 15 Escadronen 
erfolge. Seinen Irrthum gestand der französische General folgender- 
massen ein: ..(''est une sottise de promettre aisement et de secharger 
d'une entreprise considerable saus etre assure d'un heureux succes. 
Je veux d'autant mieux m'en corriger, que je sais qu'on n'en sait pas 
grand gre, et qu'on fcrouve souvent celui qui fait tout difficile, sonst', 
et celui qui entreprend le possible, imprudent 2 j." 

Selbstverständlich blieb die sehwindende Zuversicht De la 
Feuillade's den Vertheidigern von Turin kein Geheimniss. Die Ver 
Sammlung der französischen Armee und die Zurückziehung der 
Truppen von den vielen Posten, auf welchen sie /.erstreut waren, liess 
eine Äction gegen den Platz nicht als nahe bevorstehend erseheinen, 
ol, schon der Herzog von Savoyen ein Bombardement gewärtigte. 

In diesem kritischen Zeitpunete vollzog Victor Amadeus, wahr- 
scheinlich gegen seine persönliche Stimmung, einen Act, welcher für den 
ferneren Verlaut' der Begebenheiten in Piemont von grosser Tragweite 
war. Um den kaiserlichen Feldmarschall, dessen Abberufung sich vor- 
bereitete, zum Verbleiben zu bewegen, richtete der Herzog am 1. Sep- 
tember ein Schreiben an Starhemberg, welches in der üeber- 
setzung folgendermassen lautet: „Nachdem Sie die schriftliche Wieder- 
holung meiner Worte bezüglich Ihrer Abreise aus Piemont wünschen. 
ergreife Uli willig diese Gelegenheit, um Ihnen zu sagen, dass es 
entschieden gegen den Dienst Sr. Majestät und die gemeinsame Sache 
ist, dieses Land inmitten des Feldzuges, und zwar zu einer Zeit zu 
verlassen, in welcher Ich, in Folge Meines Eifers und Meiner Au 



') Pelet : V. 181. 

-') Schreiben De la Feuillade's an Chamillart, 20. August 1705 



26(> 

bänglichkeil an das Durchlauchtigste Erzhaus Plätze und ganze 
Provinzen eingebüsst habe und nun in Turin eingeschlossen bin. Ich 
hatte bereits die Ehre, an Sc taiserl. Majestät zu schreiben, um über 
Ihr Verbleiben Gewissheit zu erhalten und Ich erwarte die Antwort 
durch jenen Courier, welcher am 13. abgereist ist. 

V. Arne de m. p. ' I." 
Die Veranlassung zu diesem Schritte waren aber nicht die spon 
tauen Intentionen des Herzogs, sondern das Drängen des englischen 
und holländischen Gesandten am Turiner Hofe. Dieselben hatten mit 
aller Bestimmtheit erklärt, dass wenn Starhemberg selbst auf die 
vom Kaiser ertheilte Ordre abreisen würde, sie „all' dem, was in Italien 
erfolgen möchte, ganz und gar nicht mehr respondiren", feiner nach 
Starhemberg's Abreise sich „des Interesses und Dienstes völlig 
entziehen werden" -)• D ass Kaiser Joseph I. nach dem Verhalten des 
Herzogs, welcher die kaiserlichen Truppen „in die Vorposten zertheilt 
und separirt" hatte, den Feldmarschall, dessen „Contradiciren" frucht- 
los blieb, abberufen wollte, war eine Massregel, welche der Wurde 
des Kaisers entsprach ; denn nimmer durfte er dulden, dass gerade in 
der gefahrvollsten Zeit seinen Generalen und seinen Truppen eine 
schmachvolle Behandlung zu Theil werde. Die Gesandten der ver-. 
bündeten Seemächte hinwieder wussten recht wohl, warum sie sieh 
Starhemberg's Abreise widersetzten. Dieser hatte gerade über die 
Belagerung Turins, sowie bei allen anderen Gelegenheiten mit mili- 
tärischem Scharfblicke die Situation richtig beurtheilt. Die Gefahr, 
so nahe und so drohend sie dem Herzoge auch schien, war um ein 
Bedeutendes hinausgerückt, und der Feldmarschall bemerkte treffend, 
dass, nachdem De la Feuillade neuerdings zu Vendome und 
selbst nach Frankreich Truppen detachirt habe, „dieser, wann er vorher 
mit all' seinen Kräften nichts hat thun können, dermalen um so viel 






weniger was zu operiren vermögen 



wird - 



War auch für Wochen in Piemont die Hoffnung in Etwas ge- 
stärkt, so lag es doch nahe, dass, wenn nicht bald Hülfe kam. der 
Herzog zweifellos von der gemeinsamen Sache abfallen werde. Die 
Lage Eugens zu diesem Zeitpuncte Hess aber den Moment nicht so 
nahe scheinen, als es der Kaiser wünschen musste. Die Verstärkung 
der Armee in der Lombardei, um Eugen zu einer kräftigen Offen- 
sive zu befähigen, konnte eben nicht in dem nöthigen und erwünschten 
Masse erfolgen. 



') Kr 


egs Airl 


v, Italie 


u, 1705; V: 


sc. IX 


*) Kr 


egs-Arcli 


v, Itali< 


li, 170."): l'a 


sc. IX 



267 

Sowohl die Berichte aus Piemont, als auch die Stockungen in 
Eugen's Operationen zwangen den Wiener Hof, zu trachten, durch 
Grallas von der Königin Anna „den Consens zu erwirken, dass die 
4000 Mann Württemberger, so vermöge der englisch-holländischen 
Subsidien unterhalten werden, als Succurs nach Italien- verwendet 
werden könnten ... „wasmassen der Prinz Eugen, wenn er nicht 
bald ä proportion der feindlichen Superiorität verstärkt werden sollte, 
er sich aller Orten nicht werde manuteniren, viel weniger einige 
Progressen machen können". In Gegenwart des savoyischen Gesandten 
wurde dieses Anliegen dem Lord-Schatzmeister vorgetragen. Dieser 
antwortete: „dass, wann es um den Herzog von Savoven zu thun 
sei, man sich Alles versehen könnte. Allein dieses Expcdiens wäre 
ein vergebener Vorschlag. Die Situation, in welcher sich gedachter 
Herzog befinde, Hesse keine Negotiatioiies zu. Was man tliim wolle, 
müsse gleich und ohne einzigen Aufschub geschehen". Nach diesen 
kurzen Worten lenkte aber der englische .Staatsmann das Gespräch 
auf die Rebellion in Ungarn und wich bezüglich der Hülfe für 
Italien jeder positiven Antwort durch allgemein gehaltene Redens- 
arten aus l ). 

Wiederholt musste Gallas beim Lord-Schatzmeister vorsprechen, 
um auf die Erledigung dieser so wichtigen Angelegenheit zu dringen. 
Stets blieb die Antwort eine diplomatisch ausweichende. Der Kaiser 
habe „14 Bataillone und etliche 30 Escadrons am oberen Rhein, 
welche keines Sollicitirens vonnöthen hätten, und blos von Sr. Majestät 
Ordre dependiren thäten, wider deren Abmarsch das Reich, noch siel 
weniger der General-Lieutenant Markgraf von B a d e n das Geringste 
werde einwenden können; sintemalen die Königin bereit wäre, auch den 
König vonPreussen allbereits hierum ersucht hatte, dessen Truppen 
zu Sr. Majestät Disposition alldorten zu lassen, womit erwähnter Abgang 
reichlich hinwiederum ersetzt wäre" "). 

Die Darstellimg der Ereignisse am Rhein legt zur Genüge dar, 
auf welch' schwacher Basis jene Hülfe stand, aufweiche der englische 
Staatsmann hinwies. Abgesehen davon , dass die Abberufung der 
kaiserlichen Truppen vom Rhein gerade in diesem Zeitpuncte schon 
aus politischen Rücksichten unmöglich war, konnte durchaus nicht auf 
die Willfährigkeit der Reichsglieder gerechnet werden. 

Lichtvoll heben sich darum von diesen traurigen Verhältnissen 
die Treue und der Opfermuth der kaiserlichen Streitkräfte ab. So 
verbittert Starhemberg auch war, und wie sehr er auf die 

') Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Anglica; September 1705. 
-j Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Anglica ; September 1705. 



268 

Enthebung von seinem schwierigen Posten gedrungen hatte, so ver 
säumte er doch keinen Moment, Alles Ln's Werk zu setzen, was dem 
Interesse seines Kaisers dienlich sein kennte. Wie bei Verrua und 
Crescentino, hatte er auch bei Turin energisch Hand anlegen lassen, 
um den Widerstand abermals auf's Aeusserste treiben zu können. 

Nach Erwägung aller Verhältnisse vermuthete der Feldmarschall 
den Angriff hauptsächlich gegen jenen Theil der herzoglichen Metro- 
pole, welcher zwischen der Dura Riparia und dem Po sich ausdehnt. 
Ans diesem Grunde wurde die Nordfront, entlang der Dora und 
westlich vom Flusse bis zur Citadelle, durch eine Reihe von Erdwerken 
verstärkt. 

Zu neuen Anstrengungen sali sieh aber Starhemberg veran- 
lasst, als er in Erfahrung brachte, Vend6me hätte an De la Feuil- 
lade geschrieben, „sieh an die in der Lombardie vorhabende Opera- 
tions und Affairen ganz und gar nicht zu kehren oder die geringste 
Apprehension darob zu lassen, und dass er innerhall) weniger Tagen 
seine Trancheen vor Turin unfehlbar lieh" eröffnen solle. Der Feld 
marsehall. obschon er diese Gerüchte nicht als apodictische Wahrheit. 
betrachtete, glaubte doch ilarauf Gewichl legen und den Prinzen 
Eugen davon verständigen zu müssen, weil eben dieser seine Mass 
regeln für den Fall des sofortigen Angriffes auf Turin zu treffen hatte '). 
Sorgenvoll sah Starhemberg der nächsten Zukunft entgegen; 
was ihm am meisten nahe ging, war die Aussieht, dass jene Truppen, 
die unter seiner Führung durch so lange Zeit mit bewunderungs- 
würdigem Eeldenmuthe in Piemont für die Sache ihres Kaiser, ge- 
stritten, zwar nicht schmachvoll, aber doch ruhmlos zu Grunde gehen 
würden. Man muss sieh eben die lange Kette fruchtloser Anstrengungen 
und unverdienter Demüthigungen vor Augen halten, um den Seelen- 
zustand eines Mannes zu begreifen, der in militärischen Tugenden 
und in der Treue gegen seinen Monarchen so hoch stand. 

So scheinbar unthätig De la Feuillade sich bis Anfangs 
September gehalten hatte, war doch die Zeit benutzt wurden, die 
Belagerung vorzubereiten. Am (i. .September verliess die Armee das 
Lager von Veneria und nahm zwischen der Dorn Riparia und Stura 
Stellung. Km die Zufuhren zu decken, blieben im Rücken 2 Bataillone 
und 600 Pferde, die in Settimo, Brandizzo und entlang der Dora auf- 
gestellt wurden. 

Den Angriff beschloss De la Feuillade gegen jenen Theil 
Turins zu richten, der zwischen der Dura und dem Po liegt, und dadurch 

•) Kriegs-Archiv, Italien, 1705; Fase. IX. 10. 



269 

feierte S t a r h e m b e r g's Voraussicht einen Triumph. Die Anlehnung 
der Approchen erfolgte einerseits an letztgenannten Strom, andererseits 
an Lucento an der Dora. 

Bei Eröffnung der ersten Parallele wurden jene Casinen, die in 
deren Trace fielen, benützt, um die Truppen möglichst unter Dach 
zu bringen; dort aber, wo solche mangelten, legten die Franzosen 
Redouten mit einem Fassungsraume für 150 Mann an. Der Dora- 
Uebergang bei Lucento ward durch zwei Brücken vorbereitet und 
durch einen Brückenkopf gedeckt. 

Bis zum 10. »September hatten sich diese Einleitungs-Arbeiten 
bereits so günstig gestaltet, dass De la Feuillade die Wahl des Angriffs- 
punetes treffen konnte. 1 >a ihm nicht genug Truppen zur Verfügung 
standen, den Platz bis Valentino am Po zu umfassen, und da er die 
Befestigungen nicht unterschätzte, welche Starhemberg hatte anlegen 
lassen, so wurde die Citadelle in's Auge gefasst, obgleich Vauban 
und Lapara sich entschieden gegen einen solchen Plan aussprachen. 
De la Feuillade ging von der Idee aus. dass selbst nach Eroberung 
aller Werke und der ganzen Stadt eine zweite Belagerung gegen die 
Citadelle eingeleitet werden müsste, daher es das Einfachste sei, gleich 
vom Anfange an den Angriff gegen dieselbe zu richten. Aber auch 
diesmal hatte er geirrt. Die Schwierigkeiten zeigten sieh bald als 
ausserordentlich gross, ja unüberwindlich, denn Starhemberg hatte 
nicht sobald des Feindes Absicht errathen, als er vor der Citadelle 
einen bedeckten Weg mit Graben anlegen Hess, welcher von dem 
Hornwerke und von den bereits vorhandenen liedouten ganz unab- 
hängig war. 

Erkenutniss des Irrthumes und der Gedanke, sich dem Hole 
gegenüber in der gefährlichsten Weise blosszustellen, verblüfften den 
französischen General derart, dass er die Zeit ungenützt verstreichen 
Hess und erst am 18. September von Paris und von Vendöme 
Verhaltungsbefehle einholte. Die Belage rungs- Arbeiten blieben auf die 
Vollendung jener Linien beschränkt, welche ursprünglich eröffnet 
worden waren. 

Im Lager des Herzogs hatten mittlerweile (17. September) Victor 
Amadeus, Starhemberg und Dann, endlich der englische und hol- 
ländische Gesandte Kriegsrath gehalten „was bei den gegenwärtigen 
Conjuncturen zu thun sei". Feldmarschall Starhemberg vertrat aber- 
mals seine stets gehegte Ansicht. Es gab für. die Rettung Turins nur 
zwei Wege. Entweder mussten die Franzosen in der Lombardei durch 
eine empfindliche Niederlage zur Heranziehung eines grossen Theiles 
der Armee in Piemonl gezwungen oder die Vereinigung Eugen's mit 



270 

Starhemberg auf eine andere Weise angestrebt werden. Für ersteres 
war wohl wenig Aussicht vorhanden, denn Vendöme hatte sich, 

wie erwähnt, an der Adda derart festgesetzt, dass ein entscheidender 
Sieg Eugens wegen Mangel an Streitkräften ausser dem Bereiche 
der Möglichkeit lag. Selbst wenn es gelang, die Adda zu forciren, war 
die Vereinigung noch lange nicht bewirkt. Dagegen schien Aussicht 
auf Erfolg dadurch vorhanden, dass die Franzosen zu jener Zeit keine 
Streitkräfte jenseits des Po hatten, und darum war Starhemberg 
der Meinung, dass entweder die ganze Armee Eugens oder ein 
aamhafter Theil derselben den Strom überschreiten und durch rasche 
Bewegung die Vereinigung bewirken sollte. Diese zu erleichtern, 
machte sich der Feldmarschali verbindlich, mit 2000 Pferden and 
ebensoviel Infanterie entgegenzurücken und sich Stradella's zu be- 
meistern, ehe die Franzosen dies zu hindern im Stande wären '). 

Wie aher bei Darlegung der Ereignisse; in der Lombardei gezeigt 
wurde, Hessen sich die Pläne nicht in jener Weise realisiren, wie man 
dies im herzoglichen Lager wünschte. Dort wuchsen die Besorgnisse 
durch die Nachrichten, welche über die Vorbereitungen zur Belagerung 
einliefen. Mitte September hatten die Franzosen bereits 17 Mörser in 
ihrem Lager und deren Zahl sollte auf 35 bis 40 gebracht werden. In 
Susa und Chivasso lagen 12.000 Bomben, von denen ein Theil schon 
an Ort und Stelle eingetroffen war. Die schweren Batteriestücke, in 
der Gesammtzahl von 80, und alle Arten von Angriffsmateriale, die 
der Feind ansammelte, und das Eintreffen von 3000 mailändischen 
Schanzarbeitern 2 ), Hessen auf eine arge Bedrängung Turins schliessen. 

Gerade zu dieser Zeit leuchtete für Victor Amadeus neue 
Hoffnung auf, wenngleich diese sich nur als trügerisches Nebel- 
bild erwies. 

Am 19. Morgens erhielt der Herzog ein Schreiben Peter- 
borough's aus Barcelona, worin dieser den Entschluss mittheilt, mit 
der gesammten Flotte dem Herzoge zu Hülfe zu kommen: „Er werde 
in wenigen Tagen in Nizza sein, 800 Dragoner und 7000 Mann zu Fuss 
landen lassen und es sollten die nÖthigen Vorbereitungen getroffen 
werden, um die Laudung zu erleichtern." 

Der Herzog fertigte die Fregatte, welche die freudige Botschaft 
gebracht hatte, sogleich mit der Antwort ab: Graf Peterbor ough 
möge sogleich difect auf Nizza, steuern, denn in der ganzen gleich- 
namigen Grafschaft befänden sich Mos 4 Bataillone, die Garnisonen 
von S. Ospizio und Villafranca mit inbegriffen. Her Eafen von 

') Kriegs-Archiv, Italien, 1705; Fase, IX. 23. 
') Kriegs-Archiv, Italien, 1705; Fase IX. 24. 



271 

Spezia lasse keine Verbindung mit dem Lager des Herzogs zu und 
nur von jenem zu Genua sei dies möglich 1 ). 

Schien nun die Rettung gewiss, so blieb selbst diese Hoffnung 
nicht ungetrübt. Es verbreitete sich in Turin das Gerücht, dass dir 
Pesi ausgehrochen sei. Starhemberg musste in so kritischer Zeit 
Alles aufbieten, solch' talsehe Nachrichten zu unterdrücken, um 
Schrecken und Entmuthigung nicht auf das Aeusserste kommen 
zu lassen. 

Die Hülfe, welche Peterbor ough von Barcelona aus bringen 
wollte, musste unterbleiben 8 ), weil die Ereignisse auf der Pyrenäischen 
Halbinsel eine Wendung genommen hatten, welche dm Interessen der 
Krone Englands weit vortheilhafter schienen, als die Erhaltung 
l'ii mmits <). Und so blieb dem Herzoge blos Prinz Eugen als der 
einzige Rettungsanker. 

Ungeachtet der mit aller Anstrengung fortgesetzten Vorberei- 
tungen zum Angriffe auf Turin, war doch der Monat September 
verstrichen, ohne dass man darüber in's Klare kommen konnte, ob 
die Franzosen eine Belagerung, Bombardirung oder blosse Blokade 
beabsichtigten. Was immer jedoch der Gegner im Sinne haben mochte, 
war eine entscheidende That nothwendig, um die in Piemont so lange 
sieh hinschleppende Kriegführung zu Ende zu bringen. Starhem 
berg schrieb darum am 24. September an Eugen: „Was es aber 
auch sein oder erfolgen kann, so ist es jedoch nöthig, dieser allzu 
langen Seuch einmal ein End zu machen und dem hiesigen Krieg 
eine andere Form zu geben, welches meines geringen Erachtens das 
einzige und beste Mittel sein würde, Se. königl. Hoheit bei gutem 
Willen, bei gutem Muth in seinem Land und in der Allianz beständig 
zu erhalten. Ich meines Orts schätzte mich zwar sehr glücklich, wann 
ich mit meiner geringen Person allein capable wäre, dasjenige zu 
pBetzen und zu erhalten, was nun ganze zwei Jahre her mächtige 
Armaten und Alliirte insgesamnit zu bewirken, nicht haben erlangen 
können. Ich kann aber Euer Durchlaucht meine Verwunderung nicht 
bergen, dass man des Herzogens seine Allianz von einer so grossen. 



') Ein Schiff, das vier Tage später als jenes, welches die Nachricht von 
dem zu hoffenden Succurse brachte, von Bareelnna abgefertigt wurde, sieli aber auf 
der Reise verspätete, setzte Victor Amadeas von Peterborough's Absicht in 
Kenntniss, dass Barcelona bomliardirt und belagert werde, wodurch die Hoffnungen 
des Herzogs von Savoyen plötzlich schwanden. (Kriegs-Archiv, Italien, 1705; 
Fase. IX. 44.) 

- Kriegs-Archiv, Italien, 1705; Fase. IX. 33. 

"i Siehe Krieg in Spanien. 



272 

ja vielleicht allzu grossen Importanz halten und jedennocb das ganze 
Werk auf meine allein so geringe entkräftete Person und etliche 
100 iiberbliehene extenuirte Soldaten fundiren will. An meiner Geduld 
wird es zwar um so viel weniger erwinden, als da ich boffe, dieweilen 
ich solche drei Jahre her nit habe sinken lassen, diese wenigen 
Wochen noch wohl werde aushalten können ')." 

Freilich mochte es Starheinberg wunderbar vorkommen, dass 
die „mächtigen Armaten" der Alliirten nicht zum Ziele gelangten. Aber 
gerade dies ist für Oesterreichs Kriegsgeschichte um so glanzvoller, 
denn auf den Schultern eines einzigen Mannes, des Feldmarschalls 
Guido Graf Starhemberg und eines geringen Häufleins abgerissener 
und ausgehungerter kaiserlicher Soldaten ruhte die ganze Last, welche 
die Armeen der Verbündeten nicht zu bewältigen wussten. Mussten 
auch diese Stützen Oesterreichs, ob der auf sie drückenden Wucht. 
zeitweilig sich beugen, so brachen sie doch nimmer unter derselben 
zusammen; mannhafter Muth und Treue zu ihrem Kaiser verlieh 
ihnen ja die Riesenkraft. 

In Erwartimg der Verhaltungsbefehle hatte. l>e la Feuillade 
500 Grenadiere und 200 Pferde zur Eintreibung von Contributienen in 
die benachbarten Thäler detachirt und zwei Brigaden Carabiniers mit 
einem Dragoner-Regiment zu dem Behufe gegen Susa gesendet, jenen 
vier Bataillonen, welche zur Verstärkung der Armee in Piemont aus 
Frankreich abmarschirt waren, die Annäherung zu sichern. 

Ehe noch Weisungen vom französischen Hofe eingetroffen waren, 
ertheilte V e n d 6 in e dem Herzog DelaFeuillade (25. September) 
den bestimmten Befehl, die Belageruno- zu beginnen. Am 26. wurden 
alle Anstalten getroffen, dem ursprünglichen Plane gemäss den Angriff 
gegen die Citadelle zu richten. 

Noch an dem nämlichen Tage war im Lager des Herzogs das 
Gerücht verbreitet, dass der Feind gegen Moncalieri seine Aufstellung 
nehmen und den Berg besetzen werde. Dies aber bezweifelte der 
Herzog, obschon er wusste, dass alle Mittel zur Belagerung, namentlich 
die schweren Geschütze und Munition, völlig bereit seien -i. 

De la Feuillade Hess noch am 2<>. sämmtliehe (.'avallerie. 
3 Dragoner-Regimenter und einen Soutien von [> [nfanterie-Bataillonen 
flussabwärts der Dora Riparia marschiren und diese bei Alpignano 
überschreiten, um dort ein Lager zu beziehen. Gleichzeitig durch 
streiften Detachements von verschiedener Stärke die Gegend, um 
rechtzeitig von jenen Bewegungen Kenntniss zu erhalten, «eiche der 

') Kriegs-Archiv, Italien, 1705; Fase. IX. 40a. 
') Kriegs-Archiv, Italien, 1705; Fase. 1\. 44. 



273 

Herzog von Savoyen ausserhalb Turin in offensiver Absicht unter 
nehmen könnte. 

Am 28. September war die Armee nach Collegno aufgebrochen 
und hatte sieh angesichts der Citadelle in Schlachtordnung formirt. Den 
nächstfolgenden Tag nahm sie derart .Stellung, dass der rechte Flügel 
an drei Casinen, der linke an die Dora gestützt war. Diese Position 
hatte mir den Zweck, die Armee gegen einen offensiven Rückschlag 
zu sichern und sollte, verlassen werden, sobald die Angriflfsarbeiten 
über das erste Stadium gekommen wären. Letztere, am 30. September 
begonnen, hatten eine Ausdehnung von 1200 Toisen und reichten von 
der Höhe des Jesuiten-Gebäudes bis an die Linien der Vertheidiger an 
der Dora. Die Mitte dieser Circumvallation war von der Citadelle blos 
500 Toisen entfernt. 

Voll Zuversicht auf den glücklichen Erfolg, welche Vendome 
noch bestärkte, hatte De la Fe ui IIa de keinen anderen Gedanken, 
als den Angriff auf die Citadelle zu beschleunigen. Eben darum musste 
die am 30. Abends vom Könige eingetroffene Depesche, welche die 
Belagerung Turins untersagte') und eine Blokade wahrend des 
Winters anordnete, um so deprimirender wirken. Aber der General 
glaubte sich den Befehlen seines Königs widersetzen zu sollen, weil 
er die geforderten Verstärkungen au Ven dorne für nutzlos hielt, 
indem sie nicht zureichten, den Prinzen Eugen über den Oglio zurück 
zuwerfen. Seiner Meinung nach war dies ein Aufgeben der Vortheile 
in Piemont, ohne solche in der Lombardei erwarten zu können. 

Kaum alier waren Vorstellungen in solchem Sinne anLudwig XIV. 
abgesendet, als De la Peuillade sich eines Anderen besann. Sei 
es, dass er die Fruchtlosigkeit seines Angriffes auf die Citadelle von 
Turin eingesehen; sei es, dass er wegen der Kühnheit des Wider- 
spruches bei dem Könige in Ungnade zu fallen fürchtete: er entschloss 
sich, am 1. October die Belagerung aufzuheben und traf sofort die 
nöthigen Dispositionen. 

Am meisten machte dies den Herzog von Vendome betroffen, 
nachdem derselbe Turin stets als das wichtigste und einzige" Operations 
Object in Italien betrachtet hatte. Er beeilte sich dem Könige vor- 
zustellen, dass die Eroberung der Citadelle keine Schwierigkeiten 
darbiete, und dass, falls man dem Herzoge von Savoyen Zeit gönnte, 
neue Werke anzulegen und seine Armee zu reorganisiren, Turin unan- 
greifbar würde. Ausserdem läge es nahe, dass die Alliirten während 



') Auf die Vorstellung Vauban's und anderer 

Ludwig XIV. dir Krfüllniiir Ki'iiios lu-issi-sti'ii Wiiiim lies 
schieben müssen. 

i i i i ii i i iv Savoyen VI I Band 



274 

des Winters Alles aufbieten wurden, denselben zu unterstützen, daher 
nie wieder eine so günstige Gelegenbeil zu hoffen Bei 

Solche Vorstellungen, von jenen durch De la Feuillade schon 
früher erfolgten unterstützt, machten Ludwig XIV. in seinen Ent- 
schlüssen wankend. Er fertigte am 4. October einen Courier ab, mit 

dem Befehle, die Belagerung fortzusetzen. Dieser traf aber erst 

11. vor Turin ein und es war zu spät, die bereits vollzogenen rück 
gängigen Bewegungen der Armee zu contremandiren. Ausserdem hatte 
der Artilleriepark sich bereits weit von dem Platze entfernt. 

Wenngleich der Zufall dem bedrängten Herzoge vonSavoyen 
günstig war, so beklagte dies De la Feuillade in seinem Inneren 
keineswegs; denn er hatte nach und nach die üeberzeugung gewonnen, 
wie nahe er daran gewesen, seinen militärischen Ruf einzubüssen. 

Wie sehr Vauban's Urtheil begründet war, beweiset der Bericht 
Starhemberg's vom 4. < »ctober über „den wahrhaftig-hiesig-alljetzigen 
Zustand-': ... „so wäre /.war pro bono publico wohl zu wünschen 
gewesen, dass der Feind (wie diese Zeit hero das allgemeine Geschrei 
Siiii>-), diese Stallt attaquiret hätte; inmassen solcher vielleicht seine 
Stärke darvor verloren, jedennoch aber nichts ausgerichtet und sieh 
dergestalt impegnirt haben wurde, dass man mittlerzeit mit allem 
erwünschten Success anderwärtig hätte operiren und folglich diese 
Attaque von selbsten aufheben machen, mithin allsonderlichen hindern 
können, dass obgedachte Se. königl. Hoheit von denen feindlichen Unter 
nehmungen nicht an andern Orten (befördrist da zu fürchten steht, 
dass selbige sieh nicht Asti wiederum zu bemächtigen suchen und 
also unsern 1 »essein jenseits des Po völlig unterbrechen dürften) weif 
empfindlicher kunnt touchiret werden" '). 

lim dem Gegner bezüglich Asti' s zuvorzukommen und überhaupt 
die Vereinigung beider Armeen jenseits des Po vorzubereiten, hatte 
Starhembergnicht gesäumt, diesen Punct durch kaiserliche Truppen 
besetzen zu lassen. Ebenso entsendete FML. Daun ein Detachement 
gegen das sogenannte „Castel Annone im Alessandrischen" , östlich 
von Asti, welches die aus 60 Schweizern bestandene Garnison auf- 
hob und eine Besatzung zurückliess *). Der Feldmarschall begnügte 
sieb aber nicht mit diesen, für den ersten Moment getroffenen 
Verfügungen; er liess sowohl den Posten Annone, als auch Monte 
chiaro in Vcrtheidi£un<;-sstand setzen, und für letzteren Punct 
ward vorläufig „Obrist Regal mit 100 Mann von Dann und Kriech- 
baum, 60 Piemontesen sammt den Hayducken" bestimmt. Ausser- 

') Kriegs-Arclnv, Italien, 1705; Fase. X. 13a. 
-l Kviegs-Archiv, Italien, 1705; Fase. X. 32. 



275 

dem wind.- der Ort Monbarone, welcher zwischen Montechiaro und Asti 
liegl befestigt and besetzt, um die Verbindung dieser beiden letztge- 
nannten Puncte zu sichern. 

Die Truppen liess Starhemberg in Cantonnirungen verlegen, 
und gegen Mitte October war sowohl [nfantei-ie, als Cavallerie schon 
unter Dach gebracht. FML. (irai' Da un, welcher die bezüglichen 
Dispositionen auszuführen hatte, brachte eine Aenderung in Vorschlag: 
Nachdem „hiesiger Orten wenig mehr zu besorgen" war und „man 
vini Asti viel leichter in selbigem Thal-, als von S. Paolo aus, wo die 
Infanterie lag, „bei diesem schlimmen Wetter über die Collinen nach 
Montechiaro kommen" konnte, sollte die Infanterie nach Asti, die 
zur Postirung bestimmte Reiterei nach Alba verlegt werden, die übrige 
Reiterei aber so lauge um S. Paolo cantonniren, bis sich der Feind 
völlig zertheilt hätte oder dessen Absichten klarer zu erkennen wären '). 

Jedenfalls konnte bei einer solchen Dislocirung sowohl Monte 
ciliare, als Annone schneller unterstützt und das Land leichter beobachtet 
werden. Uebrigens hatten sich Mitte October die I [erbst rejj-on eilige 
stellt, welche alle Wasserläufe hoch anschwellen und militärische 
Operationen nahezu unmöglich machten. 

De la Feuillade, nachdem er die Belagerung Turins auf- 
gegeben, bezog mit seiner Ai'mee am 13. October das nämliche Lager 
zu Veneria, welches er am (5. September in der Hoffnung verla - en 
hatte, bald auf Turins Mauern das Banner der Bourbonen aufpflanzen 
zu können. Für ihn war nichts mehr zu thun, als die entsprechende 
Wahl der Winterquartiere zu treffen und wenn möglich Asti zu 
erobern, um einem späteren Versuche der Hilfeleistung in dieser 
Richtung zuvorzukommen. Die in den Linien vor Turin zurückge- 
lassenen Truppen wurden herangezogen und hierauf Detachirungen 
angeordnet. Nach Perosa und in die Thäler kamen 5 Bataillone, 2 nach 
Susa, 2 nach Chivasso, 2 nach Castagneto, I nach Crescentino, 3 in 
das Val d'Aosta, ein Dragoner-Regiment nach Iviea, ein zweites zur 
Blokade von Montmeillan und die von dort herangezogenen Grena 
dien; wurden dahin zurückgesendet. 

Zur Unterstützung Vendome's bestimmte De la Feuillade 
anfänglich 13 Bataillone und 12 Escadronen, verminderte aber kurze 
Zeit danach diese Zahl auf 9 Bataillone und !) Escadronen, von denen 
die Infanterie am 14. aufbrach, um sieh in Crescentino auf dem Po ein- 
zuschiffen, während die Cavallerie den Weg über Casale nach I'avia 
[anschlug. Kaum aber hatte sieh diese.- Detaehement zwei Tagmärsche 

') Kriegs-Archiv, Italien, l705:Fasc. X. 36. 



27« 

entfernt, als dasselbe Contre-Ordre erhielt Der Grund dazu mag in 
dem Umstände zu suchen sein, dass De la Feuillade vermuthlicb 
Starhemberg's Vorbereitungen bei Asti in Erfahrung brachte und 
darauf hin den Schluss zog, der Peldmarschall wolle Eugen am 
rechten Po-Ufer die Annäherung erleichtern. 

Gewiss deuten die Bewegungen der Franzosen auf eine solche 
Voraussetzung hin; denn Feuillade ruckte am 15. mit einem Truppen 
theile nach Crescentino, vereinigte sieh am 16. zu Casale mit den für 
Ven dorne bestimm! gewesenen 1) Escadronen und hatte in Absicht, 
am nächsten Tage nach Alessandria aufzubrechen. 

Berennung- und Entsatz von Asti. 

Die Nachricht, dass die bei Asti stehenden Truppen des Herzogs 
von Savoyen nur aus 1000 Mann Infanterie und ebensoviel Pferden 
bestünden, wendeten De la Feuillade's Entschluss dahin, dass 
er sich der beiden Puncte Asti und Annone zu bemeistern suchte. 
Am 17. wurde die Cavallerie allein gegen Alessandria dirigirt, mit 
den übrigen Truppen jedoch wollte er persönlich den Angriff auf die 
Position der Kaiserlichen unternehmen. Unter Goas' Befehl sollten 
4 Bataillone, 8 Escadronen und 8 Geschütze Moransengo (in dem dem 
Herzoge von Savoyen gehörenden Theile von Montferrat) besetzen. 
Diesem Vorhahen traten alier unvorhergesehene Hindernisse in den Weg. 

Als nämlich De la Feuillade mit seinem Expeditions-Corps 
von Veneria aufgebrochen war, hatte er der unter Estaing's Befehl 
zurückgelassenen Armee die Weisung ertheilt, noch an dem nämlichen 
Tage gegen Abend nach Chivasso abzumarschiren und dann bei Verruä 
den Po zu passiren, um gleichfalls in's Montferratische zu rücken. 

Thatsächlich wurde in der Nacht vom 15. zum 16. die Stura 
überschritten und am 16. zu Volpiano ein Lager bezogen. Als aber 
die Franzosen am 17. an den Orco kamen, fanden sie diesen derart 
angeschwollen, dass an ein Durchfurten nicht gedacht werden konnte. 
Nur der Cavallerie und einem Theile der Bagagen glückte es, das 
jenseitige Ufer und Crescentino zu erreichen. Die Brücke welche 
man aus kupfernen Pontons für die Infanterie zu errichten .-lichte, 
konnte der Gewalt der Torrenten Strömung nicht widerstehen und meh- 
rere, Fahrzeuge sanken in dem Momente, in welchem der Uebergans 
begann. Dieser Umstand bannte die Infanterie auf das rechte Ufer 
und den darauffolgenden Morgen war dieselbe nahe daran, insgesamml 
zu ertrinken, denn die Wässer des Malone hatten den ganzen Boden- 
strich bis zum Orco überfluthet. 



277 

Diu Franzosen mussten sich glücklich schätzen, San Benigno 
erreichen zu können, woselbst sie zuwarteten, bis der Orco wieder 
passirbar war. Erst durch Heranziehung von Schiffen auf dem Po 
konnte am 20. Abends der Flussüber^anp- bewirkt und in der Nacht 
Chivasso erreicht werden. 

Jedenfalls befand sich zu jener Zeit F e u i 1 1 a d e's Armee in einer 
äusserst kritischen Lage, denn sie war in vier Tbeile zerthcilt, denen 
jede Verbindung mangelte. Ein Theil der Reiterei gegen Alessan- 
dria im Marsche — die Vorhut in Moransengo — die übrige Reiterei 
in Chivasso und die Infanterie am rechten Ufer des Orco. Freilich 
hatte iu jenen Zeiten eine solche Lage keine gefährlichen Consequenzcn, 
da der Vertheidiger meist in dem Bereiche seiner Schutzwälle blieb. 
Namentlich Starhemberg konnte und durfte mit seiner auf das 
äusserste Minimum zusammengeschmolzenen Macht keine < »ffensiv 
Unternehmungen wagen. Seine Stärke beruhte eben auf dir ausser- 
ordentlich geschickten Ausnützung der Defensive, d. h. er wusste in 
allen Positionen während der ganzen Campagne dem Gegner vom 
ersten Momente an so viele künstliche Hindernisse entgegenzustellen, 
dass, wie die Thatsachen beweisen, nicht nur das numerische Missver- 
hältniss ausgeglichen, sondern auch eine gewaltige Abnützung der 
feindlichen Streitkräfte erzielt wurde. 

Zwischenfälle mannigfacher Art hielten De la Feuillade ab, 
früher als am 3. November sich gegen Asti in Bewegung zu setzen, 
vor welchem Puncte er am 6. erschien, um gegen denselben den 
regelmässigen Angriff zu richten. Erst in der Nacht vom 10. auf 
den 11. war es möglich, die Trancheen zu eröffnen. Aber schon am 
nächstfolgenden Tage musste die Belagerung aufgegeben werden. Den 
Grund gibt De la Feuillade in seinem Berichte an Chamillart 
[plgendermassen an : „Drei unüberwindliche LIindernisse : die Unmög- 
lichkeit der Brodzufuhr in Folge der Uebersehwemmungen ; die Auf- 
lehnung der Soldaten gegen ihre Ofiiciere in Folge der Entbehrungen 
und der Unbilden der Witterung; endlich die Unmöglichkeit, Cavallerie 
zu gebrauchen, welche in Folge des Wetters, des Bodens und des 
Mangels an Fourage völlig zu Grunde gegangen wäre — bestimmten 
meine Massnahmen" *). 

Gewiss war es für die Franzosen die höchste Zeit zum Rück- 
zuge, denn noch ein einziger Tag des Zuwartens hätte sie genöthigt, 
die ganze Artillerie vor Asti zurückzulassen. 

Di- la Fe ii i 1 lad e's Absichten auf Asti seheinen Feldmarschall 
ptarhemberg nicht im geringsten beunruhigt zu haben, denn sein 

') Pelet, 1705; V. 216. 



278 

Bericht über die ganze Affaire laute! äusserst kühl: „Ich habe meine 
Abrcis etwas differiren müssen, indem der Duc de la Feuillade 
annoch alle Zeit in dem Montferrat hin und wieder sich movirel hat 
lind nun allbei'eits den 6. dieses hiehero vor Asti mit einem starken 
Corpo seiner Armee angerückt, auch noch immer Miene macht, als 
el) er diesen Ort formaliter zu attaquiren gedenke, wozu er schon ein 
und andere Batterien angelegt; und hat sieh vorgestern darum die 
Gelegenheit zu einem Escarmouche ereignet, indem man unserseits mit, 
1000 Pferden, welche man mit 150 Grenadieren und 2 Bataillons 
souteniren Hesse, auf die feindlichen Stüek, so von Alessandria in ihr 
Lager wenig bedeckter geführt wurden, einen Versuch hat thun wellen. 
Zumalen aber der Feind ein solches zeitlich vermerkt, seine Dispo 
sitiones vorgekehrt und mit seiner völligen Mannschaft sowohl zu Pferd, 
als zu Fuss, entgegengegangen; so hat man zwar bis zu gedachten 
Stucken nicht penetriren können, hingegen aber die Gelegenheil und 
Vortheil bekommen, dass man den Feind zweimal mit einem solchen 
Avantaggio solchergestalten repoussiret hat, dass solcher allem Ver- 
muthen nach, und wie man es auch gesehen, ziemlich viele Leut 
niiiss verloren haben. Wann man in einen llazard sich hätte ein- 
lassen und solches mit der ganzen Garnison souteniren wollen, so 
wurde man wohl einen Hauptvortheil von dem Feind davongetragen 
liahen. Weil es aber die dermaligen Conjuncturen nicht ander.- \,, 

stallen, also hat man sich mit diesem befriedigen wollen" 

„wann der Feind keine andere Anstalten machet, als wie anjetzo aus- 
sehen thut, so glaube nit, dass solcher uns sobald aus diesen < >rt 
treiben werde ')." 

Nach dem amtlichen Berichte des FML. Dann büssten die 
Franzosen in der Affaire von Asti 800 Mann an Todten und Blessirten 
ein, unter welchen der Brigadier von den Carabiniers d'Imecourt 
auf dem Platze blieb, De Goas seinen Wunden erlag und drei 
andere Generale und viele Officiere verwundet waren 2 ). 

Nach diesem Berichte dürfte De la Feuillade ausser den von ihm 
angeführten drei Gründen noch den vierten dadurch gefunden haben, 
dass er zur Erkenntniss gekommen war, der kaiserliehe Feldmarschall 
werde ihm die Eroberung Asti's weniger leicht machen, als er dies 
vielleicht erwartet. Schon am 13. November setzten sich seine Truppen 
in Bewegung, um auf verschiedenen Routen ihre Winterquartiere zu 
beziehen. Zu jener Zeit entschloss sieh De la Feuillade >S Bataillon^ 

') Kriegs-Archiv, Italien, L705; Fa.se XI. :;:;. Original Bericht ddo. Asti. 
10. November 1705. 



27!) 

und 12 Escadronen als Verstärkung in die Lombardei zu senden. Diese 
Truppen trafen aber erst zu Beginn December, mithin in einem Mo 
mente ein, in welchem Vendome von den Verstärkungen eben keinen 
wesentlichen Vortheü mehr ziehen konnte, weil die Jahreszeit die militä- 
rische Action wesentlich einschränkte. 

Für Starhemberg brachte der mit aller Gewall eingetretene 
Winter endliche Erlösung aus seiner peinlichen Situation, in welcher 
so lange auszuharren, ihn nur die Treue und Anhänglichkeit, an seinen 
Kaisei' vermocht hatten. Am 16. November verliess er Turin und ver- 
möge kaiserlicher Verordnung übernahm FML. Graf Dann das Com 
mando über die Truppen. 

In Piemont war ahn- noch keineswegs völlige Waffenruhe ein 
getreten. 



Belagerung von Nizza. 

Als nämlich Ludwig XIV. die Belagerung Turins aufgegeben 
und dadurch die- Frucht eines Feldzuges, der so viele Menschenleben 
gekostet, gänzlich verloren sah. fasste er sogleich die Belagerung der 
Citadelle von Nizza ins Auge und bestimmte dazu jene Truppen, 
die in der gleichnamigen Grafschaft und jene, die in der Provence 
waren. Mit der Leitung dieses Unternehmens wurde Herzog TOn 
Berwick betraut. 

Wie erwähnt, waren nach Eroberung von Villafranca, Moni. 
albano, San Ospizio und der Stadt Nizza 10 Bataillone und eine Dra- 
goner Escadron zur Beherrschung der Grafschaft und zur Blokade 
der Citadelle zurückgeblieben. 

Nach der Convention sollten beide Theile sich völlig passiv 
halten. Nichtsdestoweniger versäumten die Franzosen keine Gelegen 
heit, Vorbereitungen zu treffen, welche ihnen die Eroberung der Cita- 
delle und den Besitz der Grafschaft sicherten. Ursprünglich hatte 
d'Usson 5 Bataillone in Nizza, 3 in Villafranca, 1 in Sospello und 1 in 
Monaco verwendet. In den ersten Tagen der Besitzergreifung der 
Stadt Nizza wurden deren Befestigungen unterminirt, um diese für 
den Fall zerstören zu können, als die Engländer einen Entsatz ver- 
suchten. Ausserdem Hess d'Usson bei dem Thurme von Barilviel und 
bei jenem von Bozze Verschanzungen anlegen, um die Landung ver- 
hindern zu können. 

Ueberhaupf waren alle nöthigen Massregeln getroffen worden, 
um sieh dem geplanten Entsatzversuche der Alliirten zu widersetzen. 



280 

Das Gerücht von der Absicht der Engländer hatte insoferne für die 
Alliirten einen Vortheil, als dasselbe die Franzosen zu Truppenbewe 
gungen gegen die Grafschaft veranlasste. Als der französische 
Hof das Eintreffen der alliirten Flotte vor Gibraltar in Erfahrung 
brachte 1 ), steigerte sich die Besorgniss, dass das Einlaufen im Mittel 
ländischen Meere den angekündigten Angriff auf die Provence 
bedeute. In Folge dessen erhielt d'Usson Befehl, die zur Blokade 
von Nizza verwendeten 5 Bataillone und das Dragoner-Regiment in 
die Provence zu senden und den Rest der Truppen in Villafranca 
aufzustellen, nachdem die Befestigungen von Nizza in die Luft ge- 
sprengt seien. Beides wurde in's Werk gesetzt und in der Provence 
erfolgten Defensions-Massregeln, um den vermeintlichen Absichten der 
Seemächte entgegenwirken zu können. 

Diese Besorgnisse schwanden aber völlig, als Ludwig XIV. die 
Landung der alliirten Flotte bei Lissabon in Erfahrung gebracht hatte. 
Obschon er, über das Leos der Provence beruhigt, den Angriff auf 
Nizza sogleich in's Auge fasste, zeigten sich die Conjuncturen doch 
lange Zeit nicht danach angethan, diesen Plan zur That werden zu 
lassen. Erst als die gänzlichen Misserfolge De la Feuil lade's in 
Piemont keine anderweitige Hoffnung mehr aufkommen Hessen, erhielt 
Herzog von Berwick den Befehl, die Belagerung Nizzas gegen Ende 
October zu beginnen. Es war dies nämlich der Zeitpunct, in welchem 
die zwischen der Besatzung der Citadelle und den Blokade-Truppen 
abgeschlossene Convention endete. 

Zum Angriffe wurden 17 Bataillone, 2 Dragoner-Regimenter, 
50 24-Pfünder und 12 Mörser bestimmt. Chevalier de Bellefontaine 
erhielt Befehl, mit vier grossen und einigen kleineren Kriegsschiffen 
von Toulon nach Nizza zu segeln, um den Platz von der Seeseite 
einzuschliessen, eventuell zu verhindern, dass Verstärkungen auf dem 
Seewege in die Citadelle gelangen. 

Ein Zwischenfall war alier in solcher Beziehung den Veit hei 
digern der Citadelle zugute gekommen. Der Nachfolger d'Usson's im 
Commando der Blokade, De Parette, hatte nämlich mit dem Gouver 
neur von Nizza, Marquis de Carrail, die Convention bezüglich des 
Waffenstillstandes erneuert. Dadurch ward dieser in dem Momente, 
als d'Usson mit den 5 Bataillonen und dem Dragoner-Regimente in die 
Provence abmarschirte, Herr der Stadt, in welche er einen Theil seiner 
Truppe verlegte. Es wurde diese günstige Gelegenheit benützt, die 
zerstörte Umwallung der Stadt theilweise wieder in Stand zu setzen, 



•) Sic 



281 

Officiere und ßecruten mit Proviant in die Citadelle zu schaffen, so 
dass die Garnison beim Beginne der Belagerung aus 3 Bataillonen 
regulärer Truppen und :> Compagnien Camisarden, im Ganzen aus 
1400 .Mann bestand. 

Die Abschliessung der zweiten Convention ward von Ludwig XIV. 
für ungültig erklärt, und in Folge dessen kam es zwischen den Truppen 
dos Eerzogs und den Franzosen, welche in die Stadt einrücken wollten, 
zu blutigem Zusammenstosse. 

Obschon nach französischen Quellen die Besatzung der Stadt in 
die Citadelle zurückgeworfen worden sein soll '), so geht doch aus den 
Acten und ebenso aus der französischen Darstellung der Belagerung 
zweifellos hervor, dass die Truppen des Herzogs von Savoyen sich 
in der Stadt behaupteten. 

Herzog von Berwick, welcher vor Ablauf der ursprünglichen 
Convention die Belagerung nicht eröffnen durfte, Hess erst am 
25. October jene !) Bataillone und 2 Dragoner Escadronen, die er in 
der Provence gesammelt hatte, gegen den Var vorrücken. Diesen 
überschritt er am 31. October, nahm 4 Bataillone von Villafranca auf 
und rückte vor Nizza. Gleichzeitig wurden la Trinita, Sospello, über- 
haupt jene Puncte, von welchen aus auf dem Landwege eine Ver 
Stärkung der Citadelle möglich gewesen wäre, durch Posten besetzt. 

Minder günstig waren die umstände bei Bellefontaine's Ge 
schwader. Obschon am 20. ein Theil der Artillerie und Munition unter 
dem Schutze von 4 Schiffen und 4 Galeeren unter Segel ging, musste 
dieser Convoy widriger Winde halber bei den Hyerischen Inseln 
Schutz suchen und dort den Rest der Flotte erwarten. Aber auch 
dieser blieb längere Zeit an den Zufluchtsort gebannt. 

LTeberhaupt wirkte die Ungunst des Wetters nachtheilig auf den 
Beginn der Belagerung. Der liegen hatte alle Wasserläufe derart 
anschwellen gemacht, dass namentlich die Brücken über den Var fort- 
geschwemmt und dadurch die Verbindungen mit Frankreich völlig 
unterbrochen wurden. In Folge dessen konnte Berwick den Rest 
seiner Truppen nicht heranziehen und die unterbrochene Zufuhr von 
Proviant nöthigte zur Aussaugung der umliegenden < ►rtschaften. 

Die Franzosen kamen nach der ersten Recognoscirung zur Ueber- 
zeugung, dass vorerst der Besitz der Stadt nothwendig sei, deren 
Umwallung Carrail durch trockenes Mauerwerk und Palissadirungen 
zur Noth wieder in Verteidigungszustand hatte versetzen lassen. 

Ohne die Belagerungs-Artillerie abzuwarten, welche die Flotte 
herbeischaffen sollte, liess Berwick von Villafranca 6 eiserne 

') Pelet, 1705; V„ nag. 225. 



Geschütze heranziehen, um die Belagerung der Stadt sofort beginnen 
zu können. 

In der Nacht vom 4. auf den 5. November bemächtigten 
sich die Angreifer des am Ufer des Paglione gelegenen Klosters 
S. Giovanni Battista, welches mit 500 Mann besetzt wurde. Von 
diesem Puncto ans liess sieb wahrnehmen, dass die Flutb einen Theil 
jener Mauern hinwei;'^os|>ült hatte., die von den Vertheidigern zur 
Noth ausgebessert waren. Als am 9. die II Stücke aus Villafranca 
eintrafen, begann für selbe bei dem genannten Kloster der Bau 
einer Batterie unterhalb der Paglione Brücke, und oberhalb derselben, 
einer Deckung für die Mörser, und zwar letztere in der Richtung 
der Citadelle. 

Ua zu dieser Zeit auch die Fahrzeuge vor Villafranca ein- 
traten, so nahmen die Vorbereitungen zum Angriffe einen raschen 
Verlauf. Am 14. Hess Berwick die Besatzung der Stadt zur 
Capitulation auffordern. In diese wurde unter der Bedingung ein- 
gewilligt, dass die Franzosen erst eine Stunde nach dem Rückzuge 
der Truppen des Herzogs in die Citadelle, die Stadt betreten. 

Nach dem Abzüge der Vertheidiger besetzten 500 Mann Infan- 
terie und 2 Grenadier-Compagnien die Stadt und es wurden sogleich 
Befestigungen vorgenommen, um diese Truppen gegen Ausfälle von 
der Citadelle aus zu decken. 

Der Angriff auf die Citadelle erfolgte in der Richtung von Mont- 
albano aus, und es wurde auf der Höhe von S. Carlo am 16. eine 
Batterie für 20 Geschütze und 7 Mörser errichtet, von welcher aus 
die Citadelle und das Schloss der Länge nach bestrichen werden 
konnten. 2200 requirirte Arbeiter mussten die Verbindungswege in Stand 
setzen, um die Zuschübe zu erleichtern. Von Villafranca, S. Ospizio 
und seihst von Monaco zog Berwick Detachements zu den Belagerungs- 
Arbeiten heran, und Mitte September trafen auch jene 4 Bataillone 
ein, welche durch <\;\* Anschwellen des Var jenseits der Grenze 
zurückgehalten worden waren. 

Freilich konnte Berwick die Belagerung ohne Besorgniss, durch 
die Truppen des Herzogs von Savoyen gestört zu werden, in aller 
Ruhe einleiten, denn De la Feuillade's Bewegungen gegen Asti 
hielten ja die Streitkräfte Piemonts gebannt. 

Von dem Momente aber, in welchem Letzterer alle Unterneh- 
mungen aufgegeben und seine Macht zerstreut hatte, konnte Victor 
Aiua, d ou s von Turin aus ein im Verhältnis* gegen Berwick's 
Truppen überlegenes Corps in die Grafschaft Nizza senden und die 
Franzosen dadurch in eine gefährliche Lage bringen. 



283 

Thatsächlich verbreitete sich bei diesen das Gerücht, dass die 
Engländer zu Oneglia Munition ausschifften und dass der Eerzog von 
Savoyen 3000 Mann als Entsatztruppen in Marsch gesetzt habe. 
Solchen Unternehmungen entgegenzuwirken, liessBerwick bei Trinita 
auf dem Wege nach Aspromonte, am Var und am Paglione Redouten 
erbauen, welche Vorsiehtsmassregeln er als zureichend erachtete, dem 
Gegner die Spitze bieten zu können. Als aber die Einnahme Barce 
lona's bekannt wurde, steigerten sich Berwick's Besorgnisse, dass die 
englische Flotte Zeit linden werde, Nizza zu entsetzen, und er forderte 
vom 'Konige Verstärkungen, die aber nur zum geringsten Theile zuge- 
standen wurden. 

Das Stadium der Vorbereitungen zum Angriffe verlängerte sieh 
weit mehr, als es die Franzosen nach dem ersten Anscheine erwartet 
hatten. Die Besatzung der Citadelle Nizza's wusste durch ihr heftiges 
Feuer den Gegner fernezuhalten, Regenwetter erschwerte die Anlage 
von Approchen und der Transport von Belagerungs-Geschützen und 
Munition, welcher mittelst Schlitten erfolgen musste, erlitt in Folge 
der Mangelhaftigkeit der Vehikel namhafte Verzögerungen. 

So war der Monat November völlig resultatlos verstrichen und erst 
am 2. December konnte die Batterie San Carlo, und jene bei Moni 
alban gar erst am 7. in Thätigkeit gesetzt werden. 

Um die Belagerten an Ausfallsversuchen zu hindern, Hess Ber- 
wirk in der Nacht zum 8. gegenüber dem Ausfallsthore, links der 
erwähnten beiden Batterien, am Ufer der Limpia ein Logement errichten 
und sogleich durch 3 Grenadier-Compagnien ((iOO Mann) besetzen. 
Um 11 Uhr Vormittags eröffneten 80 Geschütze und 13 Mörser das 
Feuer gegen die Citadelle und den nächstfolgenden Tag (9. December) 
wurde begonnen, die ..Neue Bastion" in Bresche zu legen. In Folge 
dieses Angriffes erlitten der starke Thurm, welcher das genannte Bastion 
abschloss, die Courtine, der Marinethurm und zwei Redouten arge Be- 
schädigungen. Nach dieser Einleitung des Angriffes wurden in der 
Nacht vom 11. auf den 12. die Trancheen eröffnet und am 14. 
begannen die Franzosen entlang der Rampe, welche zum .Schlosse führte, 
eine Parallele von der Citadelle bis zum Meeresufer. 

Obgleich der Herzog von Savoyen von der äussersten Gefahr, 
welche diesem Platze drohte, in Kenntniss war und einen Entsatz 
versuchen wollte, so schienen die entgegenstehenden Hindernisse doch 
unüberwindlich. In dem bezüglichen Kriegsrathe wurde geltend gemacht, 
dass, nachdem Berwick mit 11 Bataillonen vor Nizza, stehe und stünd- 
lich Verstärkungen erwarte, im Falle, selbst alle bei Turin verfügbare In 
fanterie aufbrechen wurde, die Starke der Entsatztruppen kaum jene;- 



284 

dar Belagerer gleichkommen würde. Gegen diese aber sei inil olchen 
K r.i l'i .- iL ein Angriff nicht denkbar, nachdem selben, die im Besitze 
aller Böhen am Nizza waren, nicht beizukommen sei, und abgesehen von 
den wenigen kaiserlichen Trappen, jene des Eerzogs „mehres als der 
halbe Theil in neuer Mannschaft" bestand und auch auf „die alte sieh 
nicht gar viel zu verlassen" war '). 

An dein Willen zur Hülfeleistung hatte es gewiss aicht gemangelt- 
Der Herzog Hess sowohl den Feind, als auch die möglichen Annähe 
rungslinien recognosciren. Der im Gebirge liegende tiefe Schnee ver 
hinderte unbedingt die Truppenbewegung. Aber seihst im Falle eine 
solche zulässig gewesen wäre, blieben die Chancen für den Erfolg 
mehr als ungewiss; denn Berwick, von Nizza zurückgeworfen, konnte 
sieh auf Villafranca zurückziehen und dort Verstärkungen abwarten, 
oder augenblicklich wieder vor Nizza rücken, sobald des Herzogs Truppen 
wieder abgezogen wären. 

Ausserdem durften die beiden Puncto Asti und Chieri, die wohl 
gegen einen Handstreich, aber keineswegs gegen einen förmlichen 
Angriff durch Befestigung gesichert waren, nicht der Möglichkeit 
beraubt weiden, auf einen Succurs zu rechnen. 

Ohnmächtig zu Nizza's Rettung, ertheilte Victor Amadeus 
dem Commandanten der Citadelle den Befehl, die Gegenwehr so lange 
fortzusetzen, bis die Besatzung auf 50 Mann zusammengeschmolzen, 
sei. Der Herzog rechnete dabei vermuthlich auf einen Entsatzversuch 
durch die aus Lissabon zurückkehrenden Kriegsfahrzeuge der verbün- 
deten Seemächte. Diesen ging aber das Schicksal Piemonts keineswegs 
so nahe, als dass sie ihre eigenen Interessen, die in Spanien gefördert 
schienen, hintangesetzt hatten. 

In Folge des continuirlichen Feuers ward am l(i. die „Neue Bastion" 
der Citadelle in Bresche gelegt, doch wagten die Franzosen noch immer 
nicht den Sturm. Durch Errichtung neuer Batterien sollte gegen die 
Hauptcourtine, überhaupt jenen Theil des Schlosses, welcher gegen 
Montalban gewendet war, der Angriff erleichtert werden. Obschon mit 
Schluss des Jahres 1705 ein solcher noch nicht angezeigt schien, so 
wahrte es nur mehr wenige Tage (4. Jänner 1706), dass die auf 700 Mann 
zusammengeschmolzene Besatzung zur Capitulation genöthigt und der 
wichtige Puncl Nizza mit seinem ansehnlichen Kriegsmaterial dem 
Feinde ausgeliefert wurde. 

Aber auch dieser Schlag blieb nicht allein. War es unmöglich 
Nizza, zu retten, so mangelten noch mehr die Mittel, Montmeillan Hülfe 

') Kriegs-Archiv, Italien, 1705; Fase. XII. 101. 



285 

zu bringen. Der Commandant dieses Platzes musste wegen völligem 
Mangel an Lebensmitteln die Capitulation anbieten. Er stellte die 
Bedingung: „sammt der ganzen Garnison, mit (i Stücken, 2 Mörsern 
und allen Ehren zu Ende December (wofern inmittelst kein Succurs 
dahin erscheinen sollte) ausziehen und nach Turin abmarschiren" zu 
dürfen 1 ). Dieser Antrag wurde vom französischen Hofe nicht ratificirt. 
Ludwig XIV. bewilligte blos den Abzug mit zwei Geschützen mit dem 
Bedeuten, dass nach Ablauf der gestellten Frist blos Kriegsgefangen- 
schaft zugestanden werden dürfe. Obschon der Commandant Mont- 
meillans vom Herzoge Verhaltungsbefehle einzuholen versuchte, 
musste er, ohne dieselben abwarten zu können, am 10. December 
die Capitulation abschliessen, um dem Herzoge wenigstens die Truppe 
zu retten. 

Wenngleich Victor Amadeus zum Schlüsse des Jahres sein 
ganzes Reich bis auf den Landstrich um Turin eingebüsst hatte, scheint 
seine Stimmung dennoch keine verzagte gewesen zu sein. Abgesehen 
von den Aussichten, welche England für das nächstfolgende Jahr eröffnete, 
mag auch das Eintreffen des Christen Hamilton aus Barcelona, 
welcher die Einnahme dieser Stadt bestätigte, und ein Schreiben Peter- 
borough's beruhigend gewirkt zu haben; um so mehr als der Lord 
die Versicherung gab, dass man in der künftigen Campagne auf die 
Flotte und auf Landungstruppen zahlen könne. Bitteren Beigeschmack 
erhielt aber die frohe Botschaft dadurch, dass Victor Amadeus nicht 
verborgen blieb, wie König Karl III. von Spanien von seinem Bruder 
Truppen und namentlich Officiere dringendst begehrte. Der Herzog 
verwahrte sich in seinem Schreiben vom 30. December an E u g e n 
gegen jede Verminderung der Streitkräfte, die zur glücklichen Beendi- 
gung des Krieges in Italien nothwendig waren 3 ). Dem Kaiser erklärte 
der Herzog die äusserste Notwendigkeit, dass die Armee in Piemont 
ohne mindeste Säumniss verstärkt werden müsse, um schlagfertig zu 
sein, ehe der Feind seine Lücken durch Ilecruten ausfüllen könne. 



Erfolgreiche Feldzüge mit entscheidenden Schlachten sind Mark- 
steine in der Weltgeschichte; für die Beurtheilung des Feldherrn- 
Genie's können sie aber keineswegs immer den richtigen Massstab 
geben. Das Verdienst des siegreichen Führers verringert sieh ja in 
dem Masse, in welchem die Potenzen, über die er verfügt, jenen des 
Gegners schon von vorneherein überlegen sind; mögen dieselben 

') Kriegs-Archiv, ttalien, 1705; Fase. XII. 101. 
-') Kriegs-Archiv, Italien, 1705; Fase. XII. 111. 



286 

in Zahl und Güte der Streitkräfte, im moralischen Werthe der Armee, 
oder in t^i.sl.it;' hoher Begabung der Unten imandanten bestehen. 

In seiner ganzen <<riisse erscheint der wahre Genius, wenn der 
Feldherr inmitten allgemeiner äusserster Ungunst der Verhältnisse, 
diese ehenso kräftig wie kühn zu bekämpfen weiss. Und kaum ver 
mag irgend ein Blatt der Kriegsgeschichte dies treffender zu erhärten, 
als Eugen's Feldzug 170. r > in Ober-Italien. 

Von dem so bewunderungswürdig an^ele-ten und durchgeführten 
Vorbruche aus Gavardo und dem danach erfolgten Oglio-Uebergange, 
bis zu dem Momente, wo die kaiserliche Armee die Adda überschreiten 
sollte, war nicht blos den feindlichen Massnahmen entgegenzutreten, 
sondern auch eine Menge von widrigen Umständen zu überwinden, 
wozu es eines Uebermasses an Seelenstärke bedurfte. Wenn dann des 
Kaisers Feldherr, mit äusserst geringen Chancen für den Erfolg, den 
noch über die Adda /.u gelangen suchte und bei der Erfolglosigkeit 
an der zuerst ausersehenen Ucbergan^sstclle, durch einen Gewaltmarsch 
flussabwärts dem Gegner den nöthigen Vorsprung abgewinnen weih,', 
so hatte er nebst seinem Führertalente gezeigt, wie sehr er Mass zu 
halten wisse. Klugheit musste dort zum Ziele führen, wo Anwendung der 
Gewalt nimmer verfangen konnte. Dass aber Prinz Eugen bei Ver- 
folgung solcher Absieht den Moment, der Theilung der feindlichen 
Streitkräfte vor und flussaufwärts von Cassano d'Adda gleich auf die 
erste Nachricht hin mit Blitzesschnelle zu erfassen und voll auszu 
nützen wusste — dies gibt Zeugniss, das.s er mit jenem Götterfunken 
begnadet war, welcher wenig Sterblichen nur beschieden ist. 

Nicht der Erfolg der Schlacht von Oassano d'Adda, .sondern die 
Umstände, unter denen sie von dem kaiserliehen Feldherrn gesucht 
und geschlagen wurde, bilden das Kriterien. Entschluss, Plan und 
Ausführung waren in einen Moment zusammengedrängt. 

Kaum in minder hellem Liebte erscheinen die Schaehzüge, wie 
solche der Prinz nach der Schlacht bis zum Ende der Campagne 
auszuführen wusste, um, ohne mit der kaiserlichen Armee eine Nieder- 
lage zu erleiden, sich auf italienischem Boden behaupten zu können; 
ja, dies ist um so bewunderungswürdiger, als Prinz Eugen im 
December blos mehr über 11.000 Manu Infanterie und 4000 Reiter 
verfügte; während der Gegner mit 20.000 Mann Infanterie und 
7000 Reitern die kaiserliche Armee vergebens in die Tyroler Denleen 
zurückzudrängen suchte. 

Jedenfalls hatte der Herzog von Ven dorne, ungeachtet der 
anerkennenswerthen Geschicklichkeit im Manövriren, in dem Prinzen 
Eugen seinen Meister erkannt, denn .im Schlüsse der Campagne ver- 



zichtete er, ungeachtet einer numeriscli fasl zweifachen ITeberlegenheit, 
nicht blos auf die Absicht, die kaiserlichen Truppen .-ms Ober-Italien 
zu verdrängen, sondern es wurden sogar Besorgnisse für Mantua wach. 

Auf günstigen Erfolg völlig verzichtend, verlegte Vendonie seine 
Armee vom 20. December an derart in die Winterquartiere, dass der 
rechte Flügel der ersten Linie sich an Desenzano stützte, das Centrum 
in Castiglione delle Stiviere, der linke- Flügel in Carpenedolo zu 
stehen kam. (irössero Ausdehnung hatte die zweite Linie, deren 
rechter Flügel sieh zu Lazise und Bardolino, der linke aber zu 
i (stiano am < >glio befand. 

Während des letzten Ringens der Kaiserlichen mit den Fran- 
zosen vor Gavardo verliess Feldmarschall Star hemberg das Kriegs- 
theater in Piemont, nachdem er dort vorerst die Angelegenheiten in 
einen Stand gebracht hatte, welcher das Ausharren Ins zur nächst 
folgenden Campagne völlig sicherte. Mit dem Bewusstsein treu erfüllter 
Pflicht, konnte der heldenmüthige Vertheidiger von ( Jhivasso, < Jrescentino 
und Turin gegen Ende Novembei in Eugen's Hauptquartier erscheinen. 

Zweck dessen war die Vereinbarung jener Massnahmen, welche 
zum Entsätze des hart bedrängten Herzogs von Savoyen getroffen 
werden sollten. Heide Feldherren, ungeachtet sie im Verlaufe der 
Campagne 1705 nur herbe Erfahrungen gemacht, gaben nicht im 
entferntesten dem Gedanken Raum, dass der Krieg am Südfusse der 
Alpen anders, als in des Kaisers Interesse entschieden werden könne. 
Freilich ging ein Jahr blutigen Ringens vorüber, an dessen Schluss 
Eugen's Armee wieder dort stand, wo sie bei Eröffnung der Cam- 
pagne sich voll Zuversicht gegen Brescia in Bewegung gesetzt hatte. 
Lud dennoch waren die gel, rächten grossen Opfer nicht fruchtlos, 
weil die kaiserliche Armee ihren Indien Kampfeswerth erneuert mani 
festirte, der Herzog von Vendome aber des Prinzen geistige 
Oeberlegenheit in ihrer vollen Grösse kennen lernte. 

Als die Unbilden der rauhen Jahreszeit ihren Höhepuncl erreicht 
und sowohl die Franzosen, als die Kaiserlichen völlig gelahmt hatten. 
verliess Prinz Eugen seine tapfere Armee, um durch persönliches 
Einwirken in Wien all' dasjenige vorkehren zu können, was die 
nächstfolgende Campagne in Ober-Italien erheischte. 

Für die kurze Frist seiner Abwesenheit übertrug er den Ober- 
befehl über die im Brescianischen cantonnirenden Truppen dem 
FML. Grafen Reventlau, während die im- die Reiterei im Verone- 
sischen bestimmten Quartiere der Obhut des Prinzen von Anhalt 
anvertraut wurden. 



Krieg an Frankreichs Ostgrenzen. 

Allgemeine Lage. 

Sollte, der von Eugen und Marlborough entworfene Plan 
zur Ausführung gelangen, mussten die Marken Frankreichs von der 
Nordsee bis zur Schweiz bedroht werden, um Ludwig XIV. zur Thei- 
lung seines Heeres zu uöthigen. Nur dadurch fand die Coalition die 
Möglichkeit, den Hauptschlag mit weil überlegenen Kräften an jenem 
Puncte zu führen, wo die Entscheidung des ganzen Krieges fallen 
konnte. Leider hing die Vertheilung der Rollen nicht von besserer 
Erkenntniss, sondern lediglich von den politischen Konstellationen 
ab, und diese schlössen ebenso den einheitlichen Gedanken, wie die 
einheitliche That aus. Aber gerade auf ihnen allein beruhte das Gelingen 
des Planes. 

Gegen die spanischen Niederlande, gleichsam am rechten Flügel 
des Angriffsheeres der Verbündeten, musste England aus den erwähnten 
Gründen') die militärische Aetion den Holländern völlig überlassen, 
welche eben nicht geneigt waren, auf die Intentionen ihres Alliirten 
Rücksicht zu nehmen. Sie wollten den Krieg für sich führen und legten 
dabei England die traetatmässige Verpflichtung auf. die allenfalls nöthig 
erachtete Unterstützung durch englische Truppen zu gewähren. 

England hatte es auf sieh genommen, durch seinen Feldherrn, 
Herzog von Marlborough, den beabsichtigten Hauptschlag gegeij 
die Mosel zu führen, die dort, aufgestellte französische Macht zu 
schlagen und durch Eroberung der beiden FestungeD Saarlouis und 
Thionville jene Einbruchspforte nach Frankreich zu gewinnen -). 



•) Siehe 
-') Lambe 



vnn der aus auf kürzestem Wege dem Könige von Frankreich die 
Hauptpulsader seines Reiches unterbunden und er dadurch zu einem 
Friedensschlüsse genöthigt werden konnte, welcher den Interessen der 
Verbündeten am meisten entsprach. Diese Operation sollte gleichsam im 
Centrum erfolgen und es waren dazu vorwiegend die englischen Truppen, 
die im Solde der Seemäcbte stehenden Churpfälzer und Preussen und 
überdies ein Theil der vom Markgrafen von Baden befehligten Reichs- 
Armee ausersehen. 

Noch war ein wesentlicher Theil der französischen Grenze, und 
zwar, jener von Lothringen bis zur Schweizer Grenze, das Elsass, 
zu bedrohen, um auch dort beträchtliche Massen des französischen 
Heeres auf sich zu ziehen. Diese am Ober-Rhein von den Verbündeten 
aufzustellende Armee sollte gleichsam den linken Flügel der grossen 
Angriffsfront bilden. Leopold I. hatte dort den General-Lieutenant 
Ludwig Markgrafen von Baden mit dein Oberbefehle betraut. 
Dessen Wahl war aus mehrfachen politischen Gründen geboten, ob- 
schon einerseits körperliches Siechthum, andererseits Eifersucht gegen 
Marlborough, von dem Markgrafen kaum jenes Wirken erwarten 
Hessen, welches einst in den Türkenkriegen den Sieg so ruhmreich 
an das kaiserliche Banner zu fesseln wusste. 

So bedrohend für Frankreich der Plan der Alliirten auch scheinen 
mochte, hatte Ludwig XIV. doch eine Menge von Chancen für sich, 
die er auch auszunützen wusste. In den Niederlanden war im Vorjahre 
keine Einbusse erlitten worden. Dort machten die Terrainverhältnisse, 
ganz abgesehen von den zahlreichen festen Plätzen, die Operationen 
der Verbündeten äusserst schwierig. Lothringens Neutralität ver- 
ringerte den zu deckenden Raum und nöthigte die Verbündeten zur 
Trennung ihrer Heeresmassen. 

Schon zu Beginn des Jahres hatte es nicht an Gerüchten gefehlt, 
dass in den Niederlanden 60.000 Mann unter Auver quer que, an 
der Mosel 00.000 Mann unter Marlborough, und gegen das Elsass 
30.000 Mann unter Ludwig von Baden in's Feld rücken würden'). 
Misslich war von vorneherein eine solche Dreitheilung des Heeres, und 
noch misslicher die Lösung der Frage wegen des Oberbefehles. Eifer- 
sucht unter den Befehlshabern der Verbündeten, dann die Rücksichten, 
Wünsche und Forderungen Englands und Hollands mussten eine Situa- 
tion schaffen, welche die Präcision in der Handlung ausschloss. 

Unter den drei für den Oberbefehl der Verbündeten-Armee aus- 
ersehenen Feldherren war es der Markgraf Ludwig von Baden, 



') Pelet; V., 



290 

welcher mir bedingungsweise il Bauptplane beipflichtete. In einer 

Denkschrift an den Kaiser sprach er aeine persönliche Meinung dahin 
.•ms, dass man auf einem so weil ausgedehnten Kriegstheater die Eni 
Scheidung nicht an den angewissen Erfolg einer einzigen Schlacht (an der 

Mosel) setzen dürfe, ohne gleichzeitig anderwärts sich eines, wenn auch 
nicht, völlig ausschlaggebenden, doch immerhin grossen Vortheiles zu 
versichern. LeopoldL, die Argumente des General-Lieutenants aner 
kennend, konnte doch nicht auf (hm Vorschlag, an der Mosel und im Elsass 
gleichzeitig Offensiv* >perationen einzuleiten, eingehen 1 ). Er hielt die 
von seinem Hof kriogsraths- Präsidenten Prinzen Eugen vorgeschlagene 
und mit dem Herzog von Marlborough berathene Hauptoperation an 
der Mosel als die erspriesslichste, welche mit „all'äusserstem Eifer 
angegriffen und bewerkstelligt werden" müsse. Die Ausführung dieses 
Planes „sei den Allürten überlassen, deren Maass-Anstalten und Macht 
dahin gerichtet, solche Impresa auch auszuführen". 

Die Rolle, welche dem kaiserlichen General-Lieutenant zugedacht 
war, ist in dem Handschreiben Leopold I. deutlich ausgesprochen: 
„Zumalen aber der Feind diesen Streich (Offensive an der Mosel) abzu 
kehren oder zu hintertreiben vermuthlich alle Mittel ftirsinnen wird, 
so ist Meine gänzliche Meinung, dass Euer Liebden mit Dero Com- 
mando unterstehenden Reichs-Armee inmittelst defensive des Feindes 
obgedachte Absehen beobachten, mithin oberwähnte Operation bedecken 
und den Allürten nach erheischendem Nothfalle die Hand zum 
Theil oder mit völliger Macht bieten möchten. Solchergestalten 
werden auch die von Euer Liebden befahrende Zufälligkeiten zum 
sichersten dann abgewendet, nämlich Landau bei dessen schlechtem 
Zustande ausser Gefahr eines feindlichen Angriffes gesetzt, die obern 
Theile des Rheins aber und der Schwarzwald des etwa vorhabenden 
Durchbruches, und zwar um so leichter befreit sein werden, als dem 
Feinil, wo die festen Plätze alle in Meiner und des Reiches Händen 
sind, ihm auch die vorhin von rückwärts gehabte churbayerische Diver 
sinn ermangelt, allzuschwer, wohl auch unmöglich fallen würde, der 
massen, wie vorhin durchzudringen." .... „Wie hingegen aber sowohl 
die obgemeldete Operation an der Mosel würde befördert, oder die erst- 
angezogene Sicherheit besorgt werden, im Falle man sich zugleich mit 
einer offensiven ( >peration heroben verfangen wollte, können Euer 
Liebden nach Dero vernünftigem Urtheil von selbsten wohl ermessen, 
indem, um das [mpegno nicht, zu verlassen, die Kräfte zersplittert 
bleiben müssten, und nirgends endlichen zureichen könnten, sondern 

i) Haus-, Hof- and Staats-Archiv, Bavarica: April 1705. 



291 

dem Feinde die Gelegenheit gebahnt würde, den Alliirten desto freier 
auf den Armen zu liegen und sie von ihrem Vorhaben abzuhindern 
oder auch gegen Landau oder anderwärts mit einem dem Lande ver- 
derblichen Vorbruche einzudringen; zudem, dass keine andere Opera- 
tion als gegen Strassburg oder Fort Louis vorzunehmen vorstünde" '). 

Die völlige Meinungsverschiedenheit der beiden hervorragendsten 
Befehlshaber über den Feldzugsplan war in den diplomatischen Kreisen, 
namentlich in England vielfach discutirt worden und in Folge dessen 
der Aussenwelt nicht gänzlich verborgen geblieben. Resident Hoffmann 
berichtete am 24. April an den Kaiser: .... „der Duc von Marl- 
borough solle hiesiger Minister Vorgeben nach vom Markgrafen 
von Baden nicht vergnügt sein, aus Ursachen, dass dieser sieh am 
oberen Rhein halten und daselbst agiren will, da er, Duc, für nöthig 
halte, dass der Markgraf mit seiner Armee sich gegen Saarbrücken 
ziehe, mittlerweile er sich gegen Thionville wendet, um sieh einander 
die Hand zu bieten, nach Begebenheit zu conjungiren und zusammen 
in Frankreich dringen zu können; welchen Sentimenten des Due's 
hiesiges Ministerium völlig beifällt und vorgibt, dass dieses das einzige 
Mittel seie, vom Kriege ein baldiges Ende zu machen; dann man von 
diesen beiden Plätzen (Saarlouis und Thionville) sobald nicht Meister 
sein würde, dass man nicht mit einer solchen combinirten Macht nach 
Gefallen in das Herz von Frankreich penetriren und den Feind zu 
einem anständigen Frieden forciren könnte; da der Markgraf hingegen 
am obern Rhein Nichts unternehmen, somit einem Vorhaben .... 
I anleserlich) .... contribuiren wollte, und dass auf die prätendirende 
nöthige Bedeckung von Landau und deren Linien von Stollhofen 
um so viel weniger zu reflectiren seie, da Frankreich nicht so unvor- 
sichtig sein würde, einen Theil seiner Macht zur blossen Diversion dahin 
zu ziehen, weun es eine Armee von 100.00Ü Mann an seinen näheren 
Grenzen und in procinetu hineinzubrechen sehen würde 1 '. Resident H o f f- 
111:11111. der in allen Dingen klar sah, schloss seinen Bericht mit der 
Bemerkung: „Welchergestalten nun dieses Werk zwischen beiden 
Commandirenden Generalen verglichen sein wird, muss ich an seinen 
Ort gestellt sein lassen *)." 

Ueber den Hauptgrundzug der Absichten seiner Gegner nicht 
lange in Ungewissheit, bemühte sich der König von Frankreich im Osten 
seines Reiches auf den drei bedrohten Theilen den Alliirten annähernd 
gleichstarke Armeen entgegenzustellen, und zu diesem Behüte wurden 
vorläufig für Flandern 54 Bataillone und 107 Escadronen unter 

'J Hans-, Hof- und Staats-Archiv, Havarien; Ajiril 1705. 
-'| Haus-, Hof- and Staats-ArcMv, Bavarica; April. 



292 

Marschall Villeroy, für die Moselgrenze 55 Bataillone and 104 Esca 
dronen unter Marschall Villars, endlich für das Elsass 50 Bataillone 
und 70 Escadronen unter Marschall Marsin bestimmt 1 ). 

Wenngleich in Frankreich darüber kein Zweifel herrschte, dass 
den Alliirten gegenüber diesmal nur die Defensive möglich und räth 
lieh sei, so wollte und konnte man dennoch früher keinen bestimmten 
Plan fassen, ehe sich nicht mit einiger Klarheit gezeigt haben würde, 
gegen welchen Theil der Grenze die Hauptkraft der Alliirten in Action 
kommen werde, Vorläufig liess Ludwig XIV. jede der drei Armeen 
in Cantomiirungen verlegen, von denen aus sie am leichtesten und 
schnellsten an die bedrohten Reichsfrronzen rucken konnten. 



Truppenvertheilung vor Eröffnung der Campagne. 

In den Niederlanden hatten die. Generalstaaten: 

für ständige Garnisonen . . 18 Bataillone, 

„ Besatzungen 33 „ 2 Escadronen 

.. den Dienst im Felde . . 29 „ 73 ,, 

Summa 80 Bataillone, 75 Escadronen 
und 3 Compagnien in Aussieht genommen. < Mischen über die Versamm- 
lung dieser Streitkräfte seitens Hollands nichts in die Oeffentlichkeit 
drang 2 ), so gewärtigte doch Frankreich aus naheliegenden Gründen 
keineswegs den Hauptangriff in Flandern (am linken Flügel seiner 
< Iperationsfront). 

Marschall Villeroy hielt seine Macht, 54 Bataillone und 107 Esca 
di-onen, um so mehr für ausreichend, als er in Absicht hatte, den An- 
griff in Befestigungen abzuwehren. Zwischen Denier und Nethe, von 
dem Orte Werchter bis Boisschot, war nämlich schon lange vor Eröff- 
nung der Campagne eine ungefähr 2% Lieus ausgedehnte Verteidi- 
gungslinie errichtet worden. In dieser sollte die erste Gegenwehr statt- 
finden und die Möglichkeit gewahrt bleiben, die Communication mit 
Löwen und jener Linie zu erhalten, welche von Lierre gegen Ant- 
werpen vorbereitet war. 

Als zweiter Vertheidigungsabschnitt , hinter jenem zwischen 
Werchter und Boisschot, sollte die im Vorjahre an der Dyle errichtete 
Linie dienen. 

An der Mosel wollte. Marlborough 75 Bataillone und 
88 Escadronen versammeln und diese Machl durch den Zuzug eines 
Theils der Rhein Armee ansehnlich verstärken. 



') Pelet, 1705; V., pag. 
-) Lamberty, Band III, 



293 

Villars aber hielt die ihm ursprünglich überwiesenen 55 Batail 
lone und 104 Escadronen vorläufig für ausreichend, weil er nach den 
Kundschaftsberichten die Situation beim Gegner durchaus nicht so 
besorgnisserregond hielt, als dass er nicht Zeit erübrigt hatte, aus 
Flandern oder aus dem Elsass Verstärkungen heranzuziehen. 

Am Ober- Rhein blieben die nächsten Vorbereitungen zur 
Eröffnung der Campagne seitens der Alliirten sehr im Rückstande. 
Noch Ende März fehlte die endgültige Entscheidung über die Zahl 
und Concentrirung der Reichs-Armee. Diese sollte nach dem vom 
Markgrafen dem Kaiser vorgelegten Entwürfe aus 59 Bataillonen und 
89 Escadronen bestehen. Erwähnenswerth sind in dieser Beziehung 
seine dem Entwürfe beigefügten Randbemerkungen, welche sowohl 
bezüglich der Stärke der kaiserlichen Immediat-, als der Kreistruppen 
wohlbegründete Zweifel aussprechen. 

Nicht begriffen in diesem Entwürfe waren die angehofften Con 
tingente des Churfürsten von Sachsen, des Königs von Dänemark etc., 
ebensowenig die 8000 Preussen, welche zuziehen sollten. 

Vom Wiener Hofe hatte man das kaiserliehe- Regiment Sinzen- 
dorf und die in der Ober-Pfalz in Winterquartieren untergebrachten 
Dänen anstatt der nach Italien bestimmten Pfälzer für die Reichs- 
Annee in Aussicht genommen. Doch zweifelte der Markgraf, dass 
diese Truppen aus Bayern weggezogen werden könnten, da in diesem 
Lande Truppen zur Niederhaltung der sich zeigenden Gährung nöthig 
wann '). Diese Zweifel über die Stärke der Rhein-Armee waren selbst 
in dem Momente nicht behoben, in welchem die Mosel-Armee unter 
Marlborough bereits in Action trat und ein Theil der Kreistruppen 
aus ihren Cantonnirungs (Quartieren direct dahin aufbrechen musste. 

Am 6. Mai waren erst die fränkischen und schwäbischen Truppen 
bei Lauterburg versammelt, eine Streitmacht, die dem im Elsass 
stehenden Feinde gewiss keine Besorgnisse einflössen konnte. 

Marsehall Mars in, abgesehen von seiner Defensivstellung an 
der Moder, hatte ja 25 Bataillone und 35 Escadronen zu Operationen 
im freien Felde verfügbar, und 22 Bataillone standen als Besatzungen 
in den Festungen und befestigten Puucten. 



Einleitung der Oflensiv-Operationen durch die Verbündeten. 

Schon die Einleitung der Operationen war auf wesentliche Hin- 
dernisse gestossen. Die Genoralstaaten weigerten sieh noch zu 

') Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Bavarica; März 1705. 



294 

Beginn des Mai, endgültige Bestimmungen bezüglich der Stärke ihrer 
in den Niederlanden agirenden Feld-Armee bekannt zu geben. Fesl 
gestellt hatten sie blos, dass von «Ich ursprünglich für < l i « - verschiedenen 
Puncte präliminirten Besatzungen 21 Bataillone zur Verwendung im 
freien Felde sich fertig halten sollten. 

Marlborough's Intention ging dahin, vorerst in den Nieder 
landen zu demönstriren, um die Aufmerksamkeit des Gegners von der 
wahren Absieht abzulenken, eventuell eine Verstärkung der Armee 
Villeroy's auf Kosten jener an der Mosel (Villars) in Flandern zu 
veranlassen. Eine Versammlung der Streitmacht von Seite der General 
Staaten unter General-Lieutenant Spaar war Anfangs Mai insoferne 
angeordnet, als anfänglich 8 Bataillone und 5 Escadronen sieh nach 
Flandern in Marsch setzten und die Verstärkung erst nach und Dach 
von den nächstgelegenen Garnisonen in Aussieht gestellt wurde 1 ). 

Solche Massnahmen gaben dem Gegner keinerlei Anhaltspuncte 
über die eigentlichen Absichten der Alliirten. Wohl lauteten einige 
Kundschaftsberichte dahin, die Haupt - Operation werde gegen die 
Mosel gerichtet; andererseits aber hiess es wieder, dieselbe sei in den 
Niederlanden entweder gegen die Maas oder gegen die Scheide geplant. 
Und diese Ungewissheit findet in folgendem, aus dem Haag nach 
Wien erstatteten Berichte ihre Erklärung: „Die Armee an der Maas 
hat sich wirklich zusammengezogen. Die Engländer werden sich den 
1. Mai moviren und den 6. bei Mastricht stehen, wohin sich Mail- 
borough diese Woche begeben wird, von dannen er seinen Marsch 
nach der Mosel zu nehmen Willens sein soll, obwohl mir von guter 
Hand gesagt wird, dass er zuvor Etwas in Brabant tentiren mögte, 
wenn der Feind nämlich fortfährt, seine Truppen nach der Mosel zu 
ziehen 2 )." 

Selbst der in den ersten Tagen des Mai erfolgte Aufbruch der eng 
lischen Truppen von Bergen-op-Zoom, Breda und Bois le Duc (Herzogen- 
busch) gegen die Maas trug nichts zur Lösung des lväthsels bei. Diese 
Truppen bezogen am 5. Mai zwischen Venloo und Roermonde am 
linken Flussufer ein Lager, und von da aus konnten sie ebensowohl 
zum Angriffe auf die französischen Linien in Flandern verwendet, als 
gegen die Mosel in Marsch gesetzt worden. Da die holländischen 
Truppen gleichfalls gegen Mastricht rückten und sich währenddem 
ansehnlich verstärkten, so wurden Villeroy's Besorgnisse für die 
Niederlande nicht gemindert. Aber noch immer erwartete er aus der 
ferneren Bewegung der Engländer einen Fingerzeig für die von ihm 

<) Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Hollandica; Mai 1705. 
-'I Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Hollandica; April 1705. 



zu treffenden Massnahmen, und dies mit Recht, denn wohl Hess sich 
voraussetzen, dass die Alliirten diese Kerntruppen nur bei jener der drei 

Armeen in Thätigkeit bringen würden, auf welche sie den Schwer- 
puncl zu verlegen beabsichtigten. Obgleich die englischen Truppen 
blos aus 20 Bataillonen und 15 Eseadronen bestanden, so waren doch 
die Bataillone last 900 Mann stark, „massen von den 20 leicht 30 
gemacht werden" konnten '). 

Obschon Villeroy bereits Mitte April Dispositionen für die 
Sammlung seiner Armee getroffen hatte, bestanden dieselben doch 
nur in allgemeinen Vorbereitungen. Zunächst waren die im Innern 
Frankreichs zerstreut gewesenen Garnisons-Truppen angewiesen worden, 
gegen die Grenze vorzurücken. Die französischen und Schweizer 
Garden wurden nach Brüssel, Mecheln und Lüttich beordert, während 
die Truppen aus den entferntesten Quartieren die anderen Städte von 
Brabant besetzten. Dem Oommandanten der Artillerie (St. Hilaire) 
ward die schleunige Instandsetzung der Feld-Artillerie aufgetragen, 
und aus Maubeuge und Namur wurden acht Stücke 24-Pfünder und 
Belagemngs-Materiale gezogen, um den Angriff auf Huy richten zu 
können. Die Versammlung der Armee aber erfolgte erst am 12. Mai. 

Aus Rücksichten für die leichtere Verpflegung Hess aber Villeroy 
seine Truppen vorläufig noch in der Gegend von Lüttich und Namur 
in Cantonnirungen, und nur jene der „Maison du roi" waren nach 
Givet, Charlemont, Roeroy und Mezieres beordert worden, um sie derart 
ä portee zu halten, dass sie je nach der Bewegung der Engländer 
auch an die Mosel rücken konnten. Veranlasst wurde er zu dieser 
Massnahme durch die am 8. Mai eingetroffene Nachrieht, Marlborough 
sei bei Mastricht eingetroffen, die Engländer hätten nach Ueberschrei 
tung der Maas eine Bewegung gegen Roermonde vollführt; endlich 
die holländischen Truppen wären aus ihren Cantonnirungs-Quartieren 
und aus den Plätzen an der Maas aufgebrochen, um sich bei Mastricht 
zu sammeln. 

Thatsächlich hatte die Infanterie der, Generalstaaten auf der 
Höhe von St. Pieter (südlich von Mastricht), und die Reiterei an den 
Ufern der Maas bis Vise ein Lager bezogen. Da auch die Engländer 
zwischen Roermonde und Reckem bivouaquirten und eine Brücke 
über den Fluss errichtet hatten, so war eine Vereinigung dieser Streit- 
kräfte in kürzester Frist möglich. All' dies musste in Frankreich die 
Vermuthung wachrufen, dass denn doch vielleicht in den Niederlanden 
der Uffensivstoss zu gewärtigen sei. Darum schrieb auch der König 



') Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Anglica; Ma 



29<i 

aus Marly am <i. Mai an Villeroy: „Die Nachrichten aus Deutsch 
land lassen keinen Zweifel, dass er (Marlborough) in Flandern 
commandire ; nach den jüngsten Mittheilungen soll der Markgraf 
von Baden an der Mosel null Thüngen am Rhein befehligen 1 )." 

Bis zum Beginne der Operationen war somit der Schleier, hinter 
welchem die Alliirten ihre wahre Absieht verborgen hatten, kaum 
gelüftet, um so weniger, als auch die Massnahmen der Alliirten an der 
Mosel und am Rhein bis Anfangs Mai die französischen Feldherren zu 
keinem sicheren Schlüsse berechtigen konnten. 

Die Lauheit, mit welcher an der Mosel die Organisirung des 
Proviantwesens vor sich ging, mochte Frankreichs lrrthum bestärkl 
hallen. Ueberdies war auch die Beorderung der Reichstruppen und der 
Brandenburger an die Mosel von den zwischen Marlborough und 
dem Markgrafen zu treffenden Vereinbarungen abhängig, daher auch 
keinerlei Kundschaftsberichte den Franzosen zukommen konnten. 

Der zum Markgrafen Ludwig nach Aschaffenburg berufene 
FM. Thüngen, obschon er Befehl erhalten hatte, die an den Rhein 
bestimmten kaiserliehen und Reiehs-Contingente, welche theils schon 
in der Nähe cantonnirten, theils im Anmärsche waren, zu sammeln 
und zu Lauterburg die Armee zu formiren »), konnte nicht so schnell 
als es nothwendig gewesen, damit zu Stande kommen, weil die Anlegung 
der Magazine nicht jene Fortschritte gemacht hatte, welche Grat' 
Friesen schon lauge vorher als dringend nöthig bezeichnete 3 ). 
Am 5. Mai waren von der Reichs-Armee erst das kaiserliche Cou- 
tingent, mit Ausnahme des Regimentes Mcrey, die fränkischen und 
schwäbischen Truppen bei Lauterburg eingetroffen; die Württemberger 
„standen wohl in der Nähe, aber von den anderen Reichstruppen 
sollte ein grosser Theil gegen die Mosel rücken" 4 ). Jedenfalls war 
mit Rucksieht auf die ursprünglich mangelhafte Deckung des Elsass 
viel versäumt worden , um durch eine frühzeitige Kraftentwicklung 
auf diesem Kriegsschauplätze sowohl der kaiserlichen Armee in 
Italien, als auch den Alliirten an der Mosel durch eine vorteilhafte 
Diversion die Anstrengungen zu verringern. Darum Hess sich auch 
nicht schwer vorhersehen, wie Marlborough an der Mosel nunmehr 
einen schwierigeren Stand hallen werde, als er dies ursprünglich 
erwartete 5 ). 



•) Pelet; V., pag. 18. 

'-) Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705, Pasc IV. 

') Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; B'asc III 

*) Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. V. 

'I Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. III 



297 

Der englische Feldherr hatte dem Markgrafen von Baden durch 
Jen churpfälzischen General-Adjutanten Comte de Lecheraine den 
Vorschlag machen hissen: anstatt gegen die hinter der Moder stehende 
Armee Marsin's eine Diversion zu versuchen, seine Hauptkraft 
gegen Villars, und zwar durch die Belagerung von Saarlouis in 
Verwendung zu bringen. Die Antwort lautete dahin, dass, nachdem 
ein Theil der Truppen der Reichs-Armee noch nicht auf den erforder- 
lichen Stand gebracht, ein anderer noch nicht zum Marsche beordert 
sei, der schwäbische und fränkische Kreis seine Contingente wegen 
Mangel an Magazinen nicht so weit detachiren wolle, endlich es an 
dem, was zu einer Belagerung gehöre, „vornehmlich an Stücken und 
Pulver manquire: der Angriff auf Saarlouis unmöglich unternommen" 
werden könne 1 ). Nach vielen gegen den Comte de Lecheraine 
erhobenen Schwierigkeiten resolvirte „sich der Markgraf, mit 35 Esca- 
dronen und 16 Bataillonen ad interim und bis andere Truppen an- 
kommen, zur Mosel Armee zu stossen". 

Hier kommt auch noch zu erwägen, dass die Verwendung der 
preussischen Hülfstruppen zu dieser Zeit noch immer nicht endgültig 
erledigt war, denn erst am 9. Mai berichtete der Resident Heems 
aus Berlin: er habe das kaiserliche Rescript vom 22. April wegen 
der königlich preussischen Hiilfsvölker im Reich und wegen der 
westphälisehen Kreistruppen dem Könige vorgetragen; dieser habe nur 
in allgemeinen Redensarten geantwortet und zu vernehmen gegeben, 
hei seiner vorigen Resolution verharren und seine Truppen nach der 
Mosel schicken und dort operiren lassen zu wollen. 

Das preussische Contingent war jedenfalls ein nicht unwesent- 
licher Factor in Marlbo rough's Oalcul, aber die endgültige Bestim- 
mung über die 12.000 Mann Brandenburger fehlte noch zu einer 
Zeit *), während welcher schon die Dispositionen für die Concentrirung 
der Mosel-Armee hätten getroffen werden sollen, weil die Reibungs 
EJoefficienten an und für sich schon im voraus als äusserst gross 
bekannt waren. 



Die Hauptoperation an der Mosel. 

Erst Mitte Mai trat die wahre Absicht der Alliirten deutlieh hervor, 
denn am 17. wusste V i 1 1 e ruy, dass nicht nur die Engländer, sondern 
auch ein Theil der in holländischem Solde stehenden Truppen, im 

'i Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Bavarica; April 1705. 
•) Haus-, ll..f- and Staats-Archiv, Bavarica; Mai 1705. 



298 

Ganzen 2b' Bataillone und 36 Escadronen, gegen die Mosel in Bewe- 
gung seien. Diese Macht war am 21. in Schieiden (südlich von Lüttich) 
eingetroffen, von wo aus sie aher erst nach vier Märschen Trier 
erreichen konnte 

Den drei französischen Feldherren ward dadurch, vornehmlich aber 
durch das säumige Vorrücken der Reichs Contingente an die Mosel 
ein hinreichencl grosser Zeitvorsprung gegönnt, um die Verschiebung der 
Kräfte vorzunehmen, und sie nützten denselben auch nach Möglichkeit 
aus. Marschall Villeroy, dem in den Niederlanden nunmehr unter 
Auverquerque blos 48 Bataillone und f>2 Escadronen gegenüber 
slauden, hatte, die Truppen der „Maison du roi" zu Villars au die 
Mosel detachirt, und Marsin, der im Begriffe war, durch die 
Bedrohung von Landau eine Diversion zu versuchen, entschloss sieh, 
die verlangte Verstärkung an die Armee im Centrum abzusenden, 
mit dem Reste seiner Truppen aber hinter der Moder in der Defen 
sive zu verbleiben. 

Bei einer am 1'.). Mai stattgehabten persönlichen Zusammenkunft 
Marlborough's und des Markgrafen von Baden '.) zu Rastatt wurde 
das Nähere über die Operationen an der Mosel und Saar vereinbart 2 ), 
wonach der englische Feldherr bemerkte: „Ich bin unangenehm über- 
rascht, wie wenig Truppen von hier (Rastatt) an die Mosel geschickt 
werden können. Der Markgraf versprieht nicht mehr als 20 Bataillone 
und' 4t) Schwadronen; und selbst von diesen kann ich für geraume 
Zeit nur auf 12 Bataillone und 28 Escadronen rechnen, die am It). 
nächsten Monats (Juni) in Trier eintreffen sollen. Das stört so sehr 
meine Entwürfe, dass ich auf das Dringendste dem Kaiser schrieb 3 )." 

Da der englische Feldherr sich bei der Unterredung mit dem 
Markgrafen auch zur Belagerung von Saarlouis fest entschlossen 
gezeigt hatte, so berichtete der Letztere am 31. Mai an den Kaiser*), 
„dass auf festes. Verlangen Marlborough's dahin abgeredet worden, 
sich mit der Reichs-Armee defensive zu verhalten und so viel als ohne 
Entblössung des oberen Rheinstromes geschehen könne, an die Mosel 
detachiren und diesen Truppen in Person folgen solle." . . . „All' 
dies ist Euer kais. Majestät Befehl nach mit Vergnügen zugestanden 
und bereits zur Gewinnung der Zeit alle westphälischen Kreistruppen, 
ehur mainz- und württembergischen Truppen von hier den Marsch 
antreten lassen. Dero drei Regimenter zu Pferd, sammt kaiserlich Baden 

') Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. V. 19. 

'-') Supplement-Heft Nr. 104, 116. 

') Coxe, Marlborough's Leben, 11. Band, pag. 104. 

») Registratur des Reichs-Kriegsministeriums, Fase. Juni 1705, Nr. 125. 



29'.) 

und mein eigenes Regiment, seilen morgen feigen und die Würzbur 
gischen, welche übermorgen aus ihrem Laude aufbrechen, haben gleich 
falls Ordre erhalten, benannten Truppen nachzurücken. So nehme ich 
auch 20 kaiserliche Stücke mit mir und 12 lederne Schiffe, vroferne 
ich se viel Bespannung zusammenbringen kann''. 

Des Markgrafen Intentionen hatten stets nur daseinseitigeXiel. Inealo 
Vortheile an den Keichsgronzen zu erringen. < •!> er sieh der gross 
artigen Idee absichtlich verschloss, oder ob er bezüglich ihrer Durch 
führbarkeit an jeder Möglichkeit zweifelte, ist schwer /.u entscheiden. 
Er für seine Person zeigte aber gewiss nicht jene Energie, welche bei 
der Sachlage an der Mosel schon lange vor Beginn der Operationen 
nöthig gewesen wäre. 

Marschall Villars, welcher nebst der Kunde von dem Anmärsche 
der Engländer auch die Nachricht erhalten hatte, dass die bislang bei 
Trier gestandeneu Truppen in das Lager von Oonsai'brück (Conzer- 
brück) abmarschirt, die Hessen aus der Umgegend von Birkenfeld 
im Vorrücken begriffen, endlich namhafte Detachirungen von der 
Reichs-Armee am Rhein angeordnet seien, hielt es nun für gerathen, 
seine Defensiv -Massregi In endgültig ins Werk zu setzen. Er ver- 
stärkte die Garnison von Saarlouis durch 9 Bataillone und eine Es 
cadroii Dragoner und hesehloss mit dem Gros seiner Armee eine der- 
artige Stellung zu wählen, dass er sich nicht nur an der Mosel und 
Saar behaupten, sondern gleichzeitig auch Thionville und Saarlouis zu 
decken vermochte ')• 

Der englische Feldherr, welcher schon bei seiner Unterredung mit 
dem kaiserlichen General-Lieutenant eine Enttäuschung erfahren hatte, 
inusste bei seinem Eintreffen am 2(i. Mai zu Trier noch mehr herab- 
gestimmt werden. Dort fand er die vom heiligen römischen Reiche 
beizustellenden Contingente an Truppen, Pferden und Artillerie nicht 
annähernd in dem Masse concentrirt, wie es hätte geschehen seilen. 

Nach einer zweitägigen Revue über die in der Nahe von 
Consarbrück gesammelten Reichs-Cbntingente sendete Marlborough 
den aus den Niederlanden herbeigezogenen Engländern etc. den Befehl, 
auf Igel, südwestlich Trier, vorzurücken. 

Die Haupt- Armee der Verbündeten stand sonach in zwei Theile 
getrennt auf beiden Ufern der Mosel; und zwar die Reichs Sohl 
Truppen am rechten Ufer mit einer durch einen Brückenkopf über die 
Sure gedeckten Brücke; die aus Holland herangezogenen Contingente 
am linken Ufer, deren rechter Flügel sich bis an die Sure ausdehnte. 



') Pelet, 1705; V., pag. 121. 



300 

Vor deren Front befand sich die Mosel-Brücke, welche die Verbin 
düng der beiden Haupttheile der Armee Marlborough's ermöglichte. 

In dieser Position sollte das Eintreffen der Reichstruppen ab 
gewartet werden, denn der englische Feldherr verfügte vorläufig blos 
über 30.000 Mann, während in dem Voranschlage die Armee mit 
80.000 Mann beziffert worden war. 

Ermuthigend kann eine solche Lage keineswegs genannt werden ; 
Tage und Wochen verstrichen angenützt, und dazu kam noch der 
Mangel an Mitteln zur Verpflegung der Truppen. Wie erwähnt, hatte 
der Feind die noch übrigen wenigen Ressourcen des Landes theils 
aufgezehrt, theils rechtzeitig zur Füllung der Magazine mit Beschlag 
belegt. Marlborough dagegen erlangte die Grewissheit, dass nur 
die Hälfte der für seine Armee ausgeschriebenen Mundvorräthe ein 
getrieben oder aufgespeichert worden waren. 

Marschall Vi 11 ars berechnete die von dem englischen Feldherrn 
befehligten Streitkräfte mit 90 Bataillonen und 160 Eseadronen, während 
ihm seihst momentan blos . r ), r > Bataillone und 104 Eseadronen zur Ver- 
fügung standen '). Freilich zog er seinen Calcul nach jenen Truppen 
der Alliirten, welche zur Zeit noch bei Trarbach und am Hundsrück 
standen, nicht minder nach dem vollen, vom Markgrafen von Baden 
beizustellenden Contingent. Wenngleich für die französische Mosel-Armee 
eine rasche Verstärkung durch Truppen von M a r s i n (Rhein-Armee I 
möglich war, so konnte seihe niemals ausgiebig genug sein, um das 
vermeintlich grosse numerische Missverhältniss zwischen beiden Haupt 
Armeen nur einigermassen auszugleichen. Villars musste darum in 
der Stärke einer Position das Mittel suchen, sieh gegen die feindliche 
Uebermacht schon an Frankreichs Grenze behaupten zu können. Am 
geeignetsten schien ihm jene von Sierck. Die Hauptmasse seiner Truppen 
behielt er beisammen, und zwar derart, dass der linke Flügel an das 
Städtchen Sierck und an die Mosel gestützt, der rechte aber an den 
Wald von Caldenove gelehnt war, welchen Verhaue verstärkten. Die 
Front der Position dehnte sieb entlang einer steilen Bodenabdachung aus, 
an deren Fusse sich ein Mühlbach als Annäherungshinderniss befand. 
Auf diese Weist; schien das an und für sich bedeckte und durchschnittene 
Terrain zwischen Mosel und Saar geschützt. Auch die von Marsin deta- 
chirten 15 Eseadronen fanden Zeit, über Zabern und Sarrebourg herbei- 
zueilen, denn sie hatten schon am 19. Mai Marsal an der Seille erreicht. 
Mit fieberhafter Spannung erwarteten sowohl die verbündeten 
Mächte, als auch Frankreich jene Ereignisse, die in den ersten Tagen 

'| lVlrt, 170.-,; V. 421. 



301 

des Juli an der Mosel stattfinden würden. Gewaltige Streitmassen 
sollten aneinander gerathen, um jene grosse Frage zur Entscheidung 
zu bringen, welche halb Europa zu jahrelangem Blutvergiessen genöthigt 

hatte. Nicht ohne Grund bangte der Krone Frankreich und nicht 
minder ihrem Feldherrn Villars vor den kommenden Tagen; eine 
einzige Schlacht konnte jede Hoffnung vernichten. 

Grossartig angelegte Entwürfe allein vermögen aber keineswegs 
den Sieg an das eigene Banner zu fesseln. Abgesehen von dem Zufalle, 
den kein Feldherr beherrscht, müssen ausnahmslos alle jene Bedin- 
gungen erfüllt sein, die sich an den Begriff „schlagfertiges Heer" 
knüpfen. 

Mangel an Fouragc nöthigte den englischen Feldherrn schon 
vor Eintreffen der erwarteten Verstärkungen zum Verlassen der Ver- 
sammlungsstellung bei Consarbrück und Igel. Er beschloss Villars 
bei Sierck anzugreifen, am ressourcenreiches Terrain zu gewinnen. Am 
3. Juni um 2 Uhr Morgens brachen die englischen und holländischen 
Truppen „a la sourdine" aus ihrem Lager auf und passirten mehrere 
Brücken, die über die Mosel bei Igel gesehlagen worden waren. Am 
jenseitigen Ufer erfolgte die Vereinigung mit den Reichstruppen und 
darauf führte Marlborough seine unvollzählige Armee mit Be- 
nützung zweier Brücken bei Consarbrück über die Saar. Es waren 
zwei Colonnen formirt, an deren Teten sieh die Infanterie befand, weil 
die Bewegung durch Wald und über Bergterrain vollführt werden 
musste. Die rechte Flügel - Colonne , grösstenteils aus britischen 
Truppen bestehend und von Marlborough persönlich geführt, mar- 
schirte über Tawern und Onsdorf auf einer alten Römerstrasse, deren 
Spuren auf einem Bergrücken vorhanden waren, der sieh zwischen 
dem Mosel- und Saar-Thale erhebt. Die linke Flügel - Colonne rückte 
im Thale des Alle-Baches Ins Rohlingen, dort den Saarburger Wald 
amgehend, suchte sie oberhalb Körrig jenen Bergrücken zu ersteigen, 
auf welchem die Engländer vorgerückt waren. 

Nach Zurücklegung eines äusserst anstrengenden Weges von fünf 
deutschen Meilen erreichte Mar lborough's Armee um 6 Uhr Abends 
das in Aussicht genommene Marschziel: Oefft. Dort wurde der rechte 
Flügel mit einer durch Reiterei gebildeten Vorhut hinter dem Appacher 
Flüsschen aufgestellt und an den Ort Perl gestützt. Der linke Flügel 
dehnte sich bis an den Ursprung des Lech -Baches bei Hellendorf 
aus. Die Treffen standen auf den Anhöhen, und in Reserve formirte 
Linien zwischen Borg und Oefft. Hauptzweck dieser Bewegung war 
offenbar Annäherung an Saarlouis, um diesen Platz bald in die 
prewalt zu bekommen. Am 4. Juni ordnete Marlboroueh nur eine 



302 

geringfügige Vorrückung an. Die englischen Truppen roquirten mehr 
nach rechts in eine schräge Linie mit der Front gegen die Mosel. 
Wären die Reichs-Contingente rechtzeitig bei Marlhorough einge- 
troffen, so konnte er nach der genommenen Aufstellung früher die 
Nied gewinnen als Villars, und diesem wäre es kaum möglieb 
geworden, Saarlouis von der Belagerung zu bewahren. An Verstärkungen 
trafen aber blos 40(10 Pferde unter dem regierenden Herzoge von 
Württemberg und die von England und Holland bezahlten 
Pfälzer unter General Dopff ein, so dass Marlhorough, blos über 
42.000 Mann verfugend, noch immer zuwarten musste, denn Villars 
hatte sich mittlerweile auf 55.000 Mann verstärkt. 

Der englische Feldherr ward genöthigt, zu Manövern seine Zu 
flucht zu nehmen, um an Ort und Stelle die Verstärkungen erwarten 
zu können. Seine damalige Stimmung findet in der Beantwortung eines 
Schreibens Ausdruck, in welchem Prinz Eugen sein Bedauern aus- 
spricht, „dass es in Italien an Truppen und dem seiist Nöthigen ge- 
bricht", und wobei versucht wird, durch Schilderung der eigenen 
Lage tröstend einzuwirken. Marlhorough schreibt:.... „ich kann 
Euer Hoheit versichern, dass wir uns hier (an der Mosel) kaum in 
besserem Zustande befinden; ich hatte alle menschenmögliche Mühe 
angewendet, um die gesammten Truppen Ende Mai zu versammeln. 
Bis zu dem Augenblicke (11. Juni) habe ich hier nicht einen einzigen 
Mann über jene Truppen, welche England und die Generalstaaten 
besolden. Die wenigen vom Prinzen von Baden zugestandenen Hülfs 
kräfte, die nur in 10 Bataillonen und 28 Escadronen bestehen, werden 
sich nicht vor 10 Tagen mit uns vereinigt haben, und eine uoeb 
grossen' Verspätung ist von Seite der Brandenburger zu gewärtigen" ')■ 

Den von der Rhein-Armee an Marlhorough zu leistenden 
Succurs sollte Feldzeugmeister Friesen fuhren und derselbe hatte 
diesbezüglich an den Prinzen Eugen berichtet, worüber dieser sich 
äussert: „Mich freut es, dass der Herr General- Lieutenant mit dem 
Mylord Duc de Marlhorough die vorhabende Operationes zu com 
certiren zusammentreten wollen, welches nebst dem guten Verständniss 
das einzige Mittel ist, dass man von den vorseienden Operationen 
einen glücklichen Success hoffen möge 2 ). u Die Bedenken, welche 
Friesen in einem vom 25. Mai datirten Schreiben über Marl 
borough's Plan äusserte, und in denen sich die Anschauungen des 
Markgrafen von Baden spiegeln, wurden von Seite Eugen's, obschon 
nicht getheilt, doch nicht widerlegt, denn seine Antwort ddto. Gavardoj 

') Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1 70;. ; Fase. VI. 10 
! ) Supplement-Heft Nr. 104. 



303 

5. Juni lautet: „Nun wissen Euer Excellenz von Selbsten, dass in derlei 
Materien von Weitem gar hart 7.11 judiciren sei; zumalen sich die 
Conjuncturen alle Augenblick verändern und in anderen Stand kommen 

können." „was ich im Vertrauen hierbei zu erinnern finde, 

ist dieses, dass ich schwerlich glaube, dass die Alliirten, nachdem sie 
mit einer so grossen Macht zu Feld kommen, ohne Operation stehen 
bleiben und hingegen des Herrn General-Lieutenants Liebden werden 
allein operiren lassen wollen ')." 

Grraf Friesen's Truppen, und zwar die zu Lauterburg gestan 
denen Regimenter: Kaiserlich Baden, Baden - Schönberg, Lobkowitz, 
Mercy und Castell waren am 31. Mai gegen Trier aufgebrochen und 
hatten über Rhein Zabern und Germersheim am 3. Juni Speyer 
erreicht, woselbst Käst gehalten wurde, um dort Friesen zu erwarten, 
der von Landau mit 20 kaiserlichen Feldstücken eintraf. Bei dem 
ferneren Marsche über Frankenthal entstand zu Kreuznach abermals 
ein Aufenthalt, welcher vom 8. bis einschliesslich 11. Juni währte, 
weil die Provisionen nicht rechtzeitig eingetroffen waren. 

Obschon der General-Lieutenant die Colonne am 13. zu Raven- 
giersburg (südwestlich Simmern) eingeholt hatte, konnte er doch das 
Über-Commando „wegen eines am Schenkel habenden Zufalles" nichl 
übernehmen, ohne deren hohe Person in Lebensgefahr zu begeben. Darum 
wurde „auf Einrathen der Medicorum resolvirt", in das Schlangenbad 
zurückzukehren, „das völlige Commando aber sowohl über die kaiser- 
lichen, als auch mainzischen, würzburgisehen und württembergischen 
nach der Mosel detachirten Truppen an FZM. Graf Friesen zu 
übertragen". FZM. Börner, mit der kaiserlichen Artillerie bei der 
Colonne gleichfalls eingetroffen, blieb mit dem Markgrafen Ludwig 
zurück '-'). 

Fast mehr noch als diese Verspätung der Truppenzuzüge wirkte 
der völlige Mangel an Transportsmitteln und Bespannungen, zur Herbei 
Schaffung des l.elage.rungsparkes von Trarbach. lähmend auf Marl 
borough's Operationen 3 ). Die Fürsten und Stände des Reiches, 
denen die Beistellung des Fuhrwesens oblag, entschuldigten sieh und 
Brachten vor, „dass sie die erforderliche Anzahl nicht vor 6 Wochen 
herbeischaffen können" *). An rechtzeitiger Anordnung hatte es wohl 
nielit gemangelt, denn FZM. Friesen forderte lange vor seinem Auf- 
bruche, „nachdem es nöthig, den Marsch diesseits der Saar bis gegen 

') Supplement-Heft Nr. 116. 

2 ) Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase, XIII 1. 

3 ) Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 170f> ; Fase VI. 10. 
*) Haus-, Hof- and Staats-Archiv, Bavarica; Juni 1705. 



304 

Pachstuhl zu richten I es den Anschein gewinne, Saarlouis belagern 

zu müssen, so sei es nothwendig, nickt allein die zu Landau, sondern 
auch die zu Philippsburg und Heilbronn befindlichen Batteriestucke 
nach Saarlouis führen zu müssen". Es sollten schleunig Anstalten 
getroffen werden, die' nöthigen Bespannungen i'uv 40 — 50 halbe 
Karthaunen beizuschaffen, für die Munition vorzusorgen und die Wege 
repariren zu lassen ' |. 



Scheitern der Hauptoperationen der Verbündeten. 

Währenddes Zuwartens ereilten Marlborough beunruhigende 
Nachrichten aus Flandern, woselbst Villeroy seinen Angriff auf 
Huy gerichtet hatte und zu erwarten stand, dass selber bald vor 
Lüttich erscheinen werde. Er befürchtete den alannirenden Eindruck 
dieser Nachricht auf die Hollander, und folgerte daraus, das.- die 
Generalstaaten Entschlüsse fassen könnten, die seine Absichten an der 
Mosel völlig durchkreuzen würden. Da der englische Feldherr schon 
am 11. Juni ähnliche Besorgnisse gegen den Prinzen Eugen äusserte, 
so scheint er schon damals die Hoffnung auf Erfolg an der Mosel auf- 
gegeben zu haben. 

Entscheidend auf die ferneren Entschlüsse wirkte das Drängen 
der ,, generalstaatlichen Deputirten" um Hülfe'-'). Sie forderten eine Ver- 
stärkung von 30 Bataillonen unter dem Vorwande, „dass Villeroy 
dem holländischen General Auverquerque bedeutend an Zahl 
überlegen sei" 3 ). 

Eine solche Detachirung musste die Mosel-Armee völlig ausser 
Stand setzen, Villars selbst dann die Spitze zu bieten, wenn die 
erwarteten Streitkräfte vollzählig versammelt und die nöthigen Fuhr- 
werke und Pferde für den Belagerungspark vorhanden gewesen 
wären. Darum „resolvirto der Duc nach Einholen des Gutachtens der 
Generale, mit einer zulänglichen Macht zurück nach der Maas zu 
marschiren, um die Progressen, so der Feind durch seine Superiorität 
daselbst machet, zu hemmen*). In dem bezüglichen Kriegsrathe wurde 
beschlossen, genügend Truppen an der Mosel, zur Deckung von Trier 
und zur Verstärkung der Armee am Rhein zurückzulassen, mit dem 
Hülfs-Corps aber den Marsch an die Maas unverweilt anzutreten. 

') Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. VI. ad 19 a. 

! ) Lamherty, Band III, Seite 468. 

') Kriegs-Archiv, Römisches Reich, l7or>; Fase. VI. 20. 

•i Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Bavarica: Juni 1705. 






305 

Da aber FZM. Friesen's Colonne, welche vom 15. ab ihre 
Bewegung gegen Trier fortgesetzt hatte, durch den von Marl- 
borougb entsendeten englischen Greneral-Quartiermeister Cadajon 
Sie Weisung erhielt, die Marschrichtung zu ändern und den Weg «lies 
seits der Saar gegen Birkenfeld einzuschlagen'), so scheint der Ent- 
schluss zum Marsche an die Maas erst im letzten Momente gefasst 
und unmittelbar darauf in Ausführung gebracht werden zu sein. 

Marlborough's Rückzug erfolgte in aller Stille in der Nacht 
vom 16. auf den 17. Juni gegen Trier, und es sollte das Hülfs-Corps 
schon am 17. an die Maas aufbrechen, was sieh aber l>is 20. ver- 
zögerte a ). 

Bei FZM. Friesen traf in der Nacht vom 17. zum 18. ein 
Courier von Marlborough mit der Nachricht ein, dass der eng- 
lische Feldherr „mit seiner völligen Armee von Camp d'Efft aufge 
brechen und sieh auf Trier zurückgezogen habe". Daraufhin beschloss der 
kaiserliche General „gleichfalls wieder zur Rhein-Armee zu marschiren 
und Marlborough wurde davon durch den österreichischen General 
Adjutanten Grafen von Wurmbrandt verständigt; die in Bewegung 
begriffenen württembergischen Truppen aber erhielten „durch einen 
expressen Courier" die < »rdic sich zurückzuziehen und ihren Marsch 
auf Kreuznach zu richten 3 ). 

Der am 20. Juni zu Friesen zurückgekehrte <!raf Wurm- 
brandt brachte die Nachricht, der „Duc de Marlborough sei mit 
seinen Truppen, ausgenommen den 7000 in englischem und holländi- 
schem Solde stehenden Churpfälzern und Westphälern, die er zur 
Behauptung von Trier und zur Sicherheit der Mosel zurückgelassen", 
nach der Maas abmarschirt. Den Herzog von Württemberg mit 
seinen eigenen Truppen und die Churmainzer hatte der englische 
Fehlherr für die Reichs-Armee am Rhein bestimmt und darum erliess 
Friesen an die bei Kreuznach gestandenen mainzischen, würzburgi- 
schen und wolfenbüttlischen Contingente die Weisung, den Marsch 
^schleunigst zu dem an der Lauter stehenden Corps fortzusetzen", 
denn er zweifelte keinen Augenblick, Villars werde auf die Kunde 
von Marlborough's Marsch an die Maas die Armee im Elsäss 
wesentlich verstarken. Aus diesem Grunde erhielten auch die Würl 
temberger „die Ordre" an den Rhein zu rücken. 

Auch mit der Bestimmung der Brandenburger geschah eine 
Aenderung, und zwar berichtet der kaiserliche Resident aus Berlin am 



') Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Pasc. XIII 
-) Haus-, Bof- und Staats-Archiv; Juni 1705. 
') Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. XIII 
Feldzüge dos Prinzen Eugen v Savoyen VII Band 



306 

27. Juni nach Wien: „der König von Preussen sei resolvirt, seine an 
die Mosel bestimmt gewesenen Truppen, nach der dort geschehenen 
unvermutheten Aenderung der Kriegs-Operationen und dein Aufbruche 
des Duc de Marlborough nach der Maas, an dem Ober-Rhein den 
gegenwärtigen Feldzug über zu belassen und dem Commando des Mark- 
grafen von B a d e n unterzustellen" *), obschon dies nicht ursprünglich in 
der Absichl Ar-, preussischen Hofes lag, wie dies ans einem Schreiben 
des Residenten Heems ddo. Berlin, 31. October hervorgeht:... „Die 
vornehmsten Ursachen, warum man bei Beginn der Campagne solches 
Corpo wider Weiland Se. kais. Majestät Verlangen und Intention 
nicht am Ober-Rhein, sondern an der Mosel agiren lassen und dem 
Commando dos Duo de Marlborough untergeben wollen ....'■ 
waren : dem Markgrafen diese Truppen zu entziehen 2 ). 

Vor dem Aufbruche nach den Niederlanden richtete der eng- 
lische Feldherr folgendes Schreiben an Kaiser Joseph: „Der Alarm, 
den der Feind in Folge unserer Unthätigkeit in Holland hervorzu 
rufen vermochte, war so gross, dass die Generalstaaten mir einen 
Expressen nach dem anderen zusendeten, um mich zu bitten, mit 
einem hinreichend starken Truppen-Corps ihnen zu Hülfe zu eilen, um 
die Fortsehritte Villeroy's zu hemmen, und die Gemüther der Be- 
völkerung zu beruhigen" .... „Diese Beirrung unserer Absichten, ich 
versichere Eure kais. Majestät, bringt mich in Verzweiflung, sowohl 
in Rücksicht auf das gemeinsame Wohl, als auch in Bezug auf Euer 
kais. Majestät. Ich schmeichle mir übrigens dennoch so glücklich zu 
.sein, innerhalb 12—15 Tagen die Sachlage an der Maas in Ordnung 
zu bringen und innerhalb 6 Wochen wieder in diesen Quartieren ein- 
zutreffen. *)" 

Bei dem Ministerium der Krone Englands, welches bereits am 
24. Juni die schlimme Kunde hatte, brachte Marlbor ough's Rück- 
marsch an die Maas grosse Bestürzung hervor, und /.war in Anbetracht, 
als man in Grossbritannien die Operation an der Mosel für die letzte 
und entscheidende «-ehalten und diese Hoffnung durch das Abrücken 
„in ein Land, wo dem Feinde fast unmöglich beizukommen, mit 
Einem Male und ganz .unerwartet vernichtet war-'). Darum verlautete 
auch in London, dass die weitere Fortsetzung des Krieges gegen 
Frankreich von den Erfolgen des Grafen Sounderland am Wiener. 
Hofe abhanpt;' bleiben würde. 



') Haus-, Bof- und Staats-Archiv, Borussica; Juni 1705 

') Haus-, Hof- und Staats- Archiv ; October 1705. 

') Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Bavarica; Juni 1705. 

•i Haus-, Hof- und Staats-Archiv. Anglica; Juli 1705. 



307 

Der kaiserliche Gesandte, Graf Grallas, suchte zu beruhigen 
und äusserte sich, dass er nichl glauben könne, es sei von Vortheil, 
den Plan, welchen man an der Mosel gehabt, völlig aufzugeben, denn 
dies biesse auf alle jene grossen Hoffnungen freiwillig verzichten, 
welche man auf den Feldzug 1705 gesetzt. Dieser Staatsmann war 
der Meinung, Marlhorough's durchkreuztes Manöver an der Mosel 
und sein Marsch an die' Maas seien nur eine Herausforderung, die 
Reiehsfürsten zu bestimmen, ihre Contingente zu stellen und den 
guecurs für den Markgrafen von Baden zu beschleunigen 1 ). Weniger 
hoffnungsvoll war der kaiserliche Resident Hoff mann, welcher am 

21. Juli dem Kaiser meldete: „ was besagte Operation (an 

der Mosel) betrifft, wird Er, Graf G alias, allerunterthänigst berichten, 
wie dass der Gross-Schatzmeister annoch die Hoffnung gegeben, dass 
der Duc von Marlhorough, im Falle es die Sachen an der Maas 
zulassen, sich wieder an die Mosel begehen werde. Weil aber andere, 
so ebenfalls mit dem Duc eine sehr vertraute Correspondenz fuhren. 
diese Hoffnung nicht von sich geben, so erweckt es in mir den 
Verdacht, dass, nachdem der Marlhorough diesen seinen Rück- 
marsch Euer kais. Majestät allerdings zugesagt, der Gross-Sehat/ 
meister folglich auch noch die Vertröstung dazu geben möge, 
obsebon er innerlich des Contrarii versichert sein dürfte. Wenigstens 
wird es durehgehends allhier für eine unprakticirliche Sache ge- 
fallen, so lange sich der Feind so stark in Flandern, wie er ist. 
befindet, und indem derselbe einmal diesen seinen grossen Zweck 
erreicht, die confoederirte Hauptmacht in die Niederlande zu ziehen, 
so wird er nicht ermangeln, sein Möglichstes zu thun, und zwar durch 
Verhütung aller General-Action, selbige darinnen verharren zu machen. 
Der Abgang der Magazine an der Mosel und die bereits geschehene 
Consumirung der Fourage dürfte andererseits dazu auch im Wege 
liegen" 2 ). 

Die Versäumniss, welche durch Marlhorough's Aufgehen der 
Operationen an der Mosel und Saar und durch den Marsch an die 
Maas entstand, wurde dadurch entschuldigt, dass es nicht dahin 
gekommen wäre, wenn die zur Nachführung der schweren Artillerie 
und des Proviantes nöthig gewesenen ,,3000 Pferde und etliche 
100 Wagen oder Karren" bei Zeiten herbeigeschafft und die Absichten 
gegen die Festungen in's Werk gesetzt worden wären. Wohl hatte 
Kaiser Joseph an die Reichsständc die Aufforderung erlassen: „zur 
Rettung des Vaterlandes beizutragen und die nöihigen Fuhrwerke 



') Haus 


-, Hof 


- Ulli 


1 Staats-Arehi 


i-, Aiisrli 


■'< Haus 


-. II. .r 


- an 


1 Staats-Arcki 


v, Angli 



308 

und Pferde bereil zu halten, am sie auf die erste Nachricht dahin 
zu senden, wo solcli<> benöthigl werden". Diesem Appell ward aber 
nicht Folge geleistet, die verschiedenen Stände machten Gegenvor- 
stellungen, ja erhoben sogar Proteste, and nur der Landgraf von 
Eessen-Cassel und wenige Andere gaben die Erklärung, dass 
die verlangten Transportmittel bereit sein würden '). 

Nachdem man auch später noch an dem Plane festhielt, an 
i\r.y Mosel einen entscheidenden Schlag zu führen, gibt ein Bericht 
des Markgrafen von Baden ddo. Schwalbach, 19. Juli, über Ursachen 
und Wirkungen in obigen Beziehungen näheren Aufschluss: .... „so 

hat auch selber (Marlborough) dieses verlangt, dass ich mit Iner 

schweren Artillerie die vorhabende Belagerung seeundiren solle, welches 
mir aus Abgang der Pferde und dem üblen Stande, in «lein sich die 
Stücke befinden, fast unmöglich fallen würde. Weil jedoch Euer 
kais. Majestät Intention dahin abzielt, dass man den Alliirten auf 
alle Weis an die Hand gehen und nicht Ursache geben möchte, die 
.Schuld einer Inaction auf Euer kais. Majestät zu wälzen, so habe 
ich mich auf 30 schwere Kanonen sammt zugehörigen Kugeln, 500 
auf das Stück zu rechnen, eingelassen. Ich zweifle aber, dass dieses 
Anerbieten werde können gehalten werden, indem eine unbeschreibliche 
Quantität Pferde dazu müsste requirirt werden, welche absonderlich in 
der Zeit der Ernte, wo alle Unterthanen ihre Früchte einführen oder 
Hungers sterben müssen, gleichsam anmöglicher Weise aufzubringen. 
Ueberdies kommt aber noch in Betracht, dass die am Rhein befind- 
lichen kleinen Pferde nicht allein zur Artillerie-Bespannung untauglich 
sind, sondern auch durch die eine Zeit her zu leisten gehabte Vorspann 
zu Proviant-, Fourage- und andere dergleichen Frohnfuhren, dergestalt 
zu Grunde gerichtet worden, dass sie dermalen kaum stehen, noch 
weniger aber arbeiten und gehen können. Nicht, weniger zu reflectiren 
ist, dass zumalen wegen Feindsgefahr kein Magazin an selbigem I tri 
gemacht werden kann, der unentbehrliche Unterhalt und Snbsistenz 
für Mann und Pferd continuirlicher Weise mit dergleichen Bauern 
fuhren miiss nachgebracht, consequenter Weise dieser gar zu grossen 
Menge der Pferde, so über die Zahl von 3000 die Alliirten verlangen, 
aus obgedachten Ursachen schwer zu bekommen sein werden. Ich 
habe zwar sonsten, wie die Erfahrung bewiesen, die Reputation eines 
Schwermachers niemals besessen, doch ist der Wunsch unausführbar 1 '-). 

Im ersten Momente wälzte die öffentliche Meinung alle Schuld 
auf den Markgrafen von Baden und der Lord-Schatzmeister Harley 

', Haus-, Hof- and Staats-Avchiv, Juni 1705. 



309 

äusserte sich: „dass es eine ganz unbegreiflich« Sache sei, eine grosse 
Zahl der schönsten Mannschaft im Felde zu haben und damil nichl 
das Geringste zu unterfangen, blos allein, weil der General einen 
Schaden am Beine habe". Doch kam man nach und nach zu 
richtigerer Anschauung, was der Bericht des Grafen Gallas ddo. 
London, 3. Juli darthut: „Euer kais. Majestät worden gnädigst ver- 
nommen haben, wasmassen sich allbereits die eigentlichen Ursachen 
von des 1 tue de Marlborough Zurückmarsch herfürthun, und dass 
Solche nicht eben allein auf der punctualen Eintreflung der deutschen 
Truppen beruhen'). - ' Der allgemeinen Beschwerde wider den Mark- 
graten wollte man in der Königin Rath dadurch Ausdruck verleihen, 
dass in den Eröffnungen an den Kaiser dessen Erwähnung geschehen 
sollte, doch unterblieb dies. Resident Hoffmann unterliess es auch 
nicht, darzuthun, wie der Misserfolg „mehr dein Marsche der Truppen 
\ oni Rhein nach der Mosel und von dannen wieder nach dem Rhein, 
als des Markgrafen Unpässlichkeit zu attribuiren sei - '. 



Nach den Principien der Kriegskunst war der vom Prinzen 
Eugen mit Marlborough vereinbarte Angriffsplan der relativ 
richtigste, eben weil er auf die rasche und vollständige Entscheidung 
des Krieges abzielte. Der Erfolg hangt aber nicht so sehr von dem 
genial angelegten Entwürfe, als von dem richtigen, dabei aber äusserst 
jäbmplicirten und schwierigen Calcul ab, in welchem unzählige und 
zum Theil nicht vorher bestimmbare Factoren vorkommen, welche 
mit dem Plane in Einklang gebracht sein müssen. 

Ein Blick auf die Karte des Kriegstheaters an Frankreichs < >st 
grenzen zeigt, wie die zur Defensive genöthigten drei Armeen V i 1- 
leroy's, Villars' und Marsin's den Vortheil der „kürzeren und durch 
Etapen-Verpflegung vorbereiteten Marschlinien" für sicli hatten, welche 
ihnen der Zeit nach die seitliche Verschiebung der Streitkräfte, even 
tuell die wechselseitige Unterstützung viel leichter machte, als dies 
bei den Heeresmassen der AUiirten, die von der Maas bis zum Rhein 
in Action treten sollten, selbst unter den günstigsten Verhältnissen 
der Fall sein konnte. 

Den Franzosen standen schon während der Sammlung ihrer 
Streitkräfte, namentlich an der Mosel und im Elsass, ungeachtet des 
Krieges im Vorjahre, noch immer Landes-Ressourcen zur Verfügung, so 
dass Magazinsvorräthe für den äussersten Fall der Noth aufgespart 



') Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Havarien; Juli 1705. 



310 

bleiben konnten. Die Alliirten dagegen befanden sich in völlig aus 
gesogenen Länderstrichen , in welchen schon die Versammlung 
der Truppen von der Errichtung der Magazine abhängig blieb 1 ). 
Letzteres wieder lag ausserhalb jeder nur annähernd richtigen 
Berechnung, weil es an einer einzigen vollziehenden Gewall gebrach; 
es konnten sich so viele particulare Einflüsse geltend machen, 
dass eine rechtzeitige Vorbereitung schon vorweg in Frage 
stand. Das nämliche Verhältniss musste folgerichtig auch in Bezug 
auf das Kriegsmateriale eintreten, und schon in diesen beiden 
Hauptbedingungen waren die Verbündeten im Nachtheile gegen 
den Feind, ehe noch an die Eröffnung der Operationen gedachl 
werden konnte. 

Wie erwähnt, bildeten Frankreichs Armeen an der Maas, 
Mosel und am Rhein ungeachtet der Dreitheüung dennoch ein ein 
heitlicb.es Ganzes, für welches der Wille und das Interesse des 
Königs allein massgebend war; die drei Feldherren hatten nur ein 
Ziel: dem Feinde den Einbruch nach Frankreich zu verwehren, 
und sie waren fest entschlossen, den Alliirten nicht, eine Hand j 
breit Erde ihres Vaterlandes zu überlassen. Einen trüben Gegen 
satz in den analogen Beziehungen bildet die von den Verbündeten 
aufgeboten. Macht. Sehen gegen die Zusammengehörigkeit der von I 
England, Holland, dem Kaiser und dem heiligen römischen Reich I 
iu's Feld gestellten Truppen wirkten nationale Antipathien, die so | 
offen zu Tage traten, dass Pelet in den Memoiren Anlass fand, 
dies wiederholt zu bemerken. Durch die von den Verbündeten, I 
namentlich England und Holland, stets verfolgten Sonderinteresson 
stand der Verbami der Heerestheile schon von Anbeginn auf H 
scharfer Schneide und musste auf den Organismus der Armeen g 
in ungünstigem Sinne zurückwirken. War zur Abneigung und klein 
liehen Eilersucht unter den Truppen an und für sich Ursache oder 
der Keim vorhanden, so trat beides um so auffälliger bei den höheren 
Befehlshabern hervor und wirkte lahmend auf die militärische Action; 
ganz abgesehen davon, dass Marlborough und Ludwig von 
Baden über den Kriegsplan schon von vornherein im Streite lagen 
und in der Folge den wechselseitigen Antagonismus weder der eigenen 
Armee, noch dem Gegner verbargen. 



') Der Lothringische Gesandte Barrois hatte seinem Hofe Bchon am '.i 
liiTiclitct: „Am fr.-iu/.iisiseheu Unfu setzt man voraus, dass die Alliirten an 
Mosel grosse Schwierigkeiten der Subsistenz wegen Mangel au Fourage und i 
Menge anderer uö'thiger Gegenstände haben werden." Haus, Hof und Staats- Ar 
Lothringische Acten; März 1705. 



311 



Die Kriegsereignisse in den Niederlanden. 

Auf dem Kriegsschauplätze in den Niederlanden hatten sich 
nach dem Abrücken der Engländer und eines Theiles der Armee der 
Generalstaaten an die Mosel, alle Verhältnisse zu Gunsten der von 
Villeroy befehligten französischen Armee verändert. Er verfügte 
über 54 Bataillone und 95 Escadronen, 27 Bataillone ungerechnet, 
die zur Deckung der Grenze gegen das Meer zu in Verwendung 
standen. 

Der holländische General Auverque r q u e konnte nur mit 
48 Bataillonen und 52 Escadronen im freien Felde operiren und hatte 
es darum vorgezogen, am Petersberge, südlich von Mastrieht, in 
einem verschanzten Lager Schutz zu suchen. Mit vidier Berechtigung 
zur Offensive, richtete Villeroy sein Absehen zunächst auf liuy 
und Lüttich. Es geschah dies in der nicht ungegründeten Voraus 
Setzung, dass die Holländer bei der stets an den Tag gelegten Schwer 
t'älligkeit und bei völligem Mangel an Initiative ihre Position kaum 
verlassen würden, um durch das Herbeiführen einer Feldschlacht die 
Bedrohung der genannten Plätze abzuwenden. 

Gelangten die Franzosen in den Besitz von Huy und der Cita- 
delle von Lüttich, so verloren die Verbündeten zwei Hauptstützpuncte 
an der Maas, falls Marlborough von der Mosel zurückkehren wollte, 
tun den Angriff auf die Linien vor und hinter der Dyle zu versuchen ; 
auch war dadurch die Maas, jene wichtige Communication unterbunden, 
welche den Verbündeten zum Nachschübe von Heeresbedürfnissen die 
grössten Vortheile darbot. 

Am 21. Mai hatte Villeroy seine ganze Armee an der 
Mehaigne versammelt. Von Namur Hess er gegen Huy zweiundzwanzig 
24-Pt'ümler, zehn Mörser und fünfundfünzig Fahrzeuge zur Errichtung 
von zwei Brücken an Ort und Stelle schaffen, nachdem letztgenannter 
Platz schon früher durch 6 Bataillone und 13 Escadronen eingeschlossen 
worden war. 

Ausser der Umwallung hatte die Festung mehrere Forts und ein 
festes Schloss; die Besatzung bestand aus 4 Bataillonen unter Croons- 
trom's Commando. 

Am 30. Mai Abends eröffneten die aus 14 Bataillonen und 
12 Fseadroneii bestehenden französischen Angritfstruppcn, von General 
Lieutenant ('ernte de Gace befehligt, vor dem Fort Picard und Fort 
Rouge die Trancheen. Anfänglich verzögerten die Schwierigkeiten des 



:<I2 

Terrains die Angriffsarbeiten; doch kam der französische Ingenieur 
bald zur üeberzeugung, dass, um die Verteidigungsfähigkeit der 
beidon genannten Forts zu lähmen, gleichzeitig der Angriff auf 
Fori Joseph und das Schloss gerichtet werden müsse, und die 
Franzosen erbauten sogleich drei Batterien auf der Seite von 
St. Leonard. Da anfänglieh auch gegen die Stadt das Kanonenfeuer 
eröffnet wurde, so bot deren Bevölkerung schon am 31. die Capitu- 
lation an, während die dort befindlichen Truppen sieh in die Forts 
zurückzogen. Zwei französische Bataillone besetzten sofort die Stadt, 
und am 1. Juni waren bereits 9 Geschütze und 5 Mörser gegen die 
beiden Forts (Eicard und Rouge) in Thätigkeit. 

Um aber schneller zum Ziele zu gelangen, wurde der Entschluss 
gefasst, das Fort Joseph, welches wahrend zwei Jahren von Seite der 
Generalstaaten stark befestigt worden war, abseits liegen zu lassen 
und das Schloss durch Geschützfeuer zu gewinnen. Arn 2. waren 
zweiundzwanzig 24 Plunder und zehn Mörser iu Wirksandveit. Da 
aber Villeroy diese Artillerie zur schnellen Pcwidtigung des Platzes 
nicht für ausreichend hielt, Hess er von Maubeuge noch zehn 24-Pfünder 
und zehn Mörser zum Angriffe herbeischaffen. Diese zahlreiche 
Artillerie setzte vom 3. an den beiden Forts und dem Schlosse hart 
zu, und gegen Abend waren die Wälle von Fort Picard und Fort 
Rouge in Trümmern. Um 10 Uhr Abends erstürmten 500 französische 
Grenadiere diese beiden Objecto und setzten sich in denselben fest. 

Bedeutend war der errungene Vortheil, weil unbeirrt vom Fort 
Joseph die Beschiessung des Schlosses erfolgen konnte. Um diesem 
noch mehr an den Leib zu kommen, wurden in der Vorstadt State 
am linken Ufer der Maus abermals zwei Batterien errichtet, so dass 
am 5. Morgens achtzehn 24-Pfünder die Preschen in dem Schlosse 
vorbereiten konnten. Dies gelang aber nicht so schnell, als man es 
erwartete, und es musste in den folgenden Tagen die gesammte 
Artillerie gegen das eine Object in Wirksamkeit gebracht werden; 
denn die Besatzung hielt sieh wacker, und erst als am 10. Nachts 
15 französische < Jrenadier ( .'omnagnien an die Preschen in dem Schlosse 
angerückt waren und mit Tagesanbruch des l(j. sieh anschickten, die 
Sturmleitern anzulegen, Hess der Commandant von Huy Chamade 
schlagen. 112 Officiere und 3000 Soldaten der Generalstaaten ge- 
rietheu in Gefangenschaft, nachdem sie sich gegen den überlegenen 
Angriff wahrend 12 Tagen behauptet hatten. 

Nach Eroberung dieses wichtigen Punctes wollte sich Villeroy 
rasch gegen Lüttich wenden. Aber auch bei den Franzosen machten 
sich die Wechselbeziehungen der drei Armeen (Villeroy, Villars 



313 

and Marsin) geltend. Die Bewegung sollte schon am 13. angetreten 
wurden. Mittlerweile war aber vom Könige der Befehl angelangt, 
fernere 15 Bataillone und ebenso viele Escadronen zu Villars an 
die Mosel zu detachiren '). 

Es war dies eben jene Zeit, während welcher die bei Sierck 
stehende französische Armee den Angriff Marlborough's mit weit 
überlegenen Kräften befürchtete. Ungeachtet dieser wesentlichen 
Schwächung Hess Villeroy 12 Bataillone und 6 Geschütze gegen 
Lütticb marschiren, welche sich am 18. der Stadt insofern. \, r 
sicherten, als zwei Bataillone der französischen und Schweizer Garden 
und die Garde des Churfürsten von Co In dieselbe besetzten, um ohne 
Zögern den Angriff auf die Citadelle vornehmen zu können. 

Dieses Vorhalten scheiterte alter durch die Wendung der Dinge 
an der Mosel, da nunmehr die Niederlande das Hauptkriegstbeater 
bilden sollten und der von M a r 1 b o r o u g h geführte namhafte Suceurs 
längstens bis I. Juli vor Lüttich eintreffen konnte'. 

Au verquer quo, nicht in der Lage, Huy Entsatz zu bringen, 
hatte nach dem Falle dieses Platzes um so grössere Besorgnisse für 
seine vor Mastrieht gelegene Stellung gehegt, dass er die aussen')] 
Retranchemeuts nicht mehr haltbar erachtete und seine ganze Macht hinter 
seine zweite Linie zurückzog. Dort erwartete er die von den General- 
staaten bei Mar lborough so dringend nachgesuchte Hülfe, welche, wie 
erwähnt, auf Kosten der Hauptoperation an der Mosel gewahrt wurde. 

Um die Bewegung der alliirten Truppen nach den Niederlanden, 
welche durch unwirthbare Gegenden erfolgen musste, zu erleichtern, 
erfolgte dieselbe in drei Colonnen. Die erste, .aus der Artillerie formirt, 
hatte von Schweich (n. ö. von Trier) auf der grossen Strasse von 
Hetzerath vorzurücken. Die zweite, aus Infanterie bestehend, nahm 
ihre Richtung über Adveldt und Adenau, tue dritte endlich, ans der 
Keilerei formirt, marschirte über Speicher (s. ö. von Bittburg), Prüm 
und Dreiborn. Aul' der Strasse zwischen Lüttich und Cöln, Ina dem 
Städtchen Düren, sollte sich Marlborough's Armee wieder vereinigen. 

Obschon der englische Feldherr eilte, an diu Maas zu kommen, 
fiöthigten ihn doch die Massnahmen Villars' zu einer Verzögerung. 
Als Ersterer nämlich in Erfahrung gebracht hatte, dass dieser fran 
züsischc Befehlshaber von der Mosel beträchtliche Verstärkungen 
nach den Niederlanden entsende, liess er den Marsch seiner Vorhut 
verzögern, und zwar derart demonstrativ 12.000 Mann gegen die 
Stellung von Sierck rücken, dass Villars sich genöthigt sah, mit der 



') Pelet, 1705; V., pag. 31. 



314 

Detachirung innezuhalten. Da aber zu gleicher Zeit in dem englischen 
Hauptquartier die Nachricht eintraf, Villeroy könne vor Lüttich mit 
einen Angriffsarbeiten wegen Mangel an Geschütz nicht vorwärts 
kommen, so trat die Nbthwendigkeit heran, schnell zum Entsätze 
dieses Platzes vorzurücken. Mittelst gewaltiger Eilmärsche gelang i 
den drei Colonnen, am 25. Juni bei Düren sieh zu versammeln. 

Während nun Marlborough's über Aachen kommende Truppen 
am 2. Juli bei Vise die Maas passirten, brach Auverquerque mit der 
holländischen Armee aus dein Lager am Petersberge auf und beide 
Armeen rückten eoncentrisch auf Haneffe vor, woselbst, sie sich am 
15. Juli vereinigten. 

Ueberraschend war darum für Villeroy die Nachricht, welche 
er schon am 2- Juli erhielt, dass Marlborough's auf <i2 Bataillone 
und 72 Escadronen geschätzte Truppen 2 Lieus vor Aachen stünden, 
wahrend die von Villars erwarteten Verstärkungen kaum vor dem 
'.». oder 10. Juli bei der französischen Armee in den Niederlanden 
einzutreffen vermochten. Villeroy durfte darum es zu keiner Feld 
schlacht kommen lassen, und er musste dem von den Verbündete □ 
beabsichtigten Vorstosse unbedingt ausweichen. Da die zwei Haupt- 
verbindungslinien, nämlich die Strasse über Tongres nach Hasselt und 
jene von St. Trend nach Brüssel bereit.- verlegt waren, so vollführte 
Villeroy seinen Rückzug über Waremme nach Montenaken auf die 
Höhe nördlich der Mehaigne. Dort war aber an einen Stillstand nicht 
zu denken, weil die mittlerweile vor Haneffe angelangten verbündeten 
Armeen abermals vorrückten, und es erübrigte nur, hinter den vor- 
bereiteten Vertheidi-un-'slinien Schutz zu suchen. 

Der englische Feldherr hatte nämlich am 4. Juli seine Macht 
in der Absieht nach Hannut dirigirt, Villeroy's Armee anzugreifen. 
Aber die Einflüsse der Generalstaaten verhinderten dies, indem die 
bei dem Heere anwesenden Delegirten Hollands dem ungewissen Aus^ 
gange einer Feldschlacht die Wiedereroberung von Huy vorzogen. 

Um einerseits den Offensivplan nicht völlig aufgeben zu müssen, 
andererseits dem Drängen der Generalstaaten nachzugeben, wurde 
am 5. Juli eine Stellung bezogen, von welcher aus die hinter den 
Linien postirte Armee Villeroy's bedroht ward und ebenso der 
Angriff auf Huy erfolgen konnte. Der rechte Flügel stand gegen 
Cernevik, das Centrum bei Lens-les-Beguines (südwestlich von Tongres) 
und der linke Flügel gegen Lantinne an der Mehaigne. 

Bei dem noch am nämlichen Tage abgehaltenen Kriegsrathe, in 
welchem der englische Feldherr dem raschen und entschiedenen 
Angriff auf Villeroy befürwortete, ward die Belagerung von Huy 



315 

beschlossen. Dadurch aber verschafften die Holländer 'lern franzö 
sischen Feldherrn die nöthige Zeit, seine erwarteten Verstärkungen 
von der Mosel heranziehen zu können. 

Wie man diese Sache beim Gegner auffasste, gehl aus einem 
Berichte des lothringischen Gesandten in Paris an seinen Hof 
hervor: „Marlborough unternimmt die Belagerung von lluv, um 
zu sehen, ob man von Frankreich zum Succurs kommen werde; man 
sagt, er sei mit General Auverquerque überworfen ')." 

Die Missstimmung über die gewiss unleidliche Position gegen- 
über den holländischen Generalen ward durch die Nachrichten von 
der Mosel erhöht. Die dort zur Deckung von Trier and Saarburg 
zurückgelassenem Truppen hatten dem Drucke eines französischen 
Corps nachgegeben, und dadurch fielen nichl blos diese beiden Puncte, 
sondern auch die dorl mühselig zusammengebrachten Mund- und 
Kriegsvorräthe Villars' Truppen in die Hände. 

Der Angriff auf lluv war insoferne von Bedeutung, als nach 
Wiedereroberung dieses Platzes die Schifffahrt auf der Maas frei, 
eventuell der Nachschub von Armee Bedürfnissen wesentlich erleichtert 
wurde. Zwölf Bataillone und ebensoviel Escadronen schlössen am 
(i. Juli den Platz ein, und schon in der Nach! zum 7. war die Vor 
stadt, „State" am linken Ufer der Maas erstürmt. Der Angriff 
erfolgte derart geschickt, dass die franzosiselie Besatzung am 11. Juli 
capitulirte. 

Angriff auf die französischen Linien. 

Herzog von Marlborough, nachdem er dem Willen Hollands 
gerecht geworden, wollte seinen Ruf als Feldherr nicht dadurch ein- 
büssen, dass er die Zeit ferner noch durch fruchtlose Bewegungen 
und Aufstellungen vergeudet hatte. 

DaVilleroy einer Schlacht im freien Felde sorgfältig auswich, 
so konnte der Hauptzweck der Verbündeten, in das Innere von 
Brabant vorzudringen, nur durch den Angriff auf die französischen 
Linien erreicht werden. Die erste derselben war mit dem rechten 
Flügel bei der Abtei Marche les Dames an die Maas gelehnt und 
hatte auf eine halbe Stunde die Festung Namur als Hauptstützpunct 
hinter sich. Ueber Gelbresse, Tillier, Wasseiges au der Mehaigne und 
die Flachhöhe von Merdorp geführt, lehnte sich die Linie unfern von 
Orp le petit an die kleine Geete, deren linkem Ufer sie über die 
1" i,!, ii llevlissem (Über- und Unter ) und < »rsmael bis nach Leau folgte. 

'I Haus-, Hut- und Staats-Archiv, Lothringische Acten; Juli 1705. 



;5Ki 

Letztgenannter Puncl mit Ringmauern und einer Citadelle versehen, 
bildete auf dem linken Flügel gleichsam einen Abschluss. Dieser en< 
stand durch den nicht entlegenen Zusanrmenfluss der grossen und 

kleinen Geete, der Velpe und I >c 1er. 1 >i<- morastigen Ufer des letzl 

genannten Flusses und die an selbem liegenden festen Posten Diest, 
Sichern und Aershot machten die Umgehung unthunlich. 

Eine ähnliche Verschanzungslinie war von Aershot über Lierre 
au der Nethe bis Antwerpen geführt. 

Villeroy batte sein«' Macht derart aufgestellt, das.. sich die 
Hauptmasse mit dein Hauptquartier zu Merdorp befand, kleinere 
Körper aber auf Centralpuncten zwischen der kleinen und grossen 
Geete vertheilt waren. Dadurch beherrschte er seine ganze Position 
insoferne, als die einzelnen Massen je nach Bedarf an dem einen 
oder dem anderen bedrohten Puncto in verhältnissmässig kurzer Zeil 
zusammengezogen werden kennten. 

Wahrend der Belagerung von II uy war Marlborough in 
dem Lager Lensdes lie^uines geblieben, Auverquerque mit den 
Holländern dagegen stand bei Vinalmont nördlich Huy. 

Waren die Erfahrungen, welche der englische Feldherr an der 
Mosel gesammelt, geeignet, seine Hoffnungen wesentlich herabzustimmen, 
so mussten die Verhältnisse in den Niederlanden ihn an jedem Erfolge 
verzweifeln lassen. l>ie Generalstaaten wollten um jeden Preis den 
Massenkampf vermieden wissen und riethon darum zu einer aber 
maligen Detachirung an die Mosel. Der auf das A.eusserste gebrachte 
Herzog drohte, bei der Königin Annaundbeim Parlamente die Rück- 
kehr der englischen Truppen nach Großbritannien und die Abdankung 
der von den Seemächten besoldeten Hülfstruppen erwirken zu wollen. 
In Folge dessen wurde wohl die Bewilligung zum offensiven Vorgehen 
zugestanden, doch blieb dieselbe an die Bedingung geknüpft, dass 
der Angriff nur nach Gutheissung von Seite Au verquer que's und 
der übrigen holländischen Officiere erfolgen dürfe. Eine demüthigendere 
Stellung für einen Feldherrn von Marlborough's Ruf kann nicht 
gedacht werden. 

Ueber die nächsten Plane der Verbündeten hatte der fran 
zösische Feldherr vage Nachrichten, und es hiess: Marlborough beab 
sichtige nicht den Angriff auf die französischen Linien, sondern er 
wolle die Armee Villeroy's für den Pest der Campagne daselbst 
eingeschlossen halten und das Land in der Umgebung völlig aus 
saugen 1 ). Diese Meinung war aber vollständig grundlos ; der englische 



') Pelet, 1705 ; V 



317 

Feldherr suchte vielmehr durch eine entscheidende Action wieder gut 
zumachen, was die Engherzigkeil der Generalstaaten verschuldet Er 
säumte nicht, den hinter seinen natürlichen und künstlichen Deckungen 
versammelten Gegner kühn anzugreifen. Gerade zwischen Eylissem 
und Leau, wo die steilen Ufer der kleinen Geete und die dort ange- 
legten Erdwerke um wenigsten einen Angriff erwarten Hessen, wurde 
dieser von Marlhorough ins Auge gefasst. Den Plan theilte er 
blos Auver querque mit. um der Hülfe der holländischen Armee 
sicher zu sein, welche auf das rechte Ufer der Mehaigne voiTticken 
sollte; einerseits um sich der Krittelei von .Seite der Holländer zu 
entledigen, andererseits die Aufmerksamkeit des Feindes von dem 
wahren Anj^riffspuncte abzulenken. 

In Besorgniss, hei einem solchen Vorgehen von feindlicher 
Uehermacht angefallen und geschlagen zu werden, wollte Auver- 
i[ueri|iie die Verantwortung nicht auf sich nehmen und berief einen 
Kriegsrath. Die holländischen Generale stimmten eifrigst gegen das 
Wagniss; namentlich war es General Schlangenburg, welcher 
Einwürfe erhob. Diese aber wurden triftig widerlegt, so dass Auver 
querque sieh herbeiliess, den Angriff gegen Villeroy's rechten 
Flügel zu unternehmen. Er Krach am 17. Juli Morgens auf, passirte 
bei Moucheron die Mehaigne und rückte bis Burdinne, gleichzeitig 
eine Detachirung gegen Meeffe vornehmend, die nahezu den Graben- 
rand der französischen Verschanzung daselbst erreichte. 

Zu gleicher Zeit hatte M a r 1 b o r o u g h Abtheilungen gegen seinen 
linken Flügel (Auver querque) derart gegen die Mehaigne manö- 
veriren lassen, als ob dieselben vom Centrum aus bei dem Angriffe 
auf Villeroy's reihten Flügel mitwirken sollten. Diese Bedrohung 
hatte die erhoffte Wirkung, denn in kurzer Zeit waren französischer 
seits zwischen Merdorp, Jandrain und am Ursprünge der kleinen 
Geete gegen 40.000 Franzosen versammelt. 

Nach dieser Irreführung des Gegners Hess Marlborough 
eiligst die noch am linken Flügel bei Vinalmont lagernden Truppen 
mit dem Befehle heranziehen, sich jenen Engländern anzuschliessen, 
welche die Vorhut zu bilden hatten. Diese sonach auf 20 Bataillone 
und 38 Escadronen gebracht, sollten unter General < Iraf X oy eile s die 
Reiterei des rechten Flügels der Armee decken. 

Um 8 Uhr Abends erfolgte das Zeichen zum allgemeinen Auf 
Bruche. Die Vorhut hatte bei ihrer Vorrückung die Direction unmittelbar 
auf Neerhespen (Hespen) und Eylissem zu nehmen. Eine Stunde 
später rückte Marlborough's Armee in zwei Colonnen nach, während 
gleichzeitig Auverquerque mit Benützung von 12 eiligst errichteten 



.318 

Brücken auf das Unke Ufer i1<t Mehaigne zurückkehrte und sich mit 
seinen Vortruppen der Nachhut Marlhorough's anschloss. 

Die Bewegung der Alliirten währte die ganze Nacht, und um 
4 Uhr Morgens waren die Spitzen der Colonnen in der Nähe <\<-r 
französischen Linie angelangt. 

Nach den französischen Quellen verfügte Viller oy am 14. Juli 
ülier 100 Bataillone und 147 Escadronen 1 ), die Alliirten bei ihrem 
Angriffsmarsche am 18. über 79 Bataillone und 136 Escadronen *). 

Durch dichten Nebel dem Gegner verborgen, rückte die von 
Marlborough ursprünglich disponirte Avantgarde, ohne Widerstand 
zu finden, durch Neerwinden und Neerhespen. Drei Bataillone davon 
besetzten das Dorf und die Brücke bei Eylissem, eine andere Abthei 
lung aber das Schloss von Wanghe. Unter dem Schutze der Vorhut 
wurden mehrere Brücken errichtet, doch drängten Marlhorough's 
Truppen über Weichland und Wasseradern vor und gewannen die 
feindliche Linie, zu deren Vertheidigung französische Dragoner von 
Orsmael heransprengten, bei Ansichtigwerden der gewaltigen Massen 
alliirter Truppen aber die Flucht ergriffen. 

Kurz uacb diesem Alarme rückten zwar 20 französische Batail 
lone und 50 Escadronen mit 8 Geschützen auf die Anhöhe hinter 
Orsmael vor. Marlborough beorderte aber sogleich den Theil seiner 
Reiterei, welcher in der Nähe angelangt war. gegen die Flanke des 
aufmarschirenden Feindes. Die Attaque war derart von Erfolg gekrönt, 
dass die französischen Heiter auseinanderstoben, die Infanterie aber 
die Flucht ergriff. 

Für den Besitz der Linien war diese That entscheidend, doch wollte 
sich der englische Feldherr nicht mit blos relativ günstigem Erfolge 
begnügen. Der Feind durfte nicht zu Athem kommen und es musste 
die vortheilhafte französische Position bei der Abtei Park (südöstlich 
Löwen) gewonnen werden, um Villeroy nicht Zeit zu lassen, sich 
am linken Ufer der Dyle festzusetzen. 

Abermals waren es die hollandischen Generale, welche sich unter dem 
Vorwande der Uebermüdung ihrer Truppen der raschen Vorwärtsbewe- 
gung entgegenstommten. Marlborough musste (dien den politischen 
Rücksichten den militärischen Erfolg, mit ihm aber seinen Ruhm opfern 
und sich damit begnügen, sein Lager blos bis Tirlemont vorzuschieben. 

Belanglos war wohl der Kampf bei Erstürmung, eigentlich Gewin 
nung der Linie, denn beide Theile büssten nur wenig Todte und Ver 
wundete ein; aber dieses Vorspiel hätte bei rascher Verfolgung des 

'I Pelet; V. Ar.li. d. depot de la guerre vo\. 1836, Nr. 13S. 
'I Pelet; V., pag. 206. 



319 

errungenen Vortheiles zu einer entscheidenden Action führen können. 
Villeroy durch Auverquerque's Vorstoss am linken Flügel der 
Verbündeten völlig getäuscht, war nämlich mit dem Schwergewichte 
seiner Armee auf dem rechton Flügel geblieben, und als er bei 
Anbruch des Tages die Holländer nicht mehr sich gegenüber sah, 
gewahrte er viel zu spät seinen Irrthum. Denn die Verbündeten hatten 
bereits den französischen linken Flügel in die Fluchl getrieben. Wäre 
es Marlborough möglich gewesen, seinen Intentionen eines raschen 
Nachdrängens zu folgen, so kennte Villeroy in eine äusserst nachtheilige 
Lage gerathen. Wie sehr der französische Feldherr dies befürchtete, 
geht aus seinem übereilten Rückzuge gegen Löwen hervor. Aber auch 
dort fühlte er sieh noch nicht sicher und die abgematteten Truppen 
mussten wahrend der ganzen Nacht auf das linke Ufer der Dyle 
mai'seliii'on. alle Brücken abwerfen und derart Stellung nehmen, dass 
der linke Flügel durch Löwen gedeckt war. 

Nach Zeit und Kaum und der momentanen Vertheilung der 
französischen Streitkräfte waren die Manöver des englischen Feldherrn 
gewiss tadellos eingeleitet und durchgeführt, ungeachtet derselbe den 
Widerstand des holländischen Einflusses zu brechen hatte. < >hne nennens- 
werthe Einbusse konnte der Zweck, den Feind aus seiner verschanzten 
Linie an der kleinen Geete zurückzuwerfen, völlig erreicht werden. 
Bei nur einigem guten Willen der generalstaatliehen Befehlshaber 
würde Villeroy auch an der Dyle, d. h. an der zweiten Verteidi- 
gungslinie kaum glücklicher als an der ersten gewesen sein. Er gewann 
alier Zeit und mit ihr den Vortheil zur Concentrirung seiner Streit 
kräfte an dem am meisten bedrohten Puncte. Mit Massen wurde der 
Krieg geführt, und Massen mussten auch den Ausschlag geben. Dies 
hatten sowohl Marlborough als Villeroy nach Vorstehendem ganz 
wohl begriffen. 

In London war schon am 25. Juli von Marlborough „die 
erfreuliche Zeitung angelangt, dass die feindlichen Linien glücklich 
und ohne Verlust von Seiten der Alliirten forciret. vom Feind bei 
nebens, was im Gefecht geblieben, über 2000 gefangen genommen 
worden und der Duc sich mit der gesammten Armee vor Löwen, 
befindet- . . . „der Duc hat anbei berichtet, dass er sieh nothwendig 
von bemeldeter Stadt bemächtigen muss, um seine Magazine darinnen 
aufzurichten und dass er sieh der grossen Consternation und Verwir- 
rung, worinnen sich die feindliche Armee befindet, zu praevaliren und 
|elbiger auf alle Weis und Wege eine Schlacht zu liefern gedenke" '). 

') Haus-, Hof- un.l Staats-Archiv, Angliea; Juli 1705. 



:*2o 

Marlborough's nächstes Ziel war die Eroberung von Antwerpen, 
welche den Fall von ganz Brabant nach 8ich ziehen und den General 
Staaten die Eintreibung von vielen Millionen ermöglichen seilte. 

An eine Rückkehr der Engländer an die Mosel war bei dieser 
Sachlage wohl nicht mehr zu denken, worüber Resident Hoffmann 
am 28. Juli nach Wien berichtete: „also dürfte der Zurückmarscb des 
Marlborough an die Mosel völlig auf Seiten gesetzt werden; es 
wäre denn, dass er dem Feinde völlige Niederlage zufügte und mit 
der Reducirung von Brabant so bald fertig würde, dass er sieli noch 
gegen Herbsl hinauf begeben könnte"'). 

Operationen der Alliirten gegen die Dyle. 

Durch die hinter der Dyle genommene Aufstellung deckte 
Villeroy das ganze Land gegen Westen und verlegte auf dieser 
Seite den Verbündeten nach Antwerpen den Weg. Ebenso konnte er 
durch eine Bewegung entlang der Dyle einem AngrifFsversuche auf 
Nannir entgegentreten. 

Es war dies gleichsam eine Centralstellung, von welcher aus stets 
auf dem kürzeren Wege die Deckung der beiden genannten Haupt 
punete möglich war. Dieselbe gewährte (dien den Vortheil, so lange in 
zuwartender Haltung verharren zu können, bis sich die Gelegenheit 
zu offensivem Vorstosse ergab. 

Kundschaftsberichte und die Ausbreitung der alliirten Armer 
gegen beide Flügel der französischen Stellung gaben Villeroy Anlass, 
den Schluss zu ziehen, wie es in Mar lborough's Absicht liege, den 
Dyle-Uebergang zu forciren, um dann entweder gegen Nannir oder 
Antwerpen vorzudringen ; dessen bislang getroffenen Dispositionen ermög- 
lichten nämlich ebenso die Bewegung gegen die Maas, als gegen die 
Scheide. Zunächst alier besorgte der französische Feldherr den Angriff 
auf Löwen oder die. Bewegung auf Wawre, und darum verstärkte er die 
Garnison von genannter Stadt, während er andererseits Massregeln traf, 
um den Dyle-lJnbersj;ang verwehren zu können. 

Diesen hatte Marlborough für den 30. Juli, und /.war mit 
den holländischen, den linken Flügel seiner Armee bildenden Truppeii 
beschlossen. Obschon die zur Recognoscirung entsendeten Generale 
das Unternehmen als unausführbar erklärten, Hess sieh der englische 
Feldherr, dem nur Auverquerque allein beistimmte, doch nicht vbii 
seinem Vorhaben abbringen. Die bei Corbeck unternommene Heber 

•) Haus-, Hof- I Staats-Archiv, A.nglica; Juli 1705. 



scbreitung der Dyle mittelst dreier Brücken gelang vollständig und es 
konnten die Vortruppen am jenseitigen Ufer sich festsetzen. 

Bald darauf wurden sie jedoch zu völliger Räumung des 
bereits gewonnenen Terrains genöthigt. Einerseits war es der nach- 
gesendeten Reiterei unmöglich, das sumpfige Uferland zu passiron, 
andererseits trafen französische Verstärkungen ein, welche nach kurzem 
Kampfe die Oertlichkeiten am jenseitigen Ufer wieder in ihre Gewalt 
bekamen 1 ). Ucberhaupt blieben die von den Verbündeten am 30. und 
31. Juli geführten Kämpfe völlig resultatlos, so dass Marlborough 
sein Vorhaben, bei Corbeck und Neeryssche über den Fluss zu gelangen, 
völlig aufgeben musste ; keineswegs verzichtete er aber auf die offen- 
siven Absichten überhaupt. Marschall Viller oy beeilte sich darum, 
Verstärkungen von jenen Puncten heranzuziehen, die ihm vorläufig am 
wenigsten bedroht schienen. 

Dazu erübrigte auch diesmal hinlänglich Zeit, denn beide Armeen 
blieben nahezu 14 Tage nur durch die Dyle von einander getrennt, 
und zwar jene der Franzosen bei Corbeck und jene der Alliirten 
zwischen Meldret und Bossut, in völliger Inaction. 

Für einen thatkräftigen Feldherrn, als welchen sich Herzog 
Marlborough so vielfältig erwiesen, war die Lage in den Nieder- 
landen gewiss noch misslicher, als an der Mosel. Er hatte nicht nur 
die feindliche Armee, sondern auch ununterbrochen die Widerspänstig 
keit der holländischen Generale und der bei der Arme, anwesenden 
generalstaatlichen Deputirten zu bekämpfen. 

Selbstverständlich mussten diese Verhältnisse am Londoner Hofe 
grosse Verstimmung hervorrufen. Diesbezüglich berichtet Resident 

Hoffmann am 4. August nach Wien: ,. Dass sonsten der Duc 

de Marlborough den Fluss Dyle unweit Löwen passiren wollen 
und bereits 2000 Mann solchen passiren machen, die Deputirte von 
den Generalstaaten aber nicht dazu disponiren können, und folglich 
besagte 2000 Mann wieder zurückziehen müssen, verursacht allhier 
ebenso grosse Beschwerde, als man vorher gegen dasjenige, was an 
der Mosel passiret, geführt hat. Der Duc solle seines Ortes zwar sehr 
modeste davon geschrieben haben, dass, wann Jedermänniglich von 
seinen Scntimenten gewesen wäre, man selbigen Tag etwa- Consi 
derables hätte ausrichten können. Durch dieses Verfahren der Hol- 
länder, die ihrerseits nichts hasardiren wollen, sei an allem guten 

Sueeess voll diesem Eeldzit^ ZU verzweifeln")." 



') Kriegs- Archiv, Römisches Reich, 1705; Fast-. VII. 
2 ) Haus-, Huf- und Staats-Archiv, Anglica ; August. 

Feldzttge des Prinzen Eugen v Savoyen. VII. Band 



:>22 

Darum stand zu befürchten, dasa die Krone England sich 
x.iini Frieden neigen werde, um so mehr als schon seil Wochen das 
Gerücht im Umlaufe war, „Frankreich habe unter der Band in Holland 
proponirt, den Friedenstractat auf dem Fusse von selbigem der Zer- 
theilung" der spanischen Besitzungen, „worinnen man im Tractiren 
ein und andere Aenderung machen könnte, eingehen zu wollen" ' i. 

Aus dem bisher Angeführten geht zur Genüge hervor, wie wenig 
es in Marlborough's Macht lag, den Krieg erfolgreich zu fuhren, 
und darum wird auch die erneuerte, völlige Unthätigkeit, welche bis zum 
14. August währte, erklärlieh. Erst an diesem Tage erfolgten wieder 
Vorbereitungen zu ferneren Manövern. Zweck derselben war, Villeroy 
zum Festhalten seiner Linie zu veranlassen und dadurch freien Weg 
gegen Löwen zu gewinnen. 

Der erste Marsch der verbündeten Armee erfolgte am 15. August 
bis Mont St. Guibert (südlich von Wavre) uud am nächsten Tage wurde 
Genappe erreicht 2 ). In Folge dieser Bewegungen und auf die Kund- 
schaftsberichte, dass M a r 1 b o r o u g h einen 4 Tage dauernden Marsch 
vorhabe, verliess wohl Villeroy seine Stellung bei Corbeck, vollführte 
aber nicht die vura englischen Feldherrn erwartete Bewegung, sondern 
rückte bloss an die Yssche. Dort stützte er seinen rechten Flügel an 
Overyssche, den linken an Neeryssche und befand sich nunmehr in 
einer von Natur aus äusserst haltbaren Position'). Dadurch ward Marl- 
borough's nächste Absicht vereitelt. 

Um nun den französischen Feldherrn dennoch irrezuführen, als 
ob die alliirte Armee entweder bei Waterloo durchbrechen, oder 
zwischen dem Soigner Wald und der Senne nach Brüssel vordringen 
welle, rückte selbe, links abmarschirt, am 17. bis Braine und Valien 4 ). 
Diese Bewegung hatte insoferne Erfolg, als der Gegner dadurch zu 
einer Detachirung nach Brüssel veranlasst wurde. Bei selbem herrschte 
völlige Ungewissheit über die nächsten Absichten Marlborough's 
und ebenso über das Ziel, welches er bei den folgenden Operationen 
der Campagne im Auge habe 5 ). 

Als am 17. August mit anbrechendem Morgen die verbündete 
Armee ihre Position bei Genappe verliess, um sich mit dem rechten 
Flügel bei dem Orte und Fluss Hulpe, mit dem linken gegen Braine- 
l'Allend aufzustellen, sah sich Marschall Villeroy blos veranlasst. 



') Haus-, Hof- and Staats-Archiv, Anglica; August. 
*) Haus-, Hof- uud Staats-Archiv, Bavarica ; August. 
3 ) Pelet; V., Nr. G9. 

*) Fürstlieh Liechtenstein'sches Archiv zu Budschowi 
5 ) Pelet, 1705; V., Nr. 66. 



323 

seinen in Waterloo stehenden Pusten zu verstärken und diesen von 
Natur aus nicht besonders haltbaren Punct durch Verschanzangen 
widerstandsfähiger zu machen. 

Marlborough hatte die oben angeführten Bewegungen in der 
Absicht unternommen, den Gegner aus seiner vortheilhaften Position 
herauszulocken, um ihn in einem weniger günstigen Terrain zur 
Schlacht zwingen zu können. Nachdem sich aber dieses Bemühen als 
fruchtlos erwies, entschloss er sich zum directen Angriffe. Die bezüg- 
lichen Vorbereitungs-Bewegungen wurden schon in der Nacht vom 
17. auf den 18. August begonnen und veranlassten den französischen 
Feldherrn zur Anordnung von Gegenmassregeln, welche mit Anbruch 
des Tages am 18. völlig beendet waren. 

Auch diesmal musste Marlborough unfreiwillig auf den Zu- 
sammenstoss mit dem Feinde verzichten. Wie aus einem, „Wavre, 
20. August" datirten Berichte des General Salisch hervorgeht, 
scheuten die Holländer vor der Stärke der feindlichen Position 
zurück: „Wir trafen sie (die Franzosen) mit einem Worte so postirt, 
dass es kein Mittel gab, sie anzugreifen, ohne unsere Armee in 
Gefahr zu setzen, nachdem ein von Hecken und Gebüsch durchsetzter 
hoher Berg zu erklimmen und dann der Fluss zu passiren war 1 )." 

Sowie Marschall Vill a r s in seiner Stellung bei Sierek vergebens 
auf den Anprall Mar 1 b or ough's wartete, ebenso ward Viller oy 
an der Yssche enttäuscht, denn das helle Licht des Tages Hess keinerlei 
Bewegung von Seite der alliirten Armee wahrnehmen ; im Gegentheile 
zeigte sich diese ganz ruhig in dem der französischen Position gegen- 
über befindlichen Lager. — Erst gegen Mittag gerieth die ganze 
Armee in Bewegung, was Vill er oy zu dem Schlüsse veranlasste, 
dass nunmehr Truppen und Artillerie zum Angriffe disponirt würden. 
Aber einige Stunden danach vollführte Mar lb o r o ugh's Armee eine 
rückgängige Bewegung nach Wavre und bezog dort ein Lager, 
dessen rechter Flügel in der Höhe von Florival stand, während der 
linke sich an Limal und Limelette (an der Dyle, südlich von Wavre) 
lehnte. 

Hatte der englische Feldherr die grossartigen Pläne an der 
Mosel an seinem nicht zutreffenden Calcul scheitern gesehen, so musste 
er iu den Niederlanden durch fremde Schuld völlig auf den Lorbeer 
verzichten, den zu brechen er am 18. August im Begriffe stand. 
Er wollte schlagen und durfte es nicht; die Deputirten der General- 
staaten lähmten den schon zum Streiche ausholenden Arm. 



'I Haus-, Hof- und Staate-Archiv, Hollandica; August 1705. 



324 

Ans dem Lager zu Wavre berichtete Marlborough am 
l!t. August: „Wie ich mich beehrte, an die Herren Generalstaaten am 
13. dieses mitzutheilen, hatte sich die Armee verflossenen Samstag in 
Bewegung gesetzt und zu Corbais und St. Martin das Lager bezogen, 
Sonntag erreichte sie Genappe, Montag Fichermont, und gestern vor 
Anbruch des Tages, nachdem wir mehrere Derileen passirt hatten, 
debouchirten wir in ein ausgedehntes Flachland. Wie erwartet, fanden 
wir den Feind zwischen Overyssche und Neeryssche, den kleinen 
Fluss Yssche vor der Front. Gegen Mittag oder etwas später stand 
unsere ganze Armee in Schlachtordnung formirt, und nachdem ich 
mit General-Lieutenant d'Au verquer quo die vier Puncte recognoscirt 
hatte, die ich angreifen wollte, schmeichelte ich mir in Folge der 
Vorzüglichkeit und Ucberlegenhcit unserer Truppen, die Herren General- 
staaten mit einem ruhmreichen Siege beglückwünschen zu können. 
Aber als es zum Angriffe kommen sollte, hielt man es nicht für an- 
gezeigt, denselben zu unternehmen („pas juge ä propos de pousser 
l'affaire"). Ich bin überzeugt, dass die Herren Deputirten der General- 
staaten jene Ursachen klarlegen werden, welche von der einen und 
von der anderen Seite einwirkten, und dass sie General-Lieutenant 
d'Au verquer quo Gerechtigkeit widerfahren lassen, indem sie 
bestätigen wurden, dass er mit mir der nämlichen Ansicht war, eine so 
günstige Gelegenheit nicht ungenützt vorübergehen zu lassen. Mit 
grossem Bedauern habe ich mich jedoch der Meinung der Mehrzahl 
untergeordnet." 

„P. S. Es drängt mich, bei dieser Gelegenheit es auszusprechen, 
dass ich dieses Jahr mich mit viel weniger Autorität hier befinde, 
als im verflossenen, wo ich die Ehre hatte, die Truppen in Deutsch- 
land zu befehligen 1 )." 

Ueber das Verhalten der holländischen Generale vor dem An- 
griffe gibt das folgende Actenstück Aufschluss: „Als Duc de Marl- 
borough General von Schlangenburg mit einem gar höflichen 
< Vimpliment, als einen der bravsten und erfahrensten Generale, das 
Commando der Haupt-Attaque auftragen wollte, refusirte er es mit dem 
Vorwande, dass der feindliche Terrain viel zu difficil sei, um ihn zu 
gewinnen, und wolle er die Staatstruppen nicht also sacrificiren." 

Da Schlangenburg trotz allen Gegenvorstellungen dabei 
blieb, dass „die ganze Entreprise unpracticabel sei" und er die beiden 
Deputirten der Generalstaaten für seine Ansicht gewonnen hatte und 
heftigen Protest erhob, so forderte Marlborough die versammelten 

') Haus-, Hof- und Staats-Archiv, HoUandioa: August 1705. 



Generale auf, „sie sollten Zeugen sein, dass es seine Schuld nicht 
seie; er hätte die Armee bis daher geführt, da nebst göttlicher Hülfe 
man den Feind schlagen, wenigstens eine Provinz in einem Tag, 
folglich gute Winterquartiere und überdem einen guten Frieden ge- 
winnen können, ohne weiteren Hazard, als etwa 5 — fiOOO Mann zu 
verlieren, so keine Comparaison gegen den Gewinn, so man hätte 
habeii können, und wären zu allen Zeiten superieurs geblieben" .... 

Einen Begriff von der militärischen Disciplin bei der verbündeten 
Armee gibt der Schlusssatz des bezüglichen Actenstückes : „Die Diife- 
rentien und Jalousien, so unter hiesigen Generalen sind, könnte ich 
mündlich wohl abmalen, aber der Feder mag ich nichts Anderes 
trauen, als dieses, was unter freiem Himmel gesprochen ')." 

Zur völligen Verweigerung des militärischen Gehorsams gesellte 
sich die entschiedene Einsprache von Seite der dem Heere beigeordneten 
Deputirten der Generalstaaten, gegen welche die Autorität des eng- 
lischen Feldherrn völlig machtlos blieb. 

Am 22. August brach die alliirte Armee von Wavre auf. passirte 
wieder die Dyle, um mit dem rechten Flügel an Thorembais-Saint- 
Trond, mit dem linken an Nil-Saint- Vincent ein Lager zu beziehen. 
Die Zerwürfnisse zwischen dem englischen Feldherrn und den hol- 
ländischen Generalen nahmen ein mehr und mehr schroffes Wesen an, 
und blieben Marschall Villeroy keineswegs verborgen 2 ). Dieser 
besorgte darum keinen entscheidenden Angriff mehr. Doch deutete die 
von den Verbündeten am 22. ausgeführte Bewegung noch immer nicht 
auf einen vollständigen Rückzug und der französische Feldherr fand 
darum noch keinen Beweggrund zum Verlassen seiner Position an 
der Yssche. 

Als aber am 27. die alliirte Armee von ihrem am 22. bezogenen 
Lager aufbrach, um dieses zwischen der Abtei la Ramee und Perwez 
(Flecken südwestlich von Jodoigne) zu wählen, und nach Jodoigne 
ein Corps vorgeschoben wurde, um die Verbindung mit Tirlemont zu 
sichern, hielt Villeroy, nachdem Mar lb orough's Streitkräfte nun- 
mehr gleichmässig von Brüssel und Löwen entfernt waren, es für 
angezeigt, mit der Armee zwischen Löwen und Tirlemont an die 
Yelpe zu rücken, um ä portee des letztgenannten Punctes zu sein. 
Dieser Plan fand aber eine Aenderung, weil das in's Auge gefasste 
Terrain keine Vortheile darbot, und es ward beschlossen, sieh gegen 
Löwen und die untere Dyle auszudehnen. Der Aufbruch erfolgte am 

') Fürstlich Liechtenstein'sches Archiv zu Budschowitz. (Privat-Schreiben aus dem 
Lager der Verbündeten.) 

2 ) Pelet, 1705; V., pag. 78. 



326 

2!). und wurde das Lager von Neeryssche bis gegen Werchter be- 
zogen. 

Bei dieser Bewegung der Franzosen glaubte Marlborougb an 
die Velpe vorrücken zu müssen, und nahm darum noch an dem näm- 
lichen Tage zwischen den beiden Gcete derart »Stellung, dass der 
rechte Flügel an Oplinter (nordöstlich von Tirlemont), der linke an 
Noduwez (südlich von Ober-Heylissem am Jollard-Bache, der bei erst- 
genanntem Orte in die kleine Geete mündet) gegen Heylissem ange- 
lehnt war. 

Von diesem Sehachzuge gelangte Villeroy erst am 30. in 
Kenntniss, und er fand darin die Bestätigung seiner Vermuthung, 
dass die Verbündeten die Belagerung von Leau vorhatten. Da es 
nicht in seiner Macht lag, dieses Unternehmen zu hindern, so beschloss 
er, keinerlei Störung zu versuchen, im Geheimen aber alle Mittel 
vorzubereiten, um nicht nur diesen Platz wieder, sondern auch Diest 
und Tirlemont vor Einbruch des Winters in seine Gewalt zu 
bekommen. Um der Verbündeten Argwohn in keiner Weise zu erregen, 
Hess er entlang der Dyle von Neeryssche bis Corbeek Verschanzungen 
errichten, damit es mehr und mehr den Anschein gewinne, als ob die 
französische Armee für den noch übrigen Theil der Campagne in 
dieser Position stehen bleiben sollte. 

Obschon man im Haag von der Verstimmung Mar lb orough's 
Kenntniss hatte, und vorhersah, derselbe werde das Ende der Cam- 
pagne nicht abwarten'), war derselbe doch von den Generalstaaten 
mit der Belagerung von Leau beauftragt worden und hatte am 3. Sep- 
tember die Traneheen eröffnen lassen, und schon am 5. war der Platz 
in seiner Gewalt, ohne dass von den Belagerern nur ein Kanonenschuss 
abgefeuert wurde, nachdem der feindliche Commandaut die Capi- 
tulation anbot"). Der französische Feldherr erhielt die Nachricht von 
dem Verluste Leau's erst am 6., zu welcher Zeit er noch nicht einmal 
wusste, dass die Belagerung stattgefunden. Mehrere Tage blieb er in 
völliger Ungewissheit über die nächsten Absichten der Alliirten, von 
welchen nur eine baldige Trennung der englischen und holländischen 
Contingente verlautete. 

Dieser Zustand des Zuwartens dauerte bis zum 17. September. 
an welchem Tage die verbündete Armee sich gegen Borchloon aus- 
breitete, am nächstfolgenden gegen Diest und Montaigu rückte und 
am 11». unterhalb Acrschot die Deiner passirte, um mit dein rechten 
Flügel bei West-Meerbeeck an der Nethe, wo Brücken der Verbündeten 

') Haus-, Hof- und Staats-Archiv; September 170ä. 
3 ) Pelet; V., pag. 82. 






327 

errichtet wurden, mit dem linken Flügel gegen Aerschot, ein Lager zu 
beziehen. Zu letzterem Puncte wurden jene Brücken herbeigeschafft, 
die /.um Demer-Uebergange gedient hatten. 

Dieses Manöver musste Viller oy um so mehr aus der von ihm 
geplanten Zuschauerrolle bringen, als die Alliirten den Haupttheil 
ihrer Macht gegen Löwen zu aufstellten. Er Hess seine Armee 
gegen die Nethe zu ausdehnen, die Garnison des genannten Punctes 
verstärken und Truppen-Verschiebungen vornehmen, um dem Gegner 
in allen jenen Richtungen mit Kraft entgegentreten zu können, welche 
derselbe voraussichtlich einsehlagen wurde. 

Mittlerweile war Marlborough behufs einer Conferenz mit 
den Generalstaaten nach Breda abgegangen und dort am 22. September 
eingetroffen. Da bei diesem Anlasse jene Operationen berathen wurden, 
die gegen die Scheide versucht werden sollten, so brach der zur 
Armee zurückgekehrte englische Feldherr am 28. September aus dem 
Lager von Aerschot auf und rückte zwischen die grosse und kleine 
Nethe, wo der rechte Flügel an Grobbendonk, der linke an Tongerloo 
gestützt und das Centrum mit dem Hauptquartier nach Herenthals 
verlegt ward. 

Diese Bewegimg veranlasste den französischen Feldherrn zu 
wiederholter Vorstellung beim Könige, dass es unbedingt nüthig sei, 
eine grosse Truppenmacht auch während des Winters in den Nieder- 
landen zu belassen'). 

Abermals folgte dem Anlaufe Marlb o r ough's eine völlige 
Inaction, welches Beispiel der französische Feldherr getreulich nach- 
ahmte. Die Alliirten beschränkten sieh darauf, Diest zu befestigen, 
um sich den Besitz dieses Punctes für den Winter zu sichern ; die 
Franzosen hinwieder verschanzten sich an der Nethe, weil der Fluss 
in Folge der Sommerdürre fast überall zu durchwaten war. 

Marlborough's am 11. October erfolgte Abreise nach dem Haag 
führte Villeroy auf die Vermuthung, der englische Feldherr habe 
den Schluss der Campagne im Auge und werde die Winterquartiere 
vorbereiten lassen. Aber die Rückkunft des englischen Feldherrn bei der 
Armee (am 18.) bewirkte im feindlichen Lager Ueberraschung und 
erweckte neue Besorgnisse. Diese schwanden aber völlig, als die 
Nachricht eintraf, dass das schwere Gepäck und die Artillerie der 
Alliirten am 19. um 2 Uhr Nachmittags aufgebrochen und das Gros 
der Armee am Abende folgen werde, um eine Bewegung gegen Sant- 
vliet (ein Fort nordwestlich Antwerpen) zu vollführen, um sich des 



') Peletj V., pag. 88. 



328 

selben zu bemächtigen, Thatsächlich marschirten die Verbündeten 

imnlu i -i lidi ev^en Riecht i südwestlich von Hoogstraeten), welches sie 
.•im 21. erreichten. Am 23. erfolgte die Bewegung nach Pulle. 

Noyelles, welcher mit einem üetachement zur Belagerung von 
Santvliet bestimmt war, erreichte gleichzeitig Beerendrecht, und \oll- 
führte von da aus die Einschliessung. 

In Folge Marlborough's Bewegungen Hess Villeroy seinen 
linken Flügel und den grössten Theil der Infanterie die Linie von 
Antwerpen besetzen, während fast die gesammte Cavallerie den rechten 
Flügel bildete, um dieser Waffe in dein ergiebigeren Landstriche die 
Subsistenz zu erleichtern. Sein Plan ging dahin, in der Zeit, während 
welcher die Alliirten mit dem Angriff' auf Santvliet beschäftigt waren, 
Diest in seine Gewalt zu bekommen, was eher geschehen sollte, als 
Santvliet zu Fall gebracht werden konnte. Zu diesem Behufe brachen 
18 Bataillone und 35 Escadronen mit 17 Geschützen (darunter drei 
24-Pfünder) in der Nacht vom 24. auf den 25. auf und standen am 
25. Früh vor dem Platze, dessen Garnison nach sechsstündiger Gegen- 
wehr capituliren musste '). 

Viller oy's Absicht warnunerreicht, denn Noyelles eröffnete 
die Trancheen gegen Santvliet am 26. October Abends, und ge- 
langte nach zweitägigem Angriffe mit 42 Geschützen und 22 Mörsern 
erst am 29. Getober in den Besitz dieses Forts. 

Begreiflich ist es, dass der englische Feldherr bei einem solchen 
Gange der Operationen endlieh doch Geduld und Muth verlor, die er 
im Verlaufe des Feldzuges ungeachtet einer Kette von deprimirenden 
Widerwärtigkeiten zu bewahren gewusst hatte. Keinesfalls wollte er 
aber Zeuge des kläglichen Endes der Campagne sein. Darum übergab 
er den Oberbefehl über die Armee an Auverquerque und traf 
am 26. October seine Reise nach Wien an. 

Hatte die verbündete Armee unter einem erleuchteten Feldherrn 
nichts zu leisten vermocht, so war es wohl nicht schwer, vorherzusehen, 
dass der holländische General keine anderen Manöver mehr vornehmen 
werde, als jene, die auf den Rückzug abzielten. Am 4. November 
begann die rückgängige Bewegung in der Richtung gegen Breda 
nach Hoogstraeten und die englischen Truppen waren bestimmt, nach 
Breda, Herzogenbusch (Bois le Duc) und andere Garnisonsorte zu 
marschiren, während die holländischen und die Reichstruppen sien 
gegen die Maas und den Rhein in Bewegung setzen sollten. Die 
Theilung erfolgte vom 10. November ab, an welchem Tage der 



iag. 103 



329 

Marsch von Turnhout gegen Peer (nördlich von Hasself) erfolgte. 
Diesbezüglich lautete der vom Haag nach Wien erstattete Bericht: 
„Die Armee in Brabanl geht auseinander und Alles geschieht 
in der Stille, zumalen dem Vernehmen nach die feindliche Armee 
ein Gleiches thut ')." Ueber die Dispositionen für die Winterquar- 
tiere jedoch enthalt ein Sehreiben des Grafen Goess vom 17. No- 
vember folgende Aufschlüsse: „Nach vielen Disputen zwischen den 
Provinzen wurde das Commando an der Grenze dergestalt regulirt, 
dass G. d. I. Salis in Lüttich überwintern und er die Directum an 
der Maas bis auf Venloo inclusive haben sollte. Baron De Hei des 
bleibt an der Mosel und Comte Xu volles in Brabant; d'Au- 
v e r q u e r q u e. S c h I a n g e n b u r g und Till y wurden in den 
Haag berufen, um den Generalstaaten bei ihren Berathungen zu 
assistiren 2 )." 

Auf die Durchführung der Operationen in den Niederlanden aber 
wirft der Bericht des Residenten lleems (am Berliner Hofe) an den 
Kaiser ein Sehlaglicht, welches wohl jeden Zweifel über die von den 

Generalstaaten im Jahre 1705 befolgte Politik beseitigt: ,. ich 

vernehme, dass die Generalstaaten der vereinigten Niederlande sich der 
Resolution des Due de Marlborough, um mit der Armee die Dyle 
bei Löwen zu passiren, sehr stark opponiren und die Belagerung vmi 
Antwerpen widerrathen, vermuthlich aus Beisorge, dass durch Eroberung 
dieser ansehnlichen Handelsstadt die Krone England dorten einen 
festen Fuss setzen und das Comercii zum Praejudiz der Provinz Hol- 
land zu restauriren trachten möchte" s ). 



Operationen am Rhein. 

Sowohl die Alliirten, als auch Frankreich, hatten guten Grund, 
am Rhein den Krieg blos hinhaltend zu führen. 

Das Kriegstheater im Stromthale des Rhein und die daselbst 
von beiden Theilen errichteten Linien eigneten sieh dazu, einen 
Positionskrieg zu führen. Marschall Marsin hatte, wie erwähnt, die 
Moder entlang ihres Laufes durch Erdwerke und befestigte Stütz 
punete für die Defensive vorbereitet, und es bildeten der Rhein am 
rechten Flügel mit Fort Louis, sowie das Gebirge am linken Flügel 

') Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Hollandica; November 

2 ) Hans-, Hof- und Staats-Archiv, Hollandica; November. 

3 ) Haus-, Hof- und Staats- Archiv ; August. 



330 

geeignete Stützen für die im Stromthale verwendeten Streitkräfte, 
während das Mark befestigte und mit Vorräthen aller An versehene 
Strassburg ein vortreffliches Repli für die Armee war, anter dessen 
Schutz im Falle einer Niederlage Verstärkungen aus Frankreich oder 
von Villars' Armee abgewartet werden konnten. Ueberdies bol 
das befestigte Kehl und Fort Louis dun Vortheil, je nach Bedarf auf 

das linke Stromufer gelangen und die Reichs-Armee in Flank ler 

Rücken bedrohen zu können. 

Für die vom General-Lieutenant Markgrafen Ludwig von 
Baden befehligte Reichs- Armee bot die Lauter mit den befestigten 
Puncten Weissenburg und Lauterburg eine Gegenstellung, welcher 
Landau als Repli diente. Die linke Flanke fand unmittelbar in dem 
Rhein-Strome und mittelbar durch die am rechten Ufer gelegene 
Festung Rastatt ihre Stütze, und der Umgehung war durch die 
zwischen Bühl und Stollhofen errichtete Linie vorgebeugt, um bei 
allenfallsigem Uferwechsel von Seite des Feindes keinen Echee zu 
erleiden. 

Beide Gegner hatten somit durch die Terrain-Verhältnisse und 
denselben angepassten Befestigungen ein gewisses Mass von Vor- 
teilen, die einander so ziemlich die Waage hielten. 

In seiner ersten Linie verfügte Mar sin zu Beginn der Campagne, 
Anfangs Mai, über 25 Bataillone und 6 Escadronen, in der zweiten, 
und zwar meist in Cantonnements, 29 Escadronen, was ein Totale von 
25 Bataillonen und 35 Escadronen ergibt. Für die Garnisonen im Elsasfl 
hatte man 22 Bataillone bestimmt, doch war für Pfalzburg, Strassburg 
und Alt-Breisach ein Theil der dahin bestimmten Truppen nicht ein- 
getroffen '). 

Die Reiehs-Armee sollte noch vor Ankunft des General-Lieu- 
tenants durch Feldmarsehall Baron Thüngen bei Lauterburs ver- 
sammelt werden. Am (i. Mai waren, wie erwähnt, die fränkischen und 
schwäbischen Kreistruppen dort eingetroffen, und die Württembergei 
standen schon in der Nähe. Da zu jener Zeit die „zu einer Operation 
erforderliehe Artillerie-Munition und andere Requisiten noch nicht bei 
der Hand" waren, wurde „mittlerweile die vom Feinde ruinirte Linie 
zwischen Lauterburg und Weissenburg wieder" in Stand gesetzt *). 
Obschon am 20. Mai der Artilleriepark noch immer nicht eingetroffen 
war, hatten sich bei Lauterburg doch schon so viele Truppen ange- 
sammelt, dass Raum zur Lagerung mangelte. Darum ward beschlossen, 

', IVM, Arch. .1. ,1.'].. de la guerre; vol. 1*11. Nr. 106. 

*) Gräflich Czernin'sches Archiv. (Privat-Schreiben des Feldmarschalls Baron 
Thüugen.) 



331 

die Lauter hinaufzurücken und bei Weissenburg „auf der sogenannter 
Haardt" zu lagern. Von einer Concentrirung im eigentlichen Sinne 
des Wortes konnte aber nicht die Rede sein, da eben die kaiserlichen 
Immediat- und <'in Theil der Reichstruppen zur Verstärkung Marl- 
b ör o u g h's unter Ludwig von Baden an die Mosel mar- 
schiren sollten. 

Hatte der Markgraf dem Plane, an der Mosel den Hauptschlag 
zu führen, nicht beigepflichtet, so ist es, wenngleich nicht zu ent 
schuldigen, doch erklärlich, dass am Rhein nicht vorweg jene Energie 
entwickelt wurde die schon vor Eröffnung der Campagne auf dem 
Nebenkriegsschauplatze wesentliche Vortheile über den Feind hätte 
erringen lassen. Die kaiserlichen Generale, darunter vornehmlich 
Feldmarschall Thtingen, waren es, welche in den ersten Monaten des 
Jahres wiederholt dringend aufmerksam machten, die Vortheile der 
momentanen Situation auszunützen. Die Franzosen hatten nämlich zu 
jener Zeit ihre Linien und Stützpuncte mit wenigen und unzuver- 
lässigen Truppen (vorwiegend Soldaten im Knabenalter) besetzt. Leicht 
konnte da Terrain gewonnen werden. 

Unbeachtet verhallten diese Mahnrute ; Niemand wollte den Ent- 
schlüssen des Markgrafen von Baden vorgreifen, und dieser war mit 
der Verfassung von Memoires über den Feldzugsplan so beschäftigt, 
dass er den Dingen im Elsass keine Aufmerksamkeit schenkte. Als 
er dies endlich that, war der günstige Moment langst versäumt, wie 
dies aus dem Sehreiben, ddo. 19. März 1705, an den Kaiser hervor- 
geht: . . . „und weil Hagenau dem Berichte nach schon im ziem- 
lichen Stand und die Linien daselbst meistens perfectionirt, als hört 
man von selbigen Orten derzeit nicht viel Neues; sintemalen sie 
(die Franzosen) aber sowohl zu Hagenau und Strassburg, als mehr 
anderer Orten grossen Vorrath von Heu und anderen Requisiten 
zusammengeführt, auch bekannt, dass der Feind oft urplötzlich von 
anderwärts her in der Stille Succurs anmarschiren lasset, so traue 
selbigem doch nicht allerdings, absonderlich weilen Landau, für 
welches zu repariren keine Mittel ein^eixantoen und seither seine 
Eroberung negligirt worden, nicht im Stande, sich lange Zeit zu 
wehren ')". 

Der Monat Mai verrann völlig thatenlos, denn, wie erwähnt, hatte 
Marsin seine ursprüngliche Absicht auf Landau wegen der momen- 
tanen Schwächung nicht ausführen können. In gleichem Masse machte 
die Detaehirung von Seite der Reichs-Armee an die Mosel die von 



') Eöder, Kriegs- und Staatsschriften, II. Band, ]>ag. 102. 



•AM 

Thüngen geplante Aufstellung bei Weissenburg oichl räthlich, im 
Gegentheile musste Lauterburg unter allen Umständen festgehalten 
werden. Diesbezüglich berichtete derselbe am 1. Juni: ...„mich hal 
er (der Markgraf von Baden) mit den fränkischen Kreistruppen und den 
schwäbischen diesseits des Rheins (am linken Ufer) in einem ziemlich 
vorteilhaften Lager stehen lassen, um nicht allein die diesseitigen, aber 
noch nicht ausgearbeiteten Linien und das Land sammt den Brücken 
bei Lauterburg nach Möglichkeit zu bedecken, sondern auch haupt- 
sächlich auf den Fall, als der Feind eine Diversion machen, den Rhein 
bei Kehl passiren und die Bühler Linie angreifen wollte, selbe auf 
alle Weise zu vertheidigen. Da aber der Feind wegen abgeschickten 
Succurses an die Mosel ebenso schwach, dürfte er schwerlich, 
bevor er wieder verstärkt, weder dies- noch jenseits etwas tentiren 
können ')". 

Es lag wohl in der Natur der Verhältnisse, dass sowohl Marsin 
als Thüngen sich sorgfältig hüteten, während der Zeit, als zwischen 
Marlborough und Villars die grosse Entscheidung fallen sollte, 
irgend einen Zusammenstoss herbeizuführen. 

Nach dem Abrücken der Engländer an die Maas aber trat am 
Rhein eine Wendung der Dinge ein. Villars war nämlich durchaus 
nicht gewillt, die Zeit nutzlos an der Mosel verstreichen zu lassen. Im 
Gegentheile hielt er es für Pflicht, dem Markgrafen im Elsass zuvor- 
zukommen, sich der Lauter -Linie zu bemächtigen, die Belagerung 
von Landau vorzunehmen und durch Eroberung dieser Festung einen 
wesentlichen Stützpuuet für die ferneren Operationen gegen das 
Reichsgebiet zu sichern. 

Die Entblössuug Triers und die Abwesenheit des kaiserlichen 
General-Lieutenants von der Reichs-Armee beschleunigten die Aus- 
führung des Entschlusses. Nur wenige Truppen sollten an der Mosel 
zurückbleiben, während der Haupttheil der Mosel-Armee die Truppen 
Marsin's zu verstärken bestimmt war, über welche Vi 1 la rs den 
Oberbefehl übernahm. 

Am 29. Juni erfolgte der Aufbruch von Saargemünd, und Dach 
anstrengenden Märscheu war am 1. Juli Mühlhausen erreicht, wo 
zwischen Ingweiller und Pfaffenhofen westlich Ifagenau ein Lage? 
wurde. 
Villars und Marsin einigten sich in einem Kriegsrathe, dass, 
um die Belagerung von Landau vornehmen zu können, welche Mar sin 
leiten sollte, vorerst die Reichs-Armee von der Lauter zurückgeworfen 

' Gräflich Czernin'sches Archiv. (Privat-Schreiben Thüigen's.) 



333 

werden müsse. Die von Villars von drr Mosel herangezogenen 
Truppen rückten am 3. .Inli gegen Wörth, um sieh mit Marsin's 
ursprünglich im Elsass vorhanden gewesener Macht zu vereinigen. 
Hiernach verfugte der französische Feldherr über 59 Bataillone und 
9 1 Escadronen '). 

Thüngen hatte vom Markgrafen von Baden wohl den Befehl 
erhalten, mit seineu Truppen nach Weissenburg zu marschiren und dort 
das Lager zu bezieben. Da aber wiederhol! Kundschaftsberichte ein- 
liefen, dass Marsin ansehnlich verstärkt, ja selbst Villars mit 
30.000 Mann zu ihm gestosson sei, in der Absicht: die Linie bei 
Biibl anzugreifen und die Schiffbrücke über den Rhein zu zerstören, 
um die jenseits befindlichen Truppen abzuschneiden, so glaubte der 
Interims-Befehlshaber der Reiehs-Arrnee, wieder in das alte Lager zu 
Lauterburg rücken zu müssen. 

Die Linie, bei Weissenburg, welche in schlechtem Zustande war. 
liess er durch 4 Cavallerie-Regimenter '-), ein Infanterie-Detachemenl 
und durch die Csäkischen und Lehoczkischeu Huszaren besetzt, 
welche Truppen- Abtheilung kurz nach dem Abmärsche des Gros, d. h. 
am nächstfolgenden Tage sich eilends zurückziehen musste, nachdem 
die auf 40.000 Mann geschätzte feindliche Macht gegen Weissen- 
burg vordrang. Diesen Moment benützte ein Theil der Huszaren 
zur Desertion und brachte das Dragoner-Regiment Darmstadt derart 
in Verwirrung, dass selbes sich vollends zerstreute und trupp- 
weise erst nach Verlauf mehrerer Tage bei der Armee sich wieder 
einfand. 

In der Nacht zum 5. näherte sich das Gros der französischen 
Armee Thüngen's Aufstellung und errichtete eine Linie, von der aus 
am 6. gegen das Lager der Reichs-Armee das (iesehützt'eiier eröffnet 
wurde. Ein förmlicher Angriff stand aber zunächst kaum zu besorgen, 
da die Position bei Lauterburg gut verschanzt und durch Anlage von 
Verhauen in den an beiden Flügeln gelegenen Wäldern wesentlich 
verstärkt war '). Bis zum Anlangen der preussischen und württem 
bergischen Truppen, die in wenigen Tagen eintreffen sollten, hatte die 
Reichs-Armee folgende : 



') Pulet: V., pag. 467, 469, 471. 

'') Pelet gibt in den Memoiren, pag. 472, die Zahl der zurückgela 
Cavallurie-ReginiL'iiter mit 5 an und sagt pag. 471: die Linie „etait en tres- 
hon etat-. 

3 ) Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. VII. 7. 



334 



Ord 



de Bataill 



Feldmarschall : Baron T h ü n ^ e n. 

FZM. Börner, Artillerie ('Inf; GL d. C. Fürst Zollern, Commandant 

der Reiterei im I. Treffen; FZM. Baron Erffa, Commandanl der 

Infanterie im I. Treffen; FML. Fürst Oettingen; FML. v. Ley; 

FML. T hü r he im; FML. Prinz von Bayreuth. 





I. Treffen. 






Linker Flügel. 


Mitte. 




Rechter Flügel. 


GWM. Comte de 


GWM. Schratt« 


n- 


GWM. Fugger. 


Mercy. 


back 






Bayreuth ... 5 Esc. 


Schrattenbach . 2 Bat. 


Castell-Dragoner 6 Esc. 


Mercy .... 6 „ 


Toste .... 2 


,. 


Bibra . . . .5 „ 


Bibra-Dragoner 5 „ 


Eltz .... 1 


„ 


Zollern ... 6 „ 


Fechenbach . . 5 „ 


Stein .... 3 


„ 


Lobkowitz . . 6 „ 


21 Esc. 


Bibra .... 2 
GWM. Erlach 


" 


23Es^ 




Baden. ... 2 


„ 






Schönberg . . 2 


„ 






Ley .... 2 


„ 






Erffa .... 3 


„ 






Boyneburg . . 3 


„ 






22 


Bat. 





IL Treffe 



G. d. C. La Ton: 



Commandant der Reiterei ; FZM. Prinz Diu 

Commandant der Infanterie. 



FML. Bibra. 

( reneral-Major Bib ra. 

Leib-Regiment 

Darmatadt . 2 Esc. 

Erbprinz 
Württemberg 4 ,, 

Erbprinz 

Darmstadt . 2 „ 

Lüneburg- 
Dragoner . ■ 2 „ 
10 Esc. 



FML. H« 

Sternfels . 
Hermens . . 
Wolfenbüttel 
FML. Reis 
Roth . . . 
Enzberg . 
Koiseh.ieli 
Durlach . . 



1 » 

• 2 » 

■_2 „_ 

12 Bat. 



FML. Bibra. 
GWM. Fechenbach. 
< »ettingen . . 4 Esc. 
Fugger . . . 4 „ 
GardeWürttemb. 2 .. 
Württemberg- 
Dragoner . . 2 „ 
12 Esc. 



335 



Re! 



( (brist Her mens. 
Kaiserliche Grenadiere ... 1 L!at. 
Fränkische „ . . . 1 „ 

Schwäbische „ . . . 1 

Württemberg- „ . . . 1 ,, 

4 Grenadier-Bat. '). 
Zusammen 38 Bataillone und 66 Escadronen. 

Während des Verlaufes mehrerer Tage hatten die Franzosen 
nichts Wesentliches unternommen und Mos (ieschütze gegen die 
Stellung der Reichs-Armee in Thätigkeit gesetzt. Obschon von der- 
selben in gleicher Weise geantwortet wurde, kam es dennoch beider- 
seits zu keinem nennen s wer then Verluste. Ein einziger Versuch der 
Franzosen, mit einer Brigade Grenadiere eine Schanze zu stürmen, 
wurde durch heftiges Geschütz- und Gewehrfeuer zurückgewiesen, 
wobei der Feind gegen 100 Mann an Todten und Verwundeten ein- 
büsste 2 ). 

Als Feldmarschall Thüngen am 10. Juli durch die württem- 
bergisehen Truppen bereits verstärkt war und gleichzeitig Nachricht 
von dem baldigen Eintreffen der Brandenburger erhalten hatte, hegte 
er keine Besorgnisse mehr, von der Lauter zurückgeworfen zu werden. 
Uebrigcns wiesen auch alle Kundschaftsberichte darauf hin, dass der 
Feind nach und nach die Truppen aus dem Lager gegenüber von 
Lauterburg abrücken lasse, in der Absicht, nach Hagenau zu mar- 
schiren. 

Ein Theil der französischen Macht stand aber noch am 13. Juli 
bei Weissenburg und hatte dort über die Lauter drei Brücken errichtet. 
Da aber diese Truppen in Bezug auf militärische Action völlig unthätig 
blieben, dagegen sich beeilten, die Feldfrüchte in der Umgebung ein- 
zuheimsen, so trachtete Thüngen, dem durch die Huszaren und 
durch den „von den Castellisehen (Dragoner-Regiment) wohlbekannten 
Obristwachtmeister von Zeidlitz'' einen Damm zu setzen 3 ). Leider 
musste er besorgen, der Feind werde Gleiches auf dem rechten Strom- 
ufer versuchen, denn es liefen Berichte ein, dass die Franzosen im 
Begriffe standen, den Rhein zu passiren *). 



') Kriegs- Archiv, Komisches Reich, 1705; Fase. VII. 9. 

*) Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. VII. 14. 

3 ) Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. VII. 17. 

4 ) Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705: Fase. VII. 21. 



336 

Dil e Annahme war vollkommen richtig. Villars, nachdem er 
bei der Recognoscirung der Verschanzungen von Lauterburg dieselben 
nicht nur gut angelegt und in haltbarem Zustande, Bondern auch die 
Geschütz-Emplacements auf dominirenden Böhen so vortrefflich gewählt 
gefunden hatte, dass schon die blosse Annäherung an die Stellung 
mit den grössten Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt hätte, kam zur 
Ueberzeugung, dass sein geplanter Antritt' unmöglich gelingen könne. 
Darum wollte er sich vorläufig damit begnügen, den Gegner aller 
natürlichen Hülfsquellen, die in seinem Bereiche zu linden waren, zu 
berauben: „Je reponds ä Vot.ro Majeste de faire vivre Son armöe 
toujoui's Btir le pays des ennemis" '). 



Angriff der Franzosen auf Homburg. 

Während des völligen Stillstandes der Operationen am Rhein 
fanden zwei Ereignisse statt, von denen das eine nachhaltiger wirken 
sollte, als man auf Seite der Reichs-Armee im ersten Augenblicke 
vermuthete. 

Von untergeordneter Bedeutung war wohl der Verlust derSchlösser 
Hatten, Ködern (bei dem gleichnamigen Dorfe in Nieder - Elsass, 
Weissenburger Kreis) und Selz; in ersterem befehligte Hauptmann 
Lewald vom Regimente Thüngen, in Rödern Hauptmann Riese 
von Boyneburg, und in Selz Hauptmann Bodek von Durlach. 1 >ie 
Besatzungen mussten sieh ungeachtet geleisteter heftiger Gegenwehr 
ergeben und wurden als Gefangene nach Strassburg geführt 2 ). 

Der Verlust dieser Stützpuncte vor der Lauter-Linie, eine Folge 
der Massenvorrückung der Franzosen, hatte keine besondere Bedeu- 
tung, da bei einer Vorrückung der Reichs-Armee dieselben ohne 
speciellen Kampf vom Feinde geräumt werden mussten. 

Ungleich wichtiger war die Absicht der Franzosen auf Homburg. 
Den von Lauterburg entsendeten Streifparteien gelang es, zwei feind- 
liche Couriere aufzuheben, wodurch in Thüngcn's Hände Brief! 
gelangten, von denen einer vom Marechal de camp Conflans, welcher 
an der Saar stand, an Villars, und zwei andere, die von diesem an 
Conflans und General-Lieutenant Refuges gerichtet waren. Den 
beiden Letzteren hatte Villars anbefohlen, blos 6 Bataillone und 
ebenso viele Escadronen an der Mosel stehen zu lassen, nachdem 

1 i Pelet; V, pag. 477. 

'-) Kriegs-Archiv, Römisches Keich, 1705; Fase. VII. 17 



337 

Trarbach von der Reichs -Armee blos mit 600 Mann besetzt sei, die 
übrigen Truppen zu sammeln und nach bewirkter Expedition (diese 
war in den Schreiben nicht näher bezeichnet), die nicht mehr als zwei 
Tage in Anspruch nehmen sollte, mit der gesammten Truppenzahl 
ins Elsass zu Villars' Armee zu marschiren. 

Ungeachtet jeder Anhaltspunct mangelte, vermuthete Feldmar- 
schall T h ü n g e n dennoch, dass die geplante Expedition Homburg gelte, 
und darum Hess er „selbigem Commandanten advertiren" und erinnerte 
ihn, „auf guter Hut zu stehen". 

Im Lager von Lauterburg war selbst bis zum 26. Juli keine 
Nachricht über die Bewegung der an der Mosel befindlichen Fran- 
zosen eingetroffen. Gerüchten nach sollten sie sich bis auf 2 Stunden 
Homburg genähert haben. Thüngen, welcher zu jener Zeit sichere 
Kunde „von dem glücklichen Treffen, so der Duc de Mar lborough 
(die Erstürmung der französischen Linien bei Eylissem an der kleinen 
Nethe) gegen die Franzosen (Villeroy) und den Bayernfürsten (Max 
Emanuel)' 1 erhalten hatte, hoffte, Villars werde nunmehr genöthigt 
sein, seine gegen Homburg beorderten Truppen nach den Niederlanden 
als Succurs abmarschiren zu lassen '). Diese irrige Schlussfolgerung fand 
bald ihre Berichtigung, denn schon vor dem 26. war in Landau aus 
der Richtung von Homburg andauernder Kanonendonner vernehmbar, 
wonach an dem Angriffe nicht mehr gezweifelt werden konnte. 

Ungeachtet dessen hegte aber Thüngen keine Besorgnisse, weil 
er von FZM. Friesen die Meldung 2 ) erhalten hatte, auf des Mark- 
grafen Befehl seien sämmtliche Churpfälzer und die westphälische 
Reiterei unter Commando des Grafen Nassau- Weil bürg bei Mainz 
stehen geblieben, um nöthigenfalls dem Platze zu Hülfe zu kommen. 

Marechal de camp Conflans, mit 10 Bataillonen und 14 Esca- 
dronen von der Mosel in das Elsass berufen, war am 14. Juli aufge- 
brochen und hatte sich am 18. mit 5 Bataillonen und 8 Escadronen 
vereinigt, die zu Trier zurückgeblieben waren, um dort die von den 
Alliirten errichteten Befestigungen zu zerstören. Diese gesammelte 
Macht rückte am 22. mit 8 Geschützen und 2 kleinen Mörsern vor 
Homburg und schloss selbes noch am nämlichen Tage völlig ein. Schon 
in der darauf folgenden Nacht bemächtigten sich drei Grenadier-Com- 
pagnien der Vorstadt, welche blos von Huszaren besetzt war, die sich 
bei Annäherung der feindlichen Fusstruppen zurückziehen mussten. 

In der Nacht vom 24. auf den 25. wurden die Trancheen gegen 
das Schloss eröffnet, und schon am 26. bot der Commandant des 



') Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. VII. 37. 
-I Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. VII. 3ß. 
Feldzilge des Prinzen Eugpu v Savoyen. VII Band. 



338 

die Capitulation an 1 ); die aus Tito Mann gebildete Garnison wurde 
am 27. als kriegsgefangen nach Mannheim abgeführt, und es fielen 
sechs Geschütze mit der dazu gehörenden Munition den Franzosen 
in die Hände. 

Einer vom Grafen von Nassau-Weilburg allenfalls 
versuchten Diversion hatte Marschall Villars dadurch vorzu- 
beugen gesucht, dass er Lieutenant-general Comte de Bourg mit 
10 Bataillonen und 12 Escadronen über Weissenburg vorrücken Hess. 
Diese Vorsicht war aber unnöthig, weil der Platz früher zu Fall 
gebracht war, ehe sich Graf Nassau zu einem Entsatzversuche 
aufgerafft hatte. 

Homburgs Verlust war für die Operationen der Verbündeten 
um so empfindlicher, als der Besitz dieses durch die Terrain- Verhält- 
nisse starken Punctes Villars in die Lage setzte, seine Gegner zu 
hindern, im Herzogthume Zweibrücken und Umgebung Quartiere zu 
beziehen. Er konnte seine Besatzung von der »Saar aus leicht unter- 
stützen und die Belagerung von Trarbach, die längst in seinem Plane 
lag, ohne Sorge vor einer Störung um so eher vornehmen. Ausserdem 
war auch der vorteilhafteste Replipunct für die Huszaren verloren, 
von dem aus diese bislang ihre Streifungen auf das von den Fran- 
zosen beherrschte Gebiet vornehmen konnten. 

In Villars' Absicht lag es wohl, nach der Eroberung von Hom- 
burg die Belagerung von Landau vorzunehmen; nachdem aber die 
Reichs-Armee in dem gut verschanzten Lager von Lauterburg stand, 
hielt er dieses Unternehmen für äusserst schwierig -). Der französische 
Feldherr forderte fernere Unterstützungen, denn er schrieb schon am 
17. Juli an Kriegsminister Chamillar t : „Wenn Sie mich ein wenig 
ungehalten darüber gefunden haben, dass so viele Truppen nach 
Flandern marschirt sind, so lag die Ursache in der Besorgniss, dass 
Villerov zu viel haben werde, um sich in den Linien zu halten, 
und wir zu wenig, um von jetzt an an die Belagerung von La miau 

zu denken" Um eine Brücke über den Rhein schlagen zu 

können, Sie werden mich wohl verstehen, müsste man früher den 
Posten von Stollhofen forciren ; denn ohne diesen können wir im An- 
gesichte des Feindes keinen Uebergangs versuch machen. 1 ' 

Im weiteren Contexte des bezügbehen Schreibens setzt der 
französische Feldherr die Schwierigkeiten auseinander, die sich 
sowohl der Belagerung jener festen Plätze (Landau, Philippsburg, 
Freiburg etc.) entgegenstellen würden, die den Eingang in das 

') Pelet; V., pag. 439. 

2 ) Pelet; 1705, V., pag. tSC. 



339 

Reiehsgebief äperrten, als auch überhaupt eine offensive Operation 
nicht hoffen Hessen. 

Unter solchen Umstanden musste Villars um so höheres 
Gewicht auf die Erhaltung von Homburg legen. Er bestimmte vor- 
läufig 450 Mann und 1 Compagnie Dragoner als Besatzung, liess die 
Befestigungen erweitern und verstärken und nahm auch neue Arbeiten 
Bei dem Fort St. Martin zu Trier in Aussieht, um die Verbündeten 
an der Wiedereroberung der Stadt zu hindern. 



Rückzug der Franzosen hinter die Moder. 

Mars ins Truppen waren am 4. August aus dem Lager bei 
Selz aufgebrochen, um sich hinter die Moder zurückzuziehen. 

Zu gleicher Zeit traf bei der Reichs-Armee die Nachricht ein, 
„von den feindliehen Streitkräften seien 12.000 zu Pferd und 2000 
zu Fuss bei Kehl über den Rhein gegangen" und der rechte Flügel 
dieses Corps lehne sich an die Schutter, der linke an Kehl und das 
Hauptquartier befinde sich in Sundheim 1 ). Feldmarschall Thüngen mass 
dem weiteren Kundschaftsberichte . M a r s i n beabsichtige nach den 
Niederlanden und nach Italien eine Detachirung, keinerlei Bedeutung 
bei, weil er den ganz richtigen Schluss zog: dass der Gegner in solchem 
Falle den llhein gewiss nicht überschritten hätte, um so mehr als 
dadurch das Elsass völlig preisgegeben worden wäre. 

Thatsächlich erfolgten die angeführten Bewegungen der Fran- 
zosen nur in Folge der auf diesem Kriegstheater momentan obwalten- 
den Verhältnisse; denn der Feind hatte die völlige Einschliessung 
von Fort Louis zu hindern, gleichzeitig die Linie an der Moder zu 
decken, endlich Subsistenzmittel auf Kosten der Reichs-Armee auf 
dem rechten Rhein-Ufer zu beschaffen. Lediglich zu letzterem Behufe 
liess Villars seine gesammte Reiterei am 5. den Strom passiren. 
Seine Infanterie aber blieb bei Weiersheim im Lager, und es waren 
blos 2 Bataillone und 2 Dragoner-Regimenter nach Stattmatt beordert 
worden. Als Bedrohung der Linie von Bühl und Stollhofen ward 
die Errichtung einer Brücke bei Gambsheim nächst Offendorf 
angeordnet 2 ). 

Letztere Absicht hatte Feldmarschall Thüngen sogleich erkannt. 

denn er berichtet an den Prinzen Eugen: hat der Feind 

eine Brücke bis auf ein einziges Schiff bei Freistett (am rechten 



' Eriegs-Archiv, Römisches Reich, 
- l'.l.t: V., pag. 497 und 498. 



340 

Rhein-Ufer) geschlagen, wodurch die Franzosen in zwei Stunden 
wiederum diesseits hinter ihrer Linie sein können; vermuthlich uns 
eine Diversion zu machen, damit wir gegen ihre Linie, wie es doch 
beschlossen, nichts vornehmen möchten" '). 

Der nächste Plan bestand darin, blos 12 Bataillone und einige 
Escadronen an der Linie stehen zu lassen, mit der Reichs Armee 
alier am 12. August in das vor Lauterburg neu ausgesteckte Lager 
einzurücken und die für den 13. bestimmte Ankunft des Markgrafen 
abzuwarten ; denn hei einem in den ersten Tagen des August zu 
Rastatt mit der gesammten Generalität abgehaltenen Kriegsrathi war 
beschlossen worden: „weil man bis 45.000 Combattanten zusammen- 
brächte, den Attaque, wie hart er auch sein dürfte, an seiner vortheil- 
haftigsten Situation besser zu tentiren, als so schön zusammengesetzte 
Kräfte fruchtlos anstehen zu lassen" 2 ). 

Ursprünglich hatte Marschall Villars, nachdem er gesehen, wie 
die Reichs-Armee dem Kampfe ausweiche, den Entschluss gefasst, 
gegen die Schwarzach vorzurücken, um sich der dortigen Ressourcen 
zu bemächtigen. Von Thüngen's Bewegung und von dem Umstände, 
dass selber nur schwache Kräfte an der Lauter zurückgelassen habe, 
in Kenntniss gelangt, beauftragte er Lieutenant-general Comte de 
Bourg, das Möglichste aufzubieten, um in Besitz des Lagers von Lauter- 
hurg zu gelangen, während er die Linie von Stollhofen angreifen würde. 
Diese Entschlüsse waren aber schon bei ihrer Entstehung paralysirfr, 
denn der französische Feldherr erhielt am 16. Nachricht, Thüngen 
sei in das Lager von Lauterburg mit dem Gros der Armee zurück- 
gekehrt. 

Der Markgraf von Baden hatte nach gewonnener Ueberzeugung, 
dass der Feind „mit seiner völligen Cavallerie und dem meisten Theil 
seiner Infanterie über den Rhein gegangen-, die Iteichs-Armee „in 
das neue Lager einzurücken contramandirt" , einen geringen Theil 
der Reiterei und die Churpfälzer, insgesammt unter Commando des 
Grafen Nassau- Weilburg, bei Lauterhurg stehen lassen und das 
Gros auf das rechte Rhein-Ufer in die Linie von Stollhofen beordert^ 
zweifelsohne in der Hoffnung, den Feind anzugreifen, oder, im Fall 
er sieh retiriren sollte, in die Arrieregarde einzufallen. Dieses Manöver 
erfolgte nach einem am 15. abgehaltenen Kriegsrathe, und am 16. in 
der Nacht hatte die Armee die Stollhoi'eiier Linie verlassen, um die 
Franzosen anzugreifen. Diese standen noch in ihrer früheren Position, 



') Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. VI 
! l Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. V 



341 

deren rechter Flügel durch einen Morast, der linke aber durch den 
Rhein und das Rencher Loch gedeckt war. 

Dadurch, dass Villars über die Absichten des Markgrafen l'is 
zum letzten Momente im Unklaren blieb, gewahrte er seinen Irrthum 
erst, als die Reichs Armee bereits im Vorrücken gegen Renchen 
begriffen war. Begreiflich ist es darum, dass er sieh in keinen ungleichen 
Kampf auf dem rechten Stromufer einlassen wollte und den Befehl 
zu eiligem Rückzuge auf das linke ertheilte, welcher bei Kehl ohne 
Unfall erfolgte. 

Ueber die Affaire berichtete Markgraf Ludwig am 1!>. August 
an den Kaiser: „Mein Vorhaben war gewesen, zu tentiren, ob ich dem 
Feind von der Renicher oder Strassburger Seiten zukommen die 
Möglichkeit findete, und ist dieser mein Anmarsch auf Renichen sehr 
still und auch in guter < >rdre geschehen, so dass der Feind nicht 
ehender als bis 3 Uhr Nachmittag erfahren, dass ich ihm auf seine 
Flanke marschirte, worauf er sogleich mit einem Dctachcment Infanterie 
seine Bagage über die Rhein-Brücke geschickt, mit dem Ueberrest 
seiner Armee aber den Rhein hinauf auf Kehl marschirt ')." 

Der Markgraf hatte seine Truppen in Gefechtsbereitschaft gesetzt 
und den GWM. Grafen Mercy mit 1000 Pferden zur Recognoseirung 
gegen den Feind vorgesendet, um dessen Nachhut anzugreifen. Ebenso 
erhielt Obrist Stein Befehl, mit 500 Mann zu Fuss und 300 Pferden 
über Gamshurst vorzurücken „und an den Feind sich zu hängen". 

Beide Detachirungen hatten keinen Erfolg, denn Stein kam zu 
spät, nachdem er die feindliche Rhein-Brücke abgetragen fand, und 
Mercy „hat gleichfalls nicht auf ihre Arrieregarde treffen können". 

Abermals war ein günstiger Moment nicht mit hinreichender 
Thatkraft benützt worden, dem Feinde einen Schlag beizubringen. 
Dieser Mangel an Energie steht in grellem Contraste zu jenen 
Leistungen, welche in früheren Jahren den Ruf des Markgrafen als 
Feldherr begründet hatten. Gekränkter Ehrgeiz, Alter, vielleicht auch 
Siechthum wirkten zusammen, dass er nunmehr seiner besseren 
Einsicht nicht zu folgen vermochte. Sein Stern war entschieden im 
Erbleichen, wenngleich die traurigen Zustände des romisch-deutschen 
Reiches und der von ihnen gestellten Contingente beigetragen haben 
mochten, jeden Anlauf zur That zurückzustauen. Dies geht auch aus 
einem Berichte des Markgrafen hervor: „indeme diese aus vielerlei 
Völkern componirte Armee nicht die grosse Praxis habe, dergleichen 
also vorzunehmben, wie man vor diesem mit Dero der kaiserlichen) 



342 

Armee mit grosser Facilität gethan ')". Dieser Ausspruch ist um so 
bemerkenswerther, als eben die kaiserliehen Truppen in Italien, in 
Bayern und in Ungarn auch 1705 ihren Ruf glänzend bewährten. 

Abermals zog der Markgraf seine Macht auf das linke Ufer des 
Stromes nach Lauterburg, „um vielleicht die feindliche Linie bei 
Ilagenau zu forciren '-)", und Hess blos den „General Latour mit 
etlichen Bataillons und Escadrons in der Linie von Bühl und Stoll- 
hofen zurück 3 )". 

Von dieser Rückkehr war Villars bereits am 20. August in 
Kenntniss, und darum fürchtete er, dass der Markgraf entweder den 
Angriff auf die Linie an der Moder oder die völlige Einschliessung 
von Fort Louis im Sinne habe. Noch am Abende brach er von Kehl 
auf und vereinigte seine Reiterei, welche die ganze Nacht hindurch 
marschirt war, am 21. mit der bei Weiersheim lagernden Infanterie*). 

Der Markgraf überschritt am 22. die Lauter und bezog an deren 
rechtem Ufer derart das Lager, dass der rechte Flügel an Schleithal 
angelehnt war. der linke aber in der Höhe von Lauterburg blieb, in 
welch' letzterem sich das Hauptquartier befand. 

Villars dagegen versammelte seine Armee an der Moder, mit 
dem linken Flügel und dem Hauptquartier in Buschweiler, mit dem 
rechten bei Drusenheim. Da zu jener Zeit von Seite der Reichs-Armee 
auf der Thalunterheimer Insel Truppen, Geschütze und Brücken- 
Materiale angesammelt wurden, um mehrere Uebergänge über jenen 
Rhein-Arm zu errichten, welcher die Insel von dem linken Strom- 
ufer trennte, so beorderte der französische Feldherr den Grafen de 
Bourg nach Stattmatt, um im Vereine rnitCoigny, deren gesammte 
Kräfte 20 Bataillone und 30 Escadronen betrugen 5 ), die völlige Ein- 
Schliessung von Fort Louis zu hindern. 

Keinesfalls war Villars' Lage günstig. Die beiden Flügel 
seiner Stellung, welche die meiste Aufmerksamkeit erforderten, 
lagen gegen 9 Lieus von einander entfernt. Vernachlässigte er seinen 
linken Flügel, welcher sich an das Gebirge lehnte, so lief er Gefahr; 
von diesem aus entlang der Moder aufgerollt, zu werden; entzog er 
die Kräfte dem rechten Flügel, so gab er die Verbindung mit der 
Hauptstütze desselben, mit Fort Louis, Preis. Durch die Lage dieses 



') Schreiben des Markgrafen an den Kaiser. (Köder, Kriegs 
Schriften, II. Band, pag. 160.) 

'-) Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Pasc. VIII. 15. 
') Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. VIII. 22. 
'i Pelet; V ., pag. 503. 
•) Pelet; V„ pag. 503. 



343 

Punctes verlängerte sich die Defensivfront noch tun ein Bedeutendes 
entlang des Rheins, denn die Strecke betrug gegen 3 Lieus. Darum 
war der französische Feldherr nicht wenig beunruhigt, als der Hof 
eine Verstärkung des Marschalls Villeroy in Flandern begehrte'). 
Diesem Ansinnen konnte keine Folge geleistet werden und man kam 
davon ab, als Villars' Lage bekannt geworden war. 

Von der beabsichtigten Bewegung der Reichs-Armee liefen schon 
am 25. Kundschaftsberichte ein, dass der Marsch nach Sulz mit 
50.000 Mann und 80, ja selbst 100 Geschützen erfolgen werde. Hier- 
nach zweifelte Villars nicht im mindesten ander offensiven Absicht 
des Markgrafen. Bei der Ausdehnung der Defensivfront musste er 
um so mehr trachten, rasch mit dem Gros jene Centralstellung 
zu gewinnen, von der er die beiden Hauptstützpuncte der Front 
„Hagenau und Fort Louis" am leichtesten unterstützen konnte, weil 
die Annäherungslinie von Sulz bis zu seiner Front nicht mehr als 
10 Lieus betrug. Es ward auch die Heranziehung der von General 
de Bourg befehligten Truppen von Stattmatten hinter die Moder 
beschlossen, so dass vor Fort Louis in der Ebene blos 1000 Mann 
Infanterie und 12 Escadronen unter Brigadier d'Anlezy verblieben, 
um die Zugänge zu genanntem Platze zu decken. Von einer Ueber- 
raschung der Franzosen konnte mithin keine Rede sein. 

Am 26. August endlich brach die Reichs-Armee von Lauter 
bürg auf, rückte über Sulz und Wörth gegen Pfaffenhofen, um die 
feindlichen Linien anzugreifen. Diese Bewegung erfolgte keineswegs 
rasch, denn das Angriffs- Object wurde erst am 28. erreicht'-). Schon 
während der Annäherung verliessen die Franzosen den bedrohten 
Tlieil ihrer Linien und die dahinter gelagerten Truppen zogen sich 
zurück, nachdem sie vorerst ihre Zelte abgebrochen hatten. Der Mark 
graf Hess Pfaffenhofen und den Uebergang unterhalb dieses Ortes 
von Grenadieren und Musketieren besetzen; zur Verfolgung des wei 
eilenden Feindes aber entsendete er 12 Escadronen und die Huszaren 
unter Befehl des GWM. M e r c y, welche den Franzosen bis an die bei 
Hagenau und vor der Front ihres Lagers gelegenen Waldungen nach 
drängten, 2 — 300 Mann niederhieben und 150 Gefangene, worunter 
einen Obristlieutenant und mehrere Officiere, einbrachten 3 ). 

Parteien und Deserteure hatten V i 1 1 a r s von der Bewegung der 
Reichs- Armee gegen den linken Flügel seiner Linie in Kenntniss gesetzt. 
Wegen Fort Louis in Besorgniss, wollte er die Armee nicht durch 

') Pelet; V., pag. 504. 

2 ) Kriegs-Arehiv, Römisches Reich, 1705; Fase. IX. 1. 

3 J Kriegs-Archiv, 1705; Fase. IX. 2. 



344 

eine Detachiruni;- ^v«ni •!•-■■ entferntesten Theil seiner Linie schwächen 
unil die Gegenmassregeln blieben auf die Verstärkung der Garnisonen 
von Zabern und Pfalzburg beschränkt ' i. 

Bei der Starke der französischen Position, in welcher die Armee 
mit ihrem linken Flügel an Hagenau, mit dem rechten an I lisch 
weiler gestützt war, und die den Zugang durch Morast und Wal- 
dungen auf wenige beschwerliehe Defileen beschränkte, konnte siel 
Markgraf Ludwig wieder nicht zum Angriffe entschliessen '-') und 
es trat abermals ein Stillstand ein, welchen Villars dahin auszu- 
nützen beabsichtigte, durch Herstellung der Rhein-Brücke bei Grambs- 
hehn dem Markgrafen Besorgnisse um die Linie von Bühl und Stoll- 
hofen einzuflössen. 

Nunmehr ward beschlossen, mit der Reichs-Armee auf einem Um- 
wege nach Brumath zu marschiren, dort über die Zorn eine Brücke 
zu errichten, sich am Rhein festzusetzen, endlich diesen zu ülier- 
brücken, einerseits um die jenseits befindlichen Truppen im Nothfalle 
unterstützen, andererseits auch in beliebigem Momente heranziehen 
zu können. 

Unerwartete Bewegungen im französischen Lager, welche grosse 
Staubwolken verursachten, verzögerten die Ausführung des vom Mark 
grafen gefassten Planes , indem auf eine Roquirung des feindlichen 
Gros geschlossen werden musste, um so mehr als nach Aussage der 
Deserteure, Villars im Marsche gegen Strassburg begriffen sein 
sollte 3 ). Dieser hegte, ungeachtet der Stärke seiner Stellung an der 
Moder, im Falle es nöthig geworden wäre, sich gegen Strassburg 
zurückzuziehen, mit Recht ernste Besorgnisse für Fort Louis, den 
Hauptstützpunct seines rechten Flügels, und wollte darum den Mark- 
grafen noch vor Pfaffenhofen zur Schlacht veranlassen. Die bezüglichen 
in Kampfordnung vorgenommenen Bewegungen gegen Schweighausen 
verursachten im Hauptquartier «1er Reichs -Armee die irrthümliche 
Schlussfolgerung. 

Nach frauzösischen Quellen sollte Villars dem Markgrafen 
die Schlacht förmlich angeboten haben*). Dies scheint aber nicht der 
Fall gewesen zu sein, denn in den zahlreichen bezüglichen Acten des 
k. k. Kriegs-Archives geschieht dessen mit keinem Worte Erwähnung 
und der Bericht Thüngen's an den Prinzen Eugen ddo. Mörsch- 
weiler, 2. September: „Es ist aber dieses die Ursache des grossen 



') Pelet; V., pag. 567. 

*) Kriegs-Archiv, Fase. IX. 2. 

s ) Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. IX. -2. 

') Pelet; V., pag. 510. 



345 

Staubes gewesen, dass der Feind seine Ordre de bataille geändert 

und seinen linken Flügel «anders postiret ')", weiset darauf hin, dass 
man im Lager der Reichs-Armee keine Ahnung von der Absich. des 
französischen Feldherrn hatte. 



Mangel an materiellen Mitteln übte nunmehr auf beide Armeen 
die nämliche Wirkung, und die überhaupt häufigen Pausen in der 
obnehin thatenlosen Kriegführung traten abermals ein. Die Eteiehs- 
Armee musste im Lager zu Mörschweiler (südlich von Pfaffenhofen) 
zuwarten, bis der von Lauterburg abgesendete Convoi mit Brod ange- 
langt war, an welch' letzterem bereits empfindlicher Mangel herrschte; 
Ressourcen in dem oecupirten Gebiete gab es nicht, denn die Bewohner 
hatten Haus und Hof verlassen und sich theils nach Hagenau. theils 
nach Strassburg mit Hab und Gut geflüchtet-). Marschall Villars 
hinwieder konnte sich in der drohenden Stellung, welche er an seinem 
ursprünglichen linken Flügel bezogen hatte, wegen Mangel an Wasser 
mit dem Gros nicht behaupten, weil die Sommerdürre alle Quellen 
und Bäche dort zum Versiegen gebracht. Er musste sich in sein 
früheres Lager zurückziehen 3 ). 

Auf Seite des Markgrafen lag der Grund des Zuwartens auch 
darin, dass er seine Armee für den Moment schwächer als jene des 
Feindes erachtete, denn Thüngen berichtet am 4. September an 
Prinz Eugen: . . . . „indem die feindliche Armee wirklieb stärker 
als die diesseitige ist, und in 55 Bataillonen, 12 Brigaden Cavallerie, 
jede von 6 Escadronen, und 12 Regimentern Dragoner, jedes zu drei 
Escadronen, besteht. Ob nun wohl unsere Infanterie ä peu pres von 

gleicher Stärke als die französische sein möchte, so bleibt 

doch die Superiorität auf des Feindes Seite, zumalen solcher in seinem 
eigenen Lande und nahe bei seinen Magazinen steht, während der 
diesseitigen Armee von Lauterburg her (Proviant) unter starkem Convoi 
zugeführt werden muss, daher der Herr General-Lieutenant nicht 
convenabel gefunden, weiter zu avanciren" *). 

Die einzige Unterbrechung der Pause bestand in einem Angriffs- 
versuche der Franzosen auf den Nachschub für die Reichs-Armee. 
Villars hatte nämlich in Erfahrung gebracht, dass ein grosser Brod- 
transport von Lauterburg nach Mörschweiler abgehen werde. In Folge 



') Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705: Faac. IX. 

2 ) Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase IX. 
') Pi let, 17(15; V., pag. 511. 

»I Kriegs-Arehiv, Römisches Reich, 1705; Fase. IX. 



346 

dessen detachirte er 2500 Mann Infanterie and 2500 Reiter, unter 
Du ßosel, um den Convoi zwischen Sulz und Lauterburg aufzuheben, 
nebenbei auch einen Handstreich gegen den Brückenkopf bei letzt- 
genanntem Puncte zu versuchen 1 ). Das Terrain begünstigte ein solches 
Unternehmen, denn der von Mörschweiler bis zum Inundationsgebiete 
des Rheins sieb ausbreitende Ilagenauer Wald, welcher sich nord- 
westlieh bis lindern erstreckt, Hess die völlig verdeckte Annäherung 
zu. Von Ködern aber bis Lauterburg konnten die Unebenheiten des 
Bodens benützt werden. Diese Beschaffenheit des der Moder vorliegen- 
den Terrains war es auch, welche den Markgrafen nöthigte, den Umweg 
über »Sulz und Wörth gegen Mörschweiler einzuschlagen, um dem 
Gegner hinter seiner Linie beikommen zu können. 

Du Ro sei's Streifzug missglückte völlig, denn die Fuhrwerke 
konnten sieh auf die Nachrieht von der Annäherung des Feindes ohne 
Verlust eines einzigen Wagens rechtzeitig nach Lauterburg zurück- 
ziehen und der Brückenkopf war in so gutem Stande und derart 
gedeckt, dass D u R o s e 1 keinen Angriff wagte 2 ). 

Für eine baldige Action von Seite der Reichs- Armee war inso- 
ferne Hoffnung vorhanden, als ein Courier die Nachricht von dem An- 
märsche der Preussen brachte und 4000 Sachsen sieh beträchtlich 
genähert hatten. 

Nach Eintreffen dieser Verstärkuugen wollte der General - Lieu- 
tenant die Armee gegen den Rhein in Bewegung setzen, dort die 
in der Linie von Bühl und Stollhofen stehenden 18 Bataillone und 
20 Escadronen an sich ziehen, damit die ganze Macht aus 80 Batail- 
lonen und 120 Escadronen bestünde, ausreichend, in den Besitz des 
ganzen flachen Landes im unteren Elsass zu gelangen und die lange 
geplante Belagerung von Fort Louis vornehmen zu können 3 ). Diese 
Absichten zu fördern, wurden die Orte Ingweiler, Kloster Neuberg 
und Pfaffenhofen als vorläufig gewonnene Stützpuncte möglichst stark 
befestigt 4 ). 

Die am 13. erfolgte Ankunft der Preussen in Wörth veranlasste 
den nunmehr numerisch schwächeren Feind zum Aufgeben seiner 
bisherigen Position. Villars Hess seine Truppen am 14. um 12 Uhr 
Nachts aus dem Lager bei Hagenau aufbrechen und den Marsch süd- 
ostwärts gegen Offendorf richten s ). In Folge dessen entschloss sich auch 



') Pelet; V., pag. 512. 

2 ) Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705 ; Fase. IX. 8 

: ') Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. IX. 17. 

*) Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. IX. 18. 

Ki eg \nliiv. Römisches Reich, 1705; Fase. IX. 20. 



347 

Markgraf Ludwig zum Vorrücken gegen Brumath, um mii dem Gegner 
Fühlung zu behalten und den günstigsten Augenblick zum Angriffe zu 
benützen. 

Keinesfalls unterschätzte der französische Feldherr die verstärkte 
Reichs-Armee, denn er fürchtete durch die als wahrscheinlich voraus- 
zusetzende Bewegung derselben gegen Brumath, um so leichter von 
Strassburg völlig abgeschnitten zu werden, als dem Greneral - Lieu- 
tenant nichts im Wege stand, die in der Linie von Bühl postirten 
Truppen rasch an sieh zu ziehen. Der im ersten Momente gefasste 
Plan, den Rhein zu passiren und die am rechten Ufer befindliche 
Flankenstellung der Reichs-Armee anzugreifen, ward bald aufgegeben, 
weil der französische Feldherr glaubte, sieh völlig auf die Defensive 
beschränken zu müssen']. Seine neue Aufstellung der Armee erfolgte 
derart, dass der rechte Flügel sieh an < »ffendorf leimte und dort vor 
der Front durch die Zorn gedeckt war; der linke Flügel aber war 
gegen Strasshurg gerichtet, so dass der Front seines Gros Auen und 
Moräste als Annäherungshindernisse vorlagen und der Rücken den 
Rhein als Schutz hatte. Diese Stellung, in welcher das Centrum gegen 
Mundeisheim und Weiersheim stand, Hess sieh selbst gegen den 
Angriff mit überlegenen Kräften behaupten. 

Am 20. hatte sich die Reichs-Armee dem französischen Lager 
derart genähert, dass sie selbem auf die Entfernung von zwei kleinen 
Stunden gegenüber stand. 

Ein bestimmter Entschluss war aber bei dem Eintreffen nahe am 
Feinde keineswegs gefasst, denn T h iinge n berichtet am 20. an 
Eugen: .... „Ansonst stehen wir ziemlich stark allhier dem Feinde 
gewachsen, sonderlich wenn die Truppen, so jenseits in der Linie 
stehen, zu uns kommen sollten; der Feind hingegen ist schwach, wie 
er es aus seinem Weichen bezeuget hat, bei welcher Bewandtniss 
dann, ob der Herr General-Lieutenant besser denselben anzudringen oder 
seine Conquisten allhier zu borniren gesinnt seieV mir unbewusst ist 1 '-). 

Als ein Hinderniss des Angriffes auf die französische Armee 
ward der Umstand betrachtet, dass Hagenau und Drusenheim noch 
im Besitze des Feindes waren, wenngleich deren Besatzungen im 
Verhältnisse zu der numerisch starken Reichs-Armee als verschwindend 
klein bezeichnet werden müssen. Feldmarschall Thüngen selbst be- 
ziffert die Garnison von Hagenau blos mit 2000 und jene von Drusen- 
heim gar nur mit 300 und etliche Mann. Da diese Puncto und ebenso 
Fort Louis von jeder Verbindung mit Villars' Armee abgeschnitten 

') Pelet; 17(i5, V.. pag. 519. 

-) Kriegs-Archiv, Römisches Reich 1705; Fase. IX. 2t. 



348 

waren, so würden sie nach den heutigen Begriffi-n über Kriegführung 
kaum in Betracht gezogen wurden sein. Was sieh am Rhein in dieser 
Beziehung zeigte, wiederholte sich fast gleichzeitig in grossem Mai-sstalic 
auf der Iberischen Halbinsel '). Für das fortwährende Temporisiren sind 
in den Acten Gründe angeführt, die eben zu rascher und entscheidender 
Action hätten drängen sollen; Feldmarschall Gronsfeld berichtel 
nämlich an Prinz Eugen: „So continuirt halt noch immer der 
grosse Mangel bei uns an Hafer und Rauhfutter, da man mit mehren- 
theils geschnittenem Stroh oder ganz mit diesem kümmerlich aus- 
kommen muss." Da aber der Schlusssatz dahin lautet: „Unsere Armee 
befindet sich noch in schönem Stand und munter, worüber die Conti- 
nuation gewünscht wird""), so waren eben die Eauptbedingungen vor- 
handen, durch einen kräftigen Vorstoss die Hülfsquellen im Lande 
des Feindes zu eröffnen. 



Belagerung 1 und Einnahme von Drusenheim und Hagenau. 

Den Angriff auf Drusenheim hatte der Markgraf schon während 
seines Vormarsches einleiten lassen. Mit dieser Aufgabe war 
FZM. Friesen, welchem ein aus verschiedenen Regimentern zu- 
sammengesetztes Detachement zugewiesen wurde, betraut. Der Mark- 
graf beziffert diese Truppen mit „10 Battaglions und einigen Squadronen 
Reitern" 3 ). 

Der Ort besass eine fünfseitige bastionirte Umfassung mit 
gemauerter Contreescarpe. Ein Abschlussdamm mit Schleusen an der 
Moder-Mündung bewirkte um den * >rt eine über den Kanonenertrag 
reichende Inundation. Markgraf Ludwig versicherte dem Kaiser, 
„dass dieses ein vortrefflicher Posten sei". 

Ungeachtet der geringen Besatzung fand daher Friesen 
grössere Schwierigkeiten, als er erwartet, denn das überschwemmte 
Gebiet Hess die Anlegung von Approchen absolut nicht zu. Darum ist 
es erklärlich, dass, obschon die Belagerungstruppen bereits am 18. 
vor dem Puncte eintrafen, sie erst am 20. mit dem eigentlichen 
Angriffe beginnen konnten. 

Eine Annäherung wurde nur von Seite der Rhein-Inseln aus 
möglich und daher mussten die bezüglichen Flussarme erst über- 
brückt werden. Am 20. September Nachmittags hatten 300 Mann 



'l Sirlir: Kririr i» S]>:inii-n uinl Portugal. 

-I Kriegs-Archiv, Römisches ßeich, 1705; Fase. IX. 29. 

') Schreiben des Markgrafen an den Kaiser, Weiersheii 



349 

auf der Drusenheimer Insel Posto gefasst, unter deren Schutz eine 
Schiffbrücke auf die Thalunterheimer Insel errichtet wurde, um von 
dieser aus auch Geschütze zum Angriffe in Verwendung bringen 
zu können. La der Nacht Hess der Obristwachtmeister Vi 11 ernain 
Drusenheim gegenüber Laufgräben eröffnen und den Bau einer Batterie 
in Angriff nehmen, welche Arbeiten, ungeachtet des heftigsten Klein 
gewehrfeuers von Seite der Franzosen, derart, fortschritten, dass mit 
anbrechendem Morgen „die Tranchee mit einem Zickzack gegen die 
Schleusen des Inundationsdammes über 30 Schritte vorgetrieben war". 

In der Nacht zum 22. konnten in die nunmehr vollendete 
Batterie vier Falkaunen eingeführt werden und diese eröffneten mit 
Tagesanbruch ein heftiges Feuer gegen die Schleusen. 

Währenddem passirte ein Mecklenburgischer Rittmeister mit 
100 Pferden das überschwemmte Gebiet, um den südlich von Sossen- 
heim gelegeneu Kirchhof zu besetzen, was ohne Kampf gelang, nach 
dem der Feind seine vorgeschobenen Pusten zurückzog. FZM. Friesen 
Hess in Folge dessen o'OO Dragoner, H00 Mann zu Fuss und 150 
Grenadiere, welch beide letzteren Truppengattungen auf requirirte 
Bauernpferde gesetzt wurden, unter persönlicher Führung das in Folge 
der Schleusenzerstörung im Fallen begriffene Wasser in der Richtung 
gegen Sessenheim durchwaten, um der Besatzung die Verbindung mit 
Fort Louis abzuschneiden. Den Unterstützungsversuehen von dieser 
Seite vorzubeugen, ward der badische Kreis-Obristlieutenant von Stein 
beauftragt, die bei der Thalunterheimer Insel angelegten, vom Feinde 
verlasseneu Redouten zu besetzen. Da von den Vorwerken blos die 
Redouten bei Stattmatten von den Franzosen gehalten wurden, so 
schickte sich Friesen mit einer Abtheilung zum Angriffe an, was ge- 
nügte, die Räumung zu bewirken; der bezügliche Berieht lautet: ..Sie 
(die Redouten) wurden vom Feind alsogleich verlassen, der sich auf 
Nachen nach Fort Louis retirirt hat, worauf dann dieser Posten auch 
alsogleich besetzt, mithin Drusenheim völlig abgesperrt worden ')." 

Um nun rasch an's Ziel zu gelangen, wurde der schwäbische 
Obrisl Roth mit einer Abtheilung als Verstärkung gegen Stattmatten 
und der kaiserliche Obrist Latter mann mit einer anderen un- 
mittelbar auf das Glacis von Drusenheim beordert, woselbst er sich 
„eingraben" sollte. Da auch die Batterie „continuirlich und mit gutem 
Effect-' feuerte und auch die Laufgräben in der Nacht vom 23. auf 
den 24. „bis auf 120 Schritt avancirt" waren, so entschloss sich die 
Besatzung am 24. Vormittags zur Capitulation. Dieselbe wurde am 

') Kriegs-Archiv, Römisches Reich 1705; Fase, XIII. 1. 



350 

25. als kni^urf'.-niM'ii nach Beilbronn abgeführt. Nur die Verwundeten, 
die „Chirurgien Majors und einen Proviant-Commissär" liess Friesen 
nach Strassburg transportiren. 

In dem eroberten Puncto fanden sich 400 Säcke Mehl, 4 kleine 
Stücke, 12 Centner Pulver und 400 brauchbare Feuergewehre, was 
darauf hinweist, dass Villars auf die längere Behauptung von Drusen- 
heim gerechnet hatte '). 

Nunmehr wurden die Anstalten für die Belagerung von Hagenau 
vervollständigt; der Markgraf hatte „die nöthigen Requisiten theils 
von Landau, theils von Philippsburg herbeibringen lassen 2 )". Bei dem 
am 27. unter seinem Präsidio abgehaltenen Kriegsrathe wurden alle 
nöthigen „Dispositionen gemacht und die Truppen bestimmt", welche. 
schon am 28. den Platz einschliessen sollten. Zur besseren Verbindung 
mit der Stollhofener Linie liess Markgraf Ludwig noch am 27. den 
Standort der Rhein-Brücke verändern, welche südwestlich von Stoll- 
hofen über die Thalunterheimer Insel gegen Sessenheim zu er- 
richtet wurde. 

Die Belagerung von Hagenau hatte Feldmarschall Thüngen 
zu leiten, welchem die sämmtlichen preussischen Truppen, die neu an- 
gekommenen fünf chursächsisehen und sechs württembergischen Batail- 
lone nebst 25 Escadronen zugewiesen waren. An Geschütz standen 
für den ersten Moment 14 hallte Karthaunen zu Gebote, und 10 halbe 
Karthaunen sollten später beigestellt werden 11 ). 

Schon am 28. war dieses Belagerungs-Corps im Lager bei Marion- 
thal angekommen, so dass Thüngen am 29. die Trancheen eröffnen 
lassen konnte 4 ). 

Keinesfalls hatten die Franzosen mit der Verstärkung Hagenau's 
gesäumt. Der Punct besass ursprünglich eine alte Ringmauer, welcher 
an der Südfront ein Kronenwerk, an den übrigen Lunetten vorgelegt 
worden waren. Diese Werke hatten tiefe und meist mit Wasser gefüllte 
Gräben, zweckmässig angelegte Contreescarpen , endlich Palissä^ 
dirungen. 

Günstig können die Auspicien nicht genannt werden, unter denen 
die Belagerung begann, denn es mangelten selbst die unentbehrlichsten 
Lebensbedürfnisse, namentlich für die Cavallerie, welcher die Fourage 
auf Umwegen von fünf Meilen zugeführt werden musste. Bei der 
Versäumniss richtiger Verpflegs-Dispositionen befürchtete Thüngen 



') Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. XIII. 1. 

2 ) Kriegs-Archiv, Kömisches Reich, 1705; Pasc. IX. 25. 

J ) Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. IX. 34a. 

'i Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. V. 19. 



351 

seine Truppen der grössten Notb auszusetzen, wenn der Platz nicht 
rascb zu Fall gebracht würde, und darum ordnete er den Angriff 
gleichzeitig gegen zwei Puncte an. 

Nach dem Berichte Thüngen's vom 1. October führten die 
„künigl. preussischen Truppen eine aparte Attaque rechter Hand gegen 
das sogenannte Luxemburger Thor ' r. und zwar unter Commando des 
FML. Arnheim, die Sachsen aber unter dem FML. Wackher barth 
gegen das Kronenwerk 2 ). 

Obschon beide Angriffs-Corps gleich bei ihrer Annäherung ein 
heftiges Geschütz- und Musketenfeuer gegen den Platz eröffnet hatten, 
so mussten sie doch den Schutz der Erddeckun^en suchen, da die 
Besatzung in der Weise antwortete, dass die Reichstruppen «inen 
Verlust von 70 Todten und Verwundeten erlitten. 

Durch die natürliche Deckung, welche das entlang der Moder 
hinziehende Rideau darbot, konnten in der Nacht vom 2!>. auf den 
30. auf beiden Angriffspuncten die Trancheen gegen die Contreescarpen 
des Kronwerkes und des „rothen Thores" bis auf 100 Toisen Ent- 
fernung vom Glacis vorgetrieben werden, und in Folge des wirksam 
unterhaltenen Geschützfeuers zeigten sieh schon am 1. October in 
den Wällen beider Angriffsobjecte Breschen. Ein Sturm zu dieser 
Zeit schien aber noch nicht rathsam, nachdem die Belagerten den in den 
Trancheen gedeckten Truppen nicht unerhebliche Verluste zufügten. 

Ausschlaggebend musste die Artillerie bleiben, und darum hatte 
man am 3. < >ctober in die nunmehr vollendeten beiden Bresche - Batterien 
die 14 halben Karthaunen eingeführt. Diese erweiterten wohl die 
Breschen, der Feind aber bot alle Kräfte auf, um selbe wieder zu 
verbauen. Zwei andere, mittlerweile errichtete Batterien konnten am 
4. mit nachgefolgten 10 halben Karthaunen armirt und auch diese 
in Thätigkeit gesetzt werden. 

Am 5. zeigten sich in dem Hauptwalle derartige Breschen, dass 
sich an eine Verbauung von Seite der Belagerten nicht mehr denken 
Hess. Darum sah sich der Commandant des Platzes bereits Nach- 
mittags veranlasst, Chamade schlagen zu lassen und die Capitulation 
anzubieten 8 ). Er forderte freien Abzug mit vollständigem Kriegs 
materiale und Gepäck, und die Bewilligung, für jedes Geschütz und 
für jeden Musketier 36 Schuss Munition mitnehmen zu dürfen. 

Der Markgraf von B a d e n hatte aber schon vorweg weiter nichts 
zugestanden, als Kriegsgefangenschaft und die Beibehaltung des Seiten 

') Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. IX. 34a. 
2 ) Kriegs-Archiv, Komisches Reich, 1705; Fase. IX. 34b. 
') Eriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. IX. 34. 



352 

gewehres für den Commandanten und die Officiere, welche Bedingungen 
von den Franzosen zurückgewiesen wurden. 

General P e r i versammelte seine höheren Officiere, um ihnen den 
geheim zu haltenden Plan mitzutheilen, in welcher Weise er die Be- 
satzung zu retten gedenke. Unter dem Anscheine eines Ausfalles sollte 
der Hauptthcil der Truppen den Platz heimlich verlassen und in der 
Flucht sein Heil suchen *). In der Stadt, ward durch einen Tambour 
verkündet, dass von den Bewohnern Niemand die Strasse betreten 
dürfe 2 ) und Peri beorderte den Obristen Harlin mit 400 Mann 
in den bedeckten Weg, um zur Maskirung des Abzuges heftiges 
Gewehrfeuer gegen die Belagerer zu unterhalten. 

Um 9 Uhr Abends verliess der liest der Garnison durch das 
Zaberner Thor den Platz, und die Franzosen, durch das Dunkel der 
Nacht begünstigt, vermochten die ihnen begegnenden PatruUen um so 
leichter zu täuschen, als ihuen die Erkennungszeichen der Belagerer 
bekannt waren. Ein Hinderniss konnte nur das auf der Westseite 
Hagenau's in Posten vertheilte, aus 400 Pferden bestandene Cavallerie- 
Detachement bilden. Dieses aber war im Verhältnisse zu dem abzu- 
schliessenden Räume viel zu schwach, und so kam es, dass ein von 
einem ( M'licier commandirter Keiterposteu leicht überrannt und kurz 
danach das nahe an Hagenau herantretende Waldterrain gewonnen 
werden konnte. 

Bei dem durch Musketen- und Geschützfeuer auf der Ostseite 
hervorgebrachten Getöse ist es erklärlieh, dass man beim Belagerungs- 
Corps lange keine Ahnung davon hatte, was auf der Westseite vor- 
ging. Feldmarschall Thüngen erhielt erst gegen Mitternacht durch 
die Bewohner der Stadt Nachricht von der Flucht der Franzosen. Diese 
gewannen dadurch einen Vorsprung von 3 — 4 Stunden, und es nützte 
daher wenig, dass die Cavallerie-Bereitschaft des Belagerungs-Corps 
unverweilt zur Verfolgung aufbrach. Der Markgraf von Baden, 
welcher selbstverständlich noch viel später die Sachlage in Erfahrung 
brachte, beorderte GWM. Mercy mit einem Cavallerie-Detachement 
auf die Rückzugslinie der Franzosen, um ihnen den Weg abzu- 
schneiden. Es gelang jedoch nur, Nachzügler einzuholen ; denn General 
Peri hatte anfänglieh, wie man es von Seite der Belagerer als gewiss 
annahm, die dem Platze nahe gelegenen Waldungen betreten, um 
auf eine falsche Fährte zu leiten, den Rückzug aber in den völlig 
freien und offenen Theilen des Terrains in mehreren kleinen, von 
einander getrennt marschirenden Colonnen ausgeführt. Er rückte zu- 

') Pelet, 1705; V. 

*) Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Käse. IX. 3t. 



353 

nächst nach Zabern, woselbst die Flüchtigen am <>. mit Tagesanbruch 

eintraten und von da nach Strassburg beordert wurden. 

Dass die Flucht in der geschilderten Weise möglich war, hatte 
zwei Ursachen. Die eine lag in dem Ausserachtlassen der vom Mark- 
grafen ertheilten Angriffs-Disposition, nach welcher sich die 400 Pferde 
ganz nahe au Hagenau hätten aufstellen sollen. Anstatt dessen 
wurden selbe auf grossem Räume in kleine Posten zersplittert und 
keine Truppen für eine Reserve erübrigt. Der Hauptgrund ist aber 
darin zu suchen, dass die Reiterei durch die Nachricht über die 
Anbietung der Capitulation zur äussersten Nachlässigkeit bei Aus- 
übung ihres Dienstes sich verleiten Hess, und in Folge des Durch 
brechens von Seite der Franzosen eine solche Verblüffung eintrat, dass 
Niemand daran dachte, Feldmarschall T h ü n ge n von dem Vorfalle in 
Kenntniss zu setzen. 

Ausser 700 Gefangenen, den Kranken und Verwundeten, fiel ein 
Theil des feindlichen schweren Gepäckes, welches in der Eile und wegen 
der Schwierigkeit des Abzuges zurückgelassen werden musste, den Be- 
lagerern in die Hände '). Bei der Verfolgung wurden von den Nachzüglern 
30 niedergehauen und gegen 100 als Gefangene eingebracht, welch' 
letztere Markgraf L u d w i g insgesammt nach Heilbronn abführen Hess. 

Schon während der Nacht zum 6. hatte Thüngen Truppen 
zur Besetzung der .Stadt beordert, welche zum Theil in den Aussen 
werken, zum Theil bei den Breschen postirt wurden, und mit Tages 
anbruch erfolgte die Verbauung der letzteren. Als ständige Garnison 
bestimmte der Markgraf .-ein Regiment und zwei Bataillone von den 
Württembergern zu Fuss. Wurde diese]- Stützpunct mit dem uöthigen 
Kriegsmateriale versehen, so vermochte die Garnison einer Belagerung 
von sechs und mehr Wochen Trotz zu bieten. 

Versuch zur Wiedergewinnung von Homburg und Schluss 
der Campagne. 

Nach dem Verluste der beiden wichtigen Stützpuncte an der Moder 
war Marsehall Villars über die ferneren Absichten der Reichs-Armee 



') Ueber eleu Umfang des erbeuteten Kriegsmatcriales geben die Acten des 
k. k. Kriegs-Archives keinen Aufschluss. Es liegt blos ein Beriebt des Markgrafen 
.in den Kaiser vor, in welchem es unter Anderem heisst: „Gedachter Herr preussischer 
General Arubeim) hat mich auch ersucht, ihm ein paar Stuck aus Hagenau zu 
geben. Weil er mir nun vermeldet, dass Se. königl. Majestät von Preussen eine 
Freud' daran habe und dadurch ohligirt werde, also habe ich ihm unter verhoffender 
Ew. kaiseil. Majestät allergnädigstcr Apnr.diatiuii ein l'aar von dun kleinsten verab- 
folgen lassen (Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. X. ad 8.) 
Feldzüge des Trinzen Eugen v Savoyen VII. Band. 23 



354 

völlig im Unklaren; denn bei dieser fanden keinerlei Bewegungen 
statt, welche zu irgend einem Schlüsse berechtigt hätten. 

Nachdem aber die Jahreszeit vorgerückt war, hoffte, der fran- 
zösische Feldherr, ohne Kampf die Winterquartiere beziehen zu kennen. 
Bestärkt in dieser Ansicht wurde er durch die Nachricht: die Preussen 
beabsichtigen über den Rhein zurückzukehren und die Deputirten der 
Kreise seien am 15. October beim Markgraten behufs der Regelung 
der Winterquartiere eingetroffen. 

Keinesfalls waren diese Voraussetzungen irrig, denn die unthätig 
gebliebene Reichs-Armee trat sogar gegen Ende October eine rück- 
gängige Bewegung an. Hierüber berichtet Thüngen an Prinz Eugen: 
.... „dass unsere Armee gestern den 29. October von Weiersheim 
aufgebrochen und in guter Ordnung die feindlichen Linien bei Nieder- 
Modern repassirt und das Hauptquartier hinter solchen Linien ohnweit 
Pfaffenhofen zu Engweiler genommen, woselbst die Armee noch 
einige Tage verbleiben und des Feindes Mouvement observiren wird, 
ob er nämlich noch einen von uns besetzten Posten oder Ort attaquiren 
oder gleichfalls auseinander gehen wird ')". Den preussischen, aus 
20 Escadronen bestandenen Reiter - Regimentern hatte der Markgraf 
gestattet, „aus Mangel der Fourage allhier voraus und nach Weissen 
bürg zu marschiren". 

Markgraf L u d w i g, die Unrühmlichkeit seiner Operationen nur 
zu tief empfindend, wollte wenigstens zum Schlüsse durch eine erfolg- 
reiche That das Odium von sich abwälzen. Er beschloss den Angriff 
auf Homburg, um dem Feinde jene Vorthcile zu entreissen, welche 
er durch den Besitz dieses Punctcs für die nachfolgende Campagne 
gewonnen hatte. 

Mit dieser Expedition wurde der Graf von Nassau betraut, 
welchem „die preussischen Völker samnit den Pfälzischen" unter- 
geordnet werden sollten, während der liest der Armee die Streitkräfte 
Villars' in Schach zu halten hatte. 

LTm nach Eroberung von Homburg mit der Verpflegung der 
dahin bestimmten Besatzung nicht aufzuliegen, hatte der Markgraf 
mit Lothringen vorhandelt. In dem Berichte des lothringischen 
Gesandten zu Paris an seinen Hof heisst es: der Kriegsminister 
„Chamillart erwähnte auch von einem Magazine von 4000 Sacs 
Getreide, die man in Lothringen für die Truppen der Reichs- 
Armee, welche Homburg belagern sollen, vorbereitet, was ich aber 
negirte ')". 

») Kriegs-Arohiv, Römisches Reich, 1705; Fase. X. 28. 

2 ) Haus-, Hof- und Staats - Archiv, Lothringische Acten; December 1705. 



355 

Abgesehen davon, 'las,- der Feind nur zu bald von der Absicht 
Kenntniss hatte, schien der Plan schon vor Beginn der Ausführung 
scheitern zu wollen. Der preussische General Arn heim gab dem 
Markgrafen bekannt, dass die brandenburgischen Truppen „ohne Er- 
wartung eines Ausganges von Homburg auf ihres Herrn, des Königs, 
Ordre abzumarschiren resolvirt seien" 1 ). Diese Erklärung erschein! um 
so befremdlicher, als Arn heim am 28. October auf eine Antrage über 
die Mitwirkung antwortete: „Euer hochfürstliche Durchlaucht werden 
mir zu Gnaden halten, wenn bei der bevorstehenden Belagerung von 
Homburg nicht aus Curiosite, sondern aus höchster Necessite gnädige 
und positive Antwort auf nachfolgende Puncto unterthänigst ausbitte, 
damit so vielmehr alle benöthigten Anstalten, so viel wie möglich in 
der schleunigen .Stunde machen könne.- Die in Kürze zusammen- 
gefassten Fragen gipfelten darin, ob die Preussen bei der Belagerung 
von Homburg „weiter nichts als die Bedeckung'' auf sich zu nehmen 
hätten, was „zur wahren Sicherheit" in Gegenwart Arnheim's „mit 
dem Grafen von Nassau verabredet" werden sollte; wann der Marsch 
nach Homburg angetreten, welche Route genommen werden und an 
welchem Tage „eigentlich" die Preussen vor diesem Puncte stehen 
sollten; endlich welche Massregeln in Bezug auf Verpflegung mit 
Brod und Fourage zu gewärtigen seien '•). Dass Markgraf L u d w i g zu 
jener Zeit volles Vertrauen in die Redlichkeit der Absicht A r n h e i ms 
hatte, geht aus der Beantwortung obigen Schriftstückes hervor, die 
noch an dem nämlichen Tage erfolgte und worin die Bemerkung 

enthalten ist: .wenn der Herr Greneral-Feldmarschall-Lieutenanl 

ein Mehreres beitragen wollen, wird man an der Operation profitiren, 
mithin es für Dieselben nicht nur rühmlich, sondern auch dem Publico 
profitabel sein und man darum um so grössere Obligation haben 
können". 

Der Graf von Nassau war mit seinem Corps am 9. November 
aufgebrochen und erreichte noch an dem nämlichen Tage Niederbronn, 
prleichzeitig setzte Feldmarschall Thüngen den Rest der Reichs 
Armee, darunter die 10 Bataillone starke preussische Infanterie, in 
Bewegung, um zwischen Hagenau und Bischweiler eine beobachtende 
Stellung zu beziehen 3 ) und dieselbe durch eine Linie befestigen zu 
lassen, denn die Nachrichten vom Feinde erregten noch Besorgnisse. 
Es hiess nämlich, Villars habe seine Armee noch immer in dem 
Lager vor Strassbürg versammelt und es seien davon ..nur einige 

') Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. XJ. 7. 

2 ) Registratur iles Reichs-Kriegsministeriums, Nov. 1705 Nr, 255. 

a ) Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. XI. 5. 

28* 



356 

spanische Truppen gegen Metz, Saarburg und Flandern abge- 
gangen '). 

Dadurch, dass General Arn heim am 28. October, rermuthlich 
um den Schein der Willfährigkeil zu bewahren, seine Mitwirkung gegen 
Eomburg in Aussieht u<sti-l!t hatte, war diese Expedition eingeleitet 
worden. Bei der später abgegebenen Erklärung- des preussischen 
Generals, den Rückmarsch über den Rhein antreten zu wollen, hielt 
es aber der General-Lieutenant nicht für rathsam, ..aus Mangel des 
Volkes in dem Hagenauer Lager stehen zu bleiben", und Hess den 
Grafen von Nassau durch den General- Adjutanten Baron Miglio 
„avertiren, seinen Marsch nicht weiter fortzusetzen, sondern mit der 
Artillerie und den Truppen sieh zurückzuziehen", falls die Prcussen 
nicht dennoch anderen Sinnes würden. 

Wiederholt ersuchte der Prinz den General Ambe im, ihm „so 
viel Zeit zu gönnen und nicht zu weichen" bis die Unternehmung 
auf Homburg gelungen sei, obsehon dies ohne gegründete Hoffnung 
geschah; denn in dem bezüglichen Berichte an den Kaiser beissl es: 
„Auf alles dieses ist wenig zu bauen, dann ein Jeder nach seinem Willen 
handelt, und zumalen ich sie (die Preussen) weder mit Gewalt zwingen 
kann, noch darf, selbe wenig auf meine Ordre Reflexion machen 
dürften 2 )." 

Erwägt man, dass auch das württembergische Contingent gerade 
in diesem bedeutungsvollen Momente auf seinem Abrücken bestand 
und das Bleiben von „verwunderlichen Prätentiones" abhängig machte, 
so wird begreiflich, dass der Markgraf an den Kaiser schrieb: .... 
„Ich bekenne, dass alle diese Sachen auszustehen und ein solches 
Commando zu ertragen, last eine übermenschliche Geduld erfordert. 
und wäre unmöglich, es in das Künftige so zu erdulden, oder der es 
kennt, dergleichen Commando übernehmen wollte; absonderlich weil 
auf solche Weise in eines Jeden Händen beruht, alle Projecte zu 
Nichts zu machen." Jedenfalls hatte der General-Lieutenant Kocht, 
dass die von den Reichstruppen besetzten wenigen Posten „die einzige 
Thüre seien", wo für die, nächste Zeit die Offensive möglich würde; 
denn nach dem Ausspruche M a r 1 b or ou gb's war auf anderweitige 
und „insonderheit in Niederland bestehende ( Iperationen" wenig Hoff- 
nung zu machen. Dies eben war der Grund, warum Markgraf L u d- 
w i g an den Grenzen des Elsass sich zu behaupten suchte, um die 
Interessen des Kaisers zu schützen 3 ). 



') Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. XI. 7. 
a ) Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. XI 'J a 
3 ) Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 17(15; Fase. XI. ad 9; 



357 

In Folge eines von FML. Arn heim eingetroffenen Schreibens, 
ddo. 10. November^ blieb wohl kein Zweifel, dass derselbe mit den 
Preussen ohne weiteren Aufenthalt seinen Rückmarsch antreten wolle, 
und darum erwiderte der Markgraf: .... „ich muss dies als eine Sache, 
die zu ändern in meinen Kräften nicht steht, ansehen . . . dass ich 
aber bei solcher Gestalt der Sachlage vollkommen zufrieden sei und 
zufrieden sein könne, wird mir der Herr Feldmarschall-Lieutenant 
hoffentlich nicht zumuthen". Die ferneren Zeilen des bezüglichen 
Actenstückes enthalten den Vorwurf, dass Arn heim versprochen, 
„wenigstens bei der Armee stehen zu bleiben, bis die Entreprise gegen 
Homburg vorgenommen sein wird" und in Folge dessen der „Graf 
von Nassau mit der besten Infanterie" von der Reichs-Armee deta- 
chiret worden sei. 

Das Wenigste, was der Markgraf nunmehr forderte, war, dass die 
Preussen die Rückkehr des Grafen von N a s s a u -We i I b u r g abwarten 
sollten, damit Feldmarschall Thüngen nicht Gefahr lief, von Villars 
angegriffen und geschlagen zu werden '). A r n li e i m erwiderte erst 
am 13. November: . . . „Da nun meine finale Resolution dahin geht, 
dass ich, obschon meines Allerhöchsten gnädigen Herrn Ordre, zurüek- 
zumarschiren, ganz positive gewesen, demungeachtet selbiger zuwider 
noch einige Tage hier zu bleiben mich entschlossen: so glaube ich, 
Euer Durchlaucht werden mit diesem dem allgemeinen Wesen erwiesenen 
Dienste gnädig zufrieden sein." 

Drei brandenburgische Bataillone waren bereits marschfertig, um 
am 14. nach Bayern aufzubrechen und Arn heim stellte dies blos 
für 2—3 Tage ein. 

Marschall Villars, welcher von den Bewegungen der Reichs- 
Armee vollkommen in Kenntniss war, besorgte einen ernsten und 
entscheidenden Angriff und blieb darum in seiner durch das Terrain 
starken .Stellung. Als aber der Monat October ohne die mindeste 
Behelligung verflossen war und die Kunde über die Absicht der 
Preussen und Contingente, sich von der Armee zu trennen, mehr und 
mehr Bestätigung fand, glaubte der französische Feldherr die Mass- 
regeln für die Anordnung der Winterquartiere treffen zu können. 
Seine erste Absicht war, in Strassburg und Kehl hinlänglich starke 
Garnisonen zu lassen, um den Besitz der zwischen Zorn und Rhein 
gelegenen Ebene zu sichern. Lothringen und das Bisthum Trier wollte 
er durch ein starkes Cavallerie - Corps decken, einerseits um dieser 
^Waffengattung die Subsistenz zu erleichtern, andererseits um den aus- 



1 1 Registratur des Reichs-KTiegsministeriums, Noi 



X r >8 

«•edehnten Raum leichter zu beherrschen. Für unerlässlich hielt er es, 
auch die Garnison von Homburg verstärken and die dortigen Befesti 
jungen veiwollständigen zulassen, weil dieser Ort für die an Lothringens 
uimI der Bisthümer Gi-enze verwendeten Truppen einen ähnlich günstigen 
Stützpunct darbot, wie die Reichs-Armee einen solchen in Landau be- 
sessen. AU' diese Dispositionen schienen Villars nicht blos die Defenr 
sive vom Hliein bis zur Mosel vollkommen zu sichern, sondern auch 
für die nächstfolgende Campagne die Möglichkeit zu gewähren, sich 
zum Herrn des vorliegenden Landes zu machen, ehe noch der Gegner 
aus seinen Quartieren aufgebrochen sein würde. 

Der Markgraf hinwieder war entschlossen, die Postirung derart 
einzuleiten, dass die Linie an der .Moder unter allen Verhältnissen 
gehalten werden konnte. Zu diesem Behufe sollten Hagenau, Drusen- 
heim und Bischweiler, die in gehörigen Vertheidigungsstand zu setzen 
waren, „auf alle Weise manuteuirt werden, wann man nicht die ganze 
Postirung verlassen und die darinnen befindlichen Truppen nebst der 
ganzen in dieser Campagne erhaltenen avantage risquiren" wolle. Er- 
zweifelte nicht, dass der Feind in Strassburg eine starke Garnison 
halien werde, um die Postirung der Reichs-Armee in beliebigem 
Momente zu bedrohen. Dem sollte eine geeignete Alarm-Disposition 
vorbeugen. Auch musste vorgedacht werden, durch die in der Stollhofene? 
Linie jenseits des Rheins postirten Truppen ..im Nothfall und auf 
Verlangen" Unterstützung zu finden. 

Möglich aber war diese Postirung nur dann, wenn „bei Zeiten 
ein sufficientes Magazin von Fourage, Hafer und Brod zu Reinheim, 
Lauterburg, Drusenheim und Hagenau aufgerichtet" wurde. ..damit 
nicht, allein die in dieser Postirung stehenden Truppen, sondern auch 
im Fall der Noth die zusammengezogenen Regimenter versehen werden" 
konnten, „dann sonsten zu fürchten- gewesen, ..dass an Mangel der 
Subsistance die Truppen nicht allein crepiren, sondern auch sammt 
der ganzen Postirung übern Haufen und verloren gehen dürften' r. 

Ausgiebige Hülfe mit Baargeld war darum unbedingt nöthig, 
denn die Magazine enthielten kaum den Bedarf für wenige Wbcheri 
und die Naturalien mussten erst von 10 und 12 .Meilen Entfernung 
per Achse zugeführt werden. Die Schwierigkeiten des Landtransportes 
hatten sich nebstbei ausserordentlich gesteigert, indem bei gänzlichem 
Mangel an Transportsfuhrwesen, die Landesvorspann „völlig zu Grand« 
gerichtet und nicht mehr zu bekommen-' war. Markgraf Ludwig 
forcierte 500.000 fl. in Baarem und in Wechseln, die schleunigst durch 



<) Kr 



359 

einen Courier gesendet werden sollten, „widrigenfalls unvermeidlicli all' 
diesseits (am linken Ufer des Rheins) gedecktes Land mit höchsten 
Schaden und Schimpf verlassen, die Armee zu Grunde gehen und dem 
Feinde der Vortheil eingeräumt, mithin zugesehen werden müsste", 
dass er frühzeitig wieder im Felde erscheinen könne 1 ). 

Mitte November war die Nachricht eingetroffen, Vi 11 ars' Armee 
„sei decampirt und die Cavallerie um Strassburg in Dorfschaften 
^erlegt und etliche 1000 Mann Infanterie und Cavallerie nach Elsass- 
Xalicrn detaeliirt worden" 2 ). Thatsächlich hatte der französische 
Feldherr, der so lange seine Armee beisammen gehalten, um des 
Markgrafen Hauptmacht in seine Nähe zu bannen und die Belagerung 
von Homburg so lange zu verzögern, bis der Succurs dort ein 
getroffen war, wegen der mit aller Macht hereingebrochenen rauhen 
Jahreszeit sich entscbliessen müssen, seine Truppen unter Dach zu 
bringen. Er liess am 14. November die gesammte Infanterie in 
den Strassburg zunächst gelegenen Ortschaften Scliiltigheim , Geis- 
polzheim etc. die Cantonnirungen beziehen und verlegte die Reiterei 
in jene Quartiere, die rechts der Bruche (Brüsche) von Molsheim bis 
Strassburg lagen, in welch' letzterem das Hauptquartier aufgeschlagen 
wurde 3 ). 

Ungeachtet dieser Massnahmen der Franzosen fand es der Mark- 
graf noch immer nicht gerathen, das Beziehen der Winterquartiere 
anzuordnen. Ohne Rücksicht auf die äusserste Ungunst der Jahreszeit 
und Witterung stand die Infanterie noch am 22. November im Frei- 
lager, die Cavallerie aber hatte man in den umliegenden Dorf- 
schalten einquartieren müssen, um sie nicht völlig zu Grunde gehen 
zu lassen 4 ). 

Da der General-Lieutenant die Unterstützung von Fort Louis 
um jeden Preis hintanhalten wollte, so wurden 3 Bataillone vom 
rechten Ufer des Rheins (Linie von Stollhofen) nach Drusenheim 
beordert, um sowohl diesen Punet besser zu decken, als auch mit 
den Befestigungsarbeiten daselbst rascher zu Ende zu kommen. 
Diese Disposition war um so notwendiger, als die Franzosen zu 
Strassburg bereits Anstalten gemacht hatten, durch Schilfe und 
Flösse die bei Drusenheim über den Rhein führende Brücke zu 
zerstören 5 ). 



*) Registratur des Reich's-Kriegsministeriums, November 1705, Nr. 255 

J j Kriegs-Archiv 1705; Fase, XI. 10. 

3 ) Pelet; V.. pag. 541, 542. 

4 l Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. XI. 14. 

=) Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. XI. 114 und 115. 



360 

Während dieses abermaligen Zuwartens schmolz die vor kurzer 
Zeit noch so ansehnliche Reichs- Armee mein- und mehr zusammen. 
Dem Abzüge Arnheim's mit den Brandenburgern folgten am 
2. r >. November auch die württembergischen Truppen in der Starke von 
3 Infanterie- und 1 Dragoner -Regimente, um in das Herzogthum 
Württemberg zurückzukehren. 

In jene Zeit fiel die Vereinbarung eines Zusammentreffens von 
Seite des Markgrafen mit dem Duc de Marlborough zu Heidelberg. 
Letzterem den Umweg zu ersparen, verfügte sich Markgraf Ludwig 
nach Frankfurt, um sich dort mit dem englischen Feldherrn ins 
Einvernehmen zu setzen. Das Ergebniss war nicht befriedigend, denn 
der General-Lieutenant berichtet am 14. November an den Kaiser: 
.... „von ihm (Marlborough) habeich nicht viel mehr vernommen, 
als dass bei demselben die Sachen nicht viel besser als hier oben 
am Rhein stellen, und er sich auch nicht mehr mit dem Gedanken 
trage, dass am oberen Rhein etwas Empfindliches und Nützliches gegen 
Frankreich vorzunehmen seie" '). 

Marlborough meinte: „nachdem es an allen Enden an Geld, 
Volk und Kriegsrequisiten, hauptsächlich aber an guter Harmonie, 
zwar nicht bei den Generalen — sondern unter allen Alliirten und 
übrigen Reichsständen gebricht", es unmöglich sei „dermalen nocli auf 
eine Hauptoperation anzutragen". Die Fassung jedes bestimmten Planes 
sei so lange dahingestellt zu lassen, bis man wisse, welche Dispositionen 
der Feind treffe, wie viel Truppen zu Gebote stehen würden, wie die 
Sachen in Italien, in Spanien und in Ungarn ablaufen, endlich was 
an Geld. Munition und übrigen Requisiten zusammengebracht werden 

könne dann erst lasse sich etwas Solides, saltom Probables 

projeetiren". Ueber die Postirung von Truppen am Rhein wurde vom 
englischen Feldherrn „nichts gedacht, also diesfalls nichts abge- 
redet"'). 



Würden nicht Ursachen und Wirkungen bei den von den 
Alliirten gegen Frankreichs Ostgrenzen aufgebotenen Streitmassen 
klar zu Tage liegen, so inüsste der völlig ergebnisslose Verlauf der 
Campagne von 1705 für die Nachwelt um so unerklärlicher bleiben. 
als zwei Feldherren von anerkanntem Rufe an der Spitze standen. 



«) Registratur des Reichs-Krieg 
2 ) Haus-, Hof- und Staats-Arcl 



361 

Die Ereignisse an der Maas. Mosel und am Rhein geben einen 
Werthmesser für das kaiserliche Heer, welches zu gleicher Zeit, wie 
es schien, aller Bedingungen zu erfolgreicher Thal baar, nicht nur in 
Italien unter Eugen und Starhemberg, sondern auch in Bayern 
und Ungarn Heldenthaten vollbrachte und den unumstösslichen Beweis 
lieferte, wie Oesterreichs Krieger gerade in jenen Momenten sich am 
rühmlichsten bewährten, in denen der innere und äussere Feind an 
Habsburgs Thron zu rütteln suchte. 






Der Aufstand in Bayern. 

Lage des Landes zu Beginn des Jahres. 

Das Provisorium, welches in Bayern von der Zeit der Besetzung 
des Landes durch die Reichs- und kaiserlichen Truppen Ins zur 
üebernahme der Administration durch Graf Löwenstein entstand, 
bot der Anlasse genug, den int bayerischen Volke erweckten Keim zur 
Auflehnung gegen das kaiserliehe Regiment Wurzeln fassen zu lassen. 

Erwägt man nämlich, dass ein namhafter Theil der kaiser- 
liehen Truppen und ausserdem Preussen und Dänen behufs Werbung 
und Completirung in den drei Rentämtern Landshut. Straubing und 
Burghausen bequartiert waren und aus dem Lande ihre Gebühren 
zo^en, sii musste, abgesehen von der moralischen Verstimmung, der 
materielle Druck um so empfindlicher wirken, als die bislang wohl- 
habenden, so zu sagen an Behäbigkeit gewöhnten bayerischen Hauern, 
ihre gänzliche Verarmung befürchteten'). Diese Besorgniss hätte bei 
einem anderen Volke, welches durch Boden und Klima weniger be? 
günstigt oder durch übermässige Auflagen von jeher an Entbehrung 
gewöhnt gewesen, kaum zu solcher Gereiztheit geführt, wie sie sich 
allenthalben in den bayerischen Landen kundgab 8 ). 

Ohne Unterlass erfolgten Klagen und Remonstrationen wegen der 
Quartierlasten; an eine Erleichterung war aber von Seite der kaiser, 
liehen Regierung nicht zu denken, weil eben die Zwangslage, welche 
der Krieg herbeigeführl hatte, eine Schonung Bayerns vorweg aus 
schloss. Dm aher doch einigermassen abzuhelfen, ward vom Prinzen 

Eugen (in seiner Eigenschaft als Hofkriegsraths-Präsident) ang dnet. 

den üavon des Belages, so weit dies zulässig, auszudehnen. 



Supplement-Heft Nr 
Supplement-Heft Nr. 



363 

Wesentliche Schwierigkeiten ergaben sich auch bei Auflösung 
der churbayerischen Truppen. 500 Mann hatten sich eigenmächtig in 
dem Pflegegerichte Moosburg einquartiert, worüber Amt and Bewohner 
Klage erhoben, und hei der Abdankung des Walserischen Regiments, 
welches am 19. Jänner in Reichenhall aufgelöst werden sollte, entstand 
ein Tumult, weil der für die Abfertigung bestimmte Betrag von 
23.000 11. nicht vorhanden war. Eine Beilegung der Excesse wurde nur 
dadurch möglich, dass der Salinen-Verwalter und die Officiere den 
fehlenden Betrag vorstreckten. Als man endlieh mit vieler Mühe der 
abgedankten Miliz ledig geworden, besetzten die Bürger alle Thore 
und verweigerten den Kaiserlichen das Einrücken in die Stadt, welcher 
Vorgang von der Münchener Regierung gutgeheissen ward '). 

Da Obrist Baron Wetze 1 aus Reichenhall schon am 24. Jänner 
an Feldmarschall Gronsfeld, dem Befehlshaber sämmtlicher kaiser- 
lichen Truppen in Bayern, berichtet hatte, dass die Bauern in Chur- 
bavern sieb bewaffnen, und dem kaiserliehen Oberbefehlshaber auch 
anderweitig derlei Nachrichten zukamen, so wurde im Rentamte Burg- 
hausen ..mit der Motivirung, dass Gronsfeld, nachdem er mit hoher 
Bestürzung vernommen, dass in verschiedenen Orten dieses chur- 
bayerischen Rentamtes allerhand ärgerliche Thaten, ja sogar Mord 
und Todschlag an der einquartierten Miliz von denen Bauern verübet 
worden" 2 ), am 9. Februar die Entwaffnung angeordnet und nach und 
nach auch anfalle übrigen Pfleggerichte ausgedehnt 3 ). Diesbezüglich 
berichtet Gronsfeld unterm 24. Februar: ,,Das Gewehr hat man 
schon bei etlichen Gerichten mit einem vorgeschriebenen Glimpf zu 
Banden zu bringen den Anfang gemacht, und werde nicht ermangeln, 
nach und nach, so weit es nur möglich, fortzufahren*)." 

Für das kaiserliche Regiment in Bayern hatte sich durch Auf 
lösung der churfürstlichen Truppen ein äusserst nachtheiliges und 
gefährliches Verhältniss herausgebildet, dem kaum in erfolgreicher 
Weise entgegengewirkt werden konnte. Blieben die abgedankten 
Soldaten im Lande, so verbreitete sich allerwärts ein Gährungsstoff, 
der bei der ohnehin äusserst aufgeregten Stimmung des g-esammten 
Bauernstandes, schnell ansteckend wirken musste : — gingen sie über 
die Grenzen, so wurde dem Feinde eine namhafte Zahl gut geschulter 
und tapferer Streiter zugeführt. Es gab eben keinen Ausweg, und darum 
musste man die von Marlborough in London geführte Klage, „dass" 



') Kriegs-Arcl.iv. Römisches Reich, 1705; Fase. I. 19a. 

! l Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 170r, ; Faso. II. 121. 
3 ) Supplement-Heft Nr. 25. 

*) Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase II. 24. 



364 

die kaiserliche Regierung ..von den cassirten bayerischen Truppen so 
viele durch die Schweiz und den Schwarzwald durchkommen lassen, 
so dass der Churfürsl bereits vier Bataillone formiren konnte 1 )", ruhig 
hinnehmen. Es erging wohl am 8. Jänner an die Fürsten des frän- 
kischen Kreises die Aufforderung, „die Ausreisser zu verhaften und 
dem Feinde keine Verstärkung zukommen zu lassen'')''; doch wäre 
letzteres gewiss weniger nachtheilig gewesen, als eine grosse Zahl 
verbitterter Gemiither zurückzuhalten. 

Dass man sich von Seite des Hofkriegsrathes gleich von vorn- 
herein über den ungefährdeten Besitz Bayerns keinen Illusionen hin- 
gab, erhellt aus einem schon im December 1704 an den Kaiser gerich- 
teten Vortrage. Es wurde die Ansicht ausgesprochen, dass es von dem 
Tractate abhängen werde, ob man Straubing in „statu quo" belassen, 
repariren müsse oder rasiren könne. Stünde es aber frei, so wäre der 
Eofkriegsrath der Meinung, nicht allein genannten Ort, sondern auch 
alle andern haltbaren Puncte in Bayern schleifen zu lassen, denn der 
Kaiser habe von Seiten dieses Churhauses stets Feindseligkeiten zu 
gewärtigen. Um dasselbe nicht mehr fürchten zu müssen, das heisst, 
die Sicherheit der kaiserlichen Länder zu verbürgen, erübrige eben 
nichts, als die bayerischen Plätze zu zerstören oder an der Reichs- 
grenze eine oder mehrere Festungen mit unerschwinglichen Kosten 
zu erbauen 3 ). 

Die Zustände in den von den Kaiserliehen besetzten Rentämtern 
waren auch keineswegs vertrauenerweckend, denn in einem Schreiben 
Vorster's an Prinz Eugen heisst es: die Feindlichen (feind- 
lich gesinnten bayerischen Soldaten) sind noch nicht abgedankt und 
die Entlassenen gesellen sich zur Bürgerschaft und darum schliesse 
man . man wäre einer sicilianischen Vesper ausgesetzt" *). Die Be- 
sorgnisse wurden noch dadurch erhöht, dass die Bewohner von 
Reichenhall die Befestigung vervollständigten, was offenbar zum 
Schlüsse führen musste, dass es in ihrer Absicht gelegen sei, den 
aus Bayern nach Italien abgehenden Verstärkungen den Durchzug 
zu verwehren. Nicht minder auffallend war die Aufstappelung grosser 
Getreide- und Fourage-Vorräthe in den Magazinen von München. 
Selbstverständlich untcrliess es Feldmarschall Gronsfeld nicht, 
umfassende Berichte nach Wien zu senden. Prinz Eugen ant- 
wortete am 10. Jänner: ... „wegen des zu München zusammen- 

') Haus-, Hof- und Staats-Archiv, [talica; Jänner 1705. 
'-) Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Bavarica; Jänner 1705. 
3 ) Registratur des 1 ,'.■ i <• I is- K r i . ■g-sri i i 1 1 i st .1 iinns, 1705. 
») Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. I. 7. 



365 

führenden grossen Vorrathes von Früchten, Heu und Haler werden 
sich E. E. belieben, unter der Hand versicherte Nachricht davon 
einzuholen; dann gleichwie unter andern auch die Magazine Ihro 
kaiserl. Majestät anheimgefallen, als könnte man mit dieser gelegen- 
heitlich sothanen Vorrath billig zu sich und wegnehmen. Dass aber 
E. E. melden, dass die darobige Regierung und Landstände ihre 
Consilia von der Regierung zu München einholen, glaube gar gern, 
und ist natürlich, dass der Landmann seinen eigenen Herrn, unter 
dem er von mehr als 100 Jahr gestanden, niemalen völlig abhold sein, 
sondern allezeit eine innerliche Affection haben wird" '). Zu jener 
Zeit konnte der Prinz freilich noch nicht vorhersehen, dass das seinem 
Fürsten warm anhängliche bayerische Volk auch den Muth haben werde. 
diesen Empfindungen durch die That Ausdruck zu verleihen. Grons 
t'eld aber und überhaupt die gleich anfangs in Bayern verwendeten 
kaiserlichen Commissäre sahen wohl voraus, was da kommen werde, 
wenngleich der Kaiser in Ausführung seiner Absichten die möglichste 
Schonung und grosse Behutsamkeit in Allem und Jedem angewendet 
wissen wollte. 

Das Drängen des Prinzen Eugen'), die für Italien bestimmten 
Regimenter zu completiren, blieb fruchtlos; denn Gronsfeld's Berieht 
lautete dahin, dass alle Officiere ihm das Zeugniss geben würden, wie 
die Schuld nicht an ihm gelegen sei, der alle Hebel in Bewegung 
gesetzt habe. Die Churfürstin von Bayern versichere wohl immer 
ihren besten Willen, stelle jedoch stets ihre Machtlosigkeit bezüglich 
der Durchführung der vereinbarten Massregeln entgegen 8 ). Befremdend 
war es jedenfalls, dass dieselbe ohne Verständigung Gronsfeld's die 
Auflösung der churbayerischen Milizen vornehmen Hess und Pferde 
und Wallen bei Seite geschafft wurden. 

Aeusserst gewagt erschien unter solchen Umständen die im 
ersten Momente der Besitzergreifung Bayerns verfügte Massregel, 
den im Lande zerstreuten kaiserlichen Truppen ihre Verpflegungs- 
gebühren bei den Quartierträgern und < >rtsbehörden anzuweisen. 
Einerseits lag die Gewissheit vor, dass der Soldat sich in den seltensten 
Fällen mit der festgesetzten Ausmass begnügen werde; andererseits 
hatte das unwillige bayerische Volk eine nur zu günstige Gelegenheit 
zu unausgesetzter Beschwerdeführung. Bei der hiedurch gesteigerten, 
schon ursprünglich vorhanden gewesenen, wechselseitigen Verbitterung 
ist es begreiflich, dass namentlich die zum Abmärsche beorderten 

') Supplement-Heft Nr. 4. 

-i Supplement-Heft Nr. 11, 35. 36. 

') Eriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. 1. 6. 



36«; 

Regimenter, wie /.. B. im Jänner Zolleru and Gronsfeld, ihre rück 
ständigen Forderungen an das Land eben nicht auf müde Weise 
einzutreiben suchten und dabei bedeutend mehr in Anspruch nahmen, 

als ihnen von Rechtswegen gebührte. 

Da schon zu Beginn des Jahres von der kaiserlichen Militär- 
Verwaltung solche Zustände als gefährlich und unhaltbar bezeichnet 
wurden 1 ), erfolgte vom Prinzen Eugen als Präsidenten des Hofkriegs- 
rathes (20. Jänner) die strenge Weisung, die Verpflegung der in Bayern 
stehenden kaiserlichen Truppen nach der „herausgegebenen Norma" 
durchzuführen, jeden Uebergenuss aber zum Besten des Aerars herein- 
zubringen 2 ). 

In der Zwangslage musste bezüglich der für den Krieg über- 
haupt so dringend nöthigen Geldbeschaffung auch auf Bayern reflectirt 
werden und es erfolgte bei den bayerischen Ständen die Ausschreibung 
einer Anticipation von 200.000 rl. Doch diese zeigten sieh äusserst 
renitent und die Kriegs-Üommissariatsamts-Substitution berichtete darum 
an den Prinzen Eugen: „Dahero wird man desto schärfer mit ihnen 
verfahren müssen" 3 ). Eine besondere Contribution, die dem bayerischen 
Adel auferlegt wurde, gab Anlass zu wiederholten Remonstrationen 
und der Bischof Franz Johann von Freising erklärte die geistlichen 
Stifter als exempt*); doch die Kriegs-Commissariatsamts-Substitution 
zu Landshut erwiderte, dass die auf den bayerischen Adel repartirte 
Contribution auch von den geistliehen Stiftern getragen werden müsse. 

Um den unfertigen Zuständen ein Ende zu machen, ward Graf 
Löwen stein nach Wien berufen und es fanden am 20. und 30. März 
unter Präsidio des Prinzen Eugen Sessionen statt, „um wegen der 
Einsetzung der Administration in Bayern, und in welcher Weise sie 
erfolgen solle, zu berathen 5 ). Die beigezogenen Grafen Oetting, Manns- 
feld, Kinsky, Löwenstein, Max Breuner, ferner die Verwal- 
tungs-Beamten L a s b u r g, Loch, Schallenfeld, v. S a u 1 e r etc. etc. 
äusserten sehr verschiedene Meinungen und der Reichskanzler gab ein 
in 14 Puncten formulirtes Votum ab 6 ), in welchem zumeist auch die 
vom Prinzen Eugen ausgesprochenen Ansichten ihren Ausdruck fanden! 
Der Schwerpunct lag in der Schleifung der befestigten Orte Braunau, 
Schärding u. s. w. und in der Uebernahme aller in Bayern vorhandenen 

') Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. I. 8. 

-) Supplement Heft Nr. 11. 

') Kriegs-Archiv, Römisches Reich, L705 ; Fase. 1. 11. 

*) Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. IV. ait 4a. 

'I Haus-, Hof- und Staats-Archiv, 17o.">. 

I Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Bavarica. 



:?67 

Arsenale, da die österreichischen Mitglieder der Session keine grossen 
Hoffnungen bezüglich des ruhigen Besitzes Bayerns hegten. 

Die Directive für die Civilverwaltung zeigen, wie sehr der Wiener 
Hof bemüht war, durch Güte die aufgeregte Stimmung in den baye- 
rischen Landen zu beschwichtigen und, soweit es ohne offenbare Gefähr- 
dung der eigenen Interessen geschehen konnte, Alles aus dein Wege 
zu räumen, was das Gefühl des Volkes zu verletzen geeignet schien. 
< »li dies der richtige Weg war, sollten die Ereignisse lehren. Der 
für die drei bayerischen Rentämter Landshut, Straubing und Burg- 
hausen bestellte Administrator Maxmilian Carl Graf Löwenstein 
erhielt vom Kaiser eine umfassende Instruetion ddo. Wien, 4. April 1705, 
über seinen Wirkungskreis'). 

Vorläufig hatte er den Amtssitz in Landshut zu nehmen und 
seine Thätijikeit mit der Aufforderung zur Huldigung zu beginnen. In 
genannter Stadt war von Löwenstein persönlich, in allen anderen 
Orten aber „durch subdelegirto Bevollmächtigte" sowohl von den 
Ständen, als auch Unterthanen unter jenen Modalitäten, welche in 
Bayern bei den landesfürstlichen Erbhuldigungen p-leuviilieitlicb des 
Antrittes einer neuen Regierung üblich waren, die Huldigung ent- 
gegenzunehmen. 

Im AVillen des Kaisers lag es, dass „der Administrator in Bayern" 
Absicht und Fürsorge vornehmlich dahin richte, die Landstände und 
Unterthanen „so viel es bei jetzigen schweren Kriegszeiten geschehen 
kann", in guter Stimmung zu erhalten und ihnen „gleiches Recht" zu 
ertheilen, die Cameralien-Einkünftc wohl zu verwalten, endlich die 
Contributionen ordentlich zu repartiren und einzubringen. 

L e o p o 1 d I. anerkannte, dass in den drei Rentämtern die Regie- 
rung und Kammer „gar wohl eingerichtet und instruirt sind" und 
wollte darum nur jene Aenderungen vornehmen lassen, dir Graf 
Löwenstein im Interesse der kaiserlichen Regierung nothwendig 
finden würde, und zwar nur in Bezug auf Personen. Es sollten näm 
lieh jene verdächtigen oder untauglichen Beamten, welche der Admi- 
nistrator „zu removiren nöthig erachtet -1 , dem Kaiser namhaft ge 
macht werden, da in dessen Diensten keiner zu dulden sei, welcher 
«zugleich dem Churfürsten oder der Churfürstin von Bayern dienstbar 
sein und bleiben wolle". 

Auch die Rechtspflege, welche nur nach den bayerischen „Landes- 
verordnungen und Satzungen" geübt werden sollte, empfahl Leopold 
„dem absonderlichen Aufsehen" Löwenstein's und wies ihn an, ..wo 

'l Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705: Fase. IV. 5. 



368 

es seine' anderen wichtigeren liegierungsgeschäfte" nur immer zula-^eu 
würden, „deren Sessionibus" beizuwohnen, in den einzelnen Justiz. 
fällen aber die Mehrheit „der Meinungen oder Vota gelten und nach 
denenselben den Schluss machen 1 ' zu lassen. Da unter den nunmehr 
geänderten politischen Verhältnissen ein Recurs gegen Urtheilssprüche 
nach München nicht mehr zulässig war, so ergab sieh die Notwen- 
digkeit der Errichtung eines „absonderlichen Appellationsgerichtes, 
worüber der Administrator mit Zuziehung einiger Käthe aus dor 
tigen Regierungen'' einen Entwurf zu machen, dabei aber darauf Rück- 
sicht zu nehmen hatte, dass dies mit „den mindesten Kosten und 
Beschwerung des Landes" geschehe, dass für die zu besetzenden 
„Rathsstellen und Pflegen taugliche Personen vorgeschlagen •' würden; 
endlich dass „so viel immer geschehen kann, auf die Verminderung der 
überflüssigen Bediensteten reflectirt und deren Anzahl nicht unnüthiger 
Weise vermehrt werde". 

übschon der Kaiser im bayerischen Regierungs-, Verwaltungs- 
und Justizwesen an dem Beamten-Status so wenig als möglich gerüttelt 
wissen wollte, so musste er doch verhüten, „dass nichts Nachtheiliges 
eiler Gefährliches" gegen seinen Dienst „vorgenommen werden möge". 
Darum erachtete er es als eine unabweisliche Notwendigkeit, der 
Administration „einige taugliche und erfahrene Subjecta" vom lief 
kriegsrathe, der Hofkammer und dem Kricgs-Commissariate beizuordnen. 
Löwenstein sollte Jeden derselben „in seiner Sphäre, oder auch 
nach der Sachen Wichtigkeit, alle insgesammt in vorfallenden Bera- 
thungen und Verrichtungen gebrauchen", aber „auch auf deren ver- 
nünftiges Gutachten gehörige Reflexion machon und von dem, was bei 
den gemeinsamen Deliberationen von den mehreren gut befunden, 
ausser erheblicher Ursachen, nicht abgehen". Im Allgemeinen aber 
waren diese Beiräthe in allen den kaiserlichen Dienst berührenden 
Angelegenheiten an Löwenstein „angewiesen und ihm derart 
subordinirt, dass sie ihn als ihren vorgesetzten Präsidenten gebührend 
respectiren und ihre dortige Function unter seiner Ober-Direction ver- 
richten" mussten. 

Im Geschäftsgänge wurde der Modus eingeführt, dass alle kaiser- 
liehen Behörden in Wien, selbst wenn es der Hofkriegsrath oder die 
Hofkammer war, die auf die Administration in Bayern Bezug nehmen- 
den Agenden und Verordnungen Löwenstein direct mitzuthcilen 
hatten, und ebenso die Schriftstücke, welche von den kaiserlichen Beige- 
ordneten für Wien bestimmt waren, von ihm mitgefertigt werden mussten. 

Die freie Correspondenz nach Frankreich und den Niederlanden 
sollte der Administrator gänzlich einstellen und „die Posthalter oder 



Postillone, so liin und wieder vom Churftirsten , insonderheit auf 
anderer Fürsten und Stände Territorio in der gewöhnlichen Reichs- 
Postroute angestellt worden, entliehen und an deren Stelle" von dem 
kaiserlichen General-Postmeister andere , die der neuen Regierung 
treu ergeben, einsetzen lassen. 

Da sichere Kunde darüber herrschte, dass Kriegsmaterial, welches 
dem Traetate gemäss hätte ausgeliefert werden sollen, aus den Maga- 
zinen und Zeughäusern verschleppt und im Lande verborgen sei, ward 
die Administration angewiesen, nachzuforschen und das zu Staude 
Gebrachte unverzüglich auszufolgen. 

Bezüglich des im Besitze der Churfürstin gebliebenen Rentamtes 
München waren besondere Massnahmen nothwendig. Dasselbe hatte nach 
dem vom Kaiser approbirten Reichsgutachten, ddo. 17. November 1702 
und 11. März 1704, zu der bayerischen Kreisverfassung sein Contin- 
gent zu stellen. Da dies aber durch Recruten nicht geschehen konnte, 
so sollte ein entsprechender Beitrag in Geld gefordert werden. Den 
Räthen und Beamten der von den Kaiserliehen besetzten Rentämter 
war der freie persönliche Verkehr mit München zu untersagen: die 
dahin geflüchteten Bewohner der übrigen Rentämter sollten sich bei 
Vermeidung schwerer Strafe und Confiscation ihrer Güter bei Haus und 
Hof wieder einfinden, dagegen aber alle im Münchener Rentamte sich 
etwa noch aufhaltenden Ofticiere oder Soldaten von fremden Nationen 
aus dem Lande gewiesen werden. 

GWM. Graf Franz Sigmund vonLamberg, welcher in geheimer 
Mission gleichfalls nach Bayern bestimmt und der Administration zu- 
gewiesen war, erhielt eine besondere Instruction ') ; von Seite des Hof- 
kriegsrathes und der Kriegs-Commissariatsamts-Substitution ertheilte 
Graf Max Ludwig Brenner die erforderlichen Directive s ). 

Obschon dem Oberbefehlshaber der kaiserlichen Truppen, Feld 
marsehall Grafen von Gronsfeld, aufgetragen war, die Autorität 
der bewaffneten Macht zu wahren, so blieb er doch in militärischer 
Hinsieht der Civilverwaltung derart beigeordnet, dass aus den beider- 
seitigen Befugnissen unausgesetzte Reibungen hervorgehen mussten. 
Wohl war vermöge hofkriegsräthlichem Rescripte ddo. 19. April 3 ) 
das Verhältniss der Militär- Commandanten zur Administration dahin 
geregelt, „dass der status militaris sowohl respectu der Kriegspersonen, 
als vorkommenden Kriegs-Operationen, welche pure militare sind, nächsl 
Ihro kaiserlichen Majestät und Dero Hofkricgsrath mit Gehorsam und 

') Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. IV. 9. 
2 J Kriegs-Archiv, Kömisches Reich, 1705 j Fase. VI. ad 0. 
') Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Bavarica; 1705. 
Feldziige des Prinzen Eugen v. Savoyen. VII. Band. 2 t 



370 

Aufsicht allein unter der von einer Zeil zur ändern commandirenden 
Generalität stehen solle" .... „jedoch habe man in dergleichen 
Vorfallenheiten mit der Administration oder auch nur mit dem Herrn 
Administrator jedesmal die Communication im Voraus zu pflegen". 
Der Nachsatz dieser Verordnung machte sonach das militärische 
Dispositionsrecht völlig von den Ansichten der Administration ab 
hängig und zumeist trug dies die Schuld an der Ausbreitung des 
Aufstandes. 

FML. Marchese Bagni, mit dem Commando zu Ingolstadt 
betraut, woselbst die Studenten gefährliche Tumulte hervorgerufen 
hatten, erhielt eine besondere Instruction. Er sollte zwischen den 
Truppen, der Bürgerschaft und den »Studenten das gute Einvernehmen 
zwar hegen, den näheren Verkehr aber sorgfältig • hintanhalten , die 
Entwaffnung sämmtlicher Bewohner vornehmen, nötigenfalls die 
Universität schliessen lassen, die Festung in möglichst guten Ver- 
theidigungsstand setzen, endlich Alles vorkehren, was zur Erhaltung 
des Platzes nöthig sei '). 



Die Besitzergreifung der Stadt und des Rentamtes München 
durch kaiserliche Truppen. 

Hatte die Clmrfttrstin gleich zu Beginn des Jahres durch den 
Protest gegen die Einstellung der Befestigung von Reichenhall, welche 
sie als ihr Recht in Anspruch nahm. Kaiser Leopold gerechten Grund 
zum Misstrauen gegeben, so wurde dieses durch die Vorgänge bei 
der Münchener Regierung mehr und mehr gesteigert. Dazu kam noch 
der Bericht, des Cardinal Lamberg aus Rom. dass es in Frankreichs 
Absieht liege, „die Restitution des Churfürsten von Bayern durch 
den Papst zu negotiiren. oder im Weigerungsfalle die geistlichen 
Fürsten und Stände durch seine officia und Exempel zu vermögen, ihn 
Kaiser nicht anzuerkennen" 8 ). 

Es unterliegt wohl keinem Zweifel, dass Stadt und Rentamt 
München einen gefährlichen Herd für alle vom verbannten Churfürsten 
gegen das Kaiserhaus angesponnenen Intriguen bildete. Mächtig und 
zahlreich waren die Bande, die ihn fest an sein verlassenes Reich 
knüpften, und in der zu München zurückgebliebenen churfürstlichen 
Familie lag der Hebel, auf das Gemüth des ihm treu anhängliehen 
Volkes einwirken zu können. 



'i Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. IV. 10. 
'I Haus-, Hof- und Staats-Archiv, [talica; Jänner 1705. 



371 

All' dies waren Gründe genug, dass Leopold I. die Besitz 
ergreifung von München und des gleichnamigen Rentamtes für aöthig 
hielt. Darum intimirte er dem Grafen Löwenstein, „wie der Hofkriegs- 
rath an Feldmarschall Gronsfeld eine Verordnung erlasse, welche 
Truppen bei dem Vorhaben in Verwendung gebracht werden könnten" ' i. 
Da der Kaiser aber seine zur Zeit in Bayern gestandenen Truppen 
als nicht zureichend hielt, beauftragteer Löwenstein, den dänischen 
General-Lieutenant Harboe, ohne demselben das Vorhaben völlig 
zu entdecken, auszuforschen, ob, im Falle es verlangt würde, derselbe 
seine Truppen in Bewegung setzen und, wenn nöthig, bei einer 
„scharfen Action" betheiligeu wolle. Mit Gronsfeld sollte wohl über- 
leg! «erden, „wie Alles im höchsten Geheim anzulegen und bo viel 
möglich ohne Weitläufigkeit und ohne Waffengewalt'' ins Werk 
gesetzt werden könne. Gelange man unversehens in den Besitz der 
Stadtthore, so würde dies der Kaiser „am liebsten sehen" ; wo nicht, 
so solle man die Truppen so stille und so nahe als möglich anrücken 
und dem Hofstaate und dem Bürgermeister dann wissen lassen, dass 
der Kaiser aus wichtigen Ursachen und zu des Landes eigener Sicher- 
heit und Ruhe es als eine unumgängliche Notwendigkeit befunden habe, 
eine Besatzung in die Stadt zu legen. Im Falle eines Widerstandes 
seien die Prinzen und Bewohner zu erinnern, dass sie sich einer 
Bombardirung und dem grüssteu Unglücke aussetzen würden •). 

Graf Lüwenstciu, um selbst das geringste Aufsehen zu ver- 
meiden, hatte Harboe für den 5. Mai, an welchem Tage der Statt- 
halter die Regierung und Bürgerschaft in Pflicht nehmen und die 
Huldigung ablegen Hess, zu sich nach München gebeten. Bei der 
Verhandlung erklärte der dänische Befehlshaber, dass er sich ohne aus- 
drückliche Weisung von Seite des dänischen Gesandten in Wien nicht 
moviren dürfe, und Löwenstein suchte wenigstens so viel zu errei- 
chen, dass bis zum Eintreffen der Ordre die Marschbereitschaft ver- 
fügt werde. Er drang in Harboe, beim Versagen der Mitwirkung doch 
wenigstens in Münchens Nähe zu rücken, um im Falle eines Wider- 
standes nicht völlig ohne Soutien zu sein. Dabei wurde das Argument 
geltend gemacht, dass, wenn man die „gegenwärtig abeilende Gele- 
genheit" versäume, mithin das Werk nicht von Statten gehen sollte, 
nicht blos Sr. kaiserl. Majestät Dienst, sondern auch die dänischen 
Truppen darunter leiden würden, indem dann nicht abzusehen wäre, 
wie diese zu ihren Restanzen gelangen könnten 1 ). 

') Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Bavarica; April 1705. 

2 J Haus-, Hol- und Staats-Archiv, Bavarica; 1705. 

3 ) Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. IV. '25. 



372 

Obrist De Wen dt äusserte sich gegen Löwenstein: „Obschon 
er die Wichtigkeit eines solchen Schrittes wohl erkenne, doch auch 
auf das Gefährliche desselben hingedeutet werden müsse. Wenngleich 
es den Anscheiu habe, die meisten Rentämter wären von den abge- 
dankten Soldaten verlassen, so befände sich doch der grössere Theil 
in Bauernkleidung im Lande. Diese Miliz, welche 4 — 5 Jahre in des 
Ohurfürsten Diensten gestanden, ferner das Rentamt München und 
nicht minder die anderen Rentämter, seien verbittert und wurden 
jedem Winke ihres flüchtigen Landesfürsten freudig folgen. Hiedurch 
könne sich im Ganzen eine viel grössere Macht sammeln, als man 
wohl wähne. Zweifellos wäre die Gewinnung der Hauptstadt unauf- 
schiebbar, doch müsse man erwägen, ob die genügende Truppenzahl 
und alle zu dem Unternehmen nöthigen Kriegsbedürfnisse vorhanden 
seien ')." 

Fast in gleichem Sinne lautete der vom Feldmarschall Grons- 
feld, ddo. Landshut, 7. Mai, an den Kaiser erstattete Bericht: „Auf 
die Informationen Löwenstein's könnten im Geheimen und unter 
verschiedenen Vorwändeu die wenigen seinem Commando unter- 
stehenden kaiserlichen Truppen am 14. Mai concentrirt sein. Diese 
würden aber bei der Ungewissheit des Mitwirkens der Dänen, und 
bei der Wahrscheinlichkeit, die vom Prinzen Eugen dringeudst vor- 
langten Churpfälzer nicht länger zurückhalten zu können, kaum aus- 
reichen. Es sei nicht blos der günstige Erfolg, sondern auch die 
gefährliche Seite in's Auge zu fassen. Obschon man an dem Gelingen 
des Unternehmens nicht zweifle, müsse doch vorweg die Bürgschaft 
gegen Zufall und Misserfolg abgelehnt werden, nachdem die Zu- 
neigung, welche das Land und die Stadt München für ihren gewesenen 
Landesfürsten hegen, sich nicht ignoriren lassen. Allenthalben zeige 
sich die Animosität gegen das kaiserliche Regiment und selbe werde 
sich ohne Zweifel vermehren, wenn man gleichfalls ihre Herzkammer, 
nämlich ihre Hauptstadt, und die dort befindlichen churfürstlichen 
Prinzen mit Schwert und Feuer angreifen und beängstigen würde 2 )." 
Gronsfeld befürchtete, dass eine Erhebung nicht blos im Rent- 
amte München, sondern auch „in den übrigen dreien, so gleichsam 
als eine Kette zusammenhängen", sehr leicht entstehen könnt'. 

Von Wien kam die bestimmte Weisung, vor Anwendung der 
offenen (lewalt dem Münchener Gubernium zu bedeuten, „dass [bxo 
kaiseil. Majestät, um allen Gefährlichkeiten, die sattsam am Tag liegen, 
auch seiner Zeit der Welt sollten geoffenbart werden, kräftig zu 

') Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Bavarica; April 1705. 
2 ) Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Bavarica; Mai 1705. 



:?7.s 

steuern, das heilige römische Reich und die Erblande in desto mehr 
Sicherheit zu stellen, seien bewogen worden, sieh des Ortes zu ver- 
sichern und solchen lediger Dinge zu besetzen, ohne dass im Uebrigen 
gegen der Bürger Freiheit und Ruhe oder sonsten etwas Neuerliches 
sollte vorgenommen werden"' '). 

Die Einleitung und Durchführung der Action, im Falle es darauf 
ankäme, Gewalt anwenden zu müssen, überliess Joseph I. völlig 
Gronsfeld's Einsicht; er bemerkte nur, dass. wenn München sich 
durch Ueberrumplung bewältigen Hesse, dies „gleich gelten würde", 
und dass bei einem derlei Anschlag die Massnahmen wohl zu treffen 
wären, „auf dass man nicht prostituirt werde; wie dann daroben in 
facie loci die weitere Veranlassung in Allem wird besser geschehen 
können" 2 ). Nach Besitzergreifung der Stadt sollte Gronsfeld sich der 
Prinzen „mit aller Höflichkeit versichern, doch gleichwohlen mit wach- 
samen Auge beobachten". Ausserdem erging die Weisung, den Schatz 
zu registriren, „weiters aber" die Archiv- und Kanzlei-Schriften, wie 
auch die Bibliothek zur Hand nehmen und unter diesen „alle die 
Fürnehmeren, so bei dem Guverno gegen das kaiserliche Interesse ver- 
dächtig sind, ab- und ausser München zu schaffen". In Bezug auf 
Personen wollte der Kaiser blos den Secretär des Churfürsten, Neu- 
sönner, und einen sicheren Beaumont, der einer Nachricht zufolge 
sieh als gefährlicher Correspondent in München aufhalten sollte, in 
seine Gewalt bekommen. 

Die Vorbereitungen zum Abmärsche gegen München waren der- 
art eingeleitet worden, dass am 15. Mai der mit den churpfälzischen 
Truppen nach Ober-Italien bestimmte GWM. Isselbach und Feld- 
marschall Gronsfeld mit 4000 Mann Kaiserliehen, in der Gesammt- 
stäike von 8000 Mann, mit schwerem Geschütz und Mörsern aus- 
gerüstet, eine Stunde von Münchens Contreescarpe entfernt, ver- 
sammelt waren. 

Weder die Truppen, noch die Landesbewohner ahnten die nächste 
Absieht, denn die Concentrirung war unter dem Verwände vorge- 
nommen worden, dass man auf Prinz Eugens Befehl die Artillerie 
mit Isselbach's Truppen nach Italien zu senden habe, Grons 
feld aber „zur Soulagirung des Landes ein Campement zu machen 
resolvirt sei" 3 ). 

Bei der Vorrückung und Aufpflanzung des Geschützes gegen 
die Stadt, wusste das in äusserste Bestürzung gerathene München 

'i Saus-, Hof- und Staats-Archiv, Bavarica; Mai 1705. 
8 ) Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Bavarica; Mai 1705. 
3 ) Kriegs-Archiv, Römisches Reich, «705; Fase. V. 5b. 



374 

bald, woran es sei, und Niemand dachte im ersten Schrecken an W ider 
stand. Der mil Bekanntgabe der kaiserlichen Propositionen betraute 
General Adjutanl Graf Enkheforth hatte bezüglich der zu gewärtigen 
den Bombardirung einen äusserst kurzen Termin zu stellen, aber den 
noch gewann es den Anschein, als oh der Pöbel und die Bürgerschaft 
es zum Aeussersten kommen lassen wollten. Auf die von Feld- 
marschall Gronsfeld schriftlich abgegebene Versicherung jedoch, 
dass er den „Chur- und anderen Prinzen nichts Widriges werde wider- 
fahren lassen" und die Bürgerschaft bezüglich der Bestätigung ihrer 
Privilegien unterstützen wolle, erfolgte bereits am 16. die Erklärung, 
die kaiserlichen Truppen in der Stadt aufzunehmen. Noch an dem 
nämlichen Tage um 5 Uhr Abends defilirte Ohrist De Wendt mit 
424 Mann von Baden und Bayreuth. 392 von Salm, 500 von Kriech 
Kaum, 300 von D'Albon und 900 von De Wendt, nebsl 300 Reitern in 
die Stadt, und es wurden die nöthigen Sicherungsmassregeln getroffen. 
Die Aufforderung an die Bürger zur Ablieferung der Waffen blieb 
ohne, jede Gegenvorstellung und ebensowenig bot die am 19. Mai 
vorgenommene Auflösung und Abdankung der churfürstlichen Garde 
irgend eine Schwierigkeit; wie Löwenstein an den Kaiser berichtet, 
zeigte sich diese Truppe sogar geneigt, in kaiserliche Dienst.' zu 
treten'). Die Infanterie Hess sich zum grössten Theil in De Wendt's 
und andere Regimenter, einige Mann bei den Churpfälzern einreihen: 
von den Dragonern jedoch war blos Obristwachtmeister Mändl 
erbötig, mit etlich und zwanzig Mann kaiserliche Kriegsdienste 
anzunehmen - |. 

Um bei den eigentümlichen Verhältnissen in diesem Lande 
für alle unvorhergesehenen Ereignisse vorbereitet zu sein, wurden die 
Besatzungen in folgender Weise beantragt: 

München 2500 Mann, und zwar: De Wendt 900. Franken 1000, 
Land-Kecruten 000 ; 

Ingolstadt 1500 Mann, und zwar: Friesen 600, D'Albon 4(10. 
Franken 500; 

Braunau 800 Mann, und zwar: Sickingen 800; 

Schärding 200 Mann Land-Kecruten: 

Burghausen 300 Mann Land-Kecruten. 

Zur Zeit der Besetzung Münchens waren aber: In Ingol- 
stadt 300 Mann Recruten von D'Albon, 100 Mann Thüngen, 50 Mann 
Württemberg, 000 Mann Friesen. Bataillon D'Albon 401) Mann: in 
Braunau 850 Mann Sickingen: inSchärding 200 von Sickingen 



M Haus-, Hof- hui! Staats-Avchiv, Bavarica; Mai 1705. 
-) Kriegs-Archiv, Römisches Beich, 1705; Fase. V 5c. 



375 

aus Braunau, und in Burghausen 150 Mann von Thüngen. General 
[sselbac.h, darüber ungehalten, dass man -eine Truppen hei Besitz- 
ergreifung der Stadt nicht in Anspruch genommen, brach sofort gegen 
Tyrol auf und konnte ungeachtet mancher Vorstellungen von Seile 
Grronsfeld's nicht zurückgehalten werden'). 

Den Intentionen des Kaisers gemäss traf die „bayerische Landes- 
Administration" die in München uöthigen Verfügungen. Der „Schatz, 
das Antiquarium, die Kunstkammerund Archive" wurden „obsigniret", 
in den Verwaltungszweigen die uöthigen Reformen in Erwägung 
gezogen und darüber in einem ausführlichen Elaborate*) dem Kaiser 
berichtet. Welche Schwierigkeiten die Administration bezüglich der 
Aufbringung der Geldmittel, der Verpflegung und der Beistelluiig des 
Reichs-Contingentes vorhersah, erhellt aus folgender Stelle: „was 5. in 
hac reflexione auf das militare ankombt, so fallen eben nicht mindere 
Difficultäten vor, dass man je und allezeit mit dem Gewehr in der 
Hand sich hier in Garnison zu manuteniren wird besorgen und unauf- 
hörliche Contrasti vor Augen sehen müssen, ingleichen unzweifentlich in 
die Länge die Verpflegung unter vielerlei Prätexten difficil gemacht 
werde". Um die Bürger nicht aufzuregen , hatte man unmittelbar 
nach Besitzergreifung der Stadt die kaiserlichen Truppen lediglich 
auf ihre Wochengelder beschrankt und von den Bewohnern flicht das 
Geringste beansprucht, und auch für die Folge blos aus den über- 
nommenen Magazinen die Verpflegung verabreicht. Diese Mittel 
mussten aber früher oder später zu Ende gehen und Bürger und Lind 
mann zur Beitragsleistung herangezogen werden; dies allein war schon 
genug, die allenthalben zurückgehaltene Missstimmimg in bedenklichem 
Grade zu steigern. 

An die Administration in München schrieb Prinz Eugen 3 ) 
kurz nach der Besetzung der Stadt, dass vor Allem die Dcsarmirung 
„in allewege" zu bewirken sei, denn dies bilde den Hauptpunct, 
welcher den ruhigen Besitz des nunmehrigen gesammten Churfürsten- 
thumes am meisten befestigen müsse. Es sei nothwendig, „was 
von Gewehr und Munition schwer und leichter Gattung den Namen 
haben mag*), in allewege strictissime zusammenzusuchen". Dem in 
München amtirenden GWM. Graf liamberg aber bedeutete der 
Prinz, „dass man die Demolirung von Braunau und Schärding 
nicht ausser Acht, sondern, dass eines sowohl, als das andere, und 

') Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. V. ad ."> 1). 
-') Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. V. ad 5c. 
'I Supplement-Heft Nr. 00, 97, 98, 99. 
») Anhang, Beilage 2. 



376 

zwar je eher je besser geschehe, bestermassen sich angelegen sein 
lasse" ' i. 

Kaiser Joseph hatte verordnet, dass das Münchener Rentamt 
„gleich denen anderen der kaiserlichen Submission bereits ergebenen 
Rentämtern übernommen und tractirt werden solle", und bereits am 
(i. Juni legten „die geheimen Revisions-, Hof- und Kammerräthe, wie 
auch die geheime Kanzlei und die von diesen Stellen abhängigen 
Beamten das „Juramentum fidelitatis" ab und wurden somit sämmtlich 
in kaiserliche Pflicht «nommen. 



Die Reibungen zwischen der Administration und den kaiser- 
lichen Truppen-Befehlshabern. 

War der kaiserliche Truppen-Befehlshaber Feldmarschall Grrons- 
feld schon vom Anbeginne mit den von der Civilverwaltung getroffenen 
Verfügungen und Anträgen bezüglich der Dislocirung und Verpflegung 
seiner Soldaten nicht einverstanden, so wurde dieses Verhältniss nach 
der Besetzung Münchens ein noch gespannteres, und die Administration, 
welche schon mehrmalen darüber Andeutungen hatte fallen lassen, 
führte endlich Anfangs Juni die directe Beschwerde, „dass das unge- 
ziemende und propositirte Procedere des Herrn Feldmarschallen Grafen 
von Gronsfeld endlich ausgebrochen'-), welches auch von solcher 
Prostitution und übler Consequenz ist. dass bei dem ohnedem zaum- 
losen Soldaten, nie keine Remedur zu hoffen, sondern je mehr und 
mehr die Dicasterien in die Verächtlichkeit verfallen und endlich 
besser sein wird, wenn man bei so beschaffenen Dingen lieber Alles 
erliegen lasse, als solchen Beschimpfungen sich exponirt sehe". 

Forscht man nach den Motiven zu so schwerwiegender Anklage, 
so zeigt sich, dass, wie so häufig auch hier zwischen der eivilen und 
militärischen Hierarchie aus rein persönlichen, vermeintlichen Autoritäts- 
verletzungen, Zwiespalt und Reibungen entstanden, über welchen das 
Interesse des Dienstes völlig aus dem Auge verschwindet. Keinesfalls 
war die Stellung des Militär- Commandanterj beneidenswerth, da er bei 
jeder seiner Dispositionen dem Einflüsse der Civilregierung grosse 
Concessionen machen, häufig auch völlig sich unterordnen musste. 
andererseits aber die Bevölkerung stets über geübten Druck Klage erhob. 

In Folge der von der Administration vorgebrachten Beschwerden 
ward die schon früher geplante Versetzung Gronsfeld's zur Armee 



') Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. V. 11. 
-I Kriegs-Arehiv, Römisches Reich, 1705; Fase. VI. ad 



:*77 

im heiligen römischen Reiche beschleunigt und an seiner Stelle 
FML. Graf Bagni zum Oberbefehlshaber der kaiserlichen Macht in 
Bayern ernannt *). Da Ersterer aber sieh keineswegs beeilte, dem von 
Wien aus ergangenen strieten Befehle Folge zu leisten, so schriet) 
ihm Eugen aus Gavardo am 14. Juni'), dass: „so viel den Punct, ob 
Sie länger allda zu verbleiben haben sollten, anbetrifft, ich meines 
Orts der Meinung wäre, dass nach des Hofes Disposition, Dieselben 
sieh zu der im römischen Reich stehenden Armada zu \oriugen hätten". 

Ein längeres Zögern war nunmehr nicht möglich und Grons- 
feld ertheilte Bagni bei der Uebergabe eine umfangreiche schrift- 
liche Instruction, in welcher Folgendes bemerkenswerth erseheint: 

Vor Allem sollten die festen Plätze München, Ingolstadt und 
Braunau wohl besetzt und verwahrt werden. Für München war eine 
ständige Garnison von 2500 effectiven Mann Infanterie und 200 Reitern 
festgesetzt, von welch' letzteren die eine Hälfte im Zeughaus, die 
andere an einem geeigneten Puncte in der Vorstadt postirt werden 
musste. 

Für Ingolstadt, bestimmte Gronsfeld 1800 Mann zu Fuss und 
20 zu Pferd, weitere 50 Reiter aber sollten in einem, diesem Puncte 
nahe gelegenen Dorfe als Vorwache aufgestellt werden. Braunau sollte 
mit 800 Manu besetzt werden. Ausserdem disponirte Gronsfeld in 
die Stadt Laudshut 100, in das dortige Schloss 50, nach Wasser- 
burg 100, in das Schloss 50 Mann als Besatzungen. 

Ein Streiflicht auf die Art der Truppen-Excesse, die den Gegen- 
stand wiederholter Klagen bildeten, wirft die Bemerkung: „sieh bei 
der Administration zu bemühen, damit diese nicht das von den Truppen 
über die reglementarische Gebühr Genossene, oder die Gutmachung 
der von Excessen herrührenden Schäden durch Abzüge von der 
Löhnung hereinzubringen suche": „wenn man dem gemeinen Mann 
das Wenige, so derselbe in Speis und Trank oder Fourage über die 
Normen genossen hat, abziehen sollte, welches, masseu es schon con- 
sumiret, mit den künftigen Posten nebst seinen Diensten zu ersetzen 
unmöglich fallen würde. Wie dann auch, wenn der Soldat mit seinem 
Wirth um etliche Grosehen verglichen und von seinem Maul zur 
Erkaufung von Halstüchern, Hemden, salva venia Strümpfen, Schuhen 
und anderen Flickereien Etwas erspart, dasselbe abzuziehen nicht 
gewilliget weder gestattet werden solle, fürnehmlieh weil das Land 
wegen den Excessen nicht allein die Subordination der Officiere (wie 



') Supplement-Heft Nr. 115, 12 
5 ) Supplement-Heft Nr. 180. 



378 

es die Norm wohl mit sich gebracht) prästiret, sondern mehrentheils 
die Klagenden, ohne der geringsten Specification oder Benennung des 
Excedenten Namen, Charge, weder Regiment, sondern generice und 
confus eingegeben, so sind alle Ausrichtungen und Remedur, wie genug- 
sam bezeuge! werden kann, verschafft worden, auch bei dergleichen 
Prätentiones (allwo man die Trupps nicht unter einer Eut hat, sondern 
in einem sn weitläufigen Lande dislocirt sein), einem commandirenden 
General unmöglich ist, hinter einem jeden Musketier oder Reiter 
zu stehen und die Excesse zu verhüten; also weil der Fehler mehr 
von dem Land, als von der Miliz herrührt, auch billig ist, dass das 
Land ehender als die Miliz Schaden trage und Ihro kaiserl. Majestät 
Dienst durch solchen unbilligen Abzug leiden sollte. Wie dann ebenfalls 
nicht mehr denn billig ist, dass dergleichen Abrechnungen nichl 
also einseitig, sondern wie zu jeder Zeit gebührlich im Beisein einiger 
Officiere I welche nach der Billigkeit und Justiz, damit der Miliz kein also 
grosses Unrecht widerfahre, observiren) vorgenommen werde" 1 ). 

Gleicher Ansicht war Prinz Eugen, denn er äusserte sich gegen- 
über der Administration in Bayern: „die Berechnung mit dem Land und 
die Inquisition sind alle beide so billig als nöthig; bei dem Ersten 
aber ist nit Alles zu glauben, was der Land- und Bauersmann ansetzet: 
dann gleichwie der Soldat zum Theil nit mehr in loco, sondern ausser 

Land ist, als kann auch dieser vorbringen was er will" dann 

gleichwie dii'ses sehen ein eonsmuirtes Wesen ist, als gibt auch die 
Erfahrenheit, dass die Länder eher zu viel als zu wenig anzurechnen 
pflegen, hingegen alter wären gleichwohl die begangenen Excessen 
nach aller Schärfe zu inquiriren" 2 ). 

Die definitive Uebergabe des Commando's erfolgte gegen Ende Juni. 



Militärische Massnahmen zur Beherrschung des Bayernlandes. 

Bei der aufgeregten Stimmung im Lande reichten die verfügbar 
gewesenen kaiserlichen Truppen zur Dämpfung eines allenfalls ver- 
suchten Aufstandes um so weniger aus. als seihe Mos durch Detache 
ments von den in Italien und in Ungarn gestandenen Regimentern 
gebildet waren, und selbst gegen diesen Abbruch von den bezüglichen 
Armeen wurde wiederholt sowohl von Seite des Prinzen E u g e n, als auch 
(\i^ Feldmarschall Comte d'Herbeville Einsprache erhöhen. Auf Befehl 
des Kaisers war darum die Administration mit. dem fränkischen Kreise 

') Haus-, Hof- und Staats Archiv, Bavarica 
') Supplement-Heft Nr. 11. 



379 

in Unterhandlungen getreten und am 8. Juni ein Recess entworfen 
worden, „wasmassen der fränkische Kreis auf Ersuchen sich endlich 
resolviret, gegen sichere Conditiones, vormals bei 1500 Mann, jetzo aber 
bei 2000 Mann in 4 Bataillonen zu Fuss in kaiserliche Kriegsdienste 
zu überlassen" '). 

Für Ingolstadt waren 1500 Mann, für München 2700 Mann, für 
Braunau und Schärding L300 Mann beantragt. Die übrigen Orte 
sollten durch die kaiserlichen Werb-Commanden besetzt bleiben*). 

Dies.' bestanden zur Zeit 

von der Infanterie aus: 

Thüngen Ififi Mann 

Guttenstein 18 ,, 

Zum Jungen 35 

Max Starhemberg 34 .. 

De Wendf 302 .. 

Sickingen 383 

Summe . . . 938 Mann 

von der Cavalleri e aus : 





Mani 


Pferde 




Mann 


Pferde 


Savoyen 


19 


114 


Pälfly . . . 


71 


18 


Herbeville . . 


92 


6 


Martigny . . 


77 


52 


Trautmannsdorf . 


47 


29 


Darmstadt . 


. . 56 


22 


Sereni .... 


106 


5 


Leiningen . 


53 


74 


Sinzendorf . . 


24 


18 


Visconti . . 


45 


33 


Neuburg . . . 


45 


10 


Lothringen 


. . 98 


138 


Roccavione . . 


40 


19 


Falkenstein . 


. 153 


30 


Vaubonne . . . 


118 


22 














Summe . 


. 1044 


590 s ). 



Ausserdem waren direct an FML. Bagni angewiesen die 
(»briste: De Wcndt (mit seinen 2 Bataillonen). D'Arnan (mit Com- 
mandirten), D'Albon (mit seinem Regiment), v. Hartleben (mit Com 
mandirten), Graf Kuefstein (Commandant zu Braunau) ; die Obrist- 
lieutenants: Steinlöffel (von Friesen), Coppenhagen (von Würt- 
temberg), Laimbruckh (von Laimbruckh); die Obristwachtmeister : 
B. v. Pettendorff (Thüngen), Graf Czernin (Gronsfeld), Rumpf 



') Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. VI. ad 9j 
2 i Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 170:»; Fase. VI. ad 9. 
' Eriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. VI. ad 9j 



(Bayreuth), Lanthieri (Tollet); und 40 Officiere tod den Regimen- 
tern: Sinzendorf, Jung-Daun, Regal, Lothringen zu Fuss, Salm, Sereni, 
Martigny, Pälfly, Trautmannsdorf, Leiningen, Gschwind, Harrach, Neu- 
burg, Roccavione, Alt - Darmstadt, Vaubonne, Lothringen, Savoyen, 
Herbeyille, Visconti, Philipp Darmstadt, Hannover, Cusani, Falkenstein, 
Sickingen und Baden, ausserdem aber der Zeugslieutenant Pöschl 1 ). 

Die von der Administration gemachten Vorschläge bezüglich der 
Dislocation Hessen sich nicht durchführen, weil eben FML. Bagni 
in Bezug auf den Abmarsch der nach Italien und Ungarn be- 
stimmten Ergänzungen seine directen Befehle erhalten hatte und der 
Commandant der fränkischen Truppen sich nicht den bezüglichen Dis- 
positionen fügen wollte. Bagni hatte nicht minder schwierigen Stand, 
als Gronsfeld, denn auch er musste das eine und das andere An- 
sinnen von Seite der Administration ablehnen. So z. B. hatte diese ver- 
langt, die Münchener Garnison auf den Wällen bivouaquiren zu lassen, 
worauf Bagni erwiderte: „Was man mir inzwischen von Einer hoch 
löblichen Administration aus, wegen Campirung der Münchner Garnison 
auf alldortigen Wällen erinnern thuet, sehe ich keine erhebliche 
Ursache solches zu gestatten, und wie mich, seithero in Furo kaiserl. 
Majestät Diensten stehe, niemals dergleichen geschehen zu sein er- 
innere, also hingegen solches zu kaiserl. Dienst vielmehr schädlich sei, 
die Leut, so ohnedem mit Baracken nit versehen, kein Service mehr 
gemessen, nur die Montirung umsonst abreissen, leicht erkranken und 
zu Grund gehen würden; da man doch bei diesen Conjuncturen viel 
mehr bedacht sein muss, den Stand der wenigen Mannschaft quovis 
modo zu conserviren, die Guarnisonen auch zum Theil derentwegen 
angeordnet seien, um die Regimenter im Feld allzeit zu erhalten und 
genug ist. dass man im Feld nothwendig campiren müsse; da aber 
die Armeen derenthalben ziemlich abnehmen, dessen man bei dieser 
Garnison 1 wohl entübrigt bleiben kann 2 )." 

Schon diese eine Thatsache zeigt, dass Gronsfeld. dem die 
Erhaltung und Schonung seiner Truppen nicht minder am Herzen lag, 
manch triftigen Grund gehabt haben mochte, gewissen Anordnungen 
der Administration nach Kräften zu widerstreben. 

Einen ferneren Beweis für die der kaiserlichen Streitmacht von der 
Administration entgegengebrachte, nicht eben wohlwollende Gesinnung, 
liefert die Aeusserimg Lamberg's gelegentlich des Einrückens von 
Lehöczky-Huszaren in Bayern, welche aus Deutschland schon im Juli 
wegen völliger Erschöpfung in Erfrischungsquartiere gesendet werden 

') Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. VI. 22 ad b. 
*) Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705: Fase. VII 18, 



381 

mussten. Er schrieb nämlich am 17. Juli an Prinz Eugen: „ob aber 
anjetzo bei dieser Sommer-Saison Zeit seie, ein dergleichen Huszaren 
Regiment, welche aus dem Raub ihren Nutzen und Vortheil zu suchen 
gewohnt, in die Refraichirung zu schicken, will man dahin gestellt 
sein lassen" 1 !. Lamberg, als er diese wegwerfende Aeusserung tliat, 
unterschätzte den Dienst, welchen die von ihm zu Räubern gestempelten 
Huszaren bei Dämpfung allenfallsiger Unruhen leisteu konnten. 

Die Rasirung der Befestigungen von Braunau und Schärding 
wurde unter allerlei Vorwänden verzögert. Die Verschleppung dieser 
Angelegenheit hatte ihren guten Grund, denn man unterschätzte in 
Bayern keineswegs den Werth der beiden Stützpuncte Braunau und 
Schärding und wusste die völlige Rasirung der Werke hinauszuschieben 2 ). 



Wesentlichster Anlass zur Steigerung der Gährung im 
bayerischen Volke. 

Einen Wendepunct in der Haltung der Bevölkerung bildete der 
hofkriegsräthliche Erlass ddo. Wien, 31. Juli, vermöge welchem zur 
Ergänzung der Armee in Italien eine neue Recrutirung in des Kaisers 
„Erb-Königreich und Landen" vorgenommen, die alte Werbung hin- 
gegen aufgehoben werden sollte 3 ). 

Da auch Bayern sein Contingent zu stellen hatte, so lioss die 
Administration am 17. August eine Berathung pflegen, welcher FML. 
Bagni, Obrist De Wendt, die Kriegs- Commissariatsamts -Substi- 
tution und einige höhere Ofnciere von der Infanterie beigezogen wurden. 
Man kam zu dem Schlüsse: „gibt die Experienz mehr als zu viel. 
dass die Landesbewohner bei Zwangsmitteln, nachdem sie ohnehin 
gegen die kaiserlichen Truppen einen eingepflanzten Hass tragen, dass, 
wenn ihnen nur die geringsten favorablen Convenientien zu statten 
kommen konnten, sie bald mit der in der Brust hegenden Dcsperation 
losbrechen und für ihren Churfürsten alle extrema tontiren würden *)". 
Aus diesen (i runden versuchte die Administration Gegenvorschläge, aber 
schon unterm 24. August erfolgte die hofkriegsräthliche Intonation. 
dass es im Willen des Kaisers liege, es mit diesem Reiche nicht 
glimpflicher, als mit den Erbländern zu halten. Alle Gegenvorstellungen, 
„dass der Vater seinen Sohn oder Knecht nicht abgeben wolle-, >eieu 



') Kriegs-Archiv, Komisches Reich, 17u.">; Fase. VII. 20. 

^1 Kri.egs-Archiv, Römisches Reich, 170") : Fase. X. 1. 

*) Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 170.">; Fase. VII. 4 t. 

») Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; läse. VIII. 16. 



382 

zu unterlassen, indem derlei Rücksichten in den Erblanden wenig 
oder gar nicht obwalten, keinesfalls aber „auf herrenlose Bursche" 
Anwendung finden. Auch müsse, in Erwägung, dass die Erblande 
ungeachtet vielfacher Contributionen und erlittener feindlicher Ein- 
fälle nebst der Recrutenstellung zur Lieferung von 6000 Remonten 
(*/„ Cürassier-, '/ a Dragoner-Pferde) verhalten worden, ein Gleiches in 
Bayern, und /.war nach Proportion zu erwirken getrachtet werden. Im 
Interesse Sr. M ; i j i <t;it habe man alle Mittel aufzubieten, um in 
Italien „die Superiorität der Waffen zu erhalten" '). 

lieber diesen Erlass war die Administration äusserst bestürzt, 
dass der Hof kriegsrath : „supponirt, das Land Bayern gleich einem 
Erblande zu tractiren, welches doch ex addictis argumentis weil diffe 
riret und nullo modo aut genere zureichend sein wird, dass es die 
schuldige Devotion mit Sacrificirung von Gut und Blut, gleichwie es 
für den Churfürsten gethan, für das Erzhaus Oesterreich bringen 
werde")". In dem bezüglichen an Prinz Eugen gerichteten Schrift- 
stücke ist auch betont, dass seit einigen Wochen kaiserliche Soldaten 
in verschiedenen Theilen des Landes ermordet wurden, und „nichts 
als ein unglücklicher Zufall abgeht, womit das Land die Empörung 
unternehmen dürfte". 

Prinz Eugen aber erklärte die Recrutirung in Bayern als eine 
Sache, die nach des Kaisers Resolution geschehen müsse und ' solle. 
Insolange man nicht wirklieh an's Werk gehe und lediglieh von Schwie 
rigkeit und Unmöglichkeit spreche, werde der Erfolg um so schwie- 
riger, je länger man zögere, nachdem die Zeit verrinne, an der Alles 



Die Recrutirung Hess aber „ohne Ankehrung einer militärisch 
scharfen Exemtion" schlechten oder gar keinen Erfolg hoffen, und 
die Administration leimte die Eolgen ab, welche aus einer solchen ent- 
stehen würden 1 ). Jedenfalls war von Seite dieser Behörde ein Missgriff 
geschehen, denn, um der Anordnung, in den bayerischen Landen 
3000 Recruten auszuheben, sieher Folge zu leisten, hatte man die 
Aemter angewiesen, 1000 Mann über den wirkliehen Bedarf vorzurufen, 
d. li. „alle ledigen und vagirenden Bauernbursehe aufzugreifen und aus 
denselben das anrepartirte Quantum von 3000 Mann herauszunehmen*)^. 

Dies, sowie die allgemein verbreitete Meinung, dass nichl blös 
alle Vergerufenen zum Kriegsdienste gezwungen, sondern auch aussei 



') Haus-, ll"t'- uud Staats-Archiv, Havarien; August 17o5. 
«) Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. VIII. 25. 
',. Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 17i>5; Fase. X. 1. 
■ Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Bavarica; 1705. 



Land geführt würden, veranlasste die Stellungspflichtige männliche 
Bevölkerung zur Flucht in's Gebirge und über die Landesgrenze. 

Seihst jene Wenigen, die nicht abgeneigt waren, den kaiserlichen 
Fahnen zu folgen, vermieden dies, weil sie nicht nach Italien wollten. 
Uebrigens brachten auch viele Aemter die Entschuldigung vor, wie in 
Folge der vom Churfürsten vorgenommenen früheren Recrutirungen 
die tauglichen Männer derart zusammengeschmolzen, dass diese neuer 
liehe Aushebung gänzlich ausser dem Bereiche der Möglichkeit liegeJ). 

Nun wurde es mit einer anderen Methode versucht, und man 
schrieb an die benachbarten Fürsten und Städte des Reiches, die 
^flüchtigen bayerischen jungen Bursche und Bauernknechte oder Vaga 
bunden - ', wenn sie ihre. Grenzen betreten, „handfest zu inachen und 
auszuliefern''; im Lande selbst aber erfolgte die Ausschreibung wider- 
holt für den 8. October, und es ward für den Fall der Weigerung 
..mit der militärischen Vigor"' gedroht. Aber selbst gegen Ende 
October zeigte sich noch nicht die leiseste Hoffnung, auch nur an- 
nähernd das geforderte Recrutenquantum aufzubringen. Im Gegentheile 
traten in der oberen Pfalz und Traunstein nächst Burghausen Anzeichen 
des Aufruhrs zu Tage, und im ganzen Lande war Murren und Auf- 
lehnung vernehmbar - 1. 

Ungeachtet aller Vorstellungen beharrte die kaiserliche Regierung 
„auf der Stellung der Mannschaft, in alleweg" 3 ), und die Administration 
erwiderte wiederholt, dass nur Anwendung von Waffengewalt zum 
Ziele führen könne. 



Der Ausbruch des Aufstandes. 

Die dem Sturme in der Regel vorangehenden Anzeichen blieben 
nicht aus. In den Rentämtern Landshut und Burghausen wurden gegen 
Ende October einige Beamte erschlagen, die Bauern zertrümmerten an 
den Amtsgebäuden Thüren und Fenster, um in den Besitz der abgelie- 
ferten Contributionsgelder zu gelangen und es kam zu Thätlichkeiten 
gegen die in verschiedenen Orten dislocirten kaiserlichen 1 »etachements ' |. 
Die zuLandshut über Nacht im Amtshause internirt gewesenen Recruten 
wurden durch abgedankte Soldaten und durch Bewohner, die sieh 
ihnen angeschlossen hatten, gewaltsam befreit und den zu Kelheim 



') Haus-, Hof- und Staats-Archiv, Bavarica; 1705. 
2 ) Kriegs-Arrliiv, Knniisrh.^ I.Yi.-li. 1705: Fase. X. 17. 
3 i Kriegs-Arrliiv. leimischcs liric-li, 1705: Fase. -X. 24. 
*) Kriegs-Archiv, Römisches Reich, 1705; Fase. XI. S. 



384 

auf Werbung gestandenen Hauptmann Meixner vom Castellischen 
Regimente plünderte ein altbayerischer Büchsenmeister mit Hülfe der 

Bürger völlig aus. 

Auch in Bayerns westlichem Theile, bei Memmingen, rotteten sich 
gegen 500 Mann zusammen, fielen in die einzeln stehenden Mühlen und 
Gehöfte ein, um zu rauhen und zu plündern. Diesem Treiben machte 
die Energie des Markgrafen von Baden bald ein Ende, denn derselbe 
gab auf die erste Nachricht dem Commandanten von Ulm, < »bristlieu- 
tenant von Wohlberg, den Befehl, sowohl von seiner Garnison, als 
von jener zu Memmingen die als nöthig erachtete Mannschaft zu nehmen 
und „rücksichtslos diesen Brand im Keime zu ersticken". Selbst von 
dieser Seite wurde an die Administration berichtet, dass die Aufständi- 
schen zumeist „aus Soldaten der churbayerischen Milizen und zusammen- 
gelaufenem Gesindel" bestanden. 

Nicht so leicht wie bei Memmingen gelang es in dem östlichen 
Theile Bayerns einer Bewegung Meister zu werden, die dort nicht 
nur die Hefe des Volkes, sondern auch die ansässige Bauernschaft 
ergriffen hatte. 

Zur Schürung des Feuers trug Frankreich das Seinige redlich bei, 
denn aus Schaffhausen erfolgte nachstehender, in französischer Sprache 
abgefasster Aufruf: „Die Bewohner von Frankreich und alle Katholiken 
dieses Landes freuen sich sehr über die Revolte in Bayern und schmei- 
cheln sieh, dass diese Rebollion den Waffen der Alliirten eine grosse 
Diversion machen werde. Es verlautet, dass bereits mehrere französische 
und bayerische < »fficiere unter einem hervorragenden Führer abgegangen 
seien, um die Aufständischen zu eommandiren, dass zur Ermuthigung 
eine beträchtliche Rimesse unterwegs, endlich dass Frankreich über- 
haupt entschlossen sei, diese Rebellion zu nähren, damit die Armee 
des Prinzen Eugen von Savoyen in Italien nicht verstärkt werden 
könne und dadurch viel leichter an's Ziel zu gelangen ')." 

Die Aufständischen hatten aber nicht nur in Frankreich, sondern 
auch mit Italien Verbindungen, wie sieh dies aus einer aufgefangenen, 
von Braunau nach Italien bestimmt gewesenen Correspondenz her- 
ausstellte. 

( >bschon sieh keine bestimmten Daten vorfinden, welche auf die 
Organisatoren der Erhebung sehliessen lassen, So geht doch ans den 
folgend angeführten Thatsachen hervor, dass der Aufstand planmässig 
angelegt und in dieser Weise auch durchgeführt war. Bei voller 
Anerkennung des militärischen Werthes der ehemaligen ehurbayeri- 






irica; August 1705 



sehen Soldaten, kann doch diesen allein nicht die Fähigkeit äusserst 
geschickter Führung bewaffneter Bauernschaaren zugeschrieben werden. 

In der Gegend von Greissbach, Reichenberg, Frontenhausen, 
Eggenfelden und Biburg erfolgten die ersten nennenswerthen Zusam- 
menrottungen, und die in grösserer Masse gesammelten, mit Feuer- 
gewehren versehenen Aufständischen richteten ihre Angriffe auf jene 
Abtheilungen des Bartheisischen Regiments, welche in geschlossenen 
Orten des Landshuter Rentamtes zur Eintreibung der Steuern com- 
mandirt waren. Diese Truppen, sowie die von München ausgesendeten 
Streitparteien der Huszaren wurden zum Rückzüge gezwungen. 

Um dem weiteren Umsichgreifen der Empörung Einhalt zu thun, 
sah sich die Administration doch endlich genöthigt, eine Truppenmacht 
aufzubieten, und FML. Bagni beorderte daher den zu München be- 
findlichen Obristen DeWendt am 10. November mit 100 Huszaren, 
der Grenadier-Compagnie De Wendt, 300 Recruten verschiedener 
Regimenter, 100 deutschen Pferden und 4 Regimentsstücken, um 
die am stärksten bei Eggenfelden versammelten Aufständischen anzu- 
greifen und zu zersprengen. 

Als DeWendt nach einer kaum begreiflichen Marschbewegung 
von mehr als 24 Wegstunden innerhalb zweier Tage sieh am 12. No- 
vember dem genannten Orte genähert, brachten seine Parteien die 
Nachricht, solcher sei von ungefähr 500 Mann besetzt. Um keine Ze